Oddly, the least interesting reading in the book are the songs that constitute the purpose of the book.
Tammen tukkananka waaka Wiintoya katete,
Tammen tukkananka waaka Wiintoya katete,
Hiim patatsiina,
Hiim patatsiina,
Hiim patatsiina,
Hiim patatsiina.
No matter how kind the reader is, it just doesn’t make interesting reading (the first two lines each translate into „To the south in the junipers on Smoky Mountains“ and the last four each translate as „Something is shining“). On a CD that comes with the book, Earl Crum sings the song with rhythms that are enticing. / The Salt Lake Tribune 21.7.02
Newe Hupia Shoshoni Poetry Songs. By Beverly Crum, Earl Crum and Jon P. Dayley; Utah State University Press; $24.95
After nine years in prisons and labor camps, Mr. Ginzburg and four others were flown to the United States in 1979 in exchange for two convicted spies.
He had attracted the attention of the Soviet authorities in 1959, with a typewritten magazine called Syntax, containing bitter poems that reflected his generation’s anger and disillusionment with the Soviet Union. It became the first of the so-called samizdat (or self-published) journals of the post-Stalin period. / Nachruf NYT 20.7.02
Diane Rehm talks with Robert Pinsky about the pleasures of poetry and the new Favorite Poem Project anthology, Poems to Read. (Audio from The Diane Rehm Show.) / 20.7.02
… am 20.7.02: NZZ bringt ein Gedicht von Evelyn Schlag – die Frankfurter Anthologie der FAZ stellt eines von Marcel Beyer vor.
Die FAZ-Serie zum Chandosbrief wird heute von Wolfgang Hilbig eröffnet, dessen Text so schließt:
Und so interpretiere ich Ihren Brief, Philipp Lord Chandos: als einen Versuch, Widerstand hervorzurufen gegen den Zerfall, der Ihnen widerfuhr, und letztlich als den Versuch, eine Verneinung Ihres Briefs zu mobilisieren und den Widerstand dagegen reifen zu lassen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2002, Nr. 165 / Seite 37
Wir haben hier keinen großen Dichter neu zu entdecken, aber einen nachdenklich stimmenden Fall der deutsch-jüdischen Literaturgeschichte zu studieren, den sichtbar gemacht und detailliert kommentiert zu haben eine große Leistung des Herausgebers ist. Nur eines wüsste ich gerne: Was meint Falkensohn Behr mit einer „hebräischen Ode“, an die er eines seiner Gedichte angelehnt habe? Wurde die Odenform damals schon in die hebräische Dichtung übernommen, oder meint er eine hebräischsprachige (jüdische?) Dichtweise oder lyrische Form, für die er den Begriff Ode benutzt? „Hebräische Ode“ – in dem merkwürdigen Ausdruck liegt die ganze Verzwicktheit des damaligen kulturellen Übergangs für die Juden. /JÖRG DREWS, SZ 19.7.02
ISACHAR FALKENSOHN BEHR: Gedichte von einem polnischen Juden. Mit einem Nachwort herausgegeben von Andreas Wittbrodt. Wallstein Verlag, Göttingen 2002. 102 Seiten, 22 Euro.
[Miguel] Piñero entwickelte eine Ästhetik der Straße aus der Sicht des Outlaws und bisexuellen Abenteurers, des Junkies, Dealers und Diebs. Er zelebrierte seinen Drogenkonsum, kultivierte seinen Zorn gegen das Establishment, den Rassismus und Kolonialismus Nordamerikas. Neben Vorläufern wie den Dadaisten oder den Beatniks haben seine Performances einer literarischen Bewegung den Weg geebnet, die die Sprechweisen von Rap geprägt und die Literatur ins Nachtleben geholt hat.
