Auf diese Weise lassen sich neue Beobachtungen und Aussagen realisieren, ohne auch nur ein einziges eigenes Wort zu verwenden, indem bloss bestehende Texte modifiziert oder abgetragen werden. «Erasure poetry» nennt sich dieses Verfahren. Durch gezielte Tilgung von Worten, Zeilen oder ganzen Sätzen im appropriierten Werk wird ein neuer Sinngehalt erzeugt. Elisabeth Tonnard etwa löscht die ersten zwölf Verse von T. S. Eliots berühmtem Poem «The Love Song of J. Alfred Prufrock» mit Tipp-Ex so weit, dass nur noch die Aufforderung übrig bleibt: «Let us read less.» Die Aussage der Zeile erfüllt sich beim Lesen selbst und wird zur Maxime einer ästhetischen Überzeugung, die neben dem unantastbaren Status des Originals und der Integrität des Textes noch ein drittes Dogma unseres Kulturkreises ankratzt: die Forderung nach kreativer Neuheit.
Denn viele Appropriationen sind im Umfeld des «conceptual» bzw. des «uncreative writing» anzusiedeln. Kenneth Goldsmith, Vertreter und theoretischer Mitbegründer dieser Bewegung, prägte – in minimaler Abwandlung einer Aussage des Konzeptkünstlers Douglas Huebler – das Diktum: «The world is full of texts, more or less interesting; I do not wish to add any more.» Wie zum Hohn auf den Literaturbetrieb, der stets nach Neuem verlangt, zieht sich Goldsmith angesichts der kulturellen Überfülle in die dezidierte Unkreativität zurück, indem er sich entschliesst, anstatt neue Texte zu produzieren, nur noch bestehende Texte zu appropriieren. /
Olav H. Hauge (1908–1994) lebte als Obstgärtner am norwegischen Hardangerfjord. Er veröffentlichte acht Gedichtbände, mehr nicht. Er war ein schüchterner, selbstkritischer Autor, kein Mann des Literaturbetriebs. Wiederholt versuchte er, Buchmanuskripte kurz vor der Veröffentlichung zurückzuziehen, zwei Manuskripte verbrannte er. Er gilt heute als zentrale Gestalt der norwegischen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Seit seinem 16. Lebensjahr dichtete er, seit jenem Jahr führte er auch Tagebuch. Eine Auswahl dieser 4000 Seiten umfassenden Aufzeichnungen – soweit bekannt das umfangreichste norwegische Tagebuch – liegt jetzt endlich in deutscher Übersetzung vor. / Aldo Keel, NZZ
Olav H. Hauge: Mein Leben war Traum. Aus den Tagebüchern 1924 bis 1994. Ausgewählt von Bodil Cappelen und Klaus Anders. Aus dem Norwegischen von Klaus Anders. Edition Rugerup, Berlin 2015. 248 S., € 24.90.
Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek warnt vor einer Verschärfung der Flüchtlingsproblematik, sollte Europa weiterhin keine Initiativen zugunsten der Menschen auf der Flucht vor Hunger und Not ergreifen. „Die Lage kann sich nur verschlechtern. Man kann nur versuchen, rational zu bleiben, und zu planen“, sagte Jelinek im Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“.
„In Europa befürchten die Leute, dass diese schutzlosen Menschen uns etwas wegnehmen könnten. Man wird uns aber noch mehr wegnehmen, wenn wir nichts unternehmen. Der Preis ihrer Rettung wird immer mehr steigen, weil die Nachfrage von Personen und Völkern, die ihr Leben verbessern wollen, steigen wird. Sie werden alles versuchen, weil sie den Tod nicht befürchten. Sie haben ihn schon zu oft gesehen, um ihn zu befürchten. Indem wir sie wie Abschaum behandeln, werden wir selber Abschaum, denn wir sind wie sie“, so die Autorin. / Der Standard
Richard Swigg is the editor of PennSound’s Naomi Replansky, George Oppen, WC Williams, Basil Bunting, and Charles Tomlinson pages, all among the best collections we have. He wrote this tribute to Charles Tomlinson for Michael Hennessey’s PennSound Daily*:
„Charles Tomlinson was the supreme international poet of his generation. Crossing borders, yet thereby attaining his own distinctive English voice, he showed the adventurous versatility which in the 1950s rejected the surreal romanticism of Dylan Thomas and the anti-romantic reaction of Philip Larkin and the Movement poets. The way forward, by contrast, lay in grasping the possibilities offered by the poetry of Wallace Stevens, Marianne Moore and, most crucially, William Carlos Williams. Later still the Englishman who often felt alienated from the townscapes and literary life of his own country would also come to know America itself, with a closeness that nourished so much of the poetry from the 1960s onward. As partly shown by his 1981 memoir, Some Americans (and more fully revealed by his unpublished letters I am now editing), his personal engagement with American poets themselves — with Williams, Moore, James Laughlin, Robert Creeley, George Oppen, Louis Zukofsky, William Bronk and Gustaf Sobin — was exceptional in its range, warmth and personal encouragement, particularly in his efforts to secure British publication for several of them. It was the same generosity of spirit, and openness toward writing often so different from his, which was inextricably linked to a major concern in his own poetry: a regard for all that lies outside the self in the circumambient universe, not to be imposed upon but realized afresh by its metamorphosis into words. The change was also manifest in the life of the poet himself: the transformation via America and its people that enabled him to „re-measure,“ as he said, his own country. To quote the title of a book he published in 1974, including poems on his Midlands birthplace, Stoke-on-Trent, he had found, by means of a transatlantic route that also took in the Italy of Ungaretti and the Spain of Machado, The Way In. But then it must be said that it is the poetry as a whole, from The Necklace (1955) to the last book, Cracks in the Universe (2006), which has secured our way in to the energies, shapes, and processes of a physical world which only this poet could celebrate so triumphantly. That, in the end, is Charles Tomlinson’s enduring, unforgettable achievement.“ –Richard Swigg
*) Introduction with kind permission from Charles Bernstein’s Facebook page.
