042. Rußlands Muslime

Wird es Moskau gelingen, die muslimischen Minderheiten zu integrieren, oder wird es in absehbarer Zukunft zur Islamisierung Russlands kommen? Unter der sowjetischen Herrschaft schien es zeitweise so, als ob die Probleme der nationalen Minderheiten irgendwie gelöst seien, doch das war eine Illusion.

Wie tief ist die gegenseitige Abneigung? Misstrauen gegenüber den Muslimen gibt es schon seit langer Zeit. Zu dem Duell, in dem der russische Dichter Michail Lermontow tödlich verwundet wurde, kam es, weil er einen Offizier seines Regiments „goretz“, also einen kaukasischen Rebellen genannt hatte. In seinem berühmten Wiegenlied erwähnt Lermontow zudem den heimtükkischen Tscheschenzen, der mit seinem Dolch bewaffnet in der Gegend herumschleicht. Aber solche Beispiele waren Ausnahmen.

Nachdem die Waffenruhe eingekehrt war, wurden die kaukasische Aristokratie in Russland als gleichwertig behandelt. Als Alexander Gribojedow, der größte russische Dramatiker seiner Zeit und auch Diplomat, einige Jahre vor dem Duell Lermontows von einer fanatischen Masse in Teheran erschlagen wurde, kam es keineswegs zu anti-islamischen Ausschreitungen in Moskau. Man trauerte um ihn, aber betrachtete den Mord als ein gewöhnliches Risiko, das Diplomaten in weniger zivilisierten Ländern eben eingehen mussten. / Walter Laqueur, Die Welt 23.8.

Ein weiteres Detail aus seinem Artikel:

Wahabiten im Sinne des Kremls haben wenig mit der saudischen Sekte zu tun. Moskau versteht unter Wahabiten schlicht Rebellen. In Wahrheit handelt es sich um junge Muslime, die für ein paar Jahre in die arabischen Länder gingen und dort ihre theologische und militärische Ausbildung erhielten.

(Naja dann…)

041. Josef Burg gestorben

Der Autor Josef Burg ist heute, Montag [9.8.], im Alter von 97 Jahren gestorben. Burg galt als letzter jiddischer Schriftsteller in Czernowitz (Ukraine) und hat seine Erzählungen auf Deutsch und auf Jiddisch verfasst, teilte die Theodor Kramer Gesellschaft in einer Aussendung mit. Burg, der 1997 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet wurde, veröffentlichte zuletzt „Ein Stück trockenes Brot“ (2008).

Josef Burg, geboren am 30.5.1912 in Wischnitz in der Bukowina, veröffentlichte 1934 seine erste Erzählung in den „tschernowizer bleter“, die 1938 zwangseingestellt wurden und von Burg ab 1990 als jiddische Monatszeitschrift wieder herausgegeben werden. / Die Presse 10.8.

In der Sowjetunion, in der es mit Birobidschan im russischen Osten gar eine autonome Provinz gab, in der das Jiddische Amtssprache war und eine jiddische Tageszeitung erschien, existierte bis in die 1990er-Jahre auch Sovietisch Heimland, eine jiddischsprachige literarische Monatszeitschrift, in der neben vielen anderen Autoren auch Josef Burg publizierte. So kann man ihn in drei Kontexten lesen: als Czernowitzer Autor und damit als im weitesten Sinne der Habsburger jüdischen Tradition entstammend; als Wiener Autor der Zwischenkriegszeit, einer Stadt, aus der er nach der Machtübernahme exiliert wurde – weshalb er auch im Lexikon der österreichischen Exilliteratur verzeichnet ist; aber auch als Teil der noch lebendigen jiddischen Literaturtradition der Sowjetunion bzw. ihrer Nachfolgestaaten. / Der Standard 3.2. 2007

040. Zwei Altmeister

Die „Presse“ ist schwer beeindruckt:

Diese jüngsten Gedichte des Altmeisters bundesrepublikanischer Intellektualität haben es – wieder einmal – in sich. Von Hans Magnus Enzensberger ist man nichts anderes gewöhnt; und man kann ihm dafür nur dankbar sein, für (beinahe) jedes Wort und jeden Gedankenstrich. …

