Teure Lyrik

Unverschämt billig ist dieser Titel, erhältlich bei Amazon bei buchhandel.de (also aufs Konto der Lieblings-Buchhandlung in der Nähe):

Cloudpoesie. Dichtung für die vernetzte Gesellschaft

Cloudpoesie zeigt, was passiert, wenn das Gedicht seine gedruckte Form verliert, wenn es sich vom Schreibtisch aufmacht ins Mediale, Dialogische, zu Leuten und Künsten. Ist Poesie neu denkbar im permanenten Flow der Zeichen, Kontexte und Horizonte?

Erschienen am 12. Oktober 2016, hg. von KOOK e.V.
Ergebnis einer Workshop-Performance mit Andreas Bülhoff, Martina Hefter, Georg Leß, Katharina Schultens, Andreas Töpfer, Charlotte Warsen, bearbeitet von Tristan Marquardt
ca. 100 Seiten auf dem Smartphone, mit GIFs
ISBN 978-3-944543-34-5

Man fühlt sich ermuntert und stöbert*) ein wenig auf der Buchhandelsseite. „Lyrik“ ist keine eigene Kategorie, das sind nur Sachen wie Krimi und Thriller, Ratgeber oder, ach da versteckt sie sich: Romane und Literatur. Klickt man das an, kann man verfeinern zu: „Lyrik und Dramatik“, spezieller gehts aber nun wirklich nicht.

Gibt man „Lyrik“ im Suchfeld ein, erscheinen 43,596 Treffer. Allerdings nicht sehr „treff“sicher. Die ersten Titel sind Dramen und Prosa von Dürrenmatt, Schirach, Goethe und Brecht, bevor die ersten Verdächtigen im Fach Lyrik auftauchen: Ringelnatz und Rilke. Ich verfeinere zu „Lyrik“ + „E-Books“ und erhalte nur noch 14,390 Treffer. Auch hier wenig spezifisch. Titel wie „Alles nur weil ich dich liebe“, „Die Versuchstierpflegerin. Meine Ausbildung“  oder“Die Liga der Loser“ verheißen nicht unbedingt Gegenwartslyrik. Tatsächlich scheinen die meisten Titel englische zu sein, was okay ist, aber vielleicht kann man das Kategoriensystem noch verfeinern? Ist es wirklich nicht vertretbar, „Deutsche Gegenwartslyrik“ oder „Polnische Klassik“ zu verschlagworten?

Ich blättere mich ein wenig durch und werde schon auf der zweiten Seite fündig:

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Ein stolzer Preis. Der Verlag der Oxforder Universität muß vermutlich seine unterbezahlten Autoren subventionieren lassen. Von uns Lesern. Wie viele werden sie wohl davon verkaufen?

288 Seiten soll das e-Buch haben. Man erfährt:

This volume presents the most authentic Greek text of the 154 authorized poems ever published, together with a new English translation that conveys the accent and rhythm of Cavafy’s individual tone of voice.

Nur den Namen des Übersetzers nicht. Das ist leider im digitalen Zeitalter weithin Standard. Ich kann nicht von jedem Buchhändler verlangen, daß er alle Namen und Titel kennt, aber wenn der Verlag schon teure Bücher anbietet, kann man etwas mehr Sorgfalt beim digitalen Beschreiben und Verschlagworten erwarten. Schon oft (!) habe ich Bücher nicht bestellt, weil die Anzeige des Verlages auf Kleinigkeiten wie Namen der Übersetzer oder Angaben zum Inhalt wie „Unveränderter Nachdruck“, „dritte, leicht erweiterte Ausgabe“… allzu oft verzichtet.

Ich blättere weiter. Auch das wäre interessant, aber nie zu dem Preis:
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Zu dem Rimbaudband erfährt man außer dem Preis nur:

Titel: Collected Poems
Aus der Reihe: Oxford World’s Classics
ISBN/EAN: 9780191605406
Seitenzahl: 384
Produktform: E-Book

Zweisprachig dann vermutlich nicht, Name der Übersetzer Nebensache, haben sie wenigstens die Gedichte in Prosa dabei? (Buchhändlerin blickt ratlos; zu Recht.)

