49. Joseph-Breitbach-Preis für Ursula Krechel

Joseph Breitbach war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein vermögender Geschäftsmann. Den Büchnerpreis hat er nie bekommen, was solls: aus seinem nachgelassenen Vermögen wurde ein viiiiiel besser bezahlter Preis gestiftet, 120.000 DM waren es am Anfang (Büchner, mit 3.000 gestartet, liegt heute bei 40.000 Euro). Meldung aus dem Standard vom 3.9.:

Die Schriftstellerin Ursula Krechel, 61, erhält den diesjährigen Joseph-Breitbach-Preis für ihr literarisches Gesamtwerk. Die gebürtige Triererin, die heute in Berlin lebt, wird die mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung am 25. September in Koblenz entgegen nehmen, teilte die Stadt Koblenz am Donnerstag mit.

In L&Poe:

2004    Mrz    #88.    neuedichte
2004    Sep    #95.    Festival Basler Art
2005    Sep    #53.    Vater Krieg
2005    Sep    #89.    Sie hats nicht begriffen
2005    Okt    #15.    Ich und die Musik
2006    Feb    #93.    Büchermarkt
2006    Mai    #5.    Romantik heute in Stuttgart
2006    Jul    #34.    «Mittelwärts»
2007    Jan    #53.    Sprache im technischen Zeitalter 180, Dezember 2006
2007    Apr    #38.    Sprache im technischen Zeitalter
2007    Aug    #5.    Neue bei lyrikline.org
2007    Dez    #33.    Breuers Schneisen im LiteratUrwald
2008    Mrz    #73.    Poesie ist Kulturgut – weltweit!
2008    Mrz    #86.    Kling!
2008    Apr    #3.    Von außen ins Innere geblickt
2008    Jun    #53.    Der Dichter aus der Nachbarschaft: Poets’ Corner
2008    Aug    #63.    Stolterfoht zum Lyrikjahrbuch
2009    Mrz    #62.    Verlag Das Wunderhorn / Künstlerhaus Edenkoben
2009    Mrz    #115.    Ob es einen deutschen Surrealismus gibt
2009    Mai    #80.    Joseph-Breitbach-Preis für Ursula Krechel
2009    Jun    #79.    Kunstpreis Rheinland-Pfalz an Ursula Krechel
2009    Aug    #17.    open mike: Die Jury steht fest

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48. «Letzte Gedichte»

Es ist sicherlich eine gewagte Entscheidung des Herausgebers, Michael Hamburgers jüngst auf Deutsch erschienenen Band als «Letzte Gedichte» zu betiteln, denn ins bloss Faktische spielt zwangsläufig auch die Aura des Vermächtnisses hinein, des finalen, noch vorm Tod geäusserten Willens und Wortes. «Letzte Gedichte» enthält sämtliche Texte aus Hamburgers letzter Publikation, «Circling the Square» (2007), und darüber hinaus alle bis zu seinem Tod im Juni 2007 geschriebenen Gedichte und ist somit tatsächlich der Abschluss eines der grossen, unabhängigen, aufrichtigen Dichtwerke des zwanzigsten Jahrhunderts.

Das Alter und die Tücken des Alterns werden von Hamburger immerfort thematisiert, ein Nachlassen der dichterischen Imagination ist indessen an keiner Stelle zu spüren. Mit traumwandlerischer Sicherheit und einer leicht ironisch distanzierten Gelassenheit registriert der Dichter die zunehmenden Gebrechen und die abnehmende Lebenszeit und sieht zugleich darin «Dieses Wunder: Wieder aufzustehen, / Täglich, mit dem ersten Licht, / Um diese Winterluft zu lieben, / Prall vom verringerten Mehr». Hamburgers Klagen sind Elegien in unmittelbarer Nachbarschaft zum Preislied, jede Weinerlichkeit ist ihnen vollends fremd.

Bis zum Schluss ist Hamburger ein scharfzüngig kritisierender Moralist gegenüber einer sich in Schwund und Borniertheit tummelnden Gesellschaft geblieben. Einmal ruft er laut und deutlich: «draussen / Ist alles Hektik, Manipulation, / Von den Erfindern der Zeit / <Nachrichten> und <Geschichte> genannt», dann wieder bedauert er mit stiller Melancholie den Wandel zum Schlechteren: «Unser Dorfladen und die Post / Genauso Dinge der Vergangenheit, / Der wöchentliche Bus wird eben abgeschafft.» / Jürgen Brôcan, NZZ 8.9.

