Der chinesische Autor Yu Jie hat vor kurzem ein Buch „Chinas Schauspielerkaiser Wen Jiabao“ geschrieben. Darin nimmt er die Auftritte des Ministerpräsidenten spöttisch auseinander. Trotz Warnungen des Geheimdienstes veröffentlichte Yu Jie es letzte Woche in Hong Kong. Im Text zitiert er eine Begebenheit, als Wen Bewohnern in einem Dürregebiet einen lyrischen Haussegen schrieb: „Die Berge sind rein, das Wasser ist klar, die Natur ist schön. Die Menschen erhaben, das Land gesegnet und Atmosphäre frisch. Jeder Tag ist wie neu, jeder Monat ist anders.“ Spöttisch fügt er hinzu: „Wenn das Leid der Menschen in einem Katastrophengebiet ihn zu solcher Lyrik inspiriert, dann muss der Ministerpräsident mit wahrem Talent gesegnet sein.“ / Mathias Bölinger, Deutsche Welle
Ausstellung vom 14.8. bis 18.9.2010 im KUNSTtransit-Projektraum (Karlsruhe)
Die Ausstellung DRAMATIS PERSONAE zeigt Kunstwerke, die sich mit dem Thema Drama, Inszenierung, literarischer Text befassen und zugleich einen Diskurs über Wahrheit, Fiktion und deren Verhältnis zueinander präsentieren.
Künstler: Thorsten Hallscheidt, Ulrike Tillmann, Simone van gen Hassend, Ondine Dietz, Renate Schweizer, Birgit Spahlinger, Libuse Schmidt
Weitere Lesungen und Performances:
Öffnungszeiten: Mittwoch- Freitag 14-18 Uhr, Samstag 12-19 Uhr
Ort: KUNSTtransit Karlsruhe, Herrenstrasse 28, 76133 Karlsruhe
Das Werk der Else Lasker-Schüler erhält durch die Kritische Ausgabe ein neues Profil. Denn nach je einem Band mit Gedichten und Dramen sowie drei Bänden Prosa folgten sechs umfangreiche Bände mit Briefen. Und erst durch diese Korrespondenz erschließt sich das Gesamtbild der Schriftstellerin. …
Eine wichtige Dimension der Briefe von Else Lasker-Schüler kann die Kritische Ausgabe leider nicht vermitteln: Die handgeschriebenen Karten und Briefe sind oft auch kleine Kunstwerke. So steht ein Davidstern statt eines Ausrufezeichens, Monde und Sterne verzieren die Zeilen, Blumen und Herzen werden brieflich verschenkt, und der Signatur, zum Beispiel als Prinz Jussuf, wird ein mit einem Fes bedeckter Kopf hinzugefügt. All das verzeichnet zwar die Kritische Ausgabe gewissenhaft in spitzen Klammern, bildet es aber nicht ab.
Einige Briefzeichnungen kann man jedoch im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main betrachten, denn dort wird Else Lasker-Schülers bildnerischem Schaffen eine Ausstellung gewidmet, die eine Neuentdeckung der Zeichnerin und Malerin bewirken will. / Eva Pfister, DLF
Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe, Band 11, Briefe 1941-1945. Nachträge. Bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki und Andreas B. Kilcher. Jüdischer Verlag bei Suhrkamp, Berlin 2010. 912 Seiten, Euro 124,-
Ebenfalls im Jüdischen Verlag erscheint (im September) der Ausstellungskatalog „Else Lasker-Schüler: Die Bilder“ erschienen, in dem in einem kommentierten Werkverzeichnis und Essays von Astrid Schmetterling und Ricarda Dick auch das bildkünstlerische Oeuvre von Else Lasker-Schüler erschlossen wird. Die Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt ist von 8. September 2010 bis zum 9. Januar 2011 zu sehen.
