35. Phillippa Yaa de Villiers

Das fortwährende Ringen um Identität, Herkunft, Rasse und Gerechtigkeit ist das Kernthema ihrer Texte. In ihnen setzt die 48-Jährige sich mit ihrem persönlichen Trauma genauso auseinander wie mit dem Trauma ihres Heimatlandes. Sie schreibt über Weiblichkeit, Widerstand und über den satirischen Disput, den sie mit ihrer Muse ausficht.

Sag ich zu meiner Muse: Du hängst immer nur hier rum.
Sie liegt im Bett und liest Gedichte. Sag ich:
Andere Musen müssen meilenweit Wasser schleppen.

Sie bittet mich darum, ihr einen Tee zu kochen.
Von der Küche aus ruf ich ihr zu: Darf´s vielleicht noch ein Keks dazu sein?
Nicht nötig, sagt sie. Sie ist nicht gierig oder so und beteuert

mindestens zwei Mal am Tag, dass sie mich liebt. Aber irgendwie
denk ich trotzdem, dass sie mich ausnutzt (…)

(Übersetzt von Odile Kennel)

(…)

De Villiers will ihre persönliche lyrische Revolte in Johannesburg fortsetzen – und zeitgenössische südafrikanische Poesie an die Schulen bringen. „Wegen der Kolonialgeschichte ist unser poetischer Kanon bis heute von toten, weißen Männern bestimmt. Und vielleicht von zwei oder drei sehr, sehr, sehr alten schwarzen Männern. Dabei hatten wir in den letzten 50 Jahren eine überwältigende poetische Produktivität. Wir wollen auch Songwriter mit ins Boot holen. Es gibt tatsächlich einige indigene afrikanische Sprachen, die gar kein Unterschied zwischen singen und rezitieren machen.“ / Sarah Zimmermann, Die Zeit

3 Comments on “35. Phillippa Yaa de Villiers

  1. das sind solche schwierigkeiten und verwicklungen, wie sie im tollen werkstattgespräch mit tj dema ausgeführt hat, die u.a. daraus entstehen, dass man als tochter eines ghanaischen vaters und einer australischen mutter bei englischen adoptiveltern in südafrika aufwächst. und die sich u.a. zeigen, wenn man ausgewählt wird, beim commonwealth day vor der queen vorzutragen, und die weißen freunde abwinken, wen interessiert schon der commonwealth day, die schwarzen freunde sich freuen und bestärken, super, dass du uns repräsentierst, repräsentation ist wichtig, und der mittlerweile in australien lebende vater, schon wenn man nur lapidar am telefon vom 10. märz spricht, sagt, ah, empire day, und man sich wie eine verräterin fühlt.

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