Die Feindschaften der Männer

Von Michael Gratz

Man muß nicht alles versöhnen. „Die Feindschaften der Männer“. Diese Wortgruppe schickte mir einmal der Hamburger Dichter Wilhelm Fink zu irgendeinem Streit, den wir hatten. Ich borge ihn mir für Bobrowski. Just zu dessen 100. Geburtstag mir einfällt, daß ich genau in der Mitte dieses Bobrowski-Jahrhunderts, 1967, vor nun 50 Jahren, als Schüler den Gedichtband Sarmatische Zeit zum ersten mal las. Wahrscheinlich im Sommer. Mit Bobrowski (und Hölderlin) übte ich das Lesen schwieriger Lyrik ein. Von Hölderlin sprachen die Lehrer ja noch, aber nicht von Bobrowski. Der war, als ich ihn kennenlernte, schon zwei Jahre tot. Für mich war es Gegenwartslyrik. Ein paar Jahre später verspottete eine Satirezeitschrift (wie von fast jeder Sparte besaß die DDR davon nur eine) ein elegisches Gedicht auf den Tod Bobrowskis. Da waren die Fronten längst klar.

Bobrowski – Huchel – Celan. Drei mir nahe Dichter. Wohl in dieser Reihenfolge kamen sie zu mir, und weil es alles nahe, liebe Lektüre war, schienen sie mir zusammenzugehören. Ich könnte leicht aus dem drei- ein vierblättriges Kleeblatt machen, Erich Arendt kommt gleich um die Ecke.

Eine kleine Zusammenstellung von Beziehungen, Mißverständnissen und Feindseligkeiten.

Huchel hat den unbekannten Dichter Bobrowski entdeckt. Am 1. Juni 1955 schickte ihm Bobrowski 15 Gedichte. Am 13. Juni schickt Huchel ein Telegramm mit der Bitte, ihn am 16. in der Akademie zu besuchen. Im September desselben Jahrs erschienen fünf Gedichte Bobrowskis in der von Huchel redigierten Zeitschrift Sinn und Form. Auch sonst setzte sich Huchel für Bobrowski ein.

1962 wurde Huchel von der SED-Führung als Chefredakteur abgesetzt und – nicht zum ersten Mal, aber nun endgültig – von höchster Stelle heftig angegriffen. Ende Januar oder Anfang Februar 1963 war Christoph Meckel bei Bobrowski zu Besuch und rief von dort bei Huchel an (was von Westberlin aus kaum möglich war). Bobrowski selber ließ sich am Telefon verleugnen. Am 11. Dezember auf einer Lyriklesung in der Akademie der Künste in Ostberlin (es war die von Stephan Hermlin initiierte Lesung junger Lyrik, die zum Skandalerfolg wurde und der jungen Dichtergeneration mit Braun, Biermann und Kirsch zum Durchbruch verhalf) blieb ein Platz neben Huchel (dem schwarzen Schaf) frei – Bobrowski kam und traute sich nicht, neben dem Verfemten zu sitzen und auch später nicht ihn anzusprechen. Bobrowski schrieb in einem halben Entschuldigungsbrief an Huchel von seinem „Unvermögen, in derartigen Situationen überhaupt zu reagieren“. Huchel schrieb zurück: „Niemals habe ich, was Sie anlangt, gemeint, Sie seien verpflichtet, in einer riskanten Zeit meine Nähe zu suchen. (…) Niemand kann über seinen Schatten springen, und ich bin der letzte, der für sich eine Ihnen nicht gemässe Haltung einfordern wollte. Aber ich vermag gleichfalls nicht über meinen Schatten zu springen, Ihr deutlich spürbar gewordenes Nichtvorhandensein in jenen Monaten, Ihr Verhalten beim Meckel-Telefonat oder nach der Akademie-Lesung, wo es Sie weder Zeit noch Mühe gekostet hätte, en passant ein menschlich nobles Wort zu finden, sind von mir, ich möchte es nicht anders ausdrücken, durchaus bemerkt worden.“ In einem Antwortbrief spricht Bobrowski von schwerem menschlichen Versagen und bittet förmlich um Entschuldigung.

Bobrowski kannte Celans ersten Gedichtband und nahm eine Zeile aus der Todesfuge anverwandelt in ein eigenes Gedicht auf: „Dir ward ein Grab in den Lüften“. Nicht schlimm, auch Celan zitiert oft andere Gedichte. Allerdings ist es ein schlechtes Gedicht aus der Phase zwischen dem traditionellen heimatseligen Frühwerk (Heimat heißt sein Gedicht) und dem Durchbruch um 1953/54, mit dem er seit Ende der 50er Jahre weltberühmt wurde. Bobrowski genießt den jähen und unerwarteten (späten) Ruhm. Nicht ohne Skepsis:

„Und die Zelebritäten der Lyrik oder der Kritik, Celan in Paris, Ingeborg Bachmann, Schwedhelm und noch einige wissen inzwischen, daß ich da bin…“ (März 1959)

„Max Hölzer schickt ein Bändchen, das sehr gut ist. Überhaupt habe ich in letzter Zeit Widmungsexemplare bekommen wie nie vorher. Wohl ein Zeichen für steigende Berühmtheit? Wenn man weiß, wie einerseits zufällg und andrerseits nutzlos das Versemachen ist. Ach Peter [Jokostra], Gedichte – eine läßliche Jugendsünde, denk ich manchmal. Immerhin weiß ich, daß es anders ist. Aber eine nutzlose, private Sache bleibt es eben doch. Wirkungslos.“ (November 1959)

1961 stehen acht Gedichte Bobrowskis in dem Band „Tau im Drahtgeflecht. Philosemitische Lyrik nichtjüdischer Autoren“. Bobrowski war das Problem des Philosemitismus wohlvertraut.

„Das Thema Osten usw. gehört mir ja im Grunde gar nicht, ich bin weder Pole noch Russe und schon gar nicht Jude. Das einzige, was mich berechtigen könnte, ist: wenn ichs nicht sage, ist wieder einer weniger, der es den Deutschen, also meinen Leuten, vor Augen stellt. Aber da taucht die Frage nach dem Wahrheitsgehalt auf. Es könnte ja auch alles Schmuh sein bei mir, reizvoll vielleicht, weil gelind exotisch und eben nicht häufig. Aber – legitimieren müßt mich wohl erst einmal die Zustimmung der Betroffenen.“ (1960)

Celan und Bobrowski sind sich nie begegnet, aber sie hörten voneinander über gemeinsame Bekannte und wechselten einige Briefe. Bobrowskis Freund Peter Jokostra ging nach Paris zu Celan. Von ihm hörte Bobrowski, daß er „an einigem Zeug von mir Geschmack gefunden“ habe. Von Celans angekündigtem dritten Band „Sprachgitter“ erwartete er,“daß er sich aus der Zuneigung der Snobs zurückziehen möchte“ (1958).

Als er den Band in Händen hielt, bereitete der freilich große Mühe. „Ich weigere mich, den Band schlicht für belanglos und armselig zu halten – so kommt er mir bis jetzt vor –, aber ich bin oft versucht, ihn in die Ecke zu feuern.“

Bobrowski steckte zu sehr im Prozeß, seine eigene Konzeption – damals noch des Sarmatischen Divans – zu entwickeln, als daß er sich leicht in Celans Weg sozusagen aus anderer Richtung finden konnte. Besonders mißfallen mußte ihm der Ausdruck „Ein Wort – du weißt:/ ein Leiche“ (aus Celans Gedicht Nächtlich geschürzt). Ein paar Zitate aus Bobrowskis skeptischer Auseinandersetzung mit Sprachgitter:

„Konzentration, besser: Verknappung – gewiß, aber wo bleibt das Gedicht? […] Die Gedichte sind undynamisch. Sie fassen sich an wie sehr kostbares altes Papier. […] Er hat auch jetzt noch allerhand sublime Parfüme angebracht […] Ich frag mich, was diese Artistik soll. Ob es wirklich so ist, daß Lyrik für Lyriker gemacht wird.“ (21.5. 1959)

„Laß mich doch toben, lieber Mann, dem C. fällt davon kein Stein aus der Krone. Ich kann Dir sagen, ich geb mir redliche Mühe mit ihm. Es wird aber doch an ihm liegen, wenn mir SPRACHGITTER wie eine Destillieranstalt vorkommt, wie eine elegant aufgemachte Alchimistenküche. Und eben dahin trau ich mich nicht. […]

Noch einmal, Celan ist nichts, bestenfalls eine Parfümfabrik, die jetzt Juchten liefert und früher Veilchen. Aber das sag ich, ohne den Beweis anzutreten. Ich hab nur das gleiche Magenweh bei ihm wie bei Rilke.“ (5.10. 1959)

Starker Tobak – allerdings nicht sein letztes Wort in Sachen Celan. Ein Jahr später schreibt er an Peter Hamm: „…weil er ja ohne Frage Qualität liefert. Mir ist das in SPRACHGITTER nicht gleich aufgefallen. Aber mit etwas Geduld eben doch.“ Und an Jokostra: „Ich hau allen Leuten aufs Maul, die ihn ärgern wollen, mir selber hab ichs damals auch getan; als ich fast verzweifelte, durch sen Sprachgitter hindurchzufinden.“

Aber da war das Unheil schon passiert. Jokostra konnte die scharfen Stellen nicht für sich behalten. Celan war ohnehin angegriffen – durch die Plagiatsvorwürfe Claire Golls und durch Kritiker wie Günther Blöcker, der ihn in Bezug auf seine „jüdische Herkunft“ kritisierte: „Celan hat der deutschen Sprache gegenüber eine größere Freiheit als die meisten seiner dichtenden Kollegen. Das mag an seiner Herkunft liegen. Der Kommunikationscharakter der Sprache hemmt und belastet ihn weniger als andere. Freilich wird er gerade dadurch oftmals verführt, im Leeren zu agieren.“

Vielleicht hätte es der kritischen Worte über die „Parfümfabrik“ nicht bedurft. Celan besaß fast alle Bände Bobrowskis und hat auch hier Lesespuren hinterlassen. In dem Band „Selbstzeugnisse und Beiträge über sein Werk“ streicht er in der Bibliografie die frühen Veröffentlichungen aus der Nazizeit an. Holzauge sei wachsam. Nach anfänglicher Zustimmung wuchs Celans Mißtrauen auch gegen Bobrowski. War das nicht auch bloß einer, der seinen Anteil an der deutschen Schuld durch ein „philosemitisches Alibi“ abtragen wollte? Unter Bezug auf Bobrowskis Pruzzische Elegie schreibt Celan 1962, daß „sie“ „gelegentlich sogar ‚Pruzzisches‘ aus dem Boden“ zaubern. In diesem schon 1955 gedruckten Gedicht, das die Ausrottung der Pruzzen durch die Deutschen beklagt, mußte Celan eine Alibileistung sehen. Statt des naheliegenden Holocausts am jüdischen Volk wird da eine weit zurückliegende Gewalttat angeführt:

Dir
ein Lied zu singen,
hell von zorniger Liebe –
dunkel aber, von Klage
bitter, wie Wiesenkräuter
naß, wie am Küstenhang die
kahlen Kiefern, ächzend
unter dem falben Frühwind,
brennend vor Abend –

deinen nie besungnen
Untergang, der uns ins Blut schlug
[…|

Noch dazu mit dem Superlativ versehen:

Volk
Perkuns und Pikolls,
des ährenumkränzten Patrimpe!
Volk,
wie keines, der Freude!
wie keines, keines! des Todes –

Bobrowskis Projekt der lyrischen „Vergangenheitsbewältigung“ (er verwendet das Wort frteilich nicht!) stand für ihn auf einer Linie mit Verdrängung und gleichzeitigem philosemitischem Diskurs.

„Somit sah C. den gesamten Diskurs der sog. Vergangenheitsbewältigung denen entwendet, um die es eigentlich ging, den ermordeten Juden – so wie er sich (diese Parallele ist ab 1960 immer mitzudenken) durch die Plagiatsanschuldigungen in seiner jüdischen Autorexistenz ausgelöscht sah.“ (Celan-Handbuch) In einer frühen Fassung des Gedichts Hüttenfenster (aus Die Niemandsrose) heißt es: „und sie lügen schreiben ihn [den „Schwarzhagel“ in Witebsk] weiss, die ihn säten, mit ihrer / taktzählenden Panzerfaustklaue!“

Das Gedicht trägt in frühen Fassungen die Titel Pariser Elegie, Hommage à Quelqu’un und Statt eines Winks. Neben der Pruzzischen Elegie scheint es auf das Gedicht Die Heimat des Malers Chagall aus Bobrowskis erstem Band anzuspielen. Zwar fehlte die Pruzzische Elegie in der westdeutschen Ausgabe, aber er konnte sie aus der ersten Nachkriegs-Gedichtveröffentlichung Bobrowskis in Huchels Sinn und Form von 1955 kennen. Er muß es gekannt haben, wie die Erwähnung des „Pruzzischen“ beweist. Die Feindschaften der Männer, zugleich deutsche (und deutsch-jüdische) Verwerfungen.

Über den „Krieg zwischen Celaniten und Bobrowskisten“ vielleicht an anderer Stelle mehr.

Quellen:

  • Johannes Bobrowski, Peter Huchel: Briefwechsel. Marbacher Schriften 37 (1993)
  • Johannes Bobrowski oder Landschaft mit Leuten. Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Schiller-Nationalmuseum Marbach am Neckar [Katalog]. 1993
  • Paul Celan, Nelly Sachs: Briefwechsel. Suhrkamp, 1993
  • Celan-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, 2008
  • Paul Celan: Die Niemandsrose. Tübinger Ausgabe, Suhrkamp, 1996
  • Paul Celan: Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe in enem Band, Suhrkamp, 2005

Wahrheit

Petrus Akkordeon befragte für die Lyrikzeitung DichterInnen auf der Leipziger
Buchmesse zum Thema „Wahrheit“

Wahrheit in meinen Texten …
Die meisten meiner Texte sind wahr, die wenigsten sind ehrlich.
CRAUSS

Je älter ich werde desto mehr bemerke ich wie viele gleichberechtigte
Wahrheiten es gibt
Tanja Dückers

Ich glaube nicht, dass ein Gedicht Wahrheit mitteilt. Jedoch glaube ich, dass ein
Gedicht sein eigenes Gesetz vorgibt, dem ich auf die Spur kommen möchte: ob
ich es selber schreibe, oder eines anderer lese.
Daniela Boltres

Das Gedicht hat eine entspanntere Einstellung zur Wahrheit, als der Autor. Das
Gedicht hat einerseits mehr Zugang zu einer Wahrheit, die ganz die eigene ist,
andererseits hat es mehr die Spiegelkraft, die dem Leser ermöglicht seine
Wahrheit zu schmecken.
Tobias Roth

Ich möchte Gottfried Benn zitieren, er hatte gesagt : „Die Wahrheit,
Lebenswerk, 500 Seiten, so lang kann die Wahrheit doch gar nicht sein. “
Norbert Hummelt

Wahrheit ist vor allem etwas sehr Gefährliches. Ich denke, die Menschen, die wissen was Wahrheit ist, sind mit Vorsicht zu genießen.
Tristan Marquardt

Wahrheit war immer besser als Pflicht.
Adrian Kasnitz

L&Poe ’17-13

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Konstantin Ames, Buchmesse, dänische Lyrik, Ingeborg Bachmann, Straßenpoesie, Neue Rundschau mit John Berger, Franz Mon und Stephan Wackwitz, TLS mit Swiftjahr, Handke, Rustaweli – und manches andere. Lesen!

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Die Themen in dieser Ausgabe

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Das neue Gedicht

Konstantin Ames

Verbleichen immer, verblichen nimmer

Ruhe selbst

Eure Tassen enthalten nichts. Euer Bier ist
nicht belgisch. Und ich beginne sacht, euch zu hassen, eure Roll-
styhle sind so telegen, Eigenlasch saufender Anarchoklüngel.
Bist mein nebensitzender Fluggast; zog sich einen Steril-
handschuh über, hat erst dann ausm Becherchen getrunken.
Menschenfische verharren in der Metamorphose, fressen
manchmal nur alle drei Jahre, blind. – Oder mal wieder Gedichte?
Kurze. Private. Kommen Bäume drin vor. Silberpappeln
womöglich. In zwei Minuten ist

Hier Herbst, interpretierende Klasse. Dann ist
Auch das erledigt. Äußerste Musik. Meint alle.

Aus: Neue Rundschau 4/2016, S. 182

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Vernichtungsgeschichte und Familiengeschichte

Die Herausgeber dieses Auftaktbandes zu der geplanten 30-bändigen Bachmann-Werkausgabe bieten in einem Kommentarteil, der keine Wünsche offenlässt, überdies viele neue Belege für die „Verflechtung von Vernichtungsgeschichte und patriarchalischer Familiengeschichte“ in Leben und Werk der so ungemein produktiv Leidenden.

Eine letzte Erklärung dafür, warum die große Autorin an der „Krankheit Mann“ so erstaunlich umfassend litt und womöglich auch starb, findet man allerdings auch in diesen Privatdokumenten nicht. An die „Wirklichkeit“, die für sie „die einzig wirkliche“ ist, schreibt sie an Dr. Schulze, komme sie „auf dieser Welt nicht heran“. Sie blieb sich selbst ein Geheimnis. Der Rest ist Literatur. / Iris Radisch, Die Zeit

Ingeborg Bachmann: Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit; hrsg. v. Isolde Schiffermüller u. Gabriella Pelloni; Suhrkamp, Berlin 2017; 259 S., 34,– €

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Søren Ulrik Thomsen und Inger Christensen

Der dänische Dichter Søren Ulrik Thomsen ist ein Liebhaber von Versen, die über sich selbst nachdenken. In seiner ironisch-melancholischen Parlando-Lyrik versammelt er Bilder davon, was das Gedicht denn sein könnte. Ein Gefüge aus schwarzen Insekten, aber auch eine Art von Gefäss, das die Dinge – Beobachtungen, Erinnertes, Gedanken – auffängt und bewahrt. Zugleich soll das Gedicht ein «Zitterspiegel» sein, der die Phänomene nicht nur aufnimmt und zeigt, sondern eine neue Ordnung für sie findet. In einem schön gemachten Band kann man Thomsens jüngsten Gedichten nun nachtasten.

(…) Es sind mathematische und klangliche Muster, die das «alfabet» im Innersten zusammenhalten. Die Fibonacci-Folge etwa, in der jede Zahl die Summe der beiden vorangegangenen Zahlen darstellt (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 usw.). Eine Folge, die sich auch in der Natur finden lässt, etwa in der Art, wie einige Pflanzen ihre Blätter und Früchte anordnen. Christensen richtet nach dieser Folge die Länge aller Strophen und Kapitel ihres Gedichts aus, noch in den kleinsten Abschnitt hinein. Dazu kommen die sprachliche Grundformel «es gibt» («findes» im Dänischen) und die Buchstabenfolge des Alphabets. Aber auch Figuren der Wiederholung und bestimmte Satzformen, die ein ums andere Mal variiert werden, bis aus dem berühmten Anfangsvers «die aprikosenbäume gibt es, die aprikosenbäume gibt es» ein Geflecht von über 1300 Versen geworden ist. Und es wäre noch viel länger geworden, hätte Christensen die Reihe nicht mitten im Buchstaben «n» abgebrochen. / Nico Bleutge, Neue Zürcher Zeitung

Inger Christensen: alfabet/alphabet. Aus dem Dänischen von Hanns Grössel. Mit Radierungen von Per Kirkeby. Kleinheinrich-Verlag, Münster 2016. 181 S., Fr. 49.90. Søren Ulrik Thomsen: Rystet spejl/Zitterspiegel. Gedichte. Aus dem Dänischen von Klaus-Jürgen Liedtke. Ebenda, 100 S., Fr. 37.–.

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Zettelgedichte
Der „Zetteldichter“ Helmut Seethaler war hier. Oder zumindest seine Gedichte auf Zetteln und in einem hochroth-Band (siehe unter Bücherbord)
Pflück Gedichte

Gedichte zum Abreißen, „Afriet-Riemsel“, in Mundart auch in Münster-Mecklenbeck

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Straßenpoesie
Beschrifttete Bank in Leipzig

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Messenachlese
Die Glashalle summt
Lesungen in der Lyrikbuchhandlung
Paul-Henri Campbell
Hendrik Jackson
Cristian Forte
Nancy Hünger
Zlata Kozakova
Sascha Kokot
Ron Winkler
Teil der Bewegung: Michael Fehr…
und Birgit Kreipe

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Kladde

Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.

Sabine Scho und mir wäre es halt grundsätzlich lieber, eine nutte schaute sich mal die schlimmen zustände an deutschen universitäten an und schriebe drüber, als dass sich eine autorin die schlimmen zustände der prostitution anschaut und drüber schreibt. zum bleistift.

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Ricardo Domeneck Why don´t Germans celebrate Unica Zürn (1916 – 1970) more? Am I tilted in my Sprachraum or this is really spannend stuff? Since we are at it: anyone else out there also thinks Hans Arp is an amazing poet and should be read more? —- Unica Zürn, „Hotel de L´Esperance, Zimmer zweiundvierzig“, from the Anagramme.

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Ganz neue Herbste

Die Toten interessieren sich nicht für uns? Werch ein Illtum! L&Poe proudly presents: Helmut Heißenbüttel als L&Poe-Beiträger!

