Renate von Mangoldt liest Walter Höllerer
Simone Kornappel spricht über Walter Höllerers bisher unveröffentlichte Gedichte aus der September-Ausgabe der “randnummer” … siehe HIER
am 15.12.2012
ab 19:30 Uhr in der Lettrétage,
Eintritt frei
Wenn man von diesen bedenklichen Fehlleistungen im Zeichen von Dada absieht, bietet das „Du“-Heft doch auch viel Hilfreiches zum Kontext der dadaistischen Revolte. Der russisch-deutsche Dichter Valeri Scherstjanoi zieht zum Beispiel einige Verbindungslinien zwischen der Lautpoesie Hugo Balls und der experimentellen Dichtung des russischen Futuristen Alexej Kruchtschonych, einem Freund und Weggefährten des radikalsten Avantgardisten Russlands, Welimir Chlebnikow.
Aus welcher materiellen Substanz und topografischen Erfahrung der Futurist Welimir Chlebikow seine futuristische „Sternensprache“ schöpfte, untersucht nun ein Essay in der aktuellen Ausgabe, der Nummer 99 der Kulturzeitschrift „Lettre International“. Der Schriftsteller Wassili Golowanow kann hier zeigen, dass Chlebnikows Wortschöpfungen elementar verbunden sind mit der Landschaft, in der er aufwuchs. Das poetische Koordinatensystem Chlebnikows ist die Landschaft rund um das Kaspische Meer – das Wolgaudelta, das seit je nicht nur ein uralter Transitraum von Waren aus allen Kontinenten war, sondern auch ein kultureller Geschichtsort, an dem die Kraftlinien vieler Kulturen zusammenlaufen. Welimir Chlebnikow, der Sohn eines Vogelkundlers, hat nicht nur ornithologische Begrifflichkeiten, sondern auch die botanischen und geologischen Merkmale des kaspischen Raumes in die Sprache seiner Poesie integriert. Daraus entstand dann der Entwurf seiner sogenannten „Zaum“-Sprache, eine magische, nach allen Seiten hin offene, Grenzen sprengende „Sternensprache“. Nach der Oktoberrevolution irrlichterte Chlebnikow zwischen den Fronten, wurde zweimal inhaftiert, erkrankte an Typhus und starb schließlich, von Krankheit und Hunger ausgezehrt, im Mai 1922 auf einer abgelegenen Station im russischen Norden. Erst ein halbes Jahrhundert später wurde er europaweit zur Kultfigur der literarischen Avantgarde. / Michael Brauns Zeitschriftenschau, Poetenladen
Rae Armantrout’s most recent book-length publication was Money Shot, published last year by Wesleyan University Press. An earlier collection, Versed (2009), received both a Pulitzer Prize & a National Book Critics Circle Award, while her connection to the most innovative side of American & world poetry remains as strong as ever. Previous postings on Poems & Poetics can be found here & here, as well as Marjorie Perloff’s essay “An Afterword for Rae Armantrout.” (Jerome Rothenberg)] hier neue Gedichte
November 29, 2012
Hier in L&Poe
A Preliminary Sketch Concerning a Language
By Afzal Ahmed Syed
In your language every line begins from an opposite end. The pronunciation of its words changes from day to night and their orthography changes with the change of seasons. A new word enters it on some special day and on some days a familiar word is made obsolete. The shape of its letters changes with your change of clothes. You make no effort to put together words that are crushed under feet from your carelessness, because your language is the world’s richest. The first kiss, the second kiss and any count of kisses are all identified in your language with separate words. If anything ever causes you to become tearful, all the books in the whole world written in your language become drenched.
translated from the Urdu by Musharraf Ali Farooqi
from: Asymptote. Issue Oct 2012
Afzal Ahmed Syed
has translated works by a number of East European poets including Miroslav Holub (Czech), Yehuda Amichai (Hebrew), Dunya Mikhail (Arabic), Tadeusz Borowski (Polish), Zbigniew Herbert (Polish), Jan Prokop (Polish), Tadeusz Rozewicz (Polish), Wisława Szymborska (Polish), Aleksander Wat (Polish), Marin Sorescu (Romanian), Osip Mandelstam (Russian), Orhan Veli (Turkish), as well as Gabriel Garcia Marquez, Jean Genet, William Saroyan and Jonathan Treitel. His website can be found
here
.
