Der Basler Lyrikpreis 2017 geht an den Lyriker und Prosaautor Walle Sayer. Die Jury würdigt ihn für seine präzise und wahrhaftige Dichtung.
Der Basler Lyrikpreis 2017 geht an den Lyriker und Prosaautor Walle Sayer. Die Jury würdigt ihn für seine präzise und wahrhaftige Dichtung.
Die Preisverleihung findet im Rahmen des 14. Internationalen Lyrikfestivals Basel am Samstag, 28. Januar, um 18.30 Uhr im Literaturhaus Basel statt. Die Laudatio hält die Lyrikerin und Autorin Claudia Gabler. Mit seinem bedachten Schreiben und dem ungekünstelten Blick auf das Einfache gelingt Walle Sayer eine Weltbetrachtung, die den Menschen hinter den Dingen hervortreten lässt, heißt es in der Bekanntmachung. Seine Gedichte würden den Leser mit ebenso reduzierten wie intensiven Fein- und Feinstarbeiten bestechen und eine schwebende Welt zeigen, die am helllichten Tag stillstehen darf. / Schwarzwälder Bote
Als ich jung war, gab es Piratensender, die offshore rund um die Uhr coole Musik brachten.
Heute Post aus China: Markenpiraten wollen das Lyrikboot entern.
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Best Regards,
Jim | Service Manager
CN Web Registry (Head Office)
8006, Xinlong Building, No. 415 WuBao Road, Shanghai 201105, China
Tel: +86-2161918696 | Fax: +86-2161918697 | Mob: +86-1582177 1823
Ich mach mich schon mal kundig 😉
The time for poetry of ruffles and dessert — by champions of liberalism like Marianne Moore — has waned. What we need now is Yeats.
I have not lost my interest, nor my belief, in the powers of poetry. But my goals for my own poetry, and for the ways that I write about poetry, are not what they were before November 8. I used to believe, if not in Walt Whitman’s late-1850s optimism, then in the chastened patriotism, the qualified trust in elections and popular culture, that he found even in the Gilded Age. I have opposed critics who use, as unconsidered, generic praise, the word “revolution,” on the grounds that few good things are harder to break than to fix. I have argued—and I still believe—that our ways of reading and our ways of hearing poetry, like our ways of eating and our ways of understanding kindness and violence, have roots older than we are, older than the twentieth century, even though they have changed, and will change. And I have aligned my own poetry, most of the time, with incrementalism, with a way of reading that (like W.H. Auden’s, like Elizabeth Bishop’s) pays some homage to the deep past.
I also wanted my poetry to champion the femme, the elaborate, the playful, the serifed, the feathered, the self-consciously involute, the magenta and the chartreuse, even the ornamental: ruffles, dessert. I wanted that poetry, and other contemporary poetry too, to take pleasure in small things, and to push back against a patriarchal, instrumental, coarse, results-first, adult-driven, queer- and transphobic capitalism. I called those goals for poetry “nearly Baroque,” or rococo, and I found its closest modern precedent in Marianne Moore.
Our president-elect appears to enjoy the rococo, too, but it is the wrong kind of rococo: not delicate craftsmanship as a blow to misogyny, but the gilding of every conceivable surface, the flaunting of a wealth he has used to hurt others, as a boastful public spectacle. Trump represents the end of liberalism, the end of self-restraint and public kindness delivered through flawed, long-lived institutions, at least on a national scale. The social contract of Paul Wellstone and Richard Rorty, of A. Phillip Randolph and Eleanor Roosevelt, and for that matter of Barack Obama, seems all torn up.
