66. Extremist des Avantgardismus

Zu diesen hoch reizbaren Extremisten des Avantgardismus gehörte auch der 1925 in Rumänien gebo­rene Buch­staben­poet und Filme­macher Isidore Isou, der Begründer des sogenannten Lettris­mus. Aus einer jüdischen Familie stammend, geriet Isou im Rumänien des faschis­tischen Diktators Ion Antonescu in Lebens­gefahr und floh daher 1945 nach Paris, wo er alsbald die lettristische Revo