BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
On a perfect Labor Day, nobody would have to work, and even the “associates” in the big box stores could quit stocking shelves. Well, it doesn’t happen that way, does it? But here’s a poem about a Labor Day that’s really at rest, by Joseph Millar, from North Carolina.
Labor Day
Even the bosses are sleeping late
in the dusty light of September.
The parking lot’s empty and no one cares.
No one unloads a ladder, steps on the gas
or starts up the big machines in the shop,
sanding and grinding, cutting and binding.
No one lays a flat bead of flux over a metal seam
or lowers the steel forks from a tailgate.
Shadows gather inside the sleeve
of the empty thermos beside the sink,
the bells go still by the channel buoy,
the wind lies down in the west,
the tuna boats rest on their tie-up lines
turning a little, this way and that.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Joseph Millar from his most recent book of poems, Blue Rust, Carnegie Mellon University Press, 2012. Poem reprinted by permission of Joseph Millar and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Ich verstehs zwar nicht, aber es wird schon stimmen – und vielleicht kann jemand was damit anfangen:
Der älteste bekannte Bericht über eine erfolgreiche Identifizierung durch eine Tätowierung stammt just aus Cooks Heimat. Im 11. Jahrhundert soll dort der Leichnam König Haralds II. anhand der Inschrift ‚Edith and England‘ über seinem Herzen erkannt worden sein. Lyrik war offenbar noch nie eine Stärke von Tattoos. / Süddeutsche Zeitung 15.10., S. 13
10 junge Autoren erhielten am Montag bei einer Feier in Manhattan die mit je $50,000 ausgestatteten Whiting Writers’ Awards für “außergewöhnliches und vielversprechendes Talent“. Darunter sind zwei Lyriker, Ishion Hutchinson und Rowan Ricardo Phillips. Die Preise werden seit 1985 verliehen.
ist Weltstottertag, International Stuttering Awareness Day (ISAD), eingeführt 1998.
Kurt Schwitters
Kleines Gedicht für große Stotterer
Ein Fischge, Fisch, ein Fefefefefischgerippe
Lag auf der auf, lag auf der Klippe.
Wie kam es, kam, wie kam, wie kam es
Dahin, dahin, dahin?
Das Meer hat Meer, das Meer, das hat es
Dahin, dahin, dahingespület,
Da llllliegt es, liegt, da llllliegt, llliegt es
Sehr gut, sogar sehr gut!
Da kam ein Fisch, ein Fefefefefisch, ein Fefefefefefe-Fefefefefefe-
(schriller Pfiff) feFe feFe feFe feFefischer,
Der frischte, fischte frische Fische.
Der nahm es, nahm, der nahm, der nahm es
Hinweg, der nahm es weg.
Nun llllliegt die, liegt, nun llliegt die Klippe
Ganz o o o ohne Fischge Fischgerippe
Im weiten, weit, im We Weltenmeere
So nackt, so fufu furchtbar nackt.
… vor 67 Jahren wurde Elfriede Jelinek in Mürzzuschlag / Steiermark geboren. Aufgewachsen ist sie in Wien, wo sie schon während der Schultzeit am Wiener Konservatorium Orgel, Klavier und Blockflöte studierte. Nebenbei spielte sie auch Geige, Gitarre und Bratsche. Von der Mutter war sie schon früh zu außerordentlichen Leistungen gedrängt worden.
1971 schloss sie ihr Orgelstudium mit „sehr gut“ bei Leopold Markstein ab. Einer der ersten, dem sie ihre Gedichte zeigte, war dieser Orgellehrer. Schon seit 1966 ist sie als freie Schriftstellerin tätig. Die 18. Österreichische Jugendkulturwoche im Jahre 1967 bringt ihr erste wichtige Kontakte. In einer kleinen Edition in München erschien 1967 ihr erster Gedichtband Lisas Schatten (Relief-Verlag-Eilers). Ernst Jandl wurde auf sie aufmerksam und setzte sich bei Alfred Kolleritsch für sie ein. In der Zeitschrift protokolle erschienen ihre Gedichte 1968 über mehrere Seiten (mourez parmi la voix terrible de l’amour, sweet sweet amaryllis, des herbstnachts…, spiel mit großvater, wettlauf). Für das Gedicht DIE NACHT LISA aus ihrem ersten Gedichtband wurde sie neben weiteren Gedicht auf der 20. Österreichische Jugendkulturwoche 1969 mit dem Preis für Lyrik ausgezeichnet.
