Denn hier präsentiert sich eine Münchner Poeten-Gruppe, die sich genau die gemeinsame Arbeit an Texten zum Ziel gemacht hat, auch wenn sie einander natürlich nicht dauernd gegenseitig überschreiben möchten. Seit ungefähr elf Jahren treffen sich die elf Lyrikerinnen und Lyriker alle zwei Monate, zunächst unter dem Motto „Gulasch und Gedichte“, seit 2006 unter dem Namen „Reimfrei“. Wobei es keine Stilvorgaben geben soll und neben Ungereimtheiten aller Art auch Reime erlaubt sind. Einige in der Gruppe sind bereits bekannter als andere, Junge sind ebenso dabei wie etwas Ältere, veröffentlicht haben sie jedenfalls alle schon den einen oder anderen Lyrikband. Auf der Bühne stehen Karin Fellner und Frank Schmitter, Andrea Heuser und Jürgen Bulla, Augusta Laar und Sabina Lorenz, Ann-Kathrin Ast, Markus Breidenich, Armin und Christel Steigenberger und Ruth Wiebusch. Was heißt hier stehen: Die elf performen ihre Texte. / Antje Weber, Süddeutsche Zeitung
Knapp 100 Jahre nach Erstveröffentlichung liegt das ausserhalb Italiens so gut wie unbekannte Werk erstmals in deutscher Übersetzung vor – wer hätte gedacht, dass die Bizarrerien und Überspanntheiten der ersten historischen Avantgarde einmal derart unverkopft, unterhaltsam und frischweg von der Leber daherkommen können? / Matthias Hennig, NZZ
Filippo Tommaso Marinetti: Wie man die Frauen verführt. Aus dem Italienischen übertragen und mit einem Nachwort von Stefanie Golisch. Matthes & Seitz, Berlin 2015. 124 S., Fr. 21.90.
Wenn zwei dasselbe sagen, meinen sie auch dasselbe? Was meint Marianne Moore, wenn sie bzw. ihr Gedicht sagt, daß „auch ich sie nicht mag“, die Poesie, die Poesie*, und was meint Dr. Lieschen Müller mit den gleichen Worten?
Heute führt uns der verehrte Perlentaucher ein Beispiel vor Augen. Im Teaser der Magazinrundschau heißt es:
„Urlaub im Protektorat„? Das tschechische Magazin Aktualne winkt dankend ab. Lyrik? Sollte man auch besser lassen, meint die London Review.
Den Artikel von Ben Lerner faßt sie dann wie folgt zusammen:
London Review of Books (UK), 18.06.2015
Ben Lerner setzt die Verächtern [sic] der Lyrik in ihr Recht, die entweder gute Gründe für ihre Ablehnung hätten oder zur Avantgarde gehörten. Und er kommt dabei auf folgenden Gedanken: „Das große Problem der Dichtung sind: die Gedichte. Das erklärt vielleicht, warum Dichter selbst vor allem Dichter feiern, die dem Schreiben entsagen. An der Uni in den 90ern lasen die coolsten jungen Dichter, die ich kannte, Rimbaud und Oppen – zwei sehr große und sehr unterschiedliche Autoren, die beide jedoch die Kunst aufgegeben haben (Oppen allerdings nur zeitweilig). Rimbaud hörte mit zwanzig auf und wurde Waffenhändler; Oppen schwieg 25 Jahre lang, während er in Mexiko lebte, um dem FBI zu entkommen, das wegen seiner Gewerkschaftsarbeit ermittelte. Rimbaud ist das Enfant terrible, das durch das Sagbare brennt; Oppen ist der Dichter der Linken, dessen Schweigen eine Form der Hingabe ist. ‚Weil ich nicht schweige‘, schrieb Oppen, ’sind die Gedichte schlecht‘.“ Eines von Lerners Lieblingsgedichten ist Marianne Moores „Poetry“ und beginnt mit der Zeile: „I, too, dislike it.“
Leute, die nur die Überschriften und digestiven** Zusammenfassungen lesen, können sich beruhigt zurücklehnen. Die Autoritäten sind auf ihrer Seite. Wenn man den Artikel liest, merkt man, daß er nicht von Dr. Lieschen Müller ist und nicht den Lieblingsideen so mancher Lyrik- und Avantgardebasher entspricht, wie sie unter Lesern und Nichtlesern und sogar Autoren von Gedichten grassieren. Er empfiehlt auch gar nicht, die Poesie zu lassen, sondern er erörtert den Status der Dichtung in der Poesie und im Leben. Marianne Moore und Arthur Rimbaud, John Keats und Walt Whitman sind seine Gewährsleute, aber auch z.B. William McGonagall. Er hätte auch Friedrich Hölderlin oder Friederike Kempner nehmen können. Liest man Lerners Artikel, kann man über die Nähe von Hölderlin und Whitman nachdenken. Auch wenn sie nicht jedem Germanisten lieb sein mag. Beide wollten zu verschiedenen Zeiten, unter verschiedenen Umständen für ihren jeweiligen Ort nichts weniger als der Poesie einen Platz im Leben (wieder) erringen. Lerner schreibt:
