Als verfremdende Momente sah Dieter Sperls Partitur zwei rein sprachliche Komponenten vor : Da waren kurze Texte – nicht länger als einige Sätze – deren Aufnahmen mithilfe des Rechners aufs zwanzigfache und über das gesamte Stück gedehnt wurde . Der dadurch verursachte Verlust der Veständlichkeit des Wortsinns war beabsichtigt und durch den Gewinn einer das Stück rhythmisierenden sprachlichen Superstruktur mehr als wettgemacht . Obwohl im Zeitalter der digitalen Soundtechnik ein solches Stretching nicht mehr notwendig mit jener Absenkung der Tonhöhe einhergeht , wie sie zu Zeiten des Tonbandes der Fall war , entschied man sich bewusst für eine rechnerisch herbeigeführte Tonabsenkung mit dem Effekt einer bassartigen Grundierung .
Als zweite sprachliche Intervention blieben eine Reihe von Silben , Worten und Wortfolgen , welche umgekehrt ( revertiert ) eingesprochen wurden , dann aber wiederum per Software im Reverse- Modus umgekehrt wurden : das nach dieser zwiefachen Drehung wieder “gerade” Lexik klang fremd , kaum verständlich und – wie etwa aus “Twin Peaks” bekannt – seltsam unheimlich .
Schliesslich wurde der für “Literatur als Radiokunst” eher rare Effekt des Halls von Tonmeister Elmar Peinelt an eher überraschenden Momenten des Sprachverlaufs gesetzt , wodurch jede Anmutung obsolet wurde , dass hier ein ohnehin abstraktes Sprechen etwa “natürlich” oder illustrativ verklanglicht worden sei . Die insgesamt klare , indes deutlich differenzierende Klangsprache konnte dem Autor der “Diary Samples” nur recht sein .
HINWEIS
Dieter Sperls Produktion “Fluss der Poesie . Crossing the River of Imaginations” ( 16:12 ) wird am 7. 7. 2013 ab 23:03 H im ORF- “Kunstradio” urgesendet .
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BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
If we haven’t done it ourselves, we’ve known people who have, it seems: taken a vacation mostly to photograph a vacation, not really looking at what’s there, but seeing everything through the viewfinder with the idea of looking at it when they get home. Wendell Berry of Kentucky, one of our most distinguished poets, captures this perfectly.
The Vacation
Once there was a man who filmed his vacation.
He went flying down the river in his boat
with his video camera to his eye, making
a moving picture of the moving river
upon which his sleek boat moved swiftly
toward the end of his vacation. He showed
his vacation to his camera, which pictured it,
preserving it forever: the river, the trees,
the sky, the light, the bow of his rushing boat
behind which he stood with his camera
preserving his vacation even as he was having it
so that after he had had it he would still
have it. It would be there. With a flick
of a switch, there it would be. But he
would not be in it. He would never be in it.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Wendell Berry, whose most recent book of poems is New Collected Poems, Counterpoint, 2012. Poem reprinted from New Collected Poems, Counterpoint, 2012, and used with permission of Wendell Berry and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Wenn ich Popp lesen höre, empfinde ich es so, dass er die einzelnen Takes so moduliert, dass man mitmerken kann, wie absurd der Fokus doch ist. »Das angewinkelte Knie auf dem Hochsitz schläft« funktioniert natürlich auch solo, aber mit der Richtungsvorgabe durch die Stimme weiß man leichter, dass hier keiner eleganz-unfähig durch die Literatur stakst. Man weiß dann schnell: Das geht hier clever vorbei an dem, was man Eigentlichkeit heißt.
Weil wir auch gar nicht wissen, was Eigentlichkeit ist, oder wie die Leeren unterhalb dieser nun rationalisierbar sind.
Also versuchsweise vom Gegenteil her operieren, zurecht kommen, vom Nicht-gleich-Sinnlichen, Nicht-gleich-Nahen: »Beton war Denken, eine Schule / massiv«. Und »Kraneisen ragten noch Jahre aus ihnen, Rostohren / Angeln. Glaube an Konstruktion: Mein Bauabschnitt / Richter VII. Deiner, reduzierte Geschosshöhe / einer der Evangelisten. Tiefpunkt des Territoriums.« Das sind so Stellen für Entschlüsselungs-Connaisseure – auch wenn der Beton sich aus dem Band als friedliches Trauma aus einer Kindheit zwischen Plattenbau und Panzerstraßen lesen lässt.
