34. Blank Pages a performance

This weekend join the Blank Pages audio performances in Berlin

Blank Pages #7
Lieu/Place : Emitter19 – Kiefholzstrasse 19 – Berlin
Date : 05-09-2009 (Saturday)
Heure/Time : 2pm – 3pm
5 Participants
Participants : Jorge Antonio Martinez Sanchez – Nicolas/Lain Berger – Thomas Thiery – Pierce Warnecke – Felix Pfeifer

Blank Pages #8
Place : NK – Elsen str 52 – Berlin
Date : 06-09-2009 (Sunday)
Time : 5pm – 6pm
6 Participants
Participants : Stefan Tiedje – Renaud Rubiano – Barreiro Servando – João Pais – Duan Wasi – Dominik Tresowski

After the session all public is invited to come to have a drink and eat something while talking- this will be a great to chance to discuss sound, programming, gardening and stock investments.
A small snack will be provided but if you want to bring any of your personal culinary specialities we would be delighted!

The Blank Pages Performance is an improvisation involving live coding, where the participants are musicians and instrument makers at the same time.
The performances are never prepared and the participants do not necessarily know each other. Each participant has a station on which he creates a sound making program in real time using Pure Data or MaxMSP. These programming environments allow them to write and modify their code while continuing to produce sound and/or video. There is no computer connection between the stations : only listening to each other allows the participants to play together- the quality of the music produced is based on this central idea and it is each performer’s responsibility to listen as much as possible. This, the score, and the four points below are what guides the musician/programmers through the Blank Pages Performance.
1. The performance lasts one hour. This is the length redeemed sufficient to construct and develop a dialogue between the performers.
2. Each participant must use one of two programming languages written by Miller Puckette ; Pure Data or Max MSP. These programming environments were conceived for the real time creation and processing of data, sound
and video.
3. The musician/programmers must begin the performance with a blank programming page. They are therefore set in a situation of pure improvisation since even there instrument is non-existent at the beginning of the set.
4. It is strictly forbidden to load or save a file during the entire session.

More informations :
www.blankpages.fr

33. Wir Skurrilen

Skurrili leitet sich ab aus lat. Possenreißer, Spaßmacher. Früher nur für das Possenhafte und das Reißen von groben, plumpen Scherzen benutzt, wird es heute gleichgesetzt mit bizarrem, exzentrischem, verschrobenem, absonderlichem, kauzigem, eigenwilligem Verhalten, das als solches nur im Vergleich mit dem um es herum ablaufenden Normalen erkannt werden kann. – Weicht das skurrile Verhalten vom Normalverhalten zu weit ab – leidet also die betreffende Person und/oder ihre Umwelt unter diesem Verhalten, so ist – nach den Kriterien von Kurt Schneider – die Grenze zur Pathologie überschritten. Die Übergänge sind fließend. – Skurrilität per se ist nicht komisch oder lustig, da komisch oder lustig von verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich empfunden wird. Da Skurrilität aber für den Beobachter meist mit einem Überraschungseffekt verbunden ist (Erkennen eines Andersseins), kann dieser, analog zur überraschenden Pointe eines Witzes, erst Aufmerksamkeit und dann einen automatischen Lachreflex auslösen. (Wikipedia)
squirrel = absurd, quirky, bizarre, strange, comical, scurrile, ludicrous, whimsical.
„Quirrell“ wird englisch für Professor gebraucht. Quirrell = derived from „squirrel,“ a group of nervous, nut-eating rodents. Nickname for a troublemaker, from Middle English/Old French querel, meaning „complaint, accusation“.
Für mich ist das Eichhörnchen, squirrel, unser nächster Verwandter, Käuzchen, – wir Skurrilen! Altgriechisch hat das Eichhörnchen als Bezeichnung = „der sich selbst Schatten gibt“, weil es sich den buschigen langen Schwanz über den Rücken klappen kann, wenn ihm die Sonne zu sehr zusetzt.

/ Wilhelm Fink

32. Noch einmal Kürze

So in etwa läuft ein Abend mit [Marco] Tschirpke ab. Seine Texte sind kurze Gedichte, Limericks, zu Reimen gegossene Gedanken, manchmal nur wenige Sekunden lang, höchstens mal eine Minute. Tschirpke kündet für den Abend „100 Lieder und Gedichte“ an.

