Pegida-Lyrik

Gregor Weichbrodt stellte mit maschineller Hilfe ein Gedicht aus Kommentaren von Pegidaanhängern zusammen. Zum Verfahren schreibt er:

Jede Zeile wurde hierbei den Kommentaren der PEGIDA-Facebookseiten entnommen und maschinell zu Reimen kombiniert.

Wer sich gelegentlich auf  solchen Kommentarseiten herumtreibt, ahnt oder weiß, daß alle Schreibfehler und Ausdrucksschnitzer, von den Gedankenschnitzern sehen wir mal ab, Originalton der sich dort sowie auf den Straßen einiger deutscher Städte tummelnden selbsternannten besorgten Bürger sind. Einladung, ihre im folgenden zitierten Sorgen ernstzunehmen:

Wir lassen uns nicht zensieren.
Fakten kann man auch ignorieren.

Es geht um die, die sich als unsere Regierung ausgeben.
Sie bezeichnen uns als Idioten, wollen sich über uns erheben.

Aber Deutsch sein heisst nicht direkt Nazi sein und andere diskriminieren.
Fakt ist das die Musleme ob friedlich oder Brutal uns islamisieren.

Alles ins Nazi licht stellen und den Deutschen Bürger manipullieren wollen.
Auf die eigenen Volksgüter und Bräuche dabei immer mehr verzichten sollen.

Ist dieses Thema für Sie auch von Interesse ??
Ist Kabel1 nicht ein teil der deutschen Lügenpresse?

Die wird aber auch von den Illuminaten betrieben.
Von beiden Seiten wird Schwachsinn geschrieben.

Es wird gefragt „Haben sie Verständnis für PEGIDA Demonstranten ?
bis in die höchsten instanzen skandale in allen varianten .

Ich habe Angst vor den Islamisten!
..die sind von Geburt auf Salafisten.

jenau ich hasse diese affen weil sie´s nicht raffen!
Aber keiner wird das schaffen den Islam weg zu schaffen !!!!

Ich hab persönlich auch was gegen radikale Islamisten.
Ganz normale Mitbürger werden auf einmal zu Terroristen.

Ist kein Wunder das viele Deutsche zu ihnen konvertieren.
Wer hat Zeit sich stundenlang im Internet zu informieren?

Klar, die MÜSSEN sich an unser Gesetz halten.
Die USA legt Wert darauf, Europa zu spalten.

Unter dieser Regierung hat der deutsche nichts mehr zu lachen !
Ganz einfach, weil die Volksvertreter Politik ohne ihr Volk machen!

Unglaublich, in was für einer Diktatur wir leben!
diese zeilen sollten jedem mal zu denken geben.

Klar das dies unsere Politiker nicht gerne sehen .
Durch Deutschland muss endlich ein Riesen Ruck gehen.

Dann hat der Wahnsinn ein Ende!
Es ist Zeit, für eine Wende.

Da heißte es Hart arbeiten und Deutschland aufbauen!!!
Deutschland erwacht und ihr werdet euch alle umschauen.

Aber wer hinterfragt schon den Grund dieser Art der Positionierung?
Ein hoch auf den Volksaufstand und nieder mit der Ferkelregierung.

Bei dem zusammenhalt müssen wir einfach Siegen.
Solche Aktionen zeigen, das wir richtig liegen!

Warum noch die falsche Propaganda finanzieren?
Merkels Schlägertrupps wird gar nix passieren!

Wo kann man sich für gegendemos bezahlen lassen?
Was für eine kalte Arroganz der dumpfen Massen!

Ärgere dich nicht, die bekommen 10 Euro die Stunde.
Genau an denen geht dieses Land gerade zu Grunde…

Und dann soll man den Medien vertrauen?
Du nix deutsch sprechen,dann du abhauen!!!

Wenn ich in ein anderes Land gehe muss ich mich auch anpassen.
Wem es hier nicht passt sollte so schnell wie möglich Deutschland verlassen !!!