47. Robert Gray

Robert Gray kam erstmals 2003 nach Deutschland, um an einem von der literatur WERKstatt Berlin initiierten Übersetzerprojekt teilzunehmen, bei dem australische und deutschsprachige Lyriker gegenseitig ihre Gedichte übersetzten, was später in der im DuMont Verlag erschienenen Anthologie „Hochzeit der Elemente – Zeitgenössische australische Dichtung“ dokumentiert wurde. Es gibt viel ungezähmte Natur in der Poesie des fünften Kontinents, und Robert Gray, dem sein Landsmann Les Murray „allergenauestes Wahrnehmungsvermögen“ konstatierte, stellt da keine Ausnahme dar. Seine Sprache, so sagt er, sei „ein Dialekt des Regens“. Die genaue und sinnliche Beschreibung der Dinge, auch der Natur-Dinge, steht im Zentrum seines Schreibens. Rätselhaft muten die ersten vier Zeilen aus einem Gedicht von Robert Gray an: „Es dreht seinen Kopf wie ein Mannequin / zu der Wellblechhütte / und hält die Vorderpfoten / wie zum Fesseln hin.“

Kein lyrisches Ich stellt sich dem Känguruh hier in den Weg. Der hier spricht, verharrt wohl eher im Schatten einer Hütte und zeichnet auf, was ihm da vor Augen tritt- ohne metaphorischen Überschwang, aber mit äußerster Genauigkeit. Er „schreibt“ das Känguruh, dessen Ohren für ihn „wie Zinken“ sind, am Ende des Gedichts flitzt es „gekrümmt“ davon, „zwischen Strünken und Gestrüpp, in die Dämmerung.“ / Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten  8. 9.

Am 10. September 2009 kommt Robert Gray als Gast der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforum Dresden ins Hygienemuseum und wird dort aus seinen Büchern lesen sowie mit Patrick Beck über seine dichterische Arbeit sprechen. Karten: 6 / 3 Euro.

Am 11. September liest er bei der Poetry Night III des Internationalen Literaturfestivals Berlin in der Seitenbühne des Berliner Festspielhauses.


46. American Life in Poetry: Column 233

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Diane Glancy is one of our country’s Native American poets, and I recently judged her latest book, Asylum in the Grasslands, the winner of a regional competition.  Here is a good example of her clear and steady writing.

Indian Summer

There’s a farm auction up the road.
Wind has its bid in for the leaves.
Already bugs flurry the headlights
between cornfields at night.
If this world were permanent,
I could dance full as the squaw dress
on the clothesline.
I would not see winter
in the square of white yard-light on the wall.
But something tugs at me.
The world is at a loss and I am part of it
migrating daily.
Everything is up for grabs
like a box of farm tools broken open.
I hear the spirits often in the garden
and along the shore of corn.
I know this place is not mine.
I hear them up the road again.
This world is a horizon, an open sea.
Behind the house, the white iceberg of the barn.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Copyright ©2007 by Diane Glancy, whose novel The Reason For Crows, is forthcoming from State University of New York Press, 2009. Poem reprinted from Asylum in the Grasslands, University of Arizona Press, 2007, by permission of Diane Glancy. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

45. Lyrikmeister MV

(Übernahme vom Ostseeblog – die Medien und auch die Veranstalter lassen sich Zeit!)

Die 12. Lyrikmeisterschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die traditionell in Rostock stattfindet und vom Literaturhaus ausgerichtet wird, haben letzten Samstag die DichterInnen aus der Gegend ausgetragen.

Der erste Preis ging an Anna Wolf, die für ihren experimentellen Ansatz und ihre (Wort-)Bilder gelobt wurde, der zweite Preis ging an Knuth Wolfgramm, der für seine Gedichte in einer überzeugenden „klassisch“ gebauten Form geehrt wurde. Wir freuen uns schon, die Gedichte in geschriebener Form selbst lesen zu können.
Der dritte Preis ging an Carlo Ihde. Er überzeugte schon letztes Jahr – damals wurde ihm der erste Preis und der Publikumspreis zugesprochen – durch sein souveränes und witziges Sprachspiel und seine Performance. Auch dieses Jahr bekam er vom Publikum viel Beifall. Wir gratulieren allen Gewinnern.

Ansonsten: Anders als letztes Jahr, als Jury und Publikum weitgehend in ihrer Einschätzung übereinstimmten, fielen die Entscheidungen der Jury und des Publikums dieses Mal in weiten Teilen unterschiedlich aus. Hoch in der Gunst des Publikums (an zweiter und dritter Stelle) standen Silvio Witt und Miriam Naveera, die nicht nur mit ihren Texten, sondern auch mit ihrer Performance begeisterten und einen guten Kontakt zum Publikum hatten. Der Publikumspreis ging an Odile Endres, die dem Publikum dafür herzlich dankt.
Wir freuen uns, dass wir euch einige der vorgetragenen Texte im Ostseeblog präsentieren können – sofern sie bei uns eintreffen.
Dann könnt ihr euch zumindest von den Texten selbst ein Urteil bilden – die Performance muss man selbst erlebt haben!
Falls ihr was kommentieren wollt in diesem Blog, lasst euch nicht davon abhalten.

In L&Poe:

2004    Jun    #80.    Lyrikmeister
2005    Jun    #54.    „Heraus, Meister des Wortes!“
2006    Aug    #114.    Lyrikmeister in Rostock
2007    Jul    #81.    Lyrikmeister MV gesucht
2007    Sep    #12.    Bierernst
2008    Sep    #25.    11. Rostocker Lyriknacht

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44. 1. subkulturelles literaturfestival berlin

vom 8. bis 18. September 2009 findet das 1. subkulturelle literatur-
festival berlin statt, veranstaltet von der Epidemie der Künste, der
Zeitschrift floppy myriapoda, dem Verlag Distillery, der Buchhandlung
Straßenschaden und gefördert durch die Kulturstiftung des Hundes.

—- „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der
erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer
ist nicht mehr.“ – Kommt und hört, „denn die Zeit ist nahe“.
(zit. n. Offb 21, 22)

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Dienstag, 8. September 2009, 20:30 Uhr, Schillingbar:

—- VIER IM ROTEN KREIS

Die 4. Staffel der neuen Neuköllner Leseveranstaltung mit Eversoon,
Knofo, Dock Pole und Wolle – diesmal mit floppy-myriapoda-Appendix,
featured by Helko Reschitzki und Kai Pohl: Schweine und Menschen sind
enge Verwandte – diese recht aktuelle Erkenntnis der Genetik ist in
der Sprachwissenschaft ein alter Hut! Außerdem: „Aus dem Leben eines
Taugenichts“, „Flüchtige Verbindungen“ und akute „Koliken der Logik“.

Schillingbar, Weserstraße 9, Ecke Reuterstraße, U8 Hermannplatz

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Freitag, 11. September 2009, 20:30 Uhr, Straßenschaden:

—- DIE ÜBLICHEN UMNÄCHTIGTEN

Das neu erschienene Heft 12 der floppy myriapoda wird vorgestellt
von Ann Cotten, Ralph Gabriel, Florian Günther, Andreas Hansen,
Thomas Heger, Bert Papenfuß, Kai Pohl, Helko Reschitzki, Scheiffele,
Su, Silka Teichert, HEL ToussainT und anderen. Mit ACID-Auktion und
Plünderung des Medizinschränkchens.

Straßenschaden, Christinenstr. 3, Ecke Torstr., U2 Rosa-Luxemburg-Platz

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Mittwoch, 16. September 2009, 19:00 Uhr, BAIZ:

—- ES IST DOCH BLOSS GELD!

Grundlose Bedingungen im Zeitalter unbegrenzter Möglichkeiten.
Eine Lesung zur Woche des Grundeinkommens mit Ann Cotten, Ralph
Gabriel, Katrin Heinau, Viktor Kalinke, Annette Kaut, Kai Pohl,
Helko Reschitzki, Julia Trompeter und anderen.

BAIZ, Christinenstraße 1, Ecke Torstraße, U2 Rosa-Luxemburg-Platz

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Freitag, 18. September 2009, 13-18 Uhr, Berlin:

—- MAUER-SCHLUSS. Die BRDigung des DDRon.

