2 Splitter aus einem Interview, das Iris Radisch mit Giorgio Agamben geführt hat (Die Zeit):
a) Europa
DIE ZEIT: Man hat Ihnen oft übel genommen, dass Sie Europa als eine rein ökonomische Vereinigung kritisiert haben. Inzwischen sieht es so aus, als hätten Sie recht behalten: In der Griechenlandkrise war ausschließlich von Geld die Rede. Wie beurteilen Sie das griechische Drama, wird Europa in zwei Hälften gerissen?
Giorgio Agamben: Ein Europa, wie ich es mir wünsche, kann es erst geben, wenn das real existierende „Europa“ kollabiert ist. Deshalb könnte Griechenland – auch wenn es von seinen politischen Führern bitter enttäuscht worden ist – eine ganz entscheidende Rolle spielen. Sie haben von Spaltung gesprochen: Doch würde Griechenland die Europäische Union tatsächlich verlassen, wäre das wahre Europa in Athen, nicht in Brüssel, wo – was die Mehrheit der Europäer nicht zu wissen scheint – jede Entscheidung von Kommissionen getroffen wird, die zur Hälfte aus Vertretern der Großindustrie des betreffenden Wirtschaftszweigs bestehen. Zunächst gilt es, der Lüge entgegenzutreten, dieser Vertrag zwischen Staaten, den man als Verfassung ausgibt, sei das einzig denkbare Europa, diese ideen- und zukunftslose institutionalisierte Lobby, die sich der düstersten aller Religionen, der Religion des Geldes, blind verschrieben hat, sei die rechtmäßige Erbin des europäischen Geistes.
b) Dichtung
Was ist Dichtung anderes als eine sprachliche Operation, die darin besteht, die informativen und kommunikativen Funktionen der Sprache zu neutralisieren, um sie einem anderen Gebrauch zu öffnen: ebenjenem Gebrauch, den man Dichten nennt?
Andreas Pflitsch in der Neuen Zürcher Zeitung zur Diskussion um den syrischen Dichter Adonis anläßlich der Zuerkennung des Remarque-Friedenspreises:
Adonis hat sich tagespolitischen Fragen geradezu auffällig verweigert und die Situation in Syrien nur zögerlich kommentiert. Zwar hat er das syrische Regime wiederholt kritisiert, aber zugleich seine Abneigung gegen die Opposition deutlich gemacht. Er lehne Gewalt in all ihren Formen ab, formulierte er geradezu befremdlich vage, und ertrage sie «weder vonseiten des Regimes noch vonseiten der Gegner des Regimes». Den bewussten Verzicht auf eine klarere Haltung mag man als für einen Friedenspreisträger unangemessen halten, sie wird aber mit Blick auf das seinem ganzen Werk zugrundeliegende Verständnis von Literatur und Politik zumindest plausibler.
Seit je wird zwischen dezidiert politisch Engagierten und Verfechtern einer zweckfreien Autonomie der Kunst über die politische Rolle der Literatur gestritten. Die einen werden mit Karl Kraus‘ bösem Wort der «Utiliteratur» geschmäht, während man den anderen die blauäugige Realitätsvergessenheit des «l’art pour l’art» vorwirft und sie im «Elfenbeinturm» verortet. Ganz ähnlich verlaufen die Konfliktlinien auch in der arabischen Literaturkritik. 1953 wurde in Beirut die über Jahrzehnte in der gesamten arabischen Welt einflussreiche Literaturzeitschrift «Al-Adab» gegründet, die ganz im Zeichen von Jean-Paul Sartres Konzept der «littérature engagée» stand. Als Antwort auf das von «Al-Adab» geforderte politische Engagement der Literatur entstand 1957 die Zeitschrift «Shi’r», die die Instrumentalisierung von Literatur im Dienste politischer Interessen strikt ablehnte. Der Kreis um die Zeitschrift sah sich zum Teil scharfer Kritik ausgesetzt. Der arabische Nationalismus feierte damals seine Hochblüte, und der bilderstürmerische Impetus von «Shi’r» in Verbindung mit einer tiefsitzenden Skepsis jeder Ideologie gegenüber brachte der Zeitschrift den Vorwurf mangelnder Integrität ein: Ihre Autoren verträten einen «unarabischen Geist». Aufgabe der Literatur sei nicht die direkte politische Botschaft, antwortete damals ihr Chefredaktor auf die Kritik, sondern die stetige Überwindung der alten Welt und die Erschaffung neuer Welten. Indem der Dichter Konventionen überwinde und Traditionen zerstöre, entwickle er eine revolutionäre Sprache. Chefredaktor von «Shi’r» war damals Adonis.