Der in diesem Jahr von der Münchner Bank gestiftete Lyrikpreis München in Höhe von 1000 Euro ging am 07.12.12 im Vortragssaal der Bibliothek im Gasteig an die Zürcherin Anne-Marie Kenessey. Die 39jährige Autorin beeindruckte die Jury durch zum Teil an den Dadaismus und Oskar Pastior angelehnte Gedichte sowie durch eine hervorragende Rezitation. Der zweite, von einem unbekannten Gönner gestiftete Preis (500 Euro) ging an Jürgen Flenker aus Münster, dessen Alltagsgedichte durch Authentizität bestachen; den dritten Preis (250 Euro), von den Oberbayerischen Bibliotheken gespendet, erhielt Jörg Neugebauer aus Neu-Ulm. Dieser hatte die Juroren mit seinem Langgedicht „Shadow Play“ überzeugt. Bei der Veranstaltung im Vortragssaal der Bibliothek im Gasteig am vergangenen Freitag traten als Juroren nicht nur Vertreter des literarischen Lebens aus München wie Bettina Hohoff, Rolf Grimminger und Ludwig Steinherr hervor, sondern auch der Verleger Andreas Heidtmann vom Leipziger Poetenladen und der Literaturwissenschaftler Professor Wolfram-Malte Fues aus Basel. Ausgerichtet wird der Lyrikpreis München vom Münchner Literaturbüro.
Aus dem L&Poe-Archiv, September 2007:
65. Baudelaire siebenfach
Karen Volkman bespricht in der Boston Review, July / August 2007 (ins Netz gestellt von Poetry Daily) eine Neuübersetzung von Baudelaires „Blumen des Bösen“ durch den amerikanischen Lyriker Keith Waldrop. Hier zwei französische (!) und drei englische Fassungen der ersten Strophe von Baudelaires Gedicht „“Le Crépuscule du Soir“ (Die Abenddämmerung). Für dieses Gedicht nämlich gibt es eine Variation in den postum erschienenen Prosagedichten „Le Spleen de Paris“. Ich füge die beiden deutschen Prosafassungen aus der Ausgabe von Friedhelm Kemp dazu.
Das Gedicht aus den Fleurs du mal:
Voici le soir charmant, ami du criminel;
Il vient comme un complice, à pas de loup; le ciel
Se ferme lentement comme une grande alcôve,
Et l’homme impatient se change en bête fauve.
[Here is charming evening, the criminal’s friend;
it comes like an accomplice, with a wolf’s step; the sky
slowly closes itself like a great alcove,
and impatient man changes into wild beast.]
[Der holde Abend naht, der Freund des Verbrechers; wie ein Komplize naht er, auf wölfisch leisen Sohlen; langsam schließt sich der Himmel wie ein großer Alkoven, und ungeduldig verwandelt der Mensch sich in ein räuberisches Tier.]
Baudelaires Prosafassung:
Le jour tombe. Un grand apaisement se fait dans les pauvres esprits fatigués du labeur de la journée; et leurs pensées prennent maintenant les couleurs tendres et indécises du crépuscule.
[Day falls. A great easing spreads in the poor spirits weary from the day’s labor; and their thoughts now take the tender and indecisive colors of twilight.]
[Der Tag sinkt. Friede breitet sich aus in den armen, von ihrem Tagwerk ermüdeten Seelen, und ihre Gedanken nehmen nun die zarten, verschwimmenden Farben der Dämmerung an.]
Nun die neue Übersetzung des Gedichts durch Waldrop:
Enchanting evening has come, friend of criminals; it approaches as accomplice, stealthily; the sky draws curtains as if around a gross bedchamber and impatient man changes into wild animal.