Laudatio – Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung 2015
Erlangen, 28. August 2015
Kulturstiftung Erlangen
Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung 2015
Uljana Wolf
Preisverleihung am 28. August 2015
im Rahmen des 35. Erlanger Poetenfests
Laudatio auf Uljana Wolf
von Yoko Tawada

Man spricht im Deutschen von einem „Wortschatz“. Wörter, die wir kennen und die uns kennen, sind kostbare Schätze. Darunter gibt es Wörter, die schwer im Magen liegen oder ins Herz geschnitzt sind. Die meisten Wörter bewahren wir jedoch im Gehirn auf und obwohl es das Organ des Wissens ist, wissen wir nicht, wie sie dort gelagert sind. Sind sie alphabetisch sortiert oder nach Themen? Sind sie wie in einem Pflanzenlexikon nach Farben sortiert oder nach Jahreszeiten? Auf jeden Fall versuchen wir, für jede neue Sprache eine neue Wortschatzkammer einzurichten. Ich persönlich habe besonders große Angst, die Bedeutungen der englischen Wörter mit denen der deutschen durcheinanderzubringen. Scheinbar muss ich eine wasserdichte Mauer zwischen den beiden Sprachen gebaut haben. Sonst könnte ich nicht erklären, warum ich nie im deutschen Wort „Igel“ das englische Wort „eagle“ gehört hatte, bis ich Uljana Wolf las. Für die Räumlichkeiten im Sprachzentrum hat sie eine neue Ordnung (oder Unordnung) entworfen. Sie ist eine hervorragende Innenarchitektin der mehrsprachigen Dichtung. Wenn sie mit eleganten Linien Wörter miteinander verbindet und damit die Grenzen zwischen Sprachen überschreitet, erscheint ein unerwartetes Gebilde als Poesie. Das ist vergleichbar mit Sternbildern: Zwischen den einzelnen Sternen liegt eine Distanz von Millionen Lichtjahren, aber weil ihre Strahlung gleichzeitig unsere Gegenwart erreicht, können wir ein Bild erkennen.
Wie sucht aber Uljana Wolf die Wörter aus, die sterntauglich sind? Sie ist eine Meisterin der Ähnlichkeit. Wir lernen, gewisse Ähnlichkeiten zu ignorieren, um Verwirrungen zu vermeiden. Das englische Wort „bad“ hat nichts mit dem deutschen Badezimmer zu tun, und der deutsche Brief ist nicht unbedingt kurz (brief). Uljana Wolf hat keine Angst vor Verwirrungen. Im Gegenteil. Sie empfängt jede Verwirrung mit offenen Armen als Anlass für eine neue Freundschaft.
„Weder im guten noch im bad“ („falsche freunde“, Seite 11). Als ich diese Stelle im Gedichtband „falsche freunde“ las, erinnerte ich mich an einen japanischen Verleger, der für meine Erzählung „Das Bad“, die damals ausschließlich auf Deutsch erschien, ein großes Interesse zeigte, das ich nicht nachvollziehen konnte. Wie es sich später herausstellte, lag es am Titel: Das Bad. Der Verleger, der des Deutschen nicht mächtig war, dachte, es sei ein Roman über ein böses Mädchen.
Uljana Wolf spielt mit offensichtlichen Ähnlichkeiten, die normalerweise kollektiv verdrängt werden. Hier noch ein anderes Beispiel: „liegt aber eine strähne im brief, gar eine lange“. („falsche freunde“, Seite 11). Das englische Wort „brief“ und der deutsche Brief: Sind sie etymologisch verwandt, sei es über viele Ecken? Oder sehen sie nur zufällig ähnlich aus? Das Wissensloch in der Etymologie erweckte in mir eine persönliche, etwas peinliche Erinnerung, in der ich die beiden Wörter durcheinandergebracht hatte.