DIE NACHT LISA
lisas
schatten macht einen
wehrlosen fleck
lisa wirft
wehrlos
bettlern in den
rattenschoß
lisas schatten wo
ist er
ist er dort oder ist
er nahe dort
lisas schatten ist ein kind
dunkle sohlen hat der wind
lisa erbricht sich und steht strauchvoll
himbeer lisas schatten wirft das flußbett
es schweigen die ratten in schoßes schat
ten es springt der stern im himbeersaft
der nacht der stern blüht am strauch lisas
lisa ist rot aber lisa ist auch orangen
fleischgelb
an der mauer steht RAUS mit weisender hand
an der mauer auch ein himbeerstrauch ein
hahn zerrinnt an lisa dem kind der schrei
eines hahns zerfließt zu eigelb mitten
in ein schwarzer hahn zerrinnt zu stern
lisas stern biegt sich kreis zu gelbgeschrei
im himbeerstrauch
der rote strauch reißt sein sternmaul auf
ein gelbes ei kräht zitternd
ein herbstspaziergang stolpert
in den schoß voll der ratten
lisas schatten
wo
dort oder nahe hier
schatten ist ein kind
dunkle sohlen hat der wind
blooper: Versprecher {m}
blooper [coll.]: Schnitzer {m} [ugs.] [grober Fehler]
blooper [esp. Am.]: Outtake {n} [herausgeschnittene (komische) Szene]film
blooper [esp. Am.] [coll.]: Panne {f} [Missgeschick]
Missgeschick {n}: Patzer {m} [ugs.] Ausrutscher {m} [ugs.]
blooper [Am.]: Stilblüte {f}
blooper [Am.] [coll.]: peinlicher Fehler {m}
In einem taz-Artikel über die Dichterin Sarah Kirsch lese ich:
Von 1973 bis 1976 war sie Vorsitzende des DDR-Schriftstellerverbands, bis sie die Petition gegen die Ausbürgerung Biermanns unterzeichnete, was zum Ausschluss aus der SED und aus dem Verband führte.
Paperlapapp! Davon abgesehen daß der DDR-Schriftstellerverband keinen Vorsitzenden hatte, sondern einen Präsidenten (Hermann Kant) bzw. eine Präsidentin (Anna Seghers) und dazu einen Ersten Sekretär – die Vorstellung, daß jemand wie Sarah Kirsch Vorsitzende oder Präsidentin eines solchen Verbandes hätte sein können ist absurd. Außer dem Dichter Kuba (Erster Sekretär 1952-54) hatte niemals ein Lyriker eine Funktion im Verband – die wußten, daß selbst die staatsfrömmsten Lyriker eher unzuverlässig waren! Ein Experiment mit Becher als Kulturminister reichte! Erst 1990, in einer Notsituation, wurde Rainer Kirsch, ebenfalls Lyriker und ein paar Jahre mit Sarah Kirsch verheiratet, der letzte Präsident des sich bald darauf selbst auflösenden Verbandes.
Nein, Sarah Kirsch war lediglich von 1973 bis 1976 Mitglied im rund 100 Kopf starken Vorstand, wahrlich kein Entscheidungsgremium. Daß sie 1973 überhaupt dahinein gewählt wurde, war Ergebnis und Zeichen eines Tauwetters, in den Jahren zuvor war sie Ziel von Hämeattacken durch Verbandskollegen und Kritiker. Nachdem Sarah Kirsch aus dem Vorstand entfernt wurde, trat ihre Schriftstellerkollegin Christa Wolf aus Protest ihrerseits aus diesem Riesenvorstand aus.
