Noch ein Ausschnitt aus dem FR-Gespräch mit Urs Engeler:
Wenn man beispielsweise nach Frankreich blickt, dann ist man schier erschlagen, was es dort alles gibt.
Was meinen Sie konkret?
Was es dort an Zeitschriften gibt, wie viele Verlage existieren, wie viele Formen von Veröffentlichungen. Wir alle sind ja mit der Misere des Buchhandels beschäftigt und schauen uns an, was im Internetzeitalter alles möglich sein könnte. Sehen Sie sich den französischen Verlag Léo Scheer an; wenn Sie auf die Website (www.leoscheer.com) gehen, dann finden Sie eine ganze Abteilung, die sich mit elektronischem Publizieren beschäftigt, wie ich es überhaupt noch nie gesehen habe. Es werden Tools zur Verfügung gestellt, so dass die Leute ihre eigenen Bücher dorthin stellen. Das ist ein literarisch hochambitionierter Verlag. Undenkbar, dass ein deutscher Verleger sich über den Dünkel hinwegsetzte, nicht selbst zu bestimmen, was er verlegt; und dass er dann auch noch so viele Sachen bekommt!
(Léo Scheer: Zu den Internauten auf M@nuscrits klicken!)
Zum 60. Gründungstag der DDR (der 7. Oktober war Nationalfeiertag) bespricht die Märkische Allgemeine zwei aktuelle Anthologien:
Zu unterschiedlich sind die Konzeptionen: Die „100 Gedichte“ sind thematisch in vier Hauptkapitel geordnet, die „Auferstanden aus Ruinen“ heißen, „Das Aufbegehren und die Macht“, „Die Geräusche des Landes“ und „Probe des Grenzfalls“. Die Gedichte korrespondieren spannungsreich miteinander.
Arnold und Korte jedoch bevorzugen die Chronologie. Mit 500 Gedichten von 180 Autoren repräsentieren sie eine weitaus größere Stimmenvielfalt. Ästhetisches Interesse allein war aber wohl nicht ausschlaggebend, sonst wären nicht die kuriosesten politischen Texte aufgenommen worden, etwa Kurt Huhns „Moskau“-Jubel („fest wie Zement, hart wie Beton“), oder Jens Gerlachs Stalinhymne „Schwarz trauern des Himmels Planen“. Eine Peinlichkeit ist Rudolf Bahros anlässlich eines Fußballspiels entstandenes Gedicht „Deutschland?“ von 1960 mit der Feststellung „In Bonn hat Deutschland aufgehört zu sein“. Was beweist, dass nicht nur das Internet, sondern auch das Buch ein unauslöschliches Gedächtnis hat.
Solche unfreiwillige Komik oder Tragikomik kommt nur aus Nebenprodukten. Das Wesentliche steht in den Versen der wahren Dichter, zu denen sowohl die Wagenbach-Anthologie als auch die von Arnold unter anderen Bertolt Brecht, Johannes Bobrowski, Peter Huchel, Volker Braun, Karl Mickel, Sarah Kirsch oder Wolfgang Hilbig zählen. / Dorothea von Törne
Christoph Buchwald / Klaus Wagenbach (Hrsg): 100 Gedichte aus der DDR. Wagenbach, 168 Seiten, 16,90 Euro.
Ludwig Arnold / Hermann Korte (Hrsg): Lyrik der DDR. S. Fischer , 450 Seiten, 24,95 Euro.
Um die Lyrik in Kärnten in den Vordergrund zu stellen und ihr eine Plattform zu bieten, haben die Klagenfurter Stadtwerke (STW) zum zweiten Mal den Kärntner Lyrikpreis ausgeschrieben. Dem Hauptgewinner winken am 3. Dezember 3.000 Euro.
Einsendeschluss für Beiträge ist der 9. November. Im Vorjahr, bei der ersten Auflage des Wettbewerbs, ging der HAK-Professor Josej Strutz aus 200 Einsendungen als Gewinner hervor.
Von den Teilnehmern werden „bei freier Themenwahl sprachkünstlerisch anspruchsvolle Ausdrucksformen lyrischen Sprechens“ erwartet, Mundartgedichte sind ausgeschlossen. Teilnahmeberechtigt sind Kärntner Lyrikerinnen und Lyriker sowie in Kärnten lebende Schreiber und auch in anderen Bundesländern oder im Ausland lebende Kärntner. Die Werke dürfen in beiden Landessprachen, also Deutsch oder Slowenisch, abgefasst sein. / Kleine Zeitung 6.10.
