Neueröffnet

In dieser Woche wurde das Rimbaudmuseum in Charleville eröffnet. Arthur Rimbaud wurdeam 20. Oktober 1854 in Charleville geboren. Fast 200 Exponate über Leben und Werk des Dichters aus dem Gesamtfundus von 1200 Stück werden ausgestellt. Das Museum ist täglich außer Montag von 10-12 und 14-18 Uhr geöffnet.

France3

Musée Rimbaud

Fotogalerie

Hardly any buyers of poetry

Die indische Dichterin Mani Rao bei dnaindia:

What inspires your poetry?

That this world is a vast, amazing poem. That I am holding a mirror to the divine, of herself, this world.

What do you think about the poetry scene in India today?

Good poets seem dissatisfied, there are not enough publishers and hardly any buyers of poetry. At the same time, there are too many venues where average writing circulates under the name of poetry. There is not enough study of the form. Poetry is a slow art— like wine, it cannot be aired before it matures. Every time someone asks me for a ‘new, unpublished poem’ I feel frustrated. Everything has become too fast. I don’t have a new poem. Read my old poems first.

Describe yourself in five words.

The voice in the noise.

Parasitär

Auszug 1: Dummkopfelegien


Kristian Kühn:
Mich würde interessieren, was du meinst, wenn du sagst, du arbeitest dich „seit einer Weile“ an ihm ab. Vor allem, was dabei den Begriff der „Sprachwaschung“ betrifft, von der Brecht als Ausgangspunkt seiner Unterscheidung spricht und die er bei seinen Svendborger Gedichten vorzunehmen versucht.

Norbert Lange:
 „Sprachwaschung“ ist ein gutes Wort. Mir gefällt wie Brecht mit dem Begriff im Grunde sagt, dass die profane und die pontifikale Linie in der deutschen Lyrik bei ihm wieder zusammenlaufen. Schwingt dabei eigentlich noch das Sakrament der Waschung mit? Oder ist das, wenn der Begriff seine Epigramme prägt, schon das Säurebad in der Fabrik?

Wenn ich Abarbeiten sage, meine ich das rein praktisch. Ich hab 2012 angefangen, Rilkes Duineser Elegien zu benutzen, um aus ihrem Wort- und Buchstabenvorrat Gedichte zu schreiben. Dabei bearbeite ich die Zeilen einer Elegie solange, bis sie zu einer Dummkopfelegie geworden ist. Ich nutze dafür verschiedene Techniken, versuche den Prozess aber so einfach wie möglich zu halten. Den größten Spass habe ich beim Falten: Ich nummeriere Rilkes Zeilen und sie werden an zwei, drei Stellen, selten mehr, zusammengeschoben, bis die neue Zeile stimmt. Schreiben findet also nicht am Rechner statt oder auf einem Blatt, sondern mit Zetteln, die ich auf dem Schreibtisch verteilt habe. Ist von Rilkes Zeilen keine mehr übrig, ist die Arbeit zuende, oder ich beginne neu oder fange an, die entstandene Dummkopfelegie in einen weiteren Text zu übersetzen. Das Ganze entwickelte sehr schnell eine Dynamik mit ihr eigenen Regeln und Regelverstößen, unter anderem weil die grammatikalischen und klanglichen Ökonomien der Rilke-Texte sich so sehr unterscheiden, dass ich mit denselben Ansätzen nicht überall weiterkomme. Im Moment arbeite ich mich an seiner Zweiten ab, bei der ich mich darauf verlegt habe, drei bis vier Zeilen mehrmals zu falten, um aus ihnen 2-5 hebige Vierzeiler zu bauen, die sich ganz lyrisch reimen.

Meine Beschäftigung mit Rilke begann zufällig. Inzwischen ist sie also zu einem Schreibvorhaben geworden, das mich hoffentlich noch eine Weile produktiv beschäftigen wird. Als die ersten Dummkopfelegien 2013 in der Edit erschienen, hat ein Kritiker geschrieben, dass ihr Verfahren nicht parodistisch wäre sondern parasitär. Das stimmt. Mir gefällt der Gedanke, denn so nannte man in der Antike erst die Vorkoster auf den Opferfesten und dann generell all die Schausteller und „Schießbudenfiguren“, die auf den Festen der Reichen für eine Mahlzeit zu allem bereit waren, woran die Gäste sich erfreuten.

