Klopstockpreis für Ann Cotten

Die 1982 in Iowa/USA geborene Schriftstellerin Ann Cotten erhält den neuen Klopstock-Preis des Landes Sachsen-Anhalt. Sie sei die erste Preisträgerin des mit 12.000 Euro dotierten Literaturpreises, teilte das Kultusministerium am Freitag in Magdeburg mit. Das schriftstellerische Gesamtwerk der jungen Autorin umfasse sowohl Lyrik als auch Prosa.

Zur Entscheidung der Jury hieß es: „Ihr gelingt es, die beschleunigten Verwandlungen heutiger Lebenswelten und die Brüchigkeit von Biografien und Selbstentwürfen stilistisch einzufangen und in eine Poesie zu wenden, die ihre Sprachkraft jenseits von Gattungsgrenzen entfaltet.“ Den Angaben zufolge wuchs Ann Cotten in Wien auf und lebt heute als freie Autorin in Wien und Berlin.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte bislang jährlich wechselnd drei verschiedene Preise vergeben. Seit diesem Jahr wird der Literaturpreis als „Klopstock-Preis für neue Literatur“ vergeben. Preisverleihung ist am 12. September bei der Eröffnung der Landesliteraturtage in Wernigerode.

Mitteldeutsche Zeitung

Karl Seemann (1928-2001)

Ulrich Bergmann erinnert auf KUNO an den Lyriker Karl Seemann:

Vom Leben des Lyrikers Karl Seemann weiß ich nicht viel. In den letzten Jahren schrieben wir uns Briefe und gaben uns unsere literarischen Arbeiten zu lesen, er seine Gedichte, ich meine Erzählungen. Aber er schrieb nicht viel von sich, er deutete nur an. Seine Briefe an mich waren, vor allem zuletzt, oft kleine Zettel mit einer etwas eckigen Schrift, fast immer fehlte das Datum. Er schrieb mir nie viel, aber klar und sehr prägnant. (…)

Hier ist das Wenige, das ich sicher weiß: Karl Seemann wurde am 19. August 1928 in Rheine, Westfalen, geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums arbeitete er in verschiedenen Berufen, unter anderen in der Sozialversicherung. Zuletzt war er Effektenberater im Bankfach.

Gedichte verfasste er seit 1945. Er wurde Mitarbeiter der Eremiten-Presse von V.O. Stomps. Dort erschien 1955 sein erster Gedichtband IM ANTLITZ DER NACHT. In dieser Zeit lernte er Ingeborg Bachmann kennen und kam mit Karl Riha und Eugen Gomringer zusammen: „Mit beiden durfte ich … in langen Gesprächen die Möglichkeiten der modernen Poesie erörtern.“

Karl Seemann lebte in Bad Bentheim, wo er am 15. August 2001 starb. (…)

W.B. Yeats

Aus einem Essay von Armin Steigenberger (bei Signaturen), geschrieben zum 75. Todestag am 28. Januar 2014. (Dort neben zahlreichen originalsprachigen Gedichten auch eins in der Übersetzung von Günter Plessow). Heute vor 150 Jahren, am 13. Juni 1865, wurde William Butler Yeats geboren. 

(…)

Die eindringliche Intonation englischsprachiger Dichter macht etwas mit mir, sie rührt viel an. Sie lässt mich sogar ein wenig erschauern. Kennengelernt habe ich sie beim Waliser Dylan Thomas. Auch der Vortrag Double You Bee Yeats’ (wie er im Englischsprachigen häufig genannt wird) hat jenen mitreißenden, halbentrückten Ton (auch „keltischer Gesang“, in dem vielleicht ein Anklang an keltische Barden fortlebt), der mir sehr charakteristisch vorkommt. Er scheint mir auch ein Schlüssel zum Verständnis englischsprachiger Dichtung zu sein. Da fange ich plötzlich an zu begreifen, warum deutsche Lyrik ein wenig den Ruf hat, verkopft und tönern-erhaben, mehr Vorlese- als Sprechkunst zu sein. Bombastisch und grau. Faustisch und dunkel. Auch bei zeitgenössischer amerikanischer Poesie hatte ich schon häufig das Gefühl, die doch manchmal etwas schwarzweiße Welt plötzlich (wieder?) in Farbe zu sehen.