Auf dem kleinen Tisch steht eine Taube aus finnischem Glas, die Trophäe des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung, ein Preis, den Sarah Kirsch mit einigem Zögern nur entgegennahm. In ihren Texten drängt sich das Politische nicht auf, sie war keine politische Dichterin, aber eine politische Person war sie. So lehnte sie zum Beispiel das Bundesverdienstkreuz ab, weil es ihr vom damaligen Bundestagspräsidenten Karl Carstensens verliehen werden sollte, der als ehemaliger NS-Offizier hinlänglich bekannt war. Daraus machte sie keine Geschichte, keine Meldung, sie lehnte nur still ab.
Karl Carstensens war vielleicht doch nicht hinlänglich bekannt, sonst hätte sich sein wahrer Name herumgesprochen. Der Mann hieß Carstens.
Hunderte von Gedichten hat sie über diese Landschaft geschrieben, das öde Dithmarschen verwandelt sie in eine Gegend der rauen Schönheit, meistens in der Kälte. Ganz sicher keine Natur, die einen erschlägt. Sarah Kirsch ist es gelungen, aus Dithmarschen einen poetischen Ort zu erschaffen. Das interessiert hier in den Dörfern allerdings kaum jemanden. Tagsüber gibt es die Felder, die Tiere und abends gibt es Bier, Fernsehen, am Wochenende die Vereine, die Feste, den Schnaps dazu. „Gottlob ist diese Gegend so menschenscheu“, schrieb sie einmal, schließlich hat sie genau das gesucht. Hierher kam sie, um ihre Ruhe zu haben. (…)
Sarah Kirsch war eine der ganz wenigen, die allein von ihrem Schreiben leben konnte. Seit den achtziger Jahren zahlte ihr der Verlag ein monatliches Fixum, bis zuletzt. Ich frage zweimal nach, ob das wirklich wahr ist. Ganz besonders in der Lyrik ist dies heute absolut unvorstellbar. / Lucy Fricke, taz 19.10.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Here’s a fine poem about the stages of grief by Helen T. Glenn, who lives in Florida.
Noguchi’s Fountain
The release of water in the base
so controlled that the surface tension,
tabletop of stability, a mirror,
remains unbroken. Moisture seeps
down polished basalt sides.
This is how I grieve, barely
enough to dampen river stones,
until fibers in my husband’s
tweed jacket brush my fingers
as I fold it into a box. How close
the whirlpool under my feet.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Helen T. Glenn, and reprinted from the Nimrod International Journal, Vol. 56, no. 1, 2012, by permission of Helen T. Glenn and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Zum zweiten Mal nach 2005 hat der ehemalige Lehrer Wilfried Berger aus dem elsässischen Lobsann den ältesten pfälzischen Mundartdichter-Wettstreit in Bockenheim gewonnen. Der 77-Jährige, der aus dem südpfälzischen Essingen stammt und seinen Lebensabend im Elsass verbringt, gewann mit seinem wehmütigen Gedicht „Saure Woche“, in dem er den frühen Krebstod seiner vor zweieinhalb Jahren gestorbenen Ehefrau aufarbeitet.
Den zweiten Platz belegte Helga Schneider (Kaiserslautern) mit ihrem Blick in die Natur („Raschd“), Dritter wurde Matthias Zech (Speyer), der sich mit seinem Gedicht „Vermisst“ an einen im Krieg in Russland gebliebenen Familienvater erinnerte. Anerkennungspreise erhielten Renate Demuth (Kaiserslautern), die auch Gewinnerin des Publikumspreises wurde, Gisela Gall (Bad Dürkheim), Lothar Sattel (Waldsee), Norbert Schneider (Rehborn), Hanns Stark (Bobenheim-Roxheim), Guido Defland (Brücken) und Michael Bauer (Viernheim). / Lampertheimer Zeitung
Kundenrezensionen zu Goethes „Faust“:
Des weiteren sind Wörter, die nicht mehr in die Verszeile passten, einfach eine Zeile darunter ganz rechts geschrieben.
