Der Pulitzerpreis für Lyrik geht in diesem Jahr an Rae Armantrout.
For a distinguished volume of original verse by an American author, Ten thousand dollars ($10,000).
Awarded to “Versed,” by Rae Armantrout(Wesleyan University Press), a book striking for its wit and linguistic inventiveness, offering poems that are often little thought-bombs detonating in the mind long after the first reading.
Also nominated as finalists in this category were “Tryst,” by Angie Estes (Oberlin College Press), a collection of poems remarkable for its variety of subjects, array of genres and nimble use of language; and “Inseminating the Elephant,” by Lucia Perillo (Copper Canyon Press), a collection of poems, often laced with humor, that examine popular culture, the limits of the human body and the tragicomic aspects of everyday experience.
RAE ARMANTROUT: Narrativ. Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. luxbooks.americana
Vgl. L&Poe 2009 Okt #98. Rae Armantrout bei luxbooks
Hochkarätige kroatische Künstler verwandeln Fellbach während des 4. Europäischen Kultursommers in ein pulsierendes Zentrum für Musik, Tanz, Literatur, Theater, Kleinkunst und bildende Kunst. Neben Kroatien ist als zweites Gastland Österreich geladen. …
Die kroatische Lyrik, die von der Schönheit der Sprache und den dunklen Flecken der Vergangenheit erzählt, meldet sich in der Übersetzung sechs namhafter deutscher Lyriker zum ersten Mal auch auf Deutsch zu Wort. Den neuen Band „Konzert für das Eis“aus der Reihe „Poesie der Nachbarn“ stellen Hans Thill und Zvonko Makovic am Mittwoch, 28. April, 20 Uhr in der Stadtbücherei vor.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Wendy Videlock lives in western Colorado, where a person can stop to study what an owl has left behind without being run over by a taxi.
The Owl
Beneath her nest,
a shrew’s head,
a finch’s beak
and the bones
of a quail attest
the owl devours
the hour,
and disregards
the rest.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Der iranische Lyriker Ali Ghazanfari und der Kölner Gerrit Wustmann geben gemeinsam eine Buchreihe heraus, die auf 4 Jahre, 40 Bände und ca. 80 deutsche und iranische LyrikerInnen ausgelegt ist. Die Bände werden zweisprachig sein und ab Sommer bei Karapayam Publishing in Teheran erscheinen.
Die ersten 3 Bände, die Wustmann zur Zeit zusammenstellt und die Ghazanfari dann ins Farsi übersetzt, beinhalten Beiträge von Axel Kutsch, Stan Lafleur, Marie T. Martin und Christoph Wenzel. Umgekehrt wird Ali Ghazanfari iranische LyrikerInnen auswählen, die ebenfalls zweisprachig erscheinen sollen.
Mit der Edition soll ein intensiver Kulturaustausch zwischen deutschen und iranischen LyrikerInnen angeregt werden. Lesereisen sollen u.a. in Teheran, Isfahan, Shiraz, Köln, Berlin und München stattfinden.
Vgl. die im Aufbau befindliche) Website www.deutsch-iranische-lyrikedition.de
Mit dem Einkommen von Schriftstellern befaßte sich die FAZ am Wochenende, zB mit dem von Marcus Roloff:
Marcus Roloff, der als Lyriker in Frankfurt lebt, denkt stattdessen gerne an die Auszeit zurück, die ihm im vorigen Sommer ein Aufenthalt im brandenburgischen Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf beschert hat. „Man kann da wunderbar arbeiten.“ Da von der Lyrik niemand leben kann, hat Roloff beschlossen, das Geld von vornherein nicht durch Schreiben zu verdienen. Wie bei etlichen anderen Autoren wird das Haushaltsbudget vom Verdienst des Partners gestützt. „Meine Frau verdient gottlob okay.“ Roloff selbst verfasst Gutachten für Verlage. Bis Februar hat er zusätzlich in einem Antiquariat gearbeitet. / Florian Balke, FAZ 10.4.
