Nachträglich zum gestrigen Goethegeburtstag hier eine Nachricht aus der gestrigen NZZ:
Die Klassiker bloggen, und das Publikum jubelt. Unter www.briefwechsel-schiller-goethe.de erscheint seit einigen Wochen, eingerichtet von dem Münchner Germanisten Giesbert Damaschke, die Korrespondenz der beiden Weimarer Dichterfürsten als «Echtzeit-Blog». Um 215 Jahre versetzt, werden die Briefe fortlaufend gemäss der jeweiligen Datumsangabe ins Netz gestellt. Schillers erster Brief an Goethe vom 13. Juni 1794 – «Hochwohlgeborener Herr, hochzuverehrender Herr Geheimer Rat» – machte am 13. Juni 2009 den Anfang; mit Goethes kleinem Billett vom 26./27. April 1805 wird das Unternehmen 2020 abgeschlossen sein. …
Das neue Medium verwandelt das Nationaldenkmal spielerisch in ein Brevier der täglichen Einkehr: Sie nimmt immer nur wenige Minuten in Anspruch, kann im Idealfall aber zur jahrelangen Gewohnheit werden. – Gut vorstellbar sind Leser, die zwischen Online-Banking und zwei Geschäfts-Mails geschwind noch nachschauen, ob inzwischen ein Brief von Schiller eingetroffen ist.
Ich empfehle Schillers Briefe vom 23.8. und – am Montag – 31.8. 1794 zu lesen, zwei literaturpolitisch bedeutende Dokumente. Koch gibt Hinweise in seinem Artikel, Näheres in Norbert Oellers‘ Schillerbiografie. Hier noch einige Nachrichten aus dem L&Poe-Archiv zum Thema Goethe, Schiller und die Deutschen (Österreicher hier eingeschlossen):
2004 Okt #29. Doch Lyrik
2005 Feb #95. Literatur-Ideologen
2005 Mrz #56. Urworte
2005 Jul #43. (de) Toys News
2005 Sep #101. Goethe spielt Flöte
2008 Mrz #107. Wettfurzen
(Alle alten L&Poe-Ausgaben sind unter dem Button „Archiv“ erreichbar – suchen Sie dort einfach die entsprechende Nummer)
Nora Gomringer zählt zu den jungen wilden Poeten, die nicht nur grossartige Gedichte schreiben, sondern diese auch virtuos vortragen. Am nächsten Dienstag tritt sie in der Reihe «Nachtlesung in der Bärengasse» in Zürich auf.
Die jungen Helden der sogenannten «spoken word poetry» brauchen Ohrenzeugen. Die stärksten Waffen dieser Dichter sind die Mündlichkeit, der konkrete Sprechakt, die starke Performance – und die Tuchfühlung mit einem Publikum, das sich von den verbalen Suggestionen mitreissen lässt. Die Wucht des Oratorischen, des Psalmodierens, das Drama der Sprachverzückung – all dies zelebriert die im saarländischen Neunkirchen geborene Nora Gomringer in unwiderstehlicher Dynamik. …
Ihre Ankündigung, etwas «Unerhörtes» und «Aussergewöhnliches» mit der «durch und durch bekannten» Sprache «zu machen», erfüllt sie mit Leben durch den Wechsel zwischen unterschiedlichsten Sprechhaltungen und durch die Realisierung verblüffender Formexperimente. In «Klimaforschung», ihrem jüngsten Gedichtband, hat sie sich von den Performance-Bemühungen der Slam-Poetry schon sehr weit entfernt. Es geht nicht mehr um die unmittelbar sinnliche Demonstration lautpoetischer Obsessionen oder um pointensüchtige Klang- und Reimspiele, sondern um die Mobilisierung aller Sprachdimensionen, die ein Gedicht freisetzen kann.
Ihr Gedicht «Ich werde etwas mit der Sprache machen» illustriert denn auch nicht den naiven Veränderungswillen einer Dichterin, sondern zeigt die Selbstwidersprüche und Sackgassen, in die ein literaturrevolutionär gesinntes Sprechen geraten kann. Das «Aussergewöhnliche» und «Erstaunliche» in der Sprache kann eben nicht einfach dekretiert werden. So erhellt dieses Gedicht die Gefahr eines Rückfalls in die alte «Knechtschaft der Zeichen» (Roland Barthes), indem es am Ende vom grossen Scheitern des Bedürfnisses nach dem «Aussergewöhnlichen» spricht. In einem Widmungsgedicht für Friederike Mayröcker reflektiert Nora Gomringer ein weiteres Mal die Ambivalenzen und Untiefen der poetischen Sprachfindung. / Michael Braun, NZZ 29.8.