Viel, mag der ein oder andere denken. Ein Gedicht mit dem Titel „Ich werde Vater“ stellt Tschirpke vor, seine Mimik und Gestik sorgt schon für Gelächter. „Ich werde Vater! Sagen können, er wird, Opa“. / Südkurier

31. Vorzug der Unberühmtheit

Sie war eine eher unscheinbare Frau und doch eine ungemein starke Persönlichkeit. Als Alice Steinmann im Januar 2008 im Alter von fast 100 Jahren starb, endete mit ihr das jüdische Leben in Arnsberg.

Nun erinnert ein ungewöhnliches Buch an ihr ungewöhnliches Leben, dessen Titel von ihr selbst stammt: „Vom Vorzug der Unberühmtheit”.

Es sind vor allem Gedichte, die Alice, genannt Alisa, Steinmann im Lauf ihres langen Lebens gesschrieben hat, und viele Fotografien aus der Kindheit, von den Eltern oder von ihrer besten Freundin. Dazwischen Dokumente wie eine Bescheinigung des Palästina-Amtes in Berlin, das nach der Schließung einer Scheinehe mit dem jüdischen Landwirt Ernst Otto Cohen aus Warendorf 1938 die Einreise dort ermöglichte. Gepäckzettel, Bescheinigungen, die jüdische Heirats-Urkunde und anderes ergänzen das Buch.

Die Gymnastiklehrerin und Hauswirtschafterin arbeitete bis 1942 in einem Kibbuz und lernte Ewald Steinmann aus Arnsberg kennen, der bereits 1933 von den Nationalsozialisten verhaftet und ausgewiesen worden war. Beide kehrten 1958 nach Arnsberg zurück. / Theo Hirnstein, WAZ 4.9.

30. Noch’n Gedicht

andernach liegt zwischen fluss und bach
ich hoffe du bist jetzt im bilde
ergreifst mein cello und hältst mich wach
ich führe dich heut nacht im schilde

empfindsamkeit ist nichts für holz
sie gilt den verborgenen stellen
deiner haut die ich noch immer stolz
entdecke unter baumwollfellen

in deinem zimmer liegen dicke
kissen im bett du wünschst benommen
dass ich den höhepunkt verschleppe

sagst nicht wohin doch ich nicke
beinah angekommen
auf der letzten stufe der kirchturmtreppe

Andreas Noga

29. Islamischer Modernist

Unter den Personen, die Pakistan zu seinen Gründervätern zählt, befindet sich auch ein Dichter: Muhammad Iqbal (1877–1938). Das ist nicht verwunderlich, denn in ganz Asien gilt das Gedicht als unmittelbarer Ausdruck der Bildung eines Menschen. Dazu war Iqbal ein bedeutender Philosoph des 20. Jahrhunderts. Individualität, freie Persönlichkeitsentfaltung und Leidenschaft für das Wohl aller sah er als Grundlage des Islam und war dabei in Kants, Hegels, Nietzsches und Bergsons Werk bewandert wie kein anderer islamischer Denker. Dies alles goss er in Verse, wurde so zum islamischen Gegenstück zu Tagore und nach seinem Tod zum Nationaldichter Pakistans. …

Der springende Punkt in Iqbals Philosophie der Selbstverwirklichung ist, dass sich nicht nur Individuen, sondern auch Völker selbst verwirklichen können, wodurch im Fall Britisch-Indiens die Kolonialherrschaft überflüssig wird. Denn die koloniale Ideologie beanspruchte, den «emotionalen» Indern rationale Wissenschaft und Technik zu bringen. Iqbal drehte diese Behauptung um, indem er erklärte, Werte seien nur emotional begründbar und dem Westen drohe der Untergang, wenn er nicht lerne, sich wie der Islam für Werte zu begeistern. Die Passion für moralischen Fortschritt im Sinn einer umfassenden Selbstverwirklichung nennt Iqbal «Liebe», die Heimat dieser Geisteshaltung war für ihn der Orient. Diese Auffassung wird in Pakistan auch heute noch oft vertreten.

Iqbal wurde in den Jahren der Krise nicht nur zum islamischen Modernisten, sondern auch zum Panislamisten. Da er in Europa sah, dass Nationalismus zu Kriegstreiberei führte, fand er eine alle Menschen einende, zu «Liebe», Moralität und Selbstverwirklichung führende Kraft im Islam. Die nächsten Gedichtbände sind 1923 die «Botschaft des Ostens» (deutsch von Annemarie Schimmel), eine Antwort auf Goethes «West-Östlichen Diwan», und eine Sammlung seiner Urdu-Gedichte, «Der Klang der Karawanenglocke», 1924 (deutsch in Auszügen in «Steppe im Staubkorn» von J. Christoph Bürgel).

