Kategorie: Europa

Wind winde Weiden wenn Weöres weint

Brigitte Struzyk Am anderen Abend Bind Besenbinder brauchbare Besen Bald badet die Bachmann Hitziger Hajnal halt ihr das Handtuch Finde für Fühmanns Fächer Folianten Wind winde Weiden wenn Weöres weint Am anderen Abend atmet Anna auf Grün glänzen die Grenzen im Garten von Vas… Continue Reading „Wind winde Weiden wenn Weöres weint“

Anständiges Sonett

Ulla Hahn (* 30. April 1945 in Brachthausen, heute Kirchhundem im Sauerland) Anständiges Sonett Schreib doch mal ein anständiges Sonett St. H. Komm beiss dich fest ich halte nichts vom Nippen. Dreimal am Anfang küss mich wo’s gut tut. Miss mich von Mund zu Mund.… Continue Reading „Anständiges Sonett“

Ein modernes Weib

Maria Janitschek (geborene Tölk, * 22. Juli 1859 in Mödling bei Wien; † 28. April 1927 in München) Ein modernes Weib Ein Mann beleidigte ein Weib. Es war Von jenen schnöden Thaten eine, die Kein Weib vergessen und vergeben kann. Geraume Zeit verstrich. Da… Continue Reading „Ein modernes Weib“

Dritte Klasse

Glykeria Basdeki Dritte Klasse Ich bin neun, gehe in die dritte, Mama ist nicht tot, alle im Haus leben (noch), ich habe Hefte, ich habe Buntpapier, ich mag Dimitris aus der fünften, ich werde nicht so schnell alt, das kann noch Jahre dauern, ich… Continue Reading „Dritte Klasse“

Abends

Hertha Kräftner (* 26. April 1928 in Wien; † 13. November 1951 ebenda) Abends Er schlug nach ihr. Da wurde ihr Gesicht sehr schmal und farblos wie erstarrter Brei. Er hätte gern ihr Hirn gesehn. – Das Licht blieb grell. Ein Hund lief draußen… Continue Reading „Abends“

Das Messer

Jo Mihaly (eigentlich: Elfriede Steckel, Geburtsname: Elfriede Alice Kuhr; * 25. April 1902 in Schneidemühl, damals Deutschland, heute Piła, Polen; † 29. März 1989 in Seeshaupt, Bayern) DAS MESSER O einsamer Schritt, meide jene Wälder! Wie traurig bestickst du die Wege mit Pein! So… Continue Reading „Das Messer“

Das Konzert

Alfred Lichtenstein Das Konzert Die nackten Stühle horchen sonderbar beängstigend und still, als gäbe es Gefahr. Nur manche sind mit einem Mensch bedeckt. Ein grünes Fräulein sieht oft in ein Buch. Und einer findet bald ein Taschentuch. Und Stiefel sind ganz gräßlich angedreckt. Aus… Continue Reading „Das Konzert“

Der Lockruf

Silja Walter (* Cécile Walter am 23. April 1919 in Rickenbach bei Olten; † 31. Januar 2011 im Kloster Fahr) DER LOCKRUF Bunte Wasservögel spielen Zwischen Rohr und Binsenstielen. Kommt die Königin gegangen, Will sich Wasserlilien fangen. Schüttelt Falter und Libellen Aus Papyrusblütenschellen, Löst… Continue Reading „Der Lockruf“

Life

Gibt es Gedichte von Charlotte Brontë auf Deutsch? In meiner Bibliothek leider nicht. Zu ihrem Geburtstag heute eins im Originaltext. „Life.“ by Charlotte Brontë (1816-1855) First Publication: Poems by Currer, Ellis, and Acton Bell. London: Aylott and Jones, 8, Paternoster Row, 1846. pp. 81-82.… Continue Reading „Life“

Der Galgen

Aloysius Bertrand (eigentlich Louis-Jacques-Napoléon Bertrand, * 20. April 1807 in Ceva, Piemont, Italien; † 29. April 1841 in Dijon) Aus: Aloysius Bertrand, Gaspard de la Nuit [1842]. Aus dem Französischen von Jürgen Buchmann. Mit einem Essay des Übersetzers. Leipzig: Reinecke & Voß, 2010

Gedichte mit Motto

No le bastó después a este elemento conducir orcas, alistar ballenas, murarse de montañas espumosas, infamar blanqueando sus arenas con tantas del primer atrevimiento señas — aun a los buitres lastimosas —, para con estas lastimosas señas temeridades enfrenar segundas. Góngora, soledades I, 435—442.… Continue Reading „Gedichte mit Motto“

Die Nacht streckt ihre Finger aus

SARAH KIRSCH (* 16. April 1935 in Limlingerode, Kreis Nordhausen; † 5. Mai 2013 in Heide, Holstein) Die Nacht streckt ihre Finger aus Die Nacht streckt ihre Finger aus Sie findet mich in meinem Haus Sie setzt sich unter meinen Tisch Sie kriecht wird… Continue Reading „Die Nacht streckt ihre Finger aus“

die müssen doch wohl eine macke habn

Gabriele Stötzer ich bin nicht rosa luxemburg du bist nicht clara zetkin uns ham se nicht die köpfe geschorn uns ham se nicht die köpfe geschorn ich bin kein dünner darmverschluß du bist kein schienbeinmuskel uns ham se nicht vor die köpfe geschlagen uns… Continue Reading „die müssen doch wohl eine macke habn“

in der pathologie

Auch 100 Jahre nach Benn keine leichte Kost. In dessen „Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“ zeigt ein Mann seiner Frau, wo er arbeitet. Ein Gedicht wie das von Gabriele Stötzer wäre vor 100 Jahren kaum möglich gewesen. Bei ihr ist es eine… Continue Reading „in der pathologie“

Waldmeister

Barbara Köhler