Urweider nach New York

Neuer Erfolg für den Bieler Lyriker Raphael Urweider (28): Gestern hat ihm der Deutsche Literaturfonds das zehnwöchige New-York-Stipendium verliehen.
Der Deutsche Literaturfonds habe ihn bereits bei seinem ersten Buch unterstützt, sagte Raphael Urweider, auf die Preisverleihung angesprochen, gegenüber dem BT. Der Literaturfonds besitze in Manhattan ein Haus und könne Personen für einen befristeten Aufenthalt dort vorschlagen. Der Lyriker weiss bereits, wann er der Einladung Folge leisten will: im September 2003. / Bieler Tagblatt 31.7.02

Deutschlands 1heit

Rolf Schneiders Berliner Anthologie bringt heute:

Adolf Glaßbrenner

1 – 10

An Deutschlands bald’ger 1heit
Da 2fle ich noch sehr;
Ick jebe keenen 3er
4 diese Hoffnung her.
5 Nationalitäten
Sind, wo 6 Deutsche stehn,
Die alle abzu7,
Gebt 8, det wird nich jehn:
Viel sind dem 9 noch abhold
Vom Scheitel bis zum 10.

/ 31.7.02

SWR-Bestenliste für August 2002

Platz 2:

UNICA ZÜRN: Gesamtausgabe in 8 Bänden
Verlag Brinkmann & Bose, 221,00 Euro
Von der leichten Prosa für Zeitschriften bis hin zum surrealistischen Anagramm, nichts hat nur eine Bedeutung, jede Wirklichkeit ihren Traum, jeder Alptraum Realität

Platz 4:

FUAD RIFKA: Das Tal der Rituale
Ausgewählte Gedichte. Arabisch – Deutsch.

Aus dem Arabischen von Ursula u. Simon Y. Assaf u.a.
Straelener Manuskripte Verlag, 26,00 Euro
Zwischen Heidegger, Hölderlin und der arabischen Tradition, der syrische Dichter erhielt im letzten Jahr für seine einzigartige Vermittlertätigkeit einen Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Chandos-Brief

In der FAZ-Serie zu Hofmannsthals Chandos-Brief antwortet Friederike Mayröcker:

Mit groszer Anteilnahme habe ich Ihre Klagen aufgenommen und möchte zu Ihrer Tröstung bekennen, dasz es mir vor einiger Zeit ähnlich ergangen ist / FAZ 30.7.02

Stengel 80

Die Berliner Morgenpost (30.7.02) gratuliert dem in Greiz geborenen „Satiriker des Ostens“ Hansgeorg Stengel zum 80, ebenso die Berliner Zeitung.

Adonis´ Buch

Al-Kitâb“, einfach „Das Buch“: So heißt das Alterswerk, das der gegenwärtig bedeutendste Lyriker der arabischen Welt soeben am Berliner Wissenschaftskolleg beendet hat. Der jetzt zweiundsiebzigjährige Ali Ahmad Esber, der sich seit langem in Anspielung auf einen orientalischen Vegetationsmythos „Adonis“ nennt, hat im Juli die Arbeit am letzten von drei jeweils vierhundert Seiten umfassenden Bänden abgeschlossen – die monumentale Inventur einer arabischen Kultur und Geschichte, die heute nach seiner Überzeugung einen tausendjährigen Abstieg hinter sich hat. Im Gespräch beschreibt Adonis sein Opus magnum als ein Gewebe aus drei Stimmen, aus lyrischen „Explosionen“, Meditationen und poetischen Porträts. Zusammen ergeben sie eine Hommage an die Dissidenten und Häretiker, die im Laufe der Jahrhunderte unterdrückt, zum Schweigen gebracht und ermordet worden sind. / Heinrich Detering, FAZ 29.7.02

Mulisch 75

In der FR vom 29.7.02 gratuliert Katharina Rutschky Harry Mulisch zum 75.

Mehr: WAZ 29.7. / Landbote 29.7.

Urweider

Über Vater und Sohn Urweider schreibt das Bieler Tagblatt am 29.7.02.

Lesefrucht:

Amaru, Indien um 500 u.Z.