The Flowers of Evil, Charles Baudelaire, translated by Keith Waldrop
Hier der Originaltext aus der Ausgabe von 1857 mit weiteren englischen Fassungen
Kollegialer Gruß über den großen Teich:
Elke Erb
Für sich sein (Studie)
Ein junger Amerikaner, schmal, sensibel, G.I.
(nach den Kriegen, großen Kriegen. Ausdehnungen
dieses Krieges,
nach den großen sich leerenden Dimensionen)
(Stiefel, freilich, unterwegs Stiefel, neben einem stehend,
Pause, Wiese).
Aber hier für sich sein, Mansarde Einfamilienhaus Ausland,
und die Dose aufziehn, löffeln die süße Kondensmilch,
schmökernd.
Die blassen Fensterle-Kreuze, Kieshof, Kastanienblüte.
Wegen der Blütenkaskaden ein hoher Grad Anwesenheit
der gezimmerten Meinung.
In der Dose unten ausgefällt Kalk, kleinkörnig.
Zarter Abschluß des Zeitteils.
9.7.06
Aus meinem unterschwelligen Bewußtsein trat an die Oberfläche die Vorstellung von Keith Waldrop als amerikanischer Soldat am Kriegsende und behauptete sich auf der letzten Seite meines Buches “Sonanz” (Urs Engeler, 2008).
(Übernahme von Postkultur)

Der amerikanische Dichter, Übersetzer und Verleger Keith Waldrop feiert am 11. Dezember 2012 seinen 80. Geburtstag. Wir gratulieren und hoffen, dass sein Werk in den nächsten Jahren auch in Deutschland eine weitere Aufnahme findet. Mit Hilfe Ben Lerners und des Verlages Luxbooks werden wir in der nächsten Zeit einen erneuten Versuch in dieser Hinsicht starten.
Happy Birthday Keith Waldrop
Dieser wie auch einige weitere Posts in freundlicher (nicht feindlicher – wir sind nicht Suhrkamp) Übernahme von Jan Kuhlbrodts Blog Postkultur.
Meist schreibt Bulatovsky in Reimen und verwendet Einsprengsel aus unterschiedlichen Sprachen zum Bau seiner «Wörternester», Begriffe aus der Sowjetzeit etwa oder aus religiösen Sprachspeichern. Zugleich reflektiert er ironisch das eigene Tun: «Schattenwurf, Schattenwurf, Schattenwurf», heisst es da einmal in Daktylen, bevor das Ich mit leichtem Herzen seine Kugel fängt, «zurück aus des Gässchens Trochäus». Die vier Übersetzer haben all diese Klangspiele und rhythmischen Schlenker auf je eigene Weise ins Deutsche geholt. So folgt man Bulatovsky gern in seine poetischen Gärten, wo es viel Licht gibt und «Vöglein, ewige Subbotniks, / den heissen Staub von Körpern picken». / NZZ
Igor Bulatovsky: Längs und Quer. Aus dem Russischen von Daniel Jurjew, Olga Martynova, Gregor Laschen und Elke Erb. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2012. 88 S., Fr. 27.90.
„Von Tschwirik und Tschwirka“ ist ein besonderer Gedichtband. In erster Linie handelt es sich um eine Eigenübersetzung der Dichterin und Schriftstellerin Olga Martynova – der diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin –, die sie als Gemeinschaftswerk zusammen mit Elke Erb, ebenfalls Schriftstellerin und verdiente Übersetzerin aus dem Russischen, vorgelegt hat. Zweitens vereint dieser Band zwei Gedichtbände, die 2007 und 2010 in Moskau in der Originalausgabe erschienen. (…)
Gedichte, und diese Gedichte insbesondere, wollen gesprochen werden. Sie haben einen Resonanzkörper, der mit einer Stimme zum Klingen gebracht werden soll. Eine wiederholte Lektüre wird nicht nur den Text beleben, sondern einen meditativen Zustand des Lesenden herbeiführen und es ihm so ermöglichen, sich auf die Inhalte dieser Gedichte voll einzulassen. Zugegeben, es ist eine anspruchsvolle und aufwendige Lektüre. Manche Gedichte magnetisieren uns, lassen uns nicht aus ihrem Bann. Die Frage, wer denn Tschwirik und Tschwirka sind, bleibt offen. Ihre vogelartige Erscheinung und ihr menschenähnliches Wesen sind in vielen Kulturen anzutreffen: ob im babylonischen Gilgamesch oder beim hinduistischen Glücksgott Ganesha. Wie mit einem Zauberstab lässt Olga Martynova sie beide in der Figur des Balletttänzers Marius Petipa durchschimmern. Wie in einem Ballettflug gleiten die Buchstaben vorüber, einer Choreographie der Alliterationen, Vokaldehnungen, Abzählreime oder der Logik des Absurden gehorchend: „Die nassen Frösche im Frühling, die dünnen Wurzeln im Winter.“, „bach ach dach knach / omen ofen oder opel /wotan wonne monat mai.“ / Natalia Shchyhlevska, literaturkritik.de
Olga Martynova: Von Tschwirik und Tschwirka. Gedichte.
