Ihre autobiografische Poesie, in der sie die Traumata ihrer Kindheit verarbeitet, wurde im Nachkriegsdeutschland als Zumutung empfunden. (…)
„Ich wollte eigentlich Lyrikerin werden“, gibt die Germanistikprofessorin zu. „Gedichte sind haltbarer“, weiß die preisgekrönte Literaturwissenschafterin. „Ich wollte sie jetzt ins Licht rücken.“ Gleichzeitig ist sich die Holocaust-Überlebende bewusst, wie schwer manchen Lesern der Zugang zu moderner Lyrik fällt. Nicht selten bleibt da nur ein Kopfschütteln. (…)
Auch ihre Vorliebe für unreine Reime, die aus dem Englischen stamme, kommt hier gut an. „Ich verwende sie gern, weil sie ausdrucksfähiger sind und sich damit besser die Unebenheiten in der Wahrnehmung darstellen lassen“, erklärt die Autorin im Gespräch mit der „Wiener Zeitung“. An dem konventionellen Formtypus, der ihr das Überleben in der Unmenschlichkeit sicherte, hält sie nicht ungebrochen fest. / Luitgard Koch, Wiener Zeitung
Emily Dickinson, To make a prairie
To Make a Prairie
To make a prairie it takes a clover and one bee,—
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do
If bees are few.
Emily Dickinson (1830–1886)
To make a prairie . . .
Für eine Wiese braucht es Klee und Biene,
einen Klee und eine Biene
und dazu ein Traumgesicht.
Der Traum genügt,
wo’s keine Bienen gibt.
Deutsch von Felix Philipp Ingold
(Vorletzter Eintrag der Anthologie von 2001)
Bereits seit über 25 Jahren ist Wilfried G. Beschorner in den Weiten des lyrischen Kosmos unterwegs, immer auf der Suche nach neuen, bislang noch unentdeckten literarischen Formen. Denn neben den Gedichten und Balladen der alten Meister muss es da noch viel mehr geben. So wie zum Beispiel das Steduenn, eine poetische Eigenheit, deren Gehalt und Qualitaet von jedem Rezipienten ganz persoenlich und immer wieder neu bewertet werden muss. Denn wo die einen sinnfreie, gar sinnlose Gedichte sehen, erkennen andere ganz besondere Eigenschaften und Energien, wie sie sonst nichts zu bieten hat. Beispiel gefaellig?
Alberts Idee
Ob Fantasie, ob Coladu,
was mich bewegt, vergess ich nie,
und fällt dein Reim der Menschheit zu,
wird Poedu zur Poesie.
“Triviallyrik vom Feinsten“ nennt Wilfried G. Beschorner seine Gedichte selbst, den allerhoechsten Kreisen muessen sie dabei gar nicht gefallen: â“Einen Anspruch auf den Literatur-Nobelpreis hege ich mit meinem Werk nicht, da ja noch nicht einmal der Preis nobel und das Buch somit für niemanden unerschwinglich ist“, wie er erklaert. / relevant.at
Begin by identifying and listing the attributes of a poem.
Introduce the idea of found poetry: using words and phrases from a prose text to create a poem. Distribute selected pages from Poet at Work: Recovered Notebooks from the Thomas Biggs Harned Walt Whitman Collection and allow time to create a poem.
Share poems; point out how different people “find” different poems in the same original text. Discuss possible classroom applications, focusing on cross-curricular possibilities. As an extension, illustrate poem with an image from American Memory, such as Smith’s barn or a map of Antietam.
Note that the Whitman Notebooks are not searchable; use the Collection Connection as a tool to identify possible passages.
The lesson “Enhancing a Poetry Unit with American Memory” gives more details on teaching found poetry.
Aus: The Library of Congress. Song of America Project. Resources for teachers http://www.loc.gov/creativity/hampson/workshop/found.html
Geleit
Worte, schön flügelnd,
wir nennen sie wie Namen der Mädchen,
die wir kennen: Da
tauchen sie aus den Gewässern, aus den
Bäumen treten sie hervor, sie stoßen
herab aus den Himmeln
zu denen, die sie verstehn.
Aus: Kito Lorenc, Gedichte. Ausgewählt und mit einem Vorwort versehen von Peter Handke. Berlin: Suhrkamp, 2013, S. 31.
