Herr J. kommentiert

die Verleihung des Buchmessepreises an einen Lyriker:

 

HerrJ…
gestern 12:48 Uhr

da kommt was auf uns zu

wie grausam, nun sind all die langweiligen Dichter bestätigt und es geht so weiter. Nichtssagendes plätschert umher und hinterläßt nichts, aber seis drum, immerhin mal ein Dichter

Liebe Lyriker: bitte jetzt nichts sagen. Liebe Jury: bitte mal in  der Satzung nachsehen, ob man auch Leserkommentare auszeichnen kann. Davon gibts nämlich noch mehr als Lyrikbände. Und noch dämli…, ich meine noch-weniger-als-nichts-sagende.

Christoph Meckels „Ausgabe letzter Hand“

(…) Er war und ist einer der großen Dichter der deutschen Nachkriegsliteratur.

So jedenfalls nennt ihn, den Berliner, der sich immer wieder in sein Dorf Rémuzat im Département Drôme im Südosten Frankreichs zurückgezogen hat, der Herausgeber einer jetzt erschienenen opulenten Gesamtausgabe der Meckelschen Gedichte. Gut 950 Seiten auf feinem Chamois-Dünndruckpapier umfasst die Ausgabe, zu der Wolfgang Matz ein ausführliches Nachwort geschrieben hat. Der Schutzumschlag zeigt ganz unverkennbar eine Grafik von Christoph Meckel, der auch an der Edition dieses gewichtigen Buches beteiligt war: Hier und da hat der Autor ein Gedicht noch einmal überarbeitet, grundsätzlich hat er sich im Zweifel für die jeweils späteste Fassung entschieden und damit den Fortgang des Lebens und der Erfahrungen mit der Entwicklung seines lyrischen Werks koordiniert. Ein solches Verfahren ruft nicht nur Gleichklang zwischen Leben und Werk hervor, sondern auch existenzielle Widersprüche und Dissonanzen. Christoph Meckel hat kurz vor seinem 80. Geburtstag im Juni dieses Jahres die große Chance zu einer „Ausgabe letzter Hand“ genutzt. / Herbert Wiesner, Die Welt

Christoph Meckel: Tarnkappe. Gesammelte Gedichte. Hanser, München. 960 S., 34,90 €.

Messestatistik

LBM_Logo_2015_4C

  •  3000 Mitwirkende bei „Leipzig liest“ in 3200 Veranstaltungen an 410  Orten
  • 2.263 Aussteller
  • 2014 waren 237.000 Besucher da, davon 175.000 auf dem Messegelände
  • Gastland Israel hat 8 Millionen Einwohner, Deutschland über 80 Millionen. In Israel gab es 2013 7863 Erstauflagen, in Deutschland mehr als zehnmal soviel: 81919.
  • Bei gegenseitigen Übersetzungen ist Verhältnis umgekehrt: 63 Titel wurden aus dem Deutschen ins Hebräische übersetzt, das sind 8 Promille. Umgekehrt aus dem Hebräischen ins Deutsche waren es nur 40, das sind nicht einmal ein halbes Promille der deutschsprachigen Erstausgaben.
  • In Israel gab es 2012 1664 Verlage, in Deutschland nur unwesentlich mehr: 2209.
  • Bei der Lyrik aber scheinen die Israelis ähnlich zurückhaltend wie die Deutschen. 40 Autoren aus Israel und Deutschlandlesen und sprechen auf über 70 Veranstaltungen – Gedichte: keine. Auch in der kostenlos erhältlichen Pdf mit Angaben und Leseproben aus den in Leipzig vorgestellten Büchern gibt es auf 125 Seiten kein einziges Gedicht. (Also 1, in Worten eins, doch: bei der Vorstellungs des Romans „Reise nach Jerusalem“ des in Israel lebenden Palästinensers Ayman Sikseck wird ein Gedicht zitiert:

Ich schreibe in der hebräischen Sprache,
die nicht meine Muttersprache ist,
um auf der Welt verloren zu gehen.
Wer nicht verloren geht,
wird das Ganze nicht finden.
Denn jeder hat die gleichen Zehen an den Füßen,
die er behutsam einen vor den anderen setzt.

Aus „Ich schreibe Hebräisch“ von Salman Masalha

Sikseck, Ayman: Reise nach Jerusalem | Arche | 2012 ISBN: 978-3716026878 | Gebunden | 92 Seiten | 18,00 €

 

Das Programm Leipzig liest 2015 unter www.leipziger-buchmesse.de/leipzigliest

Autorenguide der Leipziger Buchmesse 2015 (PDF, 4,9 MB)

„Ausgeufertes Rezensionstagebuch“

Ann Cotten rezensiert bei lyrikkritik.de die Bände der Poeticon-Reihe von J.Frank.  L&Poe präsentiert weitgehend dekontextualisierte süße und bittere Mandeln aus dem langen, funkelnden und üblich-scharfen Text.

GROSZBUCHSTABEN

Ein ausgeufertes Rezensionstagebuch über die Reihe „Poeticon“ im J. Frank Verlag.


