Prix Goncourt

In Paris wurden am Dienstag drei der Gewinner des Prix Goncourt bekanntgegeben. Der Preis wird jährlich von der Académie Goncourt, bestehend aus 10 Schriftstellern, die nicht Mitglied der Académie Française sein dürfen, für das beste Prosawerk des Jahres sowie in den Kategorien erster Roman, Kurzprosa, Lyrik und Biographie vergeben. Außerdem wählt seit einigen Jahren eine Schülerjury ebenfalls einen Preisträger aus. Der Preis ist nur mit 10 (zehn) Euro dotiert, aber verleiht hohes Prestige. Die übrigen Preise werden am 3. November verliehen.

In der Sparte Erster Roman wird  der algerische Schriftsteller Kamel Daoud für Meursault, contre enquête (Actes Sud) ausgezeichnet. Im Zusammenhang mit dem Roman, in dem es um einen alten, senilen und von Wahnvorstellungen geplagten Gott geht,  erließ der selbsternannte salafistische „Imam“ Abdelfattah Hamadache Zeraoui im vergangenen Dezember eine Fatwa, die zu seiner Ermordung aufruft. Der Roman soll bei Kiepenheuer & Witsch auf Deutsch erscheinen.

Der Preis für kurze Prosa geht an Patrice Franceschi für Première personne du singulier (Points) und der für Lyrik an den Belgier William Cliff für sein Gesamtwerk.

William Cliff wurde 1940 in Gembloux geboren. Sein erstes Buch „Homo Sum“ wurde von der damals noch sehr konformistischen belgischen Öffentlichkeit als Provokation abgelehnt, aber erschien bei Gallimard, schreibt Jacques Franck bei La Libre (Belgien) und nennt Cliff einen großen belgischen Dichter, den Rimbaldistischsten unter ihnen. Außer Gedichtbänden veröffentlichte er Romane sowie Übersetzungen der Sonette Shakespeares und der Danteschen „Hölle“.

Die Welt sprach mit Kamel Daoud

In Marokko kosten meine Romane umgerechnet 17 Euro, was gemessen an der Kaufkraft mehr als 150 Euro für die Käufer bedeutet. Ein Vermögen. Die Bücher der Islamisten dagegen werden gratis verteilt

Kamel Daoud im Gespräch mit der „Welt“

(Im übrigen bin ich der Meinung, daß die deutschen Buchpreiser intensiver über gesonderte Preise für Lyrik, Kurzprosa usw. nachdenken sollten, statt wie bislang gönnerhaft alle Jubeljahre mal einen Gedichtband über die Romane zu setzen)

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: