Der Satz wurde über Jahrzehnte hinweg von Philosophen, Literaturwissenschaftlern und Schriftstellern kontrovers diskutiert und rief den Widerstand von Lyrikern auf den Plan. / Rheinische Post
Pilotveranstaltung in der neuen offenen Diskussionsreihe zur Lyriktheorie & Poetologie.
Mit Bertram Reinecke, Tobias Roth und Lea Schneider.
Moderation: Asmus Trautsch
Mittwoch, 28.1.
Geöffnet ab 20:00 Uhr, Beginn 20:30 Uhr | Eintritt 5 EUR
Mit der Edition Poeticon hat das Verlagshaus J. Frank 2013 eine Buchreihe mit Essays zur Lyriktheorie und Poetologie eröffnet, in denen Dichterinnen und Dichter jeweils ein titelgebendes Thema verhandeln: Ein Forum zum Nach-, Um- und Weiterdenken von Fragen und Problemstellungen insbesondere der zeitgenössischen Lyrik.
Zusammen mit Asmus Trautsch, dem Herausgeber der Edition Poeticon, begleitet Lyrik im ausland diese Auseinandersetzung in loser Folge mit der Reihe D/O Poeticon. Jenseits von Buchvorstellung oder bloßer Lesung sind jeweils zwei Bände der Edition Ausgangs- und Reibungspunkt der gemeinsamen Diskussion zwischen den Autoren, ihren Gesprächspartnern und dem Publikum.
Alle, die an diesem offenen Format gerne teilnehmen, die mitargumentieren, -streiten oder einfach nur zuhören möchten, sind herzlich willkommen!
Zur heutigen Premiere stellen die Poeticon-Autoren Bertram Reinecke und Tobias Roth über Kreuz kurz den Essay des jeweils anderen vor und eröffnen mit Lea Schneider, die wir als ihre Gesprächspartnerin eingeladen haben, die Diskussion zu den Themen ihrer Essays.
In seinem Band „Gruppendynamik“ stellt Reinecke der romantischen Vorstellung, es komme für Dichter vor allem darauf an, die eigene Stimme zu finden, das Lernen literarischer Techniken in Schreibschulen gegenüber. Er beschreibt die Probleme und Ironien wie auch die Möglichkeiten und Gewinne eines Lehrens und Lernens lyrischen Schreibens in gruppendynamischen Prozessen.
Roth zeichnet in seinem an Traditionsbezügen reichen Band „Tradition“ die Geschichte der Nachahmung, der Transformation und der Leugnung von Traditionen in der Literaturgeschichte nach und zeigt, wie auch die modernen Formen, Traditionen zu brechen und zu ignorieren, selbst in Traditionen stehen. Produktive und unproduktive Auseinandersetzungen mit Traditionen sind offenbar so alt wie die Dichtung selbst.
Genauso, wie sich die ästhetisch-historische Traditionsbildung in der Literatur als ein gruppendynamischer Prozess in Abwesenheit begreifen lässt, entwickeln sich in jeder Schreib- und Lektüregruppe unweigerlich Elemente einer eigenen Traditionsbildung im Kleinen: Wir sind gespannt, wohin Tobias Roth, Bertram Reinecke und Lea Schneider, die mit dem Schreiben und Rezipieren von Texten in Gruppen aus dem Lyrikkollektiv G13 bestens vertraut ist, diese Konstellation in der Diskussion führen wird…
Bertram Reinecke, *1974, lebt in Leipzig. Er ist Absolvent des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig (DLL) und derzeit dort Gastprofessor. Vorlagen für Werke der zeitgenössischen Musik (u. a. für Xadica Zeynalova, Johannes X. Schachtner, Mathias M. Møller) sowie literatur- und sprachkritische Arbeiten für verschiedene Zeitschriften (Akzente, Bella Triste und Anthologien wie Gegenstrophe, Umkreisungen), Netzforen und den hessischen Rundfunk. Stilkritiker der journalistischen Fachzeitschrift Message. Betreibt den Verlag Reinecke & Voß. Zuletzt erschienen: „Gleitsichtwochen“ und „Gruppendynamik“ (Verlagshaus J. Frank, 2013).
