Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Ich bin es müde und will meine Ruhe.
Statt anzusehn, wie Leistung betteln geht
Und Dürftigkeit sich trimmt zu Festtagsschmu
Und Selbstvertraun nicht zu sich selber steht
du hast ein Recht, zu spät zu kommen. dieses Recht ist
angestammt. du stammst ab und du stammst an.
Sie schreiben, wie sie es am liebsten täten.
Der Rest des Tages schrumpft auf diesen Kern.
Der Rest der Welt liegt unerreichbar fern.
Dann prahlen sie mit ihren Qualitäten.
Miron Białoszewski (* 30. Juni 1922 in Warschau; † 17. Juni 1983 ebenda) ich öffne die Tür, sie quietscht ein Flüstern: „dieser Schrank ist der Eingang zur Hölle“ da seh ich: zwischen den Bügeln das rote Kleid und die schwarzen Socken von Dante Aus dem Polnischen von Dagmara Kraus, aus: Mütze… Continue Reading „Dantes Socken“
Stumpfgrausam wie ein Henker hat der Sonnenball
Im Blutrausch sich herumgekugelt um die Erde rum
Karl Kraus (* 28. April 1874, heute vor 150 Jahren, in Gitschin, Österreich-Ungarn, heute Jičín, Tschechien; † 12. Juni 1936 in Wien) ZUM GEBURTSTAG DER REPUBLIKDie Republik soll ich zum Geburtstag feiern?Daß wir sie haben, ihr beteuern?Sie ist jetzt im Alter von acht Jahren.Ich kannte Kinder, die begabter waren.Es bleibt wohl die beste… Continue Reading „Karl Kraus zum Republikgeburtstag“
Meine Mutter,
mein Vater,
meine Großmutter:
Über-Lebende.
Trauernde.
Traurige.
Lebenstraurige.
Aus Sümpfen schwankt Gestrüpp und Baum.
Die Birken-Nerven ästeln weh.
Ganz kleiner Beitrag zum 300. Geburtstag des großen Philosophen. Dieses kleine Gedicht des großen Geistes gehörte mal zum Hausschatz deutscher Anthologisten. Es ist aus den Anthologien weitgehend verschwunden. Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg (Preußen); † 12. Februar 1804 ebenda) Glaube und TatWas auf das Leben folgt, deckt tiefe… Continue Reading „300. Geburtstag“
Josep Palau i Fabre (* 21. April 1917 in Barcelona; † 23. Februar 2008 ebenda) FrauIch kann dieses Feuer –diese Rose in meinen Händen – nicht löschen.Ich selbst hab sie gesucht,und nun gebricht’s mir an Wasser.(ca. 1942) Nachdichtung von Uwe Grüning, aus: Ein Spiel… Continue Reading „Frau“
Judith Herzberg (* 4. November 1934 in Amsterdam) BriefeWir wussten nicht, als wir noch lange Briefe schrieben auf Papier, dass wir die Letzten wären die einander noch auf diese Weise liebten mit sorgsam überlegten Worten die wir meinten. Aus: Judith Herzberg, Gedichte 1999-2024. Aus dem Niederländischen von Christiane… Continue Reading „Lange Briefe“
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