Beim open mike geht es nicht nur um Wettbewerb, sondern um eine umfassende Autorenförderung. Vom 1. – 3.2.2013 treffen sich die Finalisten des Wettbewerbs junger deutschsprachiger Lyrik und Prosa zu einem dreitägigen Workshop mit erfolgreichen Autoren, Lektoren und Fachreferenten in der Nähe Berlins. Ziel des Arbeitstreffens ist nicht nur die Arbeit am Text, sondern die jungen Autoren auf alle Bereiche des Literaturbetriebs vorzubereiten und sie zu vernetzen.
Dieser seit 5 Jahren regelmäßig stattfindende Workshop ist Teil eines Gesamtkonzepts des open mike, das Dank der Unterstützung der Crespo Foundation in den letzten Jahren realisiert und stetig ausgebaut werden konnte. Neben den Lesungen des open mike-Finales jährlich im November gehören dazu auch Kolloquien zu literarischen Themen, die Vorstellung von Debüts der Finalisten und eine Lesereise durch Frankfurt und Zürich und Wien. Auch die Schreibwerkstätten des open mike, „open writing“ (Frankfurt) und „open poems“ (Berlin) sind sehr erfolgreich. Der von dem ehemaligen open mike-Teilnehmer Tom Schulz geleitete Lyrikworkshop „open poems“ für Autoren von 16-23 Jahren ist derzeit restlos ausgebucht.
Die Literaturwerkstatt Berlin bemüht sich seit Jahren, den literarischen Nachwuchs zu fördern. Über das ganze Jahr hinweg macht sie immer wieder Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen und veranstaltet Fortbildungen für Lehrer und Pädagogen. So ging am 24.1. die Ausschreibung für den Schülerwettbewerbs „Poesie verbindet“ zu Ende.
Der Fokus des Bildungsangebotes der Literaturwerkstatt Berlin liegt auf der Lyrik.
Der open mike-Blog begleitet das Workshop-Wochenende vom 1.-3.2. mit aktueller Berichterstattung, Porträts der Teilnehmer etc.
www.openmikederblog.wordpress.com
Folgen sie uns auch auf Facebook:
www.facebook.com/openmikeberlin
Informationen unter:
www.literaturwerkstatt.org
Goethe erfand die automatische Aufzeichnung von Gedanken. Soll das Genie sich auch noch um die Aufzeichnung selber kümmern?
Wenn meine Gedancken Federn wären und den
Weeg ab Pergamente von Engeln auf und ab gerollt.
Schade, daß keine dieser englischen Mitschriften erhalten blieb. Irdisches Papier hält einfach besser. So blieb dieser große Gedanke erhalten in einem Reisetagebuch von 1775, zwischen Notizen zum Weg und Gedichtentwürfen.
Was mit dem Kopf, mag denn auch mit anderen Körperteilen funktionieren. Wenn das nicht schon oft in ähnlichen Umständen erfunden wurde, hat ein spanischer Sportreporter das Fußgedicht erfunden:
Wenn Mesut Tinte in den Stollen hätte, hätte man auf dem Rasen im Bernebeu eines der schönsten Gedichte lesen können, das der Fußball schreiben kann. Er ist wirklich ein Genie.
In den Jahren seit der Gründung des Speyrer Czernik-Verlags ist in dieser bemerkenswerten Reihe lebendige, experimentierfreudige Lyrik bekannter oder weniger bekannter Gegenwartspoeten erschienen. (…) Auch zum Inhalt der drei Lyrikbände, „Ich schmecke deine Blicke“ von Gertrud Edelmann, „Abgesang eines gestrandeten Tages“ von Christine Roth und „Wortspuren“, eine Sammlung von Gedichten der Inge-Czernik-Förderpreisträger 2012, die vor Kurzem in der „Edition L“ erschienen sind, machte er sich Gedanken und fasste zusammen, was das Besondere daran ist. Trotz unterschiedlicher Texte haben alle etwas Gemeinsames: die Legitimation der Poesie, an der Verzauberung der Welt zu arbeiten. / Schwetzinger Zeitung
Gedichtbombe über Berlin, von einem Hubschrauber aus gefilmt. Kann bedrucktes Papier ein Leben verändern?