Leider sei er kein guter Beobachter, sagt Norbert Hummelt im ersten Teilsatz eines Textes, in dem er die Mauersegler vor seinem Küchenfenster beobachtet. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

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Gestorben
  • Am 28. März: Enn Vetemaa, estnischer Autor (80)
  • Am 23. März: Mirella Bentivoglio, italienische Dichterin, Bildhauerin, Performancekünstlerin und Kuratorin (95)
  • Am 22. März: Alexandr Kliment, tschechischer Schriftsteller, Unterzeichner der Charta 77 (88)

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Neue Zeitschriften
  • Neue Rundschau. 127.Jahrgang, Heft 4 / 2016. 15 Euro, 312 Seiten. – Die Vermittlung experimenteller Texte an einem allgemein zugänglichen Ort der Wahrnehmung in Mehrtausender-Auflage. Ein fast unglaublicher Glücksfall der Literaturgeschichte – wo wäre so etwas heutzutage möglich, ja nur denkbar? – In Deutschland muß es richtige Literatur sein. Es müssen richtige Romane sein – von Fall zu Fall darf auch mal wohldosiert richtige Lyrik daruntergeschmuggelt werden. Keine lyrics wie bei Dylan, keine Reportagen wie bei Alexijewitsch. – Gedichte von Ames, Vuong, McKendrick, Książek. Essays von John Berger, Stephan Wackwitz, Karl Ove Knausgård u.v.a. Hier gehts zur Besprechung
  • Times Literary Supplement 17.3. 2017 – Swiftjahr. In keinem anderen englischsprachigen Land wird ein Schriftsteller auf höchster politischer Ebene offiziell gefeiert, von politischen Führern, die allem Anschein nach sein Werk gelesen haben. – Ein minimalistisches Kleinod unter seinen Neologismen ist der Imperativ „ie!“, das bedeutet „sei ein Veilchen“ (abgeleitet von „ia“, Veilchen).  Rustaweli war ein Meister der Klangmalerei, der die Möglichkeiten des mittelalterlichen Georgisch zu nutzen verstand. Dazu gehört die Neigung zu Konsonantenhaufen wie in „ktsevita vepxebr mk’rchxalita“ („sich bewegend wie ein scharfkralliger Panther“). Hier zur Besprechung

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Kurz gesagt
  • Aslı Erdoğan durfte nicht zur Buchmesse reisen – und war ihr gefühltes Zentrum / Susanne Mayer, Die Zeit 14, S. 45
  • „Wäre bloss Herr F. mein Unglück, das wäre zu ertragen“, schreibt Bachmann. Die Herr-F.-Katastrophe sei aber „bloss die Stellvertretung für die Mentalität, die ich verabscheue, an der ich nicht zugrundegehen möchte, so nicht, obwohl ich meistens denke, ich bin schon tot“. / Die Zeit
  • Suchen Sie nach einer goldenen Regel für jedermann, dann lautet sie: Haben Sie nichts in Ihrem Haus, was nicht nützlich oder schön ist. / William Morris, in: Neue Rundschau 4/2016, S. 71
  • Out of the ash I rise / With my red hair / And I eat men like air
    ‚Lady Lazarus‘, Sylvia Plath

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Kurz berichtet
  • Für ihren ersten Lyrikband „halb taube halb pfau“ erhält Maren Kames den Düsseldorfer PoesieDebütPreis 2017. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 1. Oktober im Rahmen des Düsseldorfer Poesiefestes überreicht. / Börsenblatt
  • Die Friedenauer Presse wird doch weitergeführt: Bereits im Frühjahr 2018 wird das nächste Programm mit neuen Titeln sowie Neuauflagen von vergriffenen Büchern der Backlist erscheinen. Nachdem Katharina Wagenbach-Wolff letztes Jahr beschloss, sich nach fast 34 Jahren aus der Verlagstätigkeit zurückzuziehen, stand der einzigartige Verlag vor der Schließung. Nun hat sich überraschend eine Möglichkeit zu seiner Weiterführung unter dem Dach von Matthes & Seitz Berlin gefunden: Andreas Rötzer, Verleger von Matthes & Seitz Berlin, und Friederike Jacob, Slawistin und zuletzt Verlagssprecherin (Kein & Aber), werden die Arbeit der Friedenauer Presse fortsetzen / buchmarkt.de
  • Der Reiner-Kunze-Preis 2017 geht in die Ukraine an Petro Rychlo. Das hat ein Preiskomitee entschieden. Verliehen wird die mit 4000 Euro dotierte Auszeichnung am 9. Mai in Oelsnitz / Freie Presse
  • Barbara Hundegger, Erika Wimmer Mazohl , Christoph W. Bauer, Roberta Dapunt, Josef Oberhollenzer und Joseph Zoderer traten auf einer Veranstaltung zu Ehren von Norbert C. Kaser in Bruneck (Südtirol) auf / salto.bz
  • Die Einreichfrist für den Lyrikpreis München 2017 ist Donnerstag, 31. August 2017 http://www.lyrikpreis-muenchen.de/
  • Writer, performance poet and YouTube star Hollie McNish has won 2016’s £5,000 Ted Hughes Award for New Work in Poetry for her collection, a poetic memoir about becoming a parent, Nobody Told Me (Blackfriars, an imprint of Little, Brown). / The Bookseller
  • Andrée Lacelle and Jamaal Jackson Rogers are the City of Ottawa’s first poets laureate in nearly 30 years. / Ottawa Citizen
  • Der haitianische Dichter Joël Des Rosiers erhielt am 25. März im Salon du Livre in Paris den Prix Fetkann 2016 für den Band « Chaux », erschienen 2016 bei éditions Tryptique. / loop haiti
  • Warum haben so viele Poeten Angst davor, über Mutterschaft zu schreiben? fragt der Telegraph

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Lyrikkalender

Noch bis 31. März findet das Festival: Berlin statt.

Bis zum 2. April findet das Poesiefestival Guadelupe statt – zum 7. Mal Mehr

April ist in den USA und in Kanada National Poetry Month. („April is the cruellest month“, Eliot)

Am 1. April 1899 erscheint in Wien die erste Nummer der Zeitschrift Die Fackel von Karl Kraus. „Mein Sündenregister wäre unvollständig, vergäße ich die Erwähnung des Kampfes, den ich in mehreren periodisch erscheinenden Druckschriften seit einer Reihe von Jahren gegen die periodisch erscheinenden Dummheiten und Lächerlichkeiten unseres politischen, gesellschaftlichen und literarischen Lebens geführt habe.“

2. April International Children’s Book Day (Geburtstag von Hans Christian Andersen)

Am 3. April (dem Geburtstag Peter Huchels) erhält Orsolya Kalász in Staufen den Peter-Huchel-Preis 2017. – 1940 Beginn des Massakers von Katyn, bei dem tausende polnische Offiziere und Intellektuelle hingerichtet und im Walde von Katyn verscharrt werden.

Am 4. April 1799 vereinbaren Suzette Gontard und Hölderlin eine geheime Art, Briefe persönlich auszutauschen – immer am 1. Donnerstag eines Monats, bei schönem Wetter; sonst jeweils den nächsten geeigneten Donnerstag. An diesem Tag treffen sie sich bereits am vereinbarten Ort. – 1854 Uraufführung von Faust 2. Teil in Hamburg. – 1896 Erste Ausgabe der Satirezeitschrift Simplicissimus. – 1968 Ermordung von Martin Luther King Jr. in Memphis, Tennessee.

Am 5. April 1794 Hinrichtung von Danton und Desmoulins

Am 6. April 1327 sieht der italienische Dichter Francesco Petrarca in Avignon seine Laura zum ersten Mal. Am 6. April 1348, 21 Jahre später, stirbt sie. Nach der Komposition seines Canzonierefand beides an einem Karfreitag statt, was rein astronomisch nicht zutrifft). Nach den Lehren der Kirchenväter ist der 6. April ein symbolisches Datum: am 6. April ist Adam erschaffen, am gleichen Datum fand die Erbsünde statt und ist Christus gestorben. Am 6. April 1341 kommt Petrarca nach 49 Reisetagen in Rom an, wo ihm die Lorbeerkrone überreicht wird. Es gibt noch weitere Lebensereignisse an einem 6. April (so 1357: da pflanzt er 6 Lorbeerbäume).

6.-9. April Austin International Poetry Festival 2017

Am 7. April 378 v. Chr.: Mondfinsternis wird von babylonischen Astronomen protokolliert. – 1724: Die Johannespassion von Johann Sebastian Bach wird am Karfreitag (siehe gestern) in Leipzig erstmals aufgeführt.

Geburtstag haben am 1. April 1647: John Wilmot, 2. Earl of Rochester, englischer Dichter, 1730: Salomon Geßner, Schweizer Idyllendichter, Maler und Grafiker, Erfinder des Prosagedichts, 1777: Michel Théodore Leclercq, französischer Dichter, 1812: Friedrich Güll, deutscher Dichter, 1837: Jorge Isaacs, kolumbianischer Schriftsteller, 1851: Kristofer Randers, norwegischer Schriftsteller, 1868: Edmond Rostand, französischer Schriftsteller, 1878: Carl Sternheim, deutscher Schriftsteller, 1881: Octavian Goga, rumänischer Dichter, 1905: Paul Hasluck, australischer Dichter, Gouverneur, 1929: Milan Kundera, tschechischer Schriftsteller, 1931: Rolf Hochhuth, deutscher Schriftsteller, 1948: Urs Allemann, Schweizer Schriftsteller, 1966: Mesut Hastürk, türkischer Dichter; am 2. April 748: Karl der Große, König und Kaiser, 1628: Constantin Christian Dedekind, deutscher Komponist und Dichter, 1719: Johann Wilhelm Ludwig Gleim, deutscher Schriftsteller, 1788: Francisco Balagtas, philippinischer Dichter, 1798: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, deutscher Lyriker, 1805: Hans Christian Andersen, dänischer Schriftsteller, 1806: Friedrich Halm, österreichischer Dichter, 1840: Émile Zola, französischer Schriftsteller, 1884: J. C. Squire, englischer Schriftsteller, 1898: Harindranath Chattopadhyay, indischer Dichter, 1927: Margret Hölle, deutsche Schriftstellerin, 1928: Serge Gainsbourg, französischer Chanson-Dichter und -Sänger, 1929: Ed Dorn, amerikanischer Lyriker, 1945: Anne Waldman, amerikanische Lyrikerin, 1946: Brigitte Struzyk, deutsche Schriftstellerin; am 3. April 1593: George Herbert, englischer Dichter, 1604: Bodo von Hodenberg, deutscher Dichter, Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft als der Gehärtete, 1834: Friedrich Emil Rittershaus, deutscher Dichter, 1880: Otto Weininger, österreichischer Philosoph, 1903: Peter Huchel, deutscher Lyriker, 1923: Daniel Hoffman, amerikanischer Lyriker; am 4. April 1515: Ambrosius Lobwasser, deutscher Dichter, Psalemübersetzer, 1661: Uejima Onitsura, japanischer Dichter, 1785: Bettina von Arnim, deutsche Schriftstellerin, 1818: Thomas Mayne Reid, irischamerikanischer Dichter, 1829: Owen Suffolk, australischer Dichter, 1846: Lautréamont (Isidore Ducasse), französischer Schriftsteller, geboren in Uruguay, 1853: Remy de Gourmont, französischer Schriftsteller, 1858: Albert Samain, französischer Lyriker, 1876: Maurice de Vlaminck, französischer Maler und Schriftsteller, 1881: Marie Madeleine (von Puttkamer), deutsche Schriftstellerin, 1889: Makhanlal Chaturvedi, indischer Dichter (Hindi), 1891: Richard Euringer, deutscher Schriftsteller, fanatischer Nazianhänger, 1892: Edith Södergran, schwedische Schriftstellerin, 1902: Stanley G. Weinbaum, amerikanischer Schriftsteller, 1925: Emmett Williams, amerikanischer Schriftsteller, 1928: Maya Angelou, amerikanische Schriftstellerin, 1949: Wolfgang Windhausen, deutscher Lyriker; am 5. April 1578: Tobias Hübner, deutscher Dichter, 1608: Zacharias Lund deutscher Dichter, 1701: Jonathan Krause, deutscher Kirchenlieddichter, 1835: Vítězslav Hálek, tschechischer Dichter, 1837: Algernon Charles Swinburne, britischer Schriftsteller, 1853: Lily Alice Lefevre, kanadische Lyrikerin, 1904: Richard Eberhart, amerikanischer Schriftsteller, 1910: Chaim Grade, jiddischer Dichter aus Vilnius (damals Rußland),  1929: Hugo Claus,  belgischer Schriftsteller, 1932: Bora Ćosić, serbischer Schriftsteller, 1960: Asteris Kutulas, griechischstämmiger Übersetzer, Herausgeber und Musikproduzent, kam 1968 in die DDR; am 6. April 1503: Jakob Micyllus, deutscher Dichter, 1671: Jean-Baptiste Rousseau, französischer Schriftsteller(weder identisch noch verwandt mit Jean-Jacques R.), 1818: Aasmund Olavsson Vinje, norwegischer Dichter, 1861: Stanislas de Guaita, französischer Dichter, 1869: Levon Schant, armenischer Schriftsteller, 1878: Erich Mühsam, deutscher Schriftsteller, 1888: Dan Andersson, schwedischer Arbeiterdichter, 1902: Julien Torma, französischer Schriftsteller, 1932: Günter Herburger, deutscher Schriftsteller, 1935: John Pepper Clark, nigerianischer Schriftsteller, 1940: Homero Aridjis, mexikanischer Schriftsteller, 1942: Kabir Stori, afghanischer, paschtunischer Dichter, 1948: Friederike Roth, deutsche Schriftstellerin; 1979 Uljana Wolf, deutsche Lyrikerin; am 7. April 1770: William Wordsworth, englischer Dichter, 1808: František Matouš Klácel, tschechischer Dichter, 1827: Christian Friedrich Röder, erzgebirgischer Mundartdichter, 1840: Angelo De Gubernatis, italienischer Dichter, 1847: Jens Peter Jacobsen, dänischer Schriftsteller, 1870: Gustav Landauer, deutscher Anarchist und Übersetzer (Shakespeare, Whitman, Wilde, Kropotkin), 1889: Gabriela Mistral, chilenische Dichterin (Nobelpreis 1945), 1899: Joaquim Rubió i Ors, genannt Lo Gayter del Llobregat [der Dudelsackpfeifer vom Llobregat], katalanischer Schriftsteller, führende Figur der katalanischen Renaixença, der Wiederbelebung des Katalanischen als literarischer Sprache, 1904: Hilde Rubinstein, deutsche Malerin und Schriftstellerin, 1911: Hervé Bazin, französischer Schriftsteller, 1946: Herménégilde Chiasson,  kanadischer Dichter akadischer Herkunft, 1982 Gerrit Wustmann, deutscher Lyriker und Übersetzer

Todestage am 1. April 1651: Johann von Hessen-Braubach, Landgraf, Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, 1680: David Denicke, deutscher Jurist und Kirchenlieddichter, 1732: Johann Burckhardt Mencke, deutscher Gelehrter, Verleger und Historiker, als Philander von der Linde Vorsteher der Teutschübenden poetischen Gesellschaft zu Leipzig, 1911: Martin Greif, deutscher Dichter, 2005: Thomas Kling, deutscher Lyriker, 2017 Jewgeni Jewtuschenko, russischer Dichter; am 2. April 1640: Paul Fleming, deutscher Dichter, 1640: Maciej Kazimierz Sarbiewski, polnischer Dichter, 1887: Friedrich Wilhelm Grimme, deutscher Heimatdichter, 1914: Paul Heyse, deutscher Schriftsteller, Nobelpreisträger, 1948: Sabahattin Ali, türkischer Schriftsteller, 1956: Takamura Kōtarō, japanischer Lyriker; am 3. April 1769: Gerhard Tersteegen, deutscher Kirchenlieddichter, 1813: Friederike Brion („Erwache, Friederike / Vertreib die Nacht“), 1825: Otto von Loeben, deutscher Dichter, 1849: Juliusz Słowacki, polnischer Dichter, 1915: Itzhok Lejb Perez, polnischer jiddischsprachiger Schriftsteller, schrieb auch Polnisch und Hebräisch, 1948: Jakob Haringer, deutscher Schriftsteller, 1958: Theodor Kramer, österreichischer Lyriker, 1958: Jaan Kärner, estnischer Schriftsteller, 2016: Lars Gustafsson, schwedischer Schriftsteller; am 4. April 397: Ambrosius von Mailand, Kirchenvater, Hymnendichter, 636: Isidor von Sevilla,  spanischer Kirchenvater, schrieb die erste Enzyklopädie, Schutzpatron des Internet, 968: Abu Firas al-Hamdani, arabischer Dichter, 1423: Hugo von Montfort, österreichischer Dichter, 1669: Johann Michael Moscherosch, deutscher Schriftsteller, 1774: Oliver Goldsmith, irischer Schriftsteller, 1878: Wolf Heinrich Graf von Baudissin, deutscher Schriftsteller und Übersetzer, 1987: Chögyam Trungpa, tibetischer Guru und Dichter, 2006: Kabir Stori, afghanischer (paschtunischer) Dichter, 2015: Klaus Rifbjerg, dänischer Schriftsteller; am 5. April 1221: Asukai Masatsune, japanischer Waka-Dichter, 1687: Josua Arnd, deutscher Kirchenlieddichter, 1693: Christian Scriver, deutscher Kirchenlieddichter, 1765: Edward Young, englischer Dichter, 1794: Fabre d’Églantine, französischer Dichter, 1817: Samuel Christian Pape, deutscher Schriftsteller, 1864: Alaric Alexander Watts, englischer Dichter, 1883: Louis Friedrich Daniel von Arentsschildt, deutscher Lyriker, 1894: Friedrich Wilhelm Weber, deutscher Schriftsteller, 1941: Elsa Asenijeff, österreichische Schriftstellerin, 1964: Miyoshi Tatsuji, japanischer Lyriker, 1997: Allen Ginsberg, amerikanischer Dichter; am 6. April 912: Notker I. (Notker der Stammler oder Notker der Dichter), Schweizer Dichter und Gelehrter, 1838: José Bonifácio de Andrada, brasilianischer Schriftsteller, 1838: Friedrich Lennig, deutscher Dialektdichter (Mainzer/ Rheinhessisch), 1884: Emanuel Geibel, deutscher Lyriker, 1912: Giovanni Pascoli, italienischer Dichter, 1927: Florence Earle Coates, amerikanische Lyrikerin, 1935: Edwin Arlington Robinson, amerikanischer Dichter, 1944: Isolde Kurz, deutsche Schriftstellerin, 1953: Idris Davies, walisischer Lyriker (Walisisch und Englisch) 1958: Vítězslav Nezval, tschechischer Dichter, 1958: Reinhold Schneider, deutscher Schriftsteller, 1997: Stephan Hermlin, deutscher Dichter, 1997: Jesús López Pacheco, spanischer Schriftsteller, 2012: Heinz Kahlau, deutscher Lyriker, 2012: Reed Whittemore, amerikanischer Lyriker; am 7. April 1614: El Greco, 1668: William Davenant, englischer Dichter, 1842: Henrik Anker Bjerregaard, norwegischer Dichter, 1850: William Lisle Bowles, englischer Dichter, 1875: Georg Herwegh, deutscher Dichter, 1943: Jovan Dučić, bosnisch-serbischer Dichter

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Bücherbord

Neu im L&Poe-Regal:

  • Ann Cotten: Jikiketsygaki. Tsurezuregusa. Ostheim/Rhön: Peter Engstler, 2017
  • Steffen Popp: 118. Gedichte. Berlin: kookbooks, 2017
  • Cia Rinne: L’Usage du Mot. Notes for Soloists. Zaroum. Gedichte. Berlin: Kookbooks, 2017
  • Rozalie Hirs: Gestammelte Werke. Berlin: Kookbooks, 2017 (Reihe Lyrik 39) Englische und Niederländische Originaltexte. Mit Übersetzungen ins Albanische, Chinesische, Deutsche, Englische, Französische, Kroatische, Litauische, Russische, Schwedische, Serbische und Spanische.
  • Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik. Hrsg. Lea Schneider. Ill. Yimeng Wu. Berlin: Verlagshaus Berlin, 2016
  • Yan Jun: internationaler tag der reparatur. übers. von Lea Schneider. Berlin: hochroth, 2016
  • Tzveta Sofronieva: selected affordable studio apartments. Übertr. ins Französische von Jean Portante. Berlin: hochroth, 2015
  • Peter von Matt: Was ist ein Gedicht? Stuttgart: Reclam, 2017
  • Tone Avenstroup: Silene. fünf serien und vier vereinzelte. fem serier og fire løse. Ostheim/Rhön: Peter Engstler, 2016
  • Marion Poschmann: Du ungeseh’ner Blitz. Zur Dichtung Catharina Regina von Greiffenbergs. Heidelberg: Wunderhorn, 2017 (Zwiesprachen)
  • Katharina Schultens: So oder so, an der Naht entlang. Zu Marina Zwetajewa. Heidelberg: Wunderhorn, 2016 (Zwiesprachen)
  • Uljana Wolf: Wandernde Errands. Theresa Hak Kyung Chas translinguale Sendungen. Heidelberg: Wunderhorn, 2016 (Zwiesprachen)
  • Steffen Popp: Panzere diesen Äquator, Mond. Zur Poesie César Vallejos. Heidelberg: Wunderhorn, 2016 (Zwiesprachen)
  • Marcel Beyer: Muskatblut, Muskatblüt. Mit rstübersetzungen von Tristan Marquardt. Heidelberg: Wunderhorn, 2016 (Zwiesprachen)
  • Helmut Seethaler: Texte für Denkende + gegen das Denk-Ende. Wien: hochroth 2017 (2. Aufl.)
  • Anthologia Graeca. Griech.-Dt. Ed. Hermann Beckby. 4 Bd. (Tusculum). München: Ernst Heimeran, 1957
  • Max Hölzer: Gesicht ohne Gesicht. Frankfurt/Main: S. Fischer, 1968. M. Widm. „für Elisabeth“
  • Raymond Queneau & Collectif: Oulipo. In Temps mêlés N°66-67, Verviers 1964. Contributions de Jean Lescure, Jacques Duchâteau, Raymond Queneau, André Blavier… (Mit Anstreichungen Helmlé)

  • Ernst Toller: Gedichte der Gefangen. Ein Sonettenkreis. 2. Aufl. 4.-6. Tsd. München: Kurt Wolff, 1923 (Der jüngste Tag 84)
  • Max Herrmann: Empörung Andacht Ewigkeit. Leipzig: Kurt Wolff o.J. [1918] (Der jüngste Tag 49)
  • Francis Jammes: Die Gebete der Demut. Übertragen von Ernst Stadler. Leipzig: Kurt Wolff, 1917 (Der jüngste Tag 9) 2., verm. Aufl.
  • Hermann Kasack: Aus dem chinesischen Bilderbuch. Zeichnungen von Caspar Neher. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1955
  • Gesang der Liebe zum Leben. Tschechische Lyrik der Gegenwart. Hrsg. Manbfred Jähnichen. Prag: Artia, 1983
  • Max Pieper: Die Ägyptische Literatur. Bruno Meissner: Die Babylonisch-assyrische Literatur. Wildpark-Potsdam: Akadem. Verlagsgesellschaft Athenaion, 1928

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Bienenspäßchen

„Bienenspäßchen“ ist ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat (Polymetrie). Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich kommentiere es Zeile für Zeile – die ersten 17 stehn bereit, hier Vers 18. Etwas für Todesmutige Neugierige.

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Zum Schluß Hansjürgen Bulkowskis Poetopie

trau dich, dem was du weißt, auch zu trauen

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Bienenspäßchen 18

„Bienenspäßchen“ bezieht sich auf ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat*. Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich benutze es hier für den Spaß, Zeile für Zeile ein Häppchen europäischer Dichtung zu präsentieren, zugleich ein Crashkurs** in klassischer Metrik.

Heinsius war bekanntlich ein Geburtshelfer des deutschen Barock, den auch Sibylla Schwarz las und teilweise übersetzte. Holland war Avantgarde – nicht nur aber auch in der Poesie. Opitz und auch seine Greifswalder Schülerin suchten da Anschluß (allerdings in den niederländischen Dichtungen von Daniel Heinsius und Jacob Cats).

Wer den Text und meine Kommentare zu  Zeilen 1-17 nachlesen mag, findet alles hier.

*) Polymetrie
**) Wohlgemerkt: Crashkurs, den ich (öffentlich) nehme, nicht gebe!

Vers 18:

copia mellis

Deutsch:

Menge des Honigs

Heute ist es einfach: Adoneus. Das berühmt-berüchtigte TAM-da-da-DI-da (wie es in rhythmisch weniger ausgebildeten Sprachen wie dem neueren Deutschen nun mal klingt); Schlußvers der sapphischen Ode: Tönen die Ohren (Sappho/ Weiße); Sappho, beleidigt? (Sappho/ Herder); Bundesgenossin (Sappho/ A.W. Schlegel); Weinende Weide (Klopstock); ob ich ein Ohr hab / in dich zurücksteigt / rosige Brüller (Urs Allemann)

Bisheriger Gesamttext

Mellificae volucres,
quae per purpureas rosas
violas amaracumque
tepidique dona veris
legitis suave nectar,
tenerae cives
et seduli coloni
et incolae beati
hortorum redulentium;
gens divino
ebria rore –
agite, o meae volucres, age, gens vaga nemorum,
agite, hinc abite cunctae,
et tumulum magni cingite Lipsiadae.
illic domum laresque
vobis figite, figite.

illic vestri

Deutsch von Harry C. Schnur:

Honigerzeuger im Flug,
die aus Rosen ihr, dunkelrot,
die aus Majoran und Veilchen
und des lauen Frühlings Gaben
sammelt ein den süßen Nektar –
ihr bewohnt, Kleinchen,
und ihr bewerket fleißig
und ihr besiedelt glücklich
Gärten, welche von Düften schwer.
Volk, von Götter-
taue berauschtes,
mach dich auf, geflügelter Schwarm, der du schweifest im Wald, auf, auf,
machet fort von hier euch alle,
und, wo ein Großer jetzt ruht, Lipsius‘ Hügel umgebt!
Dort sollet Haus und Hof ihr
euch erbauen, erbauen jetzt;

dort soll reiche

Neue Rundschau 4/2016

Zeitschriftenlese von Michael Gratz

Die Neue Rundschau hatte ich aus den Augen verloren. Ein großer Fehler. Die älteste (?) unserer Literaturzeitschriften (begründet 1890 – 127. Jahrgang 2016) ist kein traditionspflegender Oldtimer. Das vorliegende Heft hat die Schlagzeile „Die schreckliche Schönheit im Innern der Menschen“, deren erste Hälfte von einem Essay von Karl Ove Knausgård „Die schreckliche Schönhit der Hirnchirurgie“ stammt. Knausgård hatte 2015 die Gelegenheit, Operationen am offenen Gehirn wacher Patienten mitzuerleben. A.S. Byatt schreibt über den einzigen zeitgenössischen Künstler, der in Prousts Suche nach der verlorenen Zeit erwähnt wird und spürt Parallelen zwischen ihm und William Morris auf.