Ich wollte in keiner Phase meines Lebens Trotzkist sein, war allerdings in meiner Berliner-Ensemble-Zeit und bin es bis heute: ein bekennender, und das bedeutet: kritischer Brechtianer. Und weil ja Marx selber kein Marxist war, mochte ich dann auch lieber kein Marxist sein. Aber Kommunist war ich von Geburt an mit Leib und Seele: meine Mutter Emma, mein Vater Dagobert und meine Oma Meume waren für mich im Streit der Welt immer – und sind es bis heute – eine stabile Dreipunktaufhängung. Und seit etwa 30 Jahren bin ich ein Verräter. Und verraten im guten Sinne kann man nur eine falsche Idee, die man einst richtig hatte. Und das heißt: eine Idee, die einen hatte, also ein utopisches Hoffen, das man lebendig lebte, ein Glaubewissen, das man tief und begeistert erlitt. …
1982 schrieb ich dann der kommunistischen Utopie das endgültige Abschiedslied, meine Ballade „Die Mutter Erde geht schwanger“ – wo ich das „Riesenkadaverlein“, den Kommunismus, ordentlich zu Grabe gesungen habe. Ich wollte nie mehr in irgendein soziales Narrenparadies aufbrechen und dann zwangsläufig in die totalitären Höllen geraten. Ich begriff, dass der Kommunismus, das ist ja die ideale Endlösung der sozialen Frage, ein blutiger Irrweg sein muss. Dabei liebte ich schon immer und in allen Religionen die frommen und tapferen und treuen Ketzer. Also musste auch ich endlich mit meiner eingeborenen kommunistischen Kirche brechen. In dem, was Heinrich Heine in seinem Gedicht „Enfant Perdu“ den Freiheitskrieg der Menschheit nannte, will ich seitdem als Soldat wohl tapfer weiterkämpfen, aber ohne den Kinderglauben an den Kommunismus. / Wolf Biermann, Die Welt
Je mehr Äußerung, desto stiller
Je stiller, desto mehr Äußerung.
Notiz Hölderlins unter dem (offenbar aufgegebenen) Hymnenentwurf „Deutscher Gesang“. Mit dieser ästhetischen Maxime beginne ich eine Hölderlin-Reihe innerhalb meiner Anthologie, die nicht aus abgeschlossenen Texten, sondern aus Segmenten, Entstehungsstufen besteht. Ein Versuch, das Gedicht Mnemosyne (L&Poe #126. «Aber was ist diß?») genauer zu verstehen. Vom Plan her eher philologisch denn hermeneutisch. Mal sehn, wohin es mich führt.
(Geht aber erst nächste Woche weiter, weil ich auf eine kleine Reise keine 10 Kilo Hölderlin mitnehmen kann)
Ich staune (in guter Gesellschaft), daß ein „Dialog aus Elektromusik und Literatur“ mit dem Ziel der Aufführung auf einer Club-Bühne in Berlin im späten Jahre 2010 als experimentelles Wagnis und nie dagewesen beworben wird. In Köln und Düsseldorf habe ich in den mittleren bis späten 90er Jahren u.a. mit fatagaga die Projekte lyrotroniks und DROM/red durchgeführt. Sollte ich besser sagen: gewagt? Die KOOK-Ankündigung (L&Poe Nr. 127) liest sich für mich nun, ein gutes Jahrzehnt später, als sei sie eine formal genaue Beschreibung unserer damaligen Projekte – wobei wir uns damals nicht sicher waren, ob/daß wir in dieser Hinsicht die ersten wären: in Deutschland vielleicht, das scheint durchaus möglich.
Anfang der 90er entwickelte ich das Lyrotronische Manifest, erstmalig publiziert Mitte der 90er in meiner Zeitschrift „elektropansen“. Es forderte das Zusammenspiel literarischer und elektronischer Sparten in einem Maße, das damals technisch noch garnicht umsetzbar war und bis heute erst teilweise ist: angedacht war in dieser Zeit u.a. Echtzeit-Modulation von live eingesprochenen Texten. Ein Realtime Research-Projekt brachte ein solches SuperCollider-gestütztes Echtzeit-Modulations-Experiment mit meinen Gedichten im Dialog mit sowohl analoger, als auch elektronischer Musik in den mittleren 2000ern in Köln auf die Bühne – allerdings stellte sich in Proben wie Live-Set heraus, daß die mithilfe von Joystick-Manipulationen am live eingesprochenen Text avisierte „Echtzeit-Modulation“ ca 1-2 Sekunden Verspätung zu sich selbst aufwies.
Derzeit arbeite ich in Bonn mit soundBlocks genannten Klangwürfeln, die das dortige Animax-Theater mit assoziierten Programmierern nach Open Source-Plänen des sogenannten Reactable entwickelt hat. Solche Reactables kamen bisher unseres Wissens ausschließlich in der elektronischen Musik zum Einsatz (bekanntestes Beispiel: Björk). Ich werde sie nun experimentell mit Gedichtformen füttern lassen, von Grundschulkindern. Wegen der noch recht geringen Verbreitung dieses revolutionären Instruments, das in den letzten Jahren entwickelt wurde und das u.a. mit SuperCollider programmiert werden kann, ließe sich davon ausgehen, daß hier tatsächlich, womöglich weltweit einzigartig, (erneut?) Pionierarbeit an der Kombination/Schnittstelle von lyrischer Sprache und elektronischer Musik geleistet wird. Allein, sicher bin ich mir auch darüber nicht. Jedenfalls stellen die Möglichkeiten der soundBlocks eine unerwartete Erweiterung meiner in den frühen 90ern formulierten lyrotronischen Grundideen vor.
stan lafleur, 26.08.2010
Ein Lesekonzert im Berghain, Berlin
Donnerstag, 2.12.2010, 20:00 Uhr
mit Ann Cotten und Christian Naujoks, Monika Rinck und Frank Bretschneider, Jörg Albrecht und Holger Zilske.
