27. Hilde Domins Mut

Zwei Bücher machen jetzt dankenswerterweise auf Leben und Werk Hilde Domins aufmerksam. Das eine trägt den Titel „Liebe im Exil. Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931 – 1959“. Sowohl das Glück dieser außergewöhnlichen Liebe als auch die karibische Einsamkeit, die darauf folgende Ehekrise und der Aufbruch ins eigene Schreiben sind hier dokumentiert.

Oft war Domin allein und somit auf sich selbst auf der Insel Santo Domingo zurückgeworfen. Ihr Mann durfte über Jahre hinweg den lateinamerikanischen Kontinent in seiner beruflichen Funktion nicht bereisen.

Die Sprache der Liebe umfasst in diesen Briefen nicht nur direkte Herzenserklärungen; Beschreibungen von Landschaften, inneren Bewusstseinsvorgängen, persönliche Sorgen und Sehnsüchte sind hier genauso enthalten wie etwa eine Bitte an ihren Mann, ihr mehr Raum zu lassen. Da heißt es an einer Stelle über ihre Mitarbeit an einem Buchprojekt:

Mein Herz, lass mir ein wenig mehr Freiheit: so dass Platz bleibt für die – und sei es nur eine Fiktion – freiwillige Mitarbeit. Der totale Druck, die totale Pflicht, das macht nur widerwillig. Man bekommt eine Lust zum davonlaufen – gar nicht zu beschreiben. Dabei lieb ich Dich doch.

Und dann, ein paar Zeilen weiter, heißt es noch versöhnlicher:

Lass uns… lass uns doch wieder Wolkenhirten sein, wenn die Bäume grün werden…

(…)

Hilde Domin trug bei ihren Lesungen ihre Gedichte immer zweimal vor. Sie las in Gefängnissen, Schulen und Kirchen. In einem Interview im Jahre 1986 wurde ihr die Frage gestellt, wie viel Mut ein Schriftsteller für das Schreiben eigentlich benötige. „Ein Schriftsteller“, sagte sie bei dieser Gelegenheit, „braucht drei Arten von Mut: den, er selber zu sein, den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der Anderen zu glauben.“

/ Marica Bodrozic, Hör-Tipp, Oe1 Ex libris, Sonntag, 12. Juli 2009, 18:15 Uhr
http://oe1.orf.at/highlights/140704.html

Hilde Domin, „Sämtliche Gedichte“, S. Fischer Verlag

Hilde Domin, „Die Liebe im Exil: Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931-1959“, S. Fischer Verlag

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