Wie arrogante Sprüche auf Jutesäckchen: Großes Maul, schlechtes Material. Das könnte eine Formel für Frechheit und Jugend sein. In diese Mode fügt sich die Reihe wohl ein. Freilich messen sich diese kleinen Fibeln dadurch mit anderen Miniaturausgaben: Kapital, Koran, Bibel. Es gibt Ähnlichkeiten – auch in letzteren beiden steht viel Blödsinn drin.


Jetzt quäle ich mich wie ein Moralist durch die Heftchen und beschwere mich über die Ödnis, während ich doch eigentlich eine hitzköpfige, intolerante Leserin bin und lieber die Lektüre abbreche und spazierengehe, als zu leiden und nachher dem Autor Vorwürfe zu machen.

Aber es geht um die Poesie! Und um die Theorie! Ich lese weiter.


Wieder eineinhalb Seiten. Es ist wie ein Spaziergang am Meeresstrand. Schon irgendwie entspannend, wenn ich mal mein Erkenntnisinteresse vergessen könnte.


In einigen Endnoten steht a.a.O., obwohl die Referenz zum ersten Mal vorkommt. Am Oarsch, Oida! Das schreibe ich nur hin, um zu dokumentieren, dass das sehr wohl jemand bemerkt.


Ich kenne das und misstraue dem bei mir selber auch: das irre, das durch literarische Reproduktion meines Privaten so angeschwollene Selbstbewusstsein, mit dem ich imstande wäre, ein Pferd zu satteln und Richtung Nordpol loszureiten, ohne Jacke und ohne Pferd. So froh, den Zweifeln entkommen zu sein!


Es plätschert „ich finde“, „meine liebsten“, „wie ich immer so“ dahin, als schlenderte Ötzi mit seiner Kollektion von Bookmarks durch die Eiszeit.


Martina Hefter bringt auf S. 13 auf den Punkt, was ich über sie auch manchmal empfinde: „fröhlich (…) darüber, was sich da einer getraut hat“. Wenn bloß alle, wie sie, das Wagnis als Beginn einer tollen Arbeit begriffen, und nicht bloß als Ende des Nicht-Wagens!


Dass das stimmt und ich nicht bloß schlechte Laune habe, beweist mir später B. Reineckes Essay. Er erfüllt, bis auf die allerletzten paar Seiten, ganz und gar das von einem Essay erwartbare Niveau: nämlich, nicht sichtlich für Idioten geschrieben zu sein. Ernsthaft das Kriterium der Nützlichkeit zu verwenden, um die Pointen zu schärfen und mit intelligentem Urteil zu gewichten. Sich beim Schreiben nicht blöd zu stellen.


O ich auch, ich auch, ich hasse auch diese deutsch-wichtigtuerische „Bedeutung“, dieses ehrgeizige Flammenzünglein, das immer so viel Unrat hausieren trägt.


Bei der sich dem Publikum übergebenden Kunst (Es klingt wie Kotzen – und in der Tat ist eine Entsprechung aufzufinden, dieses Übergeben seiner Selbstquälereien an die Außenwelt erlöst das Subjekt; jemand anderer muss das Gift und die Materie der Transaktion aufputzen.) ist das Ausmaß des Auf-sich-selbst-geworfen-Seins nicht begrenzt.


Das ist es gerade. Ich ja auch nicht. Es ist vielleicht nicht die Zeit, es gibt auch nicht das rechtschaffene Publikum, das einen motivieren könnte, sich zu ordnen. Was kann man voraussetzen, was muss man erwähnen, was muss man dreimal in unterschiedlichen Kontexten erwähnen, damit es klar wird? Das Gegenüber ist das Interface vom Internet, ein unendliches Palaver. Wir treffen uns informell und üben schlecht strukturierte Gespräche. Und dann soll plötzlich eine poetologische Essayreihe die Welt retten?


Ich glaube, ich habe ein idealisiertes Englandbild und bevölkere die Insel mit lauter Sternes und Byrons, ach.


… Schopenhauers, des heldenhaftesten aller Grottenolme …


Das hätte auch fast ein deutscher Witz werden können.


… eine mit herbeibemühten Zitaten gewappnete Tirade gegen Reime und gegen schlechte Dichter. Sie werden vage in Zusammenhang gestellt, unklar bleibt, ob das Benutzen von Reimen dazu führt, dass man ein schlechter Dichter wird (Vorwurf: schlechte Gewohnheit, schlechte Gesellschaft), oder man Reime verwendet, weil man ein schlechter Dichter ist (Vorwurf: schlechter Geschmack).


… ob Grünbein wohl durch Elektrotherapie in größere Erregung versetzt, vermayröckerisiert werden könnte?