Auszug 2: Rilke und wir

Die Ökonomie zwischen dem Dichter Rilke und seinen Mäzenen funktioniert gut, eine Idylle in einer orphisch geprägten Tradition, systemisch alles in Ordnung! Wenn es ihm in den herrschenden Zuständen blendend geht, wieso etwas ändern? Witzig finde ich, dass Rilke ein Image pflegte, in dem das poetische Kalkül von der Demutsgeste eines sensiblen Kopfes verschleiert wird. Dabei ist er ebensowenig ein Sprachrohr wie ein Stümper. Der Unterschied zu den römischen Elegiendichtern ist, dass er in seinen Gedichten (und seinen Briefen!) sein soziales Umfeld nicht mit der eigenen Lächerlichkeit unterhält, sondern mit seiner „Transzendenz“. Umso schlimmer, könnte man meinen, wenn er die Figur des Sensibelchens spielt, um daraus Kapital zu schlagen. Nur, wo liegt heute der Unterschied? Vom beruflichen Standpunkt aus spielen Preise eine Rolle; Bücher sollten in nicht zu großen Abständen erscheinen, um AutorInnen im Gespräch zu halten; eine Polemik oder ein Diskussionsbeitrag definiert Gräben und schließt Allianzen … Rilke würde sich wohlfühlen.

Wo man kritisch einem Literaturbetrieb gegenübersteht – und wenn auch nur als Popanz, was schliesslich in beide Richtungen funktioniert – verwendet man dessen Infrastruktur und Verhaltensregeln. Auch die Poesie hat ihre Castings und Events, die Lyrik-Szene funktioniert als soziales Netzwerk, dessen Währungen Anerkennung und Einfluss sind. Und Identität scheint das Feld zu sein, auf dem Dichterinnen und Dichter wetteifern. Natürlich ist der Vergleich ungerecht. Zugespitzt ist das aber eine Prämisse meiner Dummkopfelegien: Dichter, auf der Seite welcher Dichotomie auch immer sie sich positionieren, sind Hochstapler, Schausteller wie die Parasiten, von denen ich gesprochen habe. Sie leben davon, ihrer Tätigkeit ein Mäntelchen umzulegen, mit dem sie die Aufmerksamkeitsökonomie beeinflussen. Und so gesehen könnte auch Brechts „Sprachwaschung“ nicht nur ideologisch bedingt sein. Dass es nicht immer um Distinktion geht, ist mir klar. Man kommt mit dem Schreiben inhaltlich weiter, wenn man den eigenen Ansatz so deutlich wie möglich fasst, oft eben in Abgrenzung zu anderen Ansätzen. Das führt manchmal zu indifferenten Pauschalurteilen. Doch was wäre wohl poetologische Redlichkeit? Wenn die Dichterin Ann Cotten beispielsweise von einer Beliebigkeit in der jungen Lyrik spricht und in ihren Polemiken anhand einzelner Kollegen kritisiert, wie vor einer Weile geschehen, wirkt das vielleicht, als wolle sie einen Poesiebegriff stärken, den sie der von ihr wahrgenommenen Willkür entgegensetzen möchte. Ich frage mich aber immer noch, welcher das sein könnte.

/ 2 Auszüge aus einem Interview bei Signaturen

Brecht aus seinem Arbeitsjournal 1940

Indonesisch

Das große Ganze Indonesiens, es ist nur ganz schwer einzukreisen. Aber einige Fäden lassen sich zumindest aufnehmen, man kann Wissenschaftler, Intellektuelle und Künstler aufsuchen. Und auch Professor Mahsun, Linguist und Experte für Bahasa Indonesia. Er kennt sich nicht nur mit der Geschichte der indonesischen Amtssprache aus, er kümmert sich zugleich um deren Zukunft. Mahsun, der wie viele Indonesier nur einen Namen trägt, leitet eine Abteilung im Ministerium für Erziehung und Kultur. Seine Mission lautet, das Indonesische als nationale Sprache zu hüten und zu entwickeln. Für den Staat ist das schon eine strategische Aufgabe. Denn es gibt keinen stärkeren Kitt als die Sprache, um den Archipel zusammenzuhalten.