Enzensberger hat noch immer ein diebisches Vergnügen an bizarren Reihungen („Der Konzertflügel, die Kirsche, das Meer, / der Smaragd natürlich und das gezogene Messer. / Wenn es geregnet hat, das Kopfsteinpflaster, / die Zungenspitze und das gepellte Ei.“) und an der Subversion bestimmter Leitbilder („Schade! Von den vier Elementen / wollen sie nichts mehr wissen, / unsere Spitzenforscher“, das Gedicht heißt natürlich „Vorsokratisch“!). Qualitativ grenzwertig sind nur wenige Verse (etwa „Wo
aber das Herz flimmert, / wächst das Rettende auch“ – das Hölderlinsche Original ist einem denn doch lieber); aber das Gelungene überwiegt bei Weitem, etwa die Prosagedichte, deren Höhepunkt lautet: „Fünf Sinne sind nicht genug, um ein ganzes Jahr zu begreifen.“

Außerdem geht es in dieser Besprechung von Rüdiger Görner um John Updike:

Mit Enzensberger verbindet Updike die Neigung zum Thesenhaften (etwa im Gedicht „Beim Bäumepflanzen“, das pointiert so beginnt: „Unsere letzte Berührung mit dem Mythischen“), mit dem Aussprechen von Wahrheiten in Halbsätzen. Wie bei Enzensberger werden auch bei Updike gewisse, durch den Titel geweckte Erwartungen bewusst enttäuscht; so lautet das dritte der „Erotischen Epigramme“ ernüchternd: „In der Hoffnung, sich einen Spiegel zu formen, / poliert der Liebende so lange das Antlitz der Geliebten, / bis er einen Totenschädel vor sich hat.“

039. Kalliope

Kalliope heißt eine „Zeitschrift für Literatur und Kunst“, die den klassischen Namen sogleich mit einem Klassikerzitat pariert (Schiller). Merkwürdigerweise (das hat jetzt nichts mit der Zeitschrift zu tun) erinnert Schiller irgendwie an Ulbricht. Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben, hatte der bei der Rückkehr nach Deutschland 1945 gesagt. Schiller an seinen Freund Körner: „Das schöne Produkt darf und muß sogar regelmäßig sein, aber es muß regelfrei erscheinen.“
Diese Kalliope erscheint seit 2008 und

[…] führt alte und junge Künste mit der Besinnung auf Kalliope, die Älteste der als Musen bekannten Töchter von Mnemosyne und Zeus, zusammen und etabliert ein Forum für junge Autoren und Künstler. Diesem ist keine thematische Einschränkung gesetzt, so dass hier verschiedene Topoi und Kunstformen der Literatur, darstellenden Kunst und – soweit in diesem Rahmen möglich – der Musik, sowie wissenschaftliche Betrachtungen und Rezensionen aufeinander treffen. Entgegen der zunehmenden Separierung und Spezialisierung der vielseitigen, von je einer der Musen verkörperten Künste möchten wir gerade die innere Verwandtschaft derselben mit Bezug auf Kalliope hervorheben. Als die Muse der epischen Dichtung, gezeugt von einer Idee, trägt sie gleichsam wie unter Geschwistern in ihrer Identität die Differenzen in sich. […]

[Aus dem Editorial von Heft I/08]

Im Heft 1 des zweiten Jahrgangs ist an Lyrik enthalten:

Nadja Küchenmeister: edenkoben. nachtgestalten. mit jedem schritt / Daniel Ketteler: Sils. Speed City – Kuudes linja. Warteschleife. Donna 86 / Petja Dubarowa: Ertrunkene Sterne. Verschmelzung. Ein Traum berührt mich. Frühling. Hinter dem Schatten. (Aus dem Bulgarischen von Claudia Weise) / Francesco Marotta: occhi presi a prestito .. geliehene Augen. neve amara di un verso .. Bitterschnee eines Verses. l’inganno delle labbra .. Betrug der Lippen. (Aus dem Italienischen von Stefanie Golisch) / Grahame Davies: Adref .. Homecoming. Gwaith adeiladu .. Builging work. Margin. (Mit Übersetzungen ins Englische von Grahame Davies) / Jan-Benedikt Kersting: Kaufhausmatrix. Universalpoesie. / Uwe Tellkamp: was sinnt und singt vom sanden Schlaf.