Grünbein behauptet natürlich auch Freiheit der Kunst, aber er empfindet und genießt und nutzt sie nicht, nicht einmal die des Künstlers. Er unterwirft sich den verschiedenen Disziplinen, dem Denken etwa, der Gefälligkeit und dem kreativen Ehrgeiz. Das ist nicht etwas, was man sich aussucht. Bestimmt würde er gerne innerlich so frei sein wie die Mayröcker. Deswegen ist seine Kunst viel verseuchter von den Irrtümern, Dummheiten, Eitelkeiten und vor allem falschen Befriedigungen, falschen Zielen seiner selbst, seiner Umgebung und seines Publikums, dem er als Mensch und als Dichter auf eine ja irgendwie natürliche Weise gefallen will – unfrei eben. Das macht ihn mir interessanter. Wegen dieser Schwäche oder aber auch dieser größeren Sich-selbst-Ausgesetztheit als Bürger und neureichen Schwärmer ist mir Grünbein irgendwie – verständlicher. Vielleicht aber liegt die Sympathie nur daran, dass ihm alle seine Verbrechen gegen den Geschmack und gegen die Hochherzigkeit, die er doch in den Gedichten mit großen Worten herbeischreiben will, gnadenlos vorgeworfen werden (auch wenn er nichtsdestotrotz eine große Fangemeinde hat – in meinem Bekanntenkreis ist niemand, der ihn schätzt). Mayröcker hingegen darf scheinbar alles. Was natürlich auch eine Frage des Alters ist, was den Zweiervergleich an sich ja schon bei Crauss ein wenig hinken machte.


Pathos? Ja, aber nur durchgestrichen bei Ron Winkler!


Und irgendwas in mir schreit immer, es ist wohl schon wieder der innere Psychoanalytiker: hört doch endlich auf, diese warmen Herzen von ostdeutschen Männern und Frauen zu dieser zwanghaften Sicherheitsironie zu zwingen, Diskurse!


Ein Prachtsatz, überladen mit abgenudelten, einander widersprechenden Metaphern und Floskeln, unentschieden zwischen zwei uralten und auf mehrfache Weisen kaputten Bildern.


(wer, übrigens, die Grazien „Damen“ nennt, sollte eigentlich als aus dem jungen Teil der Literatur ausgeschlossen gelten und eine Schweigepension Eierlikör bekommen)


Poetisiert euch = Nett sein, Leute! Aber auch wahr sein, und nicht schummeln!


… das Rohöl der Kulturwirtschaft


ND ist aber auch ein moralisierendes Ödpack.


… angesichts der vielen nach ihrem eigenen Verständnis urteilenden Vollkoffer …


Fußnoten sind dem Menschen zumutbar!


Es ist jetzt angemessen, den Griff zu entkrampfen, Ann.


Das kann man sagen. Da stimmen auch die Eltern zu.


Man merkt, das Kuhlbrodt ein paar Jahrzehnte liest, und zwar ernsthaft auch seit langem, vielleicht aufgrund der im Essay erwähnten Ermahnung eines Philosophieprofessors, sich der Werke, die man liest, nicht als Trümmerhalden zu bedienen, sondern ihre inneren und metatextuellen Zusammenhänge nachzuvollziehen. Ernsthaft meint vor allem, dass auch denkbar ist, aufgrund von Lektüre seine eigene Überzeugungen zu ändern. Was ich bei anderen dieser Reihe nicht vermuten würde, die das Zitatesamplen scheinbar bloß als Deko für ihre bevorzugten Ansichten betreiben.

Kuhlbrodt ist kein Denker-Grübler in dem Sinn, dass er Sachen bis in alle Winkel zu verfolgen wichtiger fände als deren Bezug zum Leben. Das ist sehr angenehm und angemessen. Er ist eher ein Naturgrübler, also ein nachdenklicher Mensch, der im Leben steht (auch als Position für einen Lyriker eigentlich nicht schlecht) – und nicht einer von diesen Gespenstern (wie ich tendentiell), die sich in die Theorie flüchten, um der Wirklichkeit zu entgehen. Wobei das natürlich auch ein Bezug zur Wirklichkeit ist.
Und wie er „ich“ schreibt, der Kuhlbrodt, so schlicht und normal!


„Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, wie wir wohl alle uns nicht sicher sein können, sollte sich mit eigenen Weissagungen zurückhalten und Weisgesagtem gründlich misstrauen.“ Alle, also, seien immer unsicher, mundtot und misstrauisch. Das ist natürlich auf Anhieb ein erfrischendes Antidot zur Ode an die Freude, aber möge bloß Kassandra das nie hören! Das Problem ist, dass so nur diejenigen Idioten als Propheten überbleiben, denen nicht der leiseste Selbstzweifel einfällt. Ja, im Grunde ist es eh so. Und doch ist auch diese Forderung nicht so unsympathisch in ihrer Bevorzugung des Fressehaltens.


… Mangel an prinzipiellem Zweifel an seiner Methode. Für die gibt es halt ein Publikum, das sich gegenseitig darin bestärkt, das Verlogene, was ich an dieser Art von raunenden „Aufarbeitung“ oder bloß ergebnislosem Rumthematisieren so stark spüre, zu verleugnen.


