Verheißungsvoll

Einige ihrer Zeilen möchte man den halben Tag vor sich aufsagen: „der sturen gans melancholie/ musst ich an den kragen. sie lagert im ofen,/ denn ich ess wieder fleisch.“

Rike Scheffler hat ein bemerkenswertes und verheißungsvolles Debüt vorgelegt, ganz sicher mit Raum für weitere Resonanzen. Man wünsche ihr, dass sie den Faden der Ariadne aufnimmt, und jenes Labyrinth des Denkens und Fühlens, in dem wir leben, weiter und tiefer ergründet. / Tom Schulz, Signaturen

Rike Scheffler: der rest ist resonanz. Gedichte. Berlin (kookbooks) 2014. 72 Seiten. 19,90 Euro.

Junge Leute an Poesie heranführen

Di Ming: Ich glaube, es gibt zweierlei Arten von Dichtung. Die eine richtet sich wirklich an das große Publikum mit sehr plakativen Aussagen. Die andere ist sehr verhalten und still. Ich glaube aber auch, es gibt eine Kombination aus beiden Möglichkeiten, mit der wir vor allem die jungen Menschen auch für Dichtung gewinnen können, indem wir eben sehr stark sensibilisieren für die Schönheit der Dichtung, statt irgendetwas herauszubringen wie  „Nieder mit …“, oder „Lang lebe …“, „Lang lebe Chairman Mao“ oder „Nieder mit den ausländischen Kapitalisten!“ – pflegen wir jetzt Dichtung als Kunst. Und so können wir uns eben auch ein Publikum aufbauen und heranziehen, gerade unter den jungen Leuten.

Wir haben zum Beispiel Lü Yue, eine Frau, die sich sehr mit gesellschaftlichen Problemen befasst, die Frauenthemen anspricht und mit ihrer sehr direkten Art ein großes Publikum erreicht. Dann haben wir noch Zang Di, ein sehr, sehr einflussreicher Dichter, der vor allem an den ästhetischen Qualitäten von Sprache arbeitet, der Dichtung nicht als politische Waffe verwendet, der aber stilprägend und anregend für zwei Generationen in China gewirkt hat. Jeden Tag bringt er mindestens ein Gedicht neu heraus. Und er greift häufig alltägliche, unscheinbare Beobachtungen auf. Zum Beispiel ist es ja in den großen Städten, Beijing, sehr, sehr trübe und oft diesig, und er greift aus einer solchen Beobachtung, die Luftverschmutzung, eben Anlässe zu sehr überzeugenden Gedichten auf.

Korbinian Frenzel: Nun ist es immer schwierig, egal, zwischen welchen Sprachen, aber über Fremdsprachen auch Gedichte, Poesie zu transportieren. Haben Sie den Eindruck, dass es neben dieser Sprachbarriere, der natürlichen, vielleicht auch so etwas wie eine kulturelle Barriere gibt zwischen Poesie aus China und der Poesie, wie wir sie hier geprägt vorfinden?

Ming: Ja. Ich glaube durchaus, dass es unterschiedliche Aspekte gibt, die die chinesische Lyrik schwerer zu übersetzen machen als aus anderen Sprachen. Trotz aller Schwierigkeiten: Übersetzen von Lyrik ist möglich, wenn man nur die richtigen Fähigkeiten anwendet, wenn man eben hinhört auf diese Unterschiede. Solange der Glaube an literarische Verständigung, an die Möglichkeit von Dichtung da ist, wird eine Übersetzung zu Stande kommen.

Die chinesische Poetin und Mit-Kuratorin des diesjährigen Poesiefestivals in Berlin, Ming Di, sprach mit dem Deutschlandradio

Lyrik ist wichtig in China

Der chinesische Lyriker Yang Lian im Interview mit der Deutschen Welle (Sabine Peschel):

2011 bin ich das letzte Mal mit Zensur konfrontiert worden, als mein autobiographisches Gedicht in Buch-Länge, „The Narrative Poem“, nur einen Tag in chinesischen Buchläden überlebte. Alle 3.000 Ausgaben wurden zurückgerufen und zerstört.

Aus welchem Grund?