Tobias Roth, *1985 in München, studierte in Freiburg und Berlin. Er lebt als freier Autor, Übersetzer, Kritiker und Literaturwissenschaftler in Berlin. Seine Essays und Rezensionen erscheinen u. a. in der Süddeutschen Zeitung sowie in diversen Onlinefeuilletons. Seit 2011 ist er Herausgeber der Berliner Renaissancemitteilungen, seit 2012 im Vorstand der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft. 2007, 2009 und 2011 war Roth Preisträger im internationalen Essay-Wettbewerb der Goethe-Gesellschaft in Weimar, 2010 Stipendiat des Mannheimer Mozartsommers und der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin, 2010 und 2012 war er Nachwuchsautor der Literaturstiftung Bayern. 2011 gewann er den Preis des Buchhandels beim poet|bewegt in Chemnitz und 2013 den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Zuletzt erschienen: „Aus Waben“ und „Tradition“ (beide Verlagshaus J. Frank, 2013).
Lea Schneider, *1989 in Köln, ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13. Sie übersetzt zeit- genössische Lyrik aus dem Chinesischen und veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien, u.a. in Jahrbuch der Lyrik, Bella Triste, Poetry East West und im Magazin der Bundeskulturstiftung.
Sie hat Soziologie, Komparatistik, Sinologie und Linguistik in Berlin, Shanghai, Taipei und Frankfurt/Oder studiert, ist bei Literaturfestivals in Deutschland und China aufgetreten und war Finalistin beim poet|bewegt-Wettbewerb 2011 und beim 21. open mike. 2014 gewann Lea Schneider den Dresdner Lyrikpreis. Zuletzt erschienen: „Invasion Rückwärts“ (Verlagshaus J. Frank, 2014).
Asmus Trautsch, *1976 in Kiel, studierte Komposition, Philosophie, Mediävistik und neuere deutsche Literatur in Berlin und London. Promotion in Philosophie zur Theorie tragischer Erfahrung. Von 2003 bis 2010 arbeitete er als Co-Verleger und Lektor im LUNARDI Verlag für zeitgenössische Literatur; Stipendien führten ihn u. a. an die Columbia University New York, die Akademie Schloss Solitude und ins Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Er veröffentlicht Lyrik, Kurzprosa und Essays in Zeitschriften und Anthologien und gibt die Edition Poeticon heraus. Zuletzt erschienen: „Kalendergeschichten 2013“ (Hrsg.), „EXPedition Stuttgart“ (2013), „Treibbojen“ (Verlagshaus J. Frank, 2010).
… es sind politische Gedichte, mit der Betonung auf „Gedichte“, d. h. sie stehen auf der Seite der Komplexität und des gewitzten Kalküls, sind keine platten Spruch-Bekenntnis-Sachen. / Meinolf Reul, Fixpoetry, über
Kai Pohl
Solanum nigrum antichoc
Moloko+
2013 · 96 Seiten · 15,00 Euro
ISBN: 978-3-943603-06-4
Für Paulus Böhmer!
Von Alban Nikolai Herbst
Viel und oft habe ich über Paulus Böhmer, den älteren Freund, geschrieben, doch vor allem in den Neunzigern, als wir oft, es war meine Frankfurtmainer Zeit, die Köpfe zusammengesteckt haben, nicht selten von Lydia, seiner Frau, umsorgt und bekocht, die seine schweren Jahrzehnte tief begleitet hat; manches Glas haben wir miteinander geleert, uns auch schon mal gestritten, was bei solchen wie ihm und mir recht heftig werden kann. Wir saßen als Ratgeber für junge Autoren unter Dieter Betzens, meines Wahlvaters, Ägide miteinander im Jungen Literaturforum Hessen, einem Pool, aus dem unterdessen wichtige Figuren der deutschen Gegenwartsliteratur gestiegen sind, Ricarda Junge, Thomas Hettche, Jan Volker Röhnert, Maike Wetzel, einige weitere mehr; sie alle haben ihm manches zu danken. In Böhmers Garten, den er unterm Goetheturm damals noch pflegte, trafen wir uns, er und ich, im Schuppen mit einer imaginären Marika Kilius, die wir dort tagelang noch sehr viel imaginärer interviewten; die Axt stand im Fenster. (…)
Paulus Böhmer hatte da schon Geschichte, hatte mit Uve Schmidt, es waren die brodelnden RAF-Jahre gewesen, in die bohème Gruppe um Günter Bruno Fuchs gehört und im heute legendären März-Verlag ein erstes Bändchen veröffentlicht; doch seither war er quasi untergegangen. Seine nächsten Bände erschienen bei Draier und anabas und blieben ignoriert, wurden allenfalls spärlich besprochen, etwa von dem beharrlichen Jürgen Linke. Wir waren wirklich nicht viele, die begriffen, welch ein Werk da vor unseren Augen entstand. Es gab Momente, in denen ich dachte, es darf nicht abermals ich sein, der drüber schreibt, und Linke halt, wir beide in die Öde rufend. (…)
/ Weiter bei Faust Kultur
Es gibt komplexe Zusammenhänge, die sich durchaus in einfacher Form darstellen lassen. Nur können muss man es. Der Dichter Eugen Gomringer kann es: „baum / baum kind / kind / kind hund / hund / hund haus / haus / haus baum / baum kind hund haus“. Das ist eine „Konstellation“ von Worten, wie es die Verfechter der konkreten Poesie nennen. Das versteht jedes Kind, nur wir Erwachsenen verdrehen die Augen, weil wir vom Wortschwall, der täglich als Kommunikation auf uns niederprasselt, zu komplex und zu kompliziert denken.