Das Gedicht ist ein „Envoi“, ein Geleit zu dem Gedicht „Anrufungen“, das aus drei mit den Mädchennamen Majka, Lucyja und Marijanka überschriebenen Teilen besteht. Es erschien zuerst Sorbisch in dem Band Struga. Wobrazy našeje krajiny. Bilder einer Landschaft. Budyšin / Bautzen 1967. Eine Anmerkung erläutert: Im Dialekt von Slěpe-Schleife tragen Wildente, Pirol und Turteltaube die Mädchennamen Majka, Lucyja, Marijanka“.
Meine einzige Mäkelei an dem schönen Buch (Edition Suhrkamp 1476, Bauchbinde: Zum 75. Geburtstag von Kito Lorenc) wäre, daß man sich nicht entschließen konnte, wenigstens eine kleine Leseprobe Sorbisch aufzunehmen.
Von Ron Charles, Washington Post 20.6. (sic)
Am Freitag werden Amerikas große Dichter aufwachen und sehen, daß jemand die Bäume mit Klopapier umwickelt und FEIGLING an ihre Tür geschrieben hat.
Eine 6000-Wort-Jeremiade über den Zustand der heutigen Lyrik erscheint in der Juliausgabe von Harper’s. Mark Edmundson, Englischdozent an der Universität Virginia, tadelt unsere Barden, weil sie „schräg, zweideutig, auf schmerzhafte Weise selbstbezüglich … ängstlich, klein, auf dem Rückzug … immer privater, idiosynkratischer und zurückgezogener“ seien. Um nur den Anfang zu zitieren. Ihre Lyrik sei „manchmal zu hermetisch, um sie mit etwas wie Verstehen anzuhören“.
Und er nennt alle Namen. Paul Muldoon: nach jahrelanger Lektüre habe er immer noch keine Ahnung, worum es ihm eigentlich gehe. Jorie Graham ist „ominös“ (portentous). Anne Carson mag Kanadierin sein, aber das entschuldigt sie nicht; ihre Gedichte seien „so dunkel, manieristisch und privat, daß man (oder zumindest ich) ihren Windungen nicht folgen kann“. John Ashbery „sagt wenig“ in seinen „unaufhörlichen Einhegungen“ (hedging).
Sharon Olds, Mary Oliver, Charles Simic, Frank Bidart, Robert Hass, Robert Pinsky — alle werden in Edmundsons Büro gebracht und runtergeputzt. Ihre Gedichte seien „in ihrer Art gut“, gibt er zu. „Nur sind sie nicht gut genug. Sie stillen keines Lesers Durst nach Bedeutung über die individuelle Erfahrung des Dichters hinaus“ und „erhellen unsere gemeinsame Welt nicht“.
Das ist seine Hauptbeschwerde: die heutigen Dichter trauten sich nicht, „Wir“ zu sagen und „Dur“ anzuschlagen, wenn es um „grundsätzliche Wahrheiten der menschlichen Existenz“ gehe. Angesichts von „Krieg, Umweltzerstörung und ökonomischen Zusammenbrüchen“ würden sie schreiben, als ob „die großen öffentlichen Krisen vorbei seien und nichts wichtiger wäre als Selbstkultivierung und die Abwehr der Langeweile“ (sic). Das einzige, was diese narzisstischen Sänger interessiere, sei die Schaffung einer „eigenen [unique] Stimme“.
Auch der schädliche Einfluß der Literaturtheoretiker bekommt sein Fett weg. Mit ihrem Herumhacken auf den unüberwindlichen Schranken von Rasse, Geschlecht und Klasse würden diese liberalen Postmodernisten jedermann daran hindern, über etwas anderes als seine eigene Privatwelt zu sprechen.
Edmundson gibt zu, daß Ralph Waldo Emerson im Wesentlichen dieselbe Klage vor 170 Jahren gepredigt habe.
(Soweit dazu, könnte man sagen und Edmundsons Rundumschlag gegen DIE Lyrik zu den Akten legen, wo schon vieles Ähnliche steckt. Alle, die ohnehin keine Lyrik lesen, werden Beifall klatschen und sich behaglich zurücklehnen. Oder man kann sich den Teil herausnehmen, der zu seinen jeweils eigenen Vorlieben und Vorurteilen paßt. So ist es. Was ist, ist, weil es ist. Michael Gratz)
Hier eine Antwort
Mit der gestiegenen Aufmerksamkeit für Gewaltakte gegen Frauen werden Natur, soziale Umbrüche und Liebe, sonst die Bindeglieder der poetischen Sensibilität, durch Szenen sexueller Übergriffe verdrängt.