Die Texte bleiben trotz des Hazardierens »irdisch«, selbst da, wo Popp den Pan anruft – mit großem Zuwendungs-O. Mindestens in »narrativ«, einer der sechs Abteilungen des Bandes, wo ein Archivalienwisperer die Feder führt.
Doch auch ihn leitet die Poppsche Eule, auch ihm eignet ein Eulen-nach-Athen-Raum, »Die Brust ein Eulenhag, mit Stille ausgestopft«. Die Eule ist der große dunkeleske Vogel dieser Dichtung, sie wird immer wieder aufgeführt: als Wampum, Totem, Wappentier. »Eulen / bedruckte Duschhaut, die am Körper klebt, Wasser«.
Aber das ist nur ein Touch dieser Gedichte.
/ Ron Winkler, Fixpoetry
Steffen Popp: Dickicht mit Reden und Augen. Gedichte. ISBN: 978-3-937445-54-0, 19,90 €, kookbooks, Berlin 2013.
Anders als die Zeit in der Kadettenschule, wohin der ehrgeizige Funktionärsvater Horst Brasch seinen ältesten Sohn im Alter von elf geschickt hatte und wo der Drill ihn fast zerbrechen ließ, hat die dreijährige Arbeit als Fräser im Berliner Transformatorenwerk „Karl Liebknecht“ sein Schreiben ähnlich intensiv wie die Lektüre von Büchern geprägt und inspiriert. Sie hat seine Texte härter und sparsamer gemacht, Brasch feilte nicht mehr, er fräste, was sich nachvollziehen lässt im Buch, wenn man die ersten Fassungen der Gedichte mit den endgültigen vergleicht. Immer wurde da weggehauen, was beim Vergleich der Fassungen bis auf wenige Ausnahmen als überflüssig einleuchtet. In dieser Ausgabe lässt sich auch ablesen, wie sorgsam die Gedichtbände komponiert waren. „Der schöne 27. September“ von 1980 zum Beispiel. Und von welch immenser Produktivität die ersten Jahre im Westen waren.
Man braucht kein Wissen um die Herkunft des Autors, um die Gedichte zu verstehen. Sie lassen sich als Identitätssuche lesen, das macht sie universell und auch für Jüngere, die ihn nicht mehr oder noch nicht kennen, interessant. Die Texte sind an Brecht, vor allem seinen frühen Gedichten geschult, an Heiner und auch Inge Müller, an Shakespeare. Brasch beherrschte, auch durch die stetige Übung an den Nachdichtungen, die ganze Klaviatur gebundener Verse, lang oder kurz, Blankverse oder frei. Und immer ist da auch das einsame Kind: Paul allein auf der Welt, der eines Morgens aufwacht, und niemand ist mehr da. / Annett Gröschner, Die Welt
Thomas Brasch: „Sie nennen das Schrei“. Gesammelte Gedichte. Hrsg. v. Martina Hanf u. Kristin Schulz. Suhrkamp, Berlin. 1030 S., 49,95 €.
Der mit vielen Preisen ausgezeichnete schwäbische Dichter Walle Sayer unternimmt in seinem jüngsten Gedichtband „Strohhalm, Stützbalken“ erneut die Vermessung dessen, wozu andere leichthin oder verlogen „Heimat“ sagen. Und er reflektiert in diesem „Fokus“ zugleich die Bedingungen der Perspektive, das ambivalente Wechselspiel von Nähe und Abstand als wesentlich für sein Schreiben. „Ein Kolumbus sein / der den Ort entdeckt / in dem er lebt seit fünfzig Jahren.“ / Andreas Kohm, Badische Zeitung 29.6.
Walle Sayer: Strohhalm, Stützbalken. Gedichte. Verlag Klöpfer und Meyer, Tübingen 2013.116 Seiten, 16 Euro.
