(Erstes saturnalisches Gedicht)
Karl Mickel
Pound—Kommentar
1
Es gab eine Zeit, sagt Pound
Da die Historiker Lücken ließen in ihren Büchern
Für das, was sie nicht wußten.
2
Das goldene Zeitalter, sagt Maurer
War einmal wirklich.
Ich hielt diesen Satz für brutal.
3
Ich kannte einen Historiker namens Nichtweiß.
Er hat sich erhängt.
Aus: Karl Mickel, Geisterstunde. Gedichte. Göttingen: Wallstein, 2004, S. 35
Ezra Pound (1885-1972), Amerikanischer Dichter
Georg Maurer (1907-1971), Deutscher Dichter
Die Saturnalien waren zunächst nur ein römischer Festtag zu Ehren des Gottes Saturn, der als Herrscher des urzeitlichen goldenen Zeitalters galt. Er wurde ursprünglich als EN-Tag am 17. Dezember gefeiert und wechselte nach der julianischen Kalenderreform den Tagescharakter auf einen NP-Status. Die Saturnalien fanden erst nach 45 v. Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und 23. Dezember Anwendung, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.
Das Datum geht auf das Gründungsdatum des Saturntempels auf dem Forum Romanum zurück.
Die Feiern begannen mit einem Opfer vor dem Tempel des Saturn und einem öffentlichen Mahl. Öffentliche Einrichtungen waren während der Saturnalien geschlossen. Die Tempel veranstalteten öffentliche Speisungen. Es war üblich, sich zu den Saturnalien zu beschenken.
Wichtigster Aspekt der Saturnalien war die Aufhebung der Standesunterschiede, auch Sklaven wurden an diesem Tag von ihren Herren wie Gleichgestellte behandelt, teilweise wurden die Rollen sogar (scherzhaft) umgekehrt, so dass die Herren ihre Sklaven bedienten. Es wurde ein Saturnalienfürst (Saturnalicus princeps) gewählt, teilweise wurde dieser auch rex bibendi („König des Trinkens“) genannt. Dieser Name deutet auch auf den stark gesteigerten Weinkonsum während der Festtage hin. Nicht nur der Wein wurde während der Festtage in großem Maße getrunken, es war auch offiziell das Würfelspiel um Geld erlaubt und es konnten Festgeschenke, apophoreta, verlost werden. Auch sonst lockerte sich die Moral während der Feiertage erheblich.
Okay, die Feiertage sind eröffnet!
Zum 150. Geburtstag des Künstlers haben jetzt Alexander Graeff und Alexander Filyuta einen kleinen Band herausgegeben: „Vergessenes Oval“ (Verlagshaus Berlin), in dem sie Gedichte aus Kandinskys Nachlass veröffentlichen. / Sabine Reithmaier, Süddeutsche Zeitung
150. Geburtstag Wassily Kandinsky: Alexander Graeff stellt „Vergessenes Oval. Gedichte aus dem Nachlass“ vor, 16. Dezember, 20 Uhr, Literatur Moths, Rumfordstraße 48
Wassily Kandinsky: Vergessenes Oval. Gedichte aus dem Nachlass: 1866 – 1944. Deutsch-Russisch. Hrsg. v. Alexander Graeff u. übers. v. Alexander Filyuta; Illustr. v. Christoph Vieweg. VERLAGSHAUS BERLIN (Edition Revers) 18,90 €
Iédijah ist ein elfjähriger Junge von der Antilleninsel Martinique, die ein französisches Überseedepartement ist. Er gilt als Wunderkind, der Gedichte in einer komplexen Spielform schreibt: Alexandriner mit Binnenreim („Leoninisch“) und Akrostichon. Sein Talent brachte ihm eine Einladung zum Wettbewerb der frankophonen Poesie „Les petits planétaires“ (vielleicht: „Die Kleinen weltweit“ oder „Die Kleinen des Planeten“) in Paris. Eigentlich kam sein Text zu spät, aber als die Jury ihn nach der Wahl der Sieger las, bekam er eine Einladung als Ehrengast und eine spezielle Erwähnung. Die Siegerehrung findet morgen in Paris statt.