Zeitreise zur Steinzeitkunst

Ein Essay von John Berger besichtigt eine aufgegebene U-Bahn-Strecke zwischen Holborn, wo das British Museum liegt, und Aldwych. Genau an dem Tag, als in einer Schlucht in Frankreich eine Höhle mit den ältesten Bildern der Menschheit entdeckt wurde, stellte man den Shuttle-Service zwischen Holborn und Aldwych ein. Während der deutschen Bombardierung Londons wurden die Exponate des Museums im U-Bahn-Tunnel gelagert. Gelegenheit für eine vertikale Zeitreise. Korsischer Gesang, älter als das Christentum, ertönt. Dann Ägypten zu der Zeit, als die Evangelien des Neuen Testaments niedergeschrieben wurden. Noch weiter zurück, 1000 v. Ch., dieses Liebesgedicht:

Oh, mein Geliebter
Wie süß
Zu kommen
Und im Teich vor deinen Augen
Zu baden
Dir mein nasses Leinengewand
Zu zeigen
Wie es sich an meinen Leib
Schmiegt, sich mit ihm vermählt
Komm, schau!

Die Steinzeitmaler und, weiter zurück, ein Fossil aus der Zeit, als Europa und Nordamerika auseinanderbrachen, vor vielleicht 450 Millionen Jahren. Die einfachen Menhire, mit Feuerstein bearbeitet. Dann die Menhir-Statuen, immer noch keine erkennbaren Züge, nur im Rücken eine flache Einkerbung, die eine Wirbelsäule bedeuten könnte. „Es ging um die Frage, ob man einen aufrechten Stein sich wie einen Menschen bücken lassen konnte.“

Schließlich die Gruppe der Statuen, eine hat Schulterblätter, eine andere Augenhöhlen, eine ein Kinn. Und so immer weiter. Am 18. Dezember 1994 wurden in einer Höhle in der Schlucht der Ardèche diese Bilder entdeckt, Mammut, Bär, Löwe, Rhinozeros. Und alles unglaublich frisch.

„Wir sind nicht im Irrtum, wenn wir uns vorstellen, dass Gott hier gewesen sei…“ Zu Beginn des 13. Jahrhunderts schrieb Meister Eckhart diesen Satz. Später wurde er vom Papst der Ketzerei bezichtigt.

Moby Dick

Dann ein Abschnitt Moby Dick, 40 Seiten. Seit 2006 trifft sich ein Gruppe von Kulturwissenschaftlern jährlich mit dem Ziel, jedes der 135 Kapitel mit einem „historisch-spekulativen“ Kommentar zu versehen. Die Neue Rundschau dokumentiert dieses Projekt „mit langem Atem“ und publiziert in jeder Ausgabe 3 oder 4 Kapitelkommentare.

Lyrikradar

Der Abschnitt Lyrikradar bringt ausführliche Proben von Ocean Vuong (USA), Jamie McKendrick (UK), Michał Książek (Polen) und Konstantin Ames. Zwei Zitate:

Schatz, wir haben es geschafft.
                                Wir fahren in der schwarzen Limousine.
Man steht in Reihe an der Straße
                                                  & ruft unsere Namen.
Man vertraut auf unser goldenes Haar
                                       & den makellosen grauen Aufzug.
Man hat einen guten Bürger
                                           an mir. Ich lieb mein Land.
Ich tue so, als läge nichts im Argen.

(Ocean Vuong)

Mein Rabe, Rabelais, wie soll er sonst auch heißen,
Wichtigtuer aus Seoul? Mein Rabe schreit und flieht meinen

Kopf, schwimmt der Hai auf mich zu
denke: Du doch nicht! Doch Hais Zunge hört nicht

hat/te keine Zunge, sondern Atombunker unter Grundschulen
Deutschlandkarten Hai zeigt/e die rote Linie entlang, als hätte

_r selbst sie zerbissen. Der Roten
Schandmauer, lächelnd säen wir Schüler sie

Verschwinden à la carte. Jadis ... Charlie ... Maciste. 16° C
Hunnisches schlafzt immer.

Müsste sonst mit gellenden Hosen das Bild gen Bildende Kunst

Verlassen. Die Affinität zum Anarchismus ist wie diejenige zur
Freakshow abhängig vom Voyeurismus der Darsteller (innen).

(Konstantin Ames)
Transit

Auf zwei wichtige Essays muß der Besprecher noch eingehen. Franz Mon schreibt über Walter Höllerers Anthologie Transit. Lyrikbuch der Jahrhundertmitte (1956). In den 90er Jahren glaubte Robert Gernhardt die Anthologie mit ein paar ironischen Bemerkungen abtun zu können. Mon stellt sie neben Menschheitsdämmerung, die lyrische Bilanz nach der vorhergegangenen Katastrophe. Mit guten Gründen. Mon lernte Höllerer bei Doktorandenseminaren in Frankfurt kennen. Sie „bemerkten alsbald, dass (ihre) literarischen Tentakel abseits und jenseits der wissenschaftlichen Rahmensetzung ins Ungeklärte, Unvermutete tasteten“. Bald trafen sie sich regelmäßig in seinem Arbeitszimmer in der Arndtstraße. Das ist alles andere als selbstverständlich, zu divergent sind ihre jeweiligen poetologischen Vorstellungen. „Höllerer bevorzugte einen formalen Parabelbegriff, den er textkonstruktiv als eine parabolische Wörter- und Satzbewegung verstand, deren Verlauf nicht vorhersehbare, unerwartete Einsichten ermöglichte, jenseits der belehrenden Parabelgattung. – Meine Textarbeit dagegen bezog sich vor dem Hintergrund surrealer Schreibverfahren auf Augenblicksformulierungen und einen sprachkomplexen Materialbegriff, der semantische, artikulatorische und skripturale Parameter umfasste. Was uns an Formulierungen gelang, wurde notiert. (…) Am Horizont sahen wir die Publikation einer neuen Poetik.“

Höllerer veröffentlichte 1952 seinen ersten Gedichtband. 1953 schlägt er dem Hanserverlag vor, eine Zeitschrift als Forum „einer aufstrebenden, jungen deutschen Literatur, die sich endlich aus dem Trümmerjammer befreit“, zu gründen. 1954 erscheint das erste Heft der Akzente. Gleichzeitig empfindet er die Notwendigkeit einer „Btandsaufnahme udn Dokument des modernen deutschen Gedichts nach dem Expressionismus, dem Dadaismus und dem Surrealismus, ohne dabei wichtige Versuchsreihen und Gruppen zu vernachlässigen oder auszuklammern“. Er kann Peter Suhrkamp überreden, ein Jahr später erscheint die Anthologie. Mon, der bei Karl Otto Götz die internationale Kunstszene und die „neusurrealen und informellen Tendenzen“ der französischen und deutschen Literatur kennengelernt hatte, bringt Johannes Hübner, Lothar Klünner, Max Hölzer, Klaus Demus, Rainer M. Gerhardt, Klaus Bremer, Anneliese Hager, Katja Hayek, Britta Titel und andere in den Fundus ein sowie die „Außenseiter“ Kandinsky, Schwitters und Klee, die er durch die 1946 in der Schweiz erschienene Anthologie der Abseitigen als Autoren kennengelernt hatte. Zusammen mit Höllerers Kenntnissen und Kontakten ergab sich ein außergewöhnlich umfassender Querschnitt durch die Mitte der 50er Jahre aktiven Autoren, bei dem eigentlich nur die DDR-Autoren wie Arendt, Bobrowski und Hermlin sowie die Wiener Rühm, Jandl, Mayröcker fehlten – die hatten beide noch nicht auf dem Schirm. Eine breite Bestandsaufnahme von 118 Autoren, zugleich für Mon „überhaupt die erste Gelegenheit, seine Textkonzeption substantiell darzustellen, nicht nur durch die Publikation seiner Gedichte, sondern auch durch die Vermittlung experimenteller Texte verwandter Autoren an einem allgemein zugänglichen Ort der Wahrnehmung“. Ein fast unglaublicher Glücksfall der Literaturgeschichte – wo wäre so etwas heutzutage möglich, ja nur denkbar?

Es folgte das Projekt eines Jahrbuchs, das movens heißen und der poetologischen Verständigung dienen sollte. Höllerer hatte inzwischen die Autoren der amerikanischen Beat-Generation für sich entdeckt und bezog sie in seine Konzeption ein. In seinem Text Movens und Parabel figurieren Robert Creeley und Gregory Corso ebenso wie Robert Musil, Wolfgang Maier, Günter Grass und Hans Arp. Movens erschien 1960. „Wie die Umstände lagen, blieb es bei diesem einen ‚Jahrbuch'“. Die Normalisierung hatte zu greifen begonnen.

„Das ist keine Literatur!“

Noch viel mehr steht in dem Heft, aber auf einen Essay muß ich noch eingehen. Stephan Wackwitz fragt: Gibt es nichtfiktionale Literatur? Die harmlose Frage sei nur scheinbar akademisch, betont er zu Recht. Geht es doch um nichts weniger als „zentrale diskurs- und wirtschaftspolitische Grundentscheidungen der etablierten literarischen Kulturindustrie“. Daß es „ums Eingemachte geht“, konnte Beobachtern im Herbst 2015 wieder einmal besonders auffallen. Als die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, reagierte Iris Radisch in der Zeit mit schlecht gelaunter, ganz humorfreier  Ablehnung: „Literatur muss etwas Schöpferisches haben“, „Sie muss ‚fiction‘, eine eigene Erfindung sein, sie muss eine besondere Sprachqualität haben, und sie muss – das ist ganz wichtig – eine eigene imaginative und weltverwandelnde Kraft haben. Das ist bei Swetlana Alexijewitsch nicht der Fall. Das ist keine Literatur.“ Punkt,  beschlossen und dekretiert. Dabei mußte sie wissen und verdrängte: daß der Literaturnobelpreis mindestens zweimal mit Mommsen und Churchill ausdrücklich an Geschichtsschreiber gegangen war. – Darin ist sie nicht die einzige, vielmehr ist das ein „selten ausgesprochenes, aber allgegenwärtiges – Vorurteil zeitgenössischer Literaturinteressierter besonders in Deutschland“. Literarische „non-fiction“ hat in Deutschland keinen guten Stand, so sehr, „dass nicht einmal eine einleuchtende deutsche Bezeichnung für sie zur Verfügung steht“. Obwohl es eine breite Tradition nichtfiktionaler literarischer Texte in der Weltliteratur (und schließlich auch in der deutschen) gibt. So in der Antike Herodots Reiseberichte, Cäsars Militärchroniken, Plutarchs Biographien, Ovids Liebeskunst… So die französische und englische Essaytradition. Wackwitz untersucht die Geschichte der Konkurrenz von Fiktionalität und „Wahrheit“ von Platon bis Juli Zeh mit vielen aufschlußreichen divergenten Einzelheiten. Interessant zum Beispiel Nietzsches Gattungserfindung des „Gedankendramas“. Auch daß nach 1945 die Gruppe 47 in ihrem „Moralismus“ kein Verhältnis zum subjektiven Essay hatte (und allenfalls Wolfgang Koeppens Reiseprosa sich da einordnen ließe). Das alles ist lehrreich und vergnüglich zu lesen. Ändert aber an der Tatsache eines hartnäckigen und folgenreichen Vorurteils nichts, bis hin zu aktuellen Literaturpreisen. Man vergleiche die amerikanischen Pulitzerpreise mit ihren diversen Spartenpreisen – im Journalismus u.a. Dienst an der Öffentlichkeit, Aktuelle Berichterstattung, Investigativer Journalismus, Hintergrundberichterstattung, Lokale Berichterstattung usw., im Bereich Kunst und Literatur u.a. Belletristik (Fiction), Theater, Geschichte, Biographie oder Autobiographie, Dichtung (Poetry), Sachbuch (General Non-Fiction) – mit dem Gezerre und Getöse um unsere Bücher- bzw. Romanpreise. In Deutschland muß es richtige Literatur sein. Es müssen richtige Romane sein – von Fall zu Fall auch mal wohldosiert richtige Lyrik. Keine lyrics wie bei Dylan, keine Reportagen wie bei Alexijewitsch. (Das sei „gewöhnungsbedürftig“,  sagte mir ein geschätzter Lyriker auf meine Aussage, Liedtexte gehörten für mich zur Lyrik.)

Neue Rundschau. 127.Jahrgang, Heft 4 / 2016. 15 Euro, 312 Seiten. (Die Webseite des Verlags steht noch bei 4/2015) 

Times Literary Supplement 17. März 2017

Zeitschriftenlese von Michael Gratz

2017 ist Swiftjahr. Weniger in England, dem er sich zugehörig fühlte, aber in Irland, wo er (zufällig) geboren wurde. Am 30. November 1667, vor 350 Jahren, wurde Jonathan Swift in Dublin geboren, dort starb er auch 1745. Heute wird er oft als irischer oder anglo-irischer Schriftsteller bezeichnet – ihm selber hätte das kaum gepaßt. Er fühlte sich England zugehörig und irisch nur in dem Sinn, daß er zufällig dort „abgeworfen“ (dropped) wurde. Irland war für ihn Exil. Zudem war er anglikanischer Geistlicher in einem katholischen Land.

Sein Jubiläum wird in Irland groß gefeiert, in England weniger, wenn überhaupt. „In keinem anderen englischsprachigen Land wird ein Schriftsteller auf höchster politischer Ebene offiziell gefeiert, von politischen Führern, die allem Anschein nach sein Werk gelesen haben.“ Irland ehrt seine Dichter , auch die „disloyalen“ und Protestanten und sogar Auswanderer wie Joyce oder jüngst Beckett. Yeats und Shaw wurden eingeladen, im Irischen Senat mitzuwirken. Shaw meinte schelmisch, er würde nur mitmachen, wenn der Senat nach London zöge. Yeats aber machte mit und wurde ein herausragender Senator.

Der Autor der Besprechung dreier Bücher über Swift berichtet von einem Taxifahrer in Dublin, der Swift als Großen bezeichnete und ihn fragte, welches Buch von Swift man lesen sollte, wenn es eins sein sollte. Als er Gullivers Reisen nannte, rief der Taxifahrer aus: „Gullivers Reisen ist von Swift!“

Für TS Eliot war Swift der größte englische Prosaschreiber. Aber er war auch ein fruchtbarer wunderbarer Dichter, den Dichter, anders als Kritiker, oft höher schätzen als seinen Freund Pope. Die Besprechung von Claude Rawson fokussiert auf die politische Philosophie Jonathan Swifts, eines Autors, der „nicht schrieb, um von seinen Lesern geliebt zu werden“.

Aus dem Gedicht „A Description of the Morning“ von Jonathan Swift

Now hardly here and there a hackney-coach
Appearing, show’d the ruddy morn’s approach.
Now Betty from her master’s bed had flown,
And softly stole to discompose her own.
The slip-shod ‚prentice from his master’s door
Had par’d the dirt, and sprinkled round the floor.
Now Moll had whirl’d her mop with dext’rous airs,
Prepar’d to scrub the entry and the stairs.

Beschreibung des Morgens

Deutsch von K. Bartenschlager)

Vereinzelt eine Droschke dann und wann
Zeigt Rotbäckchen Auroras Ankunft an.
Betty entfleucht schon aus des Hausherrn Pfühlen,
Und schleicht, das eigne Bett noch zu zerwühlen.
Der schlampige Stift hat von des Misters Tor
Den Dreck geschrubbt und sprengt den Platz davor.
Moll wirbelt ihren Mop mit viel Gefühl
Und scheuert Treppenhaus und Vestibül.
(…)

In: Englische und amerikanische Dichtung 2. Von Dryden bis Tennyson. München: C.H. Beck, 2000, S. 89

Gabriel Josipovici nennt Handke, Celan und Bernhard die wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit und bespricht die Übersetzung von Handkes Roman „Die morawische Nacht“. Boris Dralyuk bespricht die Übersetzung des dramatischen Zyklus „Forefather’s Eve“ (Dziady – Totenfeier, Ahnenfeier) von Tadeusz Mickiewicz. Dies sei das romantischste Werk des polnischen Barden („Polen die romantischste der Nationen“). Von den vier Teilen erschienen zuerst 1823 Teile 2 und 4, die konventionellsten Teile des Dramas, sie enthielten nichts, was nicht auch Byron oder Goethe konnten, schreibt der Rezensent. Erst mit Teil 3, der 10 Jahre später erschien, sprengt Mickiewicz diese gesamteuropäische Konvention. Geschrieben nach den Scheitern des Aufstands von 1830-31, verwandelt das Werk den Verlust der Unabhängigkeit des Landes an Rußland, Preußen und Österreich in einen christologischen Mythos von Aufopferung und Wiedergeburt. Das Werk etablierte die affektive Verbindung zwischen Dichter und Volk und beförderte den Kampf gegen Tyrannei – besonders von außen kommende – als nationales ideal. Im Jahr 1968 wurde eine Warschauer Inszenierung des Stücks auf Druck Moskaus nur zwei Monate nach der Aufführung abgesetzt, was massive Studentenproteste hervorrief. Die Übersetzung von Charles S. Kraszewski ist die erste Gesamtübersetung des Stücks nach der vergriffenen Ausgabe von Potocki 1968. Die Übersetzung ist getreu, aber nicht immer poetisch, urteilt der Rezensent.

Andrew Kahn bespricht einen dicken Band mit Briefen, Erinnerungen und Zeugnissen von Nadeshda Mandelstam, der in Moskau erschienen ist. Erst jetzt werde Mandelstams Witwe auch als eigenständige Autorin sichtbar.

Kevin Tuite bespricht eine neue Übersetzung des georgischen Epos „Der Recke im Tigerfell“ von Schota Rustaweli (ca. 1172-1216). Zu seiner Lebenszeit war Georgien einer der mächtigsten Staaten an der Grenze zwischen dem christlichen Westen und dem islamischen Osten. Das Werk ist ein Monument der Weltliteratur in seinem reichen Bestand an Bildern, Tropen und philosophischen Gedanken und der sprachlichen Virtuosität des Autors. Rustawelis Georgisch wurde mit Shakespeares Englisch verglichen. Wie dieser zehrte der Georgier von einem reichen Sprachschatz und schuf neue Ausdrücke. Ein minimalistisches Kleinod unter diesen Neologismen ist der Imperativ „ie!“, das bedeutet „sei ein Veilchen“ (abgeleitet von „ia“, Veilchen).  Rustaweli war ein Meister der Klangmalerei, der die Möglichkeiten des mittelalterlichen Georgisch zu nutzen verstand. Dazu gehört die Neigung zu Konsonantenhaufen wie in „ktsevita vepxebr mk’rchxalita“ („sich bewegend wie ein scharfkralliger Panther“).

Mit einem (1) Gedicht von Catherine Ormell

L&Poe ’17-12

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Ulrich Koch, Ganz neuer Herbst, Literarischer März, Popp und Schulz, Kolbes Attacke, Afrika, Daniel Heinsius und manches andere. Lesen!

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Die Themen in dieser Ausgabe

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Das neue Gedicht

Ulrich Koch

RATIONALHYMNE
(für Czechowski, Zieger und die anderen)

Nach dem ersten Kuß wollte ich mich nie mehr waschen.
Glücklich bin ich nur noch mit unreinen Reimen.
Es läßt sich einrichten, dann gilt es auszuhalten.
Das ewige Ableben macht irgendwann müde.

Ich habe Sehnsucht nach den Eltern
am Vorabend meiner Geburt,
die schlafende Schönheit, der schlafende Hund.
Stehe Tag und Nacht am Fenster. Über mir,

eine dunkle Wolke, hängt mein Land.
Stille füllt mir warm den Mund.
Meine Linke ist ein Kätzchen, meine Rechte ein Rüde.
Der Mond geht auf, ich gehe geduckt.

Im Dunkeln lauf ich nach Haus, Schnee unterm Schuh.
Wer hat mir ins Gesicht gespuckt.
Der Sonne klatsche ich Applaus, an den Händen Blut.
Ganz zu Beginn sind wir flüssig,

dann fangen wir an zu verlanden und,
allem überdrüssig, das Geliebte zu hassen
und das Schöne zu steinigen.
Das Maul schrumpft, die Lippen wandern

Richtung Mitte, auf Grund laufen die Worte
und kippen ins Leere. Einige reden einfach weiter,
andere stranden. Werft mich nicht zu den meinigen.
Legt mich zu den andern.

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Literarischer März

Andra Schwarz gewinnt in Darmstadt den Leonce-und-Lena-Preis für Lyrik (€8000), die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise (€4000) gehen an Jan Skudlarek und Christoph Szalay.

Ganz humorfrei ging es im Gespräch über Andra Schwarz zu, die junge Lyrikerin, die am Ende vom Leonce-und-Lena-Preis völlig überrascht wurde. Es ist ja auch ein ernstes Thema, das sie anschlägt. Der Zyklus „Gespinste aus Luft“ erzählt in konzentrierten Versen die Begleitung eines sterbenden Menschen, den Abschied, seine Gegenwart auch nach dem Tod. Je öfter man ihn liest, desto mehr wird man berührt von der leisen Präzision, mit denen Schwarz ihre feinen Bilder formt. Jan Koneffke findet darin einen Hauch von Magie, wenn die Stimme des Todes als kosmische Erfahrung auftaucht. Auf welcher Ebene von Konkretion und Abstraktion der Text wahrgenommen wird, bleibt dem Leser überlassen, befindet Ulrike Draesner – dieser Zyklus funktioniere auf beiden Ebenen. Am Ende wird die Jury ihre Entscheidung in einem einzigen Satz begründen, der allerdings mehrere Dutzend Wörter zählt. / Darmstädter Echo

Zur Webseite des Literarischen März

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Popp und Schulz

Roman Bucheli begeistert:

Sowohl Steffen Popp wie Tom Schulz gehören einer jüngeren Autorengeneration an und bedienen sich ganz selbstverständlich der unterschiedlichsten Formen; sie sind nicht um jeden Preis avantgardistisch und schrecken dennoch nicht vor sprachlichen und formalen Experimenten zurück. Sie spielen mit dem Material und bleiben erst recht ganz nah an den Dingen.

Als ginge es in ihren Gedichten immer und ausschliesslich nur darum: die Welt fassbar zu machen. Also beugen sie sich mit ihren Instrumenten, mit Wort und Vers, über die Dinge. Unter solchem Vergrösserungsglas vollzieht sich dann ein magisches Geschehen: Wir sehen die Welt neu und anders – und lernen ganz nebenbei auch etwas über die Funktionsweise der Sprache: Sie lässt uns ins Herz der Dinge und der Wörter schauen. / Neue Zürcher Zeitung

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Lyrikempfehlungen 2017

Eine Initiative der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und des Hauses für Poesie

Welche Gedichtbücher sind besonders bemerkenswert, interessant, überraschend? Die Liste mit den diesjährigen Lyrik-Empfehlungen ist jetzt unter www.lyrik-empfehlungen.de veröffentlicht. 22 Gedichtbände wurden aus den Neuerscheinungen von Anfang 2016 bis März 2017 ausgewählt.

Zum Welttag der Poesie am 21. März werden die Lyrik-Empfehlungen in mehr als 60 Buchhandlungen und Bibliotheken deutschlandweit präsentiert. Veranstaltungen finden am 24. März auf der Buchmesse Leipzig und am 19. April im Haus für Poesie in Berlin statt.