Übersetzt aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova.
Literaturverlag Droschl, Graz 2012.
96 Seiten, 16,00 EUR.
ISBN-13: 9783854208310
Veröffentlicht am 11. Dezember 2012 von zuendapp
Iulia Motoc, die im Verfassungsgerichtshof dem Neototalitarismus der USL entgegentritt, wurde von Antena 3 als „psychisch krank“ diffamiert. Cristi Danilet, der als Richter seine Unabhängigkeit beweist, wurde von dem Sender wegen eines Fotos, das ihn mit seiner Tochter zeigt, Pädophilie unterstellt.
Horia-Roman Patapievici, einer der prominentesten Intellektuellen des Landes, ist seit mehreren Monaten arbeitslos. Der 55 Jahre alte Physiker und Philosoph bewohnt eine Zweizimmerwohnung in einem Plattenbau am Stadtrand von Bukarest. Seine Nachbarn haben aufgehört, ihn im Stiegenhaus zu grüßen. Auf der Straße beschimpfen und bespucken ihn Unbekannte, bei der Eröffnung der Bukarester Buchmesse wurde er vor wenigen Tagen von einem Besucher attackiert. Patapievici war Mitarbeiter des Instituts für das Studium der Dokumente des kommunistischen Geheimdienstes Securitate und leitete zuletzt sieben Jahre lang das Rumänischen Kulturinstitut (IRC). Er verwandelte dessen ausländische Dependancen, die mit vergilbten Prospekten für rumänische Folklore warben, in Zentren der kulturellen Begegnung, die ein neues, weltoffenes Rumänien präsentierten.
Während die rumänischen Kulturinstitute in Stockholm, Wien und Istanbul, in Paris, London und New York Lob und Anerkennung ernteten, setzte in Bukarest eine beispiellose Kampagne gegen den IRC-Präsidenten ein. Jahrelang verleumdete der TV-Sender Antena 3 Patapievici als „Pornograph“, als „Zerstörer der Nationalkultur“ und „Feind des Volkes“, der eigentlich gar „kein Rumäne“ sei. Dieser Hass, sagt Patapievici, habe mitten in der Gesellschaft eine Atmosphäre entstehen lassen, wie sie in Deutschland in den dreißiger Jahren geherrscht habe. Er sei dieser Hetze ohnmächtig ausgeliefert: „Wie soll ich mich verteidigen? Soll ich etwa im Fernsehen auftreten und sagen, dass ich kein Pornograph und kein Volksfeind bin?“ In den Wohnungen des Plattenbaus, in dem er wohnt, läuft Antena 3 ununterbrochen. Im Juni wurde Patapievici von der Regierung Ponta mit Hilfe einer Notverordnung in einem Handstreich abgesetzt. (…)
Ein Haupt, das sich beugt, schlägt das Schwert nicht ab, lautet ein altes rumänisches Sprichwort. Um den Gehorsam zu erzeugen, der in den Jahrhunderten der osmanischen Hegemonie und in den Jahrzehnten des kommunistischen Terrors von den Rumänen erlernt wurde, reicht es, ein paar Dutzend durch Rufmord hinzurichten. Die anderen ducken sich, aus Furcht, sonst selbst an die Reihe zu kommen. In dem Land, das seit 2007 der EU angehört, regiert die Angst. (…)
(…) wieder erteilt „Die Stimme Russlands“, der Auslandsfunk des Putin-Regimes, der USL Ratschläge. Im Sommer hatte die rumänische Redaktion des Senders Ponta dazu aufgerufen, den Forderungen der EU-Kommission nicht nachzugeben und Băsescu notfalls durch den Druck der Straße aus dem Cotroceni-Palast zu vertreiben, dem Amtssitz des Staatsoberhauptes. Jetzt rät der russische Sender dazu, die Reputation der drei rumänischen Persönlichkeiten zu zerstören, die im Westen den Eindruck erweckt hätten, in Rumänien gehe es um einen Kampf zwischen dem Rechtsstaat und einer kriminellen politischen Kaste. / Karl-Peter Schwarz, FAZ 3.12.