Und danke Ihnen gleichzeitig für eine sachliche und differenziert geführte Diskussion.
Trotz allem bleibt es unser Land, unser Kultur und unser Tradition.

die meisten kommen hierher, wollen lernen, arbeiten und in unserer mitte leben.
Ich bin sicherlich NICHT AUSLÄNDER FEINDLICH, jedoch sollte es Grenzen geben!

Und irgendwann kann es die Regierung nicht mehr ignorieren!
Sehr richtig , Badiga Es muss was richtig großes passieren.

Alleine schon diese Wortwahl zeigt, hier wird nur Diffamierung betrieben.
dabei habe ich ihn nur als „schmutzigen, 100% pigmentierten“ beschrieben.

die ganze scheisse in deutschland wird eh explodieren !!
Dann würde das mit der Rechtschreibung auch funktionieren.

Und noch was passendes dazu geschrieben:
Wir sollten sie ALLE SOFORT ABSCHIEBEN!

0,1 % Muslime in Sachsen.
Weiter so, ihr werdet wachsen.

Quelle: 0x0a

0x0a ist ein Textkollektiv für Digitale Literatur, bestehend aus Gregor Weichbrodt und Hannes Bajohr.

0x0a ist der Hexcode für den Zeilenumbruch. Es ist ein Zeichen, das es im Analogen nicht gibt, nicht gesprochen werden kann und nur als „Steuerzeichen“ existiert – und damit ideales Symbol für den Versuch, genuin Digitale Literatur zu produzieren. 0x0a soll ein Workshop, Labor, Schaufenster und eine Anlaufstelle für digitale konzeptuelle Literatur werden und die Diskussion über diese Literaturform in Deutschland anregen.

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Alle Inhalte lizenziert unter CC-BY-NC-SA 4.0 (creative commons).

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Klaus Merz 70

Zu seinem 70. Geburtstag erscheint eine Werkausgabe aus sieben Bänden zur Lyrik und Prosa von Klaus Merz.

Von Matthias Kußmann, DLF

Markus Bundi (Hrsg): „Klaus Merz: Werkausgabe in sieben Bänden“
Haymon Verlag Innsbruck, 2352 Seiten, 149,00 Euro.

Und wir dürfen ihn beim Wort nehmen, den Wynentaler Landessender*, der im Zweitberuf Uhrmacher ist und feine Gewichte balanciert. Denn bei ihm zählt buchstäblich jede Silbe. / Michel Mettler, Basellandschaftliche Zeitung

*) Google verweist mich auf den 2011 gesprengten Mast des „Landessenders“ Beromünster, der kann nicht gemeint sein.

Gewollt

Überschrift und erster Satz stehen in einem gewissen Gegensatz, aber sei’s drum!

CDU will Ehrung für August Stramm

Münster – Die CDU möchte den vor 100 Jahren verstorbenen Lyriker August Stramm mit einer Straße ehren.

Seit Jahren kämpft der münsterische SPD-Kulturpolitiker Dr. Ulrich Bartels dafür, dass in Münster eine Straße oder ein Platz nach dem münsterischen Lyriker August Stramm (1874 bis 1915) benannt wird. / Klaus Baumeister, Westfälische Nachrichten

Mäzenatin

Für die Förderung deutscher und internationaler Lyrik wird die Münchnerin Ursula Haeusgen mit dem Mäzenatenpreis „Maecenas“ ausgezeichnet. Die undotierte Auszeichnung vergibt der Bonner „Arbeitskreis selbstständiger Kultur-Institute“ (AsKI) für privates Engagement in Kunst und Kultur.

Haeusgens „Lyrik Kabinett“ verfüge mittlerweile über die zweitgrößte öffentliche Poesie-Sammlung Europas, teilte der Arbeitskreis mit. Die Stiftung beherberge eine Präsenzbibliothek mit über 50 000 Bänden zu deutscher und internationaler Lyrik. / Focus

Claudia Rankine wins Forward prize for best collection

A book described by one critic as eavesdropping “on America and a racism that has never gone away” has won the top award at the 2015 Forward prizes for poetry.

