In Steffen Jacobs Gedichte-Kolumne diesmal ein Gedicht von Robert Gernhardt, dessen erste Zeile lautet:
Das ist der Nebel, aus dem Zombies steigen. / Die Welt 2.2.02
In der „Welt“ plädiert Bernd Wagner für Skepsis gegen literarisches Vereinswesen, indem er auch an seine DDR-Lehrjahre erinnert:
Was habe ich nicht für Wege zurückgelegt, um Gespräche führen zu können, die über das stets etwas Konspirative des kleinen Kreises hinausgingen. Verbände und Vereine sind die Erben der Salons in der Massengesellschaft. Der erste, den ich kennen lernte, war der „Kreis junger Autoren“, der Anfang der siebziger Jahre in einem Hinterzimmer des „Hotel Newa“ in der Invalidenstraße tagte, deren Namen eines gewissen Symbolgehaltes nicht entbehrte, denn die jungen Autoren waren zwischen 50 und 70 und ihre Ansichten so verstaubt wie das Mobiliar des Hotels. Das Elend nahm ein Ende, als Sarah Kirsch als meine Mentorin dafür sorgte, dass ich an der Schlacht zwischen staatstreuen und kritischen Autoren im „Schriftstellerverband der DDR“ teilnehmen konnte. Doch kaum war ich in dem Verband drin, war sie draußen, und die freigewordene Mentorenstelle nahm Paul Wiens ein, der seine Zeit als Lyriker hinter sich, aber, wie ich inzwischen weiß, als „Offizier im besonderen Einsatz“ des MfS stets ein offenes Ohr für mich hatte. / Die Welt 2.2.02
In der Mitte standen Holligers Trakl-Lieder, deren viertes, „Trompeten“ uraufgeführt wurde. Holliger vertont weniger Gedichte als gewissermaßen Dichter: Er sucht für seine Zyklen gern eine repräsentative Auswahl aus der stilistischen Vielfalt eines Schriftstellers.
Dem entsprechen dann auch die Kompositionsstrategien: „Ein Winterabend“ ist seiner strophischen Form entsprechend in eine ganz liedhaft symmetrische Gesangsmelodie gefasst, die fünf spiegelbildlich angeordneten Verse von „Rondel“ werden dagegen in einem komplexen, nur von Gesang und Harfe begleiteten Satz gespiegelt. / Berliner Zeitung 2.2.02
der deutschen Literatur. Dazu gehören auch slowenische Autoren wie diese zwei, die sich selbstbewusst auf einen eigenständigen Weg begeben. ath / schreiben die Salzburger Nachrichten über eine Lesung der Kärntner Slowenen Maja Haderlap und Fabjan Hafner (2.2.02)
In der NZZ-Reihe Kleines Glossar des Verschwindens schreibt Thomas Kling über die Totenrede. / NZZ 2.2.02
„Als ginge es um eine Wette, / wie lange man noch vorhanden“ – mit diesen Worten beschrieb Karl Krolow, was ihm gegen Ende seines Lebens geschah: Bis kurz vor seinem Tod am 21. Juni 1999 schrieb er oft mehrere Gedichte an einem Tag, über 700 in drei Jahren, 150 Gedichte allein in den letzten zwei Lebensmonaten. Die „tägliche Buchung“, wie er dieses Schreiben nannte, war ihm lebensnotwendig in einem ganz elementaren Sinn: es galt, sich der eigenen Existenz zu vergewissern und dem Tod – von Wort zu Wort und von Zeile zu Zeile – zu widerstehen. (Klappentext) – In der Süddeutschen vom 2.2.02 bespricht Hilmar Klute den Band:
Karl Krolow: „Die Handvoll Sand.“. Gedichte aus dem Nachlass
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3458192239
Gebunden, 71 Seiten, 11,80 EUR
In celebration of his centennial, NPR features a reading by the poet. Hughes reads his poem „I too am America“ (Audio from Weekend All Things Considered .) February 2002
Unter dieser sprechenden Überschrift bespricht Christiane Zintzen „Fragwürdige Publikationen nach dem Tode Ernst Jandls“ / NZZ 31.1.02
“ Die Gazette “ v. 31.1.02 veröffentlicht das Gedicht „Maconas“ von Gerburg Garmann mit Autorkommentar:
Die Maconas waren ein Teil der Inkakultur. Als erwählte „heilige“ Frauen lebten sie auf dem Machu Pichu nahe dem Sonnentempel. Ihre Aufgaben umfaßten das Weben von Gewändern, generell die Zubereitung von Mahlzeiten und das Brauen eines bestimmten alkoholischen Getränkes (chica) für die Priesterschaft und den Inka-Adel.
