Alles was Sie wissen müssen, um mitzureden. Heute: Sonnyboy
Supermarkt
heißkalt
Lyrik goes Drama: Karin Beiers Urinszenierung von Albert Ostermaiers „99 Grad“ in den Münchner Kammerspielen
Dass man versucht wäre, den Mann fast mal zu verteidigen, wer hätte das gedacht? Der Sonnyboy der Lyrik und der Feuilletons, der meistgespielte deutschsprachige Autor dieser Saison hat einen Text geschrieben, der so sehr Theatertext ist, wie ihn ein Wortedrechsler und Episoden-Jonglierer nur eben zu schreiben vermag. / taz 5.6.02
– Fürwahr selbst eine Perle der Wortedrechslerei von der Überschrift über die versammelten Reklameschlagworte und so Halbsatz für Halbsatz weiter. Lesen Sie mehr neue Wörter (Vertheaterung, Versupermarktisierung…) – (Auch nicht schlecht: Urinszene.)
ist vor einem halben Jahr in einer zweisprachigen Ausgabe herausgekommen. Veröffentlicht hat das Gedicht der kleine, kaum bekannte „Verlag im Wald“ (in 98435 Doenning), der für diese Tat ungewöhnliches Lob verdient. Denn die Ausgabe rechnet sich in gar keinem Fall, nicht in Jahrzehnten, und höchstwahrscheinlich, in unseren hohen Zeiten angeblicher Synergien, wird von dem tollkühnen Kleinstverlag bald kaum noch eine Spur zu sehen sein. Aber, pathetisch gesagt: Solange es Menschen wie den Verleger Rüdiger Fischer gibt, kann die Erde kein völlig unbewohnbarer Platz sein. / Michael Meyers, Die Gazette 4.6.02
Pierre Garnier
L’immaculée conception (Litanie) / Die unbefleckte Empfängnis (Litanei)
201 Seiten, kartoniert
Übersetzung Rüdiger Fischer
Éditions En Forêt / Verlag im Wald, Doenning 2001
€ 15,–
Männer mögen’s darin schwer. Männer haben Träume. Männer borgen sich einen, zur Not. Männer bebildern wortschwallig ihr Innerstes im Äußeren ab. Durs Grünbein ist einer von ihnen.
schreibt Klaus Hübner im Titel -Magazin ( Juni 2002) und empfiehlt
daher, den einundneunziger Grünbein zu lesen: „Schädelbasislektion“. Da sezierte er ohne italienischen Beigeschmack.
Durs Grünbein: Das erste Jahr. Berliner Aufzeichnungen.
Durs Grünbein: Erklärte Nacht. Gedichte.
Suhrkamp Verlag. 2002.
Gebunden. 151 Seiten. € 18
ISBN 3518413058
In der New York Times *) v. 3.6.02 berichtet die Autorin Diane Ackerman über die Entstehung ihrer „Poems of Psychoanalysis and Fire“.
„Psychotherapy and lyrical poetry address many of the same issues,“ Diane Ackerman says. „The two overlap in companionable places.“
In der Süddeutschen vom 3.6.02 stellt Joachim Sartorius ein Gedicht des russischen Dichters Vitali Kalpidi vor. – Die FAZ druckt am gleichen Tag ein Gedicht des britischen Hofpoeten Andrew Motion zum königlichen Jubiläum. Hier aus dem Guardian ein anderes amtliches Gedicht Motions:
‚You helped give a shape to slipstreaming time‘
An elegy on the death of HM Queen Elizabeth the Queen Mother, by Andrew Motion , the poet laureate
Bislang sind von ihm [Oswald Egger ] zehn Bücher erschienen, zuletzt „Nichts, das ist“ in der Edition Suhrkamp. In diesem Titel ist für ihn der Sinn von Gedichten im Allgemeinen und der seiner im Besonderen ausgedrückt. „Ich glaube das nicht, wenn die Leute sagen, dass sie meine Gedichte nicht verstehen. Ich glaube im Gegenteil, dass sie alles verstanden haben.“ / Neuß-Grevenbroicher Zeitung 3.6.02
Thüringer Allgemeine im Gespräch mit Adam Zagajewski , *2.6.02
«Einen glücklichen kleinen Weisen» nannte ihn Jack Kerouac 1958 in «The Dharma Bums» und porträtierte ihn darin als Japhy Ryder: als ernsthaften Zen-Schüler, der sich dem Studium chinesischer Gedichte widmet, als naturverbundenen Bergsteiger, der alles über Bäume und Pflanzen wissen will. «Eine Million Formen – schau in jedes Biologiebuch», rät Snyder in einem Gedicht. Sein Credo formulierte er in dem Band «Turtle Island», für den er 1975 den Pulitzer-Preis erhielt und der in den USA noch heute zu den meistverkauften Gedichtbänden zählt: «For the protection of all beings.» Wenn man Snyders geomorphologische Ökopoesie betrachtet, lernt man die heitere Ernsthaftigkeit, mit der er diesem hohen Anspruch dient, respektieren, schätzen. / Neue Zürcher Zeitung , 1. Juni 2002
Gary Snyder : Aus der Spur. Aus dem Amerikanischen von Sibylle Klefinghaus und Ralf Zühlke. Stadtlichter-Presse, Berlin 2001. 144 S., Fr. 28.-.syn