– Frankophon ist eine Bezeichnung für Literatur in französischer Sprache aus anderen Ländern. Manche z.B. afrikanische Autoren kritisieren die Bezeichnung: entweder französisch oder gar nicht. Wie dem auch sei. Martinique ist keine ehemalige Kolonie, sondern ein französisches Departement, nur halt in Übersee. Pech dabei: die Reise von Martinique nach Paris ist teurer als als etwa von Chessy oder Serris (auf der Karte rechts). Der Ehrengast muß seine Reise selbst bezahlen. Zum Glück sprangen seine Heimatgemeinde Ducros und die Region CTM (Collectivité territoriale de Martinique) ein und beteiligen sich an den Kosten, damit er mit seinen Eltern nach Paris reisen kann. / martinique.franceantilles.fr
Les enfants s’engagent pour l’eau (Die Kinder engagieren sich für das Wasser)
La clef de notre vie, il faut lui dire merci
Eau de la vérité, aussi de la santé,
Si nous la recyclons, nous la protègerons.
Eau, source de la vie, qui est très rare ici,
Nageant dans son liquide qui bientôt sera vide.
Faisons des choses pour elle qui est même dans le ciel
Apprenons les bons gestes, nous sommes tout ce qu’il reste
Nous les enfants sereins, sommes son lendemain
Traçons une leçon pour nos générations
Soyons tous solidaires, ce n’est pas dur à faire.
S‘écrasant doucement sur ces rochers stagnants,
Elle devient destructrice à travers les sévices
Nanties de ces souffrances pour en faire des vengeances
Gagnons de sa confiance pendant cette grande enfance
Asséchée sur des îles, usée au domicile
Gare aux raz-de-marée qui n’ont pas de degrés
Engageons-nous pour l’eau sans huiles de bateaux
Nettoyons bien les plages de notre paysage
Touchant un héritage qui a un certain âge.
Préservons l’eau du monde et ses cryptes profondes
Oublions les métiers qui l’ont tant polluée
Un moment de pitié pour cette eau oppressée
Rageant dans l’océan de ses mauvais courants
L‘eau n’est pas une poubelle, allons la rendre plus belle,
Et même déshydratés, nous devons tous l’aider
Après il sera trop tard……
Un engagement à vie pour qu’elle nous remercie.
Iédijah Rosamond
Ein Soldat wurde im Krieg wider die Araber mit einem Pfeil in den Kopff sehr gefährlich verwundet / wie nu der Barbierer die Wunde besichtiget / sprach er zu ihm : Er solte sich Gott befehlen / denn das Hirn wäre ihm tieff versehret / daß er nicht leben könte / aber der Soldat sagte : Ey was sagstu mir von der verletzung des Hirns / meynestu / wenn ich ein Hirn gehabt hätte / ich wäre so leichtfertig dem Krieg nachgezogen.
Samuel Gerlach: Eutrapeliarum philologico-historico-ethico-politico-theologicarum libri III : Das ist: Drey Tausend schöner, nützlicher nachdenklicher … Historien oder Geschicht und Reden. Leipzig: Riese, 1656. Liber II, #70
Wie entstehen Dichterbilder in den Medien? Wie prägt das öffentliche Bild eines Schriftstellers die Wahrnehmung seiner Werke?
Podiumsgespräch mit: Mara Genschel, Clemens Schittko, Thomas Podhostnik, Moderation: Bertram Reinecke
Texte von Schriftstellern haben individuelle Merkmale, sind aber auch vom Zeitgeist beeinflusst. Leser nähern sich Texten mit individuellen Bedürfnissen. Aber auch sie haben gemeinsame Merkmale und Bildungsgeschichten. Was passiert an der Interferenzstelle? Wie findet die je individuelle und gleichzeitig oft typische Begegnung von Leser und Text einen Niederschlag in der Öffentlichkeit? Ein Schriftsteller gewinnt z.B. einen Ruf. Für diesen Ruf spielt jedoch nicht nur das konkrete So-sein seiner Texte eine Rolle, sondern auch sein Habitus oder die Zufälle seiner Entdeckung. Teils mag so ein Ruf immer neu an den Texten überprüft werden. Er wird aber auch unabhängig davon tradiert. Was passiert, wenn ein Schriftsteller seinen Stil oder sein Themenfeld ändert? Wie geht die Öffentlichkeit mit der entstehenden Informationslücke um? Der Ruf eines Schriftstellers ist oft ein doppelter. Neben dem offiziellen gibt es oftmals ein inoffizielles, nur hinter vorgehaltener Hand weitergereichtes Bild des Schriftstellers. Wir wollen explorative Schnitte legen in dieses Problemfeld der Schriftsteller-Rolle zwischen dem Autor als Texthersteller, als Bühnengestalt und natürliche Person, zwischen Text und öffentlicher Debatte.
am 18. Dezember 2016, 19 Uhr, Hole of Fame, Königsbrücker Straße 39, 01197 Dresden, eine Veranstaltung des arts up e.V.