Ihr auffälligstes Merkmal ist ein stark rollendes „r“, bei dem sogar die Spanier vor Neid erblassen müssen. Manche nennen Bahasa Indonesia ein Kunstprodukt, was einerseits stimmt, andererseits auch wieder nicht. Schließlich hat auch das Indonesische eine Mutter, wie Mahsun erklärt. Bahasa Indonesia ist eine modernisierte und fortentwickelte Form des Malaiischen, das schon früh als eine Art Lingua Franca im Archipel gesprochen wurde, vor allem von den Händlern. Diese Sprache war in ihren Grundzügen leicht zu lernen, sie existierte als Werkzeug fürs Geschäft, gesprochen wurde sie nur von wenigen. Viel gewichtiger waren die gewachsenen Sprachen auf den großen Inseln. Vor allem auf Java, wo sechzig Prozent der Indonesier leben.

Hätte es da nicht nahegelegen, Javanisch als Sprache für ganz Indonesien zu wählen? Mahsun schüttelt energisch den Kopf. „Das wäre nie geglückt“, sagt er. Es fängt schon damit an, dass auf Java nicht allein Javanisch gesprochen wird, sondern mehrere weitere Sprachen. Aber auch Kräfte auf den anderen Inseln hätten es nicht akzeptiert, eine lokale Sprache zur Amtssprache zu machen. Es musste ein möglichst neutrales Mittel der Kommunikation gefunden werden. So griff man das Malaiische auf, das niemanden bevorzugte.

(…)

Doch der antikoloniale Nationalismus, der zu keimen begann, brauchte für die Vision der Freiheit auch eine Klammer. Bereits 1928 legten sich die jungen Rebellen darauf fest. Sie wollten eine Nation schaffen – und zugleich auch eine einheitliche Sprache. „So kam Bahasa Indonesia in die Welt“, sagt der Linguist. Das war die Geburt der Sprache aus dem Geist der Rebellion. Und eine „Geburt ohne Schwangerschaft“, wie Mahsun anmerkt. Denn die Väter der Nation haben das Indonesische ihrem Land nach der Unabhängigkeit 1949 einfach übergestülpt. Indonesisch war nun Amtssprache, aber ein sehr zartes Kind. Bahasa Indonesia umfasste 1953 nur 23 000 Wörter. Der Staat hat sie fortan gepäppelt, vor allem in den Schulen. Lokale Sprachen werden dort nur in den unteren Klassen unterrichtet, Indonesisch aber bis zum höheren Abschluss. Und an den Universitäten sowieso. So wuchs der Wortschatz auf 440 000 im Jahr 2008. Bahasa Indonesia sog viele Begriffe der lokalen Sprachen auf, wurde aber auch durch technische Wendungen stetig erweitert.

Viele junge Leute, die man heute trifft, haben nichts anderes mehr gelernt als Bahasa Indonesia, vor allem, wenn ihre Eltern aus verschiedenen Regionen stammen und in den Ballungsraum Jakarta gezogen sind, wo heute 30 Millionen Menschen leben.

Bahasa Indonesia ist auch die Sprache, in der heute die meisten Autoren schreiben. Die Kultur des Lesens gewinnt an Gewicht, ist aber begrenzt. Denn traditionell ist es eher so, dass die Indonesier Geschichten lieber hören als lesen. Dichter, die Lyrik vortragen, locken manchmal sogar die Massen an. Der Autor Agus Sarjono erinnert sich an legendäre Auftritte des Poeten und Dramatikers Willibrordus S. Rendra, der auch immer wieder für den Literaturnobelpreis im Gespräch war. Mit Charisma und Pathos verlieh der Dichter seinen Werken eine Wucht, die Sarjono nicht vergessen hat. Rendra strahlte aus auf kommende Generationen, auf Kollegen wie Sarjono, die sehr viel mit Lyrik experimentieren. / Arne Perras, Süddeutsche Zeitung 12.10.