Claudia Rankine has already won the National Book Critics Circle award in the US for Citizen: An American Lyric. On Monday night at a ceremony in London she was named winner of the Forward prize for best collection.

(…)

Rankine, who was born in Jamaica and now lives in California, teaching at the University of Southern California, wins £10,000.

Two other winners at the awards, now in their 24th year, were Mona Arshi, who won the £5,000 Felix Dennis prize for best first collection, and Clare Harman, who won the £1,000 prize for best single poem.

/ The Guardian

The Forward Prize for Best Collection (£10,000)

The Felix Dennis Prize for Best First Collection (£5,000)

  • Mona ArshiSmall Hands, (Liverpool University Press)

The Forward Prize for Best Single Poem (£1,000)

The winner of the 2015 Forward Prize for the Best Poetry Collection is Jamaica-born Claudia Rankine for Citizen: An American Lyric, described by the jury as a “powerful book for our time”. AL Kennedy, chair of the five-strong jury, said: “This is writing we can recommend with real urgency and joy. It’s a stylistically daring poetic project about the dehumanization of those deemed outsiders – we found it exhilarating and genuinely transformative.”

Citizen is a brave book, with many dimensions: it takes risks, gives courage and provokes profound self-questioning. We read it as a celebration of the power of language, not simply as a call to arms but a call to speak out and to share. Several of us have, individually, pressed this book on others with real fervour. It will, we know, raise questions about the nature, purpose and importance of poetry.

Citizen: An American Lyric (Penguin Books) is published as poetry and has also been described as a “lyric essay”, a creative non-fiction genre combining the essay form with poetic technique, using juxtaposition instead of argument or narrative. The book features extracts from documentary film scripts, an essay on Venus Williams, screen grabs of Zinedine Zidane’s 2006 World Cup head-butt, President Obama’s oath of office, JMW Turner’s painting The Slave Ship and witness testimony to acts of everyday racism.

/ Forward Arts Foundation

Poetopie

zu dem, was du dir vornimmst, kommst du jetzt genau in das richtige Alter

Hansjürgen Bulkowski

ping pong

Der „Vater der Konkreten Poesie“, Eugen Gomringer, ist in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Das Forum Konkrete Kunst in Erfurt ehrt ihn mit der Ausstellung „der linie folgen. im raum bleiben“. Gomringer selbst wird heute Abend im Programm der Herbstlese in Erfurt im Haus Dacheröden aus seinen Werken lesen. Im Interview sprach er darüber, wie er zur Konkreten Poesie kam – und wo wir sie heute noch finden können. 

Herr Gomringer, ich frage jetzt einfach ganz ungeniert drauf los: Ihr erstes Konkretes Gedicht „ping pong“ von 1953 – das ist Ihnen nicht zufällig beim Tischtennisspielen eingefallen, oder etwa doch?

Das weiß ich nicht mehr. Ich kann nur sagen: Es war ein höchst internationaler Begriff, und überall auf der Welt hat man mir auf „ping“ mit „pong“ geantwortet. Das Gedicht geht so:  ping pong  ping pong ping  pong ping pong  ping pong Es war mein erstes Gedicht, und es war sehr frech. Damit habe ich einigen Leuten vor den Kopf gestoßen.

Wie waren die Reaktionen?

Schaurig. Also man hat schon gemeint, mit mir sei es jetzt fertig. Ich hatte ja damals schon mit Hermann Hesse korrespondiert, und man hatte mir eine Zukunft gegeben als Autor. Und dann kam ich mit sowas, mit so einer Einfachheit und sagte: „ping pong“ ist ein Gedicht.

Lisa Berins, Thüringer Allgemeine 26.9.