Literarisch begegneten mir in Irland hauptsächlich vier Namen: James Joyce, Samuel Beckett, Oscar Wilde und W. B. Yeats, auch „The Four Dubliners“ genannt. Vor allem letzterer wird als Nationalheld gefeiert – erhielt er doch so manche hochdotierte Auszeichnung, nicht zuletzt den Nobelpreis 1923.

(…)

Der junge Yeats hat sich mit Blakes Prophetischen Büchern beschäftigt und wurde später Mitglied der diskreten magischen Gesellschaft, der Hermetic Order of the Golden Dawn.

„(…) was Yeats von anderen Dichtern unterschiede, sei eben seine Vertiefung ins Übernatürliche (…) Bis zum heutigen Tag scheint doch sein Verlangen nach dem Okkulten, nach Geistern, Feen und nach uralten Halbgöttern vielen seiner Bewunderer unverständlich (…) Niemals gab er seinen frühen Entschluß wirklich auf, die dichterische Arbeit als seine Hauptaufgabe, die Welt der Magie aber als sein zweitwichtigstes Anliegen zu betrachten. Und mit Magie meinte er – wie wir wissen – das einzig Wahre: mühselige Auseinandersetzungen mit Geistern und regelmäßigen, systematischen, rituellen Umgang mit dem Reich des Übernatürlichen und Übersinnlichen“. (Ted Hughes, Wie Dichtung entsteht. Das poetische Ich: T.S. Eliot zum 100. Geburtstag.) Wo Yeats‘ Symbolismus für manche nicht wirklich verständlich ist, ist sein starkes Interesse für Magie für Rationalisten noch schwerer zugänglich.

(…)
O DO NOT LOVE TOO LONG

SWEETHEART, do not love too long:
I loved long and long,
And grew to be out of fashion
Like an old song.

All through the years of our youth
Neither could have known
Their own thought from the other’s,
We were so much at one.

But O, in a minute she changed –
O do not love too long,
Or you will grow out of fashion
Like an old song.

Der melancholisch-innige Klang mancher Gedichte Yeats‘ ist einzigartig. Es ist ein Zauber darin, dazu die Bescheidenheit, bei kleinen Gegenständen bleiben zu können. Gleichzeitig steht in diesem Gedicht die unerwiderte Liebe, die er selbst erlebte, mit der lange Angebeteten. Maud, eine große Frau mit langen rotgoldenen Haaren und braunen Augen, stets gut gekleidet, mit einem dramatischen Zug um den Lippen und in der Haltung einem Modell der Präraffaeliten ähnlich. Yeats traf Maud, als sie 22 und in puncto irischem Nationalismus bereits sehr engagiert war: sie für ihn eine hinreißende revolutionäre „Irish Beauty“, er für sie ein arm, verträumt und naiv aussehender Schüler. Unter dem Eindruck des Osteraufstandes Éirí Amach na Cásca (englisch Easter Rising) 1916 stieg W.B. Yeats aus seinem Elfenturm symbolistischer Wortkunst herab. Die Schauspielerin Maud Gonne hat Yeats politischen Eifer beflügelt.(…)

Tondokumente:

Entdeckt

26 bisher unbekannte Gedichte der in Neuseeland geborenen Autorin Katherine Mansfield wurden mehr als 90 Jahre nach ihrem Tod in einer US-Bibliothek gefunden. Sie geben Einblicke in ihre schmerzlichste und schwierigste Zeit, schreibt The Guardian .

 

Mansfield, die neben D H Lawrence und anderen zu den großen modernistischen Autoren ihrer Zeit gehörte, wurde 1888 in Wellington geboren. 1908 ging sie nach Europa, sie starb 1923 in Frankreich. (…)

Außer den Gedichten fanden sich zwei Briefe an den Verleger Elkin Mathews, der James Joyce und Ezra Pound verlegt hatte. Für Professor Jane Stafford von der Victoria University of Wellington’s School of English, Film, Theatre and Media Studies belegen die Briefe, daß  die junge Autorin den Markt studiert hatte.