Wenn wir einmal die Bedeutungen der Wörter „Brief“ und „brief“ gelernt haben, sehen wir keine Ähnlichkeit mehr, obwohl sie offensichtlich ist, oder gerade weil sie offensichtlich ist; genau wie der entwendete Brief von Edgar Allan Poe.
Wir wollen nicht irritiert werden, vor allem keinen Fehler machen. Falsche Freunde führen uns möglicherweise zu sprachlichen Fehlern und es gilt im Allgemeinen als peinlich, Fehler zu machen, besonders in der englischen Sprache. Wer von einem internationalen Erfolg träumt, muss diese Sprache sprechen, aber nicht mit ihr spielen, geschweige denn in ihr peinliche Fehler machen. Hat jemand aber schon mal die englische Sprache gefragt, ob sie mit dieser Rolle glücklich ist oder ob sie viel lieber mit Uljana Wolf ein poetisches Abenteuer erleben will?
Manche glauben, dass eine Dichterin im Unterschied zu einer Übersetzerin kein Wörterbuch braucht, weil die Wörter direkt aus ihrem Herzen springen müssen. In Wirklichkeit verbringen Dichterinnen und Dichter viel Zeit mit Wörterbüchern. Oskar Pastior erzählte mir einmal, wie er Tage und Wochen in Wörterbüchern versunken war, als er Petrarca übersetzend gedichtet hatte.
Unter dem Begriff der „multilingualen Dichtung“ stellt man sich eine Dichterin vor, die am Frühstücksbüffet von verschiedenen Sprach-Platten köstliche Wörter auf den eigenen Teller sammelt. Bei Uljana Wolf stelle ich mir kein Frühstücksbüffet, sondern einen Schreibtisch vor, auf dem viele Wörterbücher dicht nebeneinander stehen. Die Übersetzung ist eine spannende, aber mühsame, gefährliche, undankbare Arbeit. Nicht jede Übersetzerin kann und will jenen offenen Zustand lange aushalten, in dem sich die scheinbar festen Bedeutungen im Originaltext aufzulösen scheinen und noch kein Wort in der Zielsprache zu sehen ist. Wer sich in diesem Zustand befindet, ist unmittelbar konfrontiert mit der Materialität der Sprache. Dort ist die Sprache als Buchstaben anzufassen. Eine fast bedrohliche Intimität ohne jede Sicherheit. Das ist die „Ellis Island“ der Übersetzung. Es ist noch nicht sicher, ob ein Wort oder das, was einst ein Wort war, in der neuen Sprache eine Existenz gründen kann. Die Übersetzerinnen, denen dieser Zustand unheimlich ist, wollen schnell in der Zielsprache ankommen und schnell die bedrohliche Übergangszeit vergessen. Uljana Wolf lässt sich Zeit auf der Schwelle des Übersetzens, auf dem Ellis Island der Sprache. Sie behält die Originalsprache als Bewegung bei und schreitet mimetisch in die Zielsprache hinein. Was dabei entsteht, ist nicht etwa eine Übersetzung als Fertigprodukt, sondern eine Art Körperlichkeit.
„Übersetzen wird für mich immer mehr zu einem solchen Gartengehen, und zwar im zweifachen Sinne. Einerseits kommt es mir darauf an, mit und neben dem Originalgedicht zu spazieren, das heißt sein Laufen, Schreiten, Springen wichtiger zu nehmen als sein Sagen, Rätseln, Rufen. Ich meine damit nicht objektiv zählbare Verse und Füße (aber auch), sondern den rhythmisch-gestischen Abdruck, den eine Zeile mit ihrem Auf und Ab, ihren Kadenzen, in meinem Körper hinterlässt.“ („Isabel Bogdan Übersetzen“, aus dem VdÜ-Pressenewsletter)
Für einen Literaturpreis, der für die „Poesie als Übersetzung“ vergeben wird, ist der Gedanke, dass das Dichten eine Radikalisierung der Übersetzung sei, von besonderem Interesse. Uljana Wolf schreibt davon. „Übersetzung hinter mir zu lassen und stattdessen dort, wo gar nichts mehr und alles geht, mit einer ‚Unreinheit‘ zu spielen, die in meinen Gedichten schon länger um sich greift.“ („Isabel Bogdan Übersetzen“, aus dem VdÜ-Pressenewsletter)
Ich stelle mir eine radikale Übersetzung vor, die keinen anderen Weg kennt, als zur Dichtung hinüberzugehen. Dort müssen nicht alle Wörter des Originaltextes durch Wörter der Zielsprache ersetzt werden. Dort muss man nicht die Leserschaft bedienen, sondern den Prozess der Übersetzung als künstlerischen Akt darstellen. Dort muss man nicht Kompromisse machen, um eine Antwort zu finden, sondern jede offene Stelle offen lassen.