Zum National Poetry Month stellt Fleda Brown, Professor emerita der University of Delaware und ehemalige poet laureate des Staates Delaware bei record-eagle.com ein Gedicht des russischen Dichters Ossip Mandelstam vor:
Alone I stare into the frost’s white face.
It’s going nowhere, and I — from nowhere.
Everything ironed flat, pleated without a wrinkle:
Miraculous, the breathing plain.
Meanwhile the sun squints at this starched poverty —
The squint itself consoled, at ease …
The ten-fold forest almost the same …
And snow crunches in the eyes, innocent, like clean bread.
— January 16, 1937
Seit meiner Kindheit kenne ich dieses wunderbare Gedicht von Daniil Charms: Ein Mann mit Säckchen und mit Stock / trat einmal aus dem Haus / und in die Wolt / und in die Wult / und in die Welt hinaus. So beginnt es in Alexander Nitzbergs Übersetzung (Daniil Charms: Seltsame Seiten, Bloomsbury, Berlin 2009). Ein berühmtes Gedicht. Und ein seltsames. Sofort nach seinem Erscheinen in einem sowjetischen Kindermagazin wurden Inhalte hineingelesen, die es nicht hatte. Am 1. Juni 1937 schrieb Charms in sein Tagebuch: „Nun ist eine Zeit gekommen, die noch schlimmer für mich ist. Im Kinderverlag hat man ein Gedicht von mir bekrittelt …” Später interpretierte man das Gedicht als mutige Parabel zum Großen Terror. Ich bezweifle das: Charms war kein Selbstmörder. Aber ich spürte immer, dass eine Geschichte dahintersteckt, nur wusste ich nicht, welche. Jetzt habe ich eine Vermutung. / Oleg Jurjew, Tagesspiegel 11.4.
Nazi-Dichterin, wie sie die MV genannt hat? Mitläuferin, von den Nazis „verführt“? Oder war sie die bloß die „Mutter Ostpreußens“, die Dichterin, die einem ganzen Landstrich Identität gegeben hat? Bürgermeister Franz Möllering will am kommenden Dienstag, 13. April, mit den Anliegern der Agnes-Miegel-Straße sprechen. Wollen sie ihre Straße umbenennen? Muss man das? Die MV will nachfolgend die Heimatdichterin vorstellen und darlegen, wie die Forschung ihr Verhalten während des Nationalsozialismus und danach bewertet. …
„Wegen ihrer Nähe zum Nationalsozialismus kann Agnes Miegel kein pädagogisches Vorbild sein.“ Zu diesem Ergebnis kam ein Gutachten, angefertigt vom Uni-Historiker Hans-Jürgen Döscher. Dabei geht es dem Professor nicht allein um ihre Mitgliedschaft in NS-Organisationen oder Weihegedichte auf den „Führer“. Es geht ihm vor allem um die „unbeugsame Haltung“ der Dichterin Ostpreußens nach 1945: „Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemandem sonst“, hat Agnes Miegel auf entsprechende Fragen nach ihrer Vergangenheit damals geantwortet. Distanziert hat sie sich nie. …
Im Oktober 1933 gehörte sie zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“ unterzeichneten – mit ihr unter anderem der Dichter Gottfried Benn, der Schriftsteller Max Halbe und der Dichter Hermann Kasack. …
1944, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges, wurde sie von Hitler in die „Gottbegnadetenliste“ mit den sechs wichtigsten deutschen Schriftstellern aufgenommen – neben ihr Gerhard Hauptmann, Hans Carossa, Hanns Johst, Erwin Guido Kolbenheyer und Ina Seidel. / Bocholter-Borkener Volksblatt
Was haben Friedrich Hölderlin und Georg Kreisler gemeinsam? Nichts. Deshalb erhält Kreisler den Friedrich Hölderlin-Preis 2010 der Stadt Bad Homburg. …
Als wär’s ganz einfach. Und wenn sich die in seinen Gedichten entfaltende Leichtigkeit des Reims mit schönem Wortglück paart, entstehen so seltene Reimpaare wie diese: Krokodil – Profil, Verschnürung – Globalisierung, erzählt – geölt, Juli – Patschuli, Töchter – Gelächter, Erdbeeren – wert wären, Formosa – Prosa, renitenter – Einkaufs-Center, Paprikatee – Adieu.