Jeder Anspruch, dem Andre sich entgegenstellen, schadet dem Ansehn: die Mitbewerber streben sogleich uns zu verunglimpfen, um uns zu verdunkeln. Wenige Menschen führen auf eine redliche Art Krieg. Die Nebenbuhler decken die Fehler auf, welche die Nachsicht vergessen hatte. Viele standen in Ansehn, so lange sie keine Nebenbuhler hatten. Die Hitze des Wettstreits ruft längst abgestorbenen Schimpf ins Leben zurück und gräbt die ältesten Stänkereien wieder aus der Erde. Die Mitwerbung hebt an mit einem Manifest von Verunglimpfungen und nimmt nicht was sie darf, sondern was sie kann zur Hülfe. Und wenn gleich oft, ja meistens die Waffen der Herabsetzung nicht zum Zwecke führen; so suchen wenigstens durch solche die Gegner die niedrige Befriedigung der Rache, und schütteln sie dermaaßen in der Luft, daß von beschämenden Unfällen der Staub der Vergessenheit herabstiegt. Stets waren die Wohlwollenden friedlich und die Leute von Ruf und Ansehn wohlwollend.
Balthasar Gracian
Gracian’s Orakel der Weltklugheit
Leipzig: Philipp Reclam jun. 1890
(Arthur Schopenhauer’s handschriftlicher Nachlaß 1)
Gerade wo man dachte, mit der Kultur geht’s nur noch bergab, da entscheidet sich eine mutige Gruppe Chemnitzer, etwas für das Land der Dichter und Denker zu tun: Sie veröffentlichen eine Lyrikzeitung. Mit viel Enthusiasmus und wenig Vorbehalten vor Medium oder Genre machten sie sich ans Werk: Christian Gesellmann, Matthias Zwarg, Martin Rüdiger, Frank Weißbach, Mathilde Schliebe und Frank Roscher. Sie fragten Freunde und Bekannte und erstaunlich viele von ihnen hatten Gedichte in der Schublade. Aus 70 Einsendungen wählten sie nach eigenem Gusto 30 teils internationale Werke aus. „Besser als heute Morgen“ heißt das Produkt, in dem sie nun gedruckt wurden. Herausgekommen ist kein Kanon von Lyrik, die man gut finden soll, sondern ein facettenreicher Querschnitt dessen, was junge und gestandene Autoren (etwa der preisgekrönte Andreas Altmann) für zeitgemäße Lyrik halten. Und auch nicht in einem schmucken Leinenbändchen, sondern in einer ganz normalen Zeitung im rheinischen Format (wie der BLICK). „Wir wollten etwas Schönes machen“, sagen die Herausgeber. Und etwas, das den Alltag bereichere. Nun warten 3.000 Exemplare auf die Chemnitzer Leser, für kleine 80 Cent sollen sie ihnen auf dem Weg zur Arbeit den Tag verschönern. / Blick 3.4.
Die Gruppe junger Chemnitzer, die sich in ihrer Freizeit zusammenfand, „Besser als heute Morgen“ zu produzieren, sagt, das Ziel war, etwas Schönes zu machen. Das darf als gelungen betrachtet werden. Eine Fortsetzung ist angedacht. / Blick 8.5.
‚Eterna Cadencia‘, ein kleiner Verlag aus Buenos Aires, sieht in der Langlebigkeit des Buchs ein ärgerliches Lektürehindernis, unter dem vor allem junge Autoren zu leiden hätten. Ihre Karriere hänge von der unmittelbaren Resonanz ihrer Werke ab, es nütze ihnen wenig, wenn ihre Bücher erst nach mehreren Jahren aufgeschlagen werden. Also hat sich der Verlag ein neues Buchformat ausgedacht, dessen eigens entwickelte Druckfarbe sich nach dem ersten Kontakt mit Licht und Luft langsam auflöst: Nach 60 Tagen ist der gesamte Text verschwunden. Der Leser des ‚Buchs, das nicht warten kann‘ (‚El libro que no pueda esperar‘) muss sich entscheiden: gleich lesen oder gar nicht. / Carlos Spoerhase, Süddeutsche Zeitung 20.6.