Indonesian Poetry walks on the Light

(München, Oktober 2015) Auf die „Suche nach einer globalen Condition humaine“ im Persönlichen und Politischen begeben sich unter dem Titel „Hochzeit der Messer. Who walks on the light?“ am 20. Oktober 2015 um 19:00 Uhr die indonesische Lyrikerin Dorothea Rosa Herliany und ihre Übersetzerin, die renommierte Lyrikerin Brigitte Oleschinski auf Einladung der Autorin und Kulturvermittlerin Sarah Ines und der Buchhändlerin Bettina Roetzer vom buch.laden Lothringer 17.

Gesellschaftliche Gewalt aus weiblicher Perspektive im Privaten wie im Politischen thematisiert Dorothea Rosa Herliany, die als eine der bedeutendsten zeitgenössischen indonesischen Lyrikerinnen gilt, in ihren poetischen Texten. Buchhändlerin Bettina Roetzer vom buch.laden Lothringer 17 freut sich, in Zusammenarbeit mit Autorin und Kulturvermittlerin Sarah Ines am Dienstag nach der Frankfurter Buchmesse 2015 Dorothea Rosa Herliany aus dem diesjährigen Gastland Indonesien zu ihrer einzigen Lesung außerhalb der Buchmesse nach München einladen zu können. Sekundieren wird der Stipendiatin des Heinrich-Böll-Hauses von 2009 auch ihre Übersetzerin, die renommierte Lyrikerin Brigitte Oleschinski. Herliany wird neue Texte aus ihrem Anfang Oktober im Verlagshaus Berlin erscheinenden Buch „Hochzeit der Messer“ lesen und mit dem Auditorium über die globale Condition humaine von Java bis München und zurück sprechen.

„Herlianys Gedichte mit ihren drastischen, surrealen Kriegslandschaften aus Lust, Liebe, Leidenschaft sind ebensosehr soziale Entwürfe des Zusammenlebens in der Tektonik von Tradition und (Post-)Moderne wie Meditationen über die Natur der menschlichen Spezies im naturverbrauchenden Anthropozän.“ (Brigitte Oleschinski)

Die Lesung wird veranstaltet von der Karin-Struck-Stiftung e.V. in Kooperation mit dem buch.laden Lothringer 17 und unterstützt vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Bayern liest e.V. und dem Indonesischen Ministerium für Bildung und Kultur.

Was? Hochzeit der Messer. Who walks on the light?
Auf der Suche nach einer globalen condition humaine
Lesung mit der indonesischen Lyrikerin Dorothea Rosa Herliany übersetzt und moderiert von Brigitte Oleschinski und Sarah Ines Wann? Dienstag, 20. Oktober 2015, 19:00 Uhr
Wo? buch.laden Lothringer 17, Lothringer Straße 17, München Reservierung via E-Mail erwünscht an lothringer17@karin-struck.de

Letter „H“

Henry Hills is in the process of making a film in and around the letter „H“ — and for that he is using my* homophonic translation of  Harry (Heinrich) Heine’s „Die Lorelei,“ with images of the The Bronx Lorelei Foundation. I recorded a reading of the poem for him last week, along with the rest of  my libretto for „Seven Tableaux Vivants Representing the Angel of History as Melancholia,“ Scene 6 of Brian Ferneyough’s opera, Shadowtime.

