Konzentrationsspanne

Was hat Sie an der Poesie so fasziniert, dass Sie heute selber Gedichte schreiben?
Ich glaube, das ist die einzige Art, wie ich Sprache verstehe und für mich selbst als Leser akzeptiere: eine Sprache, die auf ihre Tragfähigkeit abgeprüft wurde   was das einzelne Wort angeht, die Kombination und die Form. Da ich wohl eine kürzere Konzentrationsspanne habe als andere Leute, fand ich Lyrik stets sehr bereichernd: Eine Nachricht in meist perfekter Form – das reicht mir schon als Gedankennahrung für eine kleine Wegstrecke. / Interview mit Nora Gomringer, coop zeitung

Essay-Gedicht

In der literarischen Welt ist DennyJ.A. umstritten, weil er nah an den Herrschenden und weil er als Schriftsteller Amateur ist – mit einer eigenen Agenda. Seine Erfindung ist das Essay-Gedicht, ein Langgedicht, das sich mit gesellschaftlichen Missständen beschäftigt. Aber Denny wäre nicht die Medienperson, die er ist, wenn es ihm um wolkige oder hermetische Lyrik ginge. In seinem Konzept gehören zum Essay-Gedicht die Fakten zum Erzählten, in Fußnoten werden die entsprechenden Informationen sowie deren Quellenangaben eingefügt. Damit nicht genug: Bei der Weltpremiere wird „Das Taschentuch der Fang Yin“ als gedrucktes Gedicht, als graphic novel mit mangahafter Bildsprache und als Animationsfilm präsentiert. Eine Straßentheaterversion soll es auch noch geben.

Das Gedicht erzählt die Geschichte der Fang Yin, einer jungen Frau aus der chinesischen Minderheit, die während der Unruhen im Mai 1998 von einem barbarischen Mob vergewaltigt wurde. Tief verletzt musste sie ihr Land verlassen. Der Freund und die Heimat waren ihr genommen, und erst nach einem langen Heilungsprozess in Amerika schafft sie es zurückzukehren: „Indonesien soll sein wie sie selbst: Sieger über die Vergangenheit“, heißt es im Buch.

Denny J.A. erklärt, dass er sich als politischer Aktivist versteht. Indonesien sei ein freies Land, aber in der breiten Bevölkerung gebe es immer noch eine radikale Haltung gegenüber religiösen oder sexuellen Minderheiten. Und eine durch die Religion angeheizte Fanatisierung. Mit seinen Gedichten will er nicht nur die Herzen der Menschen erreichen, sondern ihnen auch die nötigen Hintergrund-Informationen zum Thema liefern. / Paul Stänner, Süddeutsche Zeitung 30.9.

Gedenkfeier (auch) für Charles Péguy

Vor hundert Jahre kam es in Berlin im Architekturhaus zu einer denkwürdigen „Gedenkfeier für die gefallenen Dichter“. Die Presse wollte damals die Ankündigung „nicht bringen, weil auch eines Franzosen darin gedacht war.“, schrieb der DADA-Gründer HUGO BALL in seinem Tagebuch.
Erst nach „Streichung des Namen von Charles Péguy, da dieser kein deutscher Dichter ist.“, wie Franz Pfemfert berichtete – wurde der Hinweis auf die Veranstaltung in diversen Tageszeitungen abgedruckt.
Der Franzose Charles Péguy, Zentralfigur der Pariser Intellektuellen der Vorkriegszeit, starb mit 41 Jahren am Vorabend der Marneschlacht und trug engagiert dazu bei, den deutschen Durchmarsch nach Paris zu verhindern. Heute ist er weitgehend vergessen, aber Walter Benjamin schrieb in einem Brief an Gershom Scholem, 15.9.1919: „Ich las wieder einiges von Péguy. Hier fühle ich mich unglaublich verwandt angesprochen. Vielleicht darf ich sagen: nichts geschriebenes hat mich jemals so aus der Nähe aus dem Miteinander berührt. Gewiß hat mich vieles mehr erschüttert; nicht aus Erhabenheit sondern aus Verwandtschaft rührt mich dies an. Ungeheure Melancholie gemeistert.“ Walter Benjamin plante in den Jahren 1919 – 1920 eine Essaysammlung von Charles Péguy bei S. Foscher oder Kurt Wolff herauszugeben. Diese Ausgabe kommt jedoch nicht zustande…
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Charles Péguy Porträt-Zeichnung von Egon Schiele
In einer dokumentarischen Lesung wird die Rekonstruktion der „Gedächtnisfeier“ (Autor: Karl Piberhofer) unter Mitwirkung (Sprecherrollen) von: Frank Arnold, Michael Braun, Eckhard Faul, Simone Kornappel und Norbert Lange vorgetragen