Noch einmal Baudelaire. „Folie Baudelaire“, der Wahn Baudelaire, so der Titel von Calassos Buch über den Dichter, nimmt eine gehässig gemeinte Formulierung des Kritikers Charles-Augustin Sainte-Beuve auf und wendet sie ins Positiv. Sainte-Beuve war ein einflußreicher Literaturkritiker und seit 1844 Mitglied der Akademie. 1861, als die beiden Akademiker Eugène Scribe und Henri Lacordaire starben und damit ihre Sitze frei wurden, bewarb sich Baudelaire (der Prozeß, der zum Verbot einiger Gedichte der Flairs du mal führte, lag erst wenige Jahre zurück) um einen Platz in der Akademie. Aber die Sainte-Beuves widersetzten sich und siegten, sie blieben unter sich. Baudelaire aber wurde Mitglied der stets imaginären Akademie der Geister.
Und Sainte-Beuve? Seine Vornamen muß ich immer wieder nachschlagen. Er überlebte sozusagen als Insekt im Bernstein Baudelaires. In Hugo Friedrichs „Struktur der modernen Lyrik“ las ich als Diktum Baudelaires: „Um die Seele eines Dichters zu durchschauen, muß man in seinem Werk diejenigen Wörter aufsuchen, die am häufigsten vorkommen. Das Wort verrät, wovon er besessen ist.“ Auch belesene Autoren machen Fehler, der Satz stammt nicht von Baudelaire. Friedrich fand es und exzerpierte vermutlich für seine Materialsammlung bei Baudelaire, aber er verkürzte das Zitat, wie das beim Abschreiben passiert. Bei Baudelaire steht: „Bei einem Kritiker lese ich: ´Um die Seele eines Dichters zu erraten, oder zumindest das, was ihn vor allem beschäftigt, durchforsche man seine Werke nach dem Wort oder den Worten, die darin am häufigsten auftreten. Dem wird man entnehmen, wovon er besessen ist.´“ So in der Ausgabe Sämtliche Werke, Hrsg. Friedhelm Kemp und Claude Pichois, Bd. 7, S. 177.
Der Kritiker war Sainte-Beuve. Und so kursiert wenigstens ein Zitat des Kritikers unter falschem Namen bei deutschen Lesern der französischen Moderne. Und vielleicht noch ein zweites? Die Stelle mit dem Kiosk auf dem romantischen Kamtschatka ist es wert, aufbewahrt zu werden.
Was für ein Leben! Johann Gottfried Seume, vor 250 Jahren, am 29. Januar 1763, in Kursachsen geboren, war Sohn eines Landmannes, wurde aber als kluges Kind gefördert. So konnte er in Leipzig Theologie studieren und nebenher seiner Theaterliebe frönen.
Aber Seume war mittellos, ständig auf Stipendien angewiesen, nicht unterwürfig gegenüber seinen Förderern, die er vergraulte. Ein eigensinniger Charakter, ein Kämpfer, der sich durchbiss. Davon erzählte er und wurde – anderthalb Meter klein, kurzsichtig, ein knorriger Zwerg mit hochfliegenden Ambitionen – zu einem Pionier der Aufklärung und außergewöhnlichen Journalisten. Seume lebte intensiv, er wurde nur 47 Jahre alt. / Roland Mischke, Mainpost
Bruno Preisendörfer: Der waghalsige Reisende. Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben (Galiani Verlag, 380 Seiten, 19,99 Euro)
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
As children, many of us played after dark, running out to the border of the reach of light from the windows of home. In a way, this poem by Judith Slater, who lives in New York State, remembers the way in which, at the edge of uncertainty, we turned back.
Family Vacation
Four weeks in, quarreling and far
from home, we came to the loneliest place.
A western railroad town. Remember?
I left you at the campsite with greasy pans
and told our children not to follow me.
The dying light had made me desperate.
I broke into a hobbled run, across tracks,
past warehouses with sun-blanked windows
to where a playground shone in a wooded clearing.
Then I was swinging, out over treetops.
I saw myself never going back, yet
whatever breathed in the mute woods
was not another life. The sun sank.