Erinnert das nicht an Fritz Grünbaum und Karl Farkas? Gewiss, wie ja Kreislers Lyrik überhaupt, auch in Tonfall und Thematik, eine sehr anklangreiche ist: man erkennt Spurenelemente u.a. von Ringelnatz, Kästner, Tucholsky, Eugen Roth, Wilhelm Busch, ja sogar von Heine. …
Und wenn der aus seinen Träumen erwacht, paraphrasiert er vielleicht Hölderlin: Größers wolltest auch du, aber das eigne Talent zwingt / All uns nieder . . .
/ David Axmann, Wiener Zeitung 10.4.
Georg Kreisler: Zufällig in San Francisco. Unbeabsichtigte Gedichte. Verbrecher Verlag, Berlin 2010, 119 Seiten, 19 Euro.
„wir kontrollierten die, die uns beobachteten, indem wir genau das machten, was sie sahen.“
Wenn die Musikkritik die „Hamburger Schule“ wegen ihrer alltagsphilosophischen Songtexte als „Diskurspop“ bezeichnet, könnte man Falbs Lyrik analog dazu Diskurslyrik nennen. Er experimentiert an den Rändern dessen, was Lyrik vermag. Provokant testet er lyrische Verfahren, ohne neue Worte zu erfinden oder Metren zu bemühen, durch semantische Collagen und Kombination verschiedenster Diskursformen, durch permanente Cut-ups aktueller Slangs und sprachlicher Milieus: Fragen, Behauptungen und Aphorismen, die sich thematisch gegenseitig annähern, sich gekonnt ins Wort oder in die Arme fallen, wo ein einziger Gedanke zum Thema nicht genügen kann. Denn dass ein einziger Gedanke selten genügt, dass immer auch ein aber, eine Brechung, eine andere Seite mitgedacht werden muss, ist ja kein Problem von Falbs Texten, sondern der Lyrik, der Literatur mittlerweile insgesamt.
„foyers oder lobbys, in denen die zahlungsbereitschaft für ein einfaches glas wasser beständig steigt.“
Der Literaturkritiker Michael Braun vermisst in einer eher argwöhnischen Besprechung („Kühler Mischer der Diskurse“ Tagespiegel, 18.10.2009) in Falbs Texten das lyrische Ich und diagnostiziert nichts als „eine poetische Relaisstation … in der keine Gefühle mehr zählen, sondern einzig noch das beiläufige Registrieren von Sprachbewegungen“. Das ist angesichts der einander regelrecht ins Wort fallenden Gefühlsströme in Falbs Texten eine höchst erstaunliche Einschätzung.
/ Martin Jankowski, Die Berliner Literaturkritik 19.3.
FALB, DANIEL: Bancor. Kookbooks, Berlin 2009. 64 S., 19,90 €.
Neu bei der Berliner Literaturkritik:
Monika Thees über
„Die Schlange“ von Markus Epha
Kurzprosa, Notate und Gedichte
© Die Berliner Literaturkritik, 01.04.10
(Woche der türkischen Poesie)
ECHO
When a poet
Dies
God
Feels it first
Fazıl Hüsnü Dağlarca
gefunden bei: Kusadasi.biz (dort gibt es mehr türkische Gedichte auf Englisch)
Auch ich war in Kuşadası. Wohnte zwei Nächte in einem schönen Hotel am Meer, mit Blick nach Griechenland hinüber. Die Tage durch anders beschäftigt: schnell raus aus der Stadtwüste. Mein Baedecker von 2002 sagt noch: 22.000 Einwohner. Wikipedia nennt für 2008 58.650, heute sind es schon viel mehr, wohl 6stellig. Die ganze Bucht in einem riesigen Umkreis mit Hochhäusern zugeklotzt, hunderte, mindestens, im Rohbau, hunderte leer, weil Sommerhäuser. Früher war es eine kleine idyllische Hafenstadt. Die Ruinen von Ephesos sind in der Nähe, Izmir nicht weit (ich hab nur das erste geschafft für diesmal).