So kann er aussehen, der «vorübergehende Garten Eden der Literatur», wie die Wochenzeitung Die Zeit das Erlanger Poetenfest vergangenes Jahr nannte. Von Freitag, 28., bis Sonntag, 30. August, zieht das Literaturfest wieder die Massen in den Schlossgarten, das Markgrafentheater, den Redoutensaal und andere Veranstaltungsorte in der Universitätsstadt.
Von 20.30 bis 23.45 Uhr steigt – als erstes großes Event – am Freitag «Lyrik.9 – Internationale Nacht der Poesie» mit verschiedenen Formen der Lyrik (Eintritt 9/7,50 (ermäßigt) Euro). Mit dabei sind im Redoutensaal (Theaterplatz 1) unter anderem Ulla Hahn, der experimentelle Lyriker Hartmut Geerken, Lautpoet Valeri Scherstjanoi sowie das Spoken-Poetry-Trio «Word Alert».
Besonders beliebt dürften auch heuer wieder die vier Podien im Schlossgarten sein. Am Samstag, 29. August, wird dort von 14 bis 19 Uhr gelesen – und zwar zum Nulltarif. Mit dabei sind etwa Florian Felix Weyh, Matthias Politycki, Ulla Hahn und Ulrike Kolb. Von 14 bis 15 Uhr wird die Literatursendung «Diwan» des Bayerischen Rundfunks mit den Gästen Eva Menasse, David Grossmann, Ulrike Kolb und Ulf Stolterfoht aufgezeichnet. / Nürnberger Nachrichten
Das ausführliche Programm gibt es unter www.poetenfest-erlangen.de
Er war einer der wichtigsten Autoren Neuseelands und des Südpazifik, schreibt der Guardian, und sein südpazifisches Erbe beeinflußte sein Werk. Der Autor, der jetzt mit 84 Jahren starb, veröffentlichte mehr als 20 Gedichtbände sowie Stücke und Prosa. Er wurde auf Tongareva (Penrhyn Island) geboren, dem größten Atoll der Cook Islands. Sein Vater war ein Neuseeländer schottischer Herkunft, der im Südpazifik Zuflucht vor den Traumata des ersten Weltkrieges suchte. Mit seiner Mutter, Tochter einer Rarotonga-Häuptlingsfamilie, erlebte Alistair eine paradiesische Kindheit an den „warmen mütterlichen Wassern des Korallenmeers“, aber die endete abrupt, als die Mutter mit 28 an Tuberkulose starb. Der Vater begann zu trinken und starb ein Jahr später „an gebrochenem Herzen… Mama rief ihn und er folgte ihr“. Er kam nach Neuseeland zu einer Großmutter, aber durch die Folgen der Depressionszeit konnte sie die Familie nicht ernähren, und er kam ins Waisenhaus. Penrhyn Maori war seine Muttersprache. Er lernte schnell Englisch und hatte Erfolg in der Schule, aber die Schatten verließen ihn nicht mehr. 1943 begann er in Otago zu studieren, doch nach einem Zusammenbruch kam er nach Wellington. Dort schloß er sich einer rebellischen Gruppe junger Autoren an, die als die Wellingtongruppe bekannt wurde. Der Dichter James K Baxter begrüßte seinen ersten Gedichtband „Mine Eyes Dazzle“ (1950) als „ein Gründungsereignis der neuesten neuseeländischen Dichtung“. 1952 heiratete er die Lyrikerin Fleur Adcock, mit der er zwei Söhne hatte. Die Ehe scheiterte, und 1958 heiratete er die junge Schauspielerin Meg Anderson. Nach der Geburt von drei Kindern erkrankte sie an postnataler Depression. 1960 erlitt er selbst einen weiteren Zusammenbruch. / Paul Millar, Guardian 24.8.
Fleur Adcock in L&Poe:
2006 Mai #3. Queen’s Gold Medal for Poetry
2007 Sep #51. American Life in Poetry: Column 129
2008 Jun #64. Eine Frau soll her
Der Dichter Brian Jones wurde in den späten 60er Jahren bekannt mit Bänden wie Poems (1966) und A Family Album (1968) in den innovativen taschenbuchgroßen London Magazine Editions. Er verkaufte ungewöhnlich viele Bücher für einen jungen Dichter und erlangte einige Berühmtheit mit Fernsehauftritten. Aber das Lyrikmilieu war nichts für ihn, er ging von London nach Canterbury und ließ sich schließlich in der Normandie nieder. Am 25.6. starb er dort im Alter von 70 Jahren. / Guardian 23.8.