I let the swing die, my toes scuffed earth,
and I was rocked into remembrance
of the girl who had dreamed the life I had.
Through night, dark at the root, I returned to it.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Judith Slater from her most recent book of poems, The Wind Turning Pages, Outriders Poetry Project, 2011. Reprinted by permission of Judith Slater and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Pergamon Poems
von Gerhard Falkner
Es ist vielleicht das wichtigste Gedichtbuch des vergangenen Jahres. Denis Scheck hat den Dichter zu seinen literarischen Kniffen befragt.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 27.01.2013. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Alles was hierüber steht und nicht steht stammt original vom Fernsehen. Und ich bitte um Vergebung, aber ich kann da vielleicht nicht anders. Und empfehle: ansehen, Buch kaufen, selber lesen.
Gedichte: App für iPhone im Test auf apps-news.de
Gedichte-Freaks aufgepasst! Mit der Gedichte-App holt ihr euch klassische bis moderne Texte deutscher Dichter auf euer iPhone, iPod touch oder iPad. …
Gratis
Kompatibel mit iPhone, iPod touch und iPad. Erfordert iOS 4.0 oder neuer.
Matthias Kehle teilt die Schließung seines Blogs mit:
Neue Medien haben ihre Zeit. Ich lade alle meine zahlreichen Leser auf meine Facebook-Seite ein:
Matthias KehleDieses Blog ist geschlossen.
Im November 1950 wurden in Leningrad, dem heutigen Sankt-Petersburg, zwei Männer Anfang zwanzig zu jeweils fünf Jahren Lagerhaft verurteilt. Sie wurden in westsibirische Wälder abtransportiert, Holz fällen. Boris Pawlinow und Ruslan Bogoslowski hatten laut Anklage versucht, ‚die sowjetische Jugend moralisch zu verderben‘. Sie hatten verpönte Musik aus dem Westen unters Volk gebracht. ‚Boogie Woogie Bugle Boy‘ von Andrews Sisters, ‚It Ain’t Good For Me‘ von Asa Harris, ‚When It’s Sleepy Time Down South‘ von Louis Armstrong.
Die beiden betrieben ein geheimes Tonstudio für verbotene Musik, und mangels geeigneter Tonträger erfanden sie einen Weg, ihre Musik auf ausgedienten Röntgenbildern zu verbreiten.
Die weichen, nicht immer ganz runden Scheiben, auf denen meistens noch lädierte Schädel, Rippen, Handgelenke oder Kniescheiben zu erkennen waren, ließen sich leicht zusammenrollen und im Ärmel verstecken. ‚Musik auf den Knochen‘, wie der Schwarzmarkt bald hieß, wurde zum Tonträger einer Generation…
Nach Stalins Tod kamen die beiden vorzeitig frei. Pawlinow wurde unter dem Namen Taigin ein Samisdat-Autor, -Erfinder und -Verleger:
Taigin, geboren 1928, starb vor fünf Jahren in Sankt Petersburg und ließ seine Asche über der Newa zerstreuen. Seine jüngeren Freunde erinnern sich vor allem an den Dichter und Verleger Taigin, denn ab den sechziger Jahren widmete er sich mehr der verbotenen Literatur als der Musik. Mit seinem Hausverlag ‚Be-Ta‘ begründete er die Samisdat-Tradition in der Sowjetunion. Doch wer Ende der vierziger Jahre jung war, erinnert sich an Taigin als einen Pionier der Knochen-Musik.
/ Tim Neshitov, Süddeutsche Zeitung 19.1.
Erst dieser Aufstieg Berlins brachte, historisch ähnlich verspätet, in der deutschen Literatur die Großstadtlyrik hervor, die es in anderen Ländern, vor allem in England und Frankreich, längst gab. Der Berliner Tucholsky hat zu diesem Genre einige Gedichte beigetragen; „Augen in der Großstadt“ (Gedichttext im Kasten unten) ist das bekannteste von ihnen.