Die Unreinheit ist ein Gegenbild zur Säuberung der Nationalsprache oder der Apartheid im Gehirn. Englische Wörter dürfen in einem deutschen Text gesehen werden und zwar nicht als Leihwörter mit einem Besucherausweis. In diesem Kino gibt es keine feste Rollenaufteilung mehr zwischen dem Originalton und dem Untertitel. Wie absurd klingt dann die Frage: „In welcher Sprache denken Sie?“ Denken wir nicht in allen Sprachen gleichzeitig, die wir kennen und nicht kennen?
Falsche Freunde gibt es häufig zwischen zwei verwandten Sprachen. Deshalb werden sie auch „falsche Brüder“ genannt. Englisch und Deutsch sind enge Verwandtschaften, auch Polnisch und Deutsch gehören zu einer Familie, der der indoeuropäischen Sprachen. Es geht der Dichterin nicht darum, die Entfernung vom Eigenen zu vermessen. Gerade das Konzept der eigenen Sprache, die „Muttersprache“ heißt, aber in Wirklichkeit die des „Vaterlandes“ ist, stellt sie in Frage. In einer Rede an der Humboldt-Universität sprach sie vom „Falschländischen“ als einer Alternative zum „Vaterländischen“: „Nun ist es so, dass ich auf Deutsch schreibe, aber trotz Germanistikstudium durchaus nicht vater-, eher falschländisch.“ (REDE, SELTSAM ANGEZETTELT, Rede zur Absolventinnenfeier der Philosophischen Fakultät II der Humboldt-Universität zu Berlin am 16. Juli 2014)
Man weiß, dass eine Nähe manchmal komplizierter ist als eine Distanz. Uljana Wolfs Sprache kennt eine Geschmeidigkeit, die mit einer schwierigen Nähe umzugehen weiß.
Die meisten Deutschen schalten ab, wenn sie polnische Wörter sehen. Man könnte Gründe für diese Ignoranz endlos aufzählen. Zu fremd die Sprache, zu langweilig die Städte, nicht geeignet als Urlaubsland, nicht cool der Lebensstil, kein Geld zu holen, kleine Länder sollen große Sprachen lernen und nicht umgekehrt u. s. w. Aber was hindert einen, hinzuschauen, wenn die Wörter schon vor Augen stehen? Warum versucht man nicht einmal, sie abzuschreiben und in sie hineinzudenken? Uljana Wolf schaut hin und arbeitet mit westslawischen Nachbarwörtern. Auch wenn man das polnische Wort „Kochanie“ nicht kennt, kann man den Buchtitel „kochanie ich habe brot gekauft“ sofort verstehen, weil das englische Wort „Honey“ aus „Kochanie“ herausklingt. „Honey ich habe brot gekauft“. Es gibt Koautorin und Koübersetzerin. Es müsste Kogeliebte oder Koliebste, also „Kochanie“ geben. Ein kleines Kind findet keine Sprache unzugänglich. Es nimmt jedes Wort in die Hand, betrachtet es, dreht es um, nimmt es auseinander und isst es auf. Das Kind arbeitet unermüdlich mit der Sprache. Warum geht uns diese Fähigkeit verloren? Warum vermeiden wir Fremdsprachen, außer wenn wir sie als Leistungsbeweis missbrauchen können? Uljana Wolfs Umgang mit Sprachen ist äußerst sympathisch, befreiend und anregend.
Ich persönlich arbeite eher mit zwei weit auseinander liegenden Sprachen: Japanisch und Deutsch. Die Distanz zwischen den beiden Sprachen ist nicht von einer geographischen Natur. Denn in Ostsibirien, nicht weit von Japan, heißt die Nacht „Ночь“. Das polnische Wort „noc“, ist eindeutig verwandt mit der russischen „Ночь“, aber auch mit der deutschen „Nacht“. Die japanische Nacht „yoru“ hat keinerlei gemeinsame Wurzel mit diesen europäischen Wörtern. Für die deutschsprachigen Menschen gibt es also keinen Grund, slawische Sprachen zu exotisieren.
Uljana Wolf arbeitet mit polnischen Wörtern und wagt einen halben Schritt in die Nacht hinein. „Halb“ klingt abschätzig im Deutschen, aber ich meine es positiv. Denn die „Halbnacht“ bedeutet die Mitternacht. Man erreicht die Mitte, aus der der Mond genauso nah steht wie die Sonne.