Verlagsstatistik

  • roughbooks, Suhrkamp  je 3
  • Brüterich, Hanser, kookbooks, Matthes & Seitz,  je 2
  • Droschl, hochroth, Jung und Jung, Kleinheinrich, Limmat, Maro, Wallstein, Verlagshaus Berlin je 1

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Kolbes Attacke

Kolbe eröffnet sein Thema mit einer kaum beachteten Attacke gegen den Lyrikbetrieb, welchen er „Jahrmarkt der Innovationen“ nennt. Und, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, trennt er die „Hersteller von deutsch-sprachigen Gebilden, welche en gros und en détail üblicherweise Gedichte genannt und in vielen recht ansehnlichen Büchern verbreitet werden“ von jenen Poeten, die zum Wesensgrund ihres Schreibens gelangen. / Kristian Kühn über Uwe Kolbes am 7. Februar 2017 im Lyrik Kabinett gehaltene Münchner Rede zur Poesie, Signaturen

Uwe Kolbe: Dämon und Muse – Temperamente der Poesie. Münchner Reden zur Poesie. Hrsg. von Holger Pils und Frieder von Ammon. München (Stiftung Lyrik Kabinett) 2017. 33 Seiten. 12,00 Euro.

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Nachtrag zum Welttag der Poesie

Bei uns ist ja nicht viel los, aber englischsprachige Medien lassen was springen zum festlichen Anlaß. Eine kleine Blütenlese:

  • 30 Dichterporträts vom Life Magazine – Pound, Eliot, St. Vincent Millay, Sandburg usw. … http://time.com/4700914/poets-portraits-life-magazine/
  • Three Latin American Jewish Poets bei Forward: Juan Gelman, Alejandra Pizarnik und Elizabeth Schön!
  • 5 Indigenous poetry collections to read on World Poetry Day bei cbc.ca
  • 28 of poetry’s most powerful lines ever written. Featuring selected works from the likes of T.S. Eliot, Neruda, Margaret Atwood, Walt Whitman, and Wilfred Owen / Independent
  • Jamaica’s poet laureate, Mervyn Morris, is in the Cayman Islands to participate in local events in connection with Tuesday’s World Poetry Day. Cayman Compass
  • the best twitter poems
  • 5 young British spoken word poets to listen to today beim Evening Standard
  • Joshua Idehen, a Nigerian-British poet, tells Focus on Africa’s Bola Mosuro what this day means for him before sharing his own poem – „Black Says“. BBC World
  • 10 all time favourite English poets bei India today
  • In Indien gratuliert der Premierminister (ich habs gelesen, aber den sehr aggressiven Link wieder entfernt!) (hier kann man risikofreier über seine Gedichte lesen)
  • World Poetry Day would be observed across the globe including Pakistan on March 21 with the aim of supporting linguistic diversity through poetic expression. The Nation
  • Pamela Anderson Observes World Poetry Day with Anaïs Nin
  • 19 things that rhyme with Trump to help inspire you this World Poetry Day

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In New York

Auf der Heimfahrt vom Büro lese ich in der U-Bahn ein Gedicht von Billy Collins mit dem Titel „U-Bahn“. Es lautet: „Während du schnell durch den Untergrund rauschst/mit einem Lied in den Ohren/oder verloren im Labyrinth eines Buchs/denke an die, die hinabstiegen/ins widerspenstige Gestein/um ein Loch durch Granit zu bohren/den Weg frei zu machen für dich/wo nur Dunkel und Fels war/denke daran, wenn du aufsteigst zum Licht.“ / Handelsblatt

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Die marokkanische Poesie

Die marokkanische Poesie zeigt eine unglaubliche Originalität, genährt vom Geist der Innovation, sagt der Dichter Khalid Haji anlässlich des Welttages der Poesie. Sie schritt von Engagement und Experiment zu einer Erneuerung der Formen, ja zu einer hybriden Art des Schreibens, das die anderen Künste wie die Malerei einbezieht. Er bezog sich auf Dichter wie Kacimi, Aïssa Ikken, Binebine und Loakira, welche seiner Meinung nach eine neue Form des Schreibens entwickelten, das Erzählgedicht (poème récit), das etwas anderes als eine poetische Erzählung (récit poétique) sei.

Die marokkanische Poesie nehme einen prominenten Platz in der Kunstszene ein, im Vergleich mit den westlichen Ländern und der arabischen Welt, argumentiert er; sie orientiere sich am kulturellen Reichtum des Zadschal (Zaǧal, zajal) und Malhun, den Rededuellen in einigen Amazigh[Berber]-Regionen und an geschriebener Poesie auf Arabisch, Französisch, in marokkanischen Dialekten und Amazigh. / MAP Express

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Sudan: Widerstand durch Poesie

Yousra Elbagir schreibt darüber, wie die jungen Dichter Sudans die nationale Tradition des lyrischen Widerstands wiederbeleben. Präsident Omar al-Bashirs Regierung führt ein strenges Regime über die Medien und kulturellen Institutionen, wo staatliche Wettbewerbe und Publikationen die einst blühende Lyrikszene zu verdrängen suchen. Schwere Polizeipräsenz in der Hauptstadt behindert die einstmals spontanen poetischen Ausbrüche auf den Straßen Khartums und dem historischen Campus. Aber der Druck erzeugte Gegenwehr. Intime Veranstaltungen und Onlineforen blühten auf „wie Rosen aus Beton“. Über Mailinglisten lädt man zu Spoken-word-Veranstaltungen mit arabisch- und englischsprachigen Dichtern ein. Die Szene überlebte Kontrollen, Drohungen und Überwachung durch Sicherheitsorgane.

2014 erregte ein Video mit dem Vortrag eines Gedichts von Miss Elhassan weltweite Aufmerksamkeit. Darin reagierte sie auf die Äußerung eines sudanesischen Professors, der im Fernsehen die „mangelnde Schönheit“ der Frauen in seinem Land beklagte. In dem Gedicht heißt es: „Offenbar sind wir nichts als hübsche Gesichter in einer Ausstellung, zum Kaufen und Verkaufen … Hübsche Gesichter wie Hirschgeweihe an der Wand aufgehängt.“

Jedesmal wenn das Video auf Whatsapp, Facebook und Twitter geteilt wurde, belebte sich der soziale Dialog, der sonst von Politikern und Professoren monopolisiert wird. Das knüpft an die Rolle von Lyrik im Zweiten Weltkrieg an, als sudanesische Truppen unter britischem Kommando und motiviert von der Aussicht auf Unabhängigkeit gegen die Achsenmächte kämpften. Die berühmte Dichterin und Sängerin Aisha Al-Falatiya ermunterte die Soldaten mit ihren Gesängen, in denen sie die Macht Hitlers und Mussolinis mit einer „fremden Münze ohne Wert auf unserem Markt“ verglich. Heute setzen Dichter wie Al-Saddig Al-Raddi Gedichte im Widerstand gegen die Arabisierungspolitik des Regimes ein. / BBC

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Hörspielfestival Horchposten II

Modellpositionen 6.3.-4.4.2017 in der Alten Schmiede

Nach einem äußerst hörenswerten Auftakt mit Produktionen von Robert Schoen präsentiert am Dienstag, dem 28.3., um 19 Uhr der Westdeutsche Rundfunk (WDR) unter dem Titel Hörspiel akut sein Programm in der Alten Schmiede. Mit dem Experimental-Labor Hörspielstudio ab den 1960ern (später: Studio Akustische Kunst) unter der Leitung von Klaus Schöning kam dem WDR als Förderer und Initiator eine eminent wichtige Rolle in der Entwicklung der radiophonen Kunst zu. In der Alten Schmiede stellt die WDR-Hörspielredakteurin Isabel Platthaus exemplarische Produktionen vor. Mit ihr spricht Elisabeth Zimmermann, Redakteurin des Ö1-Kunstradios.

Über das Hörspielfestival

Von 6. März bis 4. April widmet sich die Alte Schmiede Modellpositionen des zeitgenössischen Hörspielschaffens:
Mit HORCHPOSTEN II (Nachfolgeprojekt von Horchposten I im März 2016) lenkt die österreichische Autorin und Hörspielregisseurin FALKNER den Blick auf die Institutionen, die die Kunstform Hörspiel tragen, ermöglichen und fördern. An vier Abenden werden Hörspielredaktionen öffentlich-rechtlicher Sender porträtiert, die mit ihren Produktionen die zeitgenössische Hörspielästhetik wesentlich prägen. Zudem werden studentische Hörspielprojekte vorgestellt. Exemplarische Hörspielproduktionen werden zur Gänze oder in Ausschnitten zu hören sein und verbinden sich mit Gesprächen der RedakteurInnen, HörspielmacherInnen und -kritikerInnen über Gegenwart und Zukunft einer Kunstform, die sich trotz schwindender finanzieller Mittel und der schwindenden öffentlichen Aufmerksamkeit beständig weiterentwickelt hat und zu den essenziellen literarischen Ausdruckformen zählt.

Als Epilog zum Hörspielfestival wird am 20. April der soeben erschienene Band der Werkausgabe radiophone poesie von GERHARD RÜHM präsentiert. Rühm hat in über 50 Jahren Hörspielschaffen die Entwicklung einer radiophonen Kunst maßgeblich mitgeprägt.


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Kladde

Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.

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Ganz neue Herbste (Mehr ist dazu nicht zu sagen)

Die Toten interessieren sich nicht für uns? Werch ein Illtum! L&Poe proudly presents: Helmut Heißenbüttel als L&Poe-Beiträger!

So unsterblich seine lyrischen Zeilen auch sind: Rilke wars nicht. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

(Für den angekündigten Beitrag  „Wie eine Gattung entsteht“ muß ich in Leipzig noch recherchieren)

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Gestorben

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Neue Zeitschriften
  • Abwärts! 18. 4. Jg., Jan. 2017. 5 Euro. – Ulrich Zieger: Armut und Mittellosigkeit. Nachrufe von Henryk Gericke auf Fan Gadget, Ian Curtis, Joe Strummer, Bob Marley, John Peel u.a. Musiker. Robert Mießner über Gil Scott-HeronGedichte von Tone Avenstroup, Bert Papenfuß, Andreas Paul, Andrej Oponenko, Kai Pohl, Jazra Khaleed, Ronald Galenza, Asta Olivia Nordenhof, Steve Dalachinsky. Jürgen Schneider über Fidel Castro, Elsmann-Papenfuß und Jürgen Link

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Kurz gesagt
  • „Keiner braucht es so richtig, keiner will es so richtig, keiner mag es so richtig und doch ist es immer da“, sagt Michael Krüger über das Gedicht. / NDR
  • Die Massen können die Moral lesen, aber um Gottes willen, lasst sie nicht unsere Poesie verderben. Oh ihr Dichter, stolz wart ihr doch schon immer; seid noch mehr: werdet geringschätzig! / Stephane Mallarmé, DLF
  • To read poetry, to return to a space for second thoughts, for complexity, for empathy, for words that are not defensive or aggressive or divisive or belittling, renews a faith in language and stillness, and a courage in the possibilities of protest, of “speaking truth to power”. Poetry is always a form of political intervention, since it creates a reader who is interested in other people, in relations between experience and truth. / Nick Laird, Guardian

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Kurz berichtet
  • Ausschreibung zum Dresdner Lyrikpreis 2018 hier
  • Ausschreibung zum Caroline-Schlegel-Preis: Am 9. September 2017 wird zum siebenten Mal von der Stadt Jena der Caroline-Schlegel-Preis im Genre Feuilleton und Essay verliehen. Bis zum 30. Juni können Manuskripte eingesandt werden. Hauptpreis 5.000 € , Förderpreis 2.500 €. Romantikerhaus Jena
  • Der Stuttgarter Gemeinderat hat am 16. März dem Vorschlag der Jury zur Verleihung des 18. Johann Friedrich von Cotta-Literatur- und Übersetzungspreises 2017 an den Schriftsteller Peter Stamm und die Übersetzerin Petra Strien zugestimmt. Der Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Die Preisträger erhalten je 10.000 Euro. Der Preis wird seit seiner Gründung im Jahr 1978 als Preis für Autoren und Übersetzer verliehen. / stuttgart.de
  • Zum ersten Mal seit Etablierung der neuen Abiturprüfung in Frankreich vor über 20 Jahren steht eine Frau auf der Leseliste für Literatur. Für die Prüfungen 2018 müssen die Schüler den Roman La Princesse de Montpensier von Madame de Lafayette lesen. / Guardian
  • Mehr als 200000 Amerikaner, unter ihnen Jasper Johns, Rosanne Cash, Art Spiegelman, Hanya Yanagihara, Salman Rushdie und Neil Gaiman, forderten den Kongreß auf, den Entwurf des Bundeshaushalts zurückzuweisen. Dieser sieht die Streichung der Regierungsproramme NEH (National Endowment for the Humanities) and NEA (National Endowment for the Arts) vor. Sie machen nur 0,03% der föderalen Ausgaben aus, mit denen Literatur, Forschung, bildende Künste, Tanz, Theater, Museen und Kunsterziehungsprogramme unterstützt werden. „Wenn man diese lebenswichtigen Institutionen abschafft, schwächt man Amerikas Statur als Heimat für freie Denker und einen der globalen Führer geisteswissenschaftlicher Forschung“, heißt es in der Erklärung. / PEN America
  • Warum amerikanische Lyrik gegen Populismus hilft, untersucht die Süddeutsche Zeitung
  • Die Sängerin Patti Smith hat in aller Stille das rekonstruierte Haus Rimbauds in Roche gekauft. In diesem Ardennendorf hat Rimbaud „Ein Aufenthalt in der Hölle“ geschrieben. Le Journal des Arts
  • Der marokkanische Dichter Mohamed Bennis erhielt in der palästinensischen Botschaft in Rabat die Medaille für Kultur und Kunst des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas. / Medias24
  • Nur fünf Gedichte sind von ihm überliefert, über sein Leben weiß man so gut wie nichts. Doch spricht uns der hellenistische Dichter Phalaikos in diesen acht Versen über einen Schiffbruch auf dem Mittelmeer aus dem Herzen. Schreibt Frieder von Ammon in der Frankfurter Anthologie
  • Kevin Young wird neuer Lyrikredakteur (poetry editor) des New Yorker. Er löst Paul Muldoon ab, der nach 10 Jahren zurücktritt. Kevin Young ist Lyriker und leitet seit 2016 das Schomburg Center for Research in Black Culture. Sein letzter Gedichtband “Blue Laws: Selected & Uncollected Poems 1995-2015” kam auf die Longlist des National Book Award 2016. / New York Times
  • Der Brunel International African Poetry Prize (£3000) wird von der Brunel University London und Commonwealth Writers getragen und ist offen für afrikanische Dichter weltweit. Auf der Shortlist 2017 stehen die nigerianischen Dichter Saddiq Dzukogi, Rasak Malik Gbolahan, Kechi Nomu und Romeo Origun sowie Sahro Ali (Somalia) Leila Chatti (Tunesien), Kayo Chingonyi (Sambia), Yalie Kamara (Sierra Leone), Richard Oduour Oduku (Kenia) und Nick Makoha (Uganda). / Daily Trust
  • Is Pakistan Still A Poetic Country? fragt die Huffington Post

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Lyrikkalender

Vom 6.-31. März findet das Festival: Berlin statt.

23.-26. März Leipziger Buchmesse

Am 25. März 1943 schreibt Paul Celan das Gedicht Schlaflied (für Ruth Kraft) und am 26. März 1968 Warum dieses jähe Zuhause: „einer, der sich in dich stach, / beatmet den Stich, // einer, er war dir der nächste, / geht sich verloren“.

Am 27. März 1843: Friedrich Theodor Vischer besichtigt den geisteskranken Hölderlin in Tübingen. Er schreibt: „ines Tages kam ich zu ihm mit einm Künstler, der ihn zeichnen wollte; zu diesem Zweck veranlaßten wir ihn, Klavier zu spielen. Das tat er gern. Er klimperte Anfänge von Liedern. Plötzlich merkt er, daß man ihn beobachtet, fährt in furchtbarem Zorn, mit verzerrten Zügen auf und überflutet uns mit südfranzösischen Flüchen und Schimpfworten.“ Erinnert sich der Professor für Ästhetik. Andere hingegen bezeugten, daß Hölderlin den Professor „noch mit voller Kraft, förmlich zur Thür hinausgeworfen“ (Schlesier) bzw. „hinter den Ofen“ (A. Keller). – Hölderlin schreibt für die Besucher das Gedicht Der Winter (Wenn sich das Jahr geändert), datiert 27. Januar 1676.

Am 28. März 1799 schreibt Suzette Gontard an Hölderlin: Die Festtage sind überstanden! und das ist mir immer lieb! – 1843: Ludwig Uhland, Adelbert Keller und Chr. Th. Schwab besuchen Hölderlin. Er schreibt das Gedicht Der Winter (Wenn sich der Tag des Jahrs hinabgeneiget). – 1849 verkündet die Frankfurter Nationalversammlung die erste demokratisch beschlossene Verfassung für ganz Deutschland (Paulskirchenverfassung), die aber nicht umgesetzt wird.

Am 29. März 1799 schreibt Siegfried Schmid an seinen Freund Hölderlin: Aber du sollst nicht traurend zürnen mit der Welt, Künstler; froh in deinem inneren Schöpfer sie lassen, wie sie ist… – 1843 schreibt Hölderlin das Gedicht Der Frühling: „Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben, / Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben / Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder / Und festlich machen sich Gesang und Lieder. (…)“ – 1879 werden Tschaikowskis „Lyrische Szenen“ Eugen Onegin nach Puschkin in Moskau uraufgeführt. – 1947: In Madagaskar beginnt ein Aufstand gegen die französische Kolonialherrschaft, der blutig niedergeschlagen wird. Die Opferzahlen schwanken je nach Quelle zwischen 11.000 und 100.000. Gedenktag in Madagaskar.

Am 30. März 1793 nimmt der französische Nationalkonvent den von Georg Forster, Adam Lux und André Patocki überbrachten Antrag des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents auf Eingliederung der Mainzer Republik in den französischen Staatsverband an. Die „Réunion“ wird aber nicht mehr ausgeführt, da die Rückeroberung durch die Koalitionstruppen begonnen haben. – 1847: Im Toleranzedikt erlaubt Preußens König Friedrich Wilhelm IV. den Austritt aus der Kirche.

Am 31. März 1492 Alhambra-Edikt, nach dem alle Juden in Spanien konvertieren oder auswandern müssen.

Geburtstage haben am 25. März 1741: Daniel Schiebeler, deutscher Librettist und Dichter, 1808: José de Espronceda, spanischer Dichter, 1842: Antonio Fogazzaro, italienischer Schriftsteller, 1881: Mary Webb, englische Schriftstellerin, 1920: Paul Scott, englischer Schriftsteller, 1926: Jaime Sabines, mexikanischer Dichter und Politiker, am 26. März 1789: Wilhelm Hey, deutscher Schriftsteller, 1819: Louise Otto-Peters, deutsche Schriftstellerin und Journalistin, Frauenrechtlerin, 1820: Julius Karl Arndt, deutscher Kirchenlieddichter, 1829: Théodore Aubanel, französischer Dichter, 1859: A. E. Housman, englischer Dichter, 1865: Max Neal, bayerischer Volksdichter, 1874: Robert Frost, amerikanischer Dichter, 1906: Herbert Günther, deutscher Schriftsteller und Anthologist, 1907: Mahadevi Varma, indischer Dichter, 1911: John Austin, englischer Linguist, 1911: Tennessee Williams, amerikanischer Schriftsteller, 1915: Hwang Sun-won, nordkoreanischer Schriftsteller, 1930: Gregory Corso, amerikanischer Dichter, 1942: Erica Jong, amerikanische Schriftstellerin, 1944: Diana Ross, amerikanische Sängerin, 1944: Reinhold Andert, DDR-Liedermacher, 1954: Dorothy Porter, australische Schriftstellerin; am 27. März 1576: Kaspar von Teutleben, deutscher Dichter, 1592: Jiří Třanovský, slowakischer Hymnendichter, 1665: Benjamin Neukirch, deutscher Dichter und Anthologist,  1679: Domenico Lalli, italienischer Dichter, 1746: Michael Bruce, schottischer Dichter, 1770: Sophie Mereau, deutsche Schriftstellerin, 1797: Alfred de Vigny, französischer Schriftsteller, 1810: Adolf Glaßbrenner, deutscher Schriftsteller, 1814: Charles Mackay, schottischer Schriftsteller, 1822: Henri Murger, französischer Schriftsteller, 1862: Jelena Dimitrijević, serbische Schriftstellerin und Feministin, 1866: Andon Zako Çajupi, albanischer Schriftsteller, 1871: Heinrich Mann, deutscher Schriftsteller, 1883: Marie Under, estnische Schriftstellerin, 1887: Väinö Siikaniemi, finnischer Sportler und Lyriker, 1895: Roland Leighton, englischer Lyriker, 1899: Francis Ponge, französischer Lyriker, 1901: Kenneth Slessor, australischer Dichter, 1903: Xavier Villaurrutia, mexikanischer Schriftsteller, 1909: Valery Marakou, weißrussischer Lyriker, 1910: Ai Qing, chinesischer Dichter, 1911: Veronika Tuschnowa, russische Lyrikerin, 1923: Louis Simpson, amerikanischer Dichter aus Jamaika, 1929: Žarko Petan, slowenischer Schriftsteller, 1938: Hansjörg Schneider, Schweizer Schriftsteller, 1947: Oliver Friggieri, maltesischer Schriftsteller, 1950: Julia Alvarez, amerikanische Schriftstellerin, 1964 Dominik Dombrowski, deutscher Lyriker, 1964 Hartwig Mauritz, deutscher Lyriker; am 28. März 1769: Adolph Wilhelm Schack von Staffeldt, dänischer Dichter, 1815: Arsène Houssaye, französischer Dichter, 1868: Maxim Gorki, russischer Schriftsteller, 1884: Angelos Sikelianos, griechischer Dichter, 1891: Peter Suhrkamp, deutscher Verleger, 1894: Sylvia von Harden, deutsche Lyrikerin, 1895: Ángela Ruiz Robles, spanische Erfinderin, Pionierin des e-Buchs, 1914: Bohumil Hrabal, tschechischer Schriftsteller, 1924: Gerhard Fritsch, österreichischer Schriftsteller, 1956: Amanda Aizpuriete, lettische Schriftstellerin; am 29. März 1553: Vitsentzos Kornaros,  griechischer Dichter, 1735: Johann Karl August Musäus, deutscher Schriftsteller, 1863: Georg von Ompteda, deutscher Schriftsteller, 1885: Dezső Kosztolányi, ungarischer Schriftsteller, 1891: Yvan Goll, deutsch-französischer Schriftsteller, 1894: Georg Kuhlmeyer, deutscher Dichter, 1913 R.S. Thomas, walisischer Dichter, 1916: Eugene McCarthy, amerikanischer Politiker und Lyriker, 1933: Jacques Brault, frankokanadischer Dichter, 1936: Renato Arlati, Schweizer Schriftsteller, 1940: Heinz Ludwig Arnold, deutscher Publizist und Herausgeber; am 30. März 1135: Maimonides, spanischer Rabbi und Philosoph (vielleicht auch 6. April), 1613: Johann Sebastian Mitternacht, deutscher Theologe und Dichter, 1798: Luise Hensel, deutsche Dichterin, 1815: Arsène Houssaye, französischer Schriftsteller, 1844: Paul Verlaine, französischer Lyriker, 1891: Josefa Berens-Totenohl, deutsche Schriftstellerin, 1895: Jean Giono, französischer Schriftsteller, 1902: Peeter Sink, estnischer Pfarrer und Lyriker, 1906: Erika Mitterer, österreichische Schriftstellerin, 1914: Bohumil Hrabal, tschechischer Schriftsteller, 1923: Herbert Asmodi, deutscher Schriftsteller, 1923: Milton Acorn, kanadischer Schriftsteller, 1939: Christine Wolter, deutsche Schriftstellerin, 1942: María del Carmen Aquino Rotundo, uruguayische Schriftstellerin, 1970: Tobias Hill, englischer Lyriker; am 31. März 1621: Andrew Marvell, englischer Dichter,  1685: Johann Sebastian Bach, 1809: Edward FitzGerald, englischer Dichter und Übersetzer (Rubaiyat des Omar Khayyam), 1851: Karoline von Arnim, deutsche Schriftstellerin, 1882: Kornei Tschukowski, russischer Dichter, 1914: Octavio Paz, mexikanischer Schriftsteller (Nobelpreis 1990), 1924: Anna Krommer, deutschsprachige Schriftstellerin mit tschechoslowakischen Wurzeln und amerikanischem Paß, die ihren ersten Gedichtband in Israel schrieb, 1933: Nichita Stănescu, rumänischer Lyriker, 1934: Kamala Surayya (Kamala Das), indische Schriftstellerin (Englisch und Malayalam), 1936: Marge Piercy, amerikanische Schriftstellerin, 1959: Markus Hediger, Schweizer Dichter und Übersetzer