038. Fachgeschäft für Lyrik

Der noch junge Leipziger Poetenladen – Internetportal für Lyrik und auch Verlag – präsentiert sich mit seiner jüngsten Veröffentlichung erneut als ein ausgesprochenes Fachgeschäft. „Der gelbe Akrobat“ ist eine kommentierte Sammlung von 100 deutschen Gedichten der Gegenwart, die ursprünglich auf eine Serie in der Wochenzeitung „Freitag“ zurückgeht. Seit 1991 haben die Kommentatoren Michael Braun und Michael Buselmeier dort Gedichte vorgestellt.

Die Auswahl ist subjektiv, aber keineswegs willkürlich. Neben Gedichten von bekannten Autoren (übrigens in einer ausgezeichneten Ost-West-“ Mischung) wie Erich Fried, Hans Magnus Enzensberger, Volker Braun, Sarah Kirsch finden sich Texte von weniger bekannten Dichtern, und darunter wiederum einige bewegende Entdeckungen. So eine bedrückende Kindheitserinnerung des Frohburgers Guntram Vesper, „wenn die Kälte gegen die / knackenden Scheiben drückte“, der als Jugendlicher mit seinen Eltern nach Westdeutschland übersiedelte und sich seine Heimat neu erschreiben musste. Oder der berührende Nachruf des Münchners Albert Ostermaier auf Ernst Toller: „& wird der sinn dir schwer… lass die hoffnung / fahren / dann lass sie / fahren / auch ohne dich“. Oder das erschütternde „Heimweh“ des kranken Dichters Ernst Herbeck (das an die stillen, intensiven Bilder der Annerose Leiter erinnert, die gerade in Annaberg zu sehen waren).

Daneben finden sich auch Texte, die für die Kommentatoren Fragen offen lassen, oder auch pittoreske Randerscheinungen wie der Aufstieg und Fall des Nachkriegsdichters „George Forestier“, hinter dem sich ein geschäftstüchtiger Verleger verbarg, der mit seinen populär zusammengeschmiedeten schiefen Metaphern Anfang der 1950er Jahre als ein zweiter Wolfgang Borchert gefeiert wurde. Und sie machen auch vor den Texten politisch diskreditierter Dichter wie Sascha Anderson und Rainer Schedlinski nicht Halt. Und obwohl Braun und Buselmeier in ihren Kommentaren den Zugang zu den Gedichten oft über die Biographie der Autoren finden, trennen sie doch sehr sorgsam Werk und Person. / Matthias Zwarg, Freie Presse

Der gelbe Akrobat: 100 deutsche Gedichte der Gegenwart, kommentiert / von Michael Braun und Michael Buselmeier. Leipzig: Verlag des Poetenladen 2009. 360 S. ISBN 978-3-940691-08-8. 19,95 Euro.

037. Kerouacs Rat

Gefunden bei youtube (ein Hinweis von Jan Röhnert bei Facebook):

Remove literary, grammatical and syntactical inhibition.

13. Ratschlag Jack Kerouacs an junge Autoren

036. Gelsenkirchner Lyrik

Gelsenkirchen und Lyrik? Meine Datenbank kennt 16 Lyriker, die mit der Stadt im Ruhrgebiet in Verbindung standen. Niklas Becker ist hier gestorben, von dem das früher populäre Anti-Franzen-Lied vom deutschen Rhein stammt:

Sie sollen ihn nicht haben
den freien deutschen Rhein
ob sie wie gierige Raben
sich heiser danach schrein