Sylter Inselschreiber

Seit 2001 vergibt die Sylt Foundation alljährlich das „Sylt-Quelle Literaturstipendium Inselschreiber“. Die Ausschreibung steht unter einem von Jahr zu Jahr neu ausgegebenen Thema und richtet sich an deutschsprachige Autor/innen, die bereits in Buchform publiziert haben, unabhängig von Alter, Wohnsitz oder Staatsangehörigkeit.

Das 16. Literaturstipendium Sylter Inselschreiber erhält 2016 Uwe Kolbe. Er gewann den Wettbewerb mit einer Prosaskizze und einem Gedicht über das Thema „Das Meer in uns“. Das Stipendium wird seit 2001 alljährlich von der Sylt Foundation an deutschsprachige Autorinnen und Autoren vergeben, die bereits in Buchform publiziert haben. Neu für den Inselschreiber 2016: Dank einer Kooperation der Sylt Foundation mit dem Literaturhaus La Marelle in Marseille und dem Goethe-Institut darf der Gewinner zusätzlich zu dem zweimonatigen Aufenthaltsstipendium auf Sylt noch für einen weiteren Monat nach Marseille reisen. Vice versa wird ein französischer Autor zeitgleich mit Uwe Kolbe für einen Monat Gast der Sylt Foundation auf Sylt sein. Das Stipendium beinhaltet zudem 3.000 Euro Preisgeld.

Die Jury begründete ihre Entscheidung: „Uwe Kolbe hat dem Thema „Das Meer in uns“ in einer meisterhaften Prosaskizze und einem eindrucksvollen Gedicht gänzlich neue Facetten abgewonnen. In einem mäandernden, assoziationsreichen Erzählfluss ergründet er dessen literarische und humane Dimension, befragt Kafkas Bemerkung zu der Literatur als Axt für das gefrorene Meer in uns auf ihre poetische Abgründigkeit und lässt sich ein auf die Fragwürdigkeiten der inneren und äußeren Welt.“

Gewinnertext: Uwe Kolbe, Das Meer in uns. Rede und Gedicht
(© Uwe Kolbe)

Uwe Kolbe zum Gewinn des Stipendiums:
„Sylt als „Inselschreiber“ zu betreten, beflügelt die Phantasie. Ich freue mich darauf. Der Berühmtheit Sylt als ‚Inselschreiber‘ zu begegnen, ist eine sehr literarische Vorstellung. Da heißt es vorsichtig sein.“

Mitglieder der Jury waren Hanne Knickmann (Agentur Hanne Knickmann / Sylt Foundation), Manfred Metzner (Verlag Das Wunderhorn), Birgit Politycki (Politycki und Partner), Jan Valk (DuMont Verlag), Matthias Weichelt (Sinn und Form).

Sylt Foundation

Gegooid, geweigerd, geflikkerd

Geworfen, verweigert, gefeuert. Die Biografie des sächsischen Dichters Rainer Kirsch in 3 niederländischen Partizipien, erzählt von dem niederländischen Dichter Jacques Schmitz, der in Berlin lebt.

Rainer Kirsch werd in 1957 al van de Jenaer universiteit gegooid vanwege al te uitgesproken muurkrant-gedichten. In 1965 werd hem zijn einddiploma van het Leipziger literatuur-instituut geweigerd. In 1973 werd hij uit de SED, de communistische partij, geflikkerd vanwege zijn zeer omstreden Faust-variant.

Rainer Kirsch starb am 4.9. im Alter von 81 Jahren. In der Zeitschrift Terras 3 Gedichte von Kirsch, übersetzt von Jacques Schmitz.