Todestage am 25. März 1458: Íñigo López de Mendoza, Marquis de Santillana, spanischer Dichter und Politiker, 1625: Giambattista Marino, italienischer Dichter, 1801: Novalis, deutscher Dichter, 1835: Friederike Brun, dänisch-deutsche Schriftstellerin, 1914: Frédéric Mistral, französischer Dichter, Nobelpreis1904, 1960: Anna Ahrens, niederdeutsche Heimatdichterin, 1961: Lorenzo Calogero, italienischer Lyriker, 1969: Max Eastman, amerikanischer Dichter und Aktivist, 1994: Bernard Kangro, estnischer Dichter, am 26. März 903: Sugawara no Michizane, japanischer Dichter, 922: Mansur Al-Hallaj, persischer Mystiker und Dichter (hingerichtet), 1881: Florian Ceynowa, kaschubischer Schriftsteller, Begründer der kaschubischen Schriftsprache, 1892: Walt Whitman, amerikanischer Lyriker, 1931: Otto Keller, schwäbischer Mundartdichter, 1935: Yosano Tekkan, japanischer Lyriker, 1954: Ferdinand Hardekopf, deutscher Schriftsteller, 1969: B. Traven, deutschsprachiger Schriftsteller, 1980: Roland Barthes, französischer Philosoph, 2008: Robert Fagles, amerikanischer Dichter, 2012: Manik Godghate,  indischer Dichter (Marathi), 2015: Tomas Tranströmer, schwedischer Lyriker, Nobelpreis 2011, 2016: Jim Harrison, amerikanischer Schriftsteller, am 27. März 853: Haymo von Halberstadt, Mönch, Bischof und Autor,  1714: Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, deutscher Fürst, Mäzen, Schriftsteller, 1891: Christo Beltschew, bulgarischer Dichter und Politiker (erschossen), 1965 Friedrich Rasche, deutscher Schriftsteller, 1997: Charles Lillard, kanadischer Dichter, 2012: Adrienne Rich, amerikanische Lyrikerin und Feministin; am 28. März 1563: Heinrich Glarean, Schweizer Dichter, 1687: Constantijn Huygens, niederländischer Dichter und Komponist, 1891: Friedrich Stoltze, Frankfurter Heimatdichter, 1929: Katharine Lee Bates, amerikanische Dichterin, 1941: Virginia Woolf, britische Schriftstellerin, 1942: Miguel Hernández, spanischer Dichter, 1967: Berta Lask, deutsche Lyrikerin,  1985: Marc Chagall, russisch-französischer Maler und Dichter, 1994: Eugène Ionesco, französisch-rumänischer Dramatiker: am 29. März 87 v.Ch. Kaiser Wu von Han, förderte die Dichtung und schrieb selbst Gedichte, 1788: Charles Wesley, englischer Dichter, 1826: Johann Heinrich Voß, deutscher Dichter und Übersetzer, 1864: Karl August Timotheus Kahlert, deutscher Dichter und Literaturwissenschaftler, 1888: Gustav Jahn, deutscher Volksschriftsteller, 1939: Tachihara Michizō, japanischer Lyriker, 1982: Carl Orff, deutscher Komponist (Carmina Burana), 2005: Miltos Sachtouris, griechischer Lyriker, 2006: Salvador Elizondo, mexikanischer Lyriker, 2011: Iakovos Kambanelis, griechischer Schriftsteller; am 30. März 1662: François le Métel de Boisrobert, französischer Dichter, 1912: Karl May, deutscher Schriftsteller, 1956: Edmund Clerihew Bentley, englischer Schrftsteller, 1959: Daniil Leonidowitsch Andrejew, russischer Dichter und Mystiker, 1967: Jean Toomer, amerikanischer Schriftsteller, 1986: John Ciardi, amerikanischer Schriftsteller, 2005: Robert Creeley, amerikanischer Lyriker, 2013: Daniel Hoffman, amerikanischer Schriftsteller; am 31. März 1631: John Donne, englischer Dichter, 1855: Charlotte Brontë, englische Schriftstellerin, 1886: Józef Bohdan Zaleski, polnischer Dichter, 1914: Christian Morgenstern, deutscher Dichter, 1980: Vladimír Holan, tschechischer Lyriker, 1995: Roberto Juarroz, argentinischer Schriftsteller

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Bücherbord

Neu im L&Poe-Regal:

  • Fortsetzung folgt: Im Zuge der Moderne. Ein Jahrhundert Litauen 1919-2018. Hrsg. Giedre Jankevičiūte / Nerijus Sepetys. Vilnius: Lithuanian Culture Institute, 2017
  • 100 Jahre litauischer Literatur: Ein Crashkurs. Hrsg. Laurynas Katkus.  Vilnius: Lithuanian Culture Institute, 2017
  • romanian literature for beginners and advanced students in 18 essays and 18 poems. Bukarest: Romanian Culture Institute, o.J.
  • Writers in Exile. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten 1999-2017. PEN-Zentrum Deutschland 2017
  • Elizabeth Bishop: Alles Meer ein gleitender Marmor. Gedichte. Zweisprachig. Hrsg./Ü: Klaus Martens. Heidelberg: Mattes, 2011

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Bienenspäßchen

„Bienenspäßchen“ ist ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat (Polymetrie). Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich kommentiere es Zeile für Zeile – die ersten 17 stehn bereit, nächste Woche geht es weiter mit 18. Etwas für Todesmutige Neugierige.

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Zum Schluß Hansjürgen Bulkowskis Poetopie

der Ruf nach Stille erschallt immer lauter

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Bienenspäßchen 17

Im fernen Jahr 2015 begann ich auf den Seiten meiner Textkette eine (öffentliche) Übung in lateinischer Metrik unter dem Titel Bienenspäßchen. Ich schrieb:

„Bienenspäßchen“ bezieht sich auf ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat*. Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich benutze es hier für den Spaß, jeden Tag ein Häppchen europäischer Dichtung zu präsentieren, zugleich ein Crashkurs** in klassischer Metrik.

Wegen einer dringlichen Arbeit – Edition und Kommentar zum Werk der Barockdichterin Sibylla Schwarz, die in diesem Jahr nach jahrelanger Vorbereitung erscheinen wird – blieb ich bei Vers 17 stecken. Jetzt möchte ich das Projekt wieder aufnehmen am neuen Ort, hier. Nicht mehr tage-, sondern wochenweise. Eine Zeile pro Woche, eine (relativ) leichte Übung. (Wenn der Bienenspaß fertig ist, warten weitere Baustellen, irgendwas mit Villon war da doch …).

Heinsius war bekanntlich ein Geburtshelfer des deutschen Barock, den auch Sibylla Schwarz las und teilweise übersetzte. Holland war Avantgarde – nicht nur aber auch in der Poesie. Opitz und auch seine Greifswalder Schülerin suchten da Anschluß (allerdings in den niederländischen Dichtungen von Daniel Heinsius und Jacob Cats).

Hier zunächst noch einmal für Todesmutige Neugierige Text und Kommentar von Vers 17 und darunter der Gesamttext bis dahin Latein und Deutsch. Nächste Woche weiter mit Vers 18.

Wer den Text und meine Kommentare Zeile für Zeile nachlesen mag, findet alles hier.

*) Polymetrie
**) Wohlgemerkt: Crashkurs, den ich (öffentlich) nehme, nicht gebe!

illic vestri

Deutsch:

dort soll reiche

Bi-Spondeus. Vier betonte Silben hintereinander sind im Deutschen so gut wie unmöglich; es sei denn man singt den Vers

dort – soll – rei – che

Beim nüchternen prosanahen Vortrag sind das im Deutschen am ehesten 2 Trochäen

dort soll reiche

Ich persönlich bevorzuge einen emphatischeren Vortrag, der mit 3 gleich starken Silben einsetzt, also

dort – soll – rei – che

 

Bisheriger Gesamttext

Mellificae volucres,
quae per purpureas rosas
violas amaracumque
tepidique dona veris
legitis suave nectar,
tenerae cives
et seduli coloni
et incolae beati
hortorum redulentium;
gens divino
ebria rore –
agite, o meae volucres, age, gens vaga nemorum,
agite, hinc abite cunctae,
et tumulum magni cingite Lipsiadae.
illic domum laresque
vobis figite, figite.

Deutsch von Harry C. Schnur:

Honigerzeuger im Flug,
die aus Rosen ihr, dunkelrot,
die aus Majoran und Veilchen
und des lauen Frühlings Gaben
sammelt ein den süßen Nektar –
ihr bewohnt, Kleinchen,
und ihr bewerket fleißig
und ihr besiedelt glücklich
Gärten, welche von Düften schwer.
Volk, von Götter-
taue berauschtes,
mach dich auf, geflügelter Schwarm, der du schweifest im Wald, auf, auf,
machet fort von hier euch alle,
und, wo ein Großer jetzt ruht, Lipsius‘ Hügel umgebt!
Dort sollet Haus und Hof ihr
euch erbauen, erbauen jetzt;

Ausschreibung zum Dresdner Lyrikpreis 2018

Der Dresdner Lyrikpreis wird zur Förderung des gegenwärtigen poetischen Schaffens durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden ausgelobt und alle zwei Jahre vergeben. Im November 2018 wird der mit 5.000 Euro dotierte Preis zum zwölften Mal verliehen.

Bewerberinnen und Bewerber, die in Europa leben und in deutscher oder tschechischer Sprache schreiben, können von Verlagen, Herausgebern und Redaktionen von Literaturzeitschriften, Autorenverbänden und literarischen Vereinigungen vorgeschlagen werden. Weiterhin sind Eigenbewerbungen ausdrücklich erwünscht! Die BewerberInnen müssen mindestens drei Veröffentlichungen entweder in Buchform (auch innerhalb einer Anthologie), in einer Literaturzeitschrift oder bei ausgewählten Literaturplattformen (lyrikline, poetenladen, fixpoetry) nachweisen. Ausschließliche Publikationen im Eigenverlag werden nicht akzeptiert. Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 30. Juni 2017.

Eingereicht werden sollen mindestens 6 und höchstens 10 selbstverfasste Gedichte in sechsfacher maschinen- oder computergeschriebener Ausfertigung und eine knappe biobibliographische Darstellung mit aktueller Anschrift. Da das zweistufige Auswahlverfahren anonymisiert ist, darf auf den Texten nicht der Autorenname erscheinen. Stattdessen muss ein Kennwort auf allen Textseiten sowie auf der gesonderten Biobibliographie angegeben werden.

Die Vorjury ist jeweils mit tschechischen und deutschsprachigen Mitgliedern besetzt. Sie wählen aus den Einsendungen in jeweils ihrer Sprache bis 30. September2017 je bis zu 5 Kandidatinnen und Kandidaten aus. Die Auswahl erfolgt ohne Ansehen der Person, d.h. die Namen der Autorinnen und Autoren werden den JurorInnen nicht bekannt gegeben.

Anschließend werden die Texte der nominierten Bewerberinnen und Bewerber von renommierten literarischen Übersetzerinnen und Übersetzern in die jeweils andere Sprache übertragen und der ebenfalls zweisprachig besetzten Hauptjury zur Verfügung gestellt.

Im Herbst 2018 werden die nominierten Autorinnen und Autoren zu einem Lesewettbewerb nach Dresden eingeladen. Dort präsentieren sie vor Hauptjury und Publikum in jeweils zehn Minuten Auszüge ihrer Wettbewerbsbeiträge. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen grundsätzlich bereit sein, im Falle der Nominierung beim Finale in Dresden vor Publikum zu lesen und an dem dreitägigen Rahmenprogramm mit Lesungen, Workshops und gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen. Sämtliche damit verbundenen Kosten werden vom Veranstalter übernommen.

Bewerbungen für den Dresdner Lyrikpreis sind auf dem üblichen Postweg (nicht per Einschreiben) bis zum 30. Juni 2017 einzureichen an:

Literaturhaus Villa Augustin Andrea O‘Brien Förderverein für das Erich Kästner Museum/Dresdner Literaturbüro e.V. Antonstraße 1, 01097 Dresden

Tel. +49 (0)351 804 50 87

Wichtige Hinweise

Einsendungen per E-Mail oder Fax werden nicht berücksichtigt. Aus Kapazitätsgründen können weder Eingangsbestätigungen versendet noch Einschreiben per Post abgeholt werden. Zwischenbescheide werden nur an die nominierten BewerberInnen erteilt. Es erfolgt keine Rücksendung der eingereichten Manuskripte. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ab 1.10.2017 werden die Nominierungen auf der Homepage des Fördervereins www.literaturhaus-dresden.de veröffentlicht. Der Name der Preisträgerin oder des Preisträgers wird nach der Preisverleihung ebenfalls auf der angegebenen Internetseite sowie in der Presse bekannt gegeben.

Lyrik-Empfehlungen 2017

Eine Initiative der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und des Hauses für Poesie

Welche Gedichtbücher sind besonders bemerkenswert, interessant, überraschend? Die Liste mit den diesjährigen Lyrik-Empfehlungen ist jetzt unter www.lyrik-empfehlungen.de veröffentlicht. 22 Gedichtbände wurden aus den Neuerscheinungen von Anfang 2016 bis März 2017 ausgewählt.

Zum Welttag der Poesie am 21. März werden die Lyrik-Empfehlungen in mehr als 60 Buchhandlungen und Bibliotheken deutschlandweit präsentiert. Veranstaltungen finden am 24. März auf der Buchmesse Leipzig und am 19. April im Haus für Poesie in Berlin statt.

Die Lyrik-Empfehlungen werden jährlich anlässlich der Leipziger Buchmesse herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und dem Haus für Poesie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband. Abgegeben werden die Empfehlungen von Kritikern, Lyrikern und Vertretern literarischer Institutionen. In diesem Jahr gehören dazu: Michael Braun, Heinrich Detering, Florian Kessler, Michael Krüger, Kristina Maidt-Zinke, Holger Pils, Marion Poschmann, Monika Rinck, Joachim Sartorius, Daniela Strigl und Thomas Wohlfahrt.

Kurzübersicht der Lyrik-Empfehlungen

Deutschsprachige Lyrik 

  • Volker Braun: Handbibliothek der Unbehausten. Suhrkamp, Berlin 2016.
  • Lydia Daher / Warren Craghead III: Kleine Satelliten. MaroVerlag, Augsburg 2016.
  • Mara Genschel: Cute Gedanken. roughbooks, Berlin/New York/Schupfart 2017.
  • Orsolya Kalász: Das Eine. Brüterich Press, Berlin 2016.
  • Birgit Kreipe: Soma. kookbooks, Berlin 2016.
  • Christine Lavant: Gedichte aus dem Nachlass. Wallstein, Göttingen 2017.
  • Steffen Popp: 118. kookbooks, Berlin 2017.
  • Marion Poschmann: Geliehene Landschaften. Suhrkamp, Berlin 2016.
  • Ilma Rakusa: Impressum: Langsames Licht. Droschl, Graz 2016.
  • Hans Thill: Dunlop. roughbooks, Berlin/New York/Schupfart 2016.
  • Levin Westermann: 3511 Zwetajewa. Matthes & Seitz 2017.

Lyrik in deutscher Übersetzung

  • Roberto Bolaño: Die romantischen Hunde. Aus dem Spanischen von Christian Hansen und Heinrich von Berenberg. Hanser, München 2017.
  • Anneke Brassinga: Fata Morgana, dürste nach uns! Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm und Oswald Egger. Matthes & Seitz, Berlin 2016.
  • John Burnside: Anweisungen für eine Himmelsbestattung. Aus dem Englischen von Iain Galbraith. Hanser, München 2016.
  • Francesco Chiesa: Hören in finsterer Nacht / Udire a notte buia. Aus dem Italienischen von Christoph Ferber. Limmat, Zürich 2016.
  • Andrew Duncan: Radio Vortex. Herausgegeben von Norbert Lange. Aus dem Englischen von Konstantin Ames, Thomas Kling, Jan Kuhlbrodt, Norbert Lange, Ulf Stolterfoht, Barbara F. Tax und Hans Thill. Brueterich Press, Berlin 2016.
  • Luis Felipe Fabre: Neues mexikanisches Kino / Nuevo cine mexicano. Aus dem mexikanischen Spanisch von Rike Bolte. hochroth, Berlin 2016.
  • Zbigniew Herbert: Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Ryszard Krynicki. Aus dem Polnischen von Karl Dedecius, Renate Schmidgall, Henryk Bereska, Klaus Staemmler und Oskar Jan Tauschinski. Suhrkamp, Berlin 2016.
  • Ibn Arabi: Übersetzer der Sehnsüchte. Aus dem Arabischen von Stefan Weidner. Jung und Jung, Salzburg 2016.
  • Erín Moure: O Cadoiro. Aus dem kanadischen Englisch und herausgegeben von Uljana Wolf. roughbooks, Berlin/New York/Schupfart 2016.
  • Lea Schneider (Hg.): Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik. Aus dem Chinesischen von Marc Herrmann, Daniel Bayersdorfer, Peiyao Chang, Rupprecht Mayer und Lea Schneider. Verlagshaus Berlin, Berlin 2016.
  • Søren Ulrik Thomsen: Rystet spejl / Zitterspiegel. Aus dem Dänischen von Klaus-Jürgen Liedke. Kleinheinrich, Münster 2016.

Verlagsstatistik

  • Suhrkamp, roughbooks  je 3
  • Brüterich, kookbooks, Matthes & Seitz, Hanser je 2
  • Maro, Wallstein, Droschl, Limmat, hochroth, Jung und Jung, Verlagshaus Berlin, Kleinheinrich je 1

Pdf mit Informationen zu den Titeln Lyrik-Empfehlungen 2017

L&Poe ’17-11

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Yevgeniy Breyger, Safiye Can, Helmut Heißenbüttel, Shakespeare, französische Couragierte und manches andere. Lesen!

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Die Themen in dieser Ausgabe

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Das neue Gedicht

Yevgeniy Breyger

berge rufen ihre vogelschwärme zurück. die lieben vögel,
auf dem weg zum erdkern, verflüssigen sich zu einer masse.

du fliegst mit ihnen, hast das geübt, hast deine ohren
in den nordwind gehalten bis zur mittelohrentzündung.

hast dein wappen an europa abgeglichen, es war nur
mit tundra vereinbar. liebe erdkernvögel, euer verderben

kennt kein aggregat, vor den bergen zählt alles nichts.
abstumpfen der flügel, abstumpfen der schnäbel

vor dem körper des höchsten bergs. rasende wut der ruhe,
ohne ertrag. europa wird sterben, von schwärmen erfasst.

die berge werden ihre klagerufe nach innen richten.
wo wirst du sein, wenn deine ohren niemandem nützen?

du wirst dich fragen, wozu alles, denn die vögel verwandeln sich
seit jahren in geschosse, ohne dich zu treffen. seit jahren

schmelzen die berge in ihre täler hinein. wie nennt man
flüssiges eis? terra, die starke, das beben, terra, der schwarm.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors aus dem Band flüchtige monde: Gedichte (Reihe Lyrik). Berlin: Kookbooks, 2016

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Kritikergespräch: Deutsch und Niederländisch

Die einen sprühen Lyrik auf Müllwagen oder inszenieren Beerdigungen von Obdachlosen auch als poetisches Event, die anderen sehen PR für Poesie eher als Sache der Verlage: Die deutsche und die niederländische Lyrikszene unterscheiden sich mitunter erheblich – es gebe aber auch Gemeinsamkeiten, sagten Michael Braun und Jan Wilm im DLF-Kritikergespräch mit Insa Wilke hier zum Nachhören

(Das Foto zur Meldung beim Deutschlandfunk zeigt einen Stapel aus dicken Büchern mit dem Titel „Jelzin“. Die Unterschrift leicht rätselhaft: „Nicht nur in der Wissenschaft, auch in der Lyrik wird aktuell über unser Weltbild debattiert“. Sind das etwa Jelzins Gedichte?)

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Printemps des poètes in Lyon

Seit 1999, in diesem Jahr zum 19. Mal, gibt es im Dichterfrühling einen Wörterschmaus. Auch in Lyon vereinen sich dazu die künstlerischen Fächer wie Musik, Slam, Theater. Ob in Buchhandlungen, Bibliotheken, Kulturzentren, Cafés, Krankenhäusern, Transportmitteln oder im öffentlichen Raum. In diesem Jahr wird der zu Unrecht wenig bekannte Kontinent der afrikanischen Frankophonie vorgestellt, Afriques im Plural. In Lyon treten u.a. auf*: Patrick Chamoiseau (Martinique), Lyonel Trouillot (Haiti), Maya Ombasic (Kanada), François Boddaert (Frankreich), Samira Negrouche (Algerien), Katia Bouchoueva (Rußland/Schweiz), Grégoire Damon (Frankreich), Frédérick Houdaer (Frankreich).

19e Printemps des poètes à Lyon – du 11 au 26 mars.

/ Lyon capitale

*) Zugegeben in Lyon nicht so viele Afrikaner. Mehr hier

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Safiye Can

Das Langgedicht erweist sich einmal mehr als Safiye Cans Königsdisziplin. Das lyrische Ich in „Kinder der verlorenen Gesellschaft“ spricht vom Rande aus, die verlorene Gesellschaft indes ist nicht ganz leicht zu definieren. Wer sind diese „Verlorenen“, von denen die Rede ist? Für wen oder was sind sie verloren?

Der Migrationshintergrund der Dichterin, die zweisprachig aufgewachsen ist und ihre ersten Gedichte auf Türkisch schrieb, legt es nahe, dort anzusetzen. Safiye Can kennt das Milieu der Kinder von Einwanderern aus dem eigenen Erleben, hat Ausgrenzung in der Schule erlebt und musste in ihren Anfängen als Dichterin aufgrund ihres türkischen Namens gegen Vorurteile kämpfen. Die Frage nach Heimat und Zugehörigkeit durchzieht ihr Werk, es finden sich Begriffe wie Integrationszwang und Islamphobie darin.

Doch die „verlorene Gesellschaft“ ist vor allem für die auf Geld und Macht getrimmte Mehrheit verloren. Das lyrische Ich spricht aus dem „Hier“, wo es einsam ist, wo Panikattacken in sprachlosem Grauen erlitten werden, während sie „drüben“ das Wort „très chic“ finden. / Uta Grossmann, Frankfurter Rundschau

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Kulturkampf?

Als im letzten Jahr der Kulturkampf um die Berliner Volksbühne begann, war das Auffälligste nicht dessen kulturpolitische Substanz – ist ein Kunstkurator qualifiziert, Intendant eines Sprechtheaters zu werden? –, sondern die Symptomatik der politischen Lagerbildung. Wegen seiner Nähe zu den großen Institutionen der bildenden Kunst, wegen des Gerüchts und gewisser Andeutungen, statt eines Ensembletheaters mit Repertoire eher mit durchreisenden internationalen Gästen und eher mit Tanz als mit (deutschsprachigem) Sprechtheater arbeiten zu wollen, musste sich der designierte Nachfolger Frank Castorfs, der ehemalige Tate-Modern-Chef Chris Dercon, immer wieder anhören, er stehe für eine „neoliberale“ Position. Wegen ihrer Verteidigung eines auf deutschsprachigen Inszenierungen basierenden Sprechtheaters, dessen Regisseure überwiegend weiße, deutsche Männer sind, musste sich die Volksbühne anhören, sie sei „nationalistisch“ oder „kolonial“. / Diedrich Diederichsen über den Intendantenwechsel an der Berliner Volksbühne

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Kladde

Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.

  • Präzise Bestimmung: „Von M. sein Chef der Bruder der Sohn praktisch“ (Volkes Mund)
  • Anfang März. Zeit der Welt mitzuteilen dass man dieses Jahr aber nicht nach Leipzig fährt, ich doch nicht.