… und ich bin hochzufrieden mit der Aussage „Geschichte ploppt herum wie in einer Betonmischmaschine.“


… soll die Motivation, die das Gedächtnis hat, zu schummeln und sein Material zu schlüssigen oder von der Gegenwart nachgefragten Eindrücken zu verarbeiten, ausgetrickst werden. Wenn das aber in kollektiven Ästhetiken und Moden, oder gar in Hinblick auf Lob geschieht, schlägt der Trick fehl. Deswegen ist wohl nicht prinzipiell und allgemein zu empfehlen, mehr Geschichte in die wohl buhlerischste aller Literaturformen, die Lyrik, einzuspeisen. Durch die bekannte Dunkelheit da drin, auch Mehrdeutigkeit und Idiosynkratik, die dominant geworden sind als radikal persönliche Ausdrucksweisen, ist viel Unfug, auch sehr blöder und brutaler, möglich.


Und obwohl das nicht sonderlich visionär klingt, geht es in Politik und Geschichtsschreibung in Wirklichkeit meistens um Schadensbegrenzung, also genau um dieses von Kuhlbrodt skeptisch beäugte Gatter der Freiheitsermöglichung innerhalb definierter Grenzen (bis zur Gewalt gegen andere, u.s.w.). Die euphorisierende Theorie ist von Schiller und Hölderlin schon in ausreichender Menge formuliert worden, in und aus unserer Zeit, wo wir uns zu recht viel weniger träumend mit der ganzen Menschheit verbunden fühlen. Da wir durch die verbesserte Informationsverbreitung nicht mehr die Naivität bezüglich Kolonialismus und Ausbeutung besitzen können wie die genannten, geliebten Dichter –
sollten wir lieber nicht versuchen, sie zu imitieren, sondern –

naja, das ist offen.


„Wie kann man den Versteher aushalten?“ Die argen Sätze sind wie zur Tarnung unter allerhand losem Geplapper versteckt.


Presseecho

LBM_Logo_2015_4CEigentlich ist Lyrik für unsere Gegenwart die Literaturform schlechthin. Doch die Gedichtbände fristen immer noch ein Nischendasein. Kann die Leipziger Buchmesse, für deren Literaturpreis erstmals ein Lyriker nominiert ist, daran etwas ändern?

12.03.2015, von FELICITAS VON LOVENBERG, FAZ

Das Hamburger Abendblatt interviewte Jan Wagner („Mit dem feinsinnigen Alltagsbeobachter Jan Wagner ist auch ein Hamburger nominiert.“)

Ein Paukenschlag: Lyrik toppt Prosa. Eine mittlere Sensation: Mit Jan Wagners „Regentonnenvariationen“ holt erstmals ein Gedichtband den Leipziger Buchpreis / Mittelbayerische

Leipziger Buchmesse Mehr Licht für die LyrikDeutschlandradio Kultur

Der Preis zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland und ist mit je 15 000 Euro dotiert. / NZZ

Der Dichter auf verlorenem Posten.Wie erfreulich, dass Jan Wagner den Leipziger Buchpreis in diesem Jahr bekommt. Er ist einer der virtuosesten Lyriker, die wir gegenwärtig haben. VON WIEBKE POROMBKA, Die Zeit

The poet Jan Wagner won the Leipzig Book Fair. All cheer. But why? This eternal entrails is a bankruptcy and symptomatic of the German literature. (…)

And the’ BBC’ analyzed these’ exciting news’ in advance at length on page one in the editorial and came to the conclusion that’ the balance of power between the novel and the poem would on the head made’.

In what world the living in? Sensation, Sensation: A sensation it might, if IS nudist would allow.

And power structure, power structure: this is not about the end of capitalism and the new social order.

So why are so drunk by itself – perhaps to hide the fact that it is a very cinnamon – and – sugary decision that would be strange if it were not symptomatic of a mental attitude that literature still, always, looks great German scholar in the country as a protection against the present. / Panteres

Sieg für das Gedicht

LBM_Logo_2015_4CMan müsste jetzt eigentlich von einer Überraschung sprechen: Der Lyriker Jan Wagner gewinnt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für seinen Gedichtband „Regentonnenvariationen“ . Ein Novum in der inzwischen elfjährigen Geschichte dieses Preises. Doch eine gewisse Verblüffung hatte es vorher schon gegeben, eben weil der 1971 geborene und in Berlin lebende Wagner als Lyriker überhaupt nominiert worden war. Weil eine Jury auf den Gedanken gekommen war, der ja schon lange ins Auge stechenden Ausgrenzung der Lyrik bei diesem Preis ein Ende zu bereiten und ihr eine größere Aufmerksamkeit zu verschaffen.