Das 1920 erschienene Buch «Champs magnétiques» (dt. «Magnetfelder», 1981, eine Mischung aus Prosatexten, Aphorismen und Lyrik) läutet die neue Bewegung ein und wird von Aragon enthusiastisch gefeiert. «So tauchte dieses unvergleichliche Buch am Morgen des Jahrhunderts auf, in dem die ganze Geschichte der Schreibweisen umgewälzt wird … das Buch, womit alles beginnt.» In diesem Sinne setzt die Ausstellung im Centre Pompidou mit Werken von de Chirico und der Originalausgabe der «Champs magnétiques» von André Breton und Philippe Soupault ein und bildet bis zum letzten Saal, dem Saal der nach Amerika emigrierten Künstler, einen chronologischen Parcours von Dialog und poetischem Spiel. / Landbote 1.6.02
Vom 31.5. – 11.6.02 24 Stunden Radio aus Greifswald (vom Internationalen Studentenfestival GrIStuF)
Im Raum Greifswald auf UKW 98,1 MHz
Oder als Livestream auf: http://www.kunstcontainer.de/
Jede Nacht ab 23 Uhr Wortsendungen mit diesen Themen:
31.05. O – Ton Pathos- Rex Joswig
01.06. Beat. Eine jazz – unterfütterte Odyssee durch die amerikanischen 20er – 50er Jahre feat. Allen Ginsberg, William S. Burroughs, Jack Kerouac, Neal Cassady
02.06. Weltende. Gegen den „fauligen gereimten Geist Deutschlands“ – expressionistische Dichtung
03.06. „Ach, wenn es mich doch gruselte!“. Grauenhaften, Grausames und Grässliches aus dem Albtraumland
04.06. Russischer Futurismus – Eine Ohrfeige dem öffentlichen Geschmack. Zu Velimir Chlebnikow, Wladimir Majakowski und anderen Wortschöpfern der russischen Avantgarde.
05.06. Abriss und Zerfall. Der DDR – Underground der 80er Jahre in Greifswald
06.06. ‚Junky‘ special (Burroughs)
07.06. Je t’aime. Versautes und Verdorbenes
08.06. „Männer kommen vom Jupiter – Frauen auch“. Hörspiel – Eine Eigenproduktion
09.06. Pop `n` Poetry. Zum Wechselverhältnis von songs & lyrics quer durch die Rock – u. Popgeschichte
10.06. Wiecker Bote. Geschichte und Geschichten einer Greifswalder Literaturzeitschrift von den expressionistischen Anfängen bis zur Gegenwart
11.06. Muspilli Spezial. Ein Weltuntergangstext von Bert Papenfuß in musikalischen Versionen von Tarwater, Muchtmaschine, Rex Joswig und Underwater Agents.
Hölderlin liebte in Kassel Susette Gontard – Gottfried Benn goss Astrid Claes Tee ein
Die Redewendung „Ab nach Kassel!“ galt bislang nicht als Chiffre für ein geheimes Stelldichein. Man wird in dieser Hinsicht vielleicht umdenken müssen. Schuld daran sind die diskreten Amouren zweier Dichter. Beide stammten aus protestantischen Pfarrhäusern. Der eine konnte nichts vom andern wissen, der andere mochte vom einen partout nicht viel halten. Denn unter den Dingen, die der späte Gottfried Benn für „schlimm“ erklärte, gehört – nächst der peinigenden Vorstellung, „bei Hitze ein Bier (zu) sehn, das man nicht bezahlen kann“ – auch die Not, „einen neuen Gedanken (zu) haben, den man nicht in einen Hölderlinvers einwickeln kann, wie es die Professoren tun“. Was man als Spitze gegen Professoren, aber auch als Unfreundlichkeit gegenüber Hölderlin auffassen muss. / Mehr in der FR vom 1.6.02
„Mein Wald, mein Leben“
Leben und Werk der Dichterin Emerenz Meier
A: Katrin Fritsch
DLF 2002
SWR-Bestenliste Juni 2002
Persönliche Empfehlung von Hubert Winkels
MARCEL BEYER: Erdkunde
Gedichte. DuMont Verlag, 16,90 Euro
Paul Jandl schreibt über eine Herbeck-Ausstellung in Krems:
Jahrzehnte hat Ernst Herbeck in den Fürsorglichkeiten der niederösterreichischen Psychiatrie verbracht, er war ein stiller Patient, dessen Leistung als Dichter von seinen Förderern dennoch nicht verschwiegen wurde. Mehrere Sammelbände sind schon zu Lebzeiten Ernst Herbecks erschienen, die Kunsthalle Krems widmet ihm jetzt eine Ausstellung und erinnert damit an einen Schriftsteller, der mit der ergreifenden Lakonie seiner Bilder aus dem Leiden des Lebens gänzlich unpathetische Literatur gemacht hat. Der Patient ein Dichter: «Je grösser das Leid / desto grösser der Dichter / Umso härter die Arbeit / Umso tiefer der Sinn.» / NZZ 30.5.02
Bis 18. August. Als Katalog erschienen: Ernst Herbeck. Die Vergangenheit ist klar vorbei. Herausgegeben von Leo Navratil und Carl Aigner. Verlag Christian Brandstetter, Wien 2002. 256 S., Fr. 51.-.
Neueste Kommentare