Dichterinnen gehören zu denen, die dieses neue Genre einführten. „Die Gedichte wurzeln in starken Emotionen. In einer Zeit, wo jede Sekunde neue Bilder von Gewalt gegen Frauen über den Bildschirm flimmern, die von verschiedenen Gruppen diskutiert werden, ist es nur natürlich, daß wir solche Vorfälle thematisieren“, sagte die Dichterin Bindya Subba aus Darjeeling, die in Nepali schreibt. Schockiert von dem jüngsten Überfall in Delhi schrieb sie das Gedicht ‚Damini‘, das dem 22jährigen Opfer gewidmet ist. „In meinem Gedicht schildere ich den physischen und seelischen Schmerz, den die junge Frau erlitt, als sie von einer Gruppe vergewaltigt wurde, den Zorn und die Qualen, die der Vorfall in ihren Eltern auslösten und die Angst aller Frauen, daß es ihnen auch passieren könnte“, sagte sie.
Bindya gehört zu einer Gruppe von Dichterinnen aus dem ganzen Land, die sich zu einem ‚Abhivyakti‘, einer zweitägigen Lyriklesung versammelt haben. Bei Diskussionen über das Hervortreten weiblicher Dichter bemerkten sie, daß das „weibliche poetische Gewissen“ ein Produkt der mannigfaltigen sozio-politischen Hintergründe ist, aus denen sie kommen. Die Tamil-Dichterin Salma spricht darüber, daß ihre Gedichte frei von vernebelnden Bildern und hochtrabenden Vergleichen sind. „Ich nenne Sex Sex und Vergewaltigung Vergewaltigung. Die Leute fragen mich oft, warum meine Sprache so drastisch ist. Wie sonst sollte ich vermitteln, was eine Frau durchmacht? Die Poesie entwickelt sich immer weiter, und das ist Teil dieser Entwicklung.“ / Times of India
(In der ersten Strophe sind etwa 2 Zeilen „verschwunden“. Hier gibts den Text englisch und deutsch.)
Schon Nietzsche wusste, dass der Dom aus Brettern und Balken der Begriffe keine feste Burg ist. Dem „freigewordenen Intellekt“ [er meinte damit natürlich vor allem oder nur den Künstler] ist dieser Begriffsdom „nur ein Gerüst und ein Spielzeug für seine verwegensten Kunststücke: und wenn er es zerschlägt, durcheinanderwirft, ironisch wieder zusammensetzt, das Fremdeste paarend und das nächste trennend, so offenbart er, dass er jene Notbehelfe der Bedürftigkeit nicht braucht und daß er jetzt nicht von Begriffen sondern von Intuitionen geleitet wird. Von diesen Intuitionen führt kein regelmäßiger Weg in das Land der gespenstigen Schemata, der Abstraktionen: für sie ist das Wort nicht gemacht, der Mensch verstummt, wenn er sie sieht oder redet in lauter verbotenen Metaphern und unerhörten Begriffsfügungen, um wenigstens durch das Zertrümmern und Verhöhnen der alten Begriffsschranken dem Eindrucke der mächtigen gegenwärtigen Intuition schöpferisch zu entsprechen.“
Auch damit ist die Methode des Picasso‘schen Schreibens treffend dargestellt. Aber: Auch Picasso kommt an Grenzen, nämlich an die der übermächtigen Konvention der Sprache. Auch er kann sich ihr nicht entziehen. In seinen Zertrümmerungen sind nämlich trotz aller gegenteiliger Bemühungen metaphorische Strukturen zu finden, Bilder, Zeichen und Metaphern, die sich wiederholen und die mit Zerstörung zu tun haben, mit dem Zerschlagen, Zertrümmern, mit Zerschneiden und Zerstechen, mit Stierkampf, mit Tod. Dieser Metaphorik entkommt Picasso nicht, wir wissen das von seinen Bildern. In vielen seiner Aufzeichnungen begegnen dem Leser Messer, (z.B. 8. November und 15. Dezember 1935), eine durchbohrte Brust oder oft Wunden (wieder z.B. 8.11.35, 10.02.36), Blut, Gekröse, Leber (28.12.35), oder Klingen und Stiche (12.02.36 und 3.3.36, 08.04.36), es wird aufgespießt und die Wunde aufgekratzt (19.04.36) oder mit dem Brenneisen gebrandmarkt (21.04.1936), um nur einige Beispiele zu nennen. Am 24. 