Das geschah aufgrund eines Teils des Gedichts: ein eigenständiges, kürzeres Gedicht mit dem Titel „Reality Elegy“. Ich konnte es mir darin nicht verkneifen, über das Tian’anmen-Massaker zu schreiben. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben, aber auch einer für die Entwicklung der chinesischen Kultur der letzten Jahre. Es ist immer noch ein Tabu, darüber zu sprechen, wie die Regierung im Juni 1989 die demokratische Bewegung niederschlug und ein Massaker anrichtete. Deshalb schaute die Regierung sehr genau auf das Gedicht. Der Verlag „Huaxia“ wurde von der Regierung abgemahnt und damit ist dann leider auch auch das Buch gestorben.

Wie viele Bücher konnten Sie retten?

Ich erhielt etwa 25 Kopien vom Verlag. Das war aber nur der erste Akt für mich. Etwa eine Woche lang war ich traurig. Aber dann überlegte ich mir, dass ich eben die Bedeutung dieser Geschehnisse in meinem Leben und in der Literatur einordnen wollte. Ich wollte über Tian’anmen schreiben, auch, wenn ich darüber auf sehr poetische Art und Weise schrieb. Wäre das Buch veröffentlicht worden und niemand hätte daran Anstoß genommen, dann hätte ich mir Sorgen machen müssen. Demnach war die Tatsache, dass das Buch verboten wurde, eine Bestätigung der Wucht und der Ausdruckskraft der Dichtkunst. Das zeigte auch, dass selbst in einer Zeit, von der gesagt wird, dass niemand Gedichte liest, Menschen dies eben doch tun.

Dann wurde mein verbotenes Buch in Hongkong, Singapur, Taiwan und in Übersee veröffentlicht. Und nun sogar in China. Man kann das Gedicht kostenlos im Internet herunterladen.

Also kann man sagen, dass Gedichte subversiv wirken können?

In China ist Lyrik immer noch extrem wichtig. In der chinesischen Kultur genauso wie im sozialen Leben in China.

Warum ist das so? Lesen die Leute viele Gedichte in China?

Ja, das tun sie. Als ich beispielsweise 2012 von der Webseite artsbj.com gefragt wurde, deren künstlerischer Leiter zu werden, habe ich vorgeschlagen, einen Online-Poesie-Wettbewerb ins Leben zu rufen, der offen ist für jede Art chinesischer Lyrik. Wir bestimmten ein internationales Komitee und besetzten die Jury mit sieben bekannten chinesischen Dichtern. Doch niemand hatte damit gerechnet, dass mehr als 80.000 Einsendungen innerhalb von einem Jahr unser Postfach überfluten würden. Und an jedem guten Gedicht hingen noch 30 bis 40 Seiten Kommentare. Das war schon fast wie ein Poesie-Festival, das ein Jahr andauert.

Poetisches Kapital: das poesiefestival berlin endete mit einem Besucherrekord 

Lyrik als Publikumsmagnet: Mit einem großen Lyrikmarkt, an dem über 45 Lyrikverlage teilnahmen, ging am 27. Juni das 16. poesiefestival berlin erfolgreich zu Ende. Insgesamt kamen an die 13500 Besucher zu den 50 überwiegend ausverkauften Veranstaltungen in die Akademie der Künste am Hanseatenweg und an viele Orte Berlins, um internationale Gegenwartslyrik in ihrer ganzen Vielfalt zu erleben.

Über 140 Künstlerinnen und Künstler aus 32 Ländern waren zu Gast, u.a. Anneke Brassinga (Niederlande), Kwame Dawes (Ghana/Jamaika/USA), Zang Di (China), LaTasha N. Nevada Diggs (USA), Jochen Distelmeyer (Deutschland), Elena Fanailova (Russland), Steven J. Fowler (UK), Kenneth Goldsmith (USA), Reiner Kunze (Deutschland), Márió Z. Nemes (Ungarn), Christian Prigent (Frankreich), Lisa Robertson (Kanada), Warsan Shire (Somalia/UK), Jan Wagner (Deutschland) und Liao Yiwu (China/Deutschland).