Eine Lesetour vom Alexanderplatz nach Marzahn, zur Gedächtniskirche
und zum Kino International, auf der Autorinnen und Autoren der
12-Eurocent-Chrestomathie, herausgegeben von Rethe, Schlitz und Stone
in der Epidemie der Künste, das nunmehr als Populärausgabe im Verlag
Distillery erscheinende Buch vorstellen.

Berlin, genaue Orte und Zeiten werden bekanntgegeben

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Epidemie der Künste: http://edk.pappelschnee.de
floppy myriapoda: http://www.floppymyriapoda.de
Verlag Distillery: http://www.distillerypress.de

floppy myriapoda
Subkommando für die freie Assoziation
–> http://www.floppymyriapoda.de

43. Ehrenprofessur für Doris Runge

Doris Runge verwandelt ihre Gedanken und Erfahrungen in Worte – den wichtigsten Rohstoff der Dichterin. „Eine schlimme Zeit“ nennt sie diese Phase des Übergangs: „Ich muss vom Sammeln lassen und mit der Umwandlung meiner Wahrnehmungen in Sprache beginnen.“ Schließlich soll im kommenden Jahr ein neuer Gedichtband erscheinen, der Vertrag ist bereits unterschrieben.

Man sieht ihr die Strapazen der Wortfindung allerdings nicht an, dieser freundlichen Frau mit den großen, ausdrucksstarken Augen. Doris Runge sitzt auf der Balkonterrasse des Weißen Hauses in Cismar, ihrem Domizil seit über 30 Jahren. Hier lebt und arbeitet sie, hier sind diese präzisen und mehrdeutigen Wort-Kunstwerke entstanden, für die ihr am Sonnabend von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen die Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein verliehen wird. / shz.de

42. Kleiderordnung

Die sudanesischen Behörden haben die Journalistin Loubna Hussein, die zu 40 Peitschenschlägen wegen Tragens von Hosen verurteilt wurde, an einer Reise nach Beirut gehindert. Sie wollte an einer Sendung des arabischen Satellitenkanals MBC teilnehmen. „Sie sagten mir, es gebe einen Beschluß vom 7. August, der mir Auslandsreisen verbiete. Ich fragte nach einem schriftlichen Dokument, aber sie konnten es nicht vorlegen“, sagte sie.
Sie wurde im Juli in einem Restaurant in Khartoum zusammen mit 12 weiteren Frauen verhaftet, weil sie Hosen trug, was nach Ansicht der Behörden „unanständig“ sei. Artikel 152 des sudanesischen Strafgesetzbuchs sieht 40 Peitschenhiebe für jedermann vor, der (oder die) „eine ungebührliche Handlung verübt oder eine Handlung, die die öffentliche Moral verletzt oder der ungebührliche Kleidung trägt“. / Ennaharonline/ M. O.
Loubna Hussein kämpft gegen dieses Gesetz, das nach ihrer Ansicht gegen die im nördlichen Sudan geltende Scharia verstößt.
Mehr: iamloubna.com (engl./arab.) / Liberation 9.7. (frz.)

In der frühen DDR hält die Schülerin Ingrid Babendererde eine Rede, in einem Roman von Uwe Johnson. Darin geht es um Hosen und um Recht, ich zitiere:

Wir können ja wohl nicht alle Herrn Siebmanns Anzug tragen, wir mögen uns auch nicht alle so benehmen wie er. Ich bin also dafür dass Eva Mau ihre Hosen tragen dürfen soll. Wer sie dann nicht leiden mag kann ja wegsehen.

Der Vorschlag wurde nicht angenommen, der Roman niemals gedruckt in dem Land. Dafür existiert es auch nicht mehr.

41. Lyrik aus der DDR

Lieber Michael Gratz,

in einem schweizer Antiquariat stieß ich auf einen Band, der mich an die kürzliche Diskussion um die Anthologie „100 Gedichte aus der DDR“ denken ließ: „Lyrik aus der DDR“, 1973 bereits herausgegeben von Gregor Laschen. […]
Ein Blick ins und mittels Internet(s) beweist natürlich schnell, dass derartige Sammlungen auf dem Büchermarkt keine Einzelgänger waren. Interessant: dieser Tage erscheint bei S.Fischer eine Anthologie, die mehr Raum bieten wird:
„Lyrik der DDR“, herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold und Hermann Korte. [Zwei da und dort nicht ganz unkonservativen Zeitgenossen].