Im Gedicht „herbstspiel“ („kochanie ich habe brot gekauft“, Seite 56) wird das „Herz“ auf den „Scherz“ gereimt. Ein Gedicht voller Emotion, die mich aber keineswegs sentimental macht. Das Herz bleibt ein Schlaginstrument, es spielt lustvoll variationsreiche Rhythmen. Jedoch geht es hier um keine Lautpoesie, denn Uljana Wolf schreibt nicht laut, sondern laut und leise. Bei Ernst Jandl heißt es übrigens „laut und luise“. Ich erinnere mich, wie er einst die Bibel in Lautpoesie verwandelte. „Am Anfang war das Wort“: Ich höre diesen Satz noch mit Jandls Stimme. Bei Uljana Wolf heißt es etwas anders: „am anfang war, oder zu beginn“. Das Wort „beginn“ geht über zum Tanz „beguine“ und tatsächlich beginnen die Füße des Gedichtes, neuartige Tanzschritte zu zeigen. Ich weiß nicht, ob es am Anfang ein Wort gab und wenn ja, welches. Aber wie wäre es, mit der Übersetzung zu beginnen? Denn die Mehrsprachigkeit prägt bereits unsere Gegenwart. Manche sehen sie immer noch als Strafe Gottes, aber im Prozess der radikalen Übersetzung kann jede der vielen Sprachen meine schönste „Lengevitsch“ werden.
Yoko Tawada
Das 35. Erlanger Poetenfest zog vom 27. bis 30. August 2015 weit über 12.000 Besucherinnen und Besucher an.

Mit einem Porträt des österreichischen Romanciers und Essayisten Robert Menasse im ausverkauften Erlanger Markgrafentheater ging am Abend des 30. August das 35. Erlanger Poetenfest gleichermaßen unterhaltsam wie politisch zu Ende. Die Abschlussveranstaltung stand damit stellvertretend für das Programm der diesjährigen Poetenfest-Ausgabe, die in einer engen Verbindung von Literatur und Politik weit über 12.000 Besucherinnen und Besucher nach Erlangen lockte. Schon am Vormittag hatte Robert Menasse in der traditionellen Sonntagsmatinee des Erlanger Poetenfests eine Überwindung der Nationalstaaten zu Gunsten einer Stärkung der europäischen Institutionen gefordert. Die voran gegangenen beiden Porträts des diesjährigen Poetenfests waren der Frauenrechtlerin und Publizistin Alice Schwarzer und der Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff gewidmet.
Besondere Anziehungskraft ging – trotz Temperaturen von 34 Grad im Schatten – auch in diesem Jahr von den langen Lesenachmittagen im Erlanger Schlossgarten aus. Ein leidenschaftlicher Beitrag des Regisseurs und Autors Oskar Roehler, ein berührender Auftritt der 3sat-Preisträgerin des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs Dana Grigorcea und ein rekordverdächtiger Ansturm auf die Lesung der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer gehörten zu den Höhepunkten der Nachmittage. In der Revue der Neuerscheinungen lasen im halbstündigen Rhythmus außerdem Henning Ahrens, Nora Bossong, Carolin Callies, Ralph Dutli, Ludwig Fels, Juan S. Guse, Verena Lueken, Ursula März, Matthias Nawrat, Christiane Neudecker, Gesa Olkusz, Ulrich Peltzer, Robert Schindel, Raoul Schrott, Volker Sielaff, Alain Claude Sulzer und Anne Weber. Ihre Kinder- und Jugendbücher präsentierten Franziska Biermann, Nele Brönner, Christian Duda, Julia Freidank, Hannes Klug, Dorit Linke, Uticha Marmon und Florian Wacker.

Gesprächsrunden und Podiumsdiskussionen zu gesellschaftlichen und politischen Themen sind fester Bestandteil des Poetenfest-Programms. Vor allem die traditionelle Sonntagsmatinee, in diesem Jahr unter dem Titel „Was hält Europa noch zusammen?“ mit Rebecca Harms, Henryk Jarczyk, Alexander S. Kritikos und Robert Menasse, das aktuelle Podium über den Anschlag auf „Charlie Hebdo und die Folgen“ für das Selbstverständnis des Westens mit Ulrike Ackermann, Jens Jessen und Alexander Kissler, die Debatte „Den Koran lesen. Über Gewalt und Islam“ und die Gesprächsrunde „70 Jahre Kriegsende – Schatten auf der Seele“ fanden besondere Beachtung. Genauso wie die Auftritte von Claus Leggewie und Klaus Theweleit, denen eigene Veranstaltungen gewidmet waren. Wie ein roter Faden zog sich das Thema Flucht und Vertreibung durch das Programm. Aus aktuellem Anlass wurden vor zahlreichen Veranstaltungen literarische Zeugnisse dazu vorgelesen.

Begonnen hatte das viertägige Festival am 27. August mit der „Bayern 2-Nacht der Poesie“, die – wie auch das Büchermagazin „Diwan“ von Bayern 2 – live vom Erlanger Poetenfest übertragen wurde. Außergewöhnlich viele Besucherinnen und Besucher verzeichnete die achtstündige zwölfte Erlanger Übersetzerwerkstatt, die am Abend des 28. August von der Verleihung des „Erlanger Literaturpreises für Poesie als Übersetzung“ an die Lyrikerin und Übersetzerin Uljana Wolf gekrönt wurde. Im Gespräch mit der amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Susan Bernofsky sowie der Laudatorin und Trägerin des Preises von 2013, Yoko Tawada, sprach sie über Mehrsprachigkeit, „Falsche Freunde“, das künstlerische Potenzial des Fehlerhaften und das Ausloten von Sprachübergängen. Musik, eine Filmreihe und Ausstellungen rundeten das Programm des 35. Erlanger Poetenfests ab, von dem Robert Menasse am späten Sonntagabend sagte, dass er kaum ein anderes Festival kenne, das so berührend, produktiv und anregend sei, wie das Erlanger Poetenfest.