(Andererseits, was man im Vorfeld gehört hatte: Wagner war überhaupt der einzige Autor, der von den Verlagen mit einem Gedichtband eingereicht worden war).
Und so ist es dann nur konsequent, dass die Jury ihn schlussendlich auch ausgezeichnet hat, denn was hätte diese ungewöhnliche Nominierung sonst für einen Sinn gehabt? Nur mal so ein bisschen Aufmerksamkeit für die oft im Aufmerksamkeitsdefizit siedelnde Lyrik ist zu wenig: wenn schon, denn schon. So bedauerlich das gerade für den Prosaschriftsteller – und auch Lyriker – Norbert Scheuer ist, der mit seinem wunderbar poetischen Vogel- und Afghanistankriegs-Roman „Die Sprache der Vögel“ eigentlich mal dran gewesen wäre, einen solch großen Preis zu gewinnen. Schon 2009 hatte er mit seinem Roman „Überm Rauschen“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gestanden und gar als Geheimfavorit gegolten, war dann aber leer ausgegangen.

Mit Jan Wagner trifft es freilich einen der talentiertesten Lyriker des Landes, einen, der in seinen Gedichten genauso zugänglich ist, wie er sich auf Sprachvielfalt und Raffinesse versteht. Er ist ein Virtuose der Form, der sich selbst am Ton des Mittelalterlichen elegant erprobt und dem es schon gelungen ist, an Idole wie Dylan Thomas und Elizabeth Bishop sprachlich anzuknüpfen. Und: Jan Wagner schreibt im wahren Sinn des Wortes schöne Gedichte, manchmal fast zu schöne. / Gerrit Bartels, Tagesspiegel

Preis der Leipziger Buchmesse für Lyrikband

LBM_Logo_2015_4CDie Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2015: Jan Wagner, Philipp Ther und Mirjam Pressler – Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse unter der Leitung von Hubert Winkels hat entschieden: Jan Wagner, Philipp Ther und Mirjam Pressler lauten die Preisträger 2015 in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Insgesamt 115 Verlage hatten 405 Werke in den Wettbewerb 2015 geschickt.

Die Jury 2015

  • Hubert Winkels (DIE ZEIT / Deutschlandfunk)
  • René Aguigah (Deutschlandradio Kultur)
  • Dirk Knipphals (taz)
  • Sandra Kegel (FAZ)
  • Meike Feßmann (Freie Literaturkritikerin)
  • Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung)
  • Daniela Strigl (Freie Literaturkritikerin)

 

Levure littéraire 11 devoted to music and literature

DEAR WRITERS, ARTISTS AND FRIENDS, YOUR ATTENTION PLEASE!
Levure littéraire is looking for your ideas as to its next number in spring 2015. Levure littéraire will be composed around the wonderful union between music and literature, ear and eye, the sounds and letters. Levure littéraire 11 will be devoted to music and literature, and vice-versa: from poetry of song, via rhythm to voice, musicality and melody…musicians, artists, writers, photographs, journalists and psychoanalysts will celebrate the captivating relationship between the musicians and other creators of Art. Your contributions to this subject (texts in original (and also in translation) format word, photos as jpg, pdf, mp3, video, etc.) are very welcome.
The address of our electronic magazine:levurelitteraire@aol.com
Deadline: 30. 04. 2015

Die Nachteile des Erfolgs

(…) „Da hat es innerhalb der Lyrikszene schon ein bisschen Diskussion drüber gegeben“, fasst Seel die Reaktionen auf Wagners Nominierung betont nüchtern zusammen. Kern der Diskussion: Wenn Lyrik ausnahmsweise einmal wahrgenommen werde, wieso dann ausgerechnet ein so konventioneller Autor wie Jan Wagner?

Inwiefern Wagner konventionell schreibt, darüber lässt sich streiten. Tatsache ist, dass die Gedichte in „Regentonnenvariationen“ Titel tragen wie „torf“, „ein pferd“ oder „versuch über seife“, und dass sie sehr kunstvoll mit traditionellen Formen spielen. Einige behaupten allerdings, es fehle dieser Gegenwartslyrik an Gegenwart.

Der Lyriker Björn Kuhligk, der in den nuller Jahren zusammen mit Jan Wagner Anthologien zur Gegenwartslyrik herausgegeben hat, erklärt sich die Debatte um die Nominierung folgendermaßen: „Die Lyrikszene ist klein und da gibt es mitunter ein Verhalten, das an Kaninchenzüchtervereine erinnert. Wenn das eine Kaninchen den Preis gewonnen hat, dann beschweren sich alle anderen.“ Nun hat Wagner noch nichts gewonnen, aber auch seine Nominierung findet Kuhligk schon ein „tolles Zeichen“.

Schließlich gehe es darum, einem größeren Publikum zu zeigen, dass Lyrik hergestellt werde und gleich viel wert sei wie ein Roman. Kuhligk, der im Brotberuf als Buchhändler arbeitet, kann mit dem Konservatismusvorwurf gegen Wagner wenig anfangen. Es sei nur logisch, dass man bei einem so großen Preis wie dem Leipziger Buchpreis einen Lyriker auswähle, dessen Gedichte verständlicher seien als die eines experimentell arbeitenden Autors.