Der Preis ist schon in Ordnung, kauft eh keiner. Soll wahrscheinlich auch nicht; ich vermute, solche Verlage lehnen das e-Buch eigentlich ab und gestalten den Preis so, daß man es nicht kauft.

Irgendwann taucht ein deutschsprachiger Titel auf:

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Der Preis ist in Ordnung, 6 € weniger als das gedruckte Buch. Ich hätte es dafür gekauft, nicht nur wegen des Preises, sondern weil die Regalfläche knapp ist.

Liebe Verlage, mehr gute e-Bücher zu vernünftigen Preisen!

Lieber Buchhandel, verlange bitte von den Verlagen seriöse Annoncen!

Ende des Wunschkonzerts. Und nun zurück nach oben: das Schnäppchen muß man haben!

Mehr Gegenprotest!

Was hat Pegida mit Dresden gemacht? Den Ruf der Stadt ruiniert, beklagt der Autor Peter Wawerzinek und wünscht sich mehr Gegenprotest. Als Stadtschreiber dokumentiert er das Leben in einer gespaltenen Stadt. / Spiegel online

Wertekompass

Unter der Überschrift „Wertekompass: Gesetze reflektieren statt Gedichte lernen“ berichtet Die Presse:

An Schulen und Kindergärten in Oberösterreich werden künftig österreichische Werte vermittelt. Die Materialien stehen nun bereit, um Brauchtum und Gedichte geht es nicht.

Vor fünf Monaten verschickte Oberösterreich den Wertekompass für Schulenund Kindergärten als Orientierungsrahmen. Nun sind die Unterrichtsmaterialien fertig, mit denen hierzu gearbeitet werden kann. Der stellvertretende Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) präsentierte sie am Montag. Und betonte, dass es „nicht darum geht deutsche Gedichte auswendig zu lernen“. Das hatte etwa die FPÖ in Wels intendiert, wie „Die Presse“ berichtete.

Es gibt sieben Themengebiete, die in den Materialen behandelt werden: Humanistisches Menschenbild, Gleichberechtigung aller Menschen vor dem Gesetz, persönliche Freiheit und Verantwortung, Mündigkeit und Demokratie, Rechtssicherheit und Rechtsstaat, Bildungsbereitschaft und kulturelle Begegnung sowie Mensch und Natur. Die Materialien werden mit der Zeit noch ausgebaut und können online heruntergeladen werden. (…)

Spaltet das Publikum

Marcel Reich-Ranicki ließ keine Zweifel aufkommen, dass Biermann den Büchnerpreis auch als Liedermacher verdient habe:

„Seine Kunst wirkt nicht vereinigend, sie spaltet das Publikum. Und die Kritik? Oft bereitet er den Redaktionen Kummer. Wer soll denn darüber schreiben? Der Literaturkritiker will nicht recht, das sei doch etwas für den Musikkritiker; dieser wiederum meint, dessen sollte sich der Kollege annehmen, der für Unterhaltung und Kabarett zuständig sei. Einer schiebt es auf den anderen ab. Weshalb? (. . .) In Biermanns Werk bilden sie eine Einheit – die Musik und die Literatur, die Poesie und die Prosa. Viele seiner Verse haben jenen kräftigen prosaischen Ton, der aus der Werkstatt eines anderen stammt, der ihn auch nicht erfunden, wohl aber bis zur Vollkommenheit entwickelt hat – aus der Werkstatt Bertolt Brechts.“ / Süddeutsche Zeitung 

Für Patrioten verboten

Ich aber sage euch: es wird Friede auf Erden
Erst wenn aus Stahlhelmen Nachttöpfe werden . . .
Wenn an den Lokalen steht: Für Patrioten
Eintritt verboten.

wußte der junge Peter Rühmkorf. Lange her. 2016 marschieren die „Patrioten“ schon mal gemeinsam mit Gutmeinenden und Wirrköpfen für den Frieden.

Peter Rühmkorf: Sämtliche Gedichte. Hrsg. Bernd Rauschenbach. Rowohlt Verlag, Reinbek 2016. 624 Seiten, 39,95 Euro.