Am 27.6. 1925 wurde Frank O’Hara geboren. Zitat zum Gedenken:
oh god it’s wonderful
to get out of bed
and drink too much coffee
and smoke too many cigarettes
and love you so much.
(Hier das ganze Gedicht, „Steps“)
Der „Lyriksommer“ im Deutschlandradio Kultur vom 14. Juli bis 31. August schöpft aus dieser Vielfalt und präsentiert in den Sendungen der Literatur u.a. Poesie aus Dänemark, dem Iran oder aus den USA.
Dabei spielen unterschiedlichste Traditionen und alle nur denkbaren Stile eine Rolle: Michèle Métails spielerische Lautpoesie ist zu hören, Hart Cranes klingender und zersplitterter Schlüsseltext der Moderne, eine Hymne auf die Brooklyn Bridge oder Landschaftspoesie aus Großbritannien. Wir zeigen das Weiterwirken von Baudelaire, die Inspirationsquellen für poetische Bildwelten der Gegenwart oder wie und wovon Dichter heute überleben.
Zum Auftakt des „Lyriksommers“ diskutieren wir mit neuen Verlagen. Sie publizieren vorwiegend junge Stimmen und übersetzen längst überfällige Titel. Ob man überhaupt – z.B. Ezra Pound – übersetzen kann, ist eines von vielen Themen. Lyrikzeitschriften verlagern sich verstärkt ins Internet. Wie seine Lyrikplattformen macht das Radio seit jeher den speziellen Sound einer Dichterin oder eines Dichters hörbar – während des „Lyriksommers“ auf vielen Plätzen in unserem Programm – u.a. täglich in der frühen „Ortszeit“, aber auch in den Lesungen am Samstag.
Shakespeare-Sonette oder Arbeiten des russischen Avantgardisten Chlebnikow finden sich in der Sendung „Klangkunst“ wieder, und auch Hörspiel und Musik schließen sich mit etlichen Sendungen dem „Lyriksommer“ an.
Das Programm im Überblick:
Hörspiel – Sonntag, 14. Juli 18.30 Uhr
Rotoradio
Von Ferdinand Kriwet
Regie: Ferdinand Kriwet
Mit: Max Woithe, Janusz Kocaj, Janus Torp, Marian Funk, Ilja Pletner
Ton: Alexander Brennecke
Produktion: DKultur/WDR 2012
Länge: 39’09
Kriwets „ROTOR“ von 1961 ist die unaufhörliche Rede eines namenlosen Ich. Kriwet selbst hat sich an eine Auswahl und neue Zusammenfügung gewagt. Mit fünf jungen Schauspielern werden extrahierte Textteile rhythmisch überlagert, chorisch arrangiert oder den Redefluss demonstrierend collagiert. Ein Annäherungsversuch an das eigene Erstlingswerk von vor 50 Jahren.
Literatur – Dienstag, 16. Juli 19.30 Uhr
Spezialisten im Abseits?
Deutschlands DichterInnen
Zum Auftakt des Lyriksommers eine Diskussion
Moderation: Barbara Wahlster
Lyrik ist Rhythmus und Klang, macht Vertrautes fremd, sorgt für Verblüffung und liefert Erkenntnisse – oft blitzschnell und prägnant.
Literatur – Samstag, 20. Juli 17.30 Uhr
„Sich selbst verschluckende Sätze“
Hans Magnus Enzensberger liest Gedichte aus dem Band „Kiosk“
Literatur – Sonntag, 21.Juli 0.05 Uhr
Das ganz alltägliche Pathos. Wie Gegenwartslyriker ihre Bilder finden
Von Astrid Mayerle
Literatur – Dienstag, 23 .Juli 19.30 Uhr
Kann man Ezra Pound übersetzen?