4. 36 notiert er u.a.: „….Ring aus Nägeln die in das Feuer am Hals des Prismas eingeschlagen wurden Strick dessen Enden mit dem versengten Rad verbunden sind das im Morast des Tümpels feststeckt sticht wütend in das Auge des sterbenden Stiers.“ Unser Gebetsgürtel der Bedeutungen und Metaphern, den wir seit der Stunde unseres Spracherwerbes mit uns herumtragen, kann dazu verleiten anzunehmen, hier spreche einer über die Sprache selbst, über ihre Ermordung bei gleichzeitiger Unfähigkeit, sie endgültig als bloß metaphorisches Gespinst, ohne eigentlichen Wert (Nietzsche), entlarven zu können. Wer sich wie Picasso der Sprache bedient, kommt in ihren Fallstricken der Metaphern, Similes und Allegorien um oder benutzt diese gezielt. Picasso notierte seine letzte Eintragung am 18.10.1954:
„…Das Nordlicht ist komischerweise als Grille verkleidet die gerne leiht. Und damit Punktum.“
/ Ulrich Schäfer-Newiger, Signaturen
Ruth Klüger wurde 1931 in Wien geboren. Ein wenig scheint die Sprachfärbung noch durch. Sie wurde als Jugendliche in die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz verschleppt – und hat überlebt. Grausige Orte mit schönen Namen: „Birkenau und Buchenwald, darauf lassen sich Reime machen und Volkslieder singen. Man sieht bei diesen Namen Wälder im Wind rauschen“, sagt sie.
Und doch ist klar: Soweit wird es nicht kommen, denn diese Namen sind nicht mit Naturidyll verbunden. Selbst dann nicht, wenn manche sagen: Das ist alles so lange her. „Es ist nicht vorbei“, sagt Ruth Klüger, und das hänge nicht daran, dass es noch immer Überlebende gibt. „Es ist nur vorbei in dem Sinne, dass heute in diesem Lager keine Menschen mehr ermordet werden – auch in keinem anderen Lager in Deutschland. Und es ist vorbei in dem Sinne, dass das, was passiert ist, nicht wieder stattfinden wird – aus dem einfachen Grund: Es wiederholt sich nichts“, sagt sie. Doch: „Es finden andere Massaker statt“, und dies nicht nur anderswo auf der Welt. Sie erinnert daran, dass es lange hieß: „In Europa finden keine Kriege mehr statt – und dann ging es in Jugoslawien los.“ / Thüringische Landes-Zeitung
Seinen Namen kennen wir von Goethe.
Lesebuch
Wunderlichstes Buch der Bücher
Ist das Buch der Liebe;
Aufmerksam hab ich’s gelesen:
Wenig Blätter Freuden,
Ganze Hefte Leiden;
Einen Abschnitt macht die Trennung.
Wiedersehn! ein klein Kapitel,
Fragmentarisch. Bände Kummers
Mit Erklärungen verlängert,
Endlos, ohne Maß.
O Nisami! – doch am Ende
Hast den rechten Weg gefunden;
Unauflösliches, wer löst es?
Liebende, sich wieder findend.
Bekanntlich hat der Dichter seinen West-Östlichen Divan mit buchlangen Erklärungen verlängert. Darin auch diese Passage:
Ein zarter, hochbegabter Geist, der, wenn Ferdusi die sämtlichen Heldenüberlieferungen erschöpfte, nunmehr die lieblichsten Wechselwirkungen innigster Liebe zum Stoffe seiner Gedichte wählt. Medschnun und Leila, Chosru und Schirin, Liebespaare, führt er vor; durch Ahnung, Geschick, Natur, Gewohnheit, Neigung, Leidenschaft füreinander bestimmt, sich entschieden gewogen; dann aber durch Grille, Eigensinn, Zufall, Nötigung und Zwang getrennt, ebenso wunderlich wieder zusammengeführt und am Ende doch wieder auf eine oder die andere Weise weggerissen und geschieden.
Aus diesen Stoffen und ihrer Behandlung erwächst die Erregung einer ideellen Sehnsucht. Befriedigung finden wir nirgends. Die Anmut ist groß, die Mannigfaltigkeit unendlich.