——
Jeder sollte einmal in seinem Leben Goethes Faust gelesen haben?
JA!
Die erste Tragödie habe ich verschlungen, einfach spannend, toll geschrieben und die Geschichte dahinter ist unglaublich.
Bei der zweiten muss man schon sehr diszipliniert sein um durchzuhalten. Der Teil ist wesentlich schwerer zu lesen, aber es lohnt sich.
Einfach toll
——
schlimmes buch. ich kanns kaum lesen
ich dachte es kommt auf hochdeutsch. Ich habe nichtmal die ersten seiten gelesen …..
——
Ich habe dieses Buch nicht für mich sondern für meine Schwester gekauft.
Jedoch sollte man dieses Buch kennen und bestenfalls einmal gelesen haben.
Es ist nicht mal eben zu lesen sondern erfordert Konzentration.
Ich bin meinerseits ein Fan von Lyrik und Reden. Davon gibt es hier reichlich.
——
ich lass das immer unauffällig auf dem tisch liegen wenn mal die eine oder andere schnegge bei mir aufschlägt und lasse den belesenen raus ……. die wirkung ist enorm und vor allem die masche erfolgreich
——
Vermutlich der beste Roman der Welt. Mit reichhaltiger Enzyklopädie zu allen Faust-Versionen der Geschichte im Anhang. Ein wand frei !
——
Dieses Werk sollte jeder mal angelesen haben. Man gewöhnt sich recht schnell an die Schreibweise und dann ist insbesondere der erste Teil zum empfehlen. Der zweite Teil ist etwas zäh
——
Tochter muss das Buch in der Schule lesen, deshalb wurde es in erster Linie bestellt. Sie ist dabei es zu lesen. Wir haben uns für beide Teile entschieden, damit wir nur ein Buch kaufen mussten. Vielen Dank
——
Schnell un unkompliziert war die Lieferung. Dabei der Preis günstig. Die Auseinandersetzung mit dem Inhalt dauert länger (besonders mit Faust II !) Doch es tut gut, sich mit der Materie zu beschäftigen und auch zum Beispiel mit „Der Meister un Margarita“ zu vergleichen.
——
Das Buch ist wirklich sehr gut, aber unter dem Aufkleber auf der Rückseite kann man deutlich erkennen, dass es einmal billiger war, als wie es jetzt verkauft wurde.
——
Zum Inhalt wurde schon genug geschrieben, deswegen möchte ich mich gar nicht weiter dazu äussern.
Allerdings muss(!) ich auf ein, wie ich finde wichtiges, Detail aufmerksam machen. Die Ausgabe von dtv hat keine Versangaben an den Zeilen, was sie für den Schuleinsatz eher ungeeignet macht, da man ständig rumsuchen muss während die Anderen schon längst bei der Sache sind. Ich behandle das Buch gerade in der Schule und dieses Detail ist mir schon sauer aufgestoßen. Es gibt nur xxxx-xxxx Versangaben am Fuße der Seite.
Daher ziehe ich speziell dieser Ausgabe einen Stern ab, was sich nicht auf den Inhalt bezieht.
Also an alle die nur die Tragödige lesen wollen, eine klare Kaufempfehlung. Alle die das Buch für den Schuleinsatz verwenden wollen, sollten zu einer anderen Ausgabe greifen.
Faust Eine Tragödie: Erster und zweiter Teil [Taschenbuch]
Johann Wolfgang von Goethe (Autor)
4.4 von 5 Sternen (55 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 6,90 kostenlose Lieferung
Eines der Gedichte im Jahrbuch, schlüssigerweise nur eines, stammt von Urs Allemann, der aus Schlieren bei Zürich stammt und 1991, zur allgemeinen Begeisterung ausgerechnet bei den Bachmann-Tagen in Haiders Darkroom Kärnten, mit der herrlich betitelten, aber leider hoffnungslos vergriffenen Erzählung Babyficker bekannt wurde. Dieses eine Gedicht findet sich ursprünglich in in sepps welt und lautet:
am grab
gut, dass wir nicht in england leben
und nicht in frankreich, mama.
death hat fünf buchstaben, life bloss vier,
vie three, mort one more: four.
rejoice, ma: chez nous leben
cinq, tod trois.