„Baum, Kind, Hund, Haus. Das nenne ich meine Weltanschauung. Der ‚Baum‘ als verwurzeltes Wesen, unbeweglich; ‚Kind‘, der Mensch; ‚Hund‘, das gezähmte Tier, mit vier Beinen; und das ‚Haus‘ als erstes Kunstwerk des Menschen – Schutz und Kunstwerk. Die vier bilden eigentlich immer noch so den Umfang des menschlich Notwendigen.“ Wenn Eugen Gomringer etwas erklärt, dann tut er es immer noch mit Verve. Sein Alter merkt man ihm sowieso nicht an. / Andreas Puff-Trojan, Der Standard
Kevelaer. 92 Jahre lang musste die Welt auf die Antwort auf Rainer Maria Rilkes Meisterstück „Die Sonette an Orpheus“ warten – bis der Lyriker Robert Stammsen aus Kevelaer sie nun gab
Es ist, als ob man einem ganz großen Dichter einen Spiegel vorhält. Der Kevelaerer Lyriker Robert Werner Stammsen hat jetzt in Eigenregie „Die Sonette an Rilke“ veröffentlicht – quasi als Antwort auf Rainer Maria Rilkes Meisterstück „Die Sonette an Orpheus“. (…)
Detailgenau hat Stammsen jedes der 55 Sonette beantwortet und – zur Freude vieler Deutschlehrer – den Diskurs, nicht nur inhaltlich, sondern auch in der äußeren Form gewahrt: Er wählte das klassische Shakespeare-Sonett … / WAZ 6.11.14
Vom 5.-8.2. findet in Tozeur im Südwesten Tunesiens ein Internationales Lyrikfestival zum Thema „Lyrik und Übersetzung“ statt. Es ist das 34. Lyrikfestival in Tozeur. In diesem Jahr ist es den Dichtern Mohamed Chokri Miaadi und Mohamed El Mouldi El Gazeli gewidmet, die im vergangenen September bei einem Verkehrsunfall starben.
Teilnehmer sind Dichter, Kritiker, Künstler und Journalisten aus 15 Ländern (Tunesien, Irak, Palästina, Jordanien, Marokko, Algerien, Saudi-Arabien, Oman, Ägypten, Italien, Spanien, Schweden, Frankreich, Libanon und Belgien.
Unter den Teilnehmern sind Said Al-Mortada (Algerien), Yousef al-Ṭawil und Jamil Abu Sabih (Jordanien), Ali Ayel Kathiri (Oman), Saad Abu Obeid (Palästina), Mohamed al-Ajami (Qatar), Salvatori Napa (Italien) und Rozelle Alicia Vega (Spanien).
Das Geburtstagskind hat für diesen Abend auch neue Werke mitgebracht, die er in seinem schönen Sprachduktus, einem schwingenden Schwyzerdütsch mit schwebendem, fränkischem Einschlag, liest. Wenn Gomringer spricht, dann ist die Welt voller Jamben. So klar rhythmisiert sind seine Sätze, dass man versucht wäre, dazu kleine Bogenschwünge auf ein Papier zu malen. Er liest aus einer Neuverortung des Lukas-Evangeliums für eine Kirche in Kulmbach, präsentiert Auftragswerke in spanischer und englischer Sprache und einige seiner Sonette. „Sonette sind eine Alterserscheinung, wenn man so angefüllt ist mit Erinnerungen, dann bietet sich das leichter an“, findet er und muss im Anschluss viele der gelben Bändchen signieren.