Dass Wagners Nominierung „markttechnisch klug“ sei, findet auch die Lyrikerin Sabine Scho. Gut findet sie die Wahl deshalb allerdings nicht. „Wenn man sagt, man will eine Signalwirkung für das, was Lyrik heutzutage macht, dann hätte man jemand ganz anderen nominieren müssen“, meint Scho. Wagner behandle „sehr restaurative Themen“, erklärt sie ihren Unmut und hält kurz inne – „also sozusagen: drei Esel auf Sizilien“. Ziemlich spöttisch klingt das, persönlich will sie es aber nicht verstanden wissen. Wagner sei eben „auch nur Statthalter für jemanden, auf den man sich ständig einigen kann“.

Was sie wirklich störe, sei, dass man mit der Nominierung Wagners die Lyrik in eine altbekannte Ecke schiebe, sie zuständig mache „für das Ergriffensein angesichts der Natur, für das Erste und Letzte und dann auch immer in einem innehaltenden Ton“.

In diesem Punkt ist sich Daniela Seel mit „ihrer“ Autorin – denn Sabine Scho ist bei kookbooks verlegt – einig. Wer Lyrik als etwas Schöngeistiges verstehe, verkenne, wie sehr Gedichte die Wahrnehmung von Sprache schärfen könnten. Das sei etwas unmittelbar Politisches. „Aber das wird nicht mitvermittelt, wenn Gedichte als eine Wohlfühlkategorie gesehen werden, wo ich etwas Schönes über Seife lese“, findet Seel.

Nichtsdestotrotz, betont sie, sei Jan Wagner ein sehr guter Dichter, der die Anerkennung durchaus verdiene. Nur eben „nicht in so einem überragenden Maße mehr als andere, die sperrigere und experimentellere Formen machen“. Letzten Endes sei es ein „Problem der Repräsentation“; wenn nur ein Lyrikband ausgewählt werde, könne der naturgemäß nicht für alle anderen stehen.

Worauf sowohl Scho als auch Seel hinweisen, ist, dass in den letzten Jahren eine sehr vielfältige Lyrikszene entstanden sei, von der eine breitere Öffentlichkeit aber nach wie vor wenig Notiz nehme. Ein Protagonist dieser neuen Vielfalt ist Max Czollek.

Er ist Gründungsmitglied des Lyrikkollektivs „G13“ und Mitorganisator von „babelsprech“, einem Projekt zur Vernetzung junger deutschsprachiger Lyrik. Kollaborieren und sich ein eigenes Publikum generieren, das ist Czolleks Ansatz. Er gönne Jan Wagner den Erfolg, erklärt er, trotzdem lese er die Nominierung vor allem als eine „symbolische Aktion“.

Max Czollek ist Jahrgang 1987, Wagner, Kuhligk, Scho und Seel sind alle in den Siebzigern geboren. Vielleicht liegt es an seiner Zugehörigkeit zu einer anderen Generation, dass Czollek als Einziger auch Kritik an der Lyrikproduktion selbst anführt.

Wagners Schreiben habe eben eine Bedeutungsebene. Wenn er von einigen als konventioneller Lyriker angesehen werde, habe das auch „viel mit der Misere gegenwärtiger Lyrik zu tun“, die sich dieser inhaltlichen Ebene verweigere. „Das ist ein bisschen wie die Melodie in der Musik, wenn du keine Melodie mehr hast, hast du moderne, super-avancierte Musik, aber kein Mensch kann es hören, der nicht schon weiß, wie man dem zuhören soll“, findet Czollek. Eine bestimmte Form von Publikumsorientierung spiele in der gegenwärtigen Lyrik mitunter betont keine Rolle.

Ist die vermeintlich mangelnde Orientierung am Publikum nun Ursache oder Folge der geringen Wahrnehmung von Lyrik? Scho, Seel und Czollek weisen auf jeden Fall alle darauf hin, dass die großen Verlage sich im Grunde kaum für Lyrik interessierten. Kuhligk setzt noch grundlegender an: Gedichte lesen habe eben mit Aufmerksamkeit zu tun, mit Arbeit. „Das ist eine schöne Anstrengung“, findet er, „aber das wollen viele nicht.“

So unterschiedlich die Erklärungen für die geringe Wahrnehmung des Genres ausfallen, in einem stimmen alle, mit denen man im Frühjahr 2015 über den Stand der Gegenwartslyrik spricht, überein: Die Marktferne sei gleichzeitig auch mit einer enormen künstlerischen Freiheit verbunden. „Die Lyrik ist von allen Formaten, die es in der Literatur gibt, glaube ich, immer am weitesten, weil es damit am wenigsten Geld zu verdienen gibt“, meint Kuhligk.

Dass diese Freiheit mit größerem kommerziellem Erfolg eingeschränkt würde, darüber herrscht ebenso Konsens. Aber, so Seel, selbst wenn sich die Wahrnehmung verzehnfachen würde, wäre sie immer noch extrem gering. Scho wiederum kann, gefragt nach den negativen Folgen, die eine steigende Aufmerksamkeit haben könnte, nur lachen: „So hat es ja auch Nachteile. Ich würde gerne mal neue Nachteile haben. Die Nachteile des Erfolgs würde ich auch ganz gerne mal erleben.“ Jan Wagner kann das vielleicht schon Donnerstagnachmittag. / Luise Checchin, taz 11.3.