In den nächsten Jahren ging Iqbal in die Politik und stellte 1928/29 seine Philosophie in den «Sechs Vorträgen zur Wiederherstellung des religiösen Denkens im Islam» dar. Zur Eröffnung des Jahrestreffens seiner Partei hielt er 1930 eine Rede, die in Pakistan rückblickend als die Geburtsstunde der Pakistan-Idee verstanden wird. Darin forderte er, die mehrheitlich islamischen Gebiete im Westen Indiens zu einer einzigen Provinz zusammenzuschliessen. Ob dies innerhalb oder ausserhalb Indiens geschehen soll, liess er offen. Er hätte die Schaffung Pakistans wohl begrüsst, wäre aber – wie so viele – sehr bald vom Regionalismus und vom mangelnden Willen zur Modernisierung enttäuscht worden. …

Iqbals Bedeutung für Pakistan, aber auch Afghanistan ist kaum zu unterschätzen. Alle, von den Taliban bis zu Feministinnen, zitieren ihn, und seine Forderung nach Selbstverwirklichung ist weiterhin eine Aufgabe für Pakistan. Gerade Aktivisten für Demokratie berufen sich auf ihn, so dass er für die Zukunft Pakistans weiter eine wichtige Rolle spielen wird. / Stephan Popp, NZZ 5.9.

Stephan Popp ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Iranistik der Universität Bamberg; 2007 erschien seine Studie «Muhammad Iqbal, ein Philosoph zwischen den Kulturen».

In L&Poe:

2001    Okt    #    Bitter Chill of Winter
2007    Okt    #80.    Petöfi auf Punjabi
2007    Nov    #40.    Iqbaltag
2009    Jun    #92.    Zwei große asiatische Dichter

28. Duo mit Jandl

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Christian Muthspiel gastiert mit der Performance „für und mit ernst“ im Rahmen der Ruhrtriennale im Landschaftspark [in Duisburg]

Mit neun Aufführungen hält die Ruhrtriennale in diesem Monat Einzug in den Landschaftspark Nord. Der österreichische Musiker Christian Muthspiel, der als Posaunist, Pianist, Komponist und Dirigent im Jazz, der improvisierten und Neuen Musik international tätig ist, gastiert heute und morgen (Beginn jeweils 20 Uhr) mit seiner Solo-Performance „für und mit ernst” in der Gebläsehalle.

Sie setzen sich in Ihrem Programm mit dem 2000 gestorbenen Wiener Dichter Ernst Jandl auseinander. Warum Jandl?

Christian Muthspiel: In Wien kommt man um Jandl nicht herum. Ich habe mit ihm einiges gemeinsam gemacht, Abende gestaltet. Jandl war ein großer Musik- und Jazzfan.

Sind seine Gedichte nicht auch Musik?

Ja, sie sind rhythmisch-melodische Konstruktionen, die durch ihre Reduktion wirken. Er hat immer wieder überprüft, was die Essenz ist. Sein kürzestes Gedicht „Spruch mit kurzem O” besteht aus zwei Buchstaben: So. / Anne Horstmeier, WAZ, 4.9.

(Das wäre auch meine Antwort auf eine Leserfrage zur Meldung vom August: 156. Automatisches Gedicht aus Twitter-Zeilen. Und das kürzeste, fragte der. Nur hätte ich gesagt: 3 Buchstaben. Bei Jandl steht nämlich: sso. 2 s 1 o bzw. scharfes s kurzes o, die Schreibweise ist eine Leseanleitung. Allerdings gibt es eine Überschrift: „spruch mit kurzem o“.)

27. Gedicht

DU WÄHLTEST LAUBSÄGEN ALS NEIGUNGSFACH,
Ich wünschte mir von dir ein Cello, Hilde,
Ein dünnes, rotes, wo liegt Andernach,
Nimm lieber Sperrholz, Schleifpapier und wilde

Empfindsamkeit, im Leimholz folgt die Säge
Nur blind und aufgebracht den Maserungen,
Die hellen Schnitte nehme ich in Pflege,
Du hast mir lange nichts mehr vorgesungen,

In deinem Zimmer stapeln sich die Bretter,
Ich müsste dich nach Helsinki verschleppen,
Nach Stockholm, wegen des Syndroms, wir nicken,

Du singst zu oft nobody does it better,
Die Wolken über den Konditortreppen,
Die dünnen Instrumente sind die dicken.

