In der Märkischen Allgemeinen (27.7.02) erinnert der Bildhauer Wieland Förster an den in Neuruppin geborenen Dichter Erich Arendt:
1968 war eine Ausstellung mit diesen Arbeiten in Greifswald geplant. Arendt hatte das Katalogvorwort geschrieben, welches sofort gestrichen, die Ausstellung verboten, später dann „gereinigt“ eröffnet wurde. Das Ausstellungs- und Ankaufsverbot wegen Pessimismus, Formalismus und pornografischer Tendenzen in meinen Arbeiten währte bis 1973. Aber es waren diese „anstößigen“ Themen, denen ich seit den frühesten Jahren anhing, und ich wusste, dass es Jahrzehnte brauchen würde, um sie zur gültigen Form zu bringen. Arendts Themen waren den meinen ähnlich, aber in anderen Zeiten und Erdteilen gewachsen.
Außerdem läßt die Märkische Allgemeine die Dichterin Hilde Domin heute noch einmal 90 werden. Erst 1999 hatte sie zugegeben, daß sie bis dahin ihre Geburt um 3 Jahre verlegt hatte – auf 1912. L&P gratuliert zum 93.! / 27.7.02
In der gleichen Zeitung ein Aufsatz über die Dichterin Josiane Alfonsi:
In den Mittelpunkt rückt die Sirene der Lesenden, Gertrude Stein, das einzelne Wort. Ihr berühmtes Gedicht „A rose is a rose“ legt auf dessen Klang mehr wert als auf seinen Inhalt und seine Konnotationen. Josiane Alfonsi nimmt das Gedicht als Vorlage. Davon ausgehend formt sie dessen reichhaltige semantische Eigenarten aus, um diese am Ende wieder in Form einer lateinischen Deklination in ihre Materialität zu verweisen. Ein Glücksgriff, spielt ihre Lyrik damit doch nicht nur auf geistes- und kulturwissenschaftliche Wurzeln des Lateinischen an. Ihre Poeme sind zugleich wägende Wortspiele und Anspielung auf Lateinlektionen, in denen die Rose ein gern verwendetes Exemplum für die Deklination ist.
/ Leonberger Kreiszeitung (27.7.02)
Die Leonberger Kreiszeitung (27.7.02) sprach mit Michael Donhauser, dem im November in Leonberg der Christian-Wagner-Preis verliehen wird. Der Schriftsteller stammt aus Liechtenstein und lebt in Wien und Tübingen.
Am Deutschen Literaturinstitut Leipzig (DLL) arbeitet die erlesene Schar derer, die das Auswahlverfahren passiert und einen der begehrten Plätze im einzigen künstlerischen Studiengang für Schreibende im deutschen Sprachraum ergattert haben, an Prosatexten und Gedichten, die vielleicht einmal unser Bild von der Welt und uns selbst verändern und bereichern werden.
Sagt Norbert Hummelt in der Frankfurter Rundschau (27.7.02). Was sagt Wien dazu?
Human Landscapes from My Country: An Epic Novel in Verse and Poems of Nazim Hikmet, translated by Randy Blasing and Mutlu Konuk, reviewed by Chris King. Aus The Washington Post / 26.7.02)
Hier ein Hörbeitrag über die japanische Dichterin Kazuko Shiraishi, who has been called „the Allen Ginsberg of Japan.“ (Audio from Weekend Edition Sunday.) / 26.7.02
In der Taunus-Zeitung vom 26.7.02 schreibt Olivia Kroth über Friedrich Hölderlin und Susette Gontard in Homburg.
Der Weser-Kurier (26.7.02) würdigt die im März diesen Jahres verstorbene Autorin Luise Rinser.
Keiner hat in den vergangenen Jahrzehnten den schwedischen Kulturbetrieb so zentralisiert, aber auch so polarisiert wie Olof Lagercrantz. Dafür hatte er einen langen Anlauf nehmen müssen: Im Jahr 1911 in besten Verhältnissen geboren, als Kind eines adligen Bankdirektors und einer noch adligeren Mutter, trat er zuerst als stiller Naturlyriker auf, mit Gedichten über „Den toten Vogel“ (1935) etwa oder mit dem höchst traditionsbewussten Roman „Trudi“. Olof Lagercrantz war schon über vierzig Jahre alt, als er sich in den Fünfzigern ebenso plötzlich wie radikal der literarischen Moderne zuwandte und zum Propheten des Dichters Gunnar Ekelöf und des früh verstorbenen Romanciers Stig Dagerman, einem hierzulande sehr zu Unrecht vergessenen großen Existentialisten, wurde. / Süddeutsche 25.7.02
Weitere Nachrufe: FR 25.7./ FAZ 25.7. / NZZ 25.7.