Die klare Absage an die politische Indienstnahme der Literatur ist, so viel wird in Adonis‘ Argumentation deutlich, keinesfalls mit einer Leugnung ihrer gesellschaftlichen Relevanz zu verwechseln. (…)
Seine sich gegen alles Starre und Feste richtende Poetik, die dichterische Feier der Wurzellosigkeit und die Verweigerung jedweder begrifflichen Festschreibung gegenüber zeichnen Adonis‘ Werk als eminent politisches aus, sofern man darunter anderes versteht als tagespolitische Flugblattprosa.
Eine deutliche Stellungnahme gegen die vom syrischen Regime verübten Greuel, ohne verharmlosende Relativierungen, wäre sicherlich wünschenswert gewesen. Wenn Friedenspreise aber mehr sein sollen als auf genehme politische Positionen antwortende Belohnungsreflexe, wenn sie über den Tag hinaus ihre Berechtigung haben sollen, weil sie die den aktuellen Konflikten zugrundeliegenden Muster aufzeigen helfen, dann ist die Entscheidung für Adonis vielleicht doch keine schlechte.
Der Dichter und Dramatiker Cosmas Koroneos starb am Donnerstag im Alter von 82 Jahren. Er wurde 1933 in Griechenland geboren und ließ sich Anfang der 60er Jahre nach längerem Aufenthalt in der Schweiz in Frankreich nieder. Sein letztes Buch, „Faits divers, Description d’un messie“ (Verschiedene Fakten. Beschreibung eines Messias), erschien 2005. / rtbf.be
Kinderfüße trippeln an Land – bringen den Erdteil in Schwingung
Hansjürgen Bulkowski
Auf der Weltempfänger litprom-Bestenliste 28 vom Herbst 2015 sind diese Gedichtbände:
Für eine Übersetzung ins Deutsche empfiehlt Jury-Mitglied Katharina Borchardt folgende Spoken-Word-Texte von Marc Nair (Singapur): „The Poet of Unlove“(Red Wheelbarrow Books, 2015). Ihre Begründung: „18 Spoken-Word-Texte, die Nair bereits öffentlich performt hat. Er erzählt von den Peinlichkeiten des Schwimmenlernens, der euphorisierenden Wirkung von Pizza und von seinem Bart, der mit Terrorismus nichts zu tun hat. Er zeigt, wie fragil Männlichkeit sein kann, und wie schwer es ist, Liebe auszudrücken. Kraftvolle Prosagedichte, drängend und heutig, grundiert von einer feinen, unstillbaren Sehnsucht.“
Hier die komplette Weltempfänger-Liste (inklusive Jury-Urteile).
Vor rund 36 Jahren gründete der Basler Autor, Verleger und Buchhändler Matthyas Jenny den Poesietag und führte ihn von 1979 bis 1988 jährlich durch. Seither hat sich wenig verändert. Der Grundsatz ist immer noch derselbe: Poesie, als Form des nichtalltäglichen Sprechens, solle die Konfrontation mit der Sprechweise des Alltags, der Politik, der Wirtschaft und der Industrie suchen. Die Lyrik erhält an einem Tag im öffentlichen Raum eine lebendige Präsenz und zeigt so die Vielfalt verschiedener Ausdrucksformen auf.
Ganz im Sinne der Tradition beteiligt sich auch die bz am Anlass. Dafür haben wir den Basler Regisseur Laurent Gröflin, die Schriftstellerin Simone Lappert und den Schriftsteller Rudolf Bussmann gebeten, uns ihr Lieblingsgedicht zu schicken.
Kommentare zu «Zweimal im September» von Nicolas Born, «Erinnerung an Las Vegas» von Jan Wagner und «Die Ameisen» von Joachim Ringelnatz.