Die NZZ druckt ein Gedicht von Fouad el-Auwad – wie immer – online! – ohne Verseinteilung, falls es denn welche hat. Aber wer das wissen will, muß die Zeitung kaufen. (Wer die sogenannte Druckerausgabe benutzt, dem wird gar der Autor vorenthalten). Der Autor stammt aus Syrien und lebt seit 15 Jahren in Aachen. / NZZ 30.1.02
Stuttgart. DPA/ BaZ . Die weltgrösste Sammlung von Handschriften Friedrich Hölderlins (1770-1843) in Stuttgart ist um eine Attraktion reicher.
Ein amerikanischer Privatbesitzer hat der Württembergischen Landbibliothek die vollständige 17-seitige Niederschrift des Hölderlin-Hymnus “ Der Archipelagus “ aus dem Jahr 1800 geschenkt, wie die Bibliothek mitteilte.
Das Gedicht umfasst 296 Verse und wurde zuerst 1804 in den „Vierteljährlichen Unterhaltungen“ veröffentlicht.
Equations are the cornerstone on which the edifice of science rests. Yet, argues Graham Farmelo, they can be as exquisite as the finest poetry.
Saturday January 26, 2002
The Guardian
During a radio interview given by Philip Larkin in May 1974 to promote his High Windows collection, he pointed out that a good poem is like an onion. On the outside, both are pleasingly smooth and intriguing, and they become more and more so as their successive layers of meaning are revealed. His aim was to write the perfect onion.
The poetry of science is in some sense embodied in its great equations, and these equations can also be peeled. But their layers represent their attributes and consequences, not their meanings.
This is an edited extract from Graham Farmelo’s introduction to the collection of essays, It Must Be Beautiful: Great Equations Of Modern Science (published next month by Granta, Ł20).
In der Netzeitung v. 26.1.02 schreibt Oliver Fueglister über drei Haikus von Bashô, darunter diesen:
Der Frühling scheidet:
Die Vögel weinen – selbst den Fischen
Kommen die Tränen.
Auf Streuobstwiesen wachsen krüppelig, grazil oder mächtig himmelgreifend museale Baumindividuen, die es sonst kaum noch gibt. Sie tragen den gelbfleischigen Lavanttaler Bananenapfel, den Kronprinz Rudolf und den bräunlichen Lederapfel, die innen rötliche Ilzer Rose und die Schafsnase wie den Ponapfel, beides Winteräpfel, die gut bis ins späte Frühjahr halten. …
Und hier in diesem Tal spielt die vielleicht merkwürdigste Geschichte der modernen deutschsprachigen Literatur.
Trink mit mir von allen Freudenarten!
Weh- und Wermut wachsen jetzt von selber
auch der Apfel wird schon immer gelber,
wenn er reif ist, steht der Tod im Garten.
Oh, wir werden sie verzückt verzehren,
Tod und Apfel und die schwarzen Kerne –
doch das Feuer unsrer Hungersterne
wird das Erdblut töten und vermehren.
/ Angelika Overath schreibt in der NZZ vom 26.1.02 über „Die merkwürdige Geschichte der Dichterin Christine Lavant“.
Christine Lavant: Herz auf dem Sprung. Die Briefe an Ingeborg Teuffenbach. Im Auftrag des Brenner-Archivs (Innsbruck) herausgegeben und mit Erläuterungen und einem Nachwort versehen von Annette Steinsiek. Otto-Müller-Verlag, Salzburg 1997. 212 S., Fr. 32.80.
Christine Lavant: Das Wechselbälgchen. Erzählung. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider. Otto-Müller-Verlag, Salzburg 1998. 124 S., Fr. 27.50.
Christine Lavant: Das Kind. Erzählung. Hrsg. nach der Handschrift im Robert-Musil-Institut und mit einem editorischen Bericht versehen von Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider. Mit einem Nachwort von Christine Wigotschnig. Otto-Müller-Verlag, Salzburg 2000. 104 S., Fr. 23.50.
Christine Lavant: Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Annette Steinsiek und Ursula A. Schneider. Otto-Müller-Verlag, Salzburg 2001. 160 S., Fr. 27.50.
Steht am Ende nun die Synthese von Dasein und Ich? Orpheus verliert Eurydike für immer, weil er nicht den Willen hat, dem Herrscher der Unterwelt wie auch Eurydike selbst zu vertrauen. Dabei braucht es etwas Vertrauen ins Dasein, um mit diesem zu verschmelzen. In Ehrenspergers Orkus besteht jedoch die Gefahr des misstrauischen Rückzugs: «Da fragte ich den Mond, / was für ein Instrument er denn am / liebsten spielen wolle. // […] ‹Am liebsten spiel ich Xylophon, / weil es mit seinem Ton zu meinem / Schein nicht stört und man ihn auf // der Erde gar nicht hört.›» Zu verlockend ist es für die empfindliche Seele, sich in ihre Nische zurückzuziehen, um dem Schmerzgesang zu frönen. Oder gibt es nur den Schmerz? / Landbote 26.1.02
Serge Ehrensperger: Sonette an den Orkus, 168 Gedichte zur Zeitenwende. Nachwort von Michel Raus. Lyrikedition 2000, München 2001, 224 Seiten, Fr. 29.–.
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