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Mehr ist dazu nicht zu sagen

Die Toten interessieren sich nicht für uns? Werch ein Illtum! L&Poe proudly presents: Helmut Heißenbüttel als L&Poe-Beiträger! Daß er ausgerechnet die Morgenpost dort oben liest, überrascht aber schon. Hier sein erster Beitrag:

Als Lyriker müsse man radikal sein und den eigenen Weg verfolgen, sagt Steffen Popp und trinkt Matcha-Tee. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Nächste Woche: Wie eine Gattung entsteht

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Gestorben
  • 16. März Torgny Lindgren, schwedischer Schriftsteller (78)
  • 15. März Wojciech Młynarski, polnischer Lyriker und Liedermacher (75)
  • 15. März Humberto Vinueza, ekuadorianischer Politiker und Dichter (74)
  • 13. März Adib Boroumand, iranischer Politikerund Dichter (92)
  • 12. März Pál Bodor, ungarscher Schriftsteller (86)
  • 12. März Hozan Dilgeş, kurdischer Dichter und Sänger (geb. 1953)
  • 11. März Pedro Nonato da Costa, brasilianischer Dichter, Schauspieler und Musiker (geb. 1962)
  • 10. März Mari Evans, amerikanische Lyrikerin (93)
  • 9. März Barbara Helsingius, finnische Sängerin, Lyrikerin und olympische Sportlerin (79)
  • 5. März Egidius Paul Rütten, Dichter und Grafiker (mehr hier und hier)

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Die Shakespeare-Leseecke

geht weiter mit Sonett #29:

VVHen in disgrace with Fortune and mens eyes,

Deutsch von Stefan George:

Wenn ich verbannt von Glück und Menschenblick

Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen

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Neue Zeitschriften
  • Schreibheft 85, August 2015. Außer sich die Poesie. 6 französische Sabotagen. Henri Michaux: Späte Gedichte. – Schreibheft 88, Februar 2017. Fréderic Forte. Wolfgang Welt. Charles Reznikoff. T.S. Eliot. Französische Lyrik. – Eine aufregende Szene ist zu besichtigen. Ich stelle mir die Scouts der großen Verlage vor, wie sie die Schreibheft-Dossiers fiebrig nach neuen Namen durchsuchen… Ach, gibt es das überhaupt noch? Oder überlassen sie die Arbeit inzwischen ganz den Kleinverlagen? Das Dossier in Nr. 85 hieß „Außer sich die Poesie. 6 französische Sabotagen“, zusammengestellt von Aurélie Maurin und Norbert Lange. Das in Nr. 88 „Die Poesie äußert sich. Dreimal französische Courage“, zusammengestellt haben es Leo Pinke und Tim Trzaskalik. Starker Tobak! Besprechung hier

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Kurz gesagt
  • 5000 Euro, das ist gerade so viel, dass die Deutschen beeindruckt sind und die Schweizer nicht lachen. / Hazel Brugger bei der Verleihung des Förderpreises zum Deutschen Kleinkunstpreis. DLR
  • Nora Gomringer macht aus der Dichterlesung ein vergnügliches Spiel mit Sprache und Literaturbetrieb-Klischees, das die Leere und Effekthascherei vieler solcher Lesungen, die Unterhaltungssucht mancher Zuhörer, die, wie es einmal heißt, das „eine hören und das andere verstehen“, aber auch die Geltungssucht der Lesenden vorführt. Mehr
  • One of the best things about being an American is that you are free to dislike poetry for any reason you want. You can say it’s too clever or too dumb; you can think it’s old-fashioned or pointlessly trendy; you can protest that it has nothing to do with real life or you can complain that it’s mostly about Volkswagens and mastectomies. Whatever line you take, there will be room for your opinion in our larger, national antipathy for this snotty, boring, passe art form. And this, surely, is what democracy is all about. / Marie Ponsot, New York Times  21.4.2002
  • Sucht man in Korea nach einer Art zu reden, die der Ironie am nächsten kommt, ist die Variante zu nennen, die als «gedrehtes Reden» bekannt ist. Bildlich bezieht man sich dabei auf das Drehen des Strohseils aus mehreren Strängen. Nach einigen Windungen ist kaum zu durchschauen, wie die Stränge miteinander verwoben sind. Mehr
  •  „Ein österreichisches Wochenende als Kurzfilm: Mehrere Männer schlagen eine Frau. Im Hintergrund verteilt einer Fotos von seinem Glied. Ende.“  Mehr
  • “I think each time I write that it may be the last time.” — Marianne Moore
  • “Prose, narratives, etcetera, can carry healing. Poetry does it more intensely.” —Ted Hughes

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Kurz berichtet
  • „Ich habe mir in der deutschen Sprache eine Heimat erfunden“ – Abbas Khider ist 33. Mainzer Stadtschreiber Mehr
  • Der steirische Literaturpreis 2017 geht an den Grazer Clemens J. Setz. Mit dem Literaturstipendium wird Natascha Gangl ausgezeichnet, mit dem Lichtungen-Lyrik-Stipendium Christoph Szalay. Mehr
  • Mit den «Grasblättern» setzte Whitman einen Markstein in der Geschichte der US-Lyrik. An seine frühen Prosawerke erinnerte er sich nicht gerne – zu Unrecht, wie der wiederentdeckte Roman beweist. / Jürgen Brôcan in der Neuen Zürcher Zeitung

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Lyrikkalender

In Frankreich findet noch bis zum 19. März zum 19. Mal der Printemps des Poètes (Frühling der Dichter) statt. Thema in diesem Jahr: Afrique(s). – Vom 6.-31. März findet das Festival: Berlin statt.

Heute, 17. März, 18:00 Uhr Eröffnung des Literarischen März in Darmstadt (Programm)

Am 18. März 1911 erscheint Alfred Lichtensteins Gedicht Die Dämmerung in der Zeitschrift Der Sturm:

Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich,
Als wäre ihm die Schminke ausgegangen. (weiter)

Vermutlich am 20. März 1790 (seinem 20. Geburtstag) schreibt Hölderlin in das Stammbuch Clemens Christoph Camerers Verse aus Klopstocks Zürchersee: „Reizvoll klinget des Ruhms lokender Silberton / In das schlagende Herz, und die Unsterblichkeit / Ist ein großer Gedanke…“ 11 Jahre später an seinen Bruder Carl Gock: Es ist nur ein Streit in der Welt, was nämlich mehr sey, das Ganze oder das Einzelne? Und der Streit widerlegt sich in jedem Versuche und Beispiele durch die That…

21. März Welttag der Poesie (seit 2000), Welt-Down-Syndrom-Tag. Vom 21.-23. März Versfest Berlin.

23.-26. März Leipziger Buchmesse

Am 23. März 1821 wird in der von Aufständischen eroberten Stadt Kalamata die griechische Revolution angekündigt, die zur Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich führen soll. Ab da war der Name der Stadt allen Zeitungslesern bekannt. Wilhelm Waiblinger hatte von einem Wutausbruch des kranken Hölderlin berichtet, der habe gesagt „Das verstehe ich nicht, daß ist Kamalattasprache“, was Waiblinger für ein erfundenes Wort hielt.

Am 23. März 1823 schreibt der Tübinger Schreinermeister Ernst Zimmer an Hölderlins Mutter: „Er lies’t jetzt auch die Zeitung u. fragte mich, ob denn Würtemberg ein Königreich sei. Er staunte ebenso, als ich es bejahte. An den Griechen nimmt er Antheil u. lies’t mit Aufmerksamkeit ihre Siege. Letzhin sagte ich ihm, daß der ganze Peleponesus von den Türken befreit sei. Das ist erstaunlich, rief er, es freut mich! (…) Den Hyperion kann ich Ihnen nicht mehr zurückschicken. Er liest täglich darin, auch Übersetzungen aus griechischen Dichtern von Conz lies’t er.“

Geburtstage haben am 18. März 1590: Manuel de Faria e Sousa, portugiesischer Historiker und Dichter, 1813: Friedrich Hebbel, deutscher Schriftsteller, 1840: William Cosmo Monkhouse, englischer Dichter, 1842: Stéphane Mallarmé, französischer Schriftsteller, 1893: Wilfred Owen, britischer Dichter, 1895: Walter Rheiner, deutscher Dichter, 1904: Srečko Kosovel, slowenischer Dichter, 1911: Gabriel Celaya, spanischer Schriftsteller, 1921: Eilif Armand, norwegischer Schauspieler und Lyriker, 1923: Tamura Ryūichi, japanischer Lyriker, 1929: Christa Wolf, deutsche Schriftstellerin, 1932: John Updike, amerikanischer Schriftsteller, 1941: Wolfgang Bauer, österreichischer Schriftsteller; am 19. März 1721: Tobias Smollett, schottischer Schriftsteller, 1821: Richard F. Burton, britischer Übersetzer und Orientalist (1001 Nacht, Kamasutra), 1824: William Allingham, irischer Dichter, 1895: Maksym Rylsky, ukrainischer Dichter, 1907 (110. Geburtstag): Hans Mayer, deutscher Literaturwissenschaftler, 1919: Peter Abrahams, südafrikanischer Schriftsteller, 1920: Kjell Aukrust, norwegischer Schriftsteller, 1930: Lina Kostenko, ukrainische Dichterin, 1931: Emma Andijewska, ukrainische Dichterin, 1946: Benno Budar, sorbischer Schriftsteller; am 20. März 43 v. Chr.: Ovid, römischer Dichter, 1612: Anne Bradstreet, amerikanische Lyrikerin, 1770: Friedrich Hölderlin, deutscher Dichter, 1799: Karl August Nicander, schwedischer Dichter, 1828: Henrik Ibsen, norwegischer Schriftsteller, 1874: Börries Freiherr von Münchhausen, deutscher Balladendichter und Hitleranhänger, 1888: Siegfried von Vegesack, deutscher Schriftsteller, 1920: Andrée Chedid, französische Schriftstellerin libanesischer Herkunft, 1943: Gerard Malanga, amerikanischer Lyriker, 1960: Henning Heske, deutscher Schriftsteller, 1963: Maggie Estep, amerikanische Schriftstellerin; am 21. März 1603: Hans Friedrich von Knoch, Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, 1672: Stefano Benedetto Pallavicino,  italienischer Dichter, 1745: Johan Nordahl Brun, norwegischer Bischof und Dichter, 1763: Jean Paul, deutscher Schriftsteller, 1806: Johannes Carl, deutscher Theologe und Dichter („Der Christbaum ist der schönste Baum“), 1820: Siegfried Kapper, deutsch-tschechischer Schriftsteller, schrieb in beiden Sprachen, 1876: Ludwig Finckh, deutscher Schriftsteller und Hiitlerverehrer,  1905: Phyllis McGinley, amerikanische Schriftstellerin, 1923: Nizar Qabbani, syrischer Dichter, 1928: Peter Hacks, deutscher Schriftsteller, 1949: Slavoj Žižek, slowenischer Philosoph, 1951: Hamid Skif, algerischer Schriftsteller, 1957: Youssef Rzouga, tunesischer Dichter; am 22. März 1607: Paul Gerhardt, deutscher Kirchenlieddichter, 1712: Edward Moore, englischer Dichter, 1879: Léon Deubel, französischer Lyriker, 1892: Johannes Semper, estnischer Dichter, 1903: Jochen Klepper, deutscher Schriftsteller und Liederdichter, 1908: Albrecht Goes, deutscher Schriftsteller, 1912: Léon-Gontran Damas, guayanisch-französischer Schriftsteller, Mitbegründer der Négritude, 1920: Ludvík Kundera, tschechischer Schriftsteller und Übersetzer, 1925: Wolfgang Bächler, deutscher Schriftsteller, 1944: Klaus Peter Dencker, deutscher Literaturwissenschaftler und Autor, 1941: Billy Collins, amerikanischer Dichter, 1947: André Heller, österreichischer Liedermacher; am 23. März 1822: Justus Wilhelm Lyra, deutscher Liedermacher (vertonte Geibels „Der Mai ist gekommen“), 1876: Ziya Gökalp, türkischer Dichter und Politiker, 1876: Thakin Kodaw Hmaing, burmesischer Dichter und Politiker, 1887: Josef Čapek, tschechischer Maler und Dichter, 1928: Karl-Heinz Tuschel, deutscher Schriftsteller, 1954: Gabriele Eckart, deutsche Schriftstellerin, 1960: Yōko Tawada, japanische Schriftstellerin, 1965: Gary Whitehead, amerikanischer Lyriker und Maler; am 24. März 1657: Arai Hakuseki, japanischer Gelehrter und Dichter, 1699: Paul Gottlieb Werlhof, deutscher Arzt und Dichter, 1739: Christian Friedrich Daniel Schubart, deutscher Dichter („Die Fürstengruft“), 1754: Joel Barlow, amerikanischer Dichter, 1768: Gabriele von Baumberg, österreichische Schriftstellerin, 1770: Louis-Pierre-Marie-François Baour-Lormian, französischer Dichter, 1775: Muthuswami Dikshitar, indischer Dichter und Komponist, 1820: Frances Jane (Fanny) Crosby, amerikanische Dichterin, 1829: Vicente Barrantes, spanischer Dichter, 1830: Robert Hamerling, österreichischer Schriftsteller, 1830: August Höpfner, deutscher Dichter, 1834: William Morris, britischer Schriftsteller, Sozialist, 1835: Joseph Stefan, österreichischer Physiker, Mathematiker und Dichter slowenischer Herkunft, 1844: László Arany, ungarischer Dichter, 1855: Olive Schreiner, südafrikanische Schriftstellerin, 1879: Hela Sander, deutsche Schriftstellerin, 1879: Neyzen Tevfik, türkischer Dichter, 1891: Helmut de Boor, deutscher Germanist, 1905: Rudolf Otto Wiemer, deutscher Lyriker, 1919: Lawrence Ferlinghetti, amerikanischer Dichter, 1927 (90. Geburtstag): Martin Walser, deutscher Schriftsteller, 1934: Richard Leising, deutscher Dichter

Todestage am 18. März 1768: Laurence Sterne, britischer Schriftsteller, 1805: Johann Jacob Ebert, deutscher Mathematiker, Dichter und Astronom, 1858: Franz Theodor Kugler, deutscher Dichter, 1876: Ferdinand Freiligrath, deutscher Dichter, 1888: Charles Monselet, französischer Schriftsteller, 1929: Hamza Hakimzoda Niyoziy, usbekischer Dichter, 1971: Paul Appel, deutscher Lyriker, 1973: Johannes Aavik, estnischer Autor, 1975: Alain Grandbois, kanadischer Lyriker, 1986: Ludvík Aškenazy, tschechischer Schriftsteller, 1996: Odysseas Elytis, griechischer Dichter, 2008: Jochen Petersdorf, deutscher Schriftsteller, 2013: Peter Ensikat, deutscher Schriftsteller und Kabarettist; am 19. März 1406: Ibn Khaldun, tunesischer Gelehrter, 1534: Michael Weiße, böhmischer Pfarrer und deutscher Kirchenlieddichter, 1711: Thomas Ken, englischer Bischof und Hymnenautor, 1797: Sophie von Kühn, Verlobte von Novalis, 1832: Ludwig Halirsch, österreichischer Dichter, 1978: Herbert Günther, deutscher Schriftsteller und Anthologist, 1997 (20. Todestag): Eugène Guillevic, französischer Dichter, 1999: José Agustín Goytisolo, spanischer Dichter, 1999: Jaime Sabines, mexikanischer Dichter,  2008: Hugo Claus, flämischer Schriftsteller; am 20. März 1475: Georges Chastellain, flandrischer Dichter französischer Sprache, 1897: Apollon Majkow, russischer Dichter 1898: Karl August Tavastjerna, finnlandschwedischer Schriftsteller, 1963: Karl Otten, deutscher Schriftsteller, 1967: Ludwig von Ficker, österreichischer Schriftsteller und Verleger, 2010: Ai, amerikanische Lyrikerin, 2014: Hennie Aucamp, südafrikanischer Schriftsteller (Afrikaans); am 21. März 624: ʿAṣmāʾ bint Marwān, jüdische Dichterin aus Medina, 1843: Robert Southey, englischer Dichter, 1942: Jindřich Štyrský, tschechischer surrealistischer Maler und Dichter, 1958: Gottfried Kölwel, deutscher Schriftsteller, 2012: Tonino Guerra, italienischer Lyriker, 2013: Chinua Achebe, nigerianischer Schriftsteller; am 22. März 1832: Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter, 1969: Gerhard Fritsch, österreichischer Schriftsteller, 1991: Paul Engle, amerikanischer Schriftsteller; am 23. März 1619: Georg Gotthart, Schweizer Dichter, 1869: Anton Wilhelm von Zuccalmaglio, deutscher Dichter und Musiker, 1878: Ernst Keil, Gründer der Gartenlaube, 1923: Howhannes Tumanjan, armenischer Dichter, am 24. März 1613: Friedrich Taubmann, deutscher Gelehrter, neulateinischer Dichter, 1810: Mary Tighe, irische Schriftstellerin, 1882: Henry Wadsworth Longfellow, amerikanischer Schriftsteller, 1904: Emma Herwegh, Revolutionärin, Frauenrechtlerin, 1905: Jules Verne, französischer Schriftsteller, 1909: John Millington Synge, irischer Schriftsteller

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Bücherbord

Neu im L&Poe-Regal:

  • Christine Lavant: Gedichte aus dem Nachlass. Herausgegeben von Doris Moser und Fabjan Hafner unter Mitarbeit von Brigitte Strasser. Mit einem Nachwort von Doris MoserReihe: Christine Lavant: Werke in vier Bänden (i. A. des Robert-Musil-Instituts der Universität Klagenfurt und der Hans Schmid Privatstiftung hg. von Klaus Amann und Doris Moser); Bd. 3. Wallstein: 2017.654 S., € 38,80 (D) | € 39,90 (A) eBuch: 30,99 €. ISBN: 978-3-8353-1393-4 (2017)

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L&Poe Rückblende: Mai 2002

Viel Bildungsgut im Mai 2002. Die Ursprache, Catull in den Kanon, der erste deutsche Dichter, der Dichter überhaupt und sein (lyrisches?) Ich. Wer ist der Größte, Tellkamp vielleicht? Macht der Teufel einen Pakt mit Hilbig? Wortreigen von Egger und Christensen. Kein Markt für arabische Lyrik, außer bei arabischen Lyrikern. Dies und viel mehr stand im Mai 02 in der Lyrikzeitung. Mehr hier.

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Zum Schluß Hansjürgen Bulkowskis Poetopie

im ICE der Gegenwart kommt der Kontrolleur – knipst dir deine Entwertung ins Ohrläppchen

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L&Poe-Rückblende: Mai 2002

Viel Bildungsgut (und Absturz von Bildungsgut) im Mai 2002 in der Lyrikzeitung

Adieu, Dichter

Do Poets Matter? fragt Robert Bové – und gibt auch Antwort:

The short answer is, Yes—but only to them. That’s a fact, Jack. Poets are about as solipsistic a bunch as you can find. …
Most poets are exiled from their families as soon as the tendency is identified. Some great poets have been exiled from whole countries ( Ovid), others have chosen exile ( Eliot ) or have been exiled within their countries ( Akmatova ). In the future, great poets will be exiled from the planet (Kubrick’s Hal). / The Texas Mercury , vol. I issue 38

Adieu, lyrisches Ich,

sagt Dorothea von Törne und fährt fort:

von dem die gesamte zählebige Sparte der Befindlichkeitslyriker zehrte. Vielleicht ist ja der Dichter nichts weiter als eine Aäolsharfe, durch die der Wind streicht?

So in  Die Welt 25.5., in einer Besprechung von

Brigitte Oleschinski : Reizstrom in Aspik. DuMont, Köln. 132 S., 16,90 E.

Catull in den Kanon

Schwer tun wird man sich vielleicht zunächst mit Holzbergs Beharren auf dem durchgehend ironischen Ton und der durchwegs komischen Intention des Autors. Dies besonders in Gedichten, die gemeinhin als Ausdruck echten Gefühls gelesen werden, etwa in der Allius-Elegie (c. 68) oder im Selbstgespräch des 76. Gedichts, das der Latinist Wilhelm Kroll als «von tiefster Empfindung getragen» charakterisierte.

Mit dem von Gian Biagio Conte geprägten Begriff des «verborgenen Autors» versteht Holzberg das poetische Ich der Catull’schen Gedichte als Figur, die vor allem auf Grund ihres permanenten Versagens im erotischen Bereich komisch konnotiert ist. Die Lektüre des von Catull als «zierliches neues Büchlein» (lepidum novum libellum) bezeichneten Corpus, so Holzbergs Folgerung, sei für Zeitgenossen in erster Linie witzig und unterhaltsam gewesen, obschon sie für dessen tieferes Verständnis über einen hohen Grad literarischer Bildung verfügen mussten. …

Man wird sich Niklas Holzbergs Wunsch anschliessen, der spätrepublikanische Veroneser möge im Kanon der Weltliteratur gleichrangig neben Petrarca, Goethe oder Baudelaire stehen. Dazu aber muss er nicht nur gelobt, sondern auch gelesen werden . / NZZ 25.5.02
Niklas Holzberg: Catull. Der Dichter und sein erotisches Werk. Verlag C. H. Beck, München 2002. 228 S., Fr. 43.50.

Otfrid, der erste deutsche Dichter

Über sein mehr als 1100 Jahre altes „Evangelienbuch“ schreibt die FR Erstaunliches:

Der Erzengel Gabriel wird von Gott zur Jungfrau Maria geschickt, und zwar nicht so schlicht und prosaisch, wie im Lukas-Evangelium („missus est Gabriel angelus“), sondern mit allen erzählerischen Registern. Der Engel fliegt „auf dem Sonnenpfad, auf der Sternenstraße, auf den Wolkenwegen zu der erhabenen Herrin“. (Das hört sich auf Althochdeutsch so an: „Fluog er sunnun pad, sterrono straza, wega wolkono zi theru itis frono.“) Als der Engel eintritt, ist Maria gerade damit beschäftigt, im Psalter zu lesen, auf dem Schoß hat sie eine Handarbeit abgelegt: Für die Lektüre hat sie das Weben an „schönen Stoffen aus teurem Garn (diurero garno)“ unterbrochen. Beide Details stehen nicht bei Lukas, wohl aber in den Apokryphen, den nicht kanonisierten Evangelien. Und nirgendwo, wohl aber bei Otfrid steht, dass Maria trauert („drurenta“), dass sie sich im Zustand einer höheren Melancholie befindet, als der Engel eintritt und sie anspricht.
FR 25.5.02

Alle (naja, fast alle) gratulieren Wolfgang Hilbig zum

Büchnerpreis

Auch Ingo Schulze:

Vorausgesetzt, der Teufel hätte sich in den letzten Jahrzehnten darüber Gedanken gemacht, mit welchem deutschen Schreiber es sich überhaupt noch lohnen würde, einen Pakt zu schließen – er wäre schnell beim Dichter Hilbig erschienen.

Paul Jandl über eine Herbeck-Ausstellung in Krems

Jahrzehnte hat Ernst Herbeck in den Fürsorglichkeiten der niederösterreichischen Psychiatrie verbracht, er war ein stiller Patient, dessen Leistung als Dichter von seinen Förderern dennoch nicht verschwiegen wurde. Mehrere Sammelbände sind schon zu Lebzeiten Ernst Herbecks erschienen, die Kunsthalle Krems widmet ihm jetzt eine Ausstellung und erinnert damit an einen Schriftsteller, der mit der ergreifenden Lakonie seiner Bilder aus dem Leiden des Lebens gänzlich unpathetische Literatur gemacht hat. Der Patient ein Dichter: «Je grösser das Leid / desto grösser der Dichter / Umso härter die Arbeit / Umso tiefer der Sinn.» / NZZ 30.5.02

Gedichte von Jürgen Fuchs vertont

dpa Prag – Drei Jahre nach dem Tod des Autors Jürgen Fuchs hat der tschechische Rockmusiker Mikolas Chadima eine CD mit Texten des 1977 von den DDR-Behörden nach West-Berlin abgeschobenen Schriftstellers veröffentlicht. Das Album sei nach dem 1979 veröffentlichen Buch «Tagesnotizen» benannt und vereinige die gesellschaftskritischsten Werke des Autors, berichten Prager Zeitungen. Der 1950 geborene Fuchs wurde in der DDR aus politischen Gründen verhaftet und aus der Haft in die BRD abgeschoben. 1999 starb er an Leukämie.