Vor mehr als hundert Jahren veröffentlichte Friedrich Eisenlohr seine „Kriminal-Sonette“, eine Sammlung formvollendeter lyrischer Hochkomik. Am Mittwoch erst starb seine Witwe, die Schriftstellerin Annemarie Bostroem.
Bis vorgestern wusste ich nichts von Annemarie Bostroem. Die Schriftstellerin starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren. Auch jetzt weiß ich nicht viel mehr von ihr, als dass sie Lyrik (die zum Teil vertont wurde) und Theaterstücke verfasste. Sie lebte im Ostteil Berlins, manchmal wurde ihr übel mitgespielt. Zu ihren Liebesgedichten merkte 1947 ein Literaturbürokrat an, es handle sich um „abstoßende Neigungen und Triebe einer Dichterin, bestenfalls der Beachtung eines Psychiaters wert“. Sie blieb. / Lorenz Jäger, FAZ
„Früher fand ich Lyrik gestelzt. Ich dachte, da muss man reimen, Silben zählen und auf Hebungen achten. Doch tatsächlich ist Lyrik die freiste Form des Schreibens.“ / Ansgar Riedißer, 17, spiesser.de
Über die Auszeichnung des syrischen Autors Adonis mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück wird seit einigen Tagen öffentlich gestritten. Ausgelöst wurde der Streit durch Einsprüche von Seiten des Regimekritikers und Journalisten Ahmad Hissou sowie des deutsch-iranischen Autors Navid Kermani. Nun verlangt auch der Menschenrechtsaktivist Rupert Neudeck im Kölner Stadt-Anzeiger eine Rücknahme der Jury-Entscheidung. Er begründet dies mit der Haltung des 85-jährigen Adonis zum Regime des syrischen Herrschers Baschar al-Assad. „Ein Wahnsinniger macht sein Land kaputt und bringt die Menschen um, während Adonis ruhig daneben steht und nur zu bedenken gibt, dass es die Assad-Gegner vielleicht noch schlimmer treiben könnten“, sagte Neudeck. Von Wut und Verzweiflung über das Elend des eigenen Volkes sei bei Adonis nichts zu spüren. „Bequem in einem Pariser Café sitzen und den Assad-Gegnern raten, es doch mal gewaltfrei zu probieren, das zeugt von einer skandalösen Haltung“, so Neudeck. „Adonis ist ein guter Literat. Aber als Träger eines politischen Preises in der Tradition des leidenschaftlichen Pazifisten Remarque ist Adonis deshalb für mich völlig unvorstellbar.“ Der Jury sei klar gewesen, hieß es in einer Erklärung der Stadt Osnabrück, dass die Verleihung eine kontroverse Diskussion entfachen würde: „Mit der Auszeichnung für Adonis ist aber auch beabsichtigt gewesen, intensiv über die Problematik in Syrien ins Gespräch zu kommen, über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.“ / Süddeutsche Zeitung 4.9.
Nachdem Michael Derrick Hudson unter eigenem Namen lange Zeit keinen Verlag für die Veröffentlichung eines Gedichts fand, wählte er das chinesische Pseudonym Yi-Fen Chou und hatte damit auch Erfolg: Sein Gedicht „‚The Bees, the Flowers, Jesus, Ancient Tigers, Poseidon, Adam and Eve“ ist derzeit in der Anthologie „The Best American Poetry 2015“ zu finden.
Vor der ersten Veröffentlichung bei einem Verlag sei es unter seinem eigenem Namen Michael Derrick Hudson jedoch 40 Mal abgelehnt worden, erklärte der Dichter nun auf seiner Facebookseite – „wenn es tatsächlich eines der besten amerikanischen Gedichte im Jahr 2015 ist, brauchte es ganz schön viel Aufwand, um es zu veröffentlichen“.