Thomas Kunst

26. Literaturtage Nordschwarzwald

Heute, am 4. September, eröffnen die „2. Literaturtage Nordschwarzwald“ mit einem Glanzlicht ersten Ranges. Peter Härtling, einer der bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller, wird das zehntägige Festival eröffnen. Der 1933 in Chemnitz geborene Härtling lebte viele Jahre im württembergischen Nürtingen und hat zahlreiche Romane, Erzähl- und Gedichtbände publiziert, zuletzt „Leben lernen“ (Erinnerungen, 2003) und „Das ausgestellte Kind. Mit Familie Mozart unterwegs“ (2007). Härtling liest in der Kreissparkasse Freudenstadt (Stuttgarter Strasse 31, Beginn 19.30 Uhr).

Über eine Woche lang, bis zum 13. September, bieten die „2. Literaturtage Nordschwarzwald“ literarische Vielfalt in der Region Freudenstadt und Baiersbronn. Nach dem großen Erfolg der Literaturtage 2007 werden wieder zahlreiche hochkarätige Schriftsteller aus ihren neuesten Werken lesen. „Nähe und Ferne“ ist als Motto gewählt – der Blick schweift sozusagen von den Schwarzwaldgipfeln in die Nachbarländer Schweiz, Österreich und Frankreich: Weitere Höhepunkte sind unter anderem Veranstaltungen mit Barbara Honigmann (F) und Klaus Merz (CH) sowie Wolfgang Hermann (A). Autorinnen und Autoren der Region werden ebenfalls mit dabei sein – Die „Wort-Dompteure“ lesen im Kurhaus Freudenstadt aus ihren Werken. Wie schon 2007 sind attraktive Leseorte auserkoren, so beispielsweise die Glashütte Buhlbach oder der Morlokhof (hier lesen die beiden Lyrikerinnen Tina Stroheker und Simone Hirth).

Neben klassischen Lesungen und einer langen Lesenacht wird wieder ein „Literaturmenue“ aufgetischt mit Schauspielern des Theaters Lindenhof und kulinarischen Genüssen; außerdem kann man bei einer Wanderung auf den literarischen Spuren des Dichters Heinrich Hansjakob flanieren. Unterstützt werden die diesjährigen Literaturtage insbesondere von der Kreissparkasse Freudenstadt, die 2009 ihr 175-jähriges Bestehen feiert, aber auch von den Touristikverbänden Freudenstadt und Baiersbronn und verschiedenen Stiftungen zur Förderung von Literatur. Mit organisiert wurden die „2. Literaturtage Nordschwarzwald“ von den beiden Lyrikern Walle Sayer (Horb) und Matthias Kehle (Karlsruhe).

Nähere Infos siehe:

http://literaturtage2009.de/

25. Knallbunt und krachdumm

Die NPD versucht mit antidemokratischen Tiercomics bei Schülern auf Stimmenfang zu gehen – die Moral darin ist so aggressiv, wie die Reime falsch sind

Der vorläufige Endpunkt, die Versklavung aller rechtschaffenen Enten, soll jene Mittel rechtfertigen, die als legitime Reaktionsweisen propagiert werden, den Hass und den Straßenkampf. Eine Ente begehrt auf, „ich hasse euch und euer Geschwätz vom ewigen Integrieren“, und wird – in Märtyrerpose gefällt sich der Nationalist – prompt von Richter Huhn verurteilt. Die Schwäne unterdessen organisieren im Nachbarland den Widerstand, indem sie den Hühnern tüchtig auf die Schnäbel geben: „Die Straße schallt vom Kampfgerenke, / die Hühner beugen sich unserem Argumente“.  / ALEXANDER KISSLER, SZ 26.8.

