Kategorie: Deutsch

Eine Nacht (und ein Kommentar)

Sie trug ihre schönste Haut,
Denn es war Sonntagabend. Und sie hatte
Schwarzen Lidschatten unter den Augen.

Hobellied

Der eine heißt den andern dumm,
Am End weiß keiner nix.

Braun Shakespeare 66

Ich bin es müde und will meine Ruhe.
Statt anzusehn, wie Leistung betteln geht
Und Dürftigkeit sich trimmt zu Festtagsschmu
Und Selbstvertraun nicht zu sich selber steht

Recht auf Verspätung

du hast ein Recht, zu spät zu kommen. dieses Recht ist
angestammt. du stammst ab und du stammst an.

Briefverkehr

Sie schreiben, wie sie es am liebsten täten.
Der Rest des Tages schrumpft auf diesen Kern.
Der Rest der Welt liegt unerreichbar fern.
Dann prahlen sie mit ihren Qualitäten.

ich. soll. ruhiger. werden.

landschaften

rückwärts
spaziergehen

Karl Kraus zum Republikgeburtstag

Karl Kraus  (* 28. April 1874, heute vor 150 Jahren, in Gitschin, Österreich-Ungarn, heute Jičín, Tschechien; † 12. Juni 1936 in Wien)  ZUM GEBURTSTAG DER REPUBLIKDie Republik soll ich zum Geburtstag feiern?Daß wir sie haben, ihr beteuern?Sie ist jetzt im Alter von acht Jahren.Ich kannte Kinder, die begabter waren.Es bleibt wohl die beste… Continue Reading „Karl Kraus zum Republikgeburtstag“

Fremd

Meine Mutter,
mein Vater,
meine Großmutter:
Über-Lebende.
Trauernde.
Traurige.
Lebenstraurige.

Dies ist das letzte Licht der Welt

Aus Sümpfen schwankt Gestrüpp und Baum.
Die Birken-Nerven ästeln weh.

300. Geburtstag

Ganz kleiner Beitrag zum 300. Geburtstag des großen Philosophen. Dieses kleine Gedicht des großen Geistes gehörte mal zum Hausschatz deutscher Anthologisten. Es ist aus den Anthologien weitgehend verschwunden. Immanuel Kant  (* 22. April 1724 in Königsberg (Preußen); † 12. Februar 1804 ebenda) Glaube und TatWas auf das Leben folgt, deckt tiefe… Continue Reading „300. Geburtstag“

Blind

blind soll er wieder werden, der auf einem auge blind war.
dass du blind wärest, für seine eigenen angelegenheiten blind.
wenn schon, dann nur blind.

ich sehe aus wie Thomas Bernhard

ich sehe aus wie Thomas Bernhard
aber ich bin nicht Thomas Bernhard
ich sehe lediglich so aus wie er

Kaum habe ich die Lampe ausgelöscht

Christine Lavant  (* 4. Juli 1915 in Großedling bei St. Stefan im Lavanttal; † 7. Juni 1973 in Wolfsberg) Kaum habe ich die Lampe ausgelöscht gehn meine beiden dummen Augen über und eine Maus nagt unter meinem Bett.Doch greift dann niemand, wie bei meinen Schwestern, durchs Dunkel her und fragt: Bist du denn traurig? –Und niemand stellt… Continue Reading „Kaum habe ich die Lampe ausgelöscht“

Deutsches Roulette

Ich harre aus im Land und geh, ihm fremd,
Mit einer Liebe, die mich über Grenzen treibt,
Zwischen den Himmeln. Sehe jeder, wo er bleibt;
Ich harre aus im Land und geh ihm fremd.
#BarbaraKöhler

Das ist die Bienenstrophe

Aufschäumender Traum, ich schwimme
oben. Der Schaumschläger ist ein Tenor,
er trägt die Arie von den Zitronen vor.
Das ist die Seifenstrophe.
#MargretKreidl