Der Film verweist mit Nachdruck darauf, dass die Wiederentdeckung des gesprochenen Worts eine Leistung minoritärer Communities war. Die zielten auf gemeinschaftliche Sinnstiftung, wie sie sich beim Lesen eines Buchs nicht herstellt. Schon im Nuyorican Cafe galt, dass sich der Lesende einem intervenierenden Publikum stellen musste. Piñero und seinen Mitstreitern ging es um das, worum es der Slam Poetry noch heute geht: um Spontaneität und Plastizität, Alltag und Gegenwart und um das Material der Stimme, um Lautmalerei, Kakofonie, Reim und Wiederholung. / Susanne Messmer, taz 18.7.02
„Piñero“. Regie: Leon Ichaso. Mit Benjamin Bratt, Talisa Soto, Giancarlo Esposito u. a., USA 2001, 100 Min.
Die Übersetzung steht in Beziehung zu dem Text, dessen Wiedergabe sie ist: Sie entspricht ihm. Was aber Entsprechung hier heisst, steht keineswegs fest. Der unreflektierte Anspruch ist meistens die utopische Gleichheit von Original und Übersetzung, also eigentlich deren Aufhebung. Denn die Übersetzung als solche ist dem Original nicht gleich, sondern ähnlich, was bedeutet, dass es wesentlich zu ihr gehört, auch anders zu sein. Nur als andere kann sie entsprechen. …
Jemand hat einmal, für viele vielleicht überraschend, die Fähigkeit zur Suspendierung des Urteils die zentrale Tugend des Juristen genannt. Gleiches gilt für Rezensenten literarischer Werke und besonders für solche, die sich auf dichterische Übersetzungen einlassen, weil es hier eines noch merklich grösseren intellektuellen Aufwands und darüber hinaus eines ausgeprägten Sinns für Dichtung bedarf, um die herrschenden Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. Wenn man sich zu verstehen bemüht hat, was ein übersetzender Dichter sich vorgenommen hat, kommt die Bewertung immer noch früh genug.
Hans-Jost Frey, NZZ 18.7.02
A pioneer of the prose poem, he has played a role in Arab modernism comparable to T. S. Eliot’s in English-language poetry. The literary and cultural critic Edward Said calls him „today’s most daring and provocative Arab poet.“ The poet Samuel Hazo, who translated Adonis’s collection „The Pages of Day and Night,“ said, „There is Arabic poetry before Adonis, and there is Arabic poetry after Adonis.“ Experimental in style and prophetic in tone, Adonis’s poetry combines the formal innovations of modernism with the mystical imagery of classical Arabic poetry. / Adam Shatz, NYT 13.7.02
In einem weiteren Artikel erklärt Werner von Koppenfels, warum der Harvard-Verlag seiner erweiterten Neuausgabe einer Textauswahl von 1995 den Abdruck der Originaltexte verweigerte – ein Skandal ersten Ranges:
In jedem Fall ist dieser «Schutz», den ein angesehener Universitätsverlag einer Dichterin von Weltrang exakt 115 Jahre nach ihrem Tod angedeihen lässt, ein denkwürdiges Exempel globaler Wirtschaftslogik in geistigen Dingen. Wenn die Verantwortlichen (was nicht anzunehmen ist) das Werk der dergestalt Beschützten gelesen hätten, wären sie auf das folgende Gedicht gestossen, das den Kasus a priori angemessen glossiert: «Publikation – ist die Auktion / Von Menschengeist – / Rechtfertigt – Armut / Solche Scheusslichkeit? / . . . Gedanken sind des Gebers Gut – / Und darum – verkauft / Ihr Materielles Abbild – nur – / Für Königliche Luft – / Mit vergütet – sei der Makler / Dieser Himmelsgnade – hier darf sich der Übersetzer gemeint fühlen Doch niemals dürft ihr Menschengeist / An Schnöden Preis verraten -» / NZZ 13.7.02
Der Literaturteil der NZZ heute (13.7.02) randvoll mit – u.a. – amerikanischer Lyrik. Hier eine Passage zu Emily Dickinson, die mehr als nur übersetzungskritisch interessant sein mag:
Peace is a fiction of our Faith –
The Bells a Winter Night
Bearing the Neighbor out of Sound
That never did alight.
Schlenker übersetzt:
Friede ist eine Erfindung unseres Glaubens –
Die Glocken sind eine Winternacht
Bekräftigen den Nachbarn mit ihrem Klang
Der niemals Licht gebracht.