Die Moderatorinnen und Moderatoren des 35. Erlanger Poetenfests waren Maike Albath, Verena Auffermann, Martina Boette-Sonner, Michael Braun, Herbert Heinzelmann, Dirk Kruse, Adrian La Salvia, Ursula März, Wilfried F. Schoeller, Christoph Schwennicke, Hajo Steinert, Florian Felix Weyh und Cornelia Zetzsche.
Das 36. Erlanger Poetenfest wird vom 25. bis 28. August 2016 stattfinden.
Hauptsponsor des Erlanger Poetenfests ist seit über zehn Jahren der französische Energiekonzern AREVA. Medienpartner des 35. Erlanger Poetenfests: Erlanger Nachrichten, Cicero – Magazin für politische Kultur und Bayern 2. Das Erlanger Poetenfest wird aus Mitteln der Literaturförderung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst unterstützt.
Veranstalter
Kulturamt der Stadt Erlangen
Bettina Hartz bespricht bei Fixpoetry den bei Reinecke & Voß erschienenen Band Mara Genschel Material. Gleich im ersten Satz empfiehlt sie, wir sollten den Band „lieber links liegen lassen“. Eine schöne Alliterationskette, aber ein törichter Rat, meine ich.*
Zunächst weil „der Betrieb“ diese Autorin und ihre seit Jahren unterhaltenen Referenzflächen ohnehin links liegen läßt. Mara Genschels Erstling bekam eine mit dem Kürzel „H.H.“ signierte satirische Abfertigung in der FAZ, sonst sind mir nur Onlinequellen bekannt. Über den Materialband schrieb Michael Braun bei der Zeit und schrieben mehrere Autoren online, habe ich viel übersehen? Die Empfehlung, ein ignoriertes Buch zu ignorieren, läuft seltsam ins Leere. Die Rezensentin bestätigt einfach den Status. Da ist es nur konsequent, daß die Boykottempfehlung online geschieht. Als solle DER BETRIEB nun auch online für Ordnung sorgen. Schweige-, Verschweigeordnung. Wenn es wichtig wär, würde es im gedruckten Feuilleton stehen, nicht wahr?
Schon der Ausdruck „den Literaturbetrieb schwänzen“ kommt der Rezensentin unerlaubt vor, schließlich dürfe man nur die Schule schwänzen, wie sie umfänglich ausführt. Dieser Passus wirkt auf mich etwas komisch. Man kann das Leben schwänzen, die Realität schwänzen, bei Lichtenberg wird die Predigt geschwänzt, bei Schiller ein Ball: wieso nicht den Betrieb? Von der Sprachpolizei verboten? – Sie zeigt ja auch im weiteren Verlauf ihres Artikels, daß sie die Bedeutung verstanden hat – und empfiehlt irgendwie erwachsenere Haltungen, Handke zum Beispiel. Nichts neues, H.H. schon hat es getan: Die erwachsenen Betriebsmahner & -verwalter empfehlen den Heranwachsenden, erst mal so zu werden wie sie selber anscheinend geworden sind oder immer schon waren, man weiß es nicht. Ein bißchen wie Bossong in der „Zeit“.
Bettina Hartz schreibt, Schule könne man schwänzen,
Was aber, wenn einer einer Sache fernbleibt, zu der ihn keine Pflicht ruft und kein Zwang abkommandiert?
Äh, kein Zwang? Meinen Sie das im Ernst? Man muß nicht leben, wußten die Alten, navigieren aber schon. Tausende Schriftsteller und Künstler in diesem Land sind gezwungen, Einladungen anzunehmen oder Bewerbungen zu schreiben und dann einigermaßen angepaßt an die Erwartungen der ein schmales Geld Gebenden zu agieren. Wer Auftritte von Mara Genschel besucht, kann beobachten, mit welch unterschiedlichen Techniken diese Autorin Schwänzen ausübt.** In diesem Jahr zum Beispiel in der Leipziger Lyrikbuchhandlung irgendwann nach Mitternacht und jüngst beim Lyrikmarkt in der Berliner Akademie. Ist es einem Zeitungschreiber oder einer Zeitungsschreiberin aufgefallen? Zweckdienliche Angaben nehme ich gern entgegen. – Dort hätte man auch sehen können, daß ihr Auftreten in diesem Punkt nicht anders als bei Handkes „Publikumsbeschimpfung“ (welche die Rezensentin der Autorin als pädagogisches Beispiel vor die Nase hält) „mehr als Provokation“ ist. –
Bertram Reinecke beschreibt in seinem Beitrag, wie man – wie Mara Genschel – den Literaturbetrieb schwänzt. Ich empfehle das Buch zu lesen, wenn man etwas kennenlernen will, was noch nicht gängige Feuilletonschreibe ist. Wie bei jedem Sammelband muß man nicht jeden Beitrag lesen, wer z.B. Statistiken zu trocken findet: weiterblättern. Wir haben immer eine Wahl. Alles ist besser als nur das schon Gebongte und Durchgekaute entgegenzunehmen.