Die biz-Seite für Addicts und Expats benutzt die englische Schreibweise ohne Sonderzeichen. Es heißt aber nicht Kussa-Dassi, sondern etwa: Kusch-Ádassä, das heißt Vogelinsel. (Gesehen haben wir die nicht, nur Samos mit Sonnenuntergang)
Mehr oder weniger intensiv hat sich Winfried Häder in den vergangenen Monaten mit dem Werk Annette von Droste-Hülshoffs beschäftigt, sich in viele ihre Gedichte eingelesen. Im Auftrag des Roxeler Heimat- und Kulturkreises arbeitet der Bildhauer aus Altenroxel am ersten Part eines auf drei Phasen ausgelegten Skulpturenprojekts im Zeichen der weltbekannten Dichterfürstin: Zwischen den alten Linden vor der Villa Höping sollen auf dem Pantaleonplatz im jährlichen Wechsel Annette-Skulpturen aufgestellt werden. / Ibbenbürener Volkszeitung
Wie man das nennen soll, was Robert Schindels (Über)leben ausmacht? Glück, Zufall, Fügung? Er ist der Johann Ohneland der deutschsprachigen Literatur, wurde als Kind jüdischer Kommunisten 1944 in Bad Hall / Oberösterreich geboren. Schindel war noch nicht ein Jahr alt, als man ihn von seiner Mutter trennte, „von einer Stunde auf die andere“, sagt er rückblickend in einem Interview. Unter falschem Namen wurde das Baby in ein nationalsozialistisches Kinderheim, „eine dunkle Kindergrippe“ (Schindel), gebracht. Seine Mutter überlebte das Konzentrationslager Auschwitz und fand ihr Kind nach Kriegsende wieder; sein Vater war im März 1945 in Dachau hingerichtet worden. 1986 debütierte der Dichter Robert Schindel bei Suhrkamp mit dem Band „Ohneland – Gedichte vom Holz der Paradeiserbäume“. …
„Die Wörter suchen seine Nähe. Er tut ihnen gut und stärkt ihr Selbstbewußtsein. Er dreht sie ein wenig oder streckt sie und stellt sie in neue Zusammenhänge, und dann wischt er mit dem Ärmel drüber und behaucht sie zwei- oder dreimal und poliert einmal nach“, das hat der österreichische Chansonnier und Aktionskünstler André Heller über Schindel gesagt und launig-ahnungsvoll hinzugefügt, daß wohl „die Bearbeitung einer Schrammelmelodie durch Arnold Schönberg“ herauskäme, wollte man versuchen, Schindel in Musik zu übertragen. …
Wien, das Schindel eine „Vergessenshauptstadt“ nennt, ist zugleich die „Wortheimat“ des Dichters. Dort, in der Schüttelstraße der Leopoldstadt steht die „Schüttelhütte“, wie er seine Wohnung nennt, und dort gibt es auch das „Zartl“, Stammcafe des Autors. Ohne das Wienerisch-Pointierte ist seine Dichtung nicht denkbar. Seinen Hang zum Wörterfinden- und Erfinden kann man beinahe jedem Gedicht ablesen. …
Was hier noch nicht erwähnt wurde: Robert Schindel schreibt auch wunderschön sinnenfrohe Liebesgedichte, die vor einigen Jahren bei Insel unter dem Titel „Zwischen dir und mir wächst tief das Paradies“ erschienen sind. „Daweil ich warte, schreiben sich solche Gedichte“, meint der Dichter zu jenen Texten, in denen er, die Formen von Liebes- und Sehnsuchtsliedern nutzend, verflossener oder gegenwärtiger Liebe nachsinnt. Manchmal hat das auch mit Warten zu tun, dann gilt es knapp festzuhalten: „Anderthalb Jahre gingen um / Die Leidenschaft hatte wenig zu tun.“
Am 13. April 2010 kommt der Dichter, Romancier und Essayist Robert Schindel, der viele Jahre den Vorsitz der Klagenfurter Bachmannpreis-Jury innehatte und in diesem Jahr einem Ruf als Poetik-Professor auf Zeit an die Universität Bamberg folgt, als Gast der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforum Dresden ins Hygiene-Museum. / Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 10.4.