(…) And as we react to that change—and try to make art that reflects the enormity of it—we will have art from the present and past to consider: there is the radical art of popular organizing, and the art of introspective dissent, but also the art of anger at the destruction of institutions, the art of a patriot whose country was not what he thought it was or could be, the art of an idealist let down, an art (not least) that speaks to America from outside America: the thoughtful, angry, frustrated, and painfully memorable art of W. B. Yeats. / Stephen Burt, Boston Review
Kunst ist Waffe, hieß es im Osten. Vielleicht auch umgekehrt:
Das gab das Auktionshaus Christie’s am Mittwochabend nach der Versteigerung in Paris auf seiner Website bekannt. Der Schätzwert hatte bei 50 000 bis 70 000 Euro gelegen. / Monopol
Festival für Weltliteratur vom 9. bis 14. Januar 2017 in Köln
Zum dritten Mal richtet das Internationale Kolleg Morphomata der Universität zu Köln gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung das Weltliteraturfestival Poetica aus. Kuratorin der Poetica III ist die Lyrikerin und Essayistin Monika Rinck. Sie hat namhafte Autorinnen und Autoren aus acht Ländern und vier Kontinenten für eine Woche, vom 9. bis 14.1.2017, nach Köln eingeladen, um sich gemeinsam dem Thema „Die Seele und ihre Sprachen“ zu widmen.
Sitzt die Seele im Gehirn, im Herzen, im Atem, in den Nerven? Wie kommt sie zur Sprache und was sind ihre Sprachen? Wer von der Seele reden, sich etwas von der Seele reden will, der muss zunächst seine Sprache ändern. So viel scheint gewiss. Die Seele ist – die Psychoanalyse hat es uns gelehrt – zunächst eine Figur der Rede. In den Pathologien der Gegenwart trifft man sie meist als Bezeichnung für den diffusen Ort der Krankheit an. Seelische Krankheiten erscheinen da als negative Bestimmungen der Seele selbst. Vielleicht macht sich die Seele vor allem dort bemerkbar, wo sie fehlt. Man will ja gerne nach der Seele fragen, aber kann man sie auch in Worte fassen? Hier kommt die Poesie ins Spiel.
Eingeladen sind die Autorinnen und Autoren Javier Bello aus Chile, Michael Donhauser aus Österreich, Nurduran Duman aus der Türkei, Gila Lustiger aus Deutschland/Frankreich, Angelika Meier aus Deutschland, Zeruya Shalev aus Israel, Eleni Sikelianos aus den USA, Galsan Tschinag aus der Mongolei, Stefan Weidner aus Deutschland, die Musiker Chris Fesch, Michael Schmidt und Franz Tröger sowie der Religionswissenschaftler Lorenz Wilkens.
Kennzeichnend für die Festivalform der Poetica ist die Verbindung von Literatur, Wissenschaft und Öffentlichkeit in Lesungen, Gesprächen, Performances und Podiumsdiskussionen. Zu den Veranstaltungsorten zählen die Universität, die Stadtbibliothek, das Literaturhaus, das Wallraf-Richartz-Museum und das Schauspiel Köln.
Das Festival wird von der Universität zu Köln sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Verantwortet wird es von Günter Blamberger (Direktor des Internationalen Kollegs Morphomata) und Heinrich Detering (Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung).
Weitere Informationen unter:
Internet: www.poetica.uni-koeln.de
„Unsere übertragungen“, so hat einmal der Philosoph und Sprachforscher Rudolf Pannwitz angemerkt, „auch die besten gehen von einem falschen grundsatz aus sie wollen das indische griechische englische verdeutschen anstatt das deutsche zu verindischen vergriechischen verenglischen. Sie haben eine viel bedeutendere ehrfurcht vor den eignen sprachgebräuchen als vor dem geiste des fremden werks … der grundsätzliche irrtum des übertragenden ist dass er den zufälligen stand der eignen sprache festhält anstatt sie durch die fremde sprache gewaltig bewegen zu lassen.“ Dieses von Pannwitz monierte Verständnis von der Aneignung des Fremden durch sprachliche Eingemeindung und Kolonialisierung („Verdeutschung“) wird in den Arbeiten der Dichterin und Übersetzerin Uljana Wolf entscheidend korrigiert. An die Stelle der hegemonialen Aneignung fremder Dichtungskulturen tritt bei ihr eine Poetik der „translationalen“ und „translingualen Poesie“, die Verwirklichung einer lyrischen „Vielsprachigkeit“ durch die vorsätzliche Überschreitung der Sprachgrenzen im poetischen Kunstwerk selbst.