/ München: Vater der konkreten Poesie: Ein Künstlergespräch mit Eugen Gomringer anlässlich seines 90. Geburtstags – Donaukurier
Die hinreißende Kompliziertheit des Polnischen verträgt sich gut mit Neuer Musik. Soviel stand am Ende des Festivals „Europäischer Dichter der Freiheit“ fest, das die Stadt Danzig im März 2014 zum dritten Mal ausrichtete. Neue Impulse setzte dabei der Lyriker Tadeusz Dabrowski, mit dem erstmals ein künstlerischer Leiter das Festival kuratierte. Dieses widmet sich ganz der Lyrik in polnischer Übersetzung – nach Durs Grünbein 2012 gewann diesmal die Kroatin Dorta Jagic, von der sich einige Gedichte auf Deutsch im Internetportal „lyrikline.org“ finden. Auch eigene Strophen wie „Zwischen der Ebbe der Gedanken und der Flut des Schlafs“ ließ Dabrowski, Sohn einer Deutschen, vertonen.
Der 35-Jährige ist außerdem Essayist, Kritiker und Redakteur der Literaturzeitschrift „Topos“ in Danzig. 2006 gab er mit „Poza Słowa“ – was sowohl „Pose des Wortes“ als auch „außerhalb des Wortes“ bedeutet – eine bedeutende Anthologie für zeitgenössische Lyrik heraus. Doch im Grunde hält Tadeusz Dabrowski trotz all dieser vielfältigen Aktivitäten sich und seine Dichterkollegen für Einzelgänger, die man keineswegs zur Geselligkeit zwingen solle. Vielleicht hängt der ernste junge Mann mit den rotblonden Locken und der strengen dunklen Brille ja insgeheim der Auffassung des Malers Francis Bacon an, wonach es die Aufgabe des Künstlers sei, das Geheimnis zu vergrößern. / Katrin Hillgruber, Badische Zeitung
Charles Simic erinnert in der New York Review of Books an seinen Freund Mark Strand, der im November starb:
One wild notion of ours actually bore fruit. We started a new poetry movement that we hoped would make us famous. Every other poet was starting one forty years ago, so we thought, Why not us? Ours was to be called Gastronomic Poetry. Both Mark and I had noticed at poetry readings that whenever food was mentioned in a poem—and that didn’t happen very often—blissful smiles would break out on the faces of people in the audience. Thus, we reasoned, in a country where most people hate poetry and everyone is eating and snacking constantly, poems ought to mention food more frequently. To fix that deplorable omission, we thought we’d include one or more mouth-watering dishes in every poem we wrote, no matter what its subject was. Literary purists were bound to be shocked finding barbecued ribs or a slice of apple pie in some sublime poem of ours, but those millions of Americans who buy gourmet magazines and cookbooks and dream of eating the gorgeously prepared meals described in their pages, without ever bothering to make them themselves, would rush to buy our books and enjoy them in the same way. Mark’s poem about pot roast is an example of gastronomic poetry:
I gaze upon the roast,
that is sliced and laid out
on my plate,
and over it
I spoon the juices
of carrot and onion.
And for once I do not regret
the passage of time…There are more than a few of mine where yummy dishes are mentioned. Here’s a love poem called “Café Paradiso”:
My chicken soup thickened with pounded young almonds.
My blend of winter greens.
Dearest tagliatelle with mushrooms, fennel, anchovies,
Tomatoes and vermouth sauce.
Beloved monk fish braised with onions, capers
And green olives.
Give me your tongue tasting of white beans and garlic…
Wo sind wir hier? Es ist fast immer „schwarzes Material“, das Marcel Beyer in seinen Gedichten erkundet und auf seine historische Stofflichkeit und Zeugenschaft untersucht, es ist zeithistorisches Territorium, auf dem sich vieles kreuzt und „überlagert“. Im Fall dieses Gedichts überlagert sich die Tötung des Terroristen Osama bin Laden, des gefürchteten Staatsfeindes, der noch am Tag seiner Erschießung von Bord eines Flugzeugträgers aus im Arabischen Meer bestattet wurde, mit der Erscheinung eines Dichters aus Salzburg. Wie macht Marcel Beyer das, wie tastet er sich vor auf ein sprachliches Gelände, auf dem eigentlich nur konforme, staatstreue, sozialverträgliche Deutungen zirkulieren?