 

Gestorben

Monheim. Am Samstag ist Paul Scharrenbroich nach schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren verstorben. Er war einer der letzten Monheimer Mundartdichter, teilt der Heimatbund Monheim über sein langjähriges Mitglied mit. „Wir trauern um einen bescheidenen Menschen, der seine Liebe zu seiner Heimatstadt Monheim am Rhein in unzähligen Geschichten und Gedichte in unserer Muttersprache niedergeschrieben hat“, schreibt der Vorsitzende Dieter Sturm. / Rheinische Post

Ohne Tiere

Mit ihrem Gedichtbuch Venice singt (2015) wurde Sonja vom Brocke einem breiteren Lyrik-Lesepublikum bekannt. Ihr Debüt war 2010 das bemerkenswerte (doch bei seiner Veröffentlichung weitgehend unbemerkt gebliebene) Bändchen Ohne Tiere, das Texte von abstrahierender Reduktion und kieselhartem Gestus enthält, wie sie einem in Venice singt wiederbegegnen („Kameen“) – hermetisch verschlossene Sprachobjekte mit realen Einschlüssen: Vögel; Mieterhöhungsschreiben; Fotos; Lichter; die Glör, die durch Hagen fließt. Von Ohne Tiere soll hier die Rede sein.

Am Titel bleibt man schon hängen, denn in welchem Kontext könnte jemand sagen: „Ohne Tiere”? Die für sich genommen harmlosen Wörter haben in der Kombination etwas Verunsicherndes, vage Bedrohliches.

Es ließe sich ein apokalyptisches Szenario denken (eine Welt ohne Tiere), Ernährungszusammenhänge, Kindheitserinnerungen (ohne Tiere aufwachsen).

Möglicherweise schlägt Sonja vom Brocke mit der Fügung „Ohne Tiere” aber auch nur einen listigen Haken, denn würde man nicht eher erwarten: Ohne Titel, wie man es v. a. von moderner Kunst kennt? Das würde ganz gut passen, wie das 2011 von ihr gemeinsam mit Christina Kramer herausgegebene Künstlerbuch thoughts fall / ins Fell und das Kapitel „Gemäldegalerie“ in Venice singt, in dem sie die schöne und lebendige Tradition des Gemäldegedichts fortsetzt, beweisen. / Meinolf Reul, weiter bei lyrikkritik.de

Sonja vom Brocke, Ohne Tiere. Gedichte. [Ohne Paginierung, 40 Seiten]. Broschur. 
20,5 x 13 cm. Verlag Heckler und Koch, Berlin 2010. 7,00 Euro

Von der Grillpfanne ins Feuer

Engländer geraten nicht vom Regen in die Traufe. Sie springen von der Grillpfanne ins Feuer. Unser Bild von der Welt hängt von der Sprache ab, die wir für sie finden.

Mehr dazu von Ulrike Draesner bei zeit.de/freitext

Stipendien des Berliner Senats

Arbeits- und Recherchestipendien 2015 für Autorinnen und Autoren sowie Kuratorinnen und Kuratoren in der Literatur vergeben

Pressemitteilung vom 24.09.2015

Die Kulturverwaltung des Berliner Senats vergibt an 31 in Berlin lebende Autorinnen und Autoren sowie Kuratorinnen und Kuratoren in der Literatur Arbeits- und Recherchestipendien in Höhe von insgesamt 248.000 €.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten jeweils ein Stipendium in Höhe von 8.000 €.

Die diesjährigen Stipendiatinnen und Stipendiaten sind:

Priya Basil
Timo Berger
Marcus Braun
Yvette Coetzee-Hannemann
Katharina Deloglu
Peter Dietze
Richard Duraj
Artur Henryk Dziuk
Rabea Edel
Ulrike Edschmid
Daniel Falb
Alexander Filyuta
Annett Gröschner
Anna Jäger
Maren Kames
Mely Kiyak
Benjamin Lauterbach
Svenja Leiber
Angelika Meier
Gerhard Ortinau
Konrad Hans Roenne
Sarah Schmidt
Joel Scott
Daniela Seel
Cornelia Staudacher
Dr. Jan Skudlarek
Gün Gabriele Tank
Jochen Thermann
Senthuran Varatharajah
Eva Ruth Wemme
Norbert Zähringer

Der Jury zur Vergabe der Arbeits- und Recherchestipendien gehörten dieses Jahr an: Ulrike Baureithel, Tom Bresemann, Gregor Dotzauer, Dr. Meike Feßmann, Jörg Sundermeier und Deniz Utlu.