Volkstribun

Der lyrische Volkstribun Peter Rühmkorf ist endlich in der Klassikerloge angekommen. Und die muss nun erst mal geschlossen werden, so gut sind seine „Sämtlichen Gedichte“ aus sechs Jahrzehnten. Seine wachsende sprachliche Aufrüstung ist ein Erlebnis.

schreibt Hilmar Klute in der Süddeutschen Zeitung
Peter Rühmkorf: Sämtliche Gedichte. Rowohlt Verlag, Reinbek 2016. 624 Seiten, 39,95 Euro

Growing charm of Dada

The group, which became known as Dadaists, consisted of three Germans (Hugo Ball, Richard Huelsenbeck, Emmy Hennings), one Alsatian (Hans Arp), two Romanians (Marcel Janco and Tristan Tzara), and the Swiss Sophie Taeuber. They were soon joined by Walter Serner, an Austrian born in Bohemia. The youngest, Tzara, was twenty; Hennings was the oldest at thirty-one. All were united in their loathing of the war.

(…)

In spite of many statements to the contrary, most Dadaists seem to have wanted to create a new art that would have nothing to do with former styles and notions. In order to find it, they absorbed or invented many new means of expression: abstraction; photomontage; collage; assemblage; frottage; typography; glossolalia; phonetic, concrete, visual, and simultaneous poetry; conceptual art; the readymade; the drawing and painting of invented machines; happenings; performance art; and kinetic art, including film. No less crucial was the inspiration that came from African artifacts, from the art of the insane, and the drawings of children—an inspiration that proved fundamental to many visual artists of the twentieth century. There was an overwhelming need for the wild, the simple, and the unreflective. / Alfred Brendel, The New York Review of Books

EXHIBITIONS AND CATALOGS DISCUSSED IN THIS ARTICLE

Dadaglobe Reconstructed

an exhibition at the Kunsthaus Zürich, February 5–May 1, 2016; and the Museum of Modern Art, New York City, June 12–September 18, 2016
Catalog of the exhibition by Adrian Sudhalter and others
Scheidegger and Spiess/ Kunsthaus Zürich, 160 pp., $59.00 (distributed in the US by University of Chicago Press)

Dada Universal

an exhibition at the National Museum Zurich, February 5–March 28, 2016

Kurt Schwitters: Merz

an exhibition at the Galerie Gmurzynska, Zurich, June 12–September 30, 2016
Catalog of the exhibition edited by Krystyna Gmurzynska and Mathias Rastorfer
Galerie Gmurzynska, 174 pp., CHF60.00

Dada Africa: Dialogue with the Other

an exhibition at the Museum Rietberg Zürich, March 18–July 17, 2016; and the Berlinische Galerie, Berlin, August 5–November 7, 2016
Catalog of the exhibition edited by Ralf Burmeister, Michaela Oberhofer, and Esther Tisa Francini
Museum Rietberg Zürich/Berlinische Galerie/Scheidegger and Spiess, 243 pp., $40.00 (distributed in the US by University of Chicago Press)

Genesis Dada: 100 Years of Dada Zurich

an exhibition at the Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Germany, February 14–July 10, 2016
Catalog of the exhibition edited by Astrid von Asten, Sylvie Kyeck, and Adrian Notz
Scheidegger and Spiess, 247 pp., $45.00 (distributed in the US by University of Chicago Press)

Literaturpreise der Bretagne

Der Bretonische Schriftstellerverband vergab am 15.10. in Locquirec seine sechs Literaturpreise 2016. Der Poesiepreis Angèle Vannier (Prix de poésie Angèle Vannier) geht an Gérard Cléry für Roi nu(l), (Librairie-Galerie Racine). Erster Finalist des Prix Angèle-Vannier ist Guy Allix für Le sang le soir, 2. Finalist Christian Le Roy für Gaëls.

Der „Grand prix du roman“ geht an Gérard Prémel für L’été de l’exode (éditions Diabase), der Prix du breton an Riwal Huon pour Merc’hed gwisket e du (Al Liam), der Prix Pierre Jakez Helias an Isabelle Pirot für La chair et la grâce (Salvator) und der Prix Anne de Bretagne an Jérôme Lucas für La fée électricité entre dans les campagnes bretonnes (Récits). Der Prix du gallo (Gallo ist die romanische Sprache der Bretagne) wurde in diesem Jahr mangels geeigneter Kandidaten nicht vergeben. / Agence Bretagne Presse