In Lesungen, Performances, Diskussionen und Konzerten widmete sich das poesiefestival berlin dem Kapital der Poesie; ihren Traditionen, ihren Ressourcen und ihren Investitionen in die Zukunft.
„Weltklang- Nacht der Poesie“ eröffnete das Festival mit einem hochkarätigen und abwechslungsreichen Konzert aus Stimmen und Sprachen. Afrikanische Sprachkünstler brachten einen „Eilbrief an Europa“ mit, um zu zeigen, dass es neuer Perspektiven und Impulse bedarf, um dem schwierigen und komplexen Verhältnis von Afrika und Europa eine neue Richtung zu geben. Im Fokus des Festivals stand die „Chinesische Dichtung im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne“. Das poesiefestival diskutierte zudem in einem Kolloquium die „Zukünfte der Dichtung“, und entdeckte neue Wege der Lyrikvermittlung. Die große Ausstellung „Aufs Maul geschaut – Mit Luther in die Welt der Wörter“ illustrierte acht Redewendungen von Martin Luther, die heute Teil des täglichen Sprachgebrauchs sind. Bei „Tora Bibel Koran“ traten in einer theatralen Inszenierung die großen spirituellen Texte des Judentums, des Christentums und des Islam in einen poetischen Dialog. Bei „e.poesie“ traf elektronische Musik trifft auf Lyrik, beim Übersetzungsworkshop „VERSschmuggel“ trafen sich deutschsprachige und niederländischsprachige Dichter zum Verse schmuggeln. Ein umfangreiches Programm für Kinder, Jugendliche und Lehrer vervollständigte das Programm.

Das 16. poesiefestival berlin fand statt vom 19. – 27.6.2015 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin. Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

Das poesiefestival berlin ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin in Kooperation mit der Akademie der Künste und wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und durch den Hauptstadtkulturfonds.

Poetopie

der Sprecher verstummt – seine Sprache spricht weiter

Hansjürgen Bulkowski

What is Dada?

Historians, including Rasula, agree that the putative source of Dada was a soiree of mayhem at Cabaret Voltaire in Zurich, in February 1916, a month or two before the magical word “Dada” — which is also French for “hobbyhorse” and “nursemaid” — was found. The performers included Hugo Ball, a German mystic, philosopher and cabaret producer, along with the diminutive Tzara, who recited Romanian verses printed on scraps of paper he fished from his pockets. The hubbub of Cabaret Voltaire lasted only a few months, but it was sufficient for incubating a variety of novel artistic forms that were, at first, indistinguishable from earlier modern art rebellions like Cubism and Futurism. From this modest beginning came Dada.

A professor of English at the University of Georgia, Rasula uncovers why Dada didn’t expire along with the isms it either spawned or incorporated. The fertility of Dada found rich ground in America, where its spirit was active before it had a name. The French artists Marcel Duchamp and Francis Picabia, restless and tired of Europe, made New York their playground. They found the New World de facto Dadaist, and New York the perfect place to deploy their subversive imaginations. The Armory Show of 1913 brought the excitement of new ways of painting, sculpturing and making art to an American public that acted like crowds at a circus: Outraged and shocked grown-ups booed and hissed, while thrilled and rowdy children cheered. (Duchamp’s “Nude Descending a Staircase” drew “more than its share of lampoons” at the Armory Show, Rasula writes, but it would be “The Fountain,” a urinal Duchamp purchased in 1917 and signed “R. Mutt,” that would persist as “Dada’s most recognizable product.”) Rasula notes that “the visual assault” of the Armory Show “was what the genteel public — with its belief that art was a hothouse flower far removed from the rough and tumble of the street — held most objectionable. A setting more ripe for the assault of Dada could not be imagined.” From its birth Dada did not stand apart from cinema, vaudeville or popular culture: Dadaists were at home with Charlie Chaplin and the Marx Brothers, the comic-book pleasures of the masses and American-style publicity.

One of Rasula’s insights is to reveal Dada’s kinship to jazz, and thus to the specifically American “modernist” outlook that blossomed throughout the century but was more acceptable in Europe than in its birthplace: “For a while, many took jazz and Dada to be two faces of the same thing. . . . The early course of jazz was dominated by novelty and humor, and if the musicians heard about Dada, they probably would’ve agreed with Hoagy Carmichael that jazz was Dada’s twin.”

Rasula makes visible and obvious (though oddly obscured in previous accounts) the threads connecting Dada with the New World, and overthrows with nearly imperceptible flair the misconceptions separating the European avant-­garde from modernism. Rasula, himself a scholar of modernism, shows it to be both an umbrella term for the use of academic services to the art market, and a worldwide continuum of the necessarily contradictory human spirit in art. At today’s crossroads between “reality” and “virtuality,” this reassessment is of great use: It provides both a sense of the necessity for “the unmaking of the 20th century,” as the subtitle has it, and a reason for younger artists to go on, using the technologies of the 21st. This may be a magnificent moment of treason in conventional scholarship, which rarely departs from a careful reading of primary sources. The academic decorum is breached only occasionally by Rasula, as in the passages of obvious delight in one of his characters, the fabled and sexually adventurous Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven, who may be the original body artist, a creator of weird and elaborate costumes that included decorations of her hair and skin. / Andrei Codrescu, New York Times 28.6.