24. „wie nur das Verhältnis von Mann und Frau oder von Henze und Bachmann“

Ingeborg Bachmann, seiner intimen Freundin und Kollaborateurin, deren Gedichte er vertonte, so wie die Schriftstellerin den Komponisten ihrerseits mit Libretti versorgte, erzählte Hans Werner Henze einmal brieflich die Anekdote, wie Giuseppe Verdi nach schweren Schicksalsschlägen aus tiefster Depression zu neuem Leben erwachte: Der Intendant der Mailänder Scala wollte ihm für die laufende Saison noch unbedingt ein Opernlibretto aufdrängen, doch Verdi lehnte ab, wollte das Libretto nicht einmal lesen und warf es zu Hause wütend zu Boden. „Zwei Tage später, als er noch verzweifelter war, fiel sein Blick unversehens auf das nach wie vor am Boden liegende Libretto. Als er sich bückte, um es aufzuheben, sah er den Text eines Chores, der mit den Worten begann: ,Va pensiero, sull“ali dorate (Flieg“ Gedanke, mit goldenen Flügeln)“ – und beinahe unbewusst setzte er sich ans Klavier und komponierte diesen Chor, der heute eine Art Nationalhymne ist . . .“
Die Anekdote bezeugt den ambivalenten Status einer literarischen Textsorte, der gewöhnlich weder von Seiten des Publikums noch der Wissenschaft besondere Wertschätzung zuteil wird. Dabei ist der Weg vom Wort zum Ton, wie steinig und dornenreich auch immer, ein ästhetischer Urgrund aller Kunstübung, bereit für unerwartete Wendungen und überraschende Abenteuer. Doch so sehr die Worte und die Töne im Ursprung aller lyrischen wie dramatischen Kunst noch zueinanderfanden – alle Dichtung entstammt dem Gesang, auch die Texte antiker Tragödien wurden bei den Griechen gesungen -, so ist ihr Zusammensein, seitdem jede Geschwisterkunst ihre eigenen Wege geht, doch so prekär und problematisch geworden wie nur das Verhältnis von Mann und Frau oder von Henze und Bachmann. …

Bleibt die Gegenwart, die mit Dokumenten der Zusammenarbeit des Lyrikers Durs Grünbein und des Komponisten Johannes Maria Staud für die Oper „Berenice“ präsent ist. In einer Notiz des Librettisten heißt es, der „Urkonflikt zwischen Wort und Musik“ werde vom Text demonstrativ vorgeführt. Dieser Urkonflikt gleicht wieder dem Geschlechterkampf: Die Verse unter dem Titel „Entre nous“, die Grünbein auf die Rückseite eines Programmblatt kritzelte, sind dem Tonsetzer zugeeignet: „Hör zu: Ich mach, was du willst. / Wenn auch nicht alles. / Ich fress dir aus der Hand. / Das letzte Krümel bleibt dir. / Du komponierst diese Oper. / Ich werde dir hörig sein – soweit ich diese Töne wieder-erkenne.“

Die Drohung, den Liebesbund auch wieder aufzulösen, ist inbegriffen. / VOLKER BREIDECKER, SZ 26.8.

„Das Libretto. Vom kleinen Buch zur großen Oper“. Museum Strauhof, Augustinergasse 9, Zürich. Bis zum 6. September. Info unter http://www.strauhof.ch.

23. Andenken an Craig Arnold

Freunde und Familienangehörige trafen sich am Mittwoch zum Andenken an Craig Arnold, der im April bei einer Japanreise vermutlich ums Leben gekommen ist, meldet AP.

In L&Poe:

2009    Mai    #10.    Vermißt
2009    Mai    #35.    Suche geht weiter
2009    Mai    #41.    Craig Arnold vermutlich tödlich verunglückt

(alle alten Nachrichten sind über den Button „Archiv“ erreichbar – suchen Sie dort einfach die entsprechende Nummer)

22. Fernando Perez Talks Poetry

Major League Baseball player reflects on the role of poetry in his life

CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetry magazine, is pleased to announce that Tampa Bay Rays outfielder Fernando Perez is featured in the September issue of Poetry magazine. As a contributor to Poetry, Perez joins the varied ranks of non-poets—including singer Neko Case, actor Alfred Molina, psychiatry professor Kay Redfield Jamison, and Vanity Fair columnist Christopher Hitchens—who have recently written for the magazine about the place of poetry in their lives.

Perez is a graduate of Columbia University in New York City, where he received a degree in American studies and completed the creative writing program. He joined the Tampa Bay Rays in 2008 and was one of six Ivy Leaguers to be appointed to the roster of Major League Baseball teams in the 2009 season. A longtime reader of contemporary poetry, Perez has named Robert Creeley and John Ashbery among his favorite poets.

Perez says he turns to poetry when he’s „after displacement, contrast“ from the game of baseball. „The thick wilderness,“ he continues, „of, say, late Ashbery can wrangle with the narrowness of competition.“

Created with the belief that not only should poetry have a wider audience, but the range of people writing about poetry should be diverse, Poetry’s occasional special feature The View from Here this month includes short essays from Brenda Starr writer Mary Schmich and writer William T. Vollmann. Vollmann, like Perez, reminds readers of poetry’s role in opening minds.