Josej (Jozej) Strutz in L&Poe:
2004 Okt #78. Slowenen in Berlin
2008 Nov #125. Lyrisches Slowenisch
2009 Jan #55. Weblexikon der kärntnerslowenischen Literatur
In der Frankfurter Rundschau vom 7.10. ein spannendes Gespräch mit Urs Engeler, 2 Auszüge:
Mir scheint, dass die Mitte Vierzigjährigen noch der äußerste Rand einer literarisierten Generation sind. Leute wie Hans-Jost Frey, Jahrgang 1933, die gehören noch zur vollen Blüte, die wissen, was Literatur ist und was sie kann: Das sind Leute, die in den vierziger, fünfziger Jahren mit Literatur, und zwar wesentlich mit französischer Literatur natürlich, groß geworden sind. Und wir, die bei ihnen in die Schule gehen konnten, wir kriegen noch mit, was die alles kennen und können.
Bringen wir einen Namen ins Spiel, der auch schon in Ihrer Zeitschrift „Zwischen den Zeilen“ aufgetaucht ist, Ann Cotten, die noch nicht einmal dreißig Jahre alt ist und mit großer Ernsthaftigkeit dichtet und reflektiert. Das zeigt doch, dass es immer weiter geht, oder nicht?
Ja, das denkt man sich schon. Die jüngste Generation unserer Literatur – tja, wird es wirklich weitergehen, ich weiß es nicht. …
Einer wie Jean Daive hat ja einen unglaublich französischen Stil. Wenn man nicht weiß, wie die Franzosen „so ticken“, bleibt einem das doch fremd. Einiges in Ihrem Programm richtet sich wohl an Kenner, was natürlich sehr schön ist, aber die Schwierigkeiten kann man sich dann eben auch lebhaft vorstellen.
Das ist durchaus so. Es ist aber auch das, was mich am meisten verwundert: dass Dinge, die nur ein kleines bisschen anders sind, als man es gewohnt ist, sofort Sanktionen nach sich ziehen, eben in der Form von Nichtbeachtung bis Verachtung. Man wird bestraft. Das scheint mir schon ein spezifisch deutsches Problem zu sein, die leidige Sache mit der Autorität. Das Unbekannte ist per se immer das Unmächtige. Die Deutschen haben vielleicht immer noch nicht gemerkt, dass das unbekannte Ticken von anderen ein höchst interessantes, produktives Ticken sein kann. Da fehlt die Neugier und die Aufgeschlossenheit.
Nun ist die Schweiz ein mehrsprachiges Land. Da dürfte automatisch ein ganz anderer Resonanzraum vorhanden sein?
Die Außenseiterrolle der Schweiz wurde mir immer wieder zu einem Verhängnis. Die meisten Leser sitzen in Deutschland. Aber man merkt, dass man als Schweizer nicht wirklich dazugehört. Selbst wenn man deutschsprachiges Ausland ist. Das ist nicht ganz einfach zu begreifen, warum diese Festung Berlin beispielsweise so derart dicht gebaut werden musste im letzten Jahrzehnt, das verstehe ich eigentlich nicht.
Der junge Mattenklott war ein charismatischer Vertreter der Protestgeneration, ein Ganymed der Revolte, der Georg Lukács mit Nietzsche und Musil mit Marx las. Den Aufstand gegen die Verhältnisse inszenierte er konsequent als „ästhetische Opposition“. Dieser Begriff taucht bereits im Untertitel seiner Berliner Habilitationsschrift auf, die 1969 die Fachgutachter an der Freien Universität heftig provoziert hatte. Es handelte sich um eine Arbeit über den englischen Zeichner Aubrey Beardsley und den deutschen Lyriker Stefan George. Mattenklott setzte sich mit dieser Studie zwischen sämtliche Stühle. Die linke Avantgarde fand seine Beschäftigung mit George, dem Propheten des „Geheimen Deutschland“, der sich nie offiziell von den Nazis distanziert hatte, anrüchig. Die konservative Professorenschaft störte sich an der respektlosen Entlarvung der intellektuellen Mediokrität des George-Kreises und der kühlen Analyse seiner von Kalkül getriebenen literarischen Politik. Und das akademische Juste Milieu war darüber irritiert, wie in diesem Buch Literatur und Grafik, Lyrik und Photographie als sich wechselseitig erhellende Medien untersucht wurden – ein Verfahren, das damals, vor dem iconic turn der Geisteswissenschaften, den Geruch des Revolutionären trug. / Tagesspiegel 7.10.