Es war eine schwere Zeit in ihrem Leben, in der sie viele Arbeiten vernichtete. Sie rauchte Haschisch, hatte Affairen, mindestens eine Abtreibung und eine Totgeburt in Deutschland. Sie war von Veronal abhängig und experimentierte mit dem Leben und der Sexualität. Man könne es ihre hedonistische Periode nennen. Die bemerkenswerten Gedichte böten neue Details ihrer Biographie. / stuff.co.nz

 

 

Christoph Meckel 80

Christoph Meckel, der heute 80 Jahre alt wird, hat als Credo formuliert: „Poesie setzt den Gegenstand und sein Wort in eins, die Wissenschaft trennt sie. Kein Gedicht wird über etwas gemacht. Der Gegenstand ist in seinem Wort, und in ihm, nur in ihm, erkennt er sich selbst.“ / Hartmut Buchholz, Badische Zeitung 12.6.

Namensgleich mit Meckels erstem Gedichtband, den der Zwanzigjährige 1956 publizierte und der aus sechs Blättern bestand, die in einer Auflage von vierhundert Exemplaren erschienen, stellt „Tarnkappe“ die950 Seitenumfassende Gesamtausgabe der Meckelschen Gedichte in der Fassung letzter Hand dar. Der Autor hat die Edition seiner Gedichte zusammen mit dem Lektor Wolfgang Matz besorgt, manches Gedicht überarbeitet, sich in Zweifelsfällen für die jeweils späteste Fassung entschieden. (…) Neunzig „Wiedergefundene Gedichte“ bilden das Schlußkapitel mit bislang Unveröffentlichtem. / Beate Tröger, FAZ 11.6.

Christoph Meckel: Tarnkappe. Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Wolfgang Matz. Carl Hanser Verlag, München 2015. 960 Seiten, 34,90 Euro.

Die Unterschiede im Grauingrau

Arno Widmann vergleicht zwei Gedichte aus dem aktuellen Jahrbuch der Lyrik – von Anne Dorm (geb. 1925) und Jason Bartsch (1994) – und konstatiert erfreulicherweise:

Wir wollen nicht so tun, als gebe die unterschiedliche Schreibart zweier Autoren Auskunft über generationenspezifische Eigenheiten. Dazu brauchte man mehr Belege, einen meine Kenntnisse bei weitem übersteigenden Überblick. Christoph Buchwald wird ihn haben. Schließlich gibt er seit 1979 das Jahrbuch der Lyrik heraus. Er schreibt: „1979 glaubte ich schon (oder noch) zu wissen, was ein gelungenes Gedicht ausmacht. Im ersten Jahrbuch sind Gedichte zu finden, bei deren Lektüre mir heute die Schamesröte in den Kopf steigt. Inzwischen bin ich gut 187.500 Gedichte weiter, und das führt unvermeidlich zu einigen normativen Ablagerungen im Lyrikhirn. Dennoch wird die Beurteilungssicherheit nicht größer, vor allem nicht bei den Gedichten, die nicht gut und nicht schlecht sind.“

Auch das sind schöne Beobachtungen über das Altwerden und die ambivalente Rolle von Erfahrung. Ich mag auch den Hinweis darauf, dass die wahre Meisterschaft des ästhetischen Urteils sich nicht bei der Wahrnehmung einer außergewöhnlichen Qualität zeigt, sondern bei der Fähigkeit, Unterschiede im Grauingrau zu erkennen.