Nunja, nicht für jedermann ein Ausweis für lyrische Qualität. Es gibt sozusagen traditionelle Gelsenkirchnersch-pommersche Literaturbeziehungen. Erich Colberg (nomen est omen) wurde in Gelsenkirchen geboren, kam aber im zweiten Lebensjahr nach Pommern: Er war Volksschullehrer in Anklam und Stettin-Altdamm und schrieb Jugend- u. Volksspiele, was immer das ist. Umgekehrt bei Kurt Küther, er wurde 1929 in Stettin geboren, die Geschichte wehte ihn ins Rhein-Ruhr-Land. Er war Mitglied der Dortmunder Gruppe 61. In Gelsenkirchen wurde er 1970 Mitglied der literarischen Werkstatt Hugo Ernst Käufers, der aus Witten/Ruhr stammt und ein wichtiger Förderer der Literatur der Arbeitswelt war. Aber es gibt auch andere literarische Richtungen dortselbst. Jürgen Völkert-Marten ist dort geboren, und Peter Huckauf, geboren 1940 in Bad Liebenwerda, verbrachte seine Jugend in Gelsenkirchen, bevor er 1964 nach Berlin-West ging. Peter Huckauf ist ein liebenswerter und unterschätzter Autor, dem ich sofort einen Literaturpreis geben würde, wenn ich einen zu vergeben hätte. Ein Schalksnarr, Wortfex, auch einer aus der deutschen Chlebnikowschtschiana (wenn es das Wort noch nicht geben sollte, spendiere ich es hiermit). 1990 ging ich ab Januar regelmäßig zum Lesen in die Staatsbibliothek-West und ab der Währungsunion ebenso regelmäßig in die Autorenbuchhandlung am Savignyplatz, wo es in Grabbelkisten selbstedierte Hefte und Büchlein von ihm gab. Wo gibts das noch hierzuerd?
Heute lese ich bei westen.de (WAZ):

Im August 1974 startete die Ückendorferin Irmgard Stein ihre „Edition Xylos“. Seither entstehen in ihrem kleinen Büro Hefte und Bücher an einer Andruckpresse aus den 50er Jahren. Für viele Gelsenkirchener Lyriker war ihr Verlag ein erstes Sprungbrett.
35 Jahre alt wird die „Edition Xylos” in diesen Tagen – und Herausgeberin Irmgard Stein ist stolz auf ihren „Ein-Frau-Verlag”, der am 23. August 1974 an den Start ging und seit 1983 an der Bergmannstraße in Ückendorf zu finden ist.
Über 250 Bücher und zahlreiche Hefteditionen entstanden hier im Laufe der Jahre in Handarbeit. Kräftige Unterstützung erhielt die Herausgeberin dabei natürlich von ihrem Mann, dem Künstler Heinz Stein, dessen Holzschnitte viele der Druckerzeugnisse aus dem Hause illustrieren. „Xylos ist griechisch und bedeutet Holz. Dieser Name lag nahe, weil wir uns auf die Fahnen geschrieben hatten, keine Veröffentlichung ohne Holzschnitt herauszugeben”, erklärt Irmgard Stein.
Die geschnitzte Druckkunst gepaart mit Lyrik, Wortspielen und Geschichten: Das hob die „Edition Xylos” aus dem Wust von Presseerzeugnissen heraus. Von Ückendorf aus setzte der Verlag mit eigener Andruckpresse und historischer Schneidemaschine nicht nur bekannte Künstler wie Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber, Alfred Pohl und Otto Pankok in Szene – hier erhielten auch junge Gelsenkirchener Künstler wie Michael Klaus, Werner Ryschawy, Heinz-Albert Heindrichs und Jürgen Völkert-Marten die Gelegenheit, ihre Werke zu veröffentlichen.

Mit Gelsenkirchen verbundene Lyriker bei L&Poe:

Josef Büscher (1918)

2009    Mai    #101.    Arbeiterdichter

Hugo Ernst Käufer (1927)

2007    Dez    #33.    Breuers Schneisen im LiteratUrwald
2009    Mai    #101.    Arbeiterdichter

Kurt Küther (1929)

2009    Mai    #101.    Arbeiterdichter

Peter Huckauf (1940)

2002    Mrz    #    Lyrik in ausgewählten Zeitschriften
2003    Mai    #    Soeben erschienen:
2008    Feb    #53.    Buchpremiere »Mitlesebuch 66   Peter Huckauf«
2008    Dez    #78.    Meine Nachlese

Jürgen Völkert-Marten (1949)

2007    Sep    #49.    Poesie Agenda 2008
2007    Dez    #21.    „FINALE“ der „TAGE DER POESIE“
2008    Feb    #43.    Über Länder und Zeiten hinweg wie ein Flackern
2008    Nov    #33.    Lesung zum Deutschen Lyrikkalender 2009
2009    Mai    #109.    Happy Birthday, Bundesrepublik (und JVM)

Greta Granderath (1985 od. 86?)