Wegen seines Vorgehens steht Hudson nun aber im Kreuzfeuer der Kritik. Schriftstellerkollege Jeong Min etwa monierte, dass sich hier jemand eine fremde Kultur aneigne, um persönlichen Erfolg zu haben – „für asienstämmige Amerikaner ist der Namenswechsel eine Strategie, um in einem rassistischen und nativistischen Amerika zu überleben“. Der Blog „Angry Asian Man“ bezichtigte Hudson gar des „Yellowfacings“, auch der Vorwurf des „Gedicht-Kolonialismus“ fiel. / Spiegel
In response to the controversy over his [Sherman Alexie’s] decision to include „Yi-Fen Chou’s“ poem in the Best American Poetry anthology even after discovering that Yi-Fen Chou was actually a pen name that a white poet named Michael Derrick Hudson used in order to get published, Alexie admitted that, to him, dumping the poem would have undermined his decision to use racial bias in his selection process. Excluding the poem, he said, „would have cast doubt on every poem I have chosen for BAP. It would have implied that I chose poems based only on identity.“
Of course, Alexie didn’t choose poems based only on identity. He chose them because he liked them. But he also chose to use his status as a big deal writer to champion writers of color, who have to leap over many more hurdles in the writing world than white writers do, a condition that Alexie knows about from a lifetime of being not-white in the literary world. So, in this case, for the sake of equity in publishing, he wanted to lend his power to those who have less.
Alexie’s racial bias in this instance shows a top-down approach to advocating for racial justice within the current publishing system. But there’s a bottom-up reason to use „racial nepotism“ in editorial processes as well.
Readers are clearly hungry for work by non-white voices. Editors can see this hunger on their social media feeds, in articles, in classrooms, etc. (If they’re good editors, then they’re also just plain ol‘ curious about how lots of different people engage with the traditions of poetry. I think of Frank O’Hara buying an issue of New World Writing just „to see what the poets in Ghana are doing these days.“) Readers like to buy books and magazines, and so publishers are making an effort to give readers what they want. / Rich Smith, the Stranger
Rainer Kirsch erzählt, wie er sich sein Grab ausgesucht hat. Burga Kalinowski erzählt von ihrer letzten Begegnung mit Rainer Kirsch und veröffentlicht ein Interview mit ihm. Darin sein letztes Gedicht und sein Grabgedicht mit einem Gutachten für die Friedhofsverwaltung oder den Kirchenvorstand, das Volker Braun schrieb, weil es vielleicht Zweifel gab:
Vier Verse nur: und welcher Trost, welche versöhnende Heiterkeit! Auf einen Grabstein gesetzt, wären sie Verweis auf die Kunst des Toten, und er hinterließe hier, der Nachwelt zur Freude, ein gültiges Signum. Die letzte Zeile allein eine schönste Metapher für Schlaf und Tod; das Ganze aber mag dem Vorübergehenden eine Ermutigung sein; ja mir selbst, wenn ich ausgestreckt drunten läge, wäre wohler.
Kirsch im Interview über die 90er und Schere im Kopf:
Schlechte Zeiten für Dichtung.
Ja Gott, die Welt ist so. Ich kann es nicht ändern. Ich fange mal anders an: Nach der Wende wurden wir außer Gefecht gesetzt durch ganz einfache primitive Floskeln. Zum Beispiel hieß ein Vorwurf »Kirsch klagt«. Der Präsident der Industriellenvereinigung durfte ununterbrochen klagen, dass sie zu viel Lohn bezahlen müssen. Aber ein Schriftsteller aus der DDR durfte seine Rechte nicht einfordern. Oder: »Sie hatten ja die Schere im Kopf«. Das heißt, es wurde behauptet, man hätte sich fortgesetzt selbst zensiert. Man hat sich eben nicht zensiert und hat es mit Gelassenheit ertragen, wenn etwas nicht gedruckt wurde. Nicht mal die Verlage, bei mir auch nicht die Zeitungen, trauten sich, in den Texten rumzuklieren. Und dann kam die Wende und der freie Westen und eine Schweizer Herausgeberin dichtete in meinen Übertragungen herum. Und als ich sie anrief, da sagte sie: Ja, das ist doch völlig normal. Ich untersagte den Abdruck. Punkt. So hatte ich es in der DDR gemacht. Dann wurde man eben nicht gedruckt. Es gab Weicheier – würde man heute sagen – die haben umgeschrieben. Na gut, es ist ihnen letztlich nicht bekommen.
