Vor 100 Jahren starb Alexander Blok

Alexander Blok

(Александр Александрович Блок, * 16. November jul. / 28. November 1880 greg. in Sankt Petersburg; † 7. August 1921 in Petrograd)

Den Freunden

Verstummt doch, ihr Saiten, verfluchte!
A. Maikow


Einander verborgene Feinde,
Sind taub wir und neidisch und fremd.
Wie könnte der leben und schaffen,
Der ewige Feindschaft nicht kennt.

Was tun! Gab nicht jeder sich Mühe,
Zur Hölle zu machen sein Haus,
Vom Gift sind durchtränkt alle Mauern,
Kein Platz, wo man bettet sein Haupt.

Was tun! Niemand glaubt an das Glück mehr,
Wir lachen uns um den Verstand,
Betrunken beschaun wir von draußen,
Wie einstürzen Dach uns und Wand.

An Leben und Freundschaft Verräter,
Verschleudern wir Worte aus Müll.
Was tun! Nun, wir schlagen den Weg frei
Dem Sohn, der da kommen einst will!

Sind erst unsre ärmlichen Knochen
Verfault bei den Nesseln am Zaun,
Wird daraus ein kluger Professor
Historische Werke sich baun …

Nur damit die schuldlosen Kinder
Aufs Blut der Verfluchte dann quält
Mit Todes- und anderen Daten,
Zitatenbrei, leer und entstellt…

Ein trauriges Los – so zu leben,
Verworren, gefeiert und schwer,
Besitz sein für künftge Dozenten
Und zeugen ein Kritikerheer …

Ins Steppengras sinken, ins frische.
In Schlaf, der mich ewig umgibt!
Verstummt doch, ihr Bücher, verfluchte!
Ich nehme zurück, was ich schrieb.

  1. Juli 1908

Deutsch von Wolfgang Tilgner, aus: Alexander Block, Ausgewählte Werke Bd. 1: Gedichte. Poeme. Berlin: Volk und Welt, 1978, S. 173f

ДРУЗЬЯМ

Молчите, проклятые струны!
А. Майков

Друг другу мы тайно враждебны,
Завистливы, глухи, чужды,
А как бы и жить и работать,
Не зная извечной вражды!

Что‘ делать! Ведь каждый старался
Свой собственный дом отравить,
Все стены пропитаны ядом,
И негде главы приклонить!

Что‘ делать! Изверившись в счастье,
От смеху мы сходим с ума
И, пьяные, с улицы смотрим,
Как рушатся наши дома!

Предатели в жизни и дружбе,
Пустых расточители слов,
Что‘ делать! Мы путь расчищаем
Для наших далеких сынов!

Когда под забором в крапиве
Несчастные кости сгниют,
Какой-нибудь поздний историк
Напишет внушительный труд…

Вот только замучит, проклятый,
Ни в чем не повинных ребят
Годами рожденья и смерти
И ворохом скверных цитат…

Печальная доля – так сложно,
Так трудно и празднично жить,
И стать достояньем доцента,
И критиков новых плодить…

Зарыться бы в свежем бурьяне,
Забыться бы сном навсегда!
Молчите, проклятые книги!
Я вас не писал никогда!

24 июля 1908

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