Kategorie: Europa

90. Elitärer Gegenklassiker

Unter Rühmkorfs Namen versammeln sich der linke Patriot, der menschenfreundliche Pessimist und gelenkig parodierende Gegenklassiker, der auf keiner Hochzeit tanzt, auf der er sich nicht amüsiert und zumeist aufgeräumt, gelegentlich auch gallig oder mit Leidensmiene die gesellig einladende Frohnatur spielt. Aber seine Kunst ist… Continue Reading „90. Elitärer Gegenklassiker“

89. Nochmal Quevedo:

Illusionslos und sarkastisch zeichnet Quevedo sein Selbstporträt als «Nachtgeborener – denn die Sonne / scheute sich, mich anzublicken . . . / Löwe gab mir Fieberhitze, / vom Skorpion hab ich die Zunge . . .», Der Argentinier Borges hatte Quevedo schon in seinen… Continue Reading „89. Nochmal Quevedo:“

88. Scots Makar

Das haben die alten Briten gut gemacht: daß sie den griechischen „Poeten“ mit „Makar“ übersetzten: Macher (Hans Sachs läßt grüßen: Schuhmacher. Liedermacher. Versmacher). Die zum Tiefsinn strebenden Deutschen wählten den „Dichter“ (der „irgendwie“ nicht immer ganz „dicht“ ist? Jedenfalls was Höheres als ein Schuster.)… Continue Reading „88. Scots Makar“

87. Rückgrat zeigen

… »Es konnte, es durfte nicht sein, daß in der Deutschen Demokratischen Republik Gedichte publik wurden,die das Volk aufwiegeln konnten«. Als Beispiel mag Reinigs auch im heutigen Deutschland wieder brauchbares Gedicht »Hört weg!« dienen, dessen erste Strophe lautet: »kein wort mehr soll von aufbau… Continue Reading „87. Rückgrat zeigen“

86. Johannes Kühn

Noch mal junge (Lyrik-)Welt: Ebenfalls am 24.2.04 schreibt Jürgen Lentes über Johannes Kühn, der den Hölderlinpreis 2004 erhält. –> 47 / L&P 15.2.04 »Wie schee roosarood der es! / Der schdeijt off wie e Wonner, / o lant wie e Wonner. / Sej Leijt… Continue Reading „86. Johannes Kühn“

85. Nonsensgedicht

Auch eine Trunkenheit? Die [alte?] Welt vom 24.2.04 riskiert ein Nonsensgedicht: Gedicht in Bi-Sprache. Im Netz verschweigt sie den Autor. Es ist Joachim Ringelnatz. Ibich habibebi dibich … sobi liebib.

82. 1968 kein Jahr für Gedichte?

Der Lyriker Steffen Jacobs wurde 1968 geboren. Das war kein Jahr für Gedichte. Wer von den ästhetischen Richtern damals noch die Produktion solcher Frivolitäten gestattete, der forderte, ein Gedicht dürfe nicht wie ein Gedicht aussehen. Alles, was Europas Kultur an Versmaßen, Rhythmen, Strophen, Reimen… Continue Reading „82. 1968 kein Jahr für Gedichte?“

80. Charles Simic

Da fiel mir ein wie die Deutschen 1944 an unserem Haus vorbeimarschierten Wie alle Leute auf dem Gehsteig standen Sie aus dem Augenwinkel beobachteten, Die Erde bebte, der Tod ging vorbei . . . Ein kleiner weißer Hund rannte auf die Straße Und geriet… Continue Reading „80. Charles Simic“

78. The Yellow Star Again

„Are those beets your dog’s eating?“ „No, it’s a Jew who fell down in the snow.“ „They could find some other place to faint instead of my sidewalk.“ Im Februar 1944 wurde der Dichter Max Jacob in Paris von den Nazis verhaftet. Er starb… Continue Reading „78. The Yellow Star Again“

76. Friederike Kempner

Am 23. Februar vor 100 Jahren starb Friederike Kempner, die unfreiwillig (?) zur (komischen) Klassikerin wurde. Aber wem gelingt es schon, Zeilen zu schreiben, die hundert Jahre später immer noch im Gedächtnis vieler haften? Artikel der BLZ, 23.2.04 Ihre Gedichte bei gutenberg.de Leseprobe Auch… Continue Reading „76. Friederike Kempner“

75. Fürnbergs Traum im Traum

Unerwartet groß war am Freitag auf dem Weimarer Hauptfriedhof das letzte Geleit für eine Frau, um die es in den letzten anderthalb Jahrzehnten sehr still geworden war. Es galt der Anfang Februar kurz nach ihrem 93. Geburtstag gestorbenen Lotte Fürnberg, Witwe des Dichters Louis… Continue Reading „75. Fürnbergs Traum im Traum“

73. K.O. Götz 90

Der (Achtung!) deutsche Surrealist (!!) K.O. Götz, 1914 in Aachen geboren, wird am 22.2.04 90. Ja, obwohl es in deutschen Literaturgeschichten und Anthologien fast nicht vorkommt, gibt es das! (Nennen wir mal Max Hölzer, Unica Zürn, Anneliese Hager, Johannes Hübner, Lothar Klünner, Richard Anders).… Continue Reading „73. K.O. Götz 90“

72. Unmittelbare Unwirklichkeit

Mit diesem Begriff des rumänischen Avantgardisten M. Blecher (1909-1938, –> 23, L&P 9.2.04) beschreibt der aus Rumänien eingewanderte Lyriker, Erzähler und Essayist Richard Wagner Aspekte unserer medialen (Non)Existenz: Wir leben in einer visuellen Gesellschaft. Menschen gehen zu Empfängen, um dort, wie sie sagen, ihr… Continue Reading „72. Unmittelbare Unwirklichkeit“

71. Ich glaube nicht, ich höre

Über den schwedischen Lyriker Bengt Emil Johnson (geboren 1936 in Saxdalen, Dalarna) schreibt Lukas Dettwiler, NZZ 21.2.04: Als langjähriger ehemaliger Mitarbeiter des Schwedischen Rundfunks präsentiert er auf dem Kulturkanal P2 in seiner Sendung «Voljär» (Voliere) weiterhin monatlich eine Vogelstimme (unter http://www.sr.se/p2/p2pippi/arkiv.stm im Internet zu… Continue Reading „71. Ich glaube nicht, ich höre“

70. Computer (tölva) reimt sich auf Frau Völva

Ein intimes Verhältnis zu ihrer Sprache pflegen die Isländer, die, wenn sie denn wollten, mittelalterliche Prosa fast ebenso mühelos lesen könnten wie die Tageszeitung. Fremdwörter halten sie von ihrer Sprache fern, für neue Phänomene suchen sie nach eigenständigen Lösungen. So schuf vor bald fünfzig… Continue Reading „70. Computer (tölva) reimt sich auf Frau Völva“