Sie haben das nicht zugelassen?
Nein!
Die Lyrikerin Annemarie Bostroem ist am 9. September im Alter von 93 Jahren verstorben. Das teilte der Verlag Razamba der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „neues deutschland“ mit.
Bostroem, 1922 in Leipzig geboren, wurde nach dem Krieg literarische Mitarbeiterin im Aufbau-Bühnenvertrieb und Fachassistentin in der Sektion Lyrik der Akademie der Künste der DDR, ehe sie ab 1956 in Berlin freiberufliche Schriftstellerin wurde. Neben dem Gedichtband »Terzinen des Herzens« und einem Schauspiel sind ihr zahlreiche Nachdichtungen russischer, armenischer, ungarischer, türkischer Lyrik in rund 95 Anthologien und Einzelausgaben zu verdanken. / Presseportal
Was für’n Fest! wo das Vergangene nicht mehr betrifft und wo wir verlieren ohne Verlust.
Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr
Der 1997 verstorbene guyanische Nationaldichter Martin Carter sollte nach Meinung von Rev. Gideon Cecil in den Schulen des Landes gelehrt werden. Für die junge Generation sei er vielleicht nichts als ein weiterer Name aus der Liste der nationalen Helden. Die Literatur sei wegen des schlechten Schulsystems vor langer Zeit gestorben.
1963 habe Carter gesagt: „In diesem Land Gedichte zu veröffentlichen ist, als würde man Bücher an Leichen verkaufen. Nur wenige lesen sie, und diesen fehlt es an Neugier oder Sensibilität, um sie zu verstehen.“
Martin Wylde Carter war der größte Dichter, den Guyana hervorgebracht hat, einer der größten Intellektuellen der Karibik. Zu vergleichen mit Derek Walcott, V S Naipaul, Wilson Harris, Ian McDonald, A J Seymour und Kamau Braithwaite. Seine Gedichte können mit Tagore, T S Eliot, Ezra Pound, W H Auden und W B Yeats verglichen werden. Seine politischen Gedichte formten den Protest gegen den britischen Kolonialismus und sprachen gegen Armut, Ungerechtigkeit und Entmenschlichung der Massen. / Stabroek News
Am 15.1.1916 feiert Rußland den 125. Geburtstag des Dichters Ossip Mandelstam. Die Feiern werden das ganze Jahr andauern, ja das Mandelstamjahr beginnt in diesem November mit dem traditionellen Festival in Woronesch, wo er mit seiner Frau Nadeshda lebte. Im Dezember eröffnet eine große Ausstellung im Staatlichen Literaturmuseum (25.12.-3.4.). Im Anschluß wird sie in seiner Geburtsstadt St. Petersburg gezeigt.
Das Festival trägt den Titel „Mandelstamstraße“*.
Bereits am 24.10. findet im Kinosaal des Kaufhauses GUM die Premiere eines Films von Roman Liberow statt, der Episoden aus dem tragischen Leben des Dichters zeigt. Der Film wird auch in Frankreich, Deutschland, Italien, Griechenland und Armenien gezeigt und natürlich in Rußland zwischen Petersburg und Wladiwostok. Auch erscheint eine Briefmarke mit dem Bild des 2008 in Woronesch eröffneten Mandelstamdenkmals. Zahlreiche Veranstaltungen wie Konferenzen, Wettbewerbe, Ausstellungen von Schüler- und Studentenarbeiten, Podiumsdiskussionen, ein Festival der Poesie, Führungen, Workshops, insgesamt mehr als 100 Veranstaltungen sind in Vorbereitung. / litcult.ru
*) Wie, mein Herr, heißt die Straße dort?
Ossip-Mandelstam-Straße.
Gottseibeiuns, was für ein Wort!
Es verdreht sich im Mund sofort:
Krumm klingt das, statt gerade.
Nie war an ihm eine Linie klar.
Wie er, Herr, nie eine Lilie war.
Darum heißt dort die Straße auch −
Besser: diese Kuhle im Schlamm −
Immer noch (Namen sind selten Rauch)
Nach ebendem Mandelstam.
Übersetzt von Rainer Kirsch
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