Gestorben

Der brasilianische Dichter, Essayist, Kunstkritiker, Dramatiker etc…. Ferreira Gullar starb am Sonntag im Alter von 86 Jahren.

‘corpo que se pára de funcionar provoca / um grave acontecimento na família: / sem ele não há José Ribamar Ferreira / não há Ferreira Gullar / e muitas pequenas coisas acontecidas no planeta / estarão esquecidas para sempre’

„Körper der wenn er zu funktionieren aufhört / ein schwerwiegendes Familienereignis auslöst: / ohne ihn gibt es keinen José Ribamar Ferreira / gibt es keinen Ferreira Gullar / und viele kleine auf dem Planeten geschehene Dinge / werden für immer vergessen sein“

– FERREIRA GULLAR

aus ‚Poema sujo‘ / Schmutziges Gedicht. Deutsch von Curt Meyer-Clason, Suhrkamp 1985

Er wurde als José Ribamar Ferreira am 10. September 1930 in São Luís im nordöstlichen Bundesstaat Maranhao geboren. In seiner Heimatstadt begann er die Romantiker zu lesen,  wie Gonçalves Dias, und die Parnassiens wie Olavo Bilac und Raimundo Correia.

„Ich dachte, alle Dichter wären tot, aber dann fand ich, dass São Luís voll von ihnen war,“ sagte Gullar scherzhaft. „Die Moderne von 1922 kam erst Ende der 1940er nach Maranhao. Als ich die Modernen zu lesen begann, änderte sich meine Vorstellung von Dichtung vollständig und ich hatte das Gefühl, nicht mehr in São Luís bleiben zu können.“

So kam er in den frühen 1950er Jahren nach Rio de Janeiro, wo er den Kunstkritiker Mário Pedrosa traf und neue Lektüre fand: Manuel Bandeira, Carlos Drummond de Andrade, Murilo Mendes und Rainer Maria Rilke. In den folgenden Jahren war Gullar an entscheidenden Momenten der brasilianischen Avantgarde beteiligt. 1956 nahm er an der Ausstellung der Konkretisten beteiligt, die man als den offiziellen  Beginn der konkreten Poesie ansieht. Drei Jahre später begründete er mit Lígia Clark und Hélio Oiticica den Neokonkretismus, der im Gegensatz zum orthodoxen Konkretismus Expression und Subjektivität schätzte.

Als Mitglied der Kommunistischen Partei exilierte er während der Jahre der Militärdiktatur – in die Sowjetunion, nach Argentinien und Chile. Nach seiner Rückkehr 1977 wurde er festgenommen und während 72 Stunden verhört. 2010 erhielt er den bedeutendsten Literaturpreis der portugiesischsprachigen Länder, den Prêmio Camões, für sein Gesamtwerk. 2014 wurde er in die  Akademie (Academia Brasileira de Letras) aufgenommen.

/ O Globo

Noch ein Auszug aus dem „Schmutzigen Gedicht“

(Hätte ich Maria de Lourdes geheiratet, / meine Kinder wären goldblond die einen, andere / brünett mit grünen Augen / und ich würde schließlich Abgeordneter und Mitglied / der Maranhenser Akademie für Sprache und Dichtung; / hätte ich Marília geheiratet, / ich hätte in der Diskothek von Radio-Timbira Selbstmord begangen)

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