2008    Jan    #104.    (Forts.)
2008    Mrz    #9.    HEUTE IST MORGEN
2008    Mrz    #108.    Dichtes Gerede – Treffen junger AutorInnen zur Poetik
2008    Apr    #67.    Abendprogramm „Dichtes Gerede“

035. Relativ

Wahlen in Afghanistan. Das ZDF meldet: „Bei etlichen Anschlägen starben mehr als 50 Menschen. Dennoch verlief die Wahl nach Ansicht unabhängiger Beobachter „relativ gut“.
(Ist’s auch nicht Lyrik…)

034. Gennadij Ajgi 75

Gennadij Ajgi wurde vor ziemlich genau 75 Jahren in Schaimursino / Tschuwaschien als Gennadi Nikolajewitsch Lissin geboren und nahm später den Namen Ajgi an, der soviel bedeutet wie „der dort“, „derselbe“. Er schrieb seine Gedichte zunächst auf Tschuwaschisch, bis Pastnernak ihm um 1960 herum riet, das Russische zu benutzen. Dabei blieb es dann auch, und bis heute wird Ajgi häufig zu den russischen Dichtern gezählt, obwohl er doch der ethnischen Minderheit der Tschuwaschen entstammt.

Man kann diesen Dichter ohne seine Landschaft nicht verstehen. „Es gibt ozeanische Kulturen, meine Kultur hingegen, die russische, ist eine Wald- und Feld-Kultur“, hat er in einem Interview gesagt. Ajgis Poesie kommt aus den Räumen. Schon der Anordnung vieler seiner Texte auf der Buchseite mutet etwas Geographisches an: die Zeilenlängen sind sehr unterschiedlich, es gibt viele Gedankenstriche, Gedanken-Strich-Wörter und Auslassungspunkte bei ihm, es gibt stockende rhytmische Bewegungen, die an Zanzotto erinnern, es gibt in Anführungszeichen gesetzte Wörter.

Vom Klassizismus seines Freundes Pasternak ist Ajgi meilenweit entfernt. Er ist ein schwieriger Dichter, zu dem man mit etwas Mühe leicht Zugang findet – wenn man es aufgibt, einem Sinn dieser Gedichte hinterherzurennen und stattdessen ihrem Klang folgt, ihrer Melodie. Ajgi selbst hat geschrieben: „Hinhören – statt zu reden“. …

Am 21. Februar 2006 ist Ajgi in einem Krankenhaus in Moskau gestorben. Unter www.lyrikline.org kann man die Stimme des mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagenen Dichters hören.

/ Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 21.8.

In L&Poe:

2001    Jul    #    Lyrikertreffen: „Landkarten der Poesie“ in Berlin
2003    Sep    #    Drittes Internationales Literaturfestival Berlin
2003    Okt    #    Normalisazija
2003    Okt    #    Lyrik in Rußland
2004    Mai    #52.    Fragil
2005    Mrz    #97.    Norbert C. Kaser-Preis für Barbara Köhler
2006    Feb    #78.    Gennadij Ajgi gestorben
2006    Feb    #93.    Büchermarkt
2006    Mrz    #10.    Späte Ehrung
2008    Mrz    #12.    Utlers Münchner Rede
2009    Jan    #12.    Wenn

033. Warum Dänisch lernen?

Warum Walisisch lernen? Die sprechen doch alle Englisch. Warum unaussprechliches Flämisch, unmögliches Finnisch, anmaßendes Katalanisch oder das unbedeutende Dänisch lernen? Aber als die dänische Experimentaldichterin am 2. Januar 2009 in Kopenhagen starb, verlor eine unterlegene Sprache ihre schönste Stimme.

Die Fragen stehn bei Eurobabel, da passen sie hin, und sie führen zu einem Nachruf auf die dänische Dichterin, aus dem ich zitiere:

Ich weiß, dass jetzt eine Probe ihrer Sprache gefragt ist. Ein Beispiel aus einem Gedicht, vielleicht nur eine einzige Zeile. Ich bringe es aber nicht über mich, es zu tun. Ich habe deutsche und englische Übersetzungen gelesen, sie haben mit dem Original so wenig zu tun, wie [das Spielzeug] „Mein kleines Pony“ mit einem echten Pferd. Also warum Flämisch, Finnisch oder Katalanisch lernen? Ich weiß es wirklich nicht. Aber Dänisch – diese raue, unangenehme Sprache aus dem flachen Norden – birgt ein Geheimnis. Ein warmes, verschwommenes Geheimnis. Wenn eine unterlegene Sprache ihre schönste Stimme verliert, danken wir Gott, dass uns die Bücher bleiben. Auch wenn Inger Christensen vor einem Monat von uns gegangen ist, bleibt ihre Dichtung der einzige und trotzdem völlig ausreichende Grund, Dänisch zu lernen – und sei es nur eine Leseprobe während eines Erasmus-Jahres in Kopenhagen.

