Über den Nutzen des Glases

Die Dichtung ist das beste an Russland. Ihr Gründer: Der 1711 im hohen Norden Russlands in dem kleinen Dorf Mischaninskaja geborene Bergbaustudent Michail Wassiljewitsch Lomonossow … (Oleg Jurjew)

Michail Lomonossow

(Михаи́л Васи́льевич Ломоно́сов, Michail Vasil’evič Lomonosov; * 8.jul./ 19. November 1711 greg. in Mischaninskaja, Gouvernement Archangelgorod; † 4.jul./ 15. April 1765 greg. in Sankt Petersburg)

Aus: Brief über den Nutzen des Glases

An den wirklichen Kammerherrn
ihrer Kaiserlichen Hoheit
und Ritter der Orden des Heiligen
Alexander und der Heiligen Anna
seine Exzellenz Iwan Iwanowitsch Scbuwalow
von dem Kollegienrat und Professor
Michail Lomonossow
1752

Wie falsch, Schuwalow, jene von den Dingen denken,
die Mineralien mehr als Glase Achtung schenken
Mehr zwar sind sie an zauberischem Glanze reich,
doch ist an Nutzen es und Schönheit ihnen gleich …
Wir sehn es als ein Bild aufrichtigen Wesens an:
Der ist kein Schmeichler, den man leicht durchschauen kann.
Hat man den Trank gemischt, das Glas es uns erweist,
der Lüge Vorhang durch ein rein Gewissen reißt
Doch liegt denn etwa, Glas, darin Dein ganzes Lob,
daß Wein durch Dich zu größrer Süße sich erhob?
Niemals! Es ist der Anfang Deines Wertes nur,
den Meisterschaft Dir lieh vereint mit der Natur.

(…)

So geht das Glas als Perle, die der echten gleicht,
geliebt hin durch die Welt, so weit der Erdball reicht.
Mit ihr schmückt Steppenvolk sich in des Nordens Breiten,
der Araber am Strand der südlichen Gezeiten.
Fern in Amerika, so hört man, Wilde leben,
die edles Silber gern, das ihre Berge geben,
dem Kaufmann aus Europens Ländern überlassen;
sie handeln Perlen ein aus Glas in wahren Massen.
Darin sind weiser sie als wir, so wie mir dünkt,
daß sie sich des entledigen, was Unglück bringt.
Ihr Leben lang wird sie Erinnerung erfüllen,
wie ihre Väter man erschlug um Goldes willen.
O Böses ohne Maß! Kam denn der Mensch hierher
nach so viel Fährnissen auf unbekanntem Meer,
erfolgreich, diese schönen Küsten zu erreichen,
den Grenzen, die Natur ihm setzte, zu entweichen,
indem auf schwankendem Holz er um die Erde kreist,
daß er sich dann als Feind, als grimmiger, erweist?
In hundert Nöten bleibt er und Gefahren leben,
da er des Schicksals Willkür hilflos preisgegeben,
des Meeres Stürmen er aufs feste Land entflieht –
und plötzlich es mit Sturm des Krieges überzieht.
Da brennen schon die alten Königsstätten nieder;
dem Feind die Kronen und den Raben ihre Glieder!
Aus ihren goldnen Särgen wirft man die Gebeine
hinab in Gruben, faulen Leichen zum Vereine,
und niemals satt des Goldes die Tyrannen schneiden
Hände und Häupter ab, Ring, Kopfschmuck zu erbeuten.
Sie treiben dann den Rest hin zu der Berge Schlünden,
edles Metall zu schürfen in den tiefsten Gründen,
Bedrängnisse und Angst, die Fesseln, Hunger, Wunden,
drein mit der Arbeit die Tyrannen sie gebunden,
verhindern jene nun, die Gänge abzustützen,
sich vor der Erdenlast, die sie bedeckt, zu schützen.
Der Berg stürzt ein: In seinen Schoß begraben ruhn
die Unglückseligen, wahrhaft glücklich nun,
daß ihrer unmenschlichen Herrscher sie jetzt frei,
der Schmähungen, der Leiden und der Sklaverei …

Deutsch von Annemarie Rau. Aus: Altrussische Dichtung aus dem 11.-18. Jahrhundert. Aus dem Russischen hrsg. von Helmut Grasshoff. 3. Aufl. Leipzig: Reclam, 1977, S. 221-224

ПИСЬМО О ПОЛЬЗЕ СТЕКЛА
                    К Высокопревосходительному господину
                             Генералу-Поручику,
                действительному Ея Императорского Величества
                Камергеру, Московского Университета куратору
                 и орденов Белого Орла, Святаго Александра
              и Святыя Анны Кавалеру Ивану Ивановичу Шувалову,
                             писанное 1752 года

                     Неправо о вещах те думают, Шувалов,
                  Которые Стекло чтут ниже Минералов,
                  Приманчивым лучем блистающих в глаза:
                  Не меньше польза в нем, не меньше в нем краса.
                  Не редко я для той с Парнасских гор спускаюсь;
                  И ныне от нея на верьх их возвращаюсь,
                  Пою перед Тобой в восторге похвалу
                  Не камням дорогим, ни злату, но Стеклу.
                  И как я оное хваля воспоминаю,
                  Не ломкость лживого я счастья представляю.
                  Не должно тленности примером тое быть,
                  Чего и сильный огнь не может разрушить,
                  Других вещей земных конечный разделитель:
                  Стекло им рождено; огонь его родитель.

(...)

Так в бисере Стекло подобяся жемчугу,
                  Любимо по всему земному ходит кругу.
                  Им красится народ в полунощных степях,
                  Им красится Арап на южных берегах.
                  В Америке живут, мы чаем, простаки,
                  Что там драгой металл из сребреной реки
                  Дают Европскому купечеству охотно
                  И бисеру берут количество несчетно,
                  Но тем, я думаю, они разумне нас,
                  Что гонят от своих бедам причину глаз.
                  Им оны времена не будут ввек забвенны,
                  Как пали их отцы для злата побиенны.
                  О коль ужасно зло! На то ли человек
                  В незнаемых морях имел опасный бег,
                  На то ли, разрушив естественны пределы,
                  На утлом дереве обшел кругом свет целый,
                  За тем ли он сошел на красны берега,
                  Чтоб там себя явить свирепого врага?
                  По тягостном труде, снесенном на пучине,
                  Где предал он себя на произвол судьбине,
                  Едва на твердый путь от бурь избыть успел,
                  Военной бурей он внезапно зашумел.
                  Уже горят Царей там древние жилища;
                  Венцы врагам корысть, и плоть их вранам пища!
                  И кости предков их из золотых гробов
                  Чрез стены падают к смердящим трупам в ров!
                  С перстнями руки прочь и головы с убранством
                  Секут несытые и златом и тиранством.
                  Иных, свирепствуя, в средину гонят гор
                  Драгой металл изрыть из преглубоких нор.
                  Смятение и страх, оковы, глад и раны,
                  Что наложили им в работе их тираны,
                  Препятствовали им подземну хлябь крепить,
                  Чтоб тягота над ней могла недвижна быть.
                  Обрушилась гора: лежат в ней погребенны
                  Бесчастные! или поистине блаженны,
                  Что вдруг избегли все бесчеловечных рук,
                  Работы тяжкия, ругательства и мук!

(...)

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