Auch in seinen andern, unmittelbar moralischem Zweck gewidmeten Gedichten atmet gleiche liebenswürdige Klarheit. Was auch dem Menschen Zweideutiges begegnen mag, führt er jederzeit wieder ans Praktische heran und findet in einem sittlichen Tun allen Rätseln die beste Auflösung. Übrigens führt er, seinem ruhigen Geschäft gemäß, ein ruhiges Leben unter den Seldschugiden und wird in seiner Vaterstadt Gendsche begraben.
Randomhouse ergänzt:
Nizami (um 1141–1209) wurde im heutigen Aserbaidschan, damals ein Teil Persiens, geboren und wuchs als Waise bei seinem Onkel auf. Über sein weiteres Leben, das er offenbar bis auf eine einzige Reise in seiner Geburtsstadt Gendsche verbrachte, ist kaum etwas bekannt. Nizami zählt neben Firdousi und Scheich Saadi zu den bedeutendsten Vertretern der frühen persischen Epik.
Das Territorium des Landes hat eine „wechselvolle“ Geschichte. Es gehörte zu den Reichen der Meder, Römer, Araber, Mongolen, Perser, Armenier, Georgier, Osmanen, Russen und anderer. Die Religion war mal zoroastrisch, später christlich und islamisch. Man sprach Persisch, Arabisch, Aserbaidschanisch (eine Turksprache), Russisch. Der erste Staat auf seinem Gebiet hieß Albanien. Was ist ein aserbaidschanischer Dichter?
Nisami schreibt sich laut deutschsprachiger Wikipedia:
Nezāmi auch Nizami (persisch نظامی گنجوی – Neẓāmī-e Gandschawī; kurdisch: Nîzamî Gencewî; aserbaidschanisch: Nizami Gəncəvi; eigentlicher Name: Elyās ebn-e Yūsef, vollständiger Name: Neẓām ad-Dīn Abū Muhammad Elyās ibn Yusūf ibn Zakī ibn Mu’ayyid
In der englischen:
Nizami Ganjavi (Persian: نظامی گنجوی, Nezāmi-ye Ganjavi; Kurdish: نیزامی گهنجهوی, Nîzamî Gencewî; Azerbaijani: نظامی گنجوی, Nizami Gəncəvi), Nizami Ganje’i,[2] Nizami,[3] or Nezāmi (Persian: نظامی), whose formal name was Jamal ad-Dīn Abū Muḥammad Ilyās ibn-Yūsuf ibn-Zakkī
Aserbaidschanisch:
Nizami Gəncəvi (tam adı Cəmaləddin İlyas ibn Yusif Nizami Gəncəvi) (نظامی گنجوی)
Die ersten beiden nennen ihn einen persischen Dichter, die dritte einen aserbaidschanischen. Er zählt zum Kulturerbe Afghanistans, Irans, Aserbaidschans, Tadschikistans und Kurdistans. Er schrieb Persisch, seine Mutter war Kurdin, sein Name verweist auch auf das Arabische.
Dies der Hintergrund zu einer Nachricht aus Aserbaidschan, das seit 20 Jahren von einem früheren KP-Chef und seinem Sohn autokratisch regiert wird.
In seiner Geburtsstadt gibt es ein Mausoleum, in dem auf Fliesen Verse Nisamis im persischen (also Original-)Text stehen. Diese werden jetzt ersetzt durch „analoge Gedichte, aber in aserbaidschanischer Sprache“. Die Fliesen mit den persischen Gedichten des weltberühmten aserbaidschanischen Dichters seien 1997 angebracht worden und ohne jeden historischen Wert. Es handele sich um 4 Strophen zum Lob des Propheten Mohammed aus dem Gedicht „Leila und Medschnun“. Diese seien ins Aserbaidschanische übersetzt worden, die Übersetzung sei durch die Aserbaidschanische Akademie der Wissenschaften gebilligt worden und werde die alten Fliesen ersetzen. Hinzufügen werde man seine Gedichte auf seine Heimattadt Gendsche (Ganja, Gandscha, Gəncə), die ebenfalls ins Aserbaidschanische übersetzt wurden. Das sei nötig, weil manche Leute, die das Mausoleum besuchen, wegen der Gedichte irrtümlich dächten, Nisami sei ein persischer Dichter. Man habe diesen Schritt unternommen, damit jedermann wisse, daß Nisami ein Vertreter der aserbaidschanischen Literatur sei. Der iranische stellvertretende Außenminister äußerte sein Bedauern.