Bertram Reinecke (Hg.): Mara Genschel Material
Mit Beiträgen von Luise Boege, Ann Cotten, Michael Gratz, Martin Schüttler und Meinolf Reul.
Reinecke & Voß
100 Seiten · 12,00 Euro
ISBN: 978-3-942901-14-7
*) Ja, obwohl (nicht weil) ich selber in dem Band vertreten bin.
**) Bettina Hartz‘ Text scheint zu behaupten, Mara Genschel hätte eine Lesung mit bloßem „ins Publikum Starren“ bestritten. Hab ich anders erlebt, kann ich nicht glauben. Sie?
Historiker, Spion und Poet. Das sagt die französische Zeitung Le Monde über Robert Conquest, der am 3. August in Palo Alto, Kal., im Alter von 98 Jahren gestorben ist. Mit dem Buch Der große Terror über die stalinistischen Säuberungen 1937-38 machte der Historiker von sich reden. 1986 folgte ein Buch über die große Hungersnot in der Ukraine 1932-33, in dem zum ersten Mal die Verantwortung Stalins für die Millionen Hungertoten herausgearbeitet wurde. Erst nach dem Zusammenbrechen der kommunistischen Herrschaft öffneten sich Archive, die zumindest einen Teil seiner Thesen bewiesen. Als 1990 eine Neuausgabe von Der Große Terror vorbereitet wurde, schlug er als Titel vor: „I Told You So, You Fucking Fools“.
Seit 1937 veröffentlichte er Gedichtbände. In den 50er Jahren gehörte er zum „The Movement“ genannten Kreis mit Kingsley Amis und Philip Larkin. Zuletzt erschien 2009 ein Sammelband seiner Gedichte unter dem Titel Penultimata. / Julie Clarini, Le Monde
der Rechner blockt, irgendwo innen ein Fehler – im Gerät, in mir?
Hansjürgen Bulkowski
Inzwischen lockt die Lyrikberichterstattung die Massenmedien, Kenner auf beiden Seiten der Barrikade:
Lyrik war einst etwas für hoffnungslose Romantiker, Poetry Slams für geistreiche Wirrköpfe. Inzwischen lockt der Dichterwettstreit die Massen – etwa am Mittwochabend auf die Hamburger Trabrennbahn. Mehr als 5000 Menschen kamen zu „Best of Poetry Slam – Open Air“. „Damit ist der Weltrekord geknackt“, stellte Conférencier Michel Abdollahi fest. / dpa/ Heidenheimer Zeitung
Diese* Rezension fängt gut an:
Es gibt Lyriker, die unentwegt wollen, was sie schon können. Ihre Gedichte laufen Gefahr, wie aus dem Register gezogen zu wirken. Sie sind kunstfertig gebaut, elegant im Auftritt, aber durch ihren reibungsarmen Gestus auch wieder schnell vergessen. Der Sirenengesang des leichten Gelingens nimmt sie in seinen Kanon auf. Es gibt aber auch Lyriker, die ihr Können immer wieder am Eigensinn ihres Wollens erproben, an einer Poetik, die nie ganz in Besitz genommen werden kann. Ihre Verse bleiben offen, dem Ungesicherten treu, dem Streben nach der nie zu erreichenden, endgültigen Form. Gerade die ausgehaltene Nähe zur Möglichkeit des Misslingens kann zum überraschenden Glücksmoment bei der Lektüre werden.
Oder eigentlich, es wäre ein guter Anfang eines Essays. Wir dürften erwarten, daß beide Typen an Beispielen vorgestellt und erörtert werden. Der Essay machte, Konjunktiv, einen Vorschlag, wie man die Dinge auch sehen kann. Vorausgesetzt man will was sehen.
Es ist aber kein Essay, sondern eine Rezension. In einer Rezension weiß man spätestens nach dem zweiten, dritten Satz, wie es weitergeht. Es geht gar nicht darum, verschiedene Typen von Autoren vorzustellen. Auf den Ausgangspunkt wird gar nicht zurückgekommen. Es geht um einen Einstieg, einen Aufhänger. Der Verfasser braucht einen dunklen Ausgangspunkt, um seinen Gegenstand, den zu besprechenden, zu lobenden Band umso heller strahlen zu lassen. Der Aufhänger ist leere Rhetorik. So fängt man eben Rezensionen an, mehr ist da nicht. Und Texte der anderen, erörternden Art, gibt es hin und wieder in Essays von Lyrikern, nicht im Feuilleton.