Mehr zur Lesung am 9. Oktober 2015 im Literaturhaus Berlin unter:

und
Unter dem Titel „ERSTER WELTKRIEG – 100 JAHRE – DADA“ folgt dieser Lesung TEIL I  eine Lesung TEIL II am 4. November in der Landesvertretung NRW, die die Entstehungsgeschichte DADAs anhand einer Zitaten-Collage darstellt.
Mit diesen dokumentarischen Lesungen soll in Zusammenarbeit mit der Hugo-Ball-Gesellschaft (Pirmasens) an die künstlerische Opposition gegen den Ersten Weltkrieg erinnert werden, die den DADAISMUS hervorgebracht hat.
Karl Piberhofer
píberhofer K produktíon
P.S.: 
Eine Biographie über ein libertäres Paar und ein Leben voller Leidenschaft und Exzentrik“, so bewirbt der Suhrkamp Verlag den gerade erschienenen Band von
Bärbel Reetz, Das Paradies war für uns – Emmy Ball-Hennings und Hugo Ball, Suhrkamp Verlag, insel taschenbuch 4400, Klappenbroschur, 477 Seiten, Mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Abbildungen, Preis D: 16,99 € / A: 17,50 € / CH: 24,50 sFr.

Kleine Fragen

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Richtig, Frau von Lovenberg! Lyrik ist für die Frage nach dem Mauerblümchen im Schatten der Regentonne da. War das nicht überhaupt der Grund für das Scheitern der Holterlings, Goethes, Brechts, Celans?

Der Nachruf auf Henning Mankell stand in der FAZ von gestern, Seite 9.

„Noch ist Polen nicht verloren“

Was sagt eigentlich die Nationalhymne über ein Land aus? Leonie Haueisen hat die polnische Hymne unter die Lupe genommen. / sagwas.net

Locating the Avant-Garde in Philadelphia

Please join us for Locating the Avant-Garde, a one-day symposium, on Friday, October 23, 2015.

The conference will focus on avant-garde activity in Philadelphia, past and future, and will also be an occasion for scholars, researchers, and artists in the Philadelphia area to share current projects.

If you are interested in attending, please RSVP by filling out the form below. / More

Helmut Schranz (1963-2015)

Der Grazer Autor Helmut Schranz starb Anfang September mit 52 Jahren.

„Oft genügt ein einziges falsches Wort, und die Dinge erhalten ihren letzten tiefen Sinn.“ So steht es in seinem Buch „Schöner fehlen. stille exzesse“ (Verlag NN-fabrik, 1998). Aus Helmut Schranz’ Werk funkeln einem viele solcher Sätze entgegen. Ihr Witz täuscht nicht darüber hinweg, dass seine Sprachkunst auf tiefer Skepsis gegenüber dem Literaturbetrieb und seinen gefälligen Produkten fußte. Schranz rang in seinem Schreiben um ein zeitgenössisches Modell der Avantgarde; seine Texte wussten sich spielerisch allen ökonomischen und ideologischen Diktaten zu widersetzen und waren geprägt von größter Behutsamkeit im Umgang mit dem Wort.