DESTRUCTION WAS MY BEATRICE 
Dada and the Unmaking of the Twentieth Century
By Jed Rasula
Illustrated. 365 pp. Basic Books. $29.99.

Zwei Dichter

von den vielen, die auf dem poesiefestival berlin auftraten:

Als einer der wenigen verlässt sich Reiner Kunze auf die Wirkung des langsam gesprochenen Wortes.

„Vers zur Jahrtausendwende“

Der heute 81-jährige ehemalige DDR-Dissident, den die Staatssicherheit aus Angst vor der Macht seiner Worte unter dem Decknamen „Lyrik“ überwachte, setzt mit seinen bedächtigen Kurzgedichten den Kontrapunkt.

„Wir haben immer eine Wahl.
Und sei es, uns denen nicht zu beugen,
die sie uns nahmen.“

(…)

Kenneth Goldsmith: „We skim, parse, bookmark, copy, paste, forward, share and spam. Reading is the last thing we do with language.“

Wir schöpfen ab, zergliedern, bookmarken, kopieren, fügen ein, teilen und schmeißen weg. Lesen ist das Letzte, was wir mit Sprache tun, sagt der US-amerikanische Lyriker Kenneth Goldsmith, der sein „uncreative writing“, sein „unkreatives Schreiben“ bereits bei den Obamas im Weißen Haus vortragen durfte.

/ Cornelius Wüllenkemper, DLR

Lyrikmarkt

Sa 27.06.2015 – 15:00 Uhr

  1. poesiefestival berlin

Lyrikmarkt

Der Lyrikmarkt bildet auch in diesem Jahr den Abschluss des poesiefestival berlin. Verlage, Antiquariate und Buchhandlungen laden mit poetischen Neuerscheinungen, Fundstücken und Raritäten zum Schmökern, Stöbern und zum Kaufen ein. Zusätzlich sorgt ein Bühnenprogramm mit Dichterlesungen und Musik für reges Markttreiben. Auch für Kinder gibt es Lesungen, ein Bastel- und Spielprogramm. Essen, Getränke, Gedichte und Songs sind reichlich vorhanden.

Lesungen von Luis Chaves, Mara Genschel, Georgi Gospodinov, Marius Hulpe, Hendrik Jackson, Adrian Kasnitz, Sina Klein, Simone Kornappel, Maya Kuperman, Alistair Noon, Eugene Ostashevsky, Anzhelina Polonskaya, Dana Ranga, Arne Rautenberg, Cia Rinne, Bertram Reinecke, Eric Sarner, Sabine Scho, Tom Schulz, Julia Trompeter, Christoph Wenzel, Uljana Wolf und den Preisträgern von young poems – 1. Berliner Lyrikwettbewerb für Jugendliche. In einem umfangreichen Programm präsentieren wir mit »poetry / film« Kurzfilme der Kunsthochschule für Medien Köln in Kooperation mit der Kunststiftung NRW, die von Gedichten junger Lyrikerinnen und Lyriker aus NRW inspiriert wurden (in Anwesenheit der LyrikerInnen und FilmemacherInnen). Außerdem ist das Berliner Lyrikkollektiv G13 mit literarischen Aktionen unterwegs.

Auf der Bühne Musik von Daniel Kahn & The Painted Bird, DOTA (Duo) a. k. a. Kleingeldprinzessin, Bernd Begemann & Die Befreiung  

Moderation: Shelly Kupferberg (Journalistin, Berlin), Aurélie Maurin (Literaturübersetzerin, Berlin), Alexander Filyuta (Literaturübersetzer, Berlin) und Thomas Zandegiacomo Del Bel (Medienwissenschaftler, Berlin)

Kinderprogramm: Sylvia Krupicka (Literaturvermittlerin, Berlin)