Kurzbeschreibung
500 Gedichte von 180 Lyrikerinnen und Lyrikern der DDR: Diese umfassende und repräsentative Sammlung dokumentiert im chronologischen Längsschnitt die vielstimmige Geschichte der DDR-Lyrik. Sie beschränkt sich dabei nicht nur auf die Jahre der Existenz der DDR von 1949 bis 1990, sondern beginnt schon 1945 und gibt darüber hinaus einen Überblick über das erste Jahrzehnt nach der Maueröffnung (»DDR-Lyrik nach dem Ende der DDR«). Es ist ein »starkes Stück« deutscher Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur, nicht nur in politisch-weltanschaulicher Hinsicht, sondern vor allem auch ästhetisch: In den Blick gerät ein breites Spektrum lyrischer Genres, Schreibweisen, Sprachstile, Themen und Positionen, das nicht vergessen werden sollte.
[Quelle: http://www.amazon.de]
Projektbeschreibung: www.uni-siegen.de/fb3/lidi/projekte/lyrik_der_ddr/?lang=de

Mal schauen, was das ergibt. Bei Laschen gab es, wenn ich mich nicht irre, nur zwei Frauen unter (geschätzt 25 Männern): Kirsch und Erb. Ein Defizit, das die Sammlung von Buchwald und Wagenbach mit anderen Defiziten parierte.
Nun also 180 AutorInnen: da sollte man ja eigentlich nichts falsch machen können. Höchstens zuviel.

Weiterführende Lektüren (spontane Auswahl einiger Standards):

[In diesem besseren Land. Gedichte der Deutschen Demokratischen Republik seit 1945. Mitteldeutscher Verlag 1966.]
[Michael Hamburger [Hg]: East German Poetry. Carcanet 1972.]
Peter Geist [Hg]: Ein Molotow-Cocktail auf fremder Bettkante. Lyrik der siebziger/achtziger Jahre von Dichtern aus der DDR. Reclam Leipzig 1997.
Die Eigene Stimme: Lyrik Der DDR. Herausgegeben von Ursula Heukenkamp, Wulf Kirsten und Heinz Kahlau. Aufbau 1988.
Berührung ist nur eine Randerscheinung. Herausgegeben von Elke Erb und Sascha Anderson. Kiepenheuer und Witsch 1985.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13516508.html

Sodann

Gerd Labroisse: Im Blick Behalten. Lyrik der DDR. Neue Beiträge des Forschungsprojekts DDR-Literatur an der Vrije Universiteit Amsterdam (German Monitor, 32). Editions Rodopi 1994.
Einige Inhalte hier zu verfolgen.
Dort, auf den Seiten 122 und 123, wird ein Autoren-Kondensat aus in vier wesentlichen Anthologien vertretenen LyrikerInnen dargestellt.
Heißt: Kurt Bartsch, Ulrich Berkes, Volker Braun, Heinz Czechowski, Gabriele Eckart, Adolf Endler, Elke Erb, Harald Gerlach, Peter Gosse, Christiane Grosz, Uwe Grüning, Heinz Kahlau, Rainer Kirsch, Wulf Kirsten, Günter Kunert, Dieter Mucke, Walther Petri, Richard Pietraß, Andreas Reimann, Jürgen Rennert und Paul Wiens.

Herzlich, Ron Winkler

40. 3. tEXTRAbatt: Text und Kunst

Nach der Sommerpause wird die Lesebühne tEXTRAbatt wieder aktiv. Am 08. September um 19 Uhr bringt das tEXTRAbatt-Team (Odile Endes, Silke Peters und Irmgard Senf) neue Texte auf die Bühne, wie gewohnt im Speicher am Katharinenberg in Stralsund. Als Gäste werden Gunther Lampe und Ines Baumgartel erwartet.

