Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Versöhnung Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen … Wir wollen wachen die Nacht, In den Sprachen beten, Die wie Harfen eingeschnitten sind. Wir wollen uns versöhnen die Nacht – So viel Gott strömt über. Kinder sind unsere Herzen, Die möchten ruhen… Continue Reading „Else Lasker-Schüler“
Bertolt Brecht Klage des Seami über den Tod seines Sohnes Motomasa Ich erlernte meine Kunst von meinem Vater; er Unterwies mich in den Vorschriften und Überlieferungen. Sie waren geheim, es gab kein Buch. Seami ist ein japanischer Autor und Schauspieler des 14. Jahrhunderts. Brecht… Continue Reading „Es gab kein Buch“
Heinrich Heine Rationalistische Exegese Nicht von Raben, nein mit Raben Wurde Elias ernähret – Also ohne Wunder haben Wir die Stelle uns erkläret. Ja, anstatt gebratner Tauben, Gab man ihm gebratne Raben, Wie wir deren selbst mit Glauben Zu Berlin gespeiset haben. Entstanden 1850… Continue Reading „Rationalistische Exegese“
Rajzel Żychliński (* 27. Juli 1910 in Gąbin, damals Russisches Reich, heute Polen; † 13. Juni 2001 in Concord, Kalifornien), jiddischsprachige Dichterin. OKTOBER Der Hurensohn Mojsche Drunterunddrüber Fall tot um! Eine alte Frau redet mit sich und schimpft mitten im Oktober-Blätterfall. Die gelben Blätter… Continue Reading „Oktober“
Else Lasker-Schüler Mein blaues Klavier Ich habe zu Hause ein blaues Klavier Und kenne doch keine Note. Es steht im Dunkel der Kellertür, Seitdem die Welt verrohte. Es spielten Sternenhände vier – Die Mondfrau sang im Boote. – Nun tanzen die Ratten im Geklirr.… Continue Reading „Seitdem die Welt verrohte“
שפּיל מיר א לידעלע אף ײדיש schpil sä mir a lidele af jidisch Text: Josef Kotliar (1908-1962) Spiel mir ein Lied in Jiddisch, erwecken soll es Freude, nicht eine Überraschung. Weil alle groß und klein sollen das verstehen können, von Mund zu Mund das… Continue Reading „schpil mir a lidele af jidisch“
Konrad Bayer (* 17. Dezember 1932 Wien; † 10. Oktober 1964 Wien) ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein und ein… Continue Reading „ein und alles“
26 DOCH SIMPEL 26 Lautzeichen, I guess, allerdings als Handhabe errungenschaftlich simpel. Wer erwärmte sich nicht für sich, um rein dazustehen. Adonismus, jene verschämte Hilfsstellung der zwei Finger, mag hier als Infantilperversion das präejakulative Erkenntnis noch aufkitzeln. Auf jeden Fall: Was jene sozialen Fertigkeiten… Continue Reading „Johannes Theodor Baargeld (Zentrodada)“
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser, seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tageszeitung, jetzt als Magazin mit Nachrichten aus der Welt der Poesie und der Poesie der Welt. Poetry is news that stays news, sagt Pound. Aktuelles: Gomringerdebatte: Was bisher geschah. Wer liest… Continue Reading „L&Poe 22 | Oktober 2017“
Angelika Janz: Offener Brief Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Ich schreibe Ihnen, während ich die Sendung von Anne Will zur Frage ostdeutschen AfD-Wahlüberhangs per Kopfhörer verfolge. Dieser Brief soll kein „Jammerbrief“ werden, sondern Ihnen Analysen aus der betroffenen Region schildern – er richtet sich „eigentlich“… Continue Reading „Sehr geehrter Herr Bundespräsident!“
Martina Kieninger Aus dieser Wohnung, die vor einigen Jahren auch mir gehörte, die ich verlassen habe mit all ihrem Mobiliar, dem Sofa aus Kunstleder, der dunklen Kredenz, der Esszimmergarnitur – ein sehr geschontes Mobiliar, immer noch liegen die Schutzhüllen aus Plastikfolie über den rotsamtnen… Continue Reading „Schwarze Mamba“
Angelika Janz Belichtetes Papier oder Er denkt an sein Land Es galt, die dunkelsten Stellen auf dem Papier abzulichten. Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren. Es galt, die Grenzen des Sagbaren – oder Unsagbaren – immer weiter hinauszutreiben, in… Continue Reading „Belichtetes Papier“
Michael Gratz „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte“ (Wer liest heute noch Arndt?) Wir Kleingläubigen glauben ja gern, daß Lyrik heute keine Bedeutung hat, außer für den kleinen Kreis der Lyrikleser. Dabei müssen wir nur den Blick kurz aus der… Continue Reading „Wer liest heute noch Arndt?“
Zeitschriftenschau Michael Gratz Die österreichische Literaturzeitschrift manuskripte erscheint im 57. Jahr. Heft 217 eröffnet mit einer seltenen Marginalie. Die Schriftstellerin Aslı Erdoğan, die im August 2016 in Istanbul verhaftet wurde, schrieb der Redaktion, sie sei stolz, daß zwei ihrer Artikel 2013 in manuskripte publiziert… Continue Reading „manuskripte 217“
JOAN BROSSA (1919-1998) Sonett für Jordi Carbonell, der kürzlich gefoltert wurde, weil er auf dem Recht, katalanisch zu sprechen, bestand Jedwede Niedertracht begeht die Henkerschar, sie bleibt dem ersten Tag des Schlachtens treu; geschaßt die Sonne von der Polizei; aus Mitgefühl legt die Natur… Continue Reading „Recht, Katalanisch zu sprechen“
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