(in sepps welt s. 93 = Jahrbuch s. 190)
Von allen Gedichten in in sepps welt ist es eines der harmlosesten und glattesten. Aber aus dem Jahrbuch sticht es heraus, handelt es sich doch tatsächlich um ein Gedicht und nicht um eine bloße Expektoration von Sprachschleim. Hier wird versucht, etwas mit Sprache zu machen. Und so einfach das klingt: Die meisten anderen Dichter sind nicht in der Lage oder nicht willens dies zu tun, sondern lassen die Worte einfach in ihren ausgefahrenen Betten dahingurgeln. Der Fuchs im Hühnerstall? Vielleicht:
tut in das deadgefletschte gedicht & starr:
die sunsetmöse gleichgültig flackernder onanierdaydreams,
des sogenannten panicfiekens unvertäubter tittensout
krallt die fotoromances & die intellektuellen pornosheds. dan druff! (s. 9)
Was ist das? Eine Bearbeitung von Stefan Georges „Komm in den totgesagten park und schau“! Von solchen Persiflagen, Spielereien, Hommagen ist in sepps welt voll (besonders gut: der Schiller-Remix), aber das ist offenbar fürs Jahrbuch nicht genehm. / Samuel Meister, larmoyanz rezensionen zu neuerer deutschsprachiger literatur.
Urs Allemann, in sepps welt, Klever 2013.
Jemand schreibt:
Momentan lösche ich einfach alles ungelesen!
woran liegt das?
Das kann ich zwar nicht beantworten 😉
Dennoch ein Hinweis, nicht zum ersten und letzten Mal. Zur Zeit werden in einem studentischen Praktikum alte Beiträge der Lyrikzeitung ins Archiv eingespeist. Leider hat das zur Folge, daß Abonnenten trotz des Originaldatums von 2002 jede Nachricht als neu prompt per Mail zugeschickt bekommen. Daran kann die Lyrikzeitung nichts ändern, das können nur die Abonnenten. Sie könnten zum Beispiel Ihre Aboeinstellungen ändern, von sofort auf täglich oder wöchentlich, um weniger Mails zu erhalten.
Ich bitte um Verständnis für eventuelle Umstände und hoffe zuversichtlich, daß von der Erweiterung des Archivs viele Leser profitieren werden.
Dabei wiederholt sich hier nur eine uralte Debatte, die zuletzt Hubert Winkels 2006 wieder angestoßen hatte mit seiner Unterscheidung zweier Kritikertypen: der Emphatiker und der Gnostiker. Auf der einen Seite „Leidenschaftssimulanten“ und „Lebensbeschwörer“ – wie Reich-Ranicki, aber auch Weidermann –, auf der anderen Seite diejenigen, „denen ohne Begreifen dessen, was sie ergreift, auch keine Lust kommt“. Wozu Winkels natürlich zu allererst sich selbst zählte. Lustig war aber, dass sich unter dem Strich niemand eindeutig auf eine Seite schlagen mochte. Für den Leser ist sowieso klar, dass er weder besoffene Bauchgefühlsausbrüche noch literaturtheoretische Abhandlungen unter dem Label „Rezension“ verkauft bekommen möchte.
Tatsächlich sind das Scheingegensätze, die meist nur zur Diffamierung von Kollegen und den von ihren geförderten Autoren dienen. Hier die verknöcherten Oberseminaristen, die die vermeintlichen Kopfgeburten eines Kehlmann, einer Poschmann oder Lewitscharoff goutieren. Dort die Ekstatiker, die Literatur und Leben verwechseln und dann eben Clemens Meyer oder Maxim Biller feiern. Warum nicht einfach zugeben, dass Geschmäcker halt verschieden sind? Das gilt für Autoren, Kritiker, und, vor allem, auch für die Leser.