Vor der Moschee

Perlentauchers Debattenrundschau 9Punkt:

Aktivisten fürchten, dass Raif Badawi heute zum zweiten Mal ausgepeitscht wird. Laut Urteil soll seine Strafe von tausend Peitschenhieben an zwanzig Freitagen vor einer Moschee verabreicht werden, berichtet Jason Burke im Guardian. „Human Rights Watch nimmt an, dass ein zweites Auspeitschen für den morgigen Freitag vorgesehen ist.“

Kulturrundschau Efeu:

Das Ullstein-Blog Resonanzboden veröffentlicht einen [uns, L&Poe] bisher unbekannten Text Raif Badawis, der laut den jüngsten Meldungen aus Saudi Arabien noch mit einigen Jahren Gefängnis und mit Peitschenhieben rechnen muss. Er bespricht den Roman „Die Dame des Königreichs“ des syrischen Dichters Al-Muthanna Al-Sheikh, der den syrischen Fühling von 2011 thematisiert und zugleich ins Mythische ausgreift. Er handle „im Grunde genommen von einer unmöglichen Liebe, in der sich der Urkonflikt zwischen der unterdrückten Weiblichkeit und dem unterdrückenden Patriarchat widerspiegelt.“

Schirrmacher für Enzensberger

Der in diesem Jahr erstmals verliehene Frank-Schirrmacher-Preis geht an den Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. Das teilte die Frank-Schirrmacher-Stiftung, Zürich/Berlin, mit.

Der Preis wird für herausragende Leistungen zum Verständnis des Zeitgeschehens verliehen und soll an den im Juni 2014 verstorbenen Publizisten Frank Schirrmacher erinnern. Er ist mit 20 000 Schweizerfranken dotiert. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober im Hause der «FAZ» in Berlin statt (18 Uhr). Die Laudatio wird der Schriftsteller Martin Mosebach halten. Der Netztheoretiker Evgeny Morozov wird Texte von und zu Frank Schirrmacher lesen.

Dem Stiftungsrat gehören als Co-Präsidenten Martin Meyer, Chef des Feuilletons der NZZ, und Michael A. Gotthelf, Unternehmer und Publizist, sowie der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, der «FAZ»-Herausgeber a. D. Günther Nonnenmacher und der Leiter des Filmfestivals Locarno, Marco Solari, an. / NZZ

«Dieser text ist ein biest»

Wenn ein ironischer Verskünstler wie der Dichter Ulf Stolterfoht seitenweise die Lutherbibel zitiert, ist nicht unbedingt ein ehrfürchtiger Bericht über ein religiöses Erweckungserlebnis zu erwarten. Und doch gerät man ins Staunen, wenn der derzeit bekannteste deutsche Exponent der experimentellen Poesie sein neues Gedichtbuch mit Reminiszenzen an die Offenbarung des Johannes eröffnet, das bizarrste Buch des Neuen Testaments. Stolterfohts in neun Kapitel gegliedertes langes Poem «neu-jerusalem» behandelt ein grosses Thema – nämlich die Auswanderungsbewegung radikaler Pietisten im 18. und 19. Jahrhundert nach Amerika und in den Kaukasus, wo sie ihr neues Himmelreich errichten wollten. Wie es Stolterfohts Art ist, hat er sich den historischen Stoff in sprachanarchistischer Manier angeeignet und ihn in eine Geschichte religiöser, politischer und ästhetischer Dissidenz umgewandelt.

(…)

Es gehört indes zu den grossen Reizen dieses Buches, dass es auch so manche Prämisse der experimentellen Lyrik ins Wanken bringt. Bisher galt als ausgemacht, dass sich der Lyriker Stolterfoht vorwiegend für die instabilen Verhältnisse zwischen den Wörtern und ihren Bedeutungen interessiert und beharrlich an einer «Entsemantisierung der Kunst» arbeitet. Solche Überlegungen passen aber nicht so recht zu «neu-jerusalem». Denn hier entfaltet der Autor seine Geschichte pietistischer Renitenz in weiten erzählerischen Bögen, ohne diese narrativen Elemente sprachkritisch zu relativieren. «Dieser text ist ein biest», heisst es am Ende des langen Gedichts. / Michael Braun, NZZ

Ernst-Jandl-Preis für Czernin

Der mit 15.000 Euro dotierte Ernst-Jandl-Preis für Lyrik geht dieses Jahr an den österreichischen Schriftsteller Franz Josef Czernin. Zuletzt erschienen seine Werke Das telepathische Lamm: Essays und andere Legenden (Klever), Metamorphosen (Droschl) und zungenenglisch. visionen, varianten (Hanser).