Poetische Produktionen auf dem Lyrikmarkt von APHAIA VERLAG, Antiquariat Ballon + Wurm, außer.dem, BELLA triste, Brueterich Press, Bücherbunker, Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Derk Janßen Verlag, Distillery, Edit, edition AZUR, Edition Rugerup, Elfenbein Verlag, Gutleut-Verlag, Hanser Verlag + Hanser Berlin, hochroth Verlag, Horlemann Verlag und die Edition Voss, kookbooks, Leipziger Literaturverlag, Lisa D, Literarische Buchhandlung Der Zauberberg, Luchterhand Literaturverlag, luxbooks, Lyrikedition 2000, Matthias Wagner Antiquariat, parasitenpresse, Park. Zeitschrift für neue Literatur, Poesiealbum / Märkischer Verlag, Poesiealbum neu, poetenladen verlag, randnummer, Reinecke & Voß, roughbooks, Saint George’s Bookshop, Schöffling & Co., SINN UND FORM, Sommergras, speak low, STILL, Suhrkamp und Insel Verlag, Verlag C. H. Beck, Verlag Das Wunderhorn, Verlag Hans Schiler, Verlag Peter Engstler, Verlagshaus J. Frank | Berlin, VERSENSPORN – Heft für lyrische Reize und Wallstein Verlag.

Conceptual Poetics Day 2015 – Halle 2

http://www.conceptualpoetics.org und http://www.missread.com/conceptualpoetics

Der CONCEPTUAL POETICS DAY ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung, die die Grenze zwischen bildender Kunst und Literatur auslotet.

In Kooperation mit: LiteraturInitiative Berlin (LIN) und Valerian Arsène Verny Literaturstiftung für Kinder und Jugendliche im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Mit freundlicher Unterstützung durch: Berliner Künstlerprogramm des DAAD, Kunststiftung NRW in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien Köln, The Mandala Hotel. Der CONCEPTUAL POETICS DAY 2015 wird organisiert von Michalis Pichler in Zusammenarbeit mit Miss Read und der Literaturwerkstatt Berlin

Projektleitung: Alexander Gumz, Matthias Kniep und Thomas Zandegiacomo Del Bel

35. Erlanger Poetenfest – 27. bis 30. August 2015

Zum 35. Mal findet vom 27. bis 30. August 2015 das Erlanger Poetenfest statt. Über 80 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Publizisten und Literaturkritiker werden zu Lesungen, Gesprächen und Diskussionen nach Erlangen kommen. Mit einer Fülle von Veranstaltungen rund um die aktuelle Literatur gilt das Poetenfest als inoffizieller Auftakt zum deutschen Bücherherbst. Mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher werden zu einem der traditionsreichsten Literaturfestivals im deutschsprachigen Raum erwartet.

Mittelpunkt des spätsommerlichen Literaturereignisses sind die langen Lesenachmittage am Samstag und Sonntag im Erlanger Schlossgarten. Viele wichtige Neuerscheinungen werden erstmals öffentlich gelesen und mit namhaften Literaturkritikerinnen und -kritikern diskutiert. Im barocken Markgrafentheater finden an den Abenden Autorenporträts statt, die international renommierte Autorinnen und Autoren in Lesung und Gespräch vorstellen. Gespräche und Diskussionen zu literarischen, gesellschaftlichen und politischen Themen sind weitere wichtige Bestandteile des Programms.

Die Kulturstiftung Erlangen verleiht 2015 zum sechsten Mal den „Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung“, als offenes Arbeitstreffen gewährt die Zwölfte Erlanger Übersetzerwerkstatt Einblicke in die Faszination des literarischen Übersetzens. Bayern 2 überträgt seine „Nacht der Poesie“ live aus dem Erlanger Markgrafentheater sowie das Büchermagazin „Diwan“ aus der Orangerie im Schlossgarten. Das „Junge Podium“ präsentiert aktuelle Kinder- und Jugendliteratur in Lesungen bekannter Autorinnen und Autoren und bietet darüber hinaus ein attraktives Rahmenprogramm für Kinder und Jugendliche. Bibliophile Kostbarkeiten zeigt die Buchkunst-Ausstellung „Druck & Buch“, weitere Ausstellungen runden das Erlanger Poetenfest ab.

Informationen zum Programm ab Anfang August unter www.poetenfest-erlangen.de
Das Programmheft mit ausführlichen Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen sowie zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erscheint Mitte August.