Man angelt etwas hilflos nach dem, der (oder das?) da bekräftigt werden soll; um so mehr, als ein entsprechendes Verb im englischen Original gar nicht auszumachen ist. Dass «alight» als «Licht bringen» verstanden wird, nähme man einem Mittelschüler nicht übel; ein Übersetzer, der sich an Emily Dickinson wagt, müsste zumindest wissen, dass zwar «to light» tatsächlich «anzünden» heisst, «alight» jedoch «absteigen» oder «aussteigen» bedeutet. Schlenker hätte besser daran getan, den poetischen Freiheiten, die sich die Dichterin – etwa in Form syntaktischer Verknappung – nimmt, etwas genauer nachzuhorchen, als sie sich selbst so keck und voreilig zuzugestehen. In einer Interlinearversion ohne literarische Ambitionen wäre der Sinn des Gedichts wohl am ehesten etwa folgendermassen wiederzugeben:
Friede ist eine Erfindung unseres Glaubens –
Glocken in einer Winternacht
Die den Nachbarn ausser Hörweite tragen
der niemals bei uns abgestiegen ist.
Aus den Wörtern «Glocken», «Winternacht» und «absteigen» könnte die Vorstellungskraft des Lesers selbst den Schlitten, in dem der Nachbar unterwegs ist, und die Schellen am Kummet des Zugpferdes extrapolieren.
Freude hat die Rezensentin dagegen an Mirko Bonnés zweisprachiger Cummingsausgabe:
Weitere Freude bringt dann der Vergleich von Original und Übersetzung: streng in der disziplinierten Geste, der massgeschneiderten Knappheit des Sprachkleides, spielerisch, aber nie mutwillig im Umgang miteinander, präsentieren sich die beiden Fassungen wie eine Truppe von Trapezkünstlern, fliegend und bunt in der Höhe der Zirkuskuppel: ein Schauspiel, das bezaubert und den Atem verschlägt.
Not un deux trois der die Stood(apparition)
dichtet Cummings. Bonné kontert:
Nicht er he le ahn döh Bare(erscheinung)
Da ist in er he le die Sprachtrias deutsch/englisch/französisch aus dem Original herübergebracht; im ahn, döh der Klang des «un, deux» – aber warum in dieser kuriosen Umschreibung? Der Kunstgriff des Übersetzers lenkt die Aufmerksamkeit auf eine vertikale Bedeutungslinie: Das «Nicht er/ahn/Bare» sorgt immerhin für ein Mass an Gewissheit, dass auch das «Not un/der/ Stood» im Original nicht unverstanden bleibt. – Er he le -: wahrhaft erhellend darf man eine solche Übertragung nennen.
Insgesamt geht es bei der Rezensentin Angela Schader (NZZ13.7.02) um folgende Bände:
In einem weiteren Artikel zu amerikanischer Lyrik stellen Jürgen Brôcan und Lutz Walther die neue kritische Robinson-Jeffers-Ausgabe vor:
The Collected Poetry of Robinson Jeffers. Ed. by Tim Hunt. Stanford University Press, Stanford 1988 (Vol.I, 524 S.), 1989 (Vol. II, 616 S.), 1991 (Vol. III, 490 S.), 2000 (Vol. IV, 566 S.), 2001 (Vol. V, 1130 S.). Je $ 75.-.
Stones of the Sur. Poetry by Robinson Jeffers. Photographs by Morley Baer. Selected and introduced by James Karman. Stanford University Press, Stanford, 2001. 164 S., $ 60.-.
/ NZZ 13.7.02
von Uwe Stolzmann (NZZ 13.7.02) – allein die Nennung der besprochenen Bücher gibt eine beeindruckende Liste, wie sie so im großen deutschsprachigen Feuilleton wohl nur in der Schweiz möglich ist (bei den anderen höchstens, wenn es gerade ein entsprechendes Schwerpunktthema in Frankfurt gibt). (Der überaus geschätzte und unentbehrliche Perlentaucher hat heute 2 Zeilen für die Fülle – gegenüber neuerlichen 13 für eine seit Wochen ausgelatschte hochbedeutende deutsche Literaturdebatte.) Man lese auch die Verlagsnamen und -orte:
Zsófia Balla: Schwerkraft und Mitte. Gedichte. Aus dem Ungarischen von Daniel Muth. DAAD, Berlin 2001. 96 S., Euro 8.60.