(…)

Gemeinsam mit Sylvia Egger und Ralf B. Korte gab Schranz hier* nicht nur dem literarischen Experiment – und schon früh der Computerliteratur und der Netzkunst – eine Plattform, in ständigem Diskurs wurde der Avantgardebegriff der Zeitschrift geprüft und konvertiert. „Als solches ist die Redaktionsarbeit ein poetologisches Mammutwerk“, hält Paul Pechmann, Schranz’ Lektor bei Ritter, fest. /  Ute Baumhackl, Kleine Zeitung

Forum Stadtpark trauert um Helmut Schranz. (1963 – 2015) „es dämmert. doch das ist bloss polarnacht, tut nicht wirklich weh, ausser finsternis, november bis feber.“ (Helmut Schranz: BIRNall Suada) Posted by FORUM STADTPARK on Montag, 7. September 2015

*) Er war seit 1988 Mitherausgeber der in Graz und Berlin erscheinenden Literaturzeitschrift „perspektive“. Seit 1991 leitete er deren Grazer Redaktion.

In L&Poe

Liste von jetzt

Babelsprech veröffentlicht „offiziell auch eine Liste der in LvJ3. Babelsprech vertretenden Autor*innen“:

Malte Abraham, Afamia Al-Dayaa, Barbara Arnold, Ann-Kathrin Ast, Kathrin Bach, Daniel Bayerstorfer, Iris Blauensteiner, Yevgeniy Breyger, Sonja vom Brocke, Sandra Burkhardt, Andreas Bülhoff, Carolin Callies, Daniela Chana, Marko Dinić, Richard Duraj, Sirka Elspaß, Anna Fedorova, Martin Fritz, Irmgard Fuchs, Sascha Garzetti, Moritz Gause, Jonas Gawinski, Pablo Haller, Christiane Heidrich, Anna Hetzer, Tim Holland, Ianina Ilitcheva, jopa jotakin, Maren Kames, Anja Kampmann, Judith Keller, Sina Klein, Sascha Kokot, Monika Koncz, Jakob Kraner, Dagmara Kraus, Mathias Kropfitsch, Simone Lappert, Reinhard Lechner, Georg Leß, Léonce W. Lupette, Tabea Xenia Magyar, Alex Makowka, Tristan Marquardt, Marie T. Martin, Titus Major Meyer, Maria Natt, Peggy Neidel, Peter Neumann, Niklas L. Niskate, Jenny-Mai Nuyen, Oravin, Anna Ospelt, Ronya Othmann, Andreas Pargger, Frieda Paris, Martin Piekar, Stephan Reich, Rick Reuther, Sophie Reyer, Tobias Roth, Lara Rüter, Patrick Savolainen, Rike Scheffler, Felix Schiller, Lea Schneider, Eva Seck, Marina Skalova, Jan Skudlarek, Alke Stachler, Michelle Steinbeck, Elisabeth Steinkellner, Esther Strauß, Gerd Sulzenbacher, Christoph Szalay, Cornelia Travnicek, Deniz Utlu, Christian Vedani, Matthias Vieider, Charlotte Warsen, Linus Westheuser, Ilja Clemens Winther, Janin Wölke, Nora Zapf

Lyrik von Jetzt 3
Babelsprech
Herausgegeben von Max Czollek, Michael Fehr und Robert Prosser
€ 19,90 (D) | € 20,50 (A)
lieferbar, 360 S., 13 Abb., Klappenbroschur, 14,0 x 19,5
ISBN: 978-3-8353-1739-0 (2015)

Mißbrauch

Frieda Hughes nimmt zum ersten mal im Fernsehen dazu Stellung und zeigt sich „entsetzt“ über die Aneignung der Familientragödie zu eigenen Zwecken. Sie verabscheue das Urteil Außenstehender, die glaubten, das Leben ihrer Familie beurteilen zu können.

„Es erschreckte mich, wie man etwas, das 1963 geschehen ist, so übertragen konnte. (…) Was für eine bequeme Methode für jemand zu denken, ja, wir haben recht, wir wissen was wirklich geschah, und wir bestrafen diesen Fremden für etwas, bei dem wir nicht dabei waren, von dem wir nichts wissen, aber wir haben die Antwort.“

/ Hannah Furness, The Telegraph

Aus dem Gedicht „My Mother“ von Frieda Hughes:

Now they want to make a film
For anyone lacking the ability
To imagine the body, head in oven,
Orphaning children.
Then It can be rewound
So they can watch her die
Right from the beginning again.