Statt alte Schlachten noch einmal mit neuen Bataillonen zu schlagen, sollte man lieber wieder zum Ausgangspunkt der Diskussion zurückzukehren: Die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung ist nämlich keineswegs ein Nebenkriegsschauplatz, wie Weidermann suggeriert. Das Netz, schreibt er, sei der Ort, „wo sowieso schon jeder Hanswurst seine Meinung über Bücher hinaustrompetet“. Auf die Idee, dass diese angeblichen Hanswürste unsere Leser sind, dass wir im Gespräch mit beispielsweise Hans Wurst aus Ingolstadt erst einen zeitgenössischen Diskurs über Bücher herstellen, in sozialen Netzwerken oder in Leserkommentaren, darauf kommt der „FAS“-Kollege nicht. / Richard Kämmerlings, Die Welt
Wer liest denn heute noch Lyrik? Die Zeiten von Rilke, Celan, Jandl sind vorbei, als es gerade die Lyriker waren, die der Literatur ihre entscheidenden Wendungen, ihren entscheidenden Ausdruck gaben. Seit etwa zwanzig Jahren beherrscht müde pseudo-mystische Lyrik à la Hilde Domin und harmlose Witzeldichterei in der Nachfolge von Robert Gernhardt das Geschehen, häufig auch beides zu einem amalgamiert wie bei Durs Grünbein. Natürlich gibt es aus dieser Zeit auch einige wackere Experimentierer, die versucht haben, die Avantgarde fortzuschreiben, wie Oskar Pastior oder eben Urs Allemann, zu dem wir später noch kommen werden. Aber dominant ist die reine Gefälligkeitslyrik, die ihre Gefühligkeit nicht einmal umzudrapieren wagt, höchstens dass einer mal am Blüschen zupft, damit auch ja nichts drückt. Ausdruck dieser „Form“ von „Lyrik“ ist das Florilegium, das uns Buchwald und Wagner vorlegen, und damit eben nicht Ausdruck der momentanen Blüte der Dichtkunst, wie immer wieder behauptet, sondern ihres fauligen Algendaseins. Wobei auch das ja schon wieder besser, da zumindest wahrnehmbar, wäre als es der Wirklichkeit entspricht: Denn vielleicht blüht diese Lyrik tatsächlich, wie eine Tapetenblüte nämlich, die das Auge beruhigt, die Wand vor Schwarzteeflecken schützt, und wenn sie nicht da wäre, wäre es auch recht. Sogar Algenmoder inspirierte mehr.
Ich bin allerdings gezwungen etwas zurückzubuchstabieren. Einerseits enthält das Jahrbuch einige gute oder wenigstens nicht schlechte Gedichte, wie das jeweils erste von Herta Müller und Mayröcker, die Gedichte von Allemann und Lentz (je eines) oder einzelne von Hans Thill. Andererseits sind viele interessante Dichter gar nicht in der Sammlung vertreten (Ann Cotten, Nora Gomringer, Oswald Egger, Marcel Beyer) oder unterrepräsentiert (wie eben Allemann oder Lentz). Es könnte also sein, dass es um die Lyrik nicht so schlecht steht, wie vom Jahrbuch vermittelt. Dann wären die Herausgeber die Tapezierer und nicht die Dichter selbst. Zu einem gewissen Grad verhält es sich wohl so, da die Flut der grässlichen Gedichte von Sylvia Geist usw ja nicht als Resultat einer Naturkatastrophe in den Band geraten sind, auch wenn es so scheinen mag. Handkehrum sind viele bekannte Dichter, wie etwa Hummelt, vertreten und weicht der Gesamtton nicht von dem ab, was so allgemein für ganz groß gehalten wird, wie etwa Grünbein, Kirsch oder, außerhalb deutscher Landen, Tranströmer, und so ist das Jahrbuch leider durchaus repräsentativ.