Whitman’s dreamed union has never arrived, but his vision determines the nostalgist’s call for a poetry that could supposedly reconcile the individual and the social and so transform millions of individuals into an authentic people. Whitman deferred poetic realisation into the future (‘I stop somewhere, waiting for you’), but many poetry-haters act as though the project was realised at some unspecifiable moment in the past and then lost as the art and/or its public declined. This allows them to repudiate poems in the present while reasserting a Whitmanic belief in the power of poetry (if also thereby betraying Whitman’s belief in future perfectibility over any longing for the past).
Many cultural critics, with a kind of macabre glee, proclaim ‘the death of poetry’ every few years: our imaginative faculties, we fear, have atrophied; the commercialisation of language seems complete. The actual number of poems being written and read – a decade ago, James Longenbach reported there were more than 300,000 websites devoted to poetry – appears to be irrelevant to the certification of poetry’s death, because what the pronouncement reflects is less an empirical statement about poems than a cultural anxiety about our capacity for ‘alternative making’ or a longing for (an impossible, supposedly lost) universalism.
Great poets disdain the limits of actual poems, tactically defeat or at least suspend that actuality, sometimes quit writing altogether, becoming celebrated for their silence; bad poets unwittingly provide a glimmer of virtual possibility via the radicalism of their failure; avant-garde poets hate poems for remaining poems instead of bombs and nostalgists hate poems for failing to do what they wrongly, vaguely claim they once did.
*) Friederike Kempner
Die Poesie, die Poesie,
die Poesie hat immer recht.
Sie ist von höherer Natur,
von übermenschlichem Geschlecht.
Und kränkt ihr sie, und drückt ihr sie,
sie schimpfet nie, sie grollet nie,
sie legt sich in das grüne Moos,
beklagend ihr poetisch Los!
Aus: Friederike Kempner, Gedichte (1903)
**) laut Duden: di|ges|tiv (Med. Verdauung bewirkend; Verdauungs…); vgl. auch „Reader’s Digest“.
[Marcel] Beyers Gedichte folgen dem typischen Muster moderner Lyrik: Sie reimen sich nicht.
Obwohl seine Texte oft nur andeutungsweise verraten, wovon die Rede ist, obwohl man nach dem Hören eher dumpf bewundernd denn berührt dasitzt, verneigt man sich vor der Sprachgewandtheit des Dichters.
Babelsprech übernimmt den Essay „Vorsichtige Vitalität. Neue Entwicklungen in der gegenwärtigen tschechischen Poesie“ von Karel Piorecký aus Displey (Koproduktion von Randnummer und psí víno). Hier Anfang und Schluß:
Wo fängt eigentlich die Gegenwart der tschechischen Poesie an? Für viele ihrer LeserInnen und KennerInnen ist das Ereignis, das die Gegenwart imaginär von der Vergangenheit trennt, der Sturz des Kommunismus im November 1989. Ein zweiter derart grundlegender gesellschaftlicher, politischer und kultureller Wandel hat im tschechischen Kontext seit Ende der achtziger Jahre tatsächlich nicht stattgefunden. Jedoch ereigneten sich unauffälligere Veränderungen, weniger revolutionär, als vielmehr evolutionär.