Karl Krolow: Alltägliche Gedichte (1968)

Karl Krolow wurde heute vor hundert Jahren, am 11. März 1915, geboren. An seine „ästhetische Botschaft“, die er uns in seinen Alltäglichen Gedichten hinterließ, erinnert Alexandru Bulucz auf Faustkultur. Zitat:

Die erste Zeile der Alltäglichen Gedichte lautet: „Zeit: etwas“. Die Einsicht, dass die Zeit nicht nichts ist, sondern etwas, impliziert eine Differenz: die der eigenen Gegenwart zu allem, was war, und zu dem, der man selbst einmal war: „Die wechselnden Ansichten / dessen, was war“ („Älter werden“). Diese Krolowsche Differenz meint Bedenkzeit, keine chronometrische, meint Schattenzeit: „Die Uhr / hat ein Gefühl für Schatten“, heißt es im „Stundengedicht“. Einige Zeilen früher wird von der „Zeit“ gesprochen, „in der die Zeit sich ändert“ und in der sie verändert: Da würgt jemand an seinen Verfehlungen, der um die Last, die er sich selber aufgebürdet hat, weiß: „Ich weiß nicht, / was du von mir willst / ohne Schatten.“ („Ohne Schatten“) /

 

Lust auf Lyrik

Denis Scheck im Gespräch mit dem MDR:

Sie sagten uns mal, hin und wieder seien Sie die schablonenhafte Sprache der Medien so leid, dass Sie eine unbändige Lust auf Lyrik überkomme: So wie Bären sich nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf auf Bärlauch stürzten, sehnten Sie sich nach Poesie. Haben Sie einen aktuellen Tipp für Leute, denen es ähnlich geht? Wir freuen uns auch über einen Vers als Anregung!

Ich versuche mich gerade an der Übersetzung eines schönen Gedichts von Catull, Carmen 7, und bemühe mich herauszufinden, ob das in Vers vier angesprochene Sylphium, jenes nur an der kyrenäischen Küste wachsende Universalwürzkrauts der Antike, wirklich ausgestorben ist. So etwas macht mindestens so viel Spaß, wie den Meeresgrund nach versunkenen spanischen Galeonen abzusuchen:

Quaeris, quot mihi basiationes
tuae, Lesbia, sint satis superque.
quam magnus numerus Libyssae harenae
laserpiciferis iacet Cyrenis,
oraclum Iovis inter aestuosi
et Batti veteris sacrum sepulcrum.

(Und hier freundlicherweise die Übersetzung für uns Nachgeborene: Du sagst, wie viele Küsse / von dir, Lesbia, mir genug und und mehr als genug sind. / So groß die Zahl des libyschen Sandes / Im Lasarpicium tragenden Kyrene / Zwischen dem Orakel des von Hitze geplagten Jupiter / und dem heiligen Grab des alten Battus. „laserpiciferis“ entspr. der Arzneipflanze Sylphion)

Nun ist mit Jan Wagner erstmals ein Dichter für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Eine gute Wahl?

Die beste. Jan Wagner schreibt wunderbare Gedichte über so gegensätzliche Themen wie den Giersch im Garten oder Koalabären, außerdem besitzt er perfekte Umgangsformen und nutzt sein Dichtertum nicht als Ausrede für schlechtes Benehmen und mangelnde Körperhygiene. Was kann man von einem Lyriker mehr erwarten?

Mit Lyrik eine Botschaft formulieren

UNESCO-Welttag der Poesie feiert Kulturgut Sprache

Zum Welttag der Poesie am 21. März erinnert die Deutsche UNESCO-Kommission an die Bedeutung und Vielfalt des Kulturguts Sprache. Der von der UNESCO ins Leben gerufene Tag soll Verlage und Medien ermutigen, poetische Werke besonders von jungen Dichtern zu unterstützen. Der Welttag erinnert an die Bedeutung mündlicher Traditionen und fördert den kulturellen Austausch zwischen den Völkern. Seit 2000 wird der Welttag der Poesie, der auf eine Initiative Marokkos zurückgeht, jedes Jahr gefeiert.

„Die Kunst der Poesie ist für das kulturelle und gesellschaftliche Leben unverzichtbar. Die poetische Vielfalt reicht heute von der klassischen Buch-Lyrik bis zum modernen Twitter-Gedicht im Internet. Unser Alltag wird mehr denn je von kurzen Texten und verdichteten Inhalten geprägt. Die Poesie ist damit überraschenderweise vielleicht die aktuellste Form, eine persönliche Botschaft zu formulieren“, sagt Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission.