Wie? Tranströmer, Hummelt und Grünbein oder gar Sarah Kirsch kann man doch nicht so einfach vom Tisch wischen! Nein, das will ich auch gar nicht. Von all diesen Dichtern gibt es sehr gute Gedichte, und ich lege sie ans Herz. Aber sie vertreten eben, und propagieren, eine Art der Literatur, die, schon per se zum Schwächeanfall geneigt, in der großen Breite der unbegabteren Musensöhne und -töchter endgültig zum kitschigen Schwachsinn kollabiert. Was ist das für eine Literatur? In der Prosa wäre es Geschichtchenerzähler-literatur, in der Lyrik ist es Beobachtungs-, Alltags-, Ergussliteratur, und meistens alles in einem. So ein Lyriker geht also im Wald spazieren, beobachtet eine Ameise, steigert sich in ein Ameisenempfinden hinein und von da in ein Weltempfinden, drechselt die Beobachtung der Ameise schriftlich zu einer kosmischen Metapher, schwenkt den Instant-Weihrauch von Tchibo über der Buchstabensuppe und baut zuletzt noch einige zeitgenössische Wörter ein, wie „ICE“ oder „Bukake“, damit es sich auch ja um Dichtung aus der Zeit heraus handelt. Das Ergebnis ist dann nicht viel anders als wenn Mario Barth im Olympiastadion von seiner Freundin im Klo berichtet, nur dass der Alltagsbanalität vom Dichter eine ganz andere Bedeutung zugemessen wird, da eben nicht die Freundin im Klo furzt, sondern der Wal im Meer singt. Bei Grünbein oder Tranströmer ist das nur in den schlechten Gedichten so, und es gibt auch viele gute, bei denen man sich Mühe gibt, Anklänge an solche Schrecklichkeiten zu überhören. Im Jahrbuch hingegen sieht man das echte Antlitz dieser Art der Banallyrik: Es ist das Antlitz eines Suppenhuhns, das entfedert, ausgemergelt, von den Musen verlassen im letzten Röcheln noch aus allen Poren Gefühlsschleim sekretiert. / Samuel Meister, larmoyanz. rezensionen zu neuerer deutschsprachiger literatur.
Jahrbuch der Lyrik 2013, Christoph Buchwald und Jan Wagner (Hrsg.), DVA 2013.
Nichts ist dagegen einzuwenden, eine Geschichte zu erzählen, den klassischen Grund zur Prosa, wenn auch ich oder andere damit nichts anfangen mögen. Alles ist gegen den entsprechend klassischen Grund, ein Gedicht zu schreiben, einzuwenden: Sentimentalität. Das heißt, wenn es etwas zu erzählen gibt, sagen wir eine interessante Biographie oder die Geschichte eines Begriffs, dann kann das von mir aus auch schlecht geschrieben sein, es ist akzeptabel als Gebrauchsgegenstand. Ein mieses Gedicht hingegen – nichts als reiner Brechreiz. Umgekehrt, wenn man, sagen wir, den »Zauber eines Augenblicks« festhalten und vermitteln möchte, den »Zauber« oder besser das, was sich in einem Augenblick manchmal eben verdichtet, dann kommt man, wenn man daraus einen Prosatext machen möchte, um ein Mindestmaß an Raffinement nicht herum. Indessen hindert niemand einen daran und es geschieht allzu oft, dass man, um Lyrik herzustellen, bloß die aufgeladenen Requisiten bereitstellt, in möglichst anregenden, geschmackvollen Arrangements, und erwartet, dass sich dieselbe Rührung wie bei einem selber auch bei der Leserin einstellt. Diese Unterkomplexität ist Quatsch und Elend! Es grassiert eine Lyrik, da kann ich mir manchmal den Gedanken nicht verkneifen an das Aquarellieren von respektablen Töchtern vergangener Jahrhunderte, nur dass es vielleicht heute eher sensible junge Herren sind, die damit bei depressiven Mädchen ankommen wollen, und vice versa. Man lasse sie doch klampfen, aber man hüte sich, das zu ernst zu nehmen.
Ann Cotten: Etwas mehr. Über die Prämissen und den Sinn von dem, was wir mit Wörtern anzustellen imstande sind. lyrikkritik.de
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