Aber nicht nur die Wortkunst wird im Mittelpunkt dieses Abends stehen, sondern auch die Bildkunst. Denn die besten Workshop-Ergebnisse des zweiten internationalen Skizzenfestivals in Stralsund sind zur Zeit im Speicher zu sehen – und die Sonnenmacher werden zur Medissage durch die Ausstellung des Skizzenfestivals führen. Freier Eintritt zu freiem Text und freier Kunst.

tEXTRAbatt gibt es jeden zweiten Dienstag im Monat im Speicher am Katharinenberg 35 in Stralsund.

http://www.textrabatt.de

http://textrabatt.blogspot.com

39. Hanser goes Scheich

Der Carl Hanser Verlag aus München brachte vor kurzem eine 88 Seiten umfassende Anthologie in deutscher Sprache mit ausgewählten Gedichten von Dubais Herrscher Scheich Mohammad Bin Rashid Al Maktoum auf den Büchermarkt. Initiiert wurde diese Aktion vom bekannten deutschen Dichter und Vorsitzenden des Berliner Literatur Festivals Joachim Sartorius. Die arabische Welt bildet in diesem Jahr den Schwerpunkt des vom 9. bis 20. September dauernden Festivals, da diese Literatur* bisher kaum außerhalb ihres Herkunftslands verlegt bzw. gelesen wird.  …

Die nun vom Carl Hanser Verlag ins Deutsche übersetzte veröffentlichte [sic] Sammlung “In der Wüste findet nur der Kluge den Weg” handelt von Scheich Mohammad Bin Rashid Al Maktoum [sic] Liebe zu seinem Land und der Welt der Beduinen. Wer vor dem Kauf des Buchs zunächst Gedichte des poetischen Herrschers Scheich Mohammad Bin Rashid Al Maktoum im Internet nachlesen möchte, findet unter www.sheikhmohammed.co.ae eine reichliche Auswahl allerdings in englischer Sprache. / Myriam Alexowitz, Dubai Report

Weiter erfahren wir in dem Artikel,  der Herrscher mache „neben der Falknerei und Pferdezucht … nun auch seit ein paar Jahren als Lyriker von sich reden“, was wir jetzt mal sprachlich nicht genauer untersuchen wollen; er sei ganz der beduinischen Tradition verpflichtet und „Die Thematik in den Gedichten des Scheichs ist breit gefächert“ usw. Aha! Aha!

Hier sehen Sie, daß die herrscherlichen Interessen auch kombiniert auftreten, nämlich wenn der Herrscher eine Ode auf den Sieg des Herrschers beim Pferderennen schreibt, Zitat:

Horses by their riders ruled
None controls a leader but a leader

Goethe drückt das so aus:

Gebt ihr euch einmal für Poeten
So kommandiert die Poesie

* Die arabische oder die scheichliche?

38. Erzdruide gestorben

Dic Jones, der im Alter von 75 Jahren starb, war einer der wichtigsten walisischen Autoren der letzten fünf Jahrzehnte. Zum Zeitpunkt seines Todes war er der Erzdruide (Archdruid) von Wales, der dem jährlichen National Eisteddfod vorstand, aber zugleich war der Barde Bauer im westlichen Wales. „Die Landwirtschaft ist mir Brot und Butter – die Lyrik die Marmelade aufs Brot“, pflegte er zu sagen, auch wenn seine Anhänger die Lyrik für seine wahre Berufung hielten.
Beim Bearbeiten seiner 80 Acre großen Farm in Blaenannerch bei Cardigan kamen Jones, dessen Bardenname Dic yr Hendre war, die besten Einfälle. Prosafetzen wurden in ein Notizbuch gekritzelt oder auf die Wände des Kuhstalls beim Melken.
Seine Meisterschaft beim Schreiben von cynghanedd, der einzigartigen walisischen Versform mit aufeinanderfolgenden Alliterations- und Reimmustern sicherte seinen Gedichten, gleich ob epigrammatisch, elegisch oder komisch, Zuspruch von allen, vom Feldarbeiter bis zum professionellen Leser. / Guardian 2.9.

37. Hessisch-Sächsische Literaturtage

Lyrikabend mit Martina Hefter, André Schinkel, Marcus Roloff und Olaf Velte

Das Hessische Literaturforum im Mousonturm widmet sich anlässlich der „Hessisch-Sächsischen Literaturtage 2009“ den poetischen Gefilden beider Bundesländer und präsentiert vier DichterInnen der jüngeren Generation:

Olaf Velte, geboren 1960 in Bad Homburg, lebt als Landwirt und Poet in Wehrheim/Hessen. Er hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht, zuletzt Schindäcker rauhe Gärten (2008). Der große sächsische Lyriker Wulf Kirsten ist einer von jenen, die auf Veltes poetische Kraft aufmerksam gemacht haben.