(…)
Der Störfall in der Rede, das Stolpern in eine Fremdheit ist die Urszene dieser Dichtung. Das Deutsche und das Englische, das Polnische und das Portugiesische sind bei Uljana Wolf fluide Sphären, in ihren Wörter-Explorationen inszeniert sie in virtuosem Sprachspiel die poetische Durchlässigkeit all dieser Sprachen. Es geht um ein multilinguales Spiel: um die Wanderungsbewegungen der Wörter, und damit auch um die eminent politischen Fragen der Einwanderung und Migration.
/ Michael Braun bei signaturen über
Uljana Wolf: Wandernde Errands. Theresa Hak Kyung Chas translinguale Sendungen. Reihe „Zwiesprachen“. Hrsg. v. Holger Pils und Ursula Haeusgen. Heidelberg (Verlag Das Wunderhorn) 2016. 40 Seiten, 15,80 Euro.
Erín Moure: O Cadoiro. Aus dem kanadischen Englisch übersetzt und herausgegeben von Uljana Wolf. Berlin/New York/Schupfart (Roughbooks 37) 2016. 144 Seiten, 10,00 Euro.
Uljana Wolf: O Cadoiro. inter_poems I. In: Merkur, Heft 8/2016, S. 88-93.
Der Fluch, keine Kritik zu haben, die uns zum Äußersten unserer literarischen Möglichkeiten zwingt… Damals, bei der Lesung meiner ersten Übertragungsversuche von Gedichten Józsefs und Adys hier in Budapest konnte ich an der Reaktion des Publikums an jeder Zeile ihr Gelungen- oder Mißlungensein merken, und diese – immer chevalereske – Gnadenlosigkeit hat mich, auch wenn sie anfangs verstörte, genau auf die Probleme gestoßen, ohne deren Klärung ich steckengeblieben wäre…“
Franz Fühmann: Zweiundzwanzig Tage oder Die Hälfte des Lebens. Rostock: Hinstorff, 1973, S. 189
Wahrheit-Dichter wie Fritz Eckenga, Thomas Gsella, Christian Maintz, Reinhard Umbach, Peter P. Neuhaus, Kathrin Passig, Klaus Pawlowski, Bernd Penners, Horst Tomayer, Jan Kaiser, Rayk Wieland, Matti Lieske, Carola Rönneburg, F.W. Bernstein, Georg Raabe, Dietrich zur Nedden, Susanne Fischer, Steffen Brück, Jörg Borgerding, Holger Paetz, um nur einige zu nennen, die für die Wahrheit dichten oder gedichtet haben, erhellen mit ihrem herzergreifenden Witz selbst den dunkelsten Ruhrgebiets-November oder führen mit ihrer klassischen Belesenheit frivole Verse in höhere Sphären oder formen rätselhafte Gedankengänge in schachblitzschnelle Reime. Alle rufen sie beim Leser wenigstens ein Lächeln hervor, getreu der Wahrheit-Devise: Ein Lächeln am Tag – und die Welt ist gerettet. / Michael Ringel, taz
– Ein Gedicht, sagte Gottfried Benn, sei, „wenn Sie am Sonntag morgen Ihre Zeitung aufschlagen, und manchmal sogar auch mitten in der Woche, (…) in einer Beilage meistens rechts oben oder links unten“, das „durch gesperrten Druck und besondere Umrahmung auffällt“. Das ist lange her. Heute, exakt seit 25 Jahren, entfällt der Rahmen, dafür sorgt ein Bild für eine gewisse Rechtfertigung, es steht jeden Donnerstag in der „Wahrheit“-Beilage der taz. Und ich danke den Lyrikgöttern, daß es die taz ist und nicht irgendein mitteldeutsches oder bayrisches Provinzblatt, bei dem vielleicht das gedruckt würde, was die Wahrheit-Redaktion in den Papierkorb wirft:
„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind, / es ist die Merkel mit ihrem Flüchtlingskind…“, rumpelt es los und geht auch nicht besser weiter. Zuvor hat der Verfasser in einem zehnseitigen Anschreiben seinen Lebenslauf mitgeteilt und, dass er auf eine einmalige Idee gekommen sei. Er bringe nämlich die aktuelle Lage mit einem seit seiner Schulzeit nicht mehr gelesenen Poem auf den Punkt. Exklusiv biete er uns das wertvolle Meisterwerk an, wobei Spiegel und Zeit ebenfalls Interesse bekundet hätten und an der Sache dran seien, weshalb man schleunigst zuschlagen und es drucken sollte, bevor es zu spät sei.