While Shadowtimeprotagonist Walter Benjamin rejected Heine’s version of Romanticism, he nonetheless may have been distantly related to him (as well as to it).  There have been over 25 musical settings of Heine’s poem. The best known are the folkloric version by Friedrich Silcher and the art song version by Franz Liszt. Mark Twain wrote about the Lorelei legend in A Tramp Abroad and did his own translation of Heine’s poem — “She combs with a comb that is golden, / And sings a weird refrain / That steeps in a deadly enchantment / The list’ner’s ravished brain”. One of Sylvia Plath’s most haunting poems, “Lorelei”, involves a radical transformation of the psychic and gender dynamics of Heine’s poem — “Sisters, your song / Bears a burden too weighty / For the whorled ear’s listening”. Both the Gershwins and The Pogues wrote Lorelei “covers”. The legend usually begins with a girl, cruelly abandoned by her lover, throwing herself into the Rhine. By some magic, beyond rational powers of understanding, the drowned maiden is reborn as a Siren (or mermaid-like creature), who, in the forever after of the song, lures fishermen to their ruin on the Lorelei cliff, to the background music of the crash of the waves against the rocks. / Charles Bernstein, Jacket 2

*) Charles Bernstein’s

GEDICHT UND GEDANKE

SEMINAR MIT MARCUS ROLOFF

Wenn der Tag vergangen, also ins Gestern gefallen ist, verschwindet er ja nicht einfach. Ebenso wenig wie der Stein, den man in den Fluss wirft und der von ihm verschluckt wird.

Kann man das so sagen? Könnte es nicht auch der Apfel sein, der reif, wie er ist, herabfällt und im Main versinkt? Da müsste man schauen, ob wildwachsende Apfelbäume am Main stehen, und zwar so, dass sie das Ufer etwas überragen und ihre Früchte hineinfallen können. Und wenn das so ist, welches von diesen wäre das Bild, das wir uns im Gedicht wünschen? Welches sprachliche Gebilde – Tag/Gestern versus Stein/Fluss versus Apfel/Main – wäre lyrisch genug für einen Gedichttext? Und warum? Was macht das Lyrische aus? Auf Recherchen beruhende, als solche ausgedrückte Tatsachen oder die auf eine übergreifende Bedeutung abzielende Bildhaftigkeit?

Das Gedicht verhandelt womöglich Gedanken, die in einer ganz bestimmten Art und Weise in ihm zur Sprache kommen, und zwar nur im Gedicht, Gedanken, die nur als Gedicht vorkommen können.  – Zurück zum Stein, dessen Vorkommen im Gedicht etwa so verstanden werden könnte: Alles was ist, hat einen Grund – seinen Grund. Das wäre ein Anfang für ein Gedicht, das Dingen wie diesen auf den Grund gehen will.

Zeit: Samstag, 31. Oktober, 10 bis 18 Uhr, und Sonntag, 1. November, 10 bis 16 Uhr

Anmeldung mit Textprobe (2-3 Seiten) unter bjoern.jager@hlfm.de

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Eintritt: 100,-/50,-

Poetopie

Poesie 4.0 – wenn alle Dichtungen, während sie hingeschrieben und gelesen werden, aufeinander Bezug nehmen

Hansjürgen Bulkowski

Schriftstellerprotest

Mehr als 25 indische Schriftsteller geben ihre Auszeichnungen zurück, um gegen wachsende Intoleranz und die Untätigkeit der Regierung zu protestieren.

Darunter ist Ashok Vajpeyi,

A Hindi poet and essayist who was the chairman of Lalit Kala Akademi, India’s National Academy of Fine Art.

“It is high time that writers take a stand,” he said in October after returning the award given to him in 1994 for a poetry collection, “Kahin Nahin Wahin.”

Mr. Vajpeyi, born in 1941, wrote that he returned the award to protest the “terrible, restrictive ban-oriented environment” that now exists in India. He was also protesting the academy’s lack of a response to threats against writers.

“I returned the award to protest against the voiceless institution it has become,” he wrote.

/ New York Times 17.10.