Marcus Roloff, geboren 1973, ist eine der interessantesten lyrischen Stimmen, die das Frankfurter Literaturleben aktuell bereichern. Gedächtnisformate heißt sein neuester Gedichtband (2006). Er bietet Frankfurter Notate über das sibirische Workuta, das norddeutsche Ahlbeck oder den Berliner Club ‚Maria am Ostbahnhof‘.

Martina Hefter, 1965 im Allgäu geboren, lebt seit 1997 in Leipzig. Im vergangenen Jahr wurde zwar ihr neuer Roman Die Küsten der Berge stark beachtet, aber diesmal kommt sie mit Gedichten nach Frankfurt. Für ihre poetischen Arbeiten erhielt sie 2008 den Lyrikpreis Meran.

André Schinkel, geboren 1972 in Eilenburg, kennt sich, wie sein hessischer Kollege Olaf Velte, nicht nur mit der Tierhaltung, sondern auch mit der Haltung des Dichters zur Sprache aus. Nach einer Ausbildung zum Rinderzüchter wurde er Lyriker, zuletzt erschien Gedächtnisschutt (2008).

Moderation: Werner Söllner & Harry Oberländer

Ort: Literaturforum im Dritten

Zeit: Donnerstag 10. September, 20:00 Uhr

Eintritt: 6,-/3,-

36. Frankophoner Debütpreis

Im Jahr 2008 stiftete die neugegründete Fondation d’entreprise L-A Finances pour la Poésie [interessanter Name]
einen Preis für das beste frankophone Lyrikdebüt. Die Preissumme beträgt 5000 Euro. Der Preis wird in diesem Jahr zum zweitenmal verliehen – am 17.9. in der  Bibliothèque de l’Arsenal, 1 rue de Sully 75004 Paris. Sieben französische und kanadische Bände sind in der Vorauswahl:

•    Hector Ruiz, Qui s’installe ?, Éd. du Noroît, Québec, Canada, 2007
•    Nathalie Landreville, Regarder la lumière, Éd. du Noroît, Québec, Canada, 2007
•    Johanne Alice Côté, Mouvement d’indienne, Èd. Michel Brûlé, Québec, Canada, 2008
•    Joëlle Gardes, Dans le silence des mots, Éd. Amandier Poésie, Paris, 2008
•    François Maubré, La Tonnelle, Éd. Aspect, Nancy, 2008
•    Jean-Marc Sourdillon, Les Tourterelles, Éd. La Dame d’Onze Heures, Paris, 2008
•    Gilles de Obaldia, l’Herbe Haute, Maison de Poésie, Paris, 2008

Die Jury besteht aus frankophonen Lyrikern und Laien:

•    Suzanne de Bourgoing
•    Pierre Chappuis
•    Judith Chavanne
•    Michel Collot
•    Marie-Hélène Labbé
•    Jean-Pierre Lemaire
•    Pierre Oster

35. Gert Heidenreich

Wie schon Reiner Kunze erinnerte auch Gert Heidenreich am Mittwoch in der Kutschenhalle mit dem ersten Gedicht an Peter Horst Neumann, den Vater von „Lied & Lyrik“. Der im Juli überraschend verstorbene Direktor für Literatur an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste hat mit seinen Ideen viel zur Kultur in Oberfranken – zusammen mit der Friedrich-Baur-Stiftung – beigetragen. …

Er ist als Schriftsteller ein homme de lettre, ein Strebender nach der Universalpoesie der philosophischen Romantik. Zuhause in allen literarischen Genres, vom Roman und neuerdings auch dem Kriminalroman über Essays, Dramen, Drehbücher bis zur subjektivsten Form literarischen Ausdrucks – der Lyrik. Die im Augenblick entstehenden Gedichte, die er nach langem Ruhen- und Setzenlassen letztendlich der Öffentlichkeit zugänglich macht, sind wie seine frühen Gedichte „Lebensbeschreibungen“. Von seiner Geburtsstadt Eberswalde bis zu seiner letztlichen Heimat am Ammersee. / Peter Müller, Neue Presse Coburg