Die Welt (5.8.02) klärt uns über den Begriff Lyrik auf:
Vor den Bildern des Leipziger Malers Neo Rauch werden Kritiker zu Lyrikern, die eine Welt erdichten wollen, die es nicht gibt.
Sie gehören zu einer literarischen Bewegung, die lange Zeit eher belächelt wurde, heute aber als wichtiger Forschungsgegenstand gilt: die personale Gelegenheitsdichtung, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert den Rang einer eigenen Gattung hatte.
Die Gedichte, die zu Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen oder Familienfesten entstanden, werden derzeit in einem 2,6 Millionen Euro teuren Projekt erstmals zusammengetragen. Mitarbeiter des Instituts für Geschichte der frühen Neuzeit an der Universität Osnabrück durchforsten Bibliotheken und Archive nach den Werken und geben sie in einem «Handbuch des personalen Gelegenheitsschrifttums» heraus. Die ersten beiden Bände sind bereits erschienen. / Berliner Morgenpost 4.8.02
Tom Payne reviews The World’s Worst Poetry by Stephen Robins / The Telegraph Filed: 03/08/2002
Rez. fragt:
why does the world’s worst poetry come only from the British Isles, North America and Australia? No room, I suppose, for the Indian prime minister’s verse on nuclear disarmament, nor for some of the utter misery to be found in Skating on the Sea, an anthology of Finnish poetry from Bloodaxe.
Zum 200. Geburtstag des deutsch-ungarischen Dichters Nikolaus Lenau veröffentlicht „Die Gazette“ (3.8.02) einen Gedichtzyklus zur Lyrik von Nikolaus Lenau von Silvia Sernau, dem wir diese Probe entnehmen:
wendunmut und leidvergesz
Der Wind ist fremd, du kannst ihn nicht umfassen
Nikolaus Lenau
und wie ich in einer Bewegung verharre
als wollte ich eine Erinnerung zücken und es werden
mir dann doch nur die Worte abgerissen
von den Lippen im Sturm Worte
wie wendunmut und leidvergesz seltene Kräuter
in meinem Garten sie fallen
mir zu absichtslos und wie verschwistert
Schon im Juni in der Gazette: L’immaculée conception von Pierre Garnier! – Und noch ein Leckerbissen: ein Herrscherlobgedicht von Martin Walser. / 3.8.02
Über die Leipziger Ausstellung zu (deutsch-deutschen) Klopfzeichen schreibt Sebastian Preuss (Berliner Zeitung 3.8.02):
„Falls Sie vorhaben ein großer Dichter zu werden, müssen Sie in die DDR.“ Das schrieb Peter Hacks in seinem Willkommensbrief an den West-Berliner Schriftsteller Ronald Schernikau, der sich 1986 im Leipziger Institut für Literatur immatrikulierte. „Die DDR allein stellt Ihnen – auf ihre entsetzliche Weise – die Fragen des Jahrhunderts.“
Zwei Sätze mehr aus dem Brief zitiert die Süddeutsche (Gustav Seibt, 3.8.) – und vergleicht die Lyriker Hacks und Gernhardt.
MDR-Seite mit Fotos und Video.
In Rolf Schneiders Berliner Anthologie geht es heute um Hans Magnus Enzensbergers Aufbruchsstimmung/ Berl. Morgenpost 3.8.02 – NZZ (3.8.) gibt (in Prosa) ein gereimtes Gedicht von Karl Kraus.
Franz Fühmanns Auseinandersetzung mit Georg Trakl steht im Mittelpunkt eines Rezitationsabends im Kubus. Der Schauspieler Klaus Löwitsch setzt Texte der beiden Autoren in ein spannungsreiches Verhältnis, sein aufwühlender Vortrag wird von Improvisationen des Trompeters Markus Stockhausen gestützt. Franz Fühmann, einer der bedeutendsten Schriftsteller der DDR, wäre dieses Jahr achtzig geworden. In seinem vor zwanzig Jahren erschienenen Buch „Vor Feuerschlünden“ ergründet er das Missverhältnis zwischen dem naiven Weltbild der DDR und einer zutiefst widersprüchlichen Realität. In seiner Auseinandersetzung mit den Selbstzweifeln und Todesvisionen des Expressionisten Georg Trakl, der mit siebenundzwanzig Jahren an einer Überdosis Kokain starb, nimmt Fühmann den Untergang eines verlogenen Systems in einer konsequenten, resignierten Analyse vorweg.
Freitag, 23. August 2002, 20:00 Uhr, Kubus im Ilmpark
Außerdem im Programm: Durs Grünbein/ Einstürzende Neubauten
Gespräch mit Löwitsch: Thüringer Landeszeitung 2.8.02
Auch eine gute Meldung: Das Erlanger Poetenfest findet statt. Programm wird noch bekanntgegeben.
/ NZZ 2.8.02: Gerade noch gerettet
Die Süddeutsche (2.8.02) gratuliert dem Lyriker Josef Guggenmos zum 80.
Neues Deutschland (2.8.02) bespricht:
Albert Ostermaier: Autokino. Gedichte. Mit Audio-CD, gesprochen vom Autor. Suhrkamp Verlag Frankfurt (Main). 108 Seiten, geb., 20,80 Euro
und kündigt für morgen ein Gespräch mit dem Autor an.
Der kleine Babel-Verlag, der bislang unter anderem mit drei Übersetzungen von R. S. Thomas auf sich aufmerksam gemacht hat, legt jetzt eine schön gestaltete zweisprachige Auswahl aus den dreissig Gedichtbänden George Mackay Browns vor und gewährt damit erstmals einen Einblick in das lyrische Schaffen des Autors. Wir werden mit Gedichten konfrontiert, die wenig gemeinsam haben mit dem Feinschliff mondänen Raffinements. Es geht Mackay Brown vor allem darum, sinnliche Eindrücke festzuhalten, oft mittels blosser Nennung der Gegenstände, wodurch dem Gedicht gleichsam die Magie eines Zauberspruchs zukommt: «In die Tage unserer Eitelkeit gemeisselt zu haben / Sonne / Schiff / Stern /Kornhalm . . . Das ist eine Arbeit für Dichter – / Die Runen einmeisseln / Dann zufrieden sein mit Schweigen». / Jürgen Brôcan, NZZ 2.8.02
George Mackay Brown: Staubkorn vom Boden des Himmels. Gedichte. Englisch/deutsch. Übersetzt von Kevin Perryman. Babel-Verlag, Denklingen 2001. 90 S., Fr. 42.-.
Die NZZ (2.8.02) berichtet über eine Samisdat-Ausstellung in Prag:
In einem Bericht des KGB aus dem Jahre 1969 über die «Geburt des Samisdat» werden auch gleich die Namen der wichtigsten Oppositionellen in dieser Zeit genannt: Brodsky, Grigorenko, Sacharow, Nadeschda Mandelstam, Solschenizyn.
Die Ausstellung wird bis 25.8.02 im Prager Nationalmuseum gezeigt u. geht später nach Brüssel.
Zum 25. Todestag des Philosophen Ernst Bloch finden in Leipzig verschiedene Veranstaltungen statt, darunter mit dem Büchnerpreisträger Volker Braun:
Unter dem Titel „Spuren – Annäherung an Ernst Bloch“ findet am 21. August eine Veranstaltung in der Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz statt. Der Lyriker und Büchner-Preisträger Volker Braun sowie der Sohn des Philosophen, Jan Robert Bloch, sind die Gesprächspartner. Der Abend beginnt um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. / Leipziger Volkszeitung 31.7.02
Neueste Kommentare