G&GN-Institut New Cologne (Berlin) / Anläßlich des Autorenportraits der Jülicher Nachrichten mit dem ortsansässigen aktuellen 10. Nahbellpreisträger KARL-JOHANNES VOGT in den kommenden Tagen stellte die Lokalredakteurin Saskia Zimmer acht Fragen an Tom de Toys, die nicht als Interview abgedruckt werden und deren Beantwortung daher nun in Originallänge auf der Preisdomain zu lesen sind. Darin erklärt De Toys die Hintergründe des Preises: wer wann wieso als Preisträger in Frage kommt, warum es den Preis überhaupt gibt und was genau Vogts Gedichte dafür auszeichnet… Ein etwas anderer Begriff von „JETZT“ als bei vielen Lyrikern der jüngsten „Generation Gag“ [*] spielt dabei auch eine Rolle:
„(…) Aufgrund der wachsenden Kritik am traditionellen Nobelpreis wurde der Nahbellpreis im Jahre 2000 ins Leben gerufen und wird von der Trademark „POEMiE“ idealistisch gefördert. Bis heute konnte leider kein Preisgeld ausgezahlt werden, da sich noch keine Großsponsoren fanden, die diese visionäre Notwendigkeit nachvollziehen. (…) Der Nahbellpreis würdigt Lebenswerke und öffentliches Engagemnet solcher Poeten, die ansonsten in Vergessenheit zu geraten drohen oder im laufenden Literaturbetrieb zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Gemäß dem Urkundentext sind lebenslängliche Unbestechlichkeit sowie stilistische Zeitgeistresistenz ausschlaggebend, um unser Interesse zu wecken. (…) Das Besondere an Vogts poetischen Miniaturen ist deren erstaunlich ruhiger und tiefer Blick auf die kostbare Wirklichkeit des alltäglichen Lebens: Ganz gleich ob er über seine Erfahrungen mit der Liebe philosophiert oder das absurde Weltgeschehen oder die Natur aus der Nähe betrachtet, immer schwingt da eine sehr starke Bewußtheit der Hingabe an die Gegenwärtigkeit UND Vergänglichkeit des „absoluten Augenblicks“ mit, vergleichbar mit der Beschreibung von Realität in Zengedichten. Dadurch sind seine Texte hochkonzentriert und wirken trotzdem wie beiläufig notiert – das ist für mein Empfinden einfach genial! Außerdem leistet sein Werk damit sowohl unter seelischen als auch soziologischen Gesichtspunkten einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis einer Zivilisation, die immer oberflächlicher und schnelllebiger wird. Das spirituelle Bedürfnis nach „innerer Mitte“ und dem „Ankommen im Jetzt“ wächst zwar glücklicherweise wieder in der Bevölkerung, spiegelt sich allerdings im etablierten Literaturbetrieb ebenso ungenügend wider wie in der Politik.“
VOLLSTÄNDIGE ORIGINALQUELLE: http://www.naHbellPREIS.de – DER DURCHWAHL-LINK:
http://knk.punapau.dyndns.org/publisher/site/knk/public/obj/page.php?obj=10801
* Mit Generation „Gag“ wird hier angespielt auf das zwanghafte (und meist lichtlose) verkopfte Konstruieren von kryptischen Metaphern, die der Celanschen „Tradition“ nacheifern wollen, darüberhinaus aber versuchen, dem oberflächlichen Ernst ein humoreskes oder prätenziös „zeitgeistiges“ Sahnehäubchen aufzusetzen, was beim geübten Lyrik-Leser allerdings nicht die zumeist postpubertäre Inhaltslosigkeit zu verschleiern vermag. PERMANENT SKANDALÖS ist daran, daß der „etablierte“ Literaturbetrieb noch immer nicht aus diesem Billigdornröschenschlaf erwacht ist und dadurch die Seelenlosigkeit (nicht zu verwechseln mit der FREIHEIT der Seele!) subventioniert anstatt das BEDÜRFNIS VIELER „NORMALER“ LESER (querbeet aus Berufszweigen wie z.B. Ärzten, Anwälten, Therapeuten, Fachverkäufern, Handwerkern und Supermarktkassierern) nach unverschlüsseltem Tiefgang zu befriedigen. DAS ergaben Umfragen im privaten Umfeld des