With their distinct backgrounds, contributors to this month’s issue of Poetry also connect to poetry in individual ways. They may see poetry as an aid in professional life, as chief judge of the U.S. Court of Appeals for the Second Circuit Dennis Jacobs states: „My long interest in poetry has yielded a respect for the language that people should employ when they undertake to speak the law.“ Or they may regard it, as music and comic book critic Douglas Wolk says, „as a sort of chisel to break my brain open.“ Alternatively, poetry can be greeted as a departure from the daily grind.

Poetry’s September issue also includes new poems by Samuel Menashe, Belle Randall, Don Paterson, Lucia Perillo, Atsuro Riley, Desirée Alvarez, Sandra McPherson, Spencer Reece, Malachi Black, and Dan Beachy-Quick, as well as prose and criticism by Ange Mlinko and Michael Hofmann.

* * *
About Poetry Magazine
Founded in Chicago by Harriet Monroe in 1912, Poetry is the oldest monthly devoted to verse in the English-speaking world. Harriet Monroe’s „Open Door“ policy, set forth in volume 1 of the magazine, remains the most succinct statement of Poetry’s mission: to print the best poetry written today, in whatever style, genre, or approach. The magazine established its reputation early by publishing the first important poems of T.S. Eliot, Ezra Pound, Marianne Moore, Wallace Stevens, H.D., William Carlos Williams, Carl Sandburg, and other now-classic authors. In succeeding decades it has presented—often for the first time—works by virtually every significant poet of the 20th century.

21. Zensor und UNESCO-Chef?

In wenigen Wochen sind Unescowahlen, und es besteht die Chance (oder für einige die Gefahr), daß der ägyptische Kulturminister Faruq Hosni zum Generaldirektor gewählt wird. „Antisemitisch oder Pro-Israel?“ titelt AFP. Als Kulturminister in den letzten 22 Jahren habe er die volle Normalisierung zwischen Ägypten und Israel abgelehnt, solange es keinen Friedensvertrag mit den Palästinensern gebe. Als UNESCO-Chef aber wolle er für eine Annäherung in der Region ohne Ausnahme eintreten. Zu Hause wiederum wird ihm ein weicher Ton im Umgang mit Israel vorgeworfen.
Umstritten ist seine Eignung für das Amt auch wegen innerer Fragen in seinem Amtsbereich. Als Kulturminister sei er nämlich auch der oberste Zensor seines Landes und von fürchterlicher Effektivität, schreibt agoravox. Er habe zahlreiche Bücher verboten, die die Sicherheit des Landes aufs Höchste gefährdeten. Auf der Kairoer Buchmesse 2008 wurden vier ins Arabische übersetzte Romane von Milan Kundera verboten – der libanesische Verleger durfte sie nicht mit nach Ägypten bringen, sie wurden beschlagnahmt und ihm nicht zurückgegeben. Ähnlich ging es mit Büchern von Mohamed Choukri, der in mehreren arabischen Ländern verboten ist. Der in Deutschland beheimatete Verleger al-Jamal nennt mehrere seiner Werke, die verboten wurden, darunter Paul Bowles: le Reclus de Tanger, La tente, La séduction du merle blanc. Im Jahr zuvor war u.a. „Alexis Sorbas“ von Nikos Kazantzakis betroffen. Dem Artikel ist eine lange Liste von Repressalien aus dem 20. Jahrhundert beigefügt, darin verbotene, verfolgte, ermordete oder hingerichtete Lyriker.

20. Nürnberger Podcast

Unter dem Titel «Wir sprechen uns» präsentiert die Regionalgruppe Mittelfranken des Verbands Deutscher Schriftsteller (VS) einen Podcast, der über den Kultur- und Bildungsserver der Stadt Nürnberg kostenlos abrufbar ist. Im Monat September ist die Lyrikerin Ingrid van Biesen in dieser Reihe zu hören. Sie liest Gedichte aus ihrer Veröffentlichung «im zwischenlicht der zeit». Die Autorin, die Germanistik und Gesang studiert hat, wurde 1937 in Lambsborn/Westpfalz geboren und lebt und arbeitet heute in Hersbruck.

Für Oktober haben die rührigen Schriftsteller auch schon Pläne: Dann soll ein Hörbuch mit den Aufnahmen aus dem Podcast erscheinen. Im gleichen Monat liest der Nürnberger Autor und Sprech-Chansonier Michael Lösel.

Der Podcast kann kostenlos angehört und abonniert werden unter der Internetadresse www.kubiss.de/podcast. / Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung 3.9.