Der Lyriker Thomas Rosenlöcher erhält die Ehrengabe 2017 der Deutschen Schillerstiftung. Der Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis 2017 geht an Judith Zander, meldet das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert. / Börsenblatt
Von Johannes Bobrowski
Unter geteiltem Himmel tritt Ole Bienkopp die Spur der
Steine im Herbstrauch, er ist (denkt er sich) Staub nicht im Wind.
Aber was ist er dann? Oben eiert der Große Wagen,
unten der Kabelkran steht, – nämlich der Peter ist blau.
Dieses Epigramm – „ganz neue Xenien, doppelte Ausführung“, also Doppeldistichen, erschien 1977 in dem Band „Literarisches Klima“. Bobrowski war da schon 12 Jahre tot. In der Rückschau wundert man sich, daß so manche freche Xenien in der DDR druckbar waren. Dieses hier erschien sogar 10 Jahre früher, als es fast noch aktuell war, in der Wochenzeitung „Sonntag“. Es verarbeitet die Titel von sieben preis“gekrönten“ DDR-Büchern der Jahre 1961-1963, es sind:
Text in: J.B., Gesammelte Werke Bd. I, Berlin: Union Verlag, 1987, S. 237
Ich wünschte, wir hätten solche Epigramme für unsere aktuellen Siegertitel. Wenn man heute einen lorbeerisierten Titel kritisiert, spricht ja die halbe Gemeinde von „Neiddebatte“. Und hält es für unstatthaft.
Laut Saúl Yurkiévich ist Lezama Lima zusammen mit César Vallejo, Vicente Huidobro, Pablo Neruda, Jorge Luis Borges und Octavio Paz einer der Gründungsväter der lateinamerikanischen Poesie des 20. Jahrhunderts. Und das zugleich als „Gleicher“ und „deutlich Anderer“, weil sich sein schöpferischer Impuls ebensosehr mit dem der anderen trifft wie er sich unterscheidet. Lezama ist ein „Barocker“, wie auch, jeweils auf ihre Weise, Vallejo und Borges, wobei diese beiden sich auf Quevedo stützen, Lezama auf Góngora, aber einen von Mallarmé gelesenen Góngora. Was ihn mit Huidobro verbindet, wie sein offenbarer Automatismus, bringt ihn auch den surrealistischen Koloraturen von Neruda und Paz nahe. Sein „Tod des Narziss“ (1937) ist anfangs sehr gongorinisch, aber im weiteren Verlauf mischen sich wie es scheint barocke Strophenpalimpseste mit Versen, in denen sich trotz ihrer Länge die Echos des Reims halten. / Jaime Siles, ABC
KHAN Abdul Ghani Khan (1914-1996) is commonly known as the ‘mad philosopher’ in Pashto literary circles because of his unique style and poetic expression. Despite being the elder son of Khan Abdul Ghaffar Khan (also known as Bacha Khan), leader of the Khudai Khidmatgar Movement, he kept a low profile and engaged mainly in literary and artistic pursuits. He was a multifaceted personality: a poet, sculptor, painter and a philosopher in a league of his own, and has influenced almost four generations of Pakhtun youth through his vibrant and revolutionary poetry. / Dawn
Der nordirische Schriftsteller John Montague ist tot. Er starb [am 9.] im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus in Nizza. Das berichtete die irische Zeitung „Irish Times“ unter Berufung auf Angehörige.
Montague hatte den ersten Lehrstuhl für Poesie in der Republik Irland inne und erhielt mehrere Preise für sein Lebenswerk. Irlands Präsident Michael D. Higgins bezeichnete Montague in einer Würdigung als „einen unserer hervorragendsten Dichter“. In seinem Werk seien „alle Themen des vergangenen Jahrhunderts präsent – Trennung, Exil, Konflikt“, schrieb Higgins.