Obwohl 1930 in der „Arbeiter Illustrierten Zeitung“ erschienen, unter dem Pseudonym Theobald Tiger, gehört es nicht zu der meist sozialistischen, proletarisch kämpferischen Großstadtlyrik, die in den zwanziger Jahren Konjunktur hatte. Das Wort „Genosse“ wird am Ende nur fast beiläufig erwähnt. Auch über die oft beklagte Architektur der Großstadt verliert Tucholsky nur wenige Worte: „asphaltglatt“ ist das einprägsamste. „Augen in der Großstadt“ ist vor allem ein Gedicht über die Gefühle des Großstädters. / Dieter Lamping, FAZ (Frankfurter Anthologie)
Auf Umwegen nähert sich Calasso der Welt Baudelaires, um so in ihr Zentrum zu stossen. Er beginnt mit einem Brief Baudelaires, der seine Mutter einlädt, sich mit ihm im Louvre zu treffen. In der einfach-komplizierten Faktur dieses ganz persönlichen Briefs entdeckt Calasso das ganze Geheimnis von Baudelaires Stil. Für Calasso ist die Prosa, von den Gemäldekritiken seiner «Salons» bis zu den Briefen, Baudelaires eigentlicher Ruhm. Dass Baudelaire ein grosser Prosaist ist, der die Gabe memorabler Formulierung besitzt, ist eine Entdeckung Calassos, dem die Lyrik mit ihrer doch unvergleichlichen poetischen Energie ferner steht. Zwar findet er für sie immer wieder, wenngleich nicht vorbehaltlos, rühmende Worte, aber vor allem ist er ein Wünschelrutengänger für die geballte Intensität der beschreibenden und theoretischen Prosa, die oft noch kein Leser wahrgenommen hat und aus deren Erweckung ein neuer, bedrängend naher Baudelaire ersteht. (…)
Calassos Darstellung spiegelt Baudelaires Welt in all ihren Facetten. Dabei ist es kaum vermeidbar, dass auch manches keine Beachtung findet, was man für Baudelaires geistige Physiognomie als nicht unerheblich ansehen möchte. Dies gilt insbesondere für Baudelaires Erfahrung der Melancholie. In ihrer Mitte steht Dürers Kupferstich der Melencolia, der sich seinem Werk vielfältig eingeschrieben hat. Überraschend mag auch erscheinen, dass Calasso dem Komplex von Dichtung und psychischem Grenzzustand nicht nachgeht, wie er im Sonett «Auf Tasso im Gefängnis» («Sur le Tasse en prison») seinen Ausdruck findet, das sich seinerseits an Delacroix‘ gleichnamigem Bild inspiriert. Auch stand Baudelaire wohl dem subtilen Prosaisten und in die Dimension der lyrischen Dunkelheit vorstossenden Dichter Nerval näher, als es bei Calasso erscheinen mag. Dennoch: Nie wurde Baudelaires Welt, die Welt der Moderne, die im Paris des 19. Jahrhunderts ihre geistige Physiognomie fand, mit so treffender und leichter Hand beschworen wie in Calassos «Folie Baudelaire». / Karlheinz Stierle, NZZ
Es war Dichterlesung, die Lesung zur Nummer 69 der „Weilheimer Hefte zur Literatur“. Es trat auf die preisgekrönte Dichterin Nora Gomringer, bekannt auch als Leiterin des Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg. Es sang dazu, darüber, dazwischen das „Wortart Ensemble“ aus Dresden. Es war ein Abend von unglaublicher Sprachgewalt. Es war der Wahnsinn.
Gomringer machte manches klar an diesem Abend: Was Sprache ist, was Sprache kann, wie Sprache begeistert. Und wie arm diese Welt ist, wo Sprache auf das schrumpft, was sich per SMS mitteilen lässt. Bei Nora Gomringer sind Worte sinnliches Erlebnis, ja Urgewalt. Sie zu lesen macht erst wirklich Spaß, wenn man sie mal gehört hat: ihr Tempo, ihre vielen Stimmen, ihr genüssliches Zermalmen von Silben, ihre Besessenheit, ihr Dramatisieren. / merkur online
glum vorbei und Ollontität, zwischen Geschwätz und Theorie – sprechen wir in unserer Lage schon die richtige Sprache?
Hansjürgen Bulkowski
Neueste Kommentare