In den gerade posttotalitären neunziger Jahren war die tschechische Poesie in erster Linie gezeichnet von präzedenzloser Verwirrung durch die (literatur)geschichtliche Situation. In einem unübersichtlichen Wirrwarr durchwoben sich hier optimistische Gegenwart, unrühmliche und darum leidenschaftlich negierte unmittelbare Vergangenheit der sog. Normalisierung und eine ganze Reihe oft sehr archaischer literarischer Traditionen, die plötzlich öffentlich zugänglich gemacht, übereilt herausgegeben und gierig, wenn auch einigermaßen oberflächlich rezipiert wurden. Als eine der attraktivsten erwies sich die Tradition der spirituellen Lyrik, wiederbelebt einerseits in Anknüpfung an barocke Poesie, andererseits an die moderne katholische Lyrik (Pavel Petr, Petr Čichoň, Miloš Doležal u.a.). Ebenfalls anziehend, aber in neuen Werken weniger präsent war die Tradition der imaginativen oder (neo)surrealistischen Poesie, die auch den Reiz von bis vor Kurzem verbotenen Früchten hatte (Jaromír Typlt, Pavel Ctibor, Tomáš Přidal u.a.). Zur stärksten und man kann wohl sagen normbildenden Traditionslinie aber wurde die sachliche, deskriptive Lyrik, die sich insbesondere aus der zuvor ebenfalls verbotenen Poetik der Dichter der Gruppe 42 speiste sowie aus dem Erbe einer sog. Alltagspoesie. Der sachliche, von ästhetischen Deformationen und expressiven Haltungen befreite Ausdruck in den Gedichten von Petr Hruška, Petr Borkovec oder Petr Motýl passte gut zum starken Bedürfnis nach so genannter authentischer Literatur, die sich viel weniger auf ihre Literarizität als auf eine (Ahnung von) direkter Verbindung von Text und Lebensrealität stützte, für die voll und ganz der Autor selbst mit seinem charakterlichen und moralischen Profil bürgte. Ein allgemeiner Konsens bestand auch bezüglich der Frage, welche Beziehung die Poesie zur außerliterarischen, gesellschaftlichen und politischen Realität habe. Eine selbstverständliche und nur sehr selten gebrochene Norm war die Trennung des Politischen von der Literatur, präsentiert als ihre Befreiung von den von außen aufgezwungenen Funktionen (die es in der Zeit der Normalisierung gab sowie vor 1968) und damit als Möglichkeit, endlich sie selbst zu sein.
In dieser typologischen Unterteilung und diesen Bewertungsrahmen überschritt die tschechische Poesie das Jahr 2000 und verharrte so noch einige Jahre. Ihre Stabilität, Unveränderlichkeit und Ruhe verwandelten sich langsam in eine Art Leichenstarre. Kurz nach der Jahrtausendwende wurde jedoch klar, dass die freiwillige, ja sogar intendierte und programmatische Abwendung von der gesellschaftlichen Funktion der Poesie nur eine illusorische Freiheit brachte und sie in Wirklichkeit in eine neue Form der Isolierung zurückgeworfen wurde, nämlich das tiefe Desinteresse der lesenden und kulturellen Öffentlichkeit. Die Suche nach dem Ausweg aus diesem „Ghetto“, wie der Zustand damals oft bezeichnet wurde, wurde zu einem der Hauptthemen literarischer Diskussionen und Polemiken.
(…)
Die Tendenzen der Engagiertheit, des Konzeptualismus und der Neoavantgarde sind selbstverständlich verknüpft und durchwirken die gesamte gegenwärtige tschechische Poesie. Mit den langen neunziger Jahren endete auch die radikale postmoderne Pluralität nicht zu verbindender Einzelner – Teilströmungen und Teiltendenzen hängen zusammen, sind aufeinander bezogen und lassen eine Gesamtbewegung der Poesie als künstlerischer Gattung erahnen. Vielleicht auch deswegen ist die Poesie in Tschechien heute ein Bereich mit großem Potential und Vitalität, mit einem großen Vorrat angesammelter Energie, die die Schreibenden allerdings nur vorsichtig an sich heranlassen. Sie wollen Veränderung, aber möglichst ohne das Risiko, durch Experimente mit neuen Herangehensweisen Explosionen zu verursachen. Gemeinsamer Nenner der beiden Richtungen ist die Subversion, der Wille, erstens das herrschende sozio-ökonomische System, zweitens die ausgetretenen literarischen Pfade infrage zu stellen. Zusammen bilden sie demnach die Strömung der neuen literarischen Subversivität.