BBC Scotland has named its first poet in residence

The Edinburgh-based poet Rachel McCrum, originally from Northern Ireland, will be taking up the position until December.

Ms McCrum said: „It was one of those lovely broad briefs where I read it as a chance – with all the resources of the BBC and the Scottish Poetry Library as well – to explore poetry around Scotland and explore ways of looking at poetry in Scotland.“

Her goal for the three-month post is to use it to examine ideas of community, „whether they’re local communities, communities of interest, the poetry community, the arts community.“ / The Herald

11 Orte

Der in Erlangen geborene Lyriker Christian Schloyer verfasst derzeit elf Gedichte, die sich auf subtile Weise mit elf Orten in Erlangen befassen, die außer ihm zunächst keiner kennt.

Zwei dieser Gedichte wurden bereits anlässlich des 35. Erlanger Poetenfests veröffentlicht, ein weiteres als Plakat, das vierte nun in den Erlanger Nachrichten, das fünfte in den nächsten Tagen in Kneipen als Bierdeckel. Weitere folgen im Internet unter www.networks15.de/LiterraForming und verschiedentlich im öffentlichen Raum.

Wer will, kann versuchen, den jeweiligen Ort zu erraten oder aber selbst einen Ort zum Gedicht erfinden und ein Foto davon per E-Mail an LitForm@networks15.de senden oder mit dem Hashtag #LitForm und #networks15 twittern. Alle eingehenden Beiträge werden auf die net:works-Website hochgeladen.

Ebenfalls ohne Kenntnis der realen Orte antworten die Nürnbergerin Annette Horn mit abstrakter Fotokunst und der Fürther Michael Ammann mit seiner Klangkunst auf die einzelnen Gedichte. Während des net:works-Festivals werden dann alle Orte offen gelegt – Lyrik, Fotografie und Klangkunst virtuell und real zusammengeführt: auf der LiterraForming-Website und an einzelnen Orten mit überraschenden Bild-Klang-Text-Performances. / nordbayern.de

Poetopie

noch immer die junge Stimme der Mutter im Ohr, ihr erinnerter Ton – mehr als nur Sprache

Hansjürgen Bulkowski

Celan und Desnos

In Paris ändert er seinen Namen Antschel in Ancel und schließlich in Celan. Er schlägt sich als Gelegenheitsarbeiter durch, verdingt sich als Dolmetscher, absolviert ein Studium der Sprach- und Literaturwissenschaft. 1952 veröffentlicht er Mohn und Gedächtnis, einen schmalen Gedichtband, in ihm wohl Celans bekanntester Vers: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“. Kein anderes seiner Gedichte wird so oft interpretiert wie die Todesfuge, worunter sein Gesamtwerk leidet, das in fünf Bänden vorliegt. Allein zwei Bände sind seiner übersetzerischen Arbeit gewidmet. Wie zuvor Rilke sieht auch Celan sich als Vermittler, fünfzehn französische Schriftsteller übersetzt er, einer von ihnen: Robert Desnos.

Desnos verbringt seine Kindheit im Bauch von Paris, so nannte Émile Zola das Hallenviertel im ersten Arrondissement. Mit sechzehn entflieht er der familiären Enge, schließt sich Anarchistenkreisen an. Literarische Anregungen findet er bei Mallarmé, Rimbaud und Lautréamont, später vor allem bei Gérard de Nerval. Das Unterbewusstsein wird zur poetischen Quelle, in den Gedichten der frühen 1920er-Jahre ist Desnos ganz Surrealist – als solcher jedoch nicht blind. Gegen die heraufziehende faschistische Gefahr polemisiert er, zwar tritt er keiner Partei bei, aber sein Denken ist ein politisches. Das reale Leben zieht nun in seine Poesie ein, der Jargon der Straße, für den er in François Villons Gedichten ein Vorbild sieht. / Christoph W. Bauer, Der Standard

Kampf der Ären

In The New Yorker we find Alec Wilkinson saying „Kenneth Goldsmith’s poetry elevates copying to an art—but did he go too far?“ while in The New Republic Cathy Park Hong takes issue not only with Goldsmith but with Wilkinson’s representation of the controversy surrounding Goldsmith’s reading, as a poem, of a modified autopsy of the slain Michael Brown.