Unter D findet sich „Dummheit des Westens“, für die Polen offenbar ein lexikonfähiger Begriff. „Jalta hat mehrere Ursachen gehabt“, liest man dort, „aber der wichtigste Beweggrund war der, dass man eine Entscheidung für die leeren und für den Zivilisationsprozess unwichtigen Länder fällen wollte“ – im Westen für den Osten, heißt das.
Da fügt es sich im Zufall der deutschen Übersetzung überaus sinnig, dass der erste Artikel „Adam und Eva“ heißt, der letzte jedoch „Zentrum und Peripherie“ – und die Peripherie, daran lässt Milosz keinen Zweifel, sind jene Länder Europas, die in der fast neunzigjährigen Lebenszeit des Autors die Geringschätzung der Anderen als Tod und Elend zu spüren bekamen. So scheint es zum Schluss fast doch, als hätte das Alphabet eine Tendenz: vom Paradies führt es zum „Anus Mundi“ (auch dies ein Stichwort), dem Arsch der Welt, Polen 1941, das Jahr, wie Milosz zitiert, „in dem Gott abgetreten“ ist. / BURKHARD MÜLLER, Süddeutsche 24.7.02
CZESLAW MILOSZ: Mein ABC. Von Adam und Eva bis zu Zentrum und Peripherie. Aus dem Polnischen von Doreen Daume. Carl Hanser Verlag, München 2002. 180 Seiten, 15,90 Euro.
Über „Die Sache mit V.“ (wie Stasi-Vater) berichtet Uwe Kolbe auf einer Lesung, über die das Schwäbische Tagblatt (24.7.02) berichtet.
Das „Neue Deutschland“ schmückt sich heuer (24.7.02) mit einem Text des französischen Lyrikers Alain Lance, der aus Wiepersdorf berichtet (u.a. über Richard Pietraß u. Volker Braun):
Wie unklar ist der Stoff / Der Welt. Zu den Stürmen und Fluten /Den unausbleiblichen Erdbeben / Treten die Beben der Völker und/ Der Erdrutsch der Gedanken.« So der Beginn des Prologs zur Eröffnung der 40.Spielzeit des Berliner Ensembles am 11. Oktober 1989, den Volker Braun im September jenes Jahres in Wiepersdorf verfasste. Einige Wochen später, im Oktober, war der Autor Gast der ehemaligen Abtei von Royaumont bei Paris, wo ausländische Lyriker von französischen Poeten kollektiv übersetzt werden. Wir haben, in Gegenwart Volkers, seinen Zyklus kurzer Gedichte »Die Zickzackbrücke« ins Französische übertragen. Er war unruhig. Die Geschichte beschleunigte sich. Die Wende, die er ein Jahr zuvor in seinem Zyklus prophezeit hatte, wurde Wirklichkeit. Er wollte unbedingt dabei sein und reiste drei Tage früher als geplant in die DDR zurück.
Über eine Lesung von Doris Runge in Eichstätt schreibt der Donaukurier (24.7.02):
Wie man die Stille in Worte einfängt, zeigt „Stille Wildnis“, ein kurzes Gedicht, das die Autorin langsam und mit vielen Zäsuren las. Umso eindringlicher wirkten die beschriebenen Stätten: „Sumpfige Teiche leben im schlammigen Grund“, heißt es darin · die äußere Landschaft wird so zum Spiegel der seelischen Befindlichkeit. Doris Runge spielt mit den Tönen. So auch, wenn sie Pflanzen nennt, die allein durch den Klang ihrer Namen · Schwanenblume, Blutweiderich, Bärenklau, Baldrian · Bilder evozieren („Das andere Leben“).
Über Selected Writings des kubanischen Nationaldichters José Marti schreibt die Los Angeles Times am 21.7.02:
About Emerson, he wrote, „Marvelous old man, I lay my sheaf of green palm fronds and my silver sword at your feet!“ Of Coney Island: „Everything is out in the open: the noisy groups, the vast dining rooms, the peculiar courtship of the North Americans … the theater, the photographer, the bathhouse.“ On graduation at Vassar: „May the education of women become so common that she who possesses it is not marked out.“ The qualities of Whitman’s poetry: „sudden silences, vibrant tones, hymnlike élan, and Olympic intimacy.“
Neueste Kommentare