Jennifer Moxley’s new book of poems, Clampdown, confronts the domestic with a disclosing eye.
By Ange Mlinko
Poetry Media Service
Clampdown, by Jennifer Moxley. Flood Editions, $14.95.
In 1996, when Jennifer Moxley’s first book, Imagination Verses, was published to underground acclaim, the prevailing story was that, like the return of the repressed, the personal lyric had been reborn from the chance encounter of a girl genius and a violently anti-lyrical avant-garde. Imagination Verses was almost old-fashioned—full of love poems and soliloquies. But Moxley’s ear was decidedly trained by writers outside the mainstream anthologies: not Elizabeth Bishop or Sylvia Plath but experimental small-press poets like Bernadette Mayer and Rae Armantrout.
Now some may see Moxley as a harbinger of the big poetic trend of the 2000s, sometimes known as „lyric postmodernism“ or „hybrid poetics.“ This is a genre that has embraced the subjective „I“ while rejecting the confessional voice; at the same time, it has appropriated the house style of the avant-garde, acute fracture and abstraction, while shedding its political baggage. What serves as content, finally, is language that speaks itself, an oracle mediating between poet and world, individual and history. It’s the very definition of poetry set out by Theodor Adorno in his 1957 essay „On Lyric Poetry and Society.“ We are concerned, he said, „not with the poet as a private person, not with his psychology or his so-called social perspective, but with the poem as a philosophical sundial telling the time of history.“
Moxley knows her Adorno. The follow-up to Imagination Verses was a chapbook called Wrong Life, a title cribbed from Adorno’s famous aperçu: „Wrong life cannot be lived rightly.“ Much of Moxley’s work can be read in the light of this damning little sentence and the chapter it punctuates in Minima Moralia, „Refuge for the Homeless.“ Moxley’s ethical anxieties emanate from a central unease, unease at home, and ripple out to touch nation, earth, and cosmos. But unlike the legions of poets who now adopt (and inevitably flatten) an Adornian mode of lyric, Moxley does not sublimate her psychology and social perspective.
Clampdown, her new collection of poems, is startlingly particular, privacy-shattering, and abject. It isn’t postmodern or experimental or hybrid, and parts of it aren’t even very lyrical—often she tones down her flights of gorgeous language to speak precisely and discursively, as if face to face with an interlocutor. Never uncontrolled, never artless, and never not in command of rhetoric, Moxley has written a book that could be available to a wide readership. Her expressive clarity, however, lures us into a universe of such self-doubt and self-cancellations that we find ourselves again, dialectically, in the company of Adorno: „Wrong life cannot be lived rightly.“ From „The Price of Silence“:
It is suffocating beneath this vinyl window,
in whose fake glued-on mullions we see a cross.
But it doesn’t mean anything. No word
can be uttered or kept in store to chant us
out of losing. The whir of the washing machine
as it pours detergent down the sewer pipes,
chlorine rising up from the drains, The compact
fluorescent bulb in the gooseneck lamp
with a broken spring neither mutters
nor sputters playfully. Things don’t speak
our distance. The phone, though loud, tinny,
and insistent, cannot, it seems, be found.
We oppress in a way we cannot pay for
in any direct or meaningful way. All is fake.
Why should we awake?
Clampdown takes its title from a song on the Clash’s London Calling („When we’re working for the clampdown/We will teach our twisted speech/To the young believers“). Its doubt-ridden angst, though, is more neoliberal-era Radiohead than post-punk Clash. This is not party music for the Revolution; it’s part „Karma Police,“ part „The Bends,“ Thom Yorke elegiacally singing „I wish it were the sixties/I wish we could be happy.“ „The Price of Silence,“ like other poems in the book—“Mother Night,“ „These Yearly Returns,“ „Friday Night, Candles Out“—puts Moxley’s comfortable home and habits on display in a ritual of self-mockery and pathos.