Not all of Sanskrit poetry, unfortunately, is fit copy for Delhi’s forthcoming underground: A poem by Amaru, for instance, is destined to stay within the confines of discreet book covers:

Held her
Tight to me
breasts pressed flat
all of her skin
reached
and with wanting alone
her clothes by themselves fell down
her legs No
don’t Oh
god don’t
too much oh
yes
she was saying I
could hardly hear her
after that did she
fall asleep did she die
did she vanish into me
did she totally dissolve
into me

(translated by W.S. Merwin and J.M. Masson in A Treasury of Sanskrit Poetry). / Outlook India 29.7.02

Suche und Konspiration

Das an den Schluss gesetzte Titelgedicht betont den Eigensinn der Poesie: „Risse, die durch die Zeiten führen. / Philosophie in Metren, Musik der Freudensprünge von Wort zu Ding.“ In schöner Konsequenz besteht Grünbein auf dem Eigensinn der Poesie, ihrer Leistung, das Subjekt, das sie bezeugt, stets neu zu erschaffen und zu vermitteln: „Der Vers ist ein Taucher, er zieht in die Tiefe, sucht nach den Schätzen / Am Meeresgrund, draußen im Hirn. Er konspiriert mit den Sternen.“ Solche Suche und Konspiration sind in diesem Band mehrfach glücklich erfolgreich. / Alexander von Bormann, Die Welt 29.7.02

Durs Grünbein: Erklärte Nacht. Suhrkamp, Frankfurt/M. 151 S., 18 E

S.a. NZZ 27.2.02

Aficionado of the void

Poet´s Choice: Edward Hirsch features poems by Eugenio Montale. (From The Washington Post. 28.7.02):

The Italian poet Eugenio Montale (1896-1981) was an aficionado of the void, of thresholds and enclosures, of stony enclaves and seacoasts. „I always begin with the real,“ he once said, and he wrote often of his first landscape — a walled-in garden near the Tuscan coast, the sea churning on the other side of the cliffs, the unforgiving sun in an endless blue sky. This is the world stripped to the bone, the „rocky and austere“ Ligurian shore, where he spent summers until he was 30.

Dichtermusen

At what point does a once facilitating partner (an “enabler“) mutate into a crazy wife, a self-deluded presence like Zelda Fitzgerald or T. S. Eliot’s first wife, Vivienne — an albatross to be schlepped along and jeered at by one’s hardhearted or snobbish friends (like Hemingway, who cast Zelda as a castrating villain almost from the moment he met her, and Virginia Woolf, who in her diary characterized Vivienne as a “bag of ferrets“ around her husband’s neck) until she is summarily ejected and sent to the loony bin, whether she belongs there or not. (According to Carole Seymour-Jones’s recent biography of Vivienne, “Painted Shadow,“ Vivienne’s brother, Maurice, made a guilt-ridden admission shortly before he died in 1980 that his sister “was as sane as I was. . . . What Tom and I did was wrong.“)

Der Artikel geht auch auf das Dilemma der „Muse“ für kreative Frauen ein – mit einem Gedicht zum Thema von Verna Safran:

The graces are always women, never men, / So on my pedestal I stand, with itching toes / Posing as Mother Mary or as Magdalen, / And wondering how you look without your clothes. / By candlelight, my dear, I pick your brains; / When I’m alone, I put you in quatrains.‘ / Daphne Merkin, NYT *) 28.7.02

Free Verse Novel

Eric McHenry schreibt in der New York Times *) vom 28.7.02 über den englischsprachigen Versroman (darunter auch: Freiversroman! ):

Brad Leithauser’s book depicts a turn-of-the-century lepidopterist, Bernardine Evaristo’s a Roman concubine.

(Dort auch eine Audiolesung von Evaristo).

Erlanger Poetenfest

Daß das Erlanger Poetenfest wegen knapper Kassen vor dem Aus stehe, meldet die Berliner Morgenpost am 28.7.02

Kommentar von Klaus Modick, FR 31.7.02

Die Leonberger Kreiszeitung

(27.7.) sprach mit Michael Donhauser, dem im November in Leonberg der Christian-Wagner-Preis verliehen wird. Der Schriftsteller stammt aus Liechtenstein und lebt in Wien und Tübingen. In der gleichen Zeitung ein Aufsatz über die Dichterin Josiane Alfonsi:

In den Mittelpunkt rückt die Sirene der Lesenden, Gertrude Stein, das einzelne Wort. Ihr berühmtes Gedicht „A rose is a rose“ legt auf dessen Klang mehr wert als auf seinen Inhalt und seine Konnotationen. Josiane Alfonsi nimmt das Gedicht als Vorlage. Davon ausgehend formt sie dessen reichhaltige semantische Eigenarten aus, um diese am Ende wieder in Form einer lateinischen Deklination in ihre Materialität zu verweisen. Ein Glücksgriff, spielt ihre Lyrik damit doch nicht nur auf geistes- und kulturwissenschaftliche Wurzeln des Lateinischen an. Ihre Poeme sind zugleich wägende Wortspiele und Anspielung auf Lateinlektionen, in denen die Rose ein gern verwendetes Exemplum für die Deklination ist.