Die Literaturwissenschaftler Heinz Ickstadt und Manfred Pfister im Gespräch
Moderation: Kolja Mensing
Antisemit oder großer Dichter? Ezra Pound ist eine der umstrittensten Figuren der künstlerischen Moderne. Seine „Cantos“ sind jetzt vollständig auf Deutsch erschienen
Literatur – Samstag, 27. Juli 17.30 Uhr und 22.30 Uhr
„Ich sagte einmal zu Stéphane Mallarmé“ ein Essay von Paul Valéry
Gelesen von Jürgen Hentsch
RIAS 1993
Erotikon
„Eile Knabe, hole uns muntre Mädchen“
Erotische deutsche Gedichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart
Gelesen von Julia Mohn, Ingo Hülmann, Bernhard Schütz
Literatur – Sonntag 28. Juli 0.05 Uhr
Iranische Ikone der Freiheit
Das radikale Leben und Dichten der Forough Farrokhzad
Von Nicoletta Torcelli
Bis heute eine Vorreiterin der künstlerischen Erneuerung und Inspiration für viele, die im Iran eigene Wege gehen wollen.
Hörspiel – Sonntag, 28. Juli 18.30 Uhr
Auf den Abendengel warten
Von Robert Pinget
Aus dem Französischen von: Gerda Scheffel
Bearbeitung: Friederike Roth
Regie: Otto Düben
Mit: Martin Benrath
Ton: Karlheinz Stoll
Produktion: SDR 1998
Länge: 58’18
Monsieur Mortin und Monsieur Traum scheinen sich nahe gekommen und schließlich identisch geworden zu sein.
Über nichts
Von Robert Pinget
Aus dem Französischen von: Gerda Scheffel
Regie: Otto Düben
Mit: Ernst Jacobi, Traugott Buhre
Ton: Karlheinz Stoll
Produktion: SDR 1989
Länge: 16’49
Zwei Männer, deren Identität im Dunkeln bleibt, führen einen Dialog. Das Treffen kam auf die dringende Bitte des einen hin zustande, scheint aber sinnlos, da er nichts mitzuteilen hat.
Literatur – Dienstag, 30. Juli 19.30 Uhr
Eine Sendung über die französische Lyrikerin und Performerin Michele Métail
Von Clarisse Cossais
Klangkunst – Freitag, 2. August 0.05 Uhr
Velimir oder Chlebnikovs Karneval der Worte
Von Ulrich Land und Bojidar Spassov
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2008
Länge: 54’06
Produktionsdatum: 2008
Ursendung: 6. Juni 2008
Mitwirkende: Cristina Ascher – Gesang
Helen Bledsoe – Flöte
Marco Blaauw – Trompete
Melvin Poor – Tuba
Carl Rosman – Bassklarinette
Paul Rosner – Violine
Grzegorsz Stopa – Akkordeon
Bojan Vodenicharov – Klavier
Stimmen: Ulrich Land, Nelly Politt, Mariya Shumylova, Bojidar Spassov
Komposition: Bojidar Spassov und Ulrich Land (54’06)
Zwei Poeme des futuristischen russischen Poeten Chlebnikov (1885-1922) – in der psychiatrischen Klinik geschrieben – gaben den Anstoß zu diesem „Musik-Hörstück für Laut-Sänger, Laut-Sprecher und andere Laut-Quellen“. Für Chlebnikov, der daran arbeitete, die Sprache der Vögel, Geister und Götter zu übersetzen, war Sprache Spiel- und Klangmaterial, ein fantastischer Bauchladen frei wählbarer Phoneme. Das Hörstück ist eine Fortsetzung des Prinzips Chlebnikov mit digitalen Mitteln.
Literatur – Samstag, 3. August 17.30 Uhr und 22.30 Uhr
Briefwechsel
„Herzzeit“ Ingeborg Bachmann und Paul Celan
Gelesen von Johanna Wokalek und Jens Harzer WH
Literatur – Sonntag, 4. August 0.05 Uhr
König Ohneland
Zehn Kapitel über den letzten Dandy der deutschen Literatur
Von Dagmar Just
Ein Denk-Mal aus Thesen und Tönen für den König ohne Volk und ohne Land
Hörspiel – Sonntag, 4. August 18.30 Uhr
Erzählung des Gleichgewichts 4: W
Von Jean Daive
Aus dem Französischen von: Werner Hamacher
Funkeinrichtung und Regie: Ulrich Lampen
Komposition: Ulrike Haage
Mit: Jean Daive, David Bennent
Ton: Alexander Brennecke
Produktion: DKultur 2012
Länge: 87’52
W. ist die Aufschrift auf einem Papierbündel und einem Paket, in dem eine störende Schwester, ein stummer Vater, eine entfernte Mutter auf die Post gebracht und verschickt werden, um vom Adressaten – einem Leser/Hörer – Stück für Stück einverleibt zu werden.