For the past fifty years, confessional poetry has permitted us the luxury of oversharing—mostly about our sex lives and our parents—in a sentimental gesture ultimately meant to reconcile and heal. Free verse has been confessional poetry’s de facto medium. A supple artifice in the hands of William Carlos Williams or Gregory Corso or Sylvia Plath, free verse has degenerated over the years into a style of no style, a sort of broken vernacular prose, as if language could be as transparent as a glass pane, the better to signal one’s sincerity and truthfulness. The resulting poem substitutes personality for art, supposedly sounding „natural“ or „speechlike.“
The arc of Moxley’s work—from Often Capital, written while she was in her early 20s, through Imagination Verses, The Sense Record, The Line, and finally Clampdown—works heroically against the obstacle of „natural“ voice. On a first reading, Moxley sounds utterly disconcerting, as if she were writing to you on the heels of a marathon session of retyping the poems of William Wordsworth or Thomas Hardy. From „The Yield“:
A thumb of silvery fur ensnared
my visual stupor: it was a mouse
scooting across the perilous ground
that lay between the rustic lean-tos
of brittle nut-brown maple leaves.
Image-gripped, but how to name it,
this will to live in little things?
Upon such monumental nerve
we build and break our wage.
The net effect of Moxley’s strange style has often been to foreground the sexiness of language and the poet, but their awkwardness too; it’s a style that cultivates and explores the notion of wrong life. For to write in one’s „natural“ speaking voice already presupposes eloquence and fluency, and fluency presupposes ease. Moxley is definitely not at ease, either in her body or this country or century. She is in the wrong life, which cannot be written rightly. Thus she reconstructs another language—both yearning and alienated. In Clampdown it is a language in which she can confess her doubt and despair about the „chlorine rising up from the drains,“ the fluorescent bulbs, the nylon bedspreads of the middle-class bedroom, the fake plastic trees. Moxley’s unmasking of American bounty as actual impoverishment thus has a lyric equivalent: the unmasking of the usual seductions and blandishments of the poem as an upmarket ad for metaphysical comforts. That she sets her personal theater against the backdrop of the world stage may seem like a grandiose gesture, but it is a necessary one. The figure she cuts is as erect and austere as a gnomon; the shadow she casts will be long.
Ange Mlinko is the recipient of the 2009 Randall Jarrell Award in Poetry Criticism. Her latest book of poems is Starred Wire. This article first appeared in the Nation. Distributed by the Poetry Foundation at www.poetryfoundation.org.
© 2009 by Ange Mlinko. All rights reserved.
Wo es keine Buchpreisbindung gibt, wird das Kostbare teuer, das der Masse der Leser Teure wiederum (von dem manch ein Kritiker behauptet, es sei in Wahrheit billig), kostet nicht ganz so viel Geld. So werden in Amerika für Lyrik üblicherweise viele Dollars berappt, der neue Thriller von Dan Brown hingegen ist dort schon für 16 Dollar zu haben. Die Masse macht’s, der Markt bestimmt den Preis, die Supermärkte tun ihr übriges. / Die Welt 6.10.
Hamm. Einmal mehr verlässt der Klangkosmos die ausgetretenen Musikpfade und begibt sich am Dienstag, 13. Oktober, in den aufregenden „Dschungel“ selten gehörter Klänge. Nicht nur musikalisches, auch territoriales Neuland wird betreten: die Reise geht in den Nahen Osten, nach Palästina.
Die Sängerin Kamilya Jubran sucht das musikalische Abenteuer. Geboren wurde sie 1963 in Akko (auch Akka), der ehemaligen maritimen Hauptstadt der Kreuzfahrer. Wie die meisten hier hat auch Jubran einen israelischen Pass, fühlt sich aber als Palästinenserin. Sie stammt aus einer Musikerfamilie: Vater Elias ist Instrumentenbauer, Oud (Kurzhalslaute) -Spieler und Musiklehrer. Schon im Alter von vier Jahren begann Jubran, selbst auf der Oud und dem Qanun (orientalische Knieharfe) zu spielen und hatte ihre ersten öffentlichen Auftritte. Mit 19 Jahren stieß sie als Sängerin zur Musikgruppe „Sabreen“, bis heute eine der bekanntesten und einflussreichsten palästinensischen Bands überhaupt, deren Musik sie bis 2002 durch ihre Stimme prägte und entscheidend beeinflusste.