Der spanische Dichter Marcos Ana starb gestern in Madrid im Alter von 96 Jahren. Das teilte die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) mit.
Er wurde mit 19 Jahren verhaftet unter der Beschuldigung, drei Morde begangen zu haben, für die andere Häftlinge bereits erschossen worden waren. Die Todesstrafe wurde in Haft umgewandelt. In dieser Zeit begann er, Gedichte zu schreiben. Pablo Neruda und Rafael Alberti lobten sie. 1961 wurde er nach 23 Jahren Haft entlassen und emigrierte nach Paris. Nach Francos Tod konnte er nach Spanien zurückkehren. Der Anführer der Podemos-Partei Pablo Iglesias sprach von einem „Helden des Volkes“. / Le Figaro
Liebt einer einfalt dann / und ist nicht viel verschlagen /
Weis von den Sachen nichts / die mir und dir behagen /
So heißt er Unvernunfft / muß allenthalben sein
Betrogen / offt durch List / heist offte auch ein Schwein /
Sibylla Schwarz, aus: Lob der Verständigen und Tugendsamen Frauen / verdeutschet auß dem Niederländischen [des Daniel Heinsius]
Ein Gedicht, das Anne Frank schrieb, kurz bevor sie sich vor den Nazis verstecken mußte, wurde in der niederländischen Stadt Haarlem für fast €140,000 versteigert – fast das Dreifache der erwarteten Summe.
Sie schrieb es zwei Tage vor der Anordnung, daß in Deutschland lebende Juden den Davidstern tragen müßten. / telegraph
irgendwann hat Sprache von dir Besitz ergriffen – nun lässt sie dich niemals mehr los
Hansjürgen Bulkowski
Beitrag von Gerd Sonntag
Der Lyriker, Essayist und Aphoristiker Maximilian Zander ist am 21.11.2016 im Alter von 87 Jahren in Castrop-Rauxel gestorben.
Seit den neunziger Jahren veröffentlichte der promovierte und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Chemiker Gedichte in Zeitschriften, ehe er 2003 in der von Theo Breuer herausgegebenen Buchreihe „Edition Bauwagen“ mit „Ende der Saison“ seinen ersten Lyrikband veröffentlichte. Drei weitere Gedichtbücher und eine Sammlung von Aphorismen folgten.
Der typische Zander-Sound seiner Gedichte war lakonisch und ironisch-pointiert („Ist der Vögel fliederweiße Kacke/ jetzt ein Zeichen von oben?“) bluesig wie ein Solo von Charlie Parker („aber das Wichtigste beim Dichten ist: / ruhig atmen.“), melancholisch. (Aber: „Mißtraue der Trauer / der Dichter; / sie sind ganz verrückt / nach Dissertationen, / in denen sie vorkommen“) und inhaltlich nicht ohne Rezeptionswiderstand, der ihm als Qualitätskriterium wichtig war:
Rückblick
An dem Tag (ein Dienstag),
an dem die Theorien anfingen
mit ihren Konsequenzen Ernst zu machen,d.h. ein riesiger Schrödinger-
STRUMPF oder SCHLUPF (das weiß man nicht)
die Maschen der Raum-Zeit zerriß,plötzlich alle top-Quarks TRUDELTEN
(Kramer), und zwar chaotisch, d.h.
ein sog. von-Neumann-KUCHEN entstand:eine Schönheit, aus der 1 Vögelchen flog
(vermutet ein Higgs-Teilchen), zwitschernd,
an dem die gesamte web-Wissensgesellschaftsich zur ersten Massenmasturbation
im Internet traf, und ein gentechnisch
erzeugter JAPANER mit nachts nach-wachsenden Extremitäten alle Kinder
entzückte … entstanden seltsame
Sorgen in uns; für kurze Zeit.