Literatur – Dienstag, 6. August 19.30 Uhr
Bienenstock aus Glas
Drei junge dänische Lyriker
Von Peter Urban-Halle
Dänische Lyrikprojekte in wohlkomponierten Suiten: Geschichten aus der Wirklichkeit und Poetisierungen des Politischen.
Klangkunst – Freitag, 9. August 0.05 Uhr
dNew Looks
Von Cathy Milliken
Produktion: Autorenproduktion für DLRBerlin Dauer: 46’30
Produktionsdatum: 2001/2002
Ursendung: 3. Mai 2002
Klangkomposition
Stimmen: Judith Engel, Franck Ollu und Angie Milliken
Ton: Jo Schlosser
Komposition: Cathy Milliken
Realisation: Cathy Milliken
Die Komponistin Cathy Milliken sammelt mit dem Mikrophon ihre Höreindrücke: Baustellen, Proben, Spaziergänge, Musiken und Naturaufnahmen. Sonette von Shakespeare erzählen von Zeitlosigkeit und dem Vergehen von Zeit, zugleich gliedern und strukturieren sie das akustische Material durch Sprachmelodie und Metrik.
Literatur – Samstag, 10. August 19.30 Uhr und 22.30 Uhr
„Spaziergang zu allen Jahreszeiten“
Reiner Kunze liest Gedichte aus dem Band „ein tag auf dieser erde“
Für Reiner Kunze, der am 16. August 80 Jahre alt wird, ist das Gedicht ‚der Blindenstock des Dichters‘, seine Verse entstehen abseits von den ‚Wühltischen der Sprache‘. Wer eine seiner Lesungen erlebt hat, wird die leise, eindringliche Stimme nicht vergessen.
Erotikon
Liederliche Gedichte – Erotik in Versen
Gelesen von Simone Kabst und Bernhard Schütz
Mit Gedichten u.a. von Rolf Dieter Brinkmann, FC Delius, Erich Fried, Ulla Hahn, Sarah Kirsch, Günter Kunert, Paul Wühr
Literatur – Sonntag, 11. August 0.05 Uhr
„O früher Morgen! Erstes Gras, O Beginn der Liebe“
Der Dichter Bertolt Brecht
Von Lastern und Begierden, vom Zustand der Welt und ihrer Veränderbarkeit, vom Wechsel der Dinge und dem großen Zweifel – Brecht-Songs und -Balladen forever
Hörspiel Sonntag, 11. August 18.30 Uhr
Leopardi oder Das Massaker der Illusionen – Lebenslauf (1)
Fragmente für ein Selbstbildnis aus früher Romantik
Von Giacomo Leopardi
Übersetzung aus dem Italienischen, Bearbeitung und Regie: Heinz von Cramer
Mit: Heiko Senst, Werner Wölbern, Matthias Haase, Gerd Anthoff, Walter Renneisen u.a.
Ton: Günther Kasper
Produktion: WDR 1995
Länge: 64’36
Giacomo Leopardi (1798-1837) gilt neben Petrarca als der größte italienische Lyriker. Heinz von Cramer hat in seiner Textcollage aus Gedichten, Briefen, Notizen, politischen Texten, grotesken, absurden und auch philosophischen Dialogen und Szenen aus Leopardis Gesamtwerk ein Porträt gezeichnet.
Literatur – Dienstag, 13. August 19.30 Uhr
Die Brooklyn-Bridge-Sinfonie
Mit Hart Cranes Poem „Die Brücke“ über New Yorks Wahrzeichen
Von Holmar Attila Mück
Das außerordentliche Bauwerk über den East River, das Mantattan und Brooklyn verbindet, in seiner poetischen Entsprechung.