Montague wurde 1929 in New York geboren, und wuchs in der nordirischen Grafschaft Tyrone auf. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Gedichtepos „The Rough Field“ aus dem Jahr 1972, in dem es um die wechselvolle Geschichte Nordirlands geht. / ORF
Paul Muldoon, Eavan Boland, sein Verleger Peter Fallon u.a. zum Tod des Dichters, Irish Times
Im neuen Jahr wird nach einjähriger Pause das Lyrische Quartett im Lyrik Kabinett München wieder aufgenommen. Am 22. Februar 2017 startet das Quartett in neuer Besetzung mit Hubert Spiegel und Florian Kessler, mit Kristina Maidt-Zinke als Moderatorin und einem zu jeder Veranstaltung wechselnden Gast. Besprochen werden drei lyrische Neuerscheinungen, ein älteres Werk wird einem ‚Haltbarkeitstest‘ unterzogen. Gast der Runde bei diesem Neuauftakt ist die Schriftstellerin Nora Bossong. Künftig findet das Quartett dann wieder dreimal im Jahr statt.
Das Lyrische Quartett wurde 2011 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Stiftung Lyrik Kabinett ins Leben gerufen, um die Stimmenvielfalt der Poesie ins öffentliche Gespräch zu bringen. Bis 2015 diskutierten Heinrich Detering, Harald Hartung und Kristina Maidt-Zinke jeweils dreimal im Jahr mit wechselnden Gästen. Die Veranstaltungen haben sich mit großem Erfolg als ‚jour fixe‘ der Münchner Kulturinteressierten etabliert. Bisherige Gäste waren: Nico Bleutge, Joachim Sartorius, Michael Krüger, Anja Utler, Albert von Schirnding, Nora Gomringer, Ijoma Mangold, Felicitas von Lovenberg, Hans Pleschinski u.v.a.
Mittwoch, den 22. Februar 2017, 20 Uhr
Das Lyrische Quartett
Mit Kristina Maidt-Zinke, Florian Kessler und Hubert Spiegel und als Gast Nora Bossong
Eine Kooperation der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Stiftung Lyrik Kabinett
Veranstaltungsort: Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83a, 80799 München
Eintritt: €7,- / € 5,-; Mitglieder: freier Eintritt; Abendkasse, freie Platzwahl
Weiterführende Informationen: https://www.lyrik-kabinett.de/veranstaltungen/reihen/das-lyrische-quartett/
Der slowenische Dichter Aleš Šteger, Jahrgang 1973, wurde Mittwoch mit dem Horst Bienek-Preis für Lyrik ausgezeichnet. (…)
Grenzenlos leben, jederzeit – wenigstens innerhalb der EU – in ein anderes Land fahren können, um dort jemanden zu treffen, etwas zu betrachten oder Arbeit zu suchen und sich gleich anzusiedeln: Diese Möglichkeit war Realität geworden für den 1973 in Ptuj/ Slowenien geborenen Aleš Šteger, der seit geraumer Zeit seinen Wohnsitz, seine Freunde und Arbeiten in Ljubljana hat. Seit Ungarn und Kroatien wegen der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 ihre Grenzen dicht gemacht haben und Grenzkontrollen im ganzen Schengenraum wieder an der Tagesordnung sind, trauert Aleš Šteger dem Verlust dieser Möglichkeit, seiner Freiheit nach. „Die EU starb, aber kein Hahn krähte.“ Das konstatiert der slowenische Dichter, Verleger und Essayist Aleš Šteger bereits Anfang 2016, Monate vor dem BREXIT-Votum. Er beschwört die verlorenen Freiheiten und sucht nach Ursachen des Endes und geht dabei auch immer sehr selbstkritisch ins Gericht. / Mehr beim BR
das Buch auf dem Regal lässt nur ahnen, was in ihm steckt – das Bild an der Wand zeigt sofort, was es zu bieten hat
Hansjürgen Bulkowski
‘WHAT IS POETRY?’—the first session of the first day begins with a sucker punch. It is an unanswerable question and the German poet Jan Wagner, of whom this has been asked, knows it. He demurs, talks about how lifetimes are spent writing essays on it and then attempts an answer: “Expression of the greatest possible freedom in the smallest possible space.” Neat and amorphous, but not really a definition. What if the poet uses more than the smallest space? The next day in another session, as a young writer, Shubhangi Swarup, who edits India’s only Virtual Reality magazine, talks about poetry in the digital age, she asks: “Are words necessary for poetry?” / Madhavankutty Pillai, Open
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