Kategorie: Europa

Hobellied

Der eine heißt den andern dumm,
Am End weiß keiner nix.

Braun Shakespeare 66

Ich bin es müde und will meine Ruhe.
Statt anzusehn, wie Leistung betteln geht
Und Dürftigkeit sich trimmt zu Festtagsschmu
Und Selbstvertraun nicht zu sich selber steht

Recht auf Verspätung

du hast ein Recht, zu spät zu kommen. dieses Recht ist
angestammt. du stammst ab und du stammst an.

Briefverkehr

Sie schreiben, wie sie es am liebsten täten.
Der Rest des Tages schrumpft auf diesen Kern.
Der Rest der Welt liegt unerreichbar fern.
Dann prahlen sie mit ihren Qualitäten.

Dantes Socken

Miron Białoszewski  (* 30. Juni 1922 in Warschau; † 17. Juni 1983 ebenda) ich öffne die Tür, sie quietscht ein Flüstern: „dieser Schrank ist der Eingang zur Hölle“ da seh ich: zwischen den Bügeln das rote Kleid und die schwarzen Socken von Dante Aus dem Polnischen von Dagmara Kraus, aus: Mütze… Continue Reading „Dantes Socken“

Ihr Himmel aber sagt: Warum?

Stumpfgrausam wie ein Henker hat der Sonnenball
Im Blutrausch sich herumgekugelt um die Erde rum

ich. soll. ruhiger. werden.

landschaften

rückwärts
spaziergehen

Karl Kraus zum Republikgeburtstag

Karl Kraus  (* 28. April 1874, heute vor 150 Jahren, in Gitschin, Österreich-Ungarn, heute Jičín, Tschechien; † 12. Juni 1936 in Wien)  ZUM GEBURTSTAG DER REPUBLIKDie Republik soll ich zum Geburtstag feiern?Daß wir sie haben, ihr beteuern?Sie ist jetzt im Alter von acht Jahren.Ich kannte Kinder, die begabter waren.Es bleibt wohl die beste… Continue Reading „Karl Kraus zum Republikgeburtstag“

Fremd

Meine Mutter,
mein Vater,
meine Großmutter:
Über-Lebende.
Trauernde.
Traurige.
Lebenstraurige.

Dies ist das letzte Licht der Welt

Aus Sümpfen schwankt Gestrüpp und Baum.
Die Birken-Nerven ästeln weh.

Wir machen es neu

Deine Haut ist der kommende Tag,
deine Augen die Glut der letzten Nacht.

Die zeit drängt

das wär also das ganze leben gewesen

ja das ganze leben

300. Geburtstag

Ganz kleiner Beitrag zum 300. Geburtstag des großen Philosophen. Dieses kleine Gedicht des großen Geistes gehörte mal zum Hausschatz deutscher Anthologisten. Es ist aus den Anthologien weitgehend verschwunden. Immanuel Kant  (* 22. April 1724 in Königsberg (Preußen); † 12. Februar 1804 ebenda) Glaube und TatWas auf das Leben folgt, deckt tiefe… Continue Reading „300. Geburtstag“

Frau

Josep Palau i Fabre (* 21. April 1917 in Barcelona; † 23. Februar 2008 ebenda) FrauIch kann dieses Feuer –diese Rose in meinen Händen – nicht löschen.Ich selbst hab sie gesucht,und nun gebricht’s mir an Wasser.(ca. 1942) Nachdichtung von Uwe Grüning, aus: Ein Spiel… Continue Reading „Frau“

Lange Briefe

Judith Herzberg (* 4. November 1934 in Amsterdam) BriefeWir wussten nicht, als wir noch lange Briefe schrieben auf Papier, dass wir die Letzten wären die einander noch auf diese Weise liebten mit sorgsam überlegten Worten die wir meinten. Aus: Judith Herzberg, Gedichte 1999-2024. Aus dem Niederländischen von Christiane… Continue Reading „Lange Briefe“