Brigitta Falkner im Attico

Ungefähr im Monatsrhythmus präsentiert Theresia Prammer im „Attico“ Positionen zeitgenössischer Poesie. Marcel Beyer, Michael Donhauser, Monika Rinck, Ann Cotten, Paulus Böhmer, Tadeusz Dąbrowski, Farhad Showgi ua. waren schon da. Am 4.11. Brigitta Falkner

Freitag, 4. November 2016

SCHMUTZIGE TRICKS

von und mit

Brigitta Falkner

Beginn: 20h

Aus: TOBREVIERSCHREIVERBOT – Palindrome

Das Werk der Wiener Dichterin Brigitta Falkner, in dem Texte, Zeichnungen, Fotos, Kurzfilme und Comics einander wechselseitig erhellen, unterwirft sich regelhaften Schreibverfahren mit einer großen Ungezwungenheit sowie mit sicherem Instinkt für aberwitzige Fügungen und eingeschliffene Denkmuster. So erscheinen die Palindrome, Lipogramme und Anagramme in Tobrevierschreiverbot (1998), Fabula Rasa oder Die methodische Schraube (2001) und Bunte Tuben (2004) im Licht materialanalytischer Kombinatorik, während die aus realen Materialien kombinierten und sukzessive abfotografierten Spielformen der Populären Panoramen (2010) stets eine zugrundeliegende Grammatik erkennen lassen. In den schon älteren Comics schließlich erstrecken sich Falkners Sprachsensoren hintersinnig über Manifestationen des Alltäglichen, etwa wenn sie falsche Versprechen aus kommerziellen oder ideologischen Zusammenhängen treffsicher durch hellhörige Verbalattrappen entlarvt. So sucht sie das Individuelle im Seriellen, das Stereotype im Subjektiven sowie das Substituthafte im Authentischen auf, kurz: erntet stupend die Stilblüten, mit denen sich ein Verweilen in festgefahrenen Verhaltensmustern zu Sinn und Substanz zurechtlügen läßt. In ihrem aktuellen Projekt Strategien der Wirtsfindung richtet die Autorin ihren Blick auf mikroskopische Verschiebungen innerhalb bewusst gewählter Ausschnitte oder Sichtfenster, in denen sich ein beinahe blickdichtes, phantastisch vielschichtiges Geschehen entspinnt. Text und Bild stehen in einem parasitären Verhältnis, wobei das geheime Treiben der Zeichen durch die Feder der Zeichnerin über sich hinauswächst.

Im Attico wird Brigitta Falkner audiovisuelle Arbeiten aus den letzten Jahren, Kurzfilme und animierte Bildtexte zeigen.

Brigitta Falkner, geboren 1959 in Wien, lebt in Wien. Sie ist Autorin von Büchern, Kurzfilmen, Comics und Zeichnungen. Ihre Veröffentlichungen umfassen unter anderem die folgenden Bände: Anagramme Bildtexte Comics (Das fröhliche Wohnzimmer 1992); TOBREVIERSCHREIVERBOT – Palindrome (Ritter Verlag 1996); Fabula rasa oder Die methodische Schraube (Ritter Verlag 2001); Bunte Tuben (Urs Engeler Editor 2004); Populäre Panoramen I (Klever Verlag 2010). Mit ihrem bildnerischen Werk war sie auf zahlreichen Sammel- und  Einzelausstellungen vertreten (zuletzt: Literaturhaus Graz 2015, Literaturmuseum Wien 2016). Sie wurde ausgezeichnet mit dem Heimrad-Bäcker-Preis 2010, dem Preis der Stadt Wien für Literatur 2011 sowie dem Preis für Textfilm made in Austria 2014. Ihr Buch Strategien der Wirtsfindung erscheint im kommenden Frühjahr bei Matthes & Seitz in der Reihe „Naturkunden“.

ATTICO, Theresia Prammer
im Haus der Camaro-Stiftung
Potsdamer Straße 98a (Backsteingebäude im 2. Hof ganz hinten)
10785 Berlin

Dead at 84

Iconic poet, art critic, performance artist, and teacher David Antin has passed away at the age of 84, after a long struggle with Parkinson’s disease, reports the PennSoundDaily. (…)

Born in New York City in 1932, Antin’s body of work stretches across the last 50 years, addressing notions of literacy, poetry and the contemporary. He was most famously known for his “talk poems,” improvised, spoken-word performances that drew from his knowledge of philosophy and art theory, as well as his own autobiography.