„Ein wenig Grazie“, hat Hans Magnus Enzensberger einmal geschrieben, „wäre mir schon genug.“ Mit stilistischer Grazie und sparsamen Effekten poetische „Schwebstoffe“ zu generieren, hat sich auch Heinrich Detering vorgenommen, der mit „Wundertiere“ seinen insgesamt siebten Gedichtband vorgelegt hat. Diese neuen Gedichte beschäftigen sich mit einigen Urszenen religiöser Erfahrung. / Michael Braun, Badische Zeitung
To mark the anniversary of Yeats’ birth the Ocean Sands Hotel in Sligo, the county in which Yeats spent his childhood summer holidays, put together this interactive map of all of the places that meant something to Yeats throughout his life.
In the title poem of his 1960 collection Landessprache (Language of the Country) Hans Magnus Enzensberger examines divided postwar Germany, in particular the west, where the economic recovery enabled consumerism to distract the population from an immediate past that many preferred not to dwell on. Enzensberger is brutally frank. His country is a “murderers’ den / where in haste and impotence the calendar tears its own leaves, / where the past rots and reeks in the rubbish disposal unit / and the future grits its false teeth, / … all because things are looking up …”
This sense of things seems to have been both widespread and unpopular. To say, as Enzensberger did, that “it was like living with an enormous corpse in the cupboard” was to risk the disfavour of a state whose immediate predecessor had been in the habit of burning books and killing writers along with anyone else it cared to get hold of. The conservative politician Franz-Josef Strauss, a veteran of the Russian Front and rival of Helmut Kohl, referred to Enzensberger, Günter Grass and Heinrich Böll as Schmeissfliegen: blowflies.
It is hard to imagine a cultural row having such significance in Britain. Some may find that reassuring, while others will see it as evidence of a persistent malaise, a blend of timidity, mean-spiritedness and servility, whose latest symptom is the 2015 general election. An Enzensberger looking at the English electorate might have reached for Yeats’s comments to the audience at the Abbey theatre in 1926: “You have disgraced yourselves again.” Certainly, Enzensberger does not see his task as being to comfort and beguile. His language often has a Brechtian plainness. “Karl Heinrich Marx” is an unadorned portrait by an idiosyncratic adherent: “I see you betrayed / by your disciples: / only your enemies / remained what they were”, but Enzensberger also reveals an affinity for the folktale and fable found in Grass’s poems. / Sean O’Brien, The Guardian
According to child development experts Sue Palmer and Ros Bayley, nursery rhymes with music significantly aid a child’s mental development and spatial reasoning, reported the BBC.
Seth Lerer, dean of arts and humanities at the University California – San Diego, has also emphasised the ability of nursery rhymes to foster emotional connections and cultivate language. “It is a way of completing the world through rhyme,” he said in an interview with NBC Today. “When we sing [them], we’re participating in something that bonds parent and child.”
Unknowingly when we sing these nursery rhymes we are engaging our child with centuries-old tradition that seems to be harmless on the surface.
Compiled from BBC, Top Tenz, Mental Floss and Listverse, here are 10 nursery rhymes which do not spell love, care and/or innocence (…)
Darunter diese beiden:
Mary, Mary, quite contrary
How does your garden grow?
With silver bells and cockleshells
And pretty maids all in a row.
This one may be about Bloody Mary, daughter of King Henry VIII and concerns the torture and murder of Protestants. Queen Mary was a staunch Catholic and her “garden” here is an allusion to the graveyards which were filling with Protestant martyrs. The “silver bells” were thumbscrews; while “cockleshells” are believed to be instruments of torture which were attached to male genitals. Ouch!
Georgie Porgie pudding and pie,
Kissed the girls and made them cry
When the boys came out to play,
Georgie Porgie ran away.