Die zentrale Veranstaltung in Deutschland richtet die Literaturwerkstatt am 20. März in Kooperation mit der Stiftung Brandenburger Tor und weiteren Partnern unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission in Berlin aus. Dichterinnen und Dichter aus fünf Ländern präsentieren am Vorabend zum Welttag der Poesie ihre Werke: Es lesen der spanische Künstler Enrique Falcón, dessen Gedicht „Der Marsch der 150 Millionen“ für Furore gesorgt hat, die amerikanische Autorin Ellen Hinsey, die über familiäre Traumata schreibt; Afrizal Malna, der zur neuen Dichtergeneration Indonesiens zählt; die russische Lyrikerin Anzhelina Polonskaya, die an die große Erzähltradition ihres Landes anknüpft und der deutsche Lyriker Jan Wagner, der als erster Dichter für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert ist.

Das Grußwort hält die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Dr. Verena Metze-Mangold. Es moderiert der Journalist Knut Elstermann.
Weitere Partner sind die Akademie Schloss Solitude, das Berliner Künstlerprogramm des DAAD und das Instituto Cervantes.

  1. März 2015, Beginn 20:00 Uhr
    Welttag der Poesie
    Stiftung Brandenburger Tor
    Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, Berlin
    Moderation: Knut Elstermann (Journalist, Berlin)
    Eintritt frei

Die Platzanzahl ist begrenzt. Anmeldung erforderlich vor dem
16. März unter info@stiftungbrandenburgertor.de

Weitere Informationen:
www.unesco.de/welttag_poesie.html

Neu bei Engeler

Elke Erb: SonnenklarDie neue Sammlung von Texten umfasst zum einen die Jahre 2013 und 2014, andererseits „geholte“ Texte von 1968 bis 2012 sowie Reiseaufzeichnungen: „Durchgehendes Bildmotiv die Zweibeiner-Mädchen, Mantelrand unterm Hintern. Noch 12 Minuten Fahrt. Bln-Adlershof, nun schon „unsere Menschen draußen im Lande“ (Funktionärsfloskel). Unendlicher Schrebergarten, Menschen-Kaninchen-Idyll; auch, Mehring, ach, Bismarck, Altglienecke, wer war je Christ, Nä, so doch nicht … so funktioniert es nicht … Grünbergallee … es geht nur mit einem kleinen Ruck im Gehirn; dann ist man einen Augenblick mehr-geht-nicht-zufrieden. Die lassen die Leute hier eine Stunde fahren ohne ein einziges Pißklo.“

96 Seiten, Euro 9,-/ sFr. 10.- (roughbook 032)

* * *
„Was ist, das war, was wird.
Wer das kapiert, funktioniert nicht mehr so, wie die wollen.“
Ferdinand Schmatz. Durchleuchtung. Haymon Verlag, Innsbruck-Wien 2007
Das ist eine Weisheit, die den diesbezüglich gängigen Typ überholt.
Oder? (Wenn nicht, bitte berichtigen: elke.erb@pc66.de)
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Mütze #9. Es wird Frühling mit neuen Texten von Birgit KempkerChristian FilipsClaudia GablerSam RiviereRahul Soni und Niels Röller, erhältlich hier: http://muetze.me/muetze-bestellen.htm

Jean Krier

Als Luxemburger ist er von Geburt (1949) an zweisprachig. So fließen in seine auf Deutsch geschriebenen Gedichte immer wieder kleine, im Dienste des Rhythmus und des Esprit des Verses stehende französische Satzfetzen ein.

Zu Kriers Lyrik gehört seine doppelte Muttersprache. In ihr kann er alle Schmerzen seiner existenziellen Grenzgänge ausdrücken. Leser seiner Gedichte folgen ohne Schwierigkeiten dieser luxemburger Variante deutsch-französisch-sprachiger Literatur: „Und schlag mir das aus dem Kopf, herzhaft, stimmlos: / letzte Worte, die bleiben stecken im Hals – allez, on verra.“

Der Leser versteht den Gesang von der Endlichkeit, der Vergeblichkeit, auch der politischen Fragwürdigkeit der Existenz, wenn er im Gedicht „St. Peter im Schwarzwald“ liest: „… ich bin so froh in Deutsch / Land zu sein – erst gehängt, dann verbrannt.“ / Saarbrücker Zeitung

Jean Krier: Eingriff, sternklar. Gedichte aus dem Nachlass, hrsg. von Michael Braun. Poetenladen Verlag, 88 S., 17,80 Euro.

Kein neumodischer Kram

Diesen Mann umgibt etwas Magisches. Anders lässt sich das, was sich gestern im Foyer der Rheinschule ereignete, nicht erklären. Rund 160 Kinder saßen dort auf ihren Stühlen. Und lauschten gebannt. Nur mit einem Stuhl und seiner Gitarre „Frieda“ stand Oliver Steller vor seinem Publikum auf der kleinen Bühne und vollbrachte gar Zauberhaftes. Mit Liedern und Gedichten brachte er die Grundschüler zum Jubeln. Und das, indem er sie nicht mit neu-modischem Kram überreizte, sondern Alt-Bekanntes darbot: Theodor Fontanes Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von 1889 zum Beispiel, oder „Der Fisch Fasch“ von Bertolt Brecht.

Wenn Kinder über den alten Ribbeck lachen – | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
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