Die Auswahl wurde von einer fünfköpfigen Jury getroffen, der Paul Jandl, Alfred Kolleritsch, Friederike Mayröcker, Thomas Poiss und Klaus Reichert angehören.

Der Preis wird alle zwei Jahre für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik an einen deutschsprachigen Autor oder eine deutschsprachige Autorin vergeben. (…)

Die Preisverleihung findet im Rahmen einer dreitägigen Veranstaltung zur Gegenwartslyrik von 12. bis 14. Juni in Neuberg an der Mürz (Steiermark) statt. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Konversatorium zu den Vorlesungen von Peter Rosei, eine Soloperformance nach Lyrik von Ernst Jandl von Christian Muthspiel, sowie Lesungen von Michael Hammerschmid, Monika Rinck und Oswald Egger. / Hauptverband des österreichischen Buchhandels

Bisherige PreisträgerInnen sind Thomas Kling (2001), Felix Philipp Ingold (2003), Michael Donhauser (2005), Paul Wühr (2007), Ferdinand Schmatz (2009), Peter Waterhouse (2011) und Elke Erb (2013).

Programm hier.

23. open mike: Bald ist Einsendeschluss

Der Einsendeschluss für den 23. open mike naht:
Bis zum 10. Juli 2015 können noch Texte (Prosa oder Lyrik) eingereicht werden. Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben.

LektorInnen aus renommierten Verlagen wählen die TeilnehmerInnen aus, die am 7. und 8. November 2015 zum öffentlichen Finale nach Berlin eingeladen werden. Die Jury vergibt einen Preis für Lyrik und zwei Preise für Prosa. Der open mike wird ausgeschrieben von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation und ist mit insgesamt 7.500 EUR dotiert.

Genaue Teilnahmebedingungen für den 23. open mike im Internet unter www.literaturwerkstatt.org

Einsendeschluss: 10. Juli 2015 (Datum des Poststempels)

Einsendungen unter dem Kennwort „open mike“ an:

Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstraße 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin

GENERATIONENÜBERGREIFEND: DER NAHBELLPREIS

G&GN-INSTITUT, Düsseldorf im Juni 2015 / Traditionell am 21.6. wird der neue Nahbellpreisträger bekannt gegeben und das Email-Interview mit ihm veröffentlicht, das in den letzten Monaten geführt wurde. Nur so viel sei schon vorab verraten: Der diesjährige 16.Nahbellpreis geht an einen absoluten Newcomer der Lyrikszene, ein blutjunges Talent mit einem permanenten Literaturauswurf wie ein Vulkan! Von Karl-Johannes Vogt (verstarb 2013 mit 93) über Hadayatullah Hübsch (verstarb 2011 mit fast 65) bis zu dem kommenden Preisträger (unter 20) reicht der Altersunterschied. Der Nahbellpreis richtet sich erstmals seit 2000 an deutschsprachige Lyriker, die sich selbst oder Kollegen vorschlagen dürfen. Laut Urkunde ist die „Unbestechlichkeit im lebenslänglichen Gesamtwerkprozess“ für die Vergabe entscheidend, ein Kriterium, das sich nur selten im Anfangsstadium eines Künstlers abschätzen lässt. Mit 10 Millionen Euro ist der Nahbellpreis der weltweit höchstdotierte Literaturpreis – leider fehlen bis heute geeignete Sponsoren, so dass sich alle bisherigen Preisträger derzeit mit einer symbolischen Ehrung und der Internet-Präsentation begnügen müssen. Mit der Höhe des Preisgeldes soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wertvoll ein Dichterleben eigentlich ist, wenn es wie jeder andere Beruf als tagtägliche Arbeit verrichtet wird. Gesellschaftlich engagierte Literaten, die mit ihren bibliophilen Kleinstauflagen und idealistischen Projekten oft selbstlos und selbstausbeuterisch zum kulturellen Mehrwert beitragen, brauchen eine viel souveränere Unterstützung als das herkömmliche profilneurotische Preissystem der etablierten Literaturszene, die nicht das Engagement kritischer, progressiver, visionärer Stimmen belohnt, sondern sich lediglich selbst inszeniert. Die hohe Summe des Nahbellpreises soll nicht nur garantieren, dass der Preisträger lebenslänglich ohne ökonomischen Druck auf höchstem Niveau und mit ungebremster Konzentration zum Wohle des kulturellen Fortschritts kreativ sein kann, sondern dass er sogar seinerseits selbst Geld an weitere Projekte ausschütten kann, die er für förderungswürdig erachtet. Die freie, nicht institutionell gebundene Poetisierung des Alltags soll dadurch angekurbelt werden – gegen die Stagnation des etablierten Konformismus…