Literatur – Samstag, 17. August 17.30 Uhr und 22:30 Uhr
Große lyrische Stimmen aus dem Netz (Lyrikline.org)
Zusammengestellt von Barbara Wahlster
Erotikon
„Trunken bin ich vom Kuss der Lippen“
Erotische deutsche Gedichte
Gelesen von Julia Mohn und Viktor Neumann
Literatur – Sonntag, 18 .August 0.05 Uhr
Brot und Lyrik
Wie Lyriker Geld verdienen
Von Dana Ranga
Hörspiel – Sonntag, 18. August 18.30 Uhr
Leopardi oder Das Massaker der Illusionen – Rette sich, wer kann (2)
Fragmente für ein Selbstbildnis aus früher Romantik
Von Giacomo Leopardi
Übersetzung aus dem Italienischen, Bearbeitung und Regie: von Cramer
Mit: Heiko Senst, Werner Wölbern, Matthias Haase, Gertrud Roll, Peter Lieck, Birgit Walter u.a.
Ton: Günther Kasper
Produktion: WDR 1995
Länge: 59’03
Im zweiten Teil des Hörbilds über den Dichter Leopardi sind Passagen aus seinen dramatischen Dialogen und Lehrgedichten eingestreut, in denen sich sein Weltbild, Denken und Empfinden verdeutlichen. Durchzogen von einem nihilistischen und auch ironischen Pessimismus wird scharf und genau Stellung bezogen zu den Phänomenen einer zerfallenden Gesellschaft.
Literatur – Dienstag, 20. August 19.30 Uhr
Die Panflöte des Meister Baudelaire
Junge Dichter und ein großes Vorbild
Von Uta Rüenauver
Literatur – Samstag, 24 .August 17.30 Uhr und 22.30 Uhr
Lesung Jean Krier
Erotikon
Aus „Lucinde“ von Friedrich Schlegel
Gelesen von Falk Rockstroh
Literatur – Sonntag, 28. August 0.05 Uhr
Drei Beispiele britischer Landschaftslyrik
Von Michael Hillebrecht
Hörspiel – Sonntag, 25. August 18.30 Uhr
Ein armer verlassener Mann sieht einen grauen Sonntag im Regen
Von Gottfried Benn
Bearbeitung: Norbert Jochum
Regie: Alfred Behrens
Mit: Peter Roggisch
Ton: Helmut Becker
Produktion: 2000
Länge: 78’44
Gute Regie ist besser als Treue.“ (Gottfried Benn) Aus zahlreichen Briefen an Tilly Wedekind und Elinor Büller sowie aus Briefen an F. W. Oelze und anderen Texten hat Norbert Jochum eine Collage zusammengestellt, die jenes Bennsche Credo auf irritierende Weise beleuchtet.
Literatur – Dienstag, 27. August 19.30
„Immer schon bin ich unzeitgemäß“
Die Dichterin Friederike Mayröcker
Von Andrea Marggraf
Der Berliner Horlemann Verlag hat zum 1. Juni den Fixpoetry Verlag, Hamburg, übernommen. Dessen Verlagssitz siedelt an die Spree über.
Fixpoetry wurde vor rund zwei Jahren von Julietta Fix gegründet, die Verlagswebsite wartet zudem mit einem Gästebuch und Podcasts auf. Bisher erschienen rund 15 Titel im Jahr, der Vertrieb wurde von der Verlegerin selbst übernommen, erklärt Horlemann-Verleger Tim Voß. Feste Mitarbeiter habe der Verlag nicht. Da Julietta Fix dies alles nicht mehr allein stemmen wollte, habe sie nach einer anderen Lösung für ihren Verlag gesucht. Mit dem befreundeten Horlemann-Verlag wurde schließlich die Übernahme zum 1. Juni vereinbart. Das Programm passe „inhaltlich gut zu Horlemann“, so Tim Voß, „und es wäre schade, die guten Autoren in die Heimatlosigkeit zu entlassen.“ Über die Konditionen der Übernahme durch Horlemann wurde Stillschweigen vereinbart.