Was haben sich Elektromusik und junge Literatur zu sagen? Können sie sich gegenseitig Impulse geben, ihre Grenzen aufbrechen, aneinander ihr Repertoire erweitern?
Das Texttonlabel KOOK wagt das Experiment und bringt Elektro, eine der derzeit spannendsten Richtungen im Pop, und junge deutschsprachige Literatur, die lang nicht so kraftvoll und vielschichtig war wie heute, ins Gespräch miteinander.
Noch nie gab es bisher eine Auseinandersetzung der beiden Künste in einem dialogischen Projekt. Um das zu ändern, lädt KOOK die Berliner Elektro-Musiker Christian Naujoks, Frank Bretschneider und Holger Zilske und die Autoren Ann Cotten, Monika Rinck und Jörg Albrecht ein.
Sie arbeiten über mehrere Monate jeweils zu zweit miteinander, lassen sich von der Kunst des anderen anregen, schreiben und komponieren. Es entstehen Texte, die auch formal auf die spezifischen Strukturen der Musik reagieren, und Musik, die mehr ist als die Klangtapete einer Lesung. Musik wird zu Text und Text zu Track.
Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeiten, die zwischen Literatur-Vertonung, Live-Hörspiel, Dancefloor und Popsong changieren, werden bei einem gemeinsamen Lesekonzert am 2. Dezember 2010 im Berghain präsentiert, einem der wichtigsten Techno-Clubs der Welt. Es darf getanzt werden!
Eine Veranstaltung des Texttonlabel KOOK, gefördert durch: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten
In ihrer Dissertation mit dem Titel «Aber was ist diß?» – der ihr liebsten aller Fragen Hölderlins – , befasste sie sich mit diesem Kunstgriff, den der Dichter in seinen Texten mehrfach verwendet. Die Literaturwissenschaftlerin fand heraus, dass die Fragen mit den Jahren immer weniger rhetorisch gemeint waren und Hölderlin sie in der späten Lyrik vielmehr unvermittelt stellte. Sie sagt dazu: «Er fällt sich selbst ins Wort und stellt sich als Dichter in Frage.» / Frankfurter Neue Presse über die Germanistin Sabine Doering, die zur neuen Präsidentin der Hölderlin-Gesellschaft gewählt wurde
Sabine Doering: Aber was ist diß? Formen und Funktionen der Frage in Hölderlins dichterischem Werk, Göttingen 1992
Friedrich Hölderlin
MNEMOSYNE
Zweite Fassung
Ein Zeichen sind wir, deutungslos
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.
Wenn nemlich über Menschen
Ein Streit ist an dem Himmel und gewaltig
Die Monde gehn, so redet
Das Meer auch und Ströme müssen
Den Pfad sich suchen. Zweifellos
Ist aber Einer. Der
Kann täglich es ändern. Kaum bedarf er
Gesez. Und es tönet das Blatt und Eichbäume wehn dann neben
Den Firnen. Denn nicht vermögen
Die Himmlischen alles. Nemlich es reichen
Die Sterblichen eh’ an den Abgrund. Also wendet es sich, das Echo
Mit diesen. Lang ist
Die Zeit, es ereignet sich aber
Das Wahre.
Wie aber liebes? Sonnenschein
Am Boden sehen wir und trokenen Staub
Und tief mit Schatten die Wälder und es blühet
An Dächern der Rauch, bei alter Krone
Der Thürme, friedsam; und es girren
Verloren in der Luft die Lerchen und unter dem Tage waiden
Wohlangeführt die Schaafe des Himmels.
Und Schnee, wie Majenblumen
Das Edelmüthige, wo
Es seie, bedeutend, glänzet mit
Der grünen Wiese
Der Alpen, hälftig, da gieng
Vom Kreuze redend, das
Gesezt ist unterwegs einmal
Gestorbenen, auf der schroffen Straß
Ein Wandersmann mit
Dem andern, aber was ist diß?