Die Jury hatte über insgesamt 285 Bewerbungen zu entscheiden, davon waren 125 von Männern und 160 von Frauen eingereicht worden. Von 14 Anträgen von Kuratorinnen und Kuratoren wurden sechs, von drei 3 Übersetzungsanträgen wurde einer, von 27 Lyrikanträgen wurden 5 bewilligt. Aus 179 Anträgen für Prosavorhaben wurden 19 bewilligt.

Stakend

Dann gleich an meine Neuübertragung von Pound-Properzens Prayer für his Lady‘s Life. Je länger ich mir Eva Hesses Übersetzung ansah, desto ärgerlicher wurde ich. Kann aber gar nicht sagen, weshalb mir ausgerechnet dieser Text so ans Herz ging, unmittelbar, ich las ihn bestimmt zehnmal und sprach ihn flüsternd vor mich hin, als ich von Fiumicino zurück nach Berlin flog. Und immer weher tat mir Hesses hier ausgesprochen stakendes Deutsch.  / Alban Nicolai Herbst, Die Dschungel. Anderswelt

Ezra Pound in L&Poe

Man kann ja immer sagen

Von Marcus Roloff

Man kann ja immer sagen, ich schweige zu diesem Land, zu diesem Mittelschichtsrechtsruck, ich schweige mich aus und bin für morgen da, demnächst, wenn wir tot sind, in hundert Jahren rede ich weiter, jetzt bringt mich niemand dazu, mich einzubringen mit Beiträgen, die klarmachen, wie ich das finde, dass die Deutschen solche Arschlöcher sind, so ein Tätervolk, Wirtschaftswunder und zack, alles vergessen, vierzig Jahre betrogen und zack, Eigenheim, Alkoholismus, keine Perspektive, aber Super-Illu und zweihundert TV-Sender, und endlich Pornos for free und anonym, endlich nicht mehr rumstehn in Sexshops, endlich Autofokus Autoerotik, endlich abgehängt vom Leben und dauerbefriedigt, und Berge und Nächte, und Sachsen und Hellersdorf und Schweinesystem und so weiter, dieser Atzenalarm, verblödete traurige Wutbürger mit den Kaffeekränzchenfressen, diesem Gartenzaun, der hegt und einhegt und es sich schön zurechtmacht im Leben, und keinen Schimmer davon, warum geschieht was geschieht, sich nur nach der ersten besten vorbeilaufenden Antwort umdrehen und erstbeste Dinge nachkrähen, Aufgeschnapptes ans Hirn tackern und loslaufen und so eine Ahnung von Grundgesetz, so eine irre anmaßende Ahnung, dass man ja als Bürger den Mund aufzutun hat, gefälligst, klar, Bürger, du dumme Sau, machst dir auch so deine Gedanken, hast auch so deine Meinung, willst auch eine, die zählt, jahrzehntelang vom Abendsessel eingeweichtes Gehirn, das von Besserem träumt als von der Wirklichkeit um die Ecke, die du sowieso nicht verstehst, und diese scheiß Impulse, irgendein runtergeschluckter Hass schon seit langem auf dies und das, vor allem auf dich, weil irgendwas in dir ahnt, dass du niemandem die Schuld für deinen Dreck geben kannst, das fällt letztlich alles auf dich zurück, deine Blödheit, deine Schrankwand, diffuse Erinnerungen an den ersten Fick, der irgendwie auch nicht so doll war, hatteste dir anders vorgestellt, hast nichts und niemand verzaubert, lief alles weiter wie vorher, alles Banane, hattest ja erst noch Absichten, Ambitionen, aber da waren immer Leute, die besser waren als du, unmerklich schlich sich dieses Gefühl ein, dass mehr als mitzulaufen nicht drin sein würde in diesem Leben, dieses eh schon in den Shoppingmalls zerschredderte Etwas, das deinen Körper durch die Gegend schickte, du ranntest und es ergab keinen Sinn.