Wie sollte Holocaust-Lyrik auch komisch sein können? Aber sie kann großartig, aufwühlend und in ihrer Traurigkeit beklemmend schön sein, wenn die Sprachbilder von Paul Celan stammen und von dem Schauspieler Ben Becker und dem Klarinettenvirtuosen Giora Feidmann in die Gegenwart geholt werden. Der Veranstaltungssaal im „Kraftwerk“ ist am Mittwoch voll besetzt und bietet eine phantastisch bizarre Kulisse für poetische Energieströme. / Südkurier
schreib dich hin, druck dich aus – der weiße Raum zwischen den schwarzen Flammen, das bist du
Hansjürgen Bulkowski
Mein erstes Antiquariat, wo ich vor Jahrzehnten paar Bücher verkaufte (denn ich war jung und brauchte das Geld), aber dann mit Sicherheit Jahr um Jahr viel mehr kaufte, ist jetzt zu. „Ladenlokal zu vermieten“ steht dran. Voriges Jahr war es noch auf, aber mit verändertem Inhalt. Ein Druckhaus verkaufte dort die Bücher seiner Kleinverlage, von Janus Press mit Papenfuß und Franz Mon über Reinecke & Voß bis zu – für mich – dubiosen Thüringer Barden mit viel völkischem Gefühl und schlechtem Gereim. Aber noch vor 3 Jahren bekam ich ein paar fehlende Bände der Klopstockausgabe aus dem 19. Jahrhundert. Und jetzt ist zu. Alles hört mal auf. Ein paar hundert Meter weiter war mal eine „Volksbuchhandlung“, die war schon lange zu. Jetzt gibt es nur noch Thalia am Markt. Im Erdgeschoß Regionalliteratur und Bestseller. Rolltreppen nach oben und unten. Oben gibts „Romane und Kinderbücher“, unten „Fachliteratur“. Ob sie auch Lyrik haben? Ich entscheide mich für unten. Viel Esoterik, Hobbies, viel Fachliteratur vieler Couleur. Lyrik könnte zwischen Esoterik und Hobby passen, denke ich und frage eine Buchhändlerin, ob sie noch einen Restbestand Lyrik führen. Wieso Restbestand? fragt sie. Ich: na weil das überall weniger geworden ist. Sie aber meint, bei ihnen sei es mehr geworden. Oben, bei den Romanen. Und tatsächlich, ein ganzes Regal etwa Meterbreite. Viel Geschenklyrik, DIE Lieblingsgedichte DER Deutschen, Gedichte für Männer, Gedichte für Frauen usw, aber dazwischen auch Gutes. Sogar paar lebende Autoren, Björn Kuhligk sehe ich und eine Anthologie von Ron Winkler. Mehrere Hefte des Poesiealbum fallen mir auf, Tadeusz Różewicz gleich mehrmals, das ist schon was. Und dann finde ich ein nagelneues Buch von Kito Lorenc, „Gedichte“ in der edeln Bibliothek Suhrkamp, mit einem Vorwort von Peter Handke. Warum reden bloß alle über den Prozeß, statt über die tollen Bücher, die die immer noch machen? Und, ja: Noch ist Halle nicht verloren.
Kito Lorenc: Gedichte. Bibliothek Suhrkamp 1476, Gebunden, 128 Seiten
ISBN: 978-3-518-22476-2
«‹Fern Hill› – ein wunderbarer Text, der die Jugend auf dem Land beschreibt. Diese Unbeschwertheit könnte es in England geben, oder im Freiamt», so Michael Schneider, Aargauer Musiker und Komponist.
Er hat eigens für das Vokalensemble Cantemus ein Stück komponiert, bei dem er das Gedicht «Fern Hill» des walisischen Dichters Dylan Thomas als Textvorlage nahm. (…)
«Es gibt den Moment, in dem man vor einem weissen Blatt Papier sitzt und mit dem Komponieren beginnt. Da hilft es, wenn man sich an einem Text orientieren kann», erklärt Schneider.
So verwandelte er zum Beispiel den poetischen Satz «Meine Wünsche rannten durchs haushohe Heu» in eine stimmungsvolle Melodie. «Das war nicht einfach, ich musste das Gedicht aufs Genauste analysieren», so der Komponist. «Das Stück beinhaltet viel Atmosphäre. Natur, Glück, Mond, Sonne, Jugend, Tageszeiten – das alles sind Motive.»
Die Klangfarben und die verschiedenen Stimmungen seien das Wichtigste bei «Fern Hill», findet Schneider. / Aargauer Zeitung
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