Gedichte bei Poetry International

„Freistaat Kaliningrad“

Ich war damals eingeladen, in einem Schloss bei Wien aus einem meiner Bücher zu lesen, doch passte der Auftrieb so gar nicht zu mir: Im Hof stand ein Schützenkorps bereit, das die Tradition der k.u.k. Armee pflegt. Es zeigte sich, dass ein mit Viktor Orbán befreundeter Dichter einen Preis bekam und dass der rechtsnationale Ausnahmepolitiker eigens aus Ungarn anreiste. Es wurde die erste Lesung meines Lebens, die mit Salutschüssen der Deutschmeister begann.

Der Preisträger Géza Szöcs gab mir eines seiner Bücher mit, ein poetisches Manifest. Der wahrhaft raumgreifende Dichterfürst rief darin zur Gründung eines Freistaats der Dichter und Denker in Kaliningrad auf, im ehemaligen Königsberg, einer zwischen Ostsee, Polen und Litauen eingezwängten Exklave der Russischen Föderation. Als Orbán 2010 an die Macht zurückkehrte, wurde Szöcs ungarischer Kulturminister, 2011 auch Ratspräsident der Kulturminister der EU.

(…)

»Kalinin war nie in Kaliningrad«, beginnt das Manifest, und Szöcs war auch nie dort. / Martin Leidenfrost, Neues Deutschland 17.10.

Preisträger der Hotlist 2015

Der Preis der Hotlist 2015 geht an den Berliner Verlag kookbooks für Monika Rincks Essays „Risiko und Idiotie. Streitschriften“. Der Hauptpreis der Hotlist ist ein Verlegerpreis und mit 5000 Euro dotiert.

Zusätzlich vergaben Buchhändlerinnen und Buchhändler im Rahmen der Hotlist den Melusine-Huss-Preis, der in diesem Jahr an den Verbrecher Verlag für Anke Stellings Roman „Bodentiefe Fenster“ geht und mit einem Druckgutschein der Druckerei Theiss im Wert von 4000 Euro dotiert ist.

Die Begründung der Jury für den Hauptpreis:

„Die als Lyrikerin bekannte Monika Rinck legt mit Risiko und Idiotie einen Essayband vor, in dem sie den Möglichkeiten des Verstehens von Dichtung, von Kunst überhaupt nachforscht. Rinck stellt darin Gewissheiten infrage und umkreist die Kerne ihrer Themen. Dazu gehört vor allem das Spannungsverhältnis der Schriftstellerin in der Gesellschaft. Ihre Überlegungen sind nicht eingängig, erschließen sich nicht auf den ersten Blick, doch wer sich darauf einlässt, wird mit überraschenden Einsichten, mit Perspektivwechseln und spielerischen Denkbewegungen belohnt. Es begegnet uns hier eine Autorin, die sich aussetzt und einmischt – mit allen ihren Widersprüchen und auf der Höhe der Zeit. Rincks Essays haben einen ganz eigenen Ton, deutlich ist ihnen anzumerken, dass hier eine Dichterin spricht. Ihre Texte durchkreuzen absichtlich Erwartungshaltungen, sie sind Denkabenteuer: witzig, philosophisch, verstiegen, aber immer anregend.“

Kookbooks – der Verlag, in dem die Essays wie auch mehrere Lyrikbände von Monika Rinck erschienen sind – wurde 2003 gegründet und hat sich in zwölf Jahren zu einem der wichtigsten jungen Verlage entwickelt. Risikofreudig und innovativ, professionell und mutig hat er sich insbesondere der Lyrik verschrieben. Überzeugend ist die grafische Gestaltung der Bücher von Andreas Töpfer. Seine Schutzumschlag-Grafiken – eigentliche Kunstwerke – harmonieren hervorragend mit dem gesamten Verlagsprogramm und bringen die avantgardistischen Inhalte gut zur Geltung.

Die Hotlist-Jury 2015: Alexandra von Arx, Osama Ishneiwer, Harald Klauhs, Michael Sacher, Dorothea von Törne.

Die Verleihung, moderiert von Claudia Cosmo, fand am heutigen Abend um 21 Uhr im Literaturhaus Frankfurt statt.