Verschwörungstheorien sind für einen Dichter keine Option. Ein Dichter nimmt die vorgefundene Sprachmaterie, betrachtet sie misstrauisch, zerlegt sie, fügt sie mit anderen Elementen zu einer neuen aufregenden, meist fragmentarischen Konstellation von Wörtern, Bildern und Sätzen zusammen. / Michael Braun, Die Zeit
träum‘ nicht auf der Straße – was deine wachen Augen sehen, ist rätselhaft genug
Hansjürgen Bulkowski
Genau einhundert Jahre nach dem Tod Georg Trakls hat der Insel Verlag die „Sämtlichen Gedichte“ neu veröffentlicht, diesmal in „chronologisch-thematischer Reihenfolge“. (…)
Wer diesen Autor kennenlernen möchte, ist mit der Neuerscheinung aus dem Insel Verlag gut bedient. Wer sich allerdings tiefergehend für das Werk interessiert, sollte sich die dtv-Ausgabe besorgen. Denn die Herausgeber haben – obwohl der Klappentext eine chronologische Reihenfolge ankündigt – keine Publikationsdaten angegeben. Die Texte sind in Kapiteln gruppiert, die jeweils eine von Trakl vorgesehene Überschrift tragen. Es mag eine passende Geste des Verlags sein, zum Todestag des Lyrikers eine Neuausgabe zu publizieren; die fehlenden Informationen hinterlassen allerdings einen bescheidenen Gesamteindruck, den die Wirkungskraft der Gedichte zum Glück ein wenig aufheben kann. / Matthias Friedrich, literaturkritik.de
Georg Trakl: Sämtliche Gedichte.
Insel Verlag, Berlin 2014.
205 Seiten, 8,00 EUR.
ISBN-13: 9783458360377
Die Gedichte Paulus Böhmers sprengen jeden Begriff: flussartige Gebilde in einem Umfang, der sonst ganzen Bänden vorbehalten ist; das aktuelle Langgedicht umfasst 236 Seiten im A4-Format. Man muss weit zurückgehen, um auf Vergleichbares zu stoßen, vielleicht bei den Visionen des Propheten Jesaja, den Prophezeiungen Nostradamus’, den Psalmen Walt Whitmans. Vielleicht sollte man auch Hieronymus Bosch, den Apokalyptiker, Dalí, den großen Masturbator, die Orgelkaskaden Bachs, die Riffs von Hendrix erwähnen, um Böhmer begreifbar zu machen. (…)
Es überrascht, dass Böhmer mit seinen monolithisch in der Literaturlandschaft stehenden Langgedichten ein Geheimtipp geblieben ist. Kürzlich wurden ihm zwei Goethe-Medaillen, der Hölty-Preis und der Gernhardt-Preis verliehen. Sein Hauptwerk Kaddish, ein 600-seitiges Memorial, ist bei Schöffling vergriffen. 2011 ging Böhmer mit Am Meer. An Land. Bei mir zum Verlag Peter Engstler in der Rhön, wo inzwischen auch die ihn bewundernden Avantgardisten wie Monika Rinck und Ulf Stolterfoht veröffentlichen. Engstler ist die verlegerische Großtat anzurechnen – schließlich ist Böhmer ein Dichter, der noch einmal, nach Rimbaud, Lautréamont und Apollinaire, poetisches Neuland betritt: Böhmers Gedichte sind keine bequeme Lektüre, sondern eine körperliche Erfahrung, der man sich aussetzen muss. / Jan Volker Röhnert, Die Zeit 54/2014
Paulus Böhmer: Zum Wasser will alles Wasser will weg
Verlag Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2014; 236 S., 35,00 €
Inspired in equal parts by Russian futurists, French surrealists, and New York School poets, as Colm Tóibín noted, Tomaž was nevertheless too slippery to be compared to anything. His poems will continue to defy categorization, but they will be remembered for the way they walked the tightrope between ecstasy and despair, the rational and the irrational, the sublime and the horrible. At his finest, Tomaž could even achieve this in less than twenty-five words:
RAIN
It rained during the night.
Did the snails sleep or paddle?
The pine tree strained itself and grew for a millimeter
and there, far away, Lebanon was bombed.
/ André Naffis-Sahely, The Paris Review
A marathon reading of texts and poems in honor of Tomaž Šalamun will be held at the Mini Teater in Ljubljana on February 3. The event will be broadcast on RTV Slovenija and globally via Skype.
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