118. Verlorene Gedichte

Es gibt auch verlorene Gedichte, schrieb ich vor 13 Jahren in der Beschreibung des Plans meiner Online-Anthologie. Eins verlor sich im Mai 2011. Michael Gawenda hatte auf Facebook ein Gedicht von August Wilhelm Schlegel gepostet und mit einer freundlichen Widmung versehen:

allen nichtshörenden, staatsstolzen germanisten ins zunftbuch, ich liebe eure selbstverliebte, begriffsstutzige nabelschau, jo! heißt naturgemäß ne und ich nehme ausdrücklich aus: micha gratz, jens-fietje dwars und peter geist:

Ich wollte es in meine Anthologie übernehmen, aber es ging verloren. Jetzt ist Micha nicht mehr da, seine Posts schlummern im ewigen Facebookarchiv.

Wechsel der Dynastie in den Philosophen-Schulen

..Erst stand im höchsten Rang das Ich,
Litt Du und Er kaum neben sich,
Und jedes Nicht-Ich schien ihm nichtig;
Das Ich macht‘ alle Dinge richtig.
So schlug es manchen Purzelbaum
Im methaphysisch leeren Raum.
Nachdem es lang von sich gesprochen,
Ward ihm zuletzt der Hals gebrochen.
Der unbarmherzige Begriff
Erdroßelt‘ es mit hartem Griff.
Der lehrt: was wirklich, sei vernünftig;
Das macht ihn bei Philistern zünftig. –
Wer sagt uns, welcher neue Kniff
Vom Thron wird stoßen den Begriff?

August Wilhelm Schlegel (1767-1845)

(Hier im Musenalmanach auf das Jahr 1832)

One Comment on “118. Verlorene Gedichte

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