This seemingly child-friendly nursery rhyme actually has a sexual undertone to it. Georgie Porgie is a caricature of George Villiers, a bisexual nobleman who lived from 1592 to 1628. George was greatly favored by King James I. His friendship with the king was so intimate that he was able to gain immense power and position in just a short period of time — he was named the first Duke of Buckingham at the age of 31.
(…)
Though George had a covert romantic affair with the king, he was a womanizer (…kissed the girls and made them cry…), and had sexual relationships with numerous women, including the daughters and even the wives of many English noblemen. Because the king favored him, the English noblemen were incapable of prosecuting him, thus explaining the line, “when the boys came out to play, Georgie Porgie ran away”.
Sommergelee? – Dichter dran!
Poesie in Neheim vom 19.06. – 25.06. 2015
Die Achtung vor der Mehrschichtigkeit der im Gedicht Form gewordenen Sprache ist das Thema der Kulturnotizen in diesem Jahr. Als der russische Literaturtheoretiker Wiktor Schklowski in seinem Aufsatz Kunst als Verfahren 1916 den Begriff “ostranenie” schuf, arbeitete er damit die Unwägbarkeit von Poesie heraus, die Fähigkeit, daß Worte ihre Bedeutungen verfremden können und gerade deshalb Leserfantasien erzeugen. Zu den Eigenarten der Lyrik zählt es, daß der Leser das Gefühl hat, nach der Lektüre schlauer zu sein als vorher, mag er auch nicht aus allem klug werden. Der Literatur indes sind manichäischen Zuspitzungen und Vereinfachungen noch nie gut bekommen. Wer die Lyrik der Gegenwart näher kennenlernen möchte, sollte eingefahrene Rezeptionshaltungen aufgeben. In der Lyrik der Gegenwart gibt es verschiedene Strömungen: eine avancierte Poesie, eine sprachexperimentelle Richtung, von Dichtern deren Gedichte von der Arbeit mit der Sprache leben. Sprach-Archäologen, die bereits vorhandenes Material neu arrangieren. Lyriker die bewußt Formen aufgreifen und damit auf neue Weise spielen sind einer formbedachten Poesie zuzuordnen. Die meisten jungen Lyriker sind im 21. Jahrhundert Vertreter einer reflektierten Poesie, sie arbeiten mit einem avancierten Anspruch, verweigern sich aber nicht dem Leser. Die Werkstattgalerie Der Bogen hat Poeten eingeladen, denen es gelingt auf hohem sprachlichem Niveau eine Poesie zu entwickeln, die gleichermaßen neu wie reflektiert ist.
Freitag, 19. Juni – Vertonte Gedichte, die Kunst des Vortrags durch Gesang, von Christine Ihle (Stimme) und Yevgenjya Schott (Klavier). Der Bogen (Möhnestr. 58 / 59755 Arnsberg), ab 20:00 Uhr
Samstag, 20. Juni – An der Neige…, Uraufführung. Tom Täger vertont ein Sprech-Ohr-ratorium von A.J. Weigoni und Manuel Quero choreographiert es. Der Bogen, ab 20:00 Uhr
Sonntag, 21. Juni – Eröffnung der Ausstellung Fragmenttexte / Visuelle Poesie von Angelika Janz in der Werkstattgalerie Der Bogen, ab 17:00 Uhr.
Montag, 22. Juni – Poetenpingpong, ein Abend der Poesie mit Angelika Janz, Holger Benkel, und Susanne Ulmke – Moderation: A.J. Weigoni. Der Bogen, ab 20:00 Uhr.
Vom 22. – 25. Juni, Workshops in der Werkstattgalerie Der Bogen von Steffi Neuhaus, Haimo Hieronymus, Manuel Quero, Pit Schrage u.a. – das konkrete Angebot wird noch gesondert auf einem Faltblatt bekannt gegeben.