He would later record these and transcribe them for publishing. These pieces are included in the widely-read poetry collections Talking (1972), Talking at the Boundaries (1976), and What it means to be Avant-Garde (1993). / Skye Arundhati Thomas, artnet, October 14, 2016

Gedichte auf Deutsch habe ich nicht gefunden, nur diese Aufsätze:
  • „Pop“ Ein paar klärende Bemerkungen. In: „Das Kunstwerk“ 10-12 1966
  • Die wesentlichen Charakteristika des Mediums. In: Bettina Gruner und Maria Vedder (Hg.): Kunst und Video. Internationale Entwicklung und Künstler. Köln 1983, S. 32 – 49
Online Works

David Antin Soundfiles at PennSound 

Charles Bernstein, A Conversation with David Antin and Album Notes (Granary Books, 2002): full book: pdf

Archive of Antin recordings at Getty (streamable)

Entdeckungsreisen zum tschechischen Surrealismus

Ein Abend mit Petr Král

Moderation: Raoul Eshelman
Rezitation: Helmut Becker

Am Mittwoch, 2. November 2016 um 20 Uhr
Stiftung Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83a

Eine Veranstaltung aus der Reihe: Papagei auf dem Motorrad – Poesie ist immer Avantgarde! Tschechische Lyrik im 20. Jahrhundert. Ein Kooperationsprojekt von Café Fra (Prag), dem Tschechischem Zentrum München und der Stiftung Lyrik Kabinett.

Der Surrealismus ist keine abgeschlossene avantgardistische Bewegung der 1920er Jahre, er lebt – und zwar in Prag. Der Dichter, Übersetzer, Essayist und Filmtheoretiker Petr Král, dort 1941 geboren, schloss sich in den sechziger Jahren der Prager Surrealistischen Gruppe an, welche zwar die grundlegende Idee ihrer Vorgänger weitertrug, jedoch weiterhin Avantgarde blieb. Král ging 1968 nach Paris, schreibt auf Französisch und ist Herausgeber zahlreicher Anthologien. Heute lebt er wieder in Prag. 2010 erhielt er den französischen Orden Commandeur des Arts et des Lettres.

Am Mittwoch, 2. November 2016 um 20 Uhr wird Petr Král im Lyrik-Kabinett München über den tschechischen Surrealismus der Nachkriegszeit sprechen und seine Poetik der „Fußgänger Metaphysik“ erhellen. Helmut Becker rezitiert aus eigens für diesen Abend angefertigten Übersetzungen der Gedichte, die Moderation übernimmt Raoul Eshelman (Professor für Slavistik an der LMU).

Die Lesung mit Petr Král ist die zweite Veranstaltung der Reihe „Papagei auf dem Motorrad“. Bei insgesamt vier Poesieabenden im Lyrik Kabinett werden Persönlichkeiten und Strömungen der tschechischen Dichtung vom Poetismus der 1920er Jahre bis heute präsentiert und die eindrückliche Kontinuität ihres avantgardistischen Potentials gezeigt. Programmatisch sollen dabei vor allem die Lyriker selbst das Wort haben.

Die Konzeption und Koordination des Projekts obliegt Dr. Zuzana Jürgens (Bohemistin; 2009–2014 Leiterin des Tschechischen Zentrums München).

Projektpartner: Café Fra, Prag, Institut für Slavische Philologie der Ludwig-Maximilian-Universität München, Tschechisches Zentrum München, Generalkonsulat der Tschechischen Republik in München

Mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds in Prag und des Kulturministeriums der Tschechischen Republik.

Foto: Petr Král © Radek Brousil
Foto: Petr Král © Radek Brousil

 


Stiftung Lyrik Kabinett
Amalienstr. 83 a  80799 München (U3/U6 Haltestelle Universität)
www.lyrik-kabinett.dewww.facebook.com/lyrikkabinett

Eintritt: € 7 / erm. € 5 / Mitglieder Lyrik Kabinett: frei / Abendkasse, freie Platzwahl

Berliner Literaturpreis 2017 für Ilma Rakusa

Die Schriftstellerin Ilma Rakusa wird mit dem Berliner Literaturpreis 2017 geehrt. Das entschied jetzt die Preisjury der Stiftung Preußische Seehandlung, wie die Freie Universität Berlin am Freitag mitteilte. Ilma Rakusa nehme die mit dem Preis verbundene Berufung der Freien Universität Berlin auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik im Sommersemester 2017 an. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert; die Verleihung ist für den 20. Februar 2017 vorgesehen.