Inger Christensen in Hombroich

In Hombroich las Inger Christensen einige ihrer Gedichte akzentfrei in Deutsch, anschließend in Dänisch. Endlos erschienen die Wortreigen. Sie trug sie nahezu ohne Betonung vor. Es gab keine Sätze mehr, keine Pausen, kein Höhepunkte. Alle Wörter schienen plötzlich gleich bedeutsam, so dass man völlig in den Sprachstrom hineingesogen wurde. Zeitreise der Erinnerung Die Wirkung der Gedichte als Lied verstärkte sich noch im Klangerlebnis der Originalsprache und in den refrainartigen Wiederholungen einzelner Passagen.
/ Neuß-Grevenbroicher Zeitung 24.5.

Skepsis gegen schöne Namen

Das längste Gedicht ist dem früh verstorbenen Grazer Dichterkollegen Gunter Falk , einer charismatischen Figur, gewidmet. Darin befinden sich die verzweifelten Verse, die die Grenzen der Dichtung markieren: „Etwas herbeizulügen und schöne Namen/ für seine Wunden, erklärt die Wunden nicht.“   / Thomas Rothschild über Alfred Kolleritsch, Freitag 22/2002

Der Meraner Lyrikpreis 2002 wurde geteilt

zwischen Oswald Egger und Sylvia Geist. Die einen sind für Egger, andere für Geist, noch andere hätten Tellkamp vorgezogen. Anton Thuswaldner über die Preisträger:

Egger schreibt nicht Gedicht für Gedicht, sondern verlegt sich auf das ausufernde Riesengebilde, das der Fülle und der Überfülle das Wort redet. Er schafft sich einen enzyklopädisch ausgreifenden Sprachgarten aus realen und erfundenen Pflanzen, er vermag es damit, „Weltbenennung“ (Ulla Hahn) zu betreiben, die Welt zu ordnen, indem er ihren Erscheinungen Worte und Namen gibt: „Komm, auf Lenzglastwiesen, Unhornbecher, Phloxknospen pflücken. / Täler, die erhöht werden, Bergkofel und Kornellen, ebern Kranewitten.“

Bei Sylvia Geist geht es da schon übersichtlicher zu. Sie schreibt Gedichte, die für sich in Anspruch nehmen, einen eigenwilligen Blick auf unsere Welt zu werfen, wobei Kurt Drawert das Alltagsvokabular beeindruckte. Das Gedicht werde zu einer „Regenerationsmaschine von Sprachschlacke“. /  FR 24.5.02

Nie sind alle zufrieden. Oder doch?

Egger-Lesung: toll, unverständlich

Schön hört sich die Sprachmelodie seines Gedichtes an, doch einen „Zweck und Bedeutung haben die Wörter nur, wenn eine feste Verbindung zwischen Laut und Idee besteht sowie die Absicht, dass das eine für das andere eintreten soll; denn ohne eine solche Verwendung sind die Wörter nichts weiter als ein bedeutungsloses Geräusch“.
So sieht es zumindest John Locke, und damit hat er Recht: Auch wenn sich bei Oswald Egger sicher viele Ideen hinter den Wörtern verbergen – allein, sie kamen nicht an. Umso verwunderlicher der frenetische Beifall am Ende, sogar vermischt mit Bravo-Rufen. War es den meisten etwa doch anders ergangen? Nein, das wohl doch nicht, denn beim Hinausgehen konnte man von allen Seiten hören: „Toll war’s, aber ich habe kein Wort verstanden.“ / Janine Oswald, Neuß-Grevenbroicher Zeitung 16.5.02

Zwei Anthologien arabischer Lyrik

Beide Anthologien haben in der arabischen Öffentlichkeit viel mehr Aufsehen erregt als in der deutschsprachigen. In der arabischen Presse zählten die Rezensionen nach Dutzenden, hier war kaum eine Handvoll zu vermelden. Selbst unter Orientalisten und Lyrikliebhabern sind es nur Leute mit sehr speziellen Vorlieben, die moderne arabische Poesie in Übersetzung lesen möchten. Wie gering die Neugier eines allgemeinen Lesepublikums ist, zeigen die Verkaufszahlen nach dem 11. September. Während der Koran zum Bestseller wurde, stagnierte die Nachfrage nach den Anthologien wie eh und je. Halten viele Araber die Poesie für ihren wichtigsten aktuellen Beitrag zur Weltkultur, so traut die westliche Öffentlichkeit der Gattung offenbar nicht zu, die arabische Kultur angemessen zu repräsentieren. Sie hält sich lieber an Altbewährtes, die Religion. …

Die arabische Kultur hat nicht primär ein Wahrnehmungsproblem im Westen, sie ist auch tatsächlich nicht auf der Höhe ihrer Kraft. Sie wird nicht nur mangelhaft vermittelt, sie hat selber beträchtliche, ihre Vermittelbarkeit einschränkende Mängel. / Stefan Weidner, NZZ 18.5.02

Mehrsprachigkeit: Jiddisch

Immer mehr Nichtjuden interessieren sich aus linguistischen oder kulturhistorischen Gründen für das Jiddische. Deshalb entwickle sich das Jiddische allmählich zu einer supranationalen Sprache. Lev Berinski nennt in diesem Zusammenhang die in New York lebende Engländerin Lea (Elinor) Robinson , die als Nichtjüdin in die Fremdsprache Jiddisch gewechselt hat und als eine der besten Lyrikerinnen in dieser Sprache gelten darf. Mehrsprachigkeit zeichnet auch die meisten Schriftsteller mit jiddischer Muttersprache aus: Lev Berinski hat das Moskauer Schriftstellerinstitut absolviert und verfasst heute noch russische Gedichte, Michael Felsenbaum schreibt etwa zur Hälfte in Ivrit, Gennady Estraikh spricht in seiner Familie Russisch. / NZZ 11.5.02

«What ur-Sprache did the labour speak?

/ ur ur ur to t’master’s Sprache / the hang-cur ur- grunt of the weak / the unrecorded urs of gobless workers», so beginnt Tony Harrisons Gedicht «The Ballad of Babelabour». Es könnte das Motto sowohl für Michael Schmidts grosse Anthologie «The Story of Poetry» sein, deren erster Band, «English Poets and Poetry from Cædmon to Caxton», inzwischen vorliegt, als auch für Robert Crawfords Untersuchung «The Modern Poet»… / Rüdiger Görner, NZZ 4.5.02

Die Poesie, die kommt

 

Michael Gratz

(Fortsetzung der Besprechung von L&Poe ’17-09)

Das Wort Gegenwartsliteratur bedeutet nicht zwangsläufig Literatur der „Gegenwart“, zumindest nicht im Sinne von jetzt gegenwärtig. In der russischen Literaturzeitschrift Woprosy Literatury, Ausgabe November/Dezember 2016, gibt es einen Block „Gesichter der Gegenwartsliteratur – Die Sprache der zeitgenössischen Poesie“. Behandelt werden darin ausschließlich tote Autoren: T.S. Eliot (1888-1965), Gottfried Benn (1886-1956), E.R. Curtius (1886-1956), Ossip Mandelstam (1891-1938) und Jossif Brodsky (1940-1996). Die ersten drei teilten die Gegenwart meiner Kindheit und die meisten gegenwärtig lebenden Autoren waren nur Brodskys Zeitgenossen. Eine Zeile von Mandelstam fällt mir ein: War niemands Zeitgenosse, wars in keiner Weise.

Ich glaube nicht, daß dies nur ein russisches Phänomen ist. Welchen gegenwärtigen tschechischen, dänischen oder portugiesischen Lyriker haben wir gelesen, zuletzt oder überhaupt? – Es gibt eine Anthologie aus dem Reclamverlag, „Liebesgedichte der Gegenwart“ im Untertitel, darin findet der interessierte Leser (Schüler, Lehrer, Student) Gedichte von Benn und Brecht; ja, auch ein paar lebende Autoren sind vertreten. Gegenwart ist dehnbar wie Gummi.

Lange Einleitung für die Fortsetzung meiner Besprechung der Zeitschrift Schreibheft (erster Teil siehe L&Poe ’17-09). Schreibheft stellt regelmäßig Dossiers zu bei uns wenig bekannten Werken der modernen Weltliteratur des 20. Jahrhunderts zusammen, aber auch zu polnischer, niederländischer, ukrainischer, britischer oder serbischer Gegenwartsliteratur im engeren Sinne. Oder französischer wie in den Ausgaben 85 und 88. Ich sehe die Geburtsdaten der Autoren durch: in Nr. 85: 1937, 1940, 1946, 1956, 1963, 1963, 1964. Nr. 88: 1947, 1957, 1962, 1963, 1973. Nur von einem der hier vorgestellten, Philippe Beck, gibt es bisher ein Buch auf Deutsch und 2017 ein zweites. Interessanter als die Zahlen sind die Inhalte. Eine aufregende Szene ist zu besichtigen. Ich stelle mir die Scouts der großen Verlage vor, wie sie die Schreibheft-Dossiers fiebrig nach neuen Namen durchsuchen… Ach, gibt es das überhaupt noch? Oder überlassen sie die Arbeit inzwischen ganz den Kleinverlagen?

Das Dossier in Nr. 85 hieß „Außer sich die Poesie. 6 französische Sabotagen“, zusammengestellt von Aurélie Maurin und Norbert Lange. Das in Nr. 88 „Die Poesie äußert sich. Dreimal französische Courage“, zusammengestellt haben es Leo Pinke und Tim Trzaskalik. Beide Dossiers stellen sich unter Motti aus der französischen Moderne. Das erste beginnt mit einem Auszug aus einem Prosagedicht von Baudelaire mit dem emphatischen Ausruf: „Weg mit der akademischen Muse! Mit dieser alten Betschwester habe ich nichts zu tun. Ich rufe die alltägliche, die städtische, die lebendige Muse an…“ Dann gleich noch ein Prosagedicht von Rimbaud, jetzt unmittelbar politisch und, wie sich herausstellen wird, von brennender Aktualität: Demokratie (aus den Illuminations). Über dieses Gedicht hat die akademischen Exegese befunden, es sei „augenscheinlich besonders schwer zu erfassen“. Augenscheinlich ist ein gutes Wort. Der unbefangene Leser traue dem Augenschein und lese:

DEMOKRATIE

«Die Fahne gerät in dreckiges Land, und unser Kauderwelsch erstickt die Trommel.

In den Zentren züchten wir die zynischste Prostitution. Wir massakrieren dann die logisch folgenden Revolten.

Auf in die gepfefferten und weichgemachten Länder! – im Dienst der monströsesten Ausbeutungen von Industrie oder Militär.

Auf Wiedersehen hier oder wo auch immer. Rekruten des guten Willens, werden wir die Philosophie der Bestie haben; Blindgänger der Wissenschaft, Wüstlinge des Wohlstands; zerplatzen soll die Welt hinter uns. Das ist der wahre Fortschritt. Vorwärts, Marsch!» (Deutsch von Rainer G. Schmidt)

Besonders schwer verständlich? Der Text steht in Anführungsstrichen, kein lyrisches Ich hier. Die „Demokratie“ selbst spricht, verstehen wir, wovon? „In den Zentren züchten wir die zynischste Prostitution. Wir massakrieren dann die logisch folgenden Revolten.“ – „Auf in die gepfefferten und weichgemachten Länder! – im Dienst der monströsesten Ausbeutungen von Industrie oder Militär.“ – „Blindgänger der Wissenschaft, Wüstlinge des Wohlstands; zerplatzen soll die Welt hinter uns. Das ist der wahre Fortschritt.“ Unbenommen, daß man auch dieses Gedicht auslegen kann; aber kann eine Deutung gleich welcher Art dem Augenschein trotzen, der uns sagt, daß hier von den Gebrechen „unserer“ Demokratie gesprochen wird, von Rimbaud bis immer noch. Jean-Marie Gleize: „Tatsächlich spricht der Text von der imperialistischen und kapitalistischen Gewalt, verkündet das Massaker der ‚logisch folgenden Revolten‘ “

Könnte ein solches Zitat ein Dossier über deutschsprachige Gegenwartslyrik einleiten? Über französische: augenscheinlich. Das gleiche Gedicht Demokratie steht auch über dem zweiten Dossier, nur in einer anderen Übersetzung, die die Herausgeber eigens für ihr Dossier anfertigten und kommentieren (nicht ohne leise Polemik gegen die Auslegungen des ersten Dossiers, scheint es). Aber wie dem sei, beide Dossiers stützen sich auf einen der politischsten Texte Rimbauds und wenden ihn forciert auf die Gegenwart an – die literarische und politische. Gleize in Dossier 1:

„Die poetische, politische Frage ist die nach dem Sinn der Worte, dem Sinn, den wir ihnen geben oder den wir ihnen auferlegen. Oder den wir ihnen zurückgeben wollen. Aus dieser langen und ‚wilden‘ Sequenz (die Rimbauds Personifikation entwickelt) kann einzig das entstehen, was der Dichter die ‚logisch folgenden Revolten‘ nennt, die der Kolonisierten, der Ausgebeuteten, der Vertriebenen, der Unterdrückten, jetzt und überall.

Logisch, weil unausweichlich.

Logisch auch, weil sie eine Umkehr, eine Kehrtwende, einen Umsturz fordern, in den Sprachen, in den Worten, in den Poetiken, in den Umrissen.“ (2013)

Pinke / Trzaskalik in Dossier 2:

„Es scheint, die Ideologiekritik, die Rimbauds ‚Demokratie‘ ausübt, müsse heute gegen die vermeintlich demokratische Selbstüberzeugung gerichtet werden, wie sie sich unter Rimbauds Brüdern im ‚allzu künstlerischen Milieu‘ (Rimbaud an Demeny, 15. Mai 1871) ausgebreitet hat: Allenthalben große Einigkeit, denn wir sollen keine dogmatischen Positionen mehr haben, und schon gar keine politischen Illusionen. Und endlich sollen sie da sein, die Heerscharen schrecklicher Arbeiter, die ihre Arbeit nicht mehr an die Erwartungen irgendeiner Glaubensrichtung anpassen. Und schon gar nicht an vermeintliche Grundfesten der Dichtung. Denn schließlich soll ja die Poesie die Dichter enttäuscht haben.

Wer behauptet, der Utopie zu entsagen, um sich hellsichtig seinem Los zu stellen, ist bestenfalls selbst utopisch, und auf alle Fälle ideologisch. Denn im Dickicht der Bilder und Wörter, der inflationären Urteile und Diskurse, wuchern auch die Dogmen weiter. Sie leben in den Wörtern fort, mit denen die Dichtung, ob sie will oder nicht, Umgang hat.“

Deshalb also die Poesie nicht innerbetrieblich, sondern „außer sich“, „äußert sich“. Aber: „Die Poesie außer sich bleibt Poesie.“

Über die drei Dichter mit „Courage“ sagen sie: „drei französische Dichter, die zum Publikum, zum lesenden Volk, finden wollen, weil sie wissen, daß die Grundfesten ihrer Poesie nichts anderes sind als Geschichte und Praxis ihres Forschens. Nicht Re-Poesie, nicht Post-Poesie, sondern die Poesie, die kommt.“

Wenn ich die „Vier Fragen an Sylvie Kandé“ lese, muß ich an Egmont Hesses Versuch denken, mit Gert Neumann zu reden, back in the eighties. „Geheimsprache Klandestinität“ ist das Gespräch überschrieben… War es überhaupt ein Gespräch? Hesse: „um einer totalen zersetzung zu begegnen, das geheimnis ‚klandestinität‘ zu begreifen, ließ ich mich in neumann’s sprache fallen, und seine gedankenflut ruhig auf mich überschwappen. (…)“ (Sprache & Antwort. Stimmen und Texte einer anderen Literatur aus der DDR, S. Fischer 1988)

Erste Frage von Pinke/Trzaskalik:

„Derart, immens, so daß jede / Sich für gewöhnlich zierte mit / Einer klaren Kontur, Lücke, / Die von den Gärten sie trennte.“ (Mallarmé)

Insofern Lippen Augen haben, woran Marion Danton erinnert (Büchner), ohne zu vergessen, daß Augen Lippen haben, kann sich die Dichtung noch von den heutigen Gärten abgrenzen, wenn sie, wie Jean Bollack schreibt, einen Gedanken nicht wiedergibt, sondern sprachlich hervorbringt?“

Antwort Sylvie Kandé:

„Es ist die Idee der Kontur, die meine Aufmerksamkeit erregt und die beiden Zitate einander annähert. In „Prose (pour des Esseintes)“ ergeht die Frage nach dem doppelten Status der Rede („es liegt / Mir auf der Hand: wir waren zwei“), die der Dichter an anderer Stelle „roh und unmittelbar hier, wesentlich dort“ nennt. Während der erste Tauschwert besitzt, erlaubt der zweite dem Dichter kraft einer „klaren Kontur“, die Blume von den Gärten zu trennen, um sie besser denken zu können: Isoliert von anderen Formen, anderen bekannten oder vergessenen Konturen, wird sie zugleich jeder neuen Komposition wesentlich sein — die „in allen Sträußen abwesende“. Im Gegensatz zu Hugo, der den Wörtern diese Kontur vorwarf, da sie ihr interaktives Potential begrenzte („Alle Ideen vermischen sich an den Rändern; die Wörter nicht … Der Ausdruck hat Grenzen, der Gedanke nicht“), entspringen die Ideen für Mallarmé dem Wort; mehr noch, der Vers selbst ist für ihn eine Art weiß umrandetes Wort, das der teils willkürlichen Anordnung seiner Elemente schwingend Sinn und Freiheut verleiht. (…)“

So schwirren die Gedanken und Zitate. Man muß dreimal lesen (und mag an die Klarheit von Rimbauds Illumination zurückdenken!). Welche Geistesgegenwart doch der Poesie innewohnt!

Im Weiterlesen merkt man, daß die völlig gleichen Fragen auch an die beiden anderen Dichter gehen. Schöne Gelegenheit, nicht nur horizontal, sondern auch vertikal zu lesen!

Spannend zu lesen, wie bei Sylvie Kandé (und generell im französischsprachigen Raum) deutsche Romantik und Negritude zusammengedacht werden: „Die Negritude – von der ich wohl alles gelesen haben dürfte – hatte in ihr, im Hinterfragen des abendländischen Rationalismus, eine Verbündete gefunden, wie Léopold Sédar Senghor in seinem Essay ‚Négritude et Germanité‘ (Negritude und Germanität, 1977) gezeigt hat.“

Kandés Gedicht ist ein „Neo-Epos“. Erhellende und für deutsche Diskurse provozierende Aussagen der Herausgeber zu der bei uns oft geäußerten Annahme, Bezugnahmen auf alte (Gattungs-)Traditionen seien per se regressiv. „Eine solche Auffassung wäre geschichtslos, denn sie müßte eine essentialistische Anschauung der Formen oder Gattungen voraussetzen, der zufolge sie immer schon in der Vergangenheit ihr Wesen zur Erscheinung gebracht hätten.“ Mit Schiller – auch mit dem werden die französischen Dichter konfrontiert bzw. sind sie befaßt – entwickeln sie die Idee, daß öfter unter den alten Namen „sehr neue Gattungen“ ausgeführt würden.

Das in diesem Sinne veritable Epos trägt den Titel „Die unendliche Suche nach dem andren Ufer“. In drei Gesängen die epische Handlung. Der erste schildert die Atlantikexpedition des Malikaisers Abubakari II. aus dem 14. Jahrhundert. Im zweiten wird die Frage erörtert, wie die Weltgeschichte verlaufen wäre, hätte er tatsächlich Amerika entdeckt. Der dritte aber erzählt von der, nein: besingt die Überfahrt afrikanischer Bootsflüchtlinge auf einer zerbrechlichen Piroge nach Europa, mit vielen Details, die auch in deutschen „besorgten“ Diskursen herumgeistern (falscher Name, kein Paß, aber Handy!).

(Absurder Nebengedanke, aber seis: wenn die aktuelle Greifswalder „besorgte“ Debatte um den Namen der Universität, den „die Fremden“ ihnen anscheinend nehmen wollen, theoretisches Niveau hätte statt nur tumbe Emotion und politisches Tageskalkül – von CDU über AfD bis zu NPD und Identitären), könnte sie hier Stoff zur Vertiefung finden, z.B. in der unterschiedlichen Haltung zweier Generationsgefährten, Hegel und Arndt, zum „Volksgeist“: heruntergebrochen auf die heutigen Fluchtbewegungen nach Europa.)

Die anderen beiden Couragierten heißen Dominique Quélen und Philippe Beck und sind je anders genauso spannend in poetisch-politischer Perspektive. In Frankreich ist was los!

Noch vieles wäre zu bereden… oder besser: Lesen!

Leseecke 29

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 29-35 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

29

VVHen in disgrace with Fortune and mens eyes, 
I all alone beweepe my out-cast state,
And trouble deafe heauen with my bootlesse cries,
And looke vpon my selfe and curse my fate.
Wishing me like to one more rich in hope,
Featur’d like him, like him with friends possest,
Desiring this mans art, and that mans skope,
With what I most inioy contented least,
Yet in these thoughts my selfe almost despising,
Haplye I thinke on thee, and then my state,
(Like to the Larke at breake of daye arising)
From sullen earth sings himns at Heauens gate,
  For thy sweet loue remembred such welth brings,
  That then I skorne to change my state with Kings.

Einige Anmerkungen zum Text:

  • 1 disgrace Ungnade mens eyes vieler Leute Augen
  • bootlesse vergeblich
  • Featur’d gestaltet
  • 7 skope Spielraum, Wirkungskreis
  • 10 Haplye zufällig,vielleicht, „happily“
  • 12 sullen düster, träge
  • 14 Kings kings oder kings‘

Deutsche Fassung von Stefan George:

Quellen

  • Q = Shake-speares Sonnets. Never before imprinted (1609) (Quelle der Originaltexte)
  • B = Benson, Poems: Written by Wil. Sh. (1640)
  • Burrow = W. Shakespeare: The Complete Sonnets and Poems. Ed. Colin Burrow (Oxford World’s Classics), Oxford University Press, 2002
  • B/H = Shakespeare, The Sonnets. Hrsg. Raimund Borgmeier, Michael Hanke. Stuttgart: Reclam, 2006
  • Borgmeier = Shakespeare: The Sonnets. Die Sonette. Engl. u. in ausgewählten deutschen Versübersetzungen. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Reclam, 1974

L&Poe ’17-10

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Thomas Kunst, Aloysius Bertrand, Charles Baudelaire, Salomon Geßner, Aborigenee, Bertram Reinecke, Kurt Drawert, Philipp Nikolayev, Trumps Wall, Uljana Wolf, Breyten Breytenbach, Renga for Obama, Shakespeare und mehr. Lesen!

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Die Themen in dieser Ausgabe

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Das neue Gedicht

Thomas Kunst

ICH BIN ZU SCHÖN FÜR EUCH MIT ALLEN MEINEN SINNEN.
Genau genommen hoffe ich auf Klärung.
Geduld und Irrsinn führen nie zum Ziel.
Jahrhundertstrophen bleiben ohne Ehrung.
Gelingt durch Tricks und Penetranz das Spiel
Betreuter Anpassung ans Geld, wieviel
Verändert sich, wenn Jamben durch Verlage
Verschiedener Herkunft rinnen, infantil
Genug, zu glauben, das sei nicht die Frage.
Der Tod läßt wieder nach, mir bleiben Arbeitstage.