Mittlerweile verwirklicht sie ihre eigenen künstlerischen Visionen. Sie selbst sagt: „Ich suche nach einer ehrlichen Musik. Ich will mich und mein Leben darstellen.“
Sie versucht, in ein für arabische Interpreten schwer zugängliches Terrain vorzudringen: Gesang auf Hocharabisch und dazu noch die Vertonung zeitgenössischer arabischer Gedichte – das haben bisher nur sehr wenige versucht. Jubran nimmt die Herausforderung an und geht sogar noch einen Schritt weiter: sie übersetzt und vertont auch Poesie anderer Kulturen ins Arabische. Ihr Kapital ist ihre großartige Stimme, die eine erstaunliche Präsenz und Variationsbreite hat. So gelingt es ihr, die Texte mit den modernen Melodien in Einklang zu bringen, die sie für ihre Lieder wählt. Dabei begleitet sie sich selbst auf der Oud.
Kamilya Jubran gibt dem Leid der Palästinenser ein neues, tiefgründiges Gesicht – das Gesicht von Liebe und Frieden. Sie ist eine universelle Künstlerin, ihr gesamtes Schaffen steht für das Streben, sich von den Konventionen und Traditionen des arabischen Gesangs zu lösen, mit denen sie aufgewachsen ist. Damit steht sie in der Tradition einer experimentellen Bewegung innerhalb der arabischen Musikwelt, die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und zu der unter anderem Künstler wie Marcel Khalife aus dem Libanon, Scheikh Imam aus Ägypten, Samih Choqeir aus Syrien und Ahmad Bin Dhiab aus Tunesien gehörten.
Das Konzert von Kamilya Jubran beginnt um 17.30 Uhr in der Lutherkirche (Martin-Luther-Straße 27b, 59065 Hamm), der Eintritt ist wie immer frei!
Mit «100 Gedichten aus der DDR» beginnen an diesem Dienstag die 14. Schweriner Literaturtage. Das Mauerfall- Jubiläum prägt das Programm bis zum 14. November insgesamt: Nach der Gedichte-Sammlung des Verlegers Klaus Wagenbach gehe es weiter mit einer Deutschlandreise von Christoph Dieckmann mit dem Titel «Mich wundert, dass ich fröhlich bin» und Rayk Wielands grotesker Einladung zu einem Forum der «Untergrunddichter der DDR», teilte am Montag die Stadtverwaltung mit. / Ostseezeitung 5.10.
(Das eigentlich Interessante: wer, was oder warum grotesk?, erfahren wir aus der Meldung leider nicht)
Es ist immer das Leben auf der Kippe, das Petr Halmay in seinem ersten, schon 2005 im Original erschienenen und jetzt auf Deutsch vorliegenden Band „Schlusslichter“ (Übersetzung von Christa Rothmeier) heraufbeschwört. Das Leben eines Mittvierzigers, der Bilanz zieht und den wir uns als alter ego des Autors vorstellen dürfen. Der mit großer Beobachtungsgenauigkeit die Welt hölzerner Bootshäuser, trister Wohnanlagen und wenig frequentierter Möbeldepots auf sich wirken läßt, um ihnen die Epiphanien seines Alltags abzugewinnen. Halmay verzichtet auf den hohen Ton, die große Geste. Er läßt die Dinge schwingen, sie zittern im Licht des Juli oder im Licht einer kalten Dezembersonne: „Konkrete Wörter, konkrete Umstände. / Konkrete Bilder tief unter uns – / konkreter anzusehen als was immer ringsum // Leicht wie eine menschliche Stimme, / sinkt langsam das Licht in die Straße…“
Als ich Petr Halmays Gedicht „Waren das unsere Stimmen?“ zum ersten Mal las, war ich beeindruckt von der Art, wie er in wenigen Zeilen drei Generationen miteinander verknüpfte, ohne dem Gedicht damit zu viel aufzubürden. Halmay verbietet sich bedeutungsschwere Anspielungen, nur den Riss im Beton, die Schwelle erwähnt er. Der Leser ist gefordert, sich vorzustellen, wie gut oder schlecht die drei, Vater, Sohn, Enkel miteinander können. Oder eben auch nicht. / Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 6.10.