Die Jury urteilte, Rakusa sei eine maßgebliche Stimme „jener auch von Migrationserfahrung geprägten vielsprachigen mitteleuropäischen Literatur, die durch nationalistischen Terror und kommunistische Diktaturen marginalisiert und aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wurde“. In ihrem literarischen Schaffen werde auf sensible und poetische Weise die kulturelle Vielfalt und Vielstimmigkeit Europas thematisiert. / Tagesspiegel

Poetopie

pass auf, dass du auf dem zielstrebigen Weg zu dir nicht verloren gehst

Hansjürgen Bulkowski

Internationaler Lyrikwettbewerb Castello di Duino 2017

Teilnahmebedingungen

  • Der Wettbewerb ist jungen Autor-Innen bis zum Alter von 30 Jahren vorbehalten.
  • Die Teilnahme ist kostenlos.
  • Der Wettbewerb ist thematisch. Das Thema der Ausgabe 2017, XIII Auflage,  ist:

 

“Von Generation zu Generation”

(Menschenleben und Natur – Private und gemeinschaftliche Geschichten, permanenter  Dialog oder schockartige Veränderungen – Erinnerungen, Emotionen, Gedanken)

Das Thema kann vollkommen frei behandelt werden

  • Teilnahmeberechtigt ist ein unveröffentlichtes und bisher  nicht prämiertes Gedicht mit maximal 40 Versen
  • Man kann an einer oder mehreren der in Folge genannten Sektionen teilnehmen.
  • Die Gedichte werden auch in der Originalsprache bewerten; sie müssen jedoch von einer englischen und/oder italienischen und/oder französischen und/oder spanischen Übersetzung begleitet werden. Bei Werken in italienischer Sprache ist eine englische Übersetzung willkommen, jedoch keine Teilnahmebedingung.
  • Eine internationalen Jury aus mehrsprachigen Lyrikern und Kritikern wird bemüht sein, die Werke in der Originalsprache zu bewerten.
  • Einsendeschluss ist der 31 Oktober 2016 (Eingang der Texte beim Veranstalter) .

(Fristverlängerung wahrscheinlich)

Der Wettbewerb, dessen Preisverleihung jährlich in Duino, dem Inspirationsort für Rilkes Elegeien stattfindet, ist eine Schnittstelle für internationale Begegnungen.

Link home.castellodiduinopoesia.org/bandi-stranieri

Die Organisatorin führt auch eine Tagung für junge TeilnehmerInnen (unter 35 J.) durch – “Youth Culture and Institutions”, Trieste, 1 – 3 December 2016 – III Edition Mehr

 

Five poets

What poets do you dig?

Rimbaud, I guess; W. C. Fields; The family, you know, the trapeze family in the circus; Smokey Robinson; Allen Ginsberg; Charlie Rich – he’s a good poet.

Bob Dylan in an interview, 1967

Another clipping:

The criticism that you have received for leaving the folk field and switching to folk-rock hasn’t seemed to bother you a great deal. Do you think you’ll stick to folk-rock or go into more writing?
I don’t play folk-rock.

What would you call your music?
I like to think of it more in terms of vision music – it’s mathematical music.

Would you say that the words are more important than the music?
The words are just as important as the music. There would be no music without the words.

Which do you do first, ordinarily?
The words.

Do you think there ever will be a time when you will paint or sculpt?
Oh, yes.

(…) Bob, you said you always do your words first and think of it as music. When you do the words can you hear it?
Yes.

The music you want when you do your words?
Yes, oh yes.

Do you hear any music before you have words – do you have any songs that you don’t have words to yet?
Ummm, sometimes, on very general instruments, not on the guitar though – maybe something like the harpsichord or the harmonica or autoharp – I might hear some kind of melody or tune which I would know the words to put to. Not with the guitar though. The guitar is too hard an instrument. I don’t really hear many melodies based on the guitar.