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Prosagedicht. Spurensuche mit 3 Überraschungen

Und in Frankreich? Das Dictionnaire de la poésie française von Jacques Charpentreau (2006) schießt den Vogel ab mit mehr als 6 Seiten. Das poème en prose leite sich üblicherweise von Aloysius Bertrand (1842), Charles Baudelaire (1862) und Max Jacob (1917) her. Man könne auch auf Fénelon (1699), Parny (1787), Rabbe (1835), Guérin (1840) und andere verweisen. Folgen zahlreiche Beispiele und differenzierte Hinweise zur Geschichte und Poetik der Form. Eine schöne Formel: „Kürze. Intensität. Unmotiviertheit (gratuité).“ (Maurice Chapelan). Und der Hinweis auf unterschiedliche Meinungen: „Prosa ohne Rhythmus“ (Baudelaire). – „Rhythmisierte Prosa“ (Paul Fort). Im übrigen fehlen Autoren aus anderen Sprachgebieten praktisch ganz. / Hier gehts zum Artikel

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Stolen Generations

Ali Cobby Eckermann hat soeben erfahren, dass sie den Windham-Campbell-Preis gewonnen hat, eine der höchstdotierten Auszeichnungen der Literaturwelt. 165 000 US-Dollar. Für die Dichterin, die gemeinsam mit ihrer Adoptivmutter in einem Wohnwagen lebt, ist es eine lebensverändernde Summe. (…)

Ali Cobby Eckermann ist eine von acht Preisträgern und Preisträgerinnen in diesem Jahr. Jede und jeder von ihnen erhält 165 000 US-Dollar. Der Preis wird seit 2013 von der Yale University verliehen – in Erinnerung an den Autor Donald Windham und seinen Lebenspartner Sandy M. Campbell. Das Besondere: Die nominierten Autoren haben für gewöhnlich keine Ahnung, dass sie überhaupt im Rennen um diese Auszeichnung sind. Die meisten erfahren von dem Preis erst, wenn sie ihn gewonnen haben. So wie Ali Cobby Eckermann.

Sie ist die erste Gewinnerin des Windham-Campbell-Preises in der Kategorie Lyrik, die in diesem Jahr zum ersten Mal ausgelobt wurde. Für die Aborigine-Dichterin bedeutet der Preis aber viel mehr als nur finanzielle Sicherheit. „Es fühlt sich so an, als würde diese Auszeichnung auch die Geschichte meiner Familie würdigen“, sagt sie dem Guardian. Eine Geschichte, die das gewaltige Unrecht widerspiegelt, das den Aborigines in Australien widerfahren ist. (…) In der Begründung der Jury heißt es: „Ali Cobby Eckermann konfrontiert sich mit der gewalttätigen Geschichte von Australiens Gestohlenen Generationen und findet eine Sprache für ganze Stammbäume von unaussprechlichem Trauma und Verlust.“ / Julian Dörr, Süddeutsche Zeitung

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Drawerts Langgedicht

„Ich bin das Unglück von beiden Seiten seiner / Wirkungsgeschichte“: Wer mit solchen Versen die poetische Vermessung der Welt beginnt, der hat wenig Aussichten auf die Leichtigkeit des Seins. Wie viele große Lebensbücher der Moderne entfaltet Kurt Drawerts Langgedicht „Der Körper seiner Zeit“ den Versuch eines gefährdeten Ichs, den Abgrund der eigenen Existenz auszuleuchten. Ein zersprungenes Subjekt besichtigt den „Scherbenhaufen“ des eigenen Lebens und topografiert mithilfe poetischer Ortserkundungen die eigene Misere.

(…) Dieses Oszillieren zwischen den verschiedenen Polen der Existenz, diese gegenläufigen, oft paradoxal gefügten Versbewegungen, die sich aus einer Negativität heraus ins Offene tasten, bilden auch in seinem neuen Buch die Grundfigur seines Schreibens. In „Der Körper meiner Zeit“ erprobt Drawert eine lyrische Form, an die sich die Gegenwartsdichtung – mit den aufregenden Ausnahmen von Paulus Böhmer und Ann Cotten – kaum noch herantraut. / Michael Braun, Tagesspiegel

Kurt Drawert: Der Körper meiner Zeit. Gedicht. C.H. Beck, München 2016. 210 Seiten, 21,95 €.

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Zbigniew-Herbert-Preis für Breyten Breytenbach

Der südafrikanische Dichter und Anti-Apartheid-Kämpfer Breyten Breytenbach wird mit dem Internationalen Zbigniew-Herbert-Preis ausgezeichnet, teilte die Jury in Warschau mit. Breytenbach wurde 1939 in der Kapprovinz geboren. Weil seine Ehe mit einer Frau aus Vietnam als „Mischehe“ verboten war, verließ er Südafrika und ging nach Paris. Bei einer illegalen Einreise in sein Heimatland wurde er verhaftet und zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Auf Druck des französischen Präsidenten François Mitterand wurde er 1982 freigelassen. Breytenbach schreibt in mehreren Sprachen, darunter Afrikaans, seine Muttersprache, die heute bedroht ist. Der Preis wird am 25. Mai in Warschau vergeben. / franceinfo

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U.S. Poet Laureate Decries Trump Wall

Despite the Trump administration’s threats to deport undocumented immigrants and Trump’s campaign promise to rescind Obama’s Deferred Action for Childhood Arrivals (DACA) program, which allows certain undocumented individuals deferred deportation, [Juan Felipe] Herrera said he will remain an employee of the Library of Congress. He spoke at Emory Sunday, Feb. 19, reading poems about deportation and immigration in the 12th season of the Raymond Danowski Reading Series.

He condemned the “border machine,” the institutions that enforce the U.S.-Mexican border such as detention centers, border patrol, police and the necessitation of being “approved” to cross into the U.S. in an interview with the Wheel. / The Emory Wheel

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Kladde

Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.

I sometimes hear folks say they cannot judge the quality of a poem in a foreign language. This good admission assumes they can judge the quality of a poem in their own language. An admirable certainty!

Philip Nikolayev

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How to give good feedback

Aus der Serie: Positiv Kritisieren

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Führende deutsche Lyrikerinnen in Neubrandenburg

Das Literaturzentrum Neubrandenburg stellt in einer neuen Lesereihe führende deutsche Lyrikerinnen der Gegenwart vor. Als Erste wird an diesem Mittwoch Jana Hensel („Zonenkinder“) erwartet, wie eine Sprecherin des Literaturzentrums am Montag sagte. Die 40-Jährige lese und diskutiere unter dem Motto „Das verspielte Papier“ über die Kunst des Dichtens. Die neue Lyrik-Reihe soll die Distanz zum Gedicht verringern helfen und wird von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten gefördert.

Als weitere Schriftsteller werden im Mai Nadja Küchenmeister („Unter dem Wacholder“) und im Juni die bereits ausgezeichnete Lyrikerin Uljana Wolf („Kochanie ich habe Brot gekauft“) erwartet. Im zweiten Halbjahr lesen die aus Bremen stammende Nora Bossong und die aus Anklam stammende Judith Zander. Alle Autorinnen leben in Berlin. / Ostsee-Zeitung
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Bertram Reinecke im Gespräch

Meine Lektüren hatten Züge nichtlinearen Lesens. Auch das spiegelt »Sleutel« wieder. Dass gerade die Montage aus unveränderten Fremdversen mich so reizt, liegt daran, dass hier noch Neuland betretbar ist: Man kann heute die rein mechanischen Prozesse dem Rechner überlassen, über Volltextsuchen etc. Man kommt so zu Ergebnissen, die sich vorhergehende Dichter nicht vorstellen konnten. Gleichwohl bleibt es eine recht langwierige Arbeit: Man muss für ein kürzeres Gedicht oft 70 bis 90 Stunden am Rechner sitzen. / Mehr
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Gestorben
  • Am 8. März Zdenek „Kňučík“ Navratil, slowakischer Sänger / Liedschreiber
  • Am 6. März Andrej Tschubitsch (Чубич, Андрей, 54), russischer Dichter
  • Am 5. März Jay Lynch, 72, american underground comics artist
  • Am 5. März Rafael Martínez Arteaga (77), venezolanischer Dichter
  • Am 4. März Luis Maquieira, spanischer Schriftsteller (mehr)
  • Am 1. März Gustav Metzger, 90, in Deutschland geborener britischer Aktionskünstler,  auto-destructive artist

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Die Shakespeare-Leseecke

geht weiter mit Sonett #28:

HOw can I then returne in happy plight

Deutsch von Otto Gildemeister:

Wie soll ich denn wohl wieder fröhlich werden

Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen

 

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Neue Zeitschriften
  • Wirkendes Wort 3 / 2016: Die ersten Sätze der Grimmschen Märchen – Zwischen Poes(iolog)ie und Wissen beim späten Enzensberger – Lautsymbolik in den Sprachen der Welt
  • Wirkendes Wort 1/2016: Verstehen wir Martin Luther noch? – Neulektüre von Brechts Taoteking-Legende – Zeithöfe bei Paul Celan
  • Slavonic and East European Review 4/ 2016: Conflict in Ukraine. What everyone needs to know („This book should certainly be on every reading list on Ukraine, but while it delivers a lot of what everyone needs to know, it does not provide everything.“)
  • Woprosy Literatury 6 (Nov./Dez.) 2016: „Traditionen“ des russischen Formalismus (Der junge Eichenbaum / Jakobson oder Bachtin? u.a.) – Gesichter der Gegenwartsliteratur – Die Sprache der zeitgenössischen Poesie [na gut, zeitgenössisch ist etwas gedehnt:] Gedichte in T.S. Eliots Zeitschrift Criterion / Dialog zwischen Gottfried Benn und E.R. Curtius – Der „Unbekannte Mandelstam“ Jossif Brodskys
  • Fortsetzung der Besprechung von Schreibheft 88 in der nächsten Woche

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Kurz gesagt
  • Laut seiner viertausend Seiten starken Akte sind neun Stasi-Offiziere und 32 Inoffizielle Mitarbeiter gegen ihn im Einsatz gewesen. Das ist auch eine Art Ruhmesblatt. / Ulrich Greiner über Volker Braun, Frankfurter Anthologie, FAZ 4.3., S. 18
  • At a time when back-to-roots bluster is giving racist groups surprising power on both sides of the Atlantic, Wolf’s work takes on new urgency in speaking for nomadic speech. The result can be strange, floating lines or scrambled homophones, tatters that make readers want to see how they might fit together – or might not. / Heidi Hart über die Übersetzung von Uljana Wolfs Sprachmixtexten ins Englische
  • Your Brain Loves Poets, But May Not Know It / Pantagraph.com
  • Why do writers write? Narcissism, rage, a quest for ecstasy, a therapeutic impulse. Then there’s J.M. Coetzee, who writes out of apathy. (Arts & Letters Daily) more »
  • My sister met Hugh Hefner at a sushi bar called Geisha House in Hollywood he definitely had / on a purple crushed velvet jacket & my sister said he was surrounded by some “nasty-looking girls” more

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Kurz berichtet
  • Der 19. Dichterfrühling in Frankreich, der noch bis zum 19. März läuft, hat das Schwerpunktthema Afrika. Bedeutende Stimmen der französischsprachigen Literatur Afrikas wie Senghor, Tchicaya U Tam’si oder Kateb Yacine werden präsentiert, aber auch subsaharische Literatur, gekennzeichnet durch mündliche Traditionen, aber auch beeinflußt von europäischer Dichtung. Hier gibt es ein Video- und Audioarchiv zu dem kongolesischen Dichter U Tamsi, der 1988 starb und als einer der größten Dichter Afrikas gilt.
  • Die Literarische Welt stellt ein Gedicht von Roberto Bolaño vor und spricht mit Jonathan Lethem über den Autor.
  • Über 200 Poeten schreiben an einem Renga für Obama. Mit Robert Pinsky, Paul Muldoon, Elizabeth Alexander, Ron Padgett, Mary Karr, Juan Felpe Herrera, Ilya Kaminsky, Bob Holman, Jorie Graham, Marie Ponsot, Charles Bernstein und viele andere. Hier das täglich fortgeschriebene Werk.
  • Das Getty Research Institute (GRI) teilte den Erwerb einer Reihe von konkreten / visuellen Arbeiten des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay und eines 3D “Würfelgedichts” des brasilianischen Künstlers Augusto de Campos mit. Die Gedichte werden unter 100 anderen Arbeiten in der Ausstellung Concrete Poetry: Words and Sounds in Graphic Space vom 28. März bis 30. Juli gezeigt.  / Artfix daily
  • Two renowned British poets, Patience Agbabi and Jim Carruth, took to the stage to read from the work of four Turkish writers – Fazil Husnu Daglarca, Cevat Capan, Orhan Veli and Nazim Hikmet. The featured poets, PEN’s Brian Johnstone said, were not necessarily the ones who were imprisoned. In fact, many of them were deceased. The point of this exercise was to demonstrate the significance of Turkish literature, and to connect with the country’s writing during this time of unrest that it is experiencing. / more
  • In January, over 800,000 pages of declassified CIA documents previously only available in a physical archive were put online. All were initially declassified in 2011, though they don’t all have their actual date of creation. They are divided into 15 document collections, the most intriguing of which is titled “Secret Writing.” / more

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Lyrikkalender

In Frankreich findet vom 4.-19. März zum 19. Mal der Printemps des Poètes (Frühling der Dichter) statt. Thema in diesem Jahr: Afrique(s). –  Vom 6.-31. März findet das Festival: Berlin statt. 7.-18.3. lit.Cologne – Am 11. März 1812 Gleichstellung jüdischer Bürger in Preußen. Am 11. März 1700 wird in Schweden der Schwedische Kalender eingeführt, mit dem Ziel, ihn langsam an den Gregorianischen Kalender anzupassen. In Schweden ist das Datum der 1. Märzschwed., der Tag davor war der 28. Februarjul.. Am 12. März 1712 wechselt Schweden zurück zum Julianischen Kalender. In Schweden ist das Datum der 1. Märzjul., der Tag davor war der 30. Februarschwed..

14. März ist Pi-Tag. Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler vom Balkon der Neuen Burg aus den versammelten Massen auf dem Heldenplatz den „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich. der glanze heldenplatz zirka versaggerte in maschenhaftem männchenmeere / drunter auch frauen die ans maskelknie zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick. – Nach dem römischen Kalender die Iden des März. Der 16. März ist Tag der Bücherträger in Litauen (mehr unter Geburtstage am 16. März). Am 17. März 1951 Probeaufführung der Oper Die Verurteilung des Lukullus von Paul Dessau mit dem Text von Bertolt Brecht. St. Patrick’s Day.

Der Lyrikwettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis und die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise findet am 17. und 18. März 2017 in der Centralstation Darmstadt statt.

Geburtstage haben am 11. März 1544: Torquato Tasso, italienischer Dichter, 1654: Heinrich Georg Neuss, deutscher Kirchenlieddichter, 1860: Emil Ertl, österreichischer Schriftsteller, 1907: Georg Maurer, aus Rumänien stammender deutscher Lyriker, 1915: Karl Krolow, deutscher Lyriker, 1955: Nina Hagen, deutsche Sängerin, Songwriterin, deutsche Godmother of Punk, 1959: Dejan Stojanović, serbisch-amerikanischer Dichter; am 12. März 1607: Paul Gerhardt, deutscher Kirchenlieddichter, 1703: Ladislaus Amade von Várkonyi, ungarischer Dichter, 1821: Hermann Hettner, deutscher Literaturhistoriker, 1863: Gabriele D’Annunzio, italienischer Dichter, 1912: Irving Layton, kanadischer Dichter („tell it like it is“), 1922: Helga Goetze, deutsche Künstlerin, Schriftstellerin und politische Aktivistin, 1922 (95. Geburtstag): Jack Kerouac, amerikanischer Schriftsteller, 1942: Shabnam Shakeel, pakistanischer Dichter, 1943: Mina Assadi, persische Lyrikerin; am 13. März 1395: John Barbour, schottischer Nationaldichter, 1479: Lazarus Spengler, deutscher Hymnenschreiber, 1822: Moritz von Strachwitz, deutscher Dichter, 1863: Richard Zoozmann, deutscher Dichter und Anthologist, 1883: Takamura Kōtarō, japanischer Lyriker, 1884: Oskar Loerke, deutscher Dichter, 1891: Felix Aderca, rumänischer Dichter, 1897 (120. Geburtstag): Jeghische Tscharenz, armenischer Dichter, 1899: Jan Lechoń, polnischer Dichter, 1900: Giorgos Seferis, griechischer Dichter, 1906: Fritz Adam, deutscher Lyriker, 1912: Olga Nikolajewna Anstej, russische Schriftstellerin, 1913: Sergei Michalkow, russischer Dichter („Der Hase im Rausch“), 1925: Inge Müller, deutsche Lyrikerin, 1927: Georges Badin, französischer Dichter, 1933: Gero von Wilpert, deutscher Literaturwissenschaftler, 1941: Mahmoud Darwisch, palästinensischer Dichter, 1960: Jurij Andruchowytsch, ukrainischer Schriftsteller, 1962: Seyhan Erözçelik, türkischer Dichter; am 14. März 1801: Kristian Jaak Peterson, estnischer Dichter, 1823: Théodore de Banville, französischer Dichter, 1844: Arthur O’Shaughnessy, englischer Dichter, 1854: Alexandru Macedonski, rumänischer Dichter, 1862: Emil Beurmann, Schweizer Malerpoet, 1879: Albert Einstein, deutscher und amerikanischer Physiker, 1887: Ernst Goll, österreichischer Dichter, 1925: John Wain, englischer Dichter, 1934: Volker von Törne, deutscher Lyriker, 1938: Angus MacLise, amerikanischer Musiker (Velvet Underground) und Dichter, 1972: Irom Chanu Sharmila, indische Dichterin; am 15. März 1816: Wolfgang Müller von Königswinter, patriotischer Dichter, 1830: Paul Heyse, deutscher Dichter, der erste deutsche Nobelpreisträger, 1900: Wolfgang Schadewaldt, deutscher Altphilologe, 1916: Blas de Otero, spanischer Lyriker, 1930: Andreas Okopenko, österreichischer Schriftsteller, 1939: Robert Nye, englischer Schriftsteller, 1956: Kurt Drawert, deutscher Schriftsteller, 1959: Ben Okri, nigerianischer Schriftsteller; am 16. März 1581: Pieter C. Hooft, niederländischer Dichter, 1585: Gerbrand Bredero, niederländischer Dichter, 1744: Nicolas-Germain Léonard, französischer Dichter, 1759: Bengt Lidner, schwedischer Dichter, 1797: Alaric Alexander Watts, englischer Dichter, 1839: Sully Prudhomme, französischer Dichter, erster Nobelpreisträger für Literatur, 1846: Jurgis Bielinis, litauischer Bücherschmuggler; schmuggelte litauische und lettische Bücher in diese Länder, als das in Rußland verboten war. Sein Geburtstag wird in Litauen als Tag der Bücherträger begangen. 1865: Aspazija, lettische Lyrikerin und Frauenrechtlerin, 1875: Percy MacKaye, amerikanischer Dichter, 1883: Ethel Anderson, australische Schriftstellerin, 1892 (125. Geburtstag): César Vallejo, peruanischer Dichter, 1898: Jakob Haringer, deutscher Schriftsteller, 1908: René Daumal, französischer Dichter, 1920: Tonino Guerra, italienischer Lyriker, 1937 (80. Geburtstag): Huschang Golschiri, iranischer Schriftsteller, 1966: Dirk von Petersdorff, deutscher Literaturwissenschaftler und Lyriker; am 17. März 1781: Ebenezer Elliott, englischer Dichter, 1820: Jean Ingelow, englische Dichterin, 1867: Patrice Contamine de Latour, spanischer Dichter, 1914: Aida Tsunao, japanischer Dichter

Todestage am 11. März 1982: Edmund Cooper, englischer Schriftsteller, 1982: Horace Gregory, amerikanischer Dichter und Übersetzer; am 12. März 1582: Andreas Ellinger, neulateinischer Dichter, 1648: Tirso de Molina, spanischer Dichter, 1898: Zacharias Topelius, finnlandschwedischer Dichter, 1916: Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin, 1930: Alois Jirásek, tschechischer Schriftsteller („Böhmens alte Sagen“), 1947: Winston Churchill, US-amerikanischer Schriftsteller („Der Amerikaner“) 1953: Itō Shizuo, japanischer Lyriker, 1990: Philippe Soupault, französischer Dichter, 1991: William Heinesen, färöischer Dichter, 2006: Jurij Brězan, sorbisch-deutscher Schriftsteller, 2008: Erik Ågren, finnlandschwedischer Schriftsteller, 2010: Ernst Herhaus, deutscher Schriftsteller, 2015: Ada Jafri, pakistanischer Dichter, 2016: Rafiq Azad, bangladeschischer Dichter, am 13. März 1711: Nicolas Boileau, französischer Schriftsteller, 1812: Johannes le Francq van Berkhey niederländischer Naturforscher, Dichter und Maler, 1851: Karl Lachmann, deutscher Philologe, 1895: Louise Otto-Peters, deutsche Schriftstellerin, Mitbegründerin der deutschen Frauenbewegung, 1941: Elizabeth Madox Roberts, amerikanische Schriftstellerin, 1943: Stephen Vincent Benét, amerikanischer Schriftsteller, 1975: Ruth Schaumann, deutsche Schriftstellerin, 1976: Max Tau, deutsch-norwegischer Schriftsteller, Lektor und Verleger, 1975: Ivo Andrić, jugoslawischer Schriftsteller; am 14. März 1672: Johann Wilhelm Simler, Schweizer Dichter,  1673: Salvator Rosa, italienischer Maler und Dichter, 1803: Friedrich Gottlieb Klopstock, deutscher Dichter, 1891: Théodore de Banville, französischer Dichter, 1962: Will Vesper, deutscher Schriftsteller, Anthologist und Hitlerverehrer, 1976: Martha Saalfeld, deutsche Lyrikerin, 1984: Hovhannes Schiraz, armenischer Dichter, 2013: Aramais Sahakyan, armenischer Dichter; am 15. März 1723: Johann Christian Günther, deutscher Dichter, 1870: Matthäus Friedrich Chemnitz, deutscher Dichter, 1937: H. P. Lovecraft, amerikanischer Schriftsteller, 1963: Mouloud Feraoun, algerischer Schriftsteller, 1970: Tarjei Vesaas, norwegischer Schriftsteller, 1989: Muhammad Jameel Didi, maledivischer Dichter und Politiker, 1996: Wolfgang Koeppen, deutscher Schriftsteller; am 16. März 1741: Jean-Baptiste Rousseau, französischer Schriftsteller, 1798: Aloys Blumauer, österreichischer Schriftsteller, 1862: Josef Christian Freiherr von Zedlitz und Nimmersatt, österreichischer Dichter, 1865: Aspazija, lettische Dichterin, 1874: Heinrich Schaumberger, deutscher Schriftsteller, 1898: Aubrey Beardsley, britischer Künstler und Dichter, 1902: Narcisse Quellien, bretonischer Dichter, 1921: Paul Boldt, deutscher Lyriker, 1945: Börries von Münchhausen, deutscher Dichter, 1962: Zenzl Mühsam, deutsche Anarchistin, 1968: Gunnar Ekelöf, schwedischer Dichter, 2000: Pavel Prudnikau, weißrussischer Dichter, 2012: Yoshimoto Takaaki, japanischer Lyriker, 2014: Yulisa Pat Amadu Maddy, sierraleonischer Schriftsteller, 2016: Alexander Esenin-Volpin (Jessenin-Wolpin), sowjetischer Dichter, Mathematiker und Dissident. Am 17. März 1680: François de La Rochefoucauld, französischer Aphoristiker, 1906: Konrad Beyer, deutscher Dichter und Literaturwissenschaftler, 1959: Galaktion Tabidse, georgischer Lyriker, 2000: Jack Davis, australischer Dramatiker und Lyriker

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L&Poe Rückblende: April 2002

Lyrik im Spiegel? Wenigstens ein kleiner Skandal sollte dabei sein. Im Notfall auch, wenn er 2000 Jahre her ist. Vorteile der Zweisprachigkeit. Gebraucht wird eine Geschichte der österreichischen Literatur, die die zweisprachigen Slowenen, Ungarn, Tschechen berücksichtigt. Im 17. und 18. Jahrhundert waren viele Lissaboner Intellektuelle afrikanischen Ursprungs. Die Deutschen sollten als Chance begreifen, dass nun auch das Türkische eine deutsche Sprache geworden ist. Der ewige Problemall Nobelpreis, Peter Paul Zahl als Provokation, Benn als Liebhaber. Dies und viel mehr hier.

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