(Woche der türkischen Poesie)
Nicht nur anatolische Mütterchen schwärmen für Mewlana Dschelal-ad-din Rumi, den wir Westler kurz Rumi nennen, weil es sich leichter merkt, und spricht.
Jeder Rock ein Derwischrock,
jede Zeile eine Sure,
jedes Wort von Bedeutung,
Konya, das ist Mewlana.
…
Asien, von Türken
wurde es erobert,
und Konya von Mawlawis,
Konya, das ist Mewlana.
So heißt es in einem Gedicht von Arif Nihat Asya (1904-1975). (Mawlawis sind Angehörige des von Rumi geleiteten Derwischordens.) Und sogar der kommunistische Dichter Nazim Hikmet ist affiziert: „Mewlana, hier bin auch ich dein Schüler“.
Goethe bemüht sich um Verständnis und geht doch auf Distanz. Hafis war ihm gemäßer – Rumi schien ihm maßlos, gar abstrus: „Nach obiger Darstellung wird man diesem großen Geiste nicht verargen, wenn er sich ins Abstruse gewendet. Seine Werke sehen etwas bunt aus: Geschichtchen, Märchen, Parabeln, Legenden, Anekdoten, Beispiele, Probleme behandelt er, um eine geheimnisvolle Lehre eingängig zu machen, von der er selbst keine deutliche Rechenschaft zu geben weiß. Unterricht und Erhebung ist sein Zweck, im ganzen aber sucht er durch die Einheitslehre alle Sehnsucht wo nicht zu erfüllen, doch aufzulösen und anzudeuten, dass im göttlichen Wesen zuletzt alles untertauche und sich verkläre.“
Maßlos? Abstrus? Ich zitiere aus den reimlosen, aber eleganten Nachdichtungen des deutschen Dichters persischer Herkunft Cyrus Atabay:
Aus: 100 Vierzeiler
20
Mich hat ein seltsamer Taumel erfaßt,
mein Herz flattert ruhelos in der Luft;
jedes Atom von mir hat sich aufgelöst,
mit der Geliebten kreisend allerorten.
34
Eine Zeitlang verbrachte ich andere kopierend,
in mir selbst fand ich nicht die angemessene Regel;
da hörte ich mich beim Namen gerufen:
Als ich mich verließ und hinaustrat, erkannte ich mich.
92
Du warst ein Frömmler, ich lehrte dich singen,
verstummt warst du, jetzt ist dir willfährig das Zauberwort;
du warst ohne Namen und Zeichen in der Welt,
ich entdeckte dich, jetzt erklärst du die Zeichen.
93
Am Rande des Wahnsinns lebte ich bis jetzt,
nach Ursachen und Gründen suchend; ein Leben lang
klopfte ich an eine Tür, sie öffnend, erkannte ich:
Von innen hatte ich gepocht.
99
Gestern nacht sah ich dich in der Zusammenkunft
und wollte dich in meine Arme schließen;
unter dem Vorwand, dir eine Auslegung mitzuteilen,
neigte ich mich zu dir, mit den Lippen deine Wangen berührend.
Aus: Hafis, Rumi, Omar Chajjam. Die schönsten Gedichte aus dem klassischen Persien. Übertragen von Cyrus Atabay. Hrsg. u. m.e. Nachwort versehen von Kurt Scharf. München: Beck 1998 (Neue Orientalische Bibliothek)
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