Matthias Hagedorn schreibt:
Die Kritik neigt dazu, klüger als die Kunst sein zu wollen. Sozusagen die Kunst und noch etwas mehr. Dabei ist sie naturgemäß weniger, gackert, wo andere Eier legen (Guareschi) reduziert das Vieldeutige, kappt den semantischen Überhang, indem sie stets alles auf einen Nenner bringen will. Auch wo sich die Kritik gönnerhaft pseudokünstlerisch geben mag, praktiziert sie Reduktion, schließt aus. Die Überheblichkeitsgeste der Kritik ist die Kompensation dieses Umstands. Sie weiß das selbst und ärgert sich grün. Vielleicht deshalb dieser Furor – sowohl beim Verriss wie beim Lob? Ist doch nur Kunst, könnte man dagegenhalten, tut doch keinem weh. Aber in beiden Fällen sind es Machtdemonstrationen, die um so forcierter ausfallen, je deutlicher die Kritik der Kunst zu verstehen geben will, daß sie den längeren Füllhalter hat. Insofern steckt noch in der größten Laudatio ein Kern Verachtung.
Diese Pose ein klein wenig ins Wanken zu bringen – jedenfalls nicht selbst zu kultivieren – sind die Kulturnotizen am 10. Dezember 2011 angetreten, ein erstes Resümee ist hier zu lesen: http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=8716.
Herzliche Grüße, Matthias Hagedorn
Streit gibts immer wieder um den Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan, der als stellvertretender Vorsitzender der Allchinesischen Schriftstellervereinigung ein Stück weit das offizielle China repräsentiert. Dazu paßt, daß er die Zensurpraxis in China verteidigt, indem er sagt, die Behörden müßten eben prüfen, ob etwas der Wahrheit entspreche oder nicht. (Offenbar haben die chinesischen Beamten das Problem der Wahrheit in der Kunst gelöst). Der Künstler Ai Weiwei kritisierte ihn scharf als „Wächter des Systems und zugleich Nutznießer“.
Chinesisch-schwedischen Zoff auf Bierkutscherebene – nein, das ist eine Beleidigung des Standes der Bierkutscher – auf akademischer Ebene gibt es zwischen dem in Schweden lebenden Autor und Übersetzer Li Li und dem Akademiemitglied Göran Malmqvist. Li Li hatte ein chinesisches Gedicht veröffentlicht, in dem es um reiche alte Männer mit jungen Frauen geht. Malmqvist (88) und desssen Ehefrau (43) bezogen das auf sich und waren empört. Er werde ihn „wie eine Laus mit dem Daumennagel zerquetschen“, schrieb Malmqvist an seinen Akademiekollegen Per Wästberg. Nicht nur das. In einem durchgesickerten Mailwechsel der beiden Akademiemitglieder verabreden die sich, dafür zu sorgen, daß Li Li „keine Stipendien von irgendwoher“ mehr bekommen werde. Akademiemitglieder können das auch unabhängig von ihrer Daumennagelstärke.
Zum Nachlesen: taz 8.12., S. 2 und 12.
Neueste Kommentare