Preisseite: www.LYRIKSZENE.de (wird in den nächsten Stunden freigeschaltet) =
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/
Aktuell laufendes Interview mit dem Kölner Dichter stan lafleur (3.Nahbellpreisträger 2002):
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/03-nahbell-preis-2002-stan-lafleur/

Das große Interview mit dem noch amtierenden 15.Nahbellpeisträger Kai Pohl:
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistraeger-portraits/15-nahbell-preis-2014-kai-pohl/

Ingolds Einzeiler

»Ich« ist der Strolch, dem eure Dornenkrone besser steht als jedem hergelaufnen Herrn.

Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr

Juan Felipe Herrera neuer U.S. poet laureate

Juan Felipe Herrera, früherer poet laureate von Kalifornien, wurde am Donnerstag als erster Chicano (d.i. Mexikanischstämmiger) zum neuen Poet laureate der Vereinigten Staaten ernannt. Er begann seine Karriere mit Gedichten, die Spanisch und Englisch vermischten. Aus einem Bericht von Tomas Ovalle, Los Angeles Times:

Walking past a row of books in a library, 21-year-old aspiring poet Juan Felipe Herrera was stopped short by a title: „Snaps.“ The book was the debut collection by Victor Hernandez Cruz.

„I opened it up, started reading those poems,“ Herrera recalls 45 years later. „Puerto Rican bilingual English style and language and voices. The wordplay, improvisation, it was amazing. That catapulted me. I never forgot it.“ In 2012 he found himself sitting with Cruz as chancellors of the Academy of American Poets in New York City.

(…)

Now 66, Herrera is a master of many forms: long lines, litanies, protest poems, sonnets, plays, books for children and young adults, works that combine verse and other forms. (…) In „Blood on the Wheel,“ he writes:

Blood in the tin, in the coffee bean, in the maquila oración
Blood in the language, in the wise text of the market sausage
Blood in the border web, the penal colony shed, in the bilingual yard …

Hier das Gedicht komplett

 

Sind Gedichte cool?

Gedichte sind cool, sagen die Macher der Frankfurter Lyriktage, die am Mittwoch starten. Dem widerspricht der Frankfurter Lyriker Léonce W. Lupette im hr-online-Interview. Für ihn haben Gedichte eher eine politische Dimension.

Für mich sind sie eine extreme Form von Sprache. Sie sind eine extreme Form, sich auszudrücken, über die Welt nachzudenken.

Wenn jemandem an Erkenntnis, auch an Selbsterkenntnis, oder an Begegnung mit dem Fremden gelegen ist, dann sind Gedichte sicherlich ein sehr guter Zugang – mit allen Schmerzen, mit aller Energie und allem Aufwand, der damit verbunden ist.

(…)

Die Frage ist hier: Warum gelingt es nicht, im Unterricht Interesse an geistigen Inhalten zu wecken und zu fördern? Das gilt nicht nur für Lyrik, sondern auch für Literatur allgemein oder für Theater. Das ist dann auch eine gesellschaftliche Frage: Inwiefern betrachtet es eine Gesellschaft als sinnvoll, sich intensiv und zweckfrei mit Kunst zu beschäftigen. Wie viel Zeit und Möglichkeiten bekommen Menschen eingeräumt, sich im Alltag, der ja auch ein Arbeitsalltag ist, mit solchen Dingen zu befassen.
 (…) Es gibt ja auch nicht eine gängige Art von Lyrik, sondern viele verschiedene Arten, zu dichten.