Am 8. Oktober 2009 kommt Petr Halmay als Gast der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforum Dresden ins Tschechische Zentrum und stellt im Gespräch mit Patrick Beck seinen Lyrikband „Schlusslichter“ vor. Karten: 6 / 3 Euro.
In seinem Roman, der 2008 mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde und der Anfang November den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung bekommt, beschrieb Tellkamp eine bildungsbürgerliche Schicht, die es in der DDR eigentlich gar nicht geben sollte. Das Gedicht in 40 Kapiteln schließt nun noch enger an Vorbilder einer bildungsbürgerlichen Literatur an. Die Textbilder lassen an Gottfried Benn denken, an Hugo v. Hofmannsthal, E.T.A. Hoffmann oder an Rainer Maria Rilke, das Übermaß an Blau führt zwangsweise auch zu Romantikern wie Novalis.
Doch blau ist nicht nur die Blume der Romantik, sondern auch die Melancholie. Gegen die trübe Stimmung treibt Tellkamp sprachlichen Unfug. Nervend ist das Übermaß an Spontisprüchen wie «Die Librettisten? Manche scheitern fort von Tag zu Tag» im Kapitel der Sobeide Kuckuck, der möglicherweise blonden Primadonna des Serapionstheaters. / Katrin Börner, m&c
Uwe Tellkamp
Reise zur blauen Stadt
Insel Verlag, Frankfurt/Main
109 Seiten, Euro 12,80
11.10. 11 Uhr
Poesiefrühstück
Anna Hoffmann, „DAS FEHLENDE ENDE“
Anna Hoffmann wurde 1971 auf Rügen geboren und wuchs in Saßnitz auf. Sie studierte Kunstgeschichte und Geschichte in Greifswald, Halle und Berlin. Seit 1998 schreibt und veröffentlicht sie fast ausschließlich Lyrik.
Bisher erschienen:
„kreiselband“ Verlag Fortdruck 2000,
„pandoras box“ parasitenpresse, Köln 2004,
„Rote Magie“, Corvinus Presse Berlin 2006,
„und ungeküßt zurück“ Corvinus Presse 2007.
Ein neues Buch ist bereits in Vorbereitung „Totenmaske“ (dt./engl.) und wird ebenfalls von Hendrik Liersch in der Corvinus Presse herausgegeben.
Die Dichterin bevorzugt einen epischen Tonfall, der einhergeht mit seltsamen Metaphern. Scharf hingesehen und präzis aber ungewöhnlich beschrieben. So entstehen authentische Arbeiten, die sich einbrennen wie in dem Gedicht „leiber//sie ist im in die hände gefallen/ nun reißt er ihr den kopf ab/ mit der innenseite seiner rechten hand// mit der linken greift er durch/bis sie nicht mehr aufhört zu schreien/ sie stößt ihm die zunge ins herz/ungläubig faßt er nach/ bricht es wie ihre knochen//sie lacht dann steht sie wieder auf/und er frißt aus ihren augen/ liebesschwüre wie austern/dieses lebendige salz“
Oft geht es auch frivol und voller Tatendrang beinah gereimt gen Untergang wie in „dein nackenkuß erst weckt den schläfer/ wach bin ich amors attentäter/ und brandschatz familiäre bande/ bin dein geliebte hure schande“.
Kultur-Transit-96 e.V.
Burg Klempenow
17089 Breest
Tel. 03965-211331
Fax: 03965-2579825
E-Mail: verein@burg-klempenow.de
Internet: www.burg-klempenow.de
Lyrik
Prosa
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
An aubade is a poem about separation at dawn, but as you’ll see, this one by Dore Kiesselbach, who lives in Minnesota, is about the complex relationship between a son and his mother.
Aubade
“Take me with you”
my mother says
standing in her nightgown
as, home from college,
I prepare to leave
before dawn.
The desolation
she must face
was once my concern
but like a bobber
pulled beneath
the surface
by an inedible fish
she vanished
into the life
he offered her.
It stopped occurring
to me she might return.
“I’ll be back” I say
and then I go.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2008 by Dore Kiesselbach. Poem reprinted from Field, No. 79, Fall 2008, by permission of Dore Kiesselbach and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
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