For the record, I’m inclined to sympathize with Cathy Park Hong’s largest point—that the American poetry world, including the avant-garde, is no more immune to institutionalized racism, subtle or otherwise, than any other part of American society. I think she’s right, too, about how Wilkinson’s essay, despite gestures toward objectivity (such as including parts of an interview with her) presents Goldsmith in a far more sympathetic light than it does his critics. And while I have no x-ray vision to see into Goldsmith’s soul, I suspect she’s on to something when she says that Goldsmith’s reading of the Brown autopsy had something to do with a desire to keep such spotlights as shine on poetry pointed at him. Some time ago, long before the Michael Brown controversy, I wrote about the desire for fame being likely to bring unhappiness to Goldsmith, and that unhappiness seems to have come to pass, at least for the moment.

But I’m not writing to weigh in on the controversy about race and Conceptualism. I’m writing to point out something that most people interested in the controversy will think of as a very minor point indeed: a point of apparent agreement between Cathy Park Hong and Kenneth Goldsmith.  They seem to agree, in a broad way, about the dynamics of literary history. That is: each is willing to present claims about the end of one era and the beginning of another—a view that implies a clear progression in literary history.

Here, for example, is a passage from Kenneth Goldsmith’s essay „Flarf is Dionysus, Conceptual Writing is Apollo“:

Disjunction is dead. The fragment, which ruled poetry for the past one hundred years, has left the building. Subjectivity, emotion, the body, and desire, as expressed in whole units of plain English with normative syntax, has returned. But not in ways you would imagine. This new poetry wears its sincerity on its sleeve . . . yet no one means a word of it. Come to think of it, no one’s really written a word of it. It’s been grabbed, cut, pasted, processed, machined, honed, flattened, repurposed, regurgitated, and reframed from the great mass of free-floating language out there just begging to be turned into poetry.

He’s declaring the death of the Language movement and Elliptical poetry, and the birth of a new, Conceptual era. Co-existence and overlap? Forget about it. Your game is over, Charles Bernstein. Step aside, C.D. Wright.  It’s all about Kenneth Goldsmith and Vanessa Place now—or so we are meant to believe.

And here’s the ending of Cathy Park Hong’s essay in The New Republic:

The era of Conceptual Poetry’s ahistorical nihilism is over and we have entered a new era, the poetry of social engagement.

/ Samizdatblog

Die Kunst, an nichts zu glauben

Und einer Spurensuche gleicht in Teilen auch Die Kunst, an nichts zu glauben, der neue Lyrikband des 1964 geborenen, gegenwärtig im Bregenzerwald ansässigen Autors [Raoul Schrott].

Alles beginnt mit den Mosaiken von Ravenna – und einem aus dem Latein ins Italienische übersetzten Text in der Biblioteca Classense. Sein Titel: Manuale Dell‘ Esistenza Transitoria (De Arte Nihil Credendi), zu Deutsch: Handbuch der transitorischen Existenz (Von der Kunst, an nichts zu glauben). Der Urheber des Textes ist unbekannt. Schrott nimmt die Fährte auf und wirft in einigen den Gedichten vorangestellten Seiten Licht auf ein paar berüchtigte Werke der frühen atheistischen Literatur, die dem Manuale Pate gestanden haben. Etwa Geoffroy Vallées Schrift De Arte Nihil Credendi aus dem 16. Jahrhundert oder das anonyme Traktat Von den drei Hochstaplern (es sind dies Jesus, Moses und Mohammed) aus dem 17. Jahrhundert sowie Texte eines gewissen Matthias Knutzen. / Der Standard

Die Kunst, an nichts zu glauben, woraus [die im Standard vorabgedruckten] Gedichte entnommen sind, erscheint nächste Woche bei Hanser (18,40 Euro)