Am Feigenbaum ist mein
Achilles mir gestorben,
Und Ajax liegt
An den Grotten, nahe der See,
An Bächen, benachbart dem Skamandros.
Vom Genius kühn ist bei Windessausen, nach
Der heimatlichen Salamis süßer
Gewohnheit, in der Fremd’
Ajax gestorben
Patroklos aber in des Königes Harnisch. Und es starben
Noch andere viel. Mit eigener Hand
Viel traurige, wilden Muths, doch göttlich
Gezwungen, zulezt, die anderen aber
Im Geschike stehend, im Feld. Unwillig nemlich
Sind Himmlische, wenn einer nicht die Seele schonend sich
Zusammengenommen, aber er muß doch; dem
Gleich fehlet die Trauer.
Vor allem aber ist Agualusa diese Reise Anlass, ein betörendes Porträt des multikulturellen Afrika zu zeichnen. Natürlich kennt der Kontinent die Gewalt zur Genüge, Agualusa hat es im «Lachen des Geckos» hinreichend angedeutet. Aber Afrika kennt neben Gewalt auch offene, dynamische, aus den unterschiedlichsten Quellen sich speisende Kulturen, weit weg von jenen umhegten, mit Kulturerbe-der-Menschheit-Mitteln auf Eis gelegten Reservaten, wo selbsternannte Traditionswächter aus dem Norden die indigenen Schöpfungen vor dem Kontakt mit dem korrumpierten Kapitalismus schützen wollen. Die Traditionen, sagen diese Sittenwächter, müssten geschützt werden. «Wirklich?», entgegnet einer der Protagonisten. «Welche Tradition denn? Die Portugiesen brachten den Karneval nach Angola und ihre Sprache, Jesus Christus, Stockfisch, Palmöl, Mais, die Gitarre, das Akkordeon, Fussball und Rollhockey. Ausserdem brachten die Portugiesen uns Syphilis, Tuberkulose, Strandflöhe und den Teufel noch dazu. Sie haben den Sklavenhandel eingeführt und mit ihm eine Reihe von anderen ehrenwerten Traditionen. Tradition. Schon das Wort lässt mich schaudern.» / Kersten Knipp, NZZ 25.8.
José Eduardo Agualusa: Die Frauen meines Vaters. Roman. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. Verlag A 1, München 2010. 381 S., Fr. 38.50. – Ders.: Das Lachen des Geckos. Roman. Verlag A 1, München 2008. 381 S., Fr. 29.90.
Der tschechische Lyriker und Übersetzer Ludvík Kundera (ein Cousin des Romanciers Milan Kundera) starb am 17.8. im Alter von 90 Jahren in seiner Heimatstadt Kunštát (Mähren). Kundera war ein bedeutender Vermittler zwischen der deutschen und tschechischen Literatur. Er übersetzte u.a. Trakl, Rilke, Brecht, Benn, Peter Weiss, Peter Huchel, Reiner Kunze, Franz Fühmann, Günter Kunert, Heinz Czechowski, Hanns Cibulka und Erich Arendt ins Tschechische und edierte und übersetzte tschechische Dichter für uns. 1966 gab er gemeinsam mit Franz Fühmann die Anthologie „Die Glasträne. Tschechische Gedichte des 20. Jahrhunderts“ heraus (Berlin: Volk und Welt). Nach 1970 stand er in seinem Land unter Publikationsverbot. Bei Reclam Leipzig erschien 1987 die zweibändige Anthologie „Die Sonnenuhr. Tschechische Lyrik aus 11 Jahrhunderten“ . In der „Tschechischen Bibliothek“ der DVA gab er zusammen mit Eduard Schreiber zwei Bände heraus: Adieu Musen. Anthologie des Poetismus“ (2004) und „Süß ist es zu leben. Tschechische Dichtung von den Anfängen bis 1920“ (2006). Seine eigenen Gedichte erschienen in Anthologien (u.a. „Der Herrgott schuldet mir ein Mädchen“ (Piper 1994) und in Einzelbänden („Erinnerungen an Städte/Stätten, wo ich niemals war“ 2004; „El do Ra Da (da) : Gedichte, Erzählungen, Erinnerungen, Bilder„, 2006/2007; Poesiealbum 281, 2008).
Nachrufe: Tagesspiegel / Radio Prag (dt.) / Prager Zeitung
Eins seiner Gedichte:
Woronesh
Gleich im geschwätzigen Bahnhofsgewimmel:
ein Mann im Totenhemd!
Herr Ossip, erlauben Sie, daß ich
den Staub von Euren Schuhen wisch.
Er erlaubte nicht.