 

Off-Festival

KUNO bat Samuel Lépo darum, das 3. Offlyrikfestival vorzustellen. Zitat:

Die Literaturszene besteht nicht nur aus Bestsellerautoren und Preisträgern. Es gibt eine Offszene aus Lyrikern, die auf der Bühne zuhause sind. Sie performen ihre Gedichte in ihrem ganz eigenen Stil, treten aber bei Poetryslams eher selten auf. Ihre Wortkunst entfaltet sich magisch und popschamanisch, ihre Lesungen sind legendär! Und wir reden hier nicht von vergangenen Tagen, denn diese Dichter sind kein Mythos, sondern leben im Hier und Jetzt. Sie produzieren Livelyrik mit Tiefgang! Tiefenliterarische Ekstasen! Das 1.Offlyrikfestival fand 1995 im Kölner BelAir statt. 1996 dann das zweite im Kieler SubRosa. Lyrikperformer wie stan lafleur, Alex Nitsche, Harald ‘Sack’ Ziegler, Peter Rech, Thorsten Nesch, Hadayatullah Hübsch, Ron Schmidt und Tom de Toys intonierten ihre poetischen Texte mit teilweise geradezu theatralischer Stimmakrobatik – ein Fest für die Ohren, progressive Lyrik der Offszene so zu erleben! Mit 20-jähriger Verzögerung plant nun das G&GN-INSTITUT das 3.Festival in Düsseldorf, mit einigen Veteranen und Newcomern der Lyrikszene.

Spiel-Arten

Die Lyrikgesellschaft Zwickau veranstaltet bis Samstag die 3. „Tage der Poesie in Sachsen“ mit Lesungen, Poetry Slams und Musik.

Im Zentrum der Poesietage steht die Tagung „Spiel-Arten der Lyrik“, die am Freitag im Schumannhaus Zwickau stattfindet. Das Tagungsthema umfasst Möglichkeiten und Formen des Zusammenspiels von Lyrik und Musik, darstellender sowie bildender Kunst. Rund um die Tagung steht Poesiefans ein vielfältiges Veranstaltungsangebot an verschiedenen Orten in Zwickau offen.

Beteiligt:

Franziska Holzheimer, Marlen Pelny, Dieter Treeck, Krisztin Kiss, Gabriele Frings, Ralph Grüneberger, Franziska Röchter, Maria Schüritz, Rainer „Reno“ Rebscher, Nadine Maria Schmidt, Olaf Stelmecke, Safiye Can, Peter Gosse, Manfred Jendryschik, André Schinkel, Eugen Gomringer, Thomas Heyn, Helen Ispirian, Monika Littau, Frank Norten, Maren Schönfeld

Folksong-Karten

Drei interaktive Kartenprojekte zeigen die in Liedern erwähnten Ortschaften:  America by SongBob Dylan und Ottomanische Lieder (Balkan, Türkei und Mittelosten). Man kann mit Hinweisen, Textübersetzungen usw. mitwirken.

Gestorben

Der syrische Dichter Omar al-Farra starb am Sonntag in Damaskus im Alter von 66 Jahren. Al-Farra wurde 1949 in Palmyra geboren, jener Stadt in Mittelsyrien, in der die Terrororganisation des selbsternannten „Islamischen Staats“ wütet. In seinen Gedichten vertrat er die gerechte Sache der Unterdrückten und die Liebe zu seinem Vaterland, schreibt Algérie Presse Service.

Gestorben

Der italienische Dichter, Schauspieler, Bildhauer, Maler, Sänger und Humorist Rémo Remotti starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren. Er spielte u.a. in Filmen von Nanni Moretti, Marco Bellocchio, Francis Ford Coppola, Woody Allen und Ettore Scola, zuletzt 2012 in „Vive l’Italie“ von Massimiliano Bruno.  Sein bekanntestes Buch wurde „Diaro segreto di un sopravvissuto“  (Geheimes Tagebuch eines Überlebenden)), 2006 bei Einaudi. / Julie Torterolo, ActuaLitté

Wunderland für Lyrik

Manchen Deutschen kommt Island so vor. Die isländische Autorin Steinunn Sigurdardottir sieht es andersherum. Im März 2001 stand es in der Lyrikzeitung:

Als Lyrikerin seit ihrem 17. Lebensjahr – „in den wilden Jahren“ – und mit sechs Bändchen neben „fast sechs Romanen“ lobt die Isländerin Deutschland als das „Wunderland für Lyrik, das einzige Land, wo Lyrik verkaufbar ist„, ebenso wie später für das hier vorhandene Umweltbewusstsein. (sagt die isländische Schriftstellerin Steinunn Sigurdardottir in der Fuldaer Zeitung vom 27.3.2001)