*) Welche Rezension? Es ist für unseren Zusammenhang unwichtig. Wer will, kann sie leicht finden. Es hat nichts mit dem besprochenen Autor zu tun.
Leben des Dichters Ezra Pound in Auszügen (5)
Er mag neunzehn gewesen sein, ich war ein Jahr jünger. Maßlos intellektuell, maßlos überlegen, maßlos ungeschliffen, ein Geschöpf, das keinem der Brüder und der Brüder Freunde und der Jungen glich, mit denen wir tanzten (und er tanzte schlecht). Mit ihm wollte man um dessentwillen tanzen, was er sagen würde.
(…) und, ach, ich litt fürchterlich unter seinem unbeholfenen Tanzen.“
H.D. (Hilda Doolittle): Das Ende der Qual. Erinnerungen an Ezra Pound. Zürich: Arche, 1985, S. 33f, S. 102
Die Frage nach der „Zeit“ und unserem Verhältnis zu ihr ist ein Kernthema aller Literatur und Philosophie. Über alle Genregrenzen hinweg. Neben Günter Grass und Rüdiger Safranski haben wir noch ein interessantes, eher leichtfüßiges Beispiel im Angebot. Andrascz Jaromir Weigoni stellt mit einem Hörspiel unser Zeitempfinden und unsere Vorstellung von Identität auf die Probe. Der vielfach ausgezeichnete ungarisch-deutsche Schriftsteller und Medienpädagoge Weigoni schafft mit seinem Text, Papiergeräuschen und der Stimme von Bibiana Heimes eine Atmosphäre, die uns einem Gedanken ganz schnell auf den Pelz rücken lässt: wir sind alle Gefangene unserer selbst. Laurin Dreyer lässt es knistern. / Radio Bremen (zum Nachhören)
Der britische Dichter und Übersetzer Charles Tomlinson starb im Alter von 88 Jahren in seinem Landhaus in Ozleworth, Gloucestershire, wo er seit 1958 lebte. Für den amerikanischen objektivistischen Dichter George Oppen waren es Tomlinson und Basil Bunting, „die am lebhaftesten zu den amerikanischen Dichtern sprachen“. Tomlinson überbrückte die gewaltige Kluft zwischen europäischer und amerikanischer Dichtung, er beerbte gleichermaßen Dryden und Williams, Coleridge und Pound. Seine 16 Gedichtbände, Essaysammlungen, Übersetzungen und Anthologien sind ein Vorrat für englische Autoren und Leser, und doch wurde er mehr im Ausland als zu Hause geehrt.
(…)
Er war offen für andere Poesien und andere Künste: Musik, Architektur, Bildhauerei, Malerei. Er war selbst ein hervorragender Graphiker. Er wurde es nie müde, durch Räume und Sprachen zu wandern, doch kehrte er stets in sein Gloucestershire-Haus zurück und zu einem Englisch, das er angereichert hatte mit Übersetzungen aus dem Russischen Fjodor Tjutschews, dem Spanischen von Antonio Machado, César Vallejo und Octavio Paz, dem Italienischen von Giuseppe Ungaretti und anderen sowie der französischen Dichter. Mit Jacques Roubaud, Edoardo Sanguineti und Octavio Paz schrieb er ein viersprachiges Renga (1979). Er gab das Oxford Book of Verse in English Translation (1980) heraus, das die zentrale Rolle der Übersetzung in der Geschichte unserer elsternhaften Literatur herausstellte. Mit dem amerikanischen Dichter Kenneth Rexroth war er der Meinung, daß „Übersetzung uns vor unseren Zeitgenossen schützt“. Einige etwas ältere amerikanische Dichter waren es auch, die ihn vor seinen englischen Zeitgenossen bewahrten: William Carlos Williams, Marianne Moore, Wallace Stevens wurden beinahe übermächtig für ihn, eine Gegengabe Williams und Pound half. Auch Louis Zukofsky und Robert Creeley, Robert Duncan und Charles Olson beeinflußten ihn. / Michael Schmidt, The Guardian
Alfred Charles Tomlinson, 8. Januar 1927 – 22. August 2015.
Der syrisch-libanesische Lyriker Ali Ahmad Said erhält in diesem Jahr den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück. Der unter dem Künstlernamen Adonis bekannte Lyriker werde für sein Eintreten für die Trennung von Religion und Staat, die Gleichberechtigung der Frauen in der arabischen Welt sowie für eine aufgeklärte arabische Gesellschaft geehrt, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Die Auszeichnung wird dem 85-Jährigen am 20. November im Friedenssaal des Rathauses überreicht. / Tagesspiegel
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