Hier ein Porträt mit 2 Gedichten Dänisch und Deutsch als Text und Hörprobe (vgl. Kommentare) – Und natürlich ist sie bei lyrikline ebenfalls vertreten, mit acht Stücken aus „alfabet“

032. Für den deutschen …

… Romanpreis, der sich bescheiden „Buchpreis“ nennt, sind 20 Titel nominiert. Immerhin haben einige der Verfasser auch Gedichte geschrieben: ich nenne mal Mirko Bonné, Reinhard Jirgl, Kathrin Schmidt und Herta Müller. Aber nominiert sind sie natürlich für richtige Bücher: Prosa, was bekanntlich vom Lateinischen prorsus kommt: vorwärts, geradezu, durchaus, geradeheraus(geschrieben). Ist der Prosaschreiber einer, der nach vorn blickt? Ich weiß es nicht, im Hinblick auf den Deutschen Buchpreis kann er oder sie es geradezu, durchaus mal riskieren.

Die ganze „Longlist“ finden Sie hier.

031. Vier Tage für Friederike Mayröcker

Die Gmundner Festwochen widmen der großen Dichterin bis Sonntag ein Fest mit Lesungen, Konzerten, Filmen und Gesprächen
Zum Auftakt spricht Franz Schuh mit Mayröcker über die ihr eigene, andere Form von Prosa. Im Anschluss daran liest sie selbst aus den Magischen Blättern. Konzerte, Filme, Gespräche mit künstlerischen Weggefährten und natürlich Lesungen stehen bis Sonntag auf dem Programm.  / DER STANDARD 20.8.

Gmunden, Hipphalle und Stadttheater, 07612/706 30. 20.-23. 8.
http://www.festwochen-gmunden.at

030. Es gibt so viele Dichter,

man kann sie nicht alle  kennen. Obwohl sie wie ich aus San Francisco stammte, hörte ich von Linda Dyer erst, als sie letzten Monat [Juli 2006] starb – mein Freund Andrew Alden schickte mir eine Notiz. Dann las ich die nachfolgende Erinnerung, geschrieben von ihrer Freundin Terri Ford, und wünschte, daß mehr Menschen sie und ihre Gedichte kennenlernen sollten. / Margery Snyder, about.com

029. Poet, Publisher and Mensch

In den Somerville News spricht Doug Holder unter dieser Überschrift mit dem Lyriker Zvi Sesling.

Sesling is also a Brookline, Mass. poet who has published in over 100 magazines, including: HazMat Review, The Chaffin Journal, Ship of Fools, Ibbetson Street and many others. He is the founder of the Muddy River Poetry Review, and the winner of the Reuben Rose International Poetry Competition and a finalist in the 2009 Cervena Barva Press Chapbook Contest.

028. Hugo Loetscher gestorben

Kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag ist am Dienstag in Zürich der Schriftsteller und Publizist Hugo Loetscher an den Folgen einer schweren Herzoperation gestorben. Mit ihm verliert die deutschsprachige Literatur eine eminente Stimme und die Schweiz einen Intellektuellen, der mit Sprachwitz, mit grosser Empathie und Weitsicht das Zeitgeschehen kommentierte. / Roman Bucheli, NZZ 19.8.

Mehr: Badische Zeitung /

In L&Poe:

2001    Jul    #    Es ist einfach,
2003    Apr    #    Lever du Poète
2004    Jan    #    Zeitschriftenlese
2004    Sep    #46.    Hugo Loetscher
2004    Okt    #17.    Hugo Loetscher
2004    Dez    #96.    Hugo Loetscher 75
2009    Jan    #77.    Es war einmal die Welt