Mittwoch, 24.06. um 19 Uhr LindenJam mit bekannten Musikern aus dem Sauerland und Ruhrgebiet
Donnerstag, 25.06. Großes Nehmer Kinderbild “Lieblingsbild Lieblingswort” von 10 bis 12 auf der Marktplatte
Donnerstag, 25.06 ab 20 Uhr Abschlusskonzert mit der niederländischen Band YENGA. Veranstaltet von: Werkstattgalerie Der Bogen (Möhnestr. 58 / 59755 Arnsberg) Kuratiert von: Haimo Hieronymus und A.J. Weigoni Mitveranstalter: Christine-Koch-Gesellschaft, Literarische Gesellschaft Arnsberg
nun schweben am tiefblauen Himmel die Schneeflocken der Pappeln
Hansjürgen Bulkowski
Seit Freitag steht die steirische Marktgemeinde Neuberg an der Mürz ganz im Zeichen der deutschsprachigen Lyrik. Gestern Abend wurde zum achten Mal im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage, der mit 15.000 Euro dotierte Jandl-Preis vergeben, der heuer an den österreichischen Autor Franz Josef Czernin ging. „Franz Josef Czernins Werk ist ein großes Abenteuer der Literatur, ein enzyklopädisches Unternehmen, das seinen Gegenstand in immer neuen Versuchen umkreist. Der Zusammenhang zwischen Subjekt, Sprache und Welt wird in seiner Poesie einem Spiel überlassen, bei dem Dichtung und Erkenntnis in eins fallen. Vom strengen Sonett bis zum pfingstlichen „zungenenglisch“, vom Essay bis zum Aphorismus reicht der Katalog der Formen, von der Romantik über die Mystik und den Symbolismus bis zu den experimentellen Avantgarden reicht ein Kanon, den Franz Josef Czernin in sein unverwechselbar eigenes Projekt transformiert: in die mit aller Sinnlichkeit, größtem Wissen und höchster Intelligenz gestellte Frage, wie die Wirklichkeit durch die Sprache im Ich aufgeht. Und das Ich in der Sprache. Und die Sprache in der Welt. Es ist eine poetische und poetologische Gleichung mit drei Variablen und einem stets aufs Neue zu benennenden Rest,“ heißt es in der Begründung der Jury, zu der neben der langjährigen Lebensgefährtin Ernst Jandls, Friederike Mayröcker, auch Paul Jandl, Alfred Kolleritsch, Thomas Poiss und Klaus Reichert gehören.
Der in Wien geborene Franz Josef Czernin arbeitet seit 1978 als freier Schriftsteller und publiziert Gedichte, Prosa, Theaterstücke, Essays und Aphorismen. Der Literat erhielt für seine Werke bereits unzählige Preise, unter anderem den H. C.-Artmann-Preis, Literaturpreise der Städte Graz, Wien und des Landes Steiermark sowie den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik.
Der diesjährige Preisträger wird heute im Rahmen des Lyrikfestivals mit Thomas Eder, Wolfram Pichler und Klaus Reichert das Thema „Poesie und Erkenntnis“ diskutieren. Das Gespräch findet ab 11 Uhr im Festsaal der Gemeinde im Neuberger Stift statt. Die Veranstaltungen im Rahmen der Lyriktage sind öffentlich zugänglich und der Eintritt ist frei.
Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik wurde zum Gedenken an den am 9. Juni 2000 verstorbenen Autor und Dichter Ernst Jandl initiiert und wird seit dem Jahr 2001 im Zwei-Jahres-Rhythmus für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Lyrik vergeben. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträger sind Thomas Kling (2001), Felix Philipp Ingold (2003), Michael Donhauser (2005), Paul Wühr (2007), Ferdinand Schmatz (2009), Peter Waterhouse (2011), Elke Erb (2013) und Franz Josef Czernin (2015).
Weitere Informationen unter:
http://www.kunstkultur.bka.gv.at/site/8101/default.aspx#a1
Aber Yeats‘ Faible für das nationale literarische Erbe wich einer grossen Ernüchterung, als die Proteste gegen Synges mit milder Ironie gewürzte Stücke immer vehementer und reaktionäre Zensurbestrebungen immer drastischer wurden. All die gesitteten Krämer, Handwerker und Händler, die da so unauffällig ihrem Tagewerk nachgingen, erklärte Yeats nach dem Sturm auf eine vom aufgebrachten Mob demolierte Bibliothek, verfielen in Raserei, wenn sie mit irgendeiner Form anspruchsvoller Kultur konfrontiert würden: «Just show them a book and they buzz like a bee in a bottle.» / Peter Münder, NZZ
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