Die HOTLIST

Die Hotlist präsentiert die 10 besten Bücher des Jahres aus unabhängigen Verlagen des deutschsprachigen Raums. Sie wurde 2009 gegründet und wird vom gemeinnützigen Verein der Hotlist organisiert und ehrenamtlich getragen. Die Hotlist steht heute als dritter großer Preis der Buchbranche neben dem Deutschen Buchpreis und dem Preis der Leipziger Buchmesse. 2015 beteiligten sich 171 unabhängige Verlage am Wettbewerb, über 3668 Menschen nahmen an der Internetabstimmung über die Liste teil.

(re-book)

Emily Dickinsons Werkstatt renoviert

Seit das Amherst College 2003 das benachbarte Haus des Bruders von Emily Dickinson hinzubekam und die beiden historischen Gebäude zum Emily Dickinson Museum: The Homestead and The Evergreens zusammenführte, gibt es Renovierungspläne. Jetzt ist das Schlafzimmer der Dichterin, in dem sie fast alle ihrer 1789 Gedichte schrieb, historisch getreu wiederhergestellt, von den Büchern auf dem Kaminsims bis zur aus aufgefundenen Überresten rekonstruierten Tapete. Langfristig soll das gesamte Haus so wiederhergestellt werden, wie es zu Lebzeiten der Dichterin aussah. Keine leichte Aufgabe, da es nicht ein einziges historisches Foto des Hauses gibt. Die Nachforschungen seien hauptsächlich forensischer Natur, sagt die Direktorin Jane Wald.

/ Rachel Rogol, Amherst College

 

Sensationsfund

Mehr als 200 bisher unbekannte Gedichte des bedeutenden Haikudichters der Edozeit (1603-1867) Yosa Buson wurden in einer Anthologie in der Tenri-Zentralbibliothek entdeckt. Der Haikuexperte Shinichi Fujita sagte: „Buson ist jemand, den wir für gründlich erforscht hielten. Es ist eine große Überraschung, eine Sammlung bisher unbekannter Gedichte von ihm zu finden.“

Buson (1716-1783) zählt neben Matsuo Basho (1644-1694) und Kobayashi Issa (1763-1828) zu den großen Haikumeistern der Edo-Epoche. Die Anthologie enthält 212 bisher unbekannte Haiku des Dichters. Einer davon lautet:

Papierner Schirm / mit Löchern damit das / Mondlicht hindurchscheinen kann.

/ The Asahi Shimbun

The letter „r“

“On an old shore, the vulgar ocean rolls”
The letter r is frequently indicated as a characteristic mark of vulgarity. “R. is the dog’s letter and hurreth in the sound.” (Ben Jonson, English Grammar, 1640). “R. Young pious RUTH / Left all for Truth.” (New England Primer, 1691). R is the eighteenth letter of the modern, and seventeenth letter of the ancient Roman alphabet. In general, the character denotes an open-voiced consonant formed when the point of the tongue approaches the palate a little way behind the teeth; in many languages, this is accompanied by a vibration of the tongue, in which case the r is said to be trilled. This trill is almost or altogether absent in the r of modern standard English, which retains its consonantal value only when it proceeds a vowel. In American English, in all words spelled with r, the sound occurs simultaneously with the vowel before it. The vowels in such cases are said to be recolored. “Like rubies reddened by rubies reddening.”

How carefully did Stevens plan the order for the poems 
included in The Rock? I often wonder if the many scattered r letters and sound combinations are there by chance, habit, or plot. “A repetition / In a repetitiousness of men and flies”; “A new knowledge of reality”; “Red-in-red repetitions never going.”

“The river motion, the drowsy motion of the river R.”

/ Susan Howe, The Nation

Singeth spells

“Singeth spells.” The poetry of Wallace Stevens makes me happy. This is the simple truth. Pleasure springs from the sense of fluid sound patterns phonetic utterance excites in us. Beauty, harmony, and order are represented by the arrangement, and repetition, of particular words on paper. No matter how many theoretical and critical interpretations there are, in the end each new clarity of discipline and delight contains inexplicable intricacies of form and measure. / Susan Howe, The Nation