Es ist sehr zu bedauern, daß bei der Vielzahl angesehener Zeitschriften und Anthologien, die Zanders Gedichte in den letzten 25 Jahren annahmen, das renommierte „Jahrbuch der Lyrik“ von Christoph Buchwald diesen poeta doctus und Späteinsteiger in den literarischen Betrieb zu Lebzeiten nicht berücksichtigt hat.
Promising not to get married was a crucial moment in the life of Anna Maria. Words spoken at a deathbed carry a lot of weight. If we keep in mind how many books with ‘last [deathbed] words’ were published and read, then we may understand how binding a promise made at a deathbed was. She kept her promise and devoted herself to her thirst for knowledge. Henceforth she would hide behind the motto of the martyr Ignatius of Antioch, ‘my love has been crucified’, a motto that referred to both celibacy and the crucified Jesus. Van Schurman would always write this motto as a kind of personal symbol near her signature in alba amicorum [friendship albums] or on multilingual pages, like two halves of one and the same stone. Sometimes she also wrote poems based on her motto. In one such poem it appears that she was confused by a marriage proposal. She wrote the German poem ‘Wält tobe wie du wült’ on a papercutting maze of hearts and crosses. After the way through the labyrinth has been completed, a beautiful, concise poem with four stanzas appears, with the refrain: ‘Although world and passion still tempt me/ my love remains crucified’ [‘ob mich schohn wält und wohl-lust reizet /bleibt meine libe doch gekreuzet’] – a variation on her personal motto:
World, rage and storm as you may
My soul yet remains unmoved
my mind, my heart and my feelings
are never bewitched by your guile.
Although world and passion still tempt me
my love remains crucified.
[Wält tobe wi du wült und wühte
Mein zihl bleibt dännoch unverrückt,
mein sün, mein härtz und mein gemühte
sein nih von deiner lust entzükt.
Ob mich schohn wält und wohl-lust reizet
bleibt meine libe doch gekreuzet.]
From: Pieta van Beek
The first female university student: Anna Maria van Schurman (1636) more
So kann man es einen Glücksfall nennen, dass der „Merkur“ eine neue Reihe zur Gegenwartslyrik eingerichtet hat, die „inter_poems“, in der jeweils deutsche Lyrikeri(innen) die Sprachgrenzen überschreiten und auf internationale Autoren aufmerksam machen. Im August-Heft beschäftigt sich die Dichterin Uljana Wolf mit der kanadischen Poetin Erin Moure, die den Versuch unternommen hat, mittelalterliche Troubadour-Lyrik in portugiesisch-galizischer Sprache in ein zeitgemäßes Englisch zu bringen. Moures Gedichtübertragungen orientieren sich, so Uljana Wolf in ihrem „Merkur“-Essay, „an den „klanglichen <Tapisserien> der Worte, ihren Wiederholungen und Mustern“.
Im September-Heft des „Merkur“ macht sich Dagmara Kraus Gedanken über eine ganz spezifische Art von Schöpfungs-Poesie – über Dichterinnen, die ihre Mutterschaft thematisieren. Denn mit einem brüllenden Säugling vermögen Dichterinnen kaum mehr zu schreiben. Mit der polnischen Dichterkollegin Joanna Mueller stellt Dagmara Kraus indes eine Autorin vor, die ihre Mutterschaft auch poetisch fruchtbar macht, als „intima thule“ und dadurch eine Urszene schafft, so wie sie auch die Dichterin Kerstin Preiwuß schildert: „Was ist Gebären anderes als Anfang und Ende von allem.“
Es zeigt sich: Der „Merkur“, der sich lange Jahre sehr zurückhaltend zeigte in Sachen Dichtkunst, ist nun wieder Pflichtlektüre für Freunde der Poesie. / Michael Braun, Poetenladen
Merkur, Heft 8, 9, 10 /2016 ![]()
Klett-Cotta, Redaktion: Mommsenstr. 29, 10629 Berlin. Je 110 Seiten, je 12 Euro
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