Julietta Fix bleibe dem Fixpoetry-Programm als Herausgeberin erhalten, so Voß, und werde auch weiterhin Titel vorschlagen können. Das „kleine, feine Programm“ mit „schönen, illustrierten Büchern“ will man bei Horlemann fortsetzen. Der Verlagssitz von Fixpoetry wird nach Berlin verlegt, Julietta Fix wird von Hamburg aus beitragen. / Börsenblatt
Eine Todesnachricht vom Januar, die mich erst jetzt erreicht – im Zusammenhang mit der Meldung über amerikanisches Lyrik-Sponsoring. Ich übersetze sie nicht – wer den lesen will kann es wahrscheinlich eh nur im Original:
Anselm Hollo, R.I.P.
I am very sad to have heard from Mark Johnson that Anselm Hollo died this morning.
give up your ampersands & lowercase ‘i’s
they still won’t like you
the bosses of official verse culture
(U.S. branch) but kidding aside
I motored off that map a long time agoThose lines come from one of two poems from Anselm Hollo’s „Where if Not Here“ we published in Samizdat back in the 1990s, and they capture some of my favorite things about Hollo’s viewpoint: his lack of pretense, and his complete disregard for the laurels, prizes, and jockeying-for-position that had already become endemic in the little demimonde of American poetry.
Hollo’s grasp of the gulf between the sublimity of which poetry is capable, and the absurdities into which poets fall in pursuit of that chimera, a „career in poetry,“ made him the ideal person to hold the title of United States Anti-Laureate, to which he was elected by the Buffalo POETICS list back at the turn of the century.
Here is the announcement of his election to that position, originally posted to the POETICS list, along with his response, written to accompany the announcement when Andrei Codrescu (who happened to be visiting us at Lake Forest College when the election results came in) reprinted it in Exquisite Corpse.
*Presenting the award for United States Anti-Laureate is Miss Suzanne Somers…And the winner is… ANSELM HOLLO (Wild applause, accompanied by a murmur of discontent coming from Barrett Watten’s table). Mr. Anselm Hollo is hereby appointed UNITED STATES ANTI-LAUREATE for the year 2001 with all the ironies and contradictions appertaining there unto And remember, kids — all the real dadas are against dada.With Great Sobriety and Dignity,Robert ArchambeauHigh Commissioner United States Anti-Laureate Commission/ Samizdat Blog 29.1.
Cummings interessierte sich sehr früh für die Kunst: Er begann mit 8 Jahren Gedichte zu schreiben und zu zeichnen schon ein paar Jahre früher. Angst vor der leeren Seite kannte er nicht: bis zum 22. Jahr schrieb EE Cummings jeden Tag ein Gedicht.
In seinem Frühwerk mag der Kenner schon Züge seiner späteren Kunst entdecken, etwa die eigenwillige Art der Zeichensetzung. Auf einer Zeichnung stellt der 6- bis 7jährige sich als eine Art Buffalo Bill mit Schnurrbart vor. Als Erwachsener schrieb er ein ironisches Gedicht über den Helden, „who used to / ride a watersmooth-silver / stallion / and break onetwothreefourfive pigeonsjustlikethat“ (hier ganz).
/ Slate
More of Cummings’ early drawings, along with a few written works of juvenilia, are on display at the Massachusetts Historical Society in Boston through Aug. 30.
Roberto Bolaño berichtet in „Stern in der Ferne“, Deutsch von Christian Hansen, wie der Dichter und Literaturvermittler Juan Stein in Chile zu Beginn der siebziger Jahre an den Dichter Nicanor Parra schrieb und ihm
einige der Witze zum Vorwurf machte, die er sich in diesem kritischen Moment des revolutionären Kampfes in Lateinamerika geleistet habe.
Parra antwortete ihm auf der Rückseite einer Postkarte von Artefakte, er solle sich keine Gedanken machen, es gäbe weder unter den Linken noch unter den Rechten jemanden, der läse (…)
Auch gut der Ratschlag, daß
es allemal vorzuziehen ist, Rabelais zu lesen (…)
(Mitgeteilt von Stan Lafleur)
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