Mircea Cartarescu: Selbstportrait in einer Streichholzflamme. Gedichte. Aus dem Rumänischen von Gerhardt Csejka. DAAD, Berlin 2001. 75 S., Euro 8.60.
Rodica Draghincescu: Phänomenologie des geflügelten Geschlechts. Gedichte. Deutsch und Rumänisch. Aus dem Rumänischen von Edith Konrad. Edition Solitude, Stuttgart 2001. 119 S., geb., Fr. 27.-.
Janko Ferk: Psalmen und Zyklen. Gedichte. Deutsch/Slowenisch. Edition Atelier, Wien 2001. 107 S., Fr. 27.50.
Mariusz Grzebalski: Graffiti. Gedichte. Polnisch/Deutsch. Aus dem Polnischen von Doreen Daume. Edition Korrespondenzen, Wien 2001. 107 S., Fr. 34.10.
Gustav Januš: Der Schmetterling. Viersprachige Ausgabe. Ins Deutsche übertragen von Fabjan Hafner. Hermagoras-Verlag, Klagenfurt 1999. 215 S., Fr. 30.-.
Pavel Kolmacka: Du sahst, es gibt dich. Ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von Christa Rothmeier. Edition Thanhäuser, Ottensheim an der Donau 2001. 146 S., Fr. 32.-.
Maruša Krese: Selbst das Testament ging verloren. Gedichte. Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Edition Korrespondenzen, Wien 2001. 113 S., Fr. 32.90.
Zsuzsa Rakovszky: Familienroman. Gedichte. Ungarisch/ Deutsch. Aus dem Ungarischen von Zsuzsanna Gahse. Edition Korrespondenzen, Wien 2002. 99 S., Fr. 35.40.
Katerina Rudcenková: . . . nicht nötig, mich zu besuchen. Gedichte. Aus dem Tschechischen von Christa Rothmeier und Julia Hansen-Löve. Edition Zwei im Wieser-Verlag, Klagenfurt 2002. 110 S., Fr. 26.60.
Izet Sarajlic: Jemand hat geklingelt. Gedichte und ein Brief. Serbokroatisch/Deutsch. Übersetzt von Marina Achenbach. Verlag Im Waldgut, Frauenfeld 2001. 47 S., Fr. 30.-.
Aleš Steger: Kaschmir. Gedichte. Slowenisch/Deutsch. Aus dem Slowenischen von Gerhard Falkner und dem Autor. Edition Korrespondenzen, Wien 2001. 96 S., Fr. 34.10.
Vaxhid Xhelili: Sehnsucht nach Etleva. Ausgewählte Gedichte. Albanisch und Deutsch. Herausgegeben und aus dem Albanischen übersetzt von Hans-Joachim Lanksch. Limmat- Verlag, Zürich 2001. 96 S., Fr. 32.-.
Rolf Schneiders Berliner Anthologie würdigt den zu Unrecht vergessenen Uwe Greßmann, U-Bahn / Berliner Morgenpost 13.7.02 – NZZ bringt am 13.7.02 wieder ein Gedicht von Michael Bullock.
Der Guardian (11.7.02) besichtigt in zwei Beiträgen einen Blasphemieprozeß vor 25 Jahren um ein Gedicht von James Kirkup:
It is 25 years since Gay Times and its editor were convicted of blasphemy for publishing a poem about a Roman centurion having sex with Christ. So just how shocking is the offending poem now, asks Blake Morrison.
Über den Autor. – Das Gedicht ist noch heute für die britische Öffentlichkeit verboten – auch der Guardian zitiert nur einige Passagen. 1997 wurden Ezines wegen Links auf den Text verfolgt. Man findet es trotzdem im Netz – vermutlich außerhalb britischer Rechtsprechung.
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