In: Erinnerungen an Städte/Stätten, wo ich niemals war. Edition Thanhäuser, S. 40. (Deutsch von Eduard Schreiber)
In L&Poe:
(alle im Archiv vorhanden)
neue Beiträge hier: https://lyrikzeitung.wordpress.com/tag/ludvik-kundera/
Das neue Internetportal Qadita.net sieht auf den ersten Blick aus, wie viele andere arabische Webseiten. Aber wer genauer hinsieht, bemerkt, dass Qadita.net ein lang gehegtes Tabu in der arabischen und islamischen Welt bricht: Auf der Webseite veröffentlichen schwule arabische Autoren unter Pseudonymen ihre Erzählungen und Gedichte in einer speziellen Rubrik, die – zumindest für Insider eindeutig – mit Regenbogenfarben gekennzeichnet ist. …
Insbesondere in der islamischen Literatur der Vergangenheit haben Homosexuelle deutliche Spuren hinterlassen. In der Zeit der Abbasiden-Dynastie von 749 bis etwa 1258 waren schwule Dichter berühmt für Gedichte über die Freuden des Weins und der Knabenliebe. Obwohl Teil des arabischen Kulturerbes, würden solche Werke seit Jahrzehnten zunehmend an den Rand gedrängt, erklärt Bathish: „Die Entwicklung des Patriarchats hat in den letzten Jahrhunderten einen dunklen Schatten auf sie geworfen. Homosexualität bedroht die Autorität. Deshalb wird sie unterdrückt.“ / Emad M. Ghanim, Deutsche Welle
Im Freitag vom 11.8. schrieb Stefan Amzoll eine Erinnerung an den Schriftsteller Karl Mickel anlässlich seines 75. Geburtstags:
Karl Mickel war Dichter und Gelehrter in einem. Parallele Fälle aus der Gegenwart zu nennen, dürfte schwer fallen. Gleichfalls, diese beiden sich beißenden Sphären zusammen zu denken. Mickel hat Wirtschaftsgeschichte studiert, und zur Dichtung kam er spät, mit 30 Jahren. Neben Karl Marx zählte Eric Hobsbawm, Erforscher des Banditenwesens, Autor von Das Zeitalter der Extreme und in jungen Jahren Jazzkritiker, zu den Gelehrten, die den Dichter mehr als andere anzogen.
Eben weil Mickel sich selbst als einen Gelehrten begriff. Oder besser: als Bürger seiner selbst kreierten Gelehrtenrepublik. Wie Literatur lief Musik in seinem Leben immer mit: Bach, Mozart, Schubert, Weber, Schönberg, Dessau, Nono, Henze, Schenker. Aufführungen in Oper, Theater, Konzert, die er genoss, der Stücke wie Libretti schrieb, sind nicht zu zählen.
Seine Zeit, wie sie auch wechselte, hielt der alternde Poet, wie er das immer tat, im Blick – nämlich merkwürdig. Presse und Fernsehen interessierten ihn kaum, allenfalls Fußball- und Tennisübertragungen.
In Urs Engelers roughblog heute als Gedicht des Tages nach jüngst Altgriechisch-Hölderlin eine weitere spannende Übersetzung mit Pasolini / Filips. Auszug:
Wênen vür allez,
vür allez lachen,
ein houpt bewarn,
niuwgieric ûf allez.
Planzi di dut,
ridi di dut,
vej un sarviél
curiòus di dut.
***
Aus Dunckler Enthusiasmo, Friulanische Gedichte von Pier Paolo Pasolini, Urs Engeler 2009, S.119
Ausgesucht und übersetzt von Christian Filips
Er nannte sich Fogwill, ohne Vornamen, so stand es auf seinen Büchern. Sokrates und Hegel seien ja auch ohne Vornamen ausgekommen, pflegte er zu sagen. Rodolfo Enrique Fogwill, wie man ihn der Vollständigkeit halber einmal nennen muss, war ein glänzender Vermarkter seiner selbst und die schillerndste Figur der argentinischen Literaturszene der letzten Jahrzehnte. …
Von seinen vielen, meist auf seine Heimat bezogenen Büchern, die kaum je ins Deutsche übersetzt wurden, ließ er vor allem zwei Gedichtbände und drei Romane gelten, darunter auch das Werk, das zum Auftritt Argentiniens auf der Frankfurter Buchmesse erstmals auf Deutsch erscheint: „Die unterirdische Schlacht“. / Paul Ingendaay, FAZ
Mehr: Latin American Herald Tribune / Buenos Aires Herald / La Razón (Argentina)
Neueste Kommentare