G&GN-Instituts und mögen hier vielleicht ungerecht provokativ wirken, dürfen deshalb aber nicht ungenannt bleiben. DISKUTIERT wird darüber sowieso nicht wirklich, da jeder im Betrieb gern Chefschäfer spielt und selbst das Trockene sucht, notfalls sogar die Herde (sprich: das authentische Bemühen um „wahre“ Poesie aus „innerer Notwendigkeit“) im Stich lässt, sofern es sich überhaupt noch um echte Tiere und kein Plastikspielzeug handelt. Manch ein inzwischen bundesweit „berühmter“ Jungdichter (mittleren Alters) outet sich deshalb auch unter Alkoholeinfluss schonmal mit zynisch verklärtem Blick als sogenannter „Berufslyriker“. Namen zu nennen würde hier allerdings bloß deren Bedeutung unnötig aufblasen, solange des Kaisers neue Kleider noch nicht aus allen Nähten platzen (man möge sich das kybernetisch wie beim Börsencrash vorstellen: der verdrängte Tag kommt irgendwann SEHR plötzlich, und danach werden sowohl der POETISCHE SPRACHSCHATZ an sich als auch die verklüngelten Betriebsregeln völlig neu geordnet)… [Anm. Sebastian Nutzlos]
Für die einen ist er der Hymnendichter, für die andern der Verfasser der Satire „Der Hase im Rausch“ – die Eingeweihten wissen, was ich meine. Die andern können das hier nachholen:
Sergej Michalkow ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Spiegel meldet:
Sergej Michalkow verfasste den russischen Hymnentext im Auftrag des sowjetischen Diktators Josef Stalin zur weltbekannten Melodie des Komponisten Alexander Alexandrow, fertigte 1977 eine Version ohne stalinistische Lobreisrhetorik an. Zur Jahrtausendwende schrieb er, bereits 87, einen neuen Text für die vom damaligen Präsidenten Wladimir Putin wieder eingeführte Hymne.
Putin hatte die Melodie Alexandrows damals erneut zur offiziellen Hymne Russlands erklärt, nachdem seit 1991 das unpopuläre „Patriotische Lied“ von Michail Glinka bei offiziellen Anlässen und internationalen Sportwettkämpfen gespielt worden war – ohne Text.
Das alte Lied erklang erstmals seit dem Ende der Sowjetunion wieder in der Neujahrsnacht auf 2001. „Die Hymne ist mehr als ein Symbol. Ohne sie kann man nicht leben. Wir werden die Verstimmungen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart überwinden“, hatte Putin im Dezember 2000 gesagt.
Das Brigitte-Reimann-Literaturhaus in Neubrandenburg und das Hans-Fallada-Archiv in Carwitz bei Feldberg werden aus Geldnot am 1. September geschlossen. „Wir haben uns dazu durchringen müssen, zwei Mitarbeiterinnen wurde gekündigt“, sagte der Vereinsvorsitzende vom Literaturzentrum Neubrandenburg, Joachim Lübbert, am Donnerstag. Das Hans-Fallada-Museum in Carwitz, das die Fallada-Gesellschaft betreibt, sei nicht von der Schließung betroffen. …
Das Literaturhaus ist ein Neubau und steht seit 1999 auf dem Grundstück, auf dem Reimann (1933-1973) mehrere Jahre lebte. Dort werden die Nachlässe Reimanns, Falladas (1893-1947), aber auch weiterer Autoren wie beispielsweise Martin Pohl, Margarete Neumann, Helmut Sakowski, Rudi Strahl und Joachim Wohlgemuth aufbewahrt und gepflegt. / NDR
Neubrandenburg und Feldberg in L&Poe:
2006 Jan #89. Der Feldberger Lyrikerin Sabine Lange
2006 Mrz #25. Pommern liegt am Meer
2006 Nov #110. Buchpremiere: „Verschwiegene Gedichte“
2007 Okt #2. Martin Pohl gestorben
2007 Okt #13. Martin Pohl rezitierte zarte Zeilen rauh
Freilich war es neben den Göttern nicht zuletzt auch der Dichter Gleim, der diesem Geist sich zu entfalten verhalf: Von ihm stammt die markante Bezeichnung „deutsche Sappho“, und aufgrund der Beziehung zu ihm entstand der Hauptstrang des Karschen Werks.
Die Herausgeberin Regina Nörtemann, der wir schon die dreibändige Ausgabe des lyrischen Werks Gertud Kolmars verdanken, hat sich nun dieser Liebesgedichte der „deutschen Sappho“ angenommen, sie den Archiven entrissen und erstmals in einem sorgfältig komponierten und kommentierten Band zusammengefasst. Es sind originelle Texte darunter, etwa jener Gesang „an die Spatzen“ („Ihr schweigt noch nicht mit dem Geschwätze?/ Auf, eilt, daß sich ein ganzes Chor/ Von Euch, vor Thyrsis fenster setze;/ Da schwatzt ihm Liebe vor!“), und es finden sich Passagen von großer Kraft und Sinnlichkeit: „Deinen Anblick kann ich nicht ertragen,/ Wie den Blitz, in heißen Erntetagen,/ Fühl´ ich ihn mir durch die Seele gehen!“ Natürlich taucht daneben das gesamte lyrische Repertoire jener Epoche auf, allerlei Ingredienzen, die man heute allzu schnell als Rokokokoketterien, ja als Rokokokokolores abzutun bereit ist: Beschwörungen der alten Götter Zeus, Venus und Amor fehlen ebensowenig wie Nachtigallen und Seufzer, Rosenlippen und schmerzende Busen, Schäfer und „ganze Ströme Zähren“.
All das lässt aber nicht den durchaus eigenen Ton überhören, erst recht nicht die unbändigen Wendungen, auf die man immer wieder stößt; einmal ist vom „sich turteltäubisch grämen“ die Rede, anderswo heißt es „ich knirschte vor Verdrusse“: Das ist so einprägsam, dass man als Leser selber mit den Zähnen zu mahlen beginnt. Aufregender als so manche Verse ist trotzdem die Geschichte ihrer Entstehung – und die ihrer Redaktion durch Gleim, die in diesem Buch dokumentiert wird. / Jan Wagner, FR 27.8.
Anna Louisa Karsch in L&Poe:
2009 Jun #66. In Bienen
2009 Aug #29. „Sapphische Lieder“ der Karschin sind Buch des Monats
(alle archivierten älteren Nachrichten sind über den Button „Archiv“ erreichbar)
Das Historische und das Schöne, genauer: das Kunstschöne, gehören in der Antike zusammen. Die erste der neun Musen, die Hesiod (um 700 v. Chr.) nennt, ist Klio, „die Rühmerin“, die Muse der Geschichtsschreibung. Und als rund 800 Jahre später der römische Rhetoriker Quintilian sich Gedanken macht über die Bedeutung historischen Wissens für den Redner, da sagt er, dass die Geschichtsschreibung der Dichtung unmittelbar benachbart sei, gewissermaßen ein „Gedicht in Prosa“, carmen solutum. / Stephan Speicher, SZ 26.8.
am 01.September 2009, 20:00 bis 22:00 Uhr im Froschkönig,
Literatur- und Pianobar 12049 Berlin-Neukölln, Weisestraße 17
http://www.froschkoenig-berlin.de
fünf PoetInnen aus München, Ostfriesland, Berlin und Stralsund
präsentieren ein- und mehrstimmige Werke: Michael Hüttenberger, Silke Peters, Armin Steigenberger, Christel Steigenberger, Lutz Steinbrück
Benyoëtz, Elazar: “VIELZEITIG ” Briefe 1958-2007, Bochum 2009, ISBN 978-3-8196-0687-8, unter Mitarbeit von MONIKA FEY, 386 S. gebunden € 39,90 erscheint Anfang September in einer sorgfältig edierten, bibliophilen Buchausgabe. Edition von Briefen an und von Elazar Benyoëtz mit Anmerkungen und Erläuterungen. Briefe u.a. an: Rose Ausländer; Clara von Bodman; Hilde Domin; Walter Helmut Fritz; Claire Goll; Oskar Maria Graf; Joachim Günther; Helmut de Haas; Paul Hirsch; Hermann Kasack; Marie Luise Kaschnitz; Werner Kraft; Michael Krüger; Annette Miegels; Karl Otten; Jacob Picard; Felix Uri Rosenheim; Max Rychner; Shin Shalom; Margarete Susman; Silja Walter.
»Mein Weg ins Deutsche – war er gewagt, war er verhängt. Warum musste aus einem hebräischen Lyriker ein deutscher Aphoristiker werden. Solange ich noch schreiben kann, bleibe ich mir die Antwort darauf schuldig. Die großen Fragen sind nur ohne Antwort groß.« Der vorliegende Briefband ist der Versuch, dieser Frage ihren Umriss zu geben.
»Als eminenter Epistograph ist Benyoëtz noch zu entdecken. Er setzt dabei in deutscher Sprache und gegenüber Nicht-Juden die Tradition der Diaspora von Israel aus fort. In der jüdischen Tradition gilt der Brief als Form der Beratung des Gesetzes für einen bestimmten, über die Welt verstreuten Personenkreis. Als Formen moralischer Selbstbegegnung knüpft sein kaum übersehbarer deutschsprachiger Briefwechsel in deutscher Sprache an die reiche jüdische Tradition der Diaspora seit dem ausgehenden Mittelalter an. Kennzeichen der jüdischen Briefliteratur, die es in nahezu allen Literatur-Sprachen gibt, sind ihre eminente sprachliche Ausdruckskraft, Gelehrtheit und Welthaltigkeit. Nolens volens zeigen sich die Korrespondenten als Teilhaber diverser Kulturen und gelten in allen Formen und Medien des sprachlichen Verhaltens als besonders erfindungsreich.« (Christoph Grubitz). / yourPR
In L&Poe:
2004 Mrz #86. NZZ-Zeitschriftenlese 1: Deutsch nach Auschwitz
2005 Jul #29. Findekunst
2007 Mrz #168. Elazar Benyoëtz 70
„Die Phrasen galoppieren durch das Land / als gäbe es keine Bangigkeit mehr“, schrieben Sie Anfang der 70er Jahre nach einer Schriftstellertagung. „Man kann nur versuchen, / manchmal ein paar Worte zu sagen, / damit es für Augenblicke / wieder still wird.“ Das klingt leicht hingesagt und ist vollkommen konzentriert. Das Ganze erscheint im Rückblick als ein langer Weg lebendiger Kontinuität auf schwankendem Boden. / Uwe Pörksen, Badische Zeitung 26.8.
Zum 80. Geburtstag des Lyrikers Walter Helmut Fritz erscheint endlich sein Gesamtwerk, berichtet Die Welt.
Walter Helmut Fritz: „Werke in drei Bänden“. Hrsg. von Matthias Kußmann. Erster Band: Gedichte, Prosagedichte. 538 S.; Zweiter Band: Romane, Prosa. 640 S.; Dritter Band: Hörspiel, Theaterstück, Aufsätze. 412 S. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009. Subskriptionspreis bis 31.1.2010: zus. 99,– €; danach 128,– €.
Mehr: FAZ 26.8. (Wulf Segebrecht) / Poetenladen (Theo Breuer)
In L&Poe:
2001 Feb # Erb über Kirsten
2001 Apr # Dichter erklären Dichtung
2002 Apr # In der Frankfurter Anthologie
2003 Sep # Zum Tod von Rainer Malkowski
2006 Apr #25. «Botschaften noch im Staub»
2007 Aug #70. Antiberlin
2008 Jan #2. Ö1 Radiokolleg – Nachrichten aus der Nussschale
2008 Mrz #50. Aller guten Jahrbücher sind drei … oder Des Guten zuviel?
2008 Dez #33. Liebesgedichte von Walter Helmut Fritz
2009 Jan #84. Odeur de feu – Deutsche Lyrik in Kanada
2009 Aug #108. Dieser Tag leuchtet
Ist das angekündigte Ende des Ammann-Verlages typisch für unsere Zeit? Egon Ammann verneint dies, jedoch fügt sich seine Geschäftsaufgabe passgenau in den von Umbruch gezeichneten Buchmarkt. / Joachim Güntner, NZZ 24.8.
Gegenläufiges hört man von den Rätoromanen:
Die rund 50 rätoromanischen Autorinnen und Autoren bekommen einen professionell geführten Buchverlag. Die «Chasa Editura Rumantscha» in Chur ist ein Gemeinschaftswerk der Kulturstiftung Pro Helvetia, des Kantons Graubünden und des Sprachverbandes Lia Rumantscha. / NZZ 24.8.
Madrid — Die Angehörigen von Federico García Lorca haben sich mit der Exhumierung des 1936 unter der Franco-Diktatur getöteten spanischen Dichters einverstanden erklärt. Die Zeitung „El País“ berichtet unter Berufung auf die Nichte des Dichters, Laura García Lorca, die Familie werde nichts gegen die Öffnung des Grabes unternehmen, in dem auch die sterblichen Überreste zweier anarchistischer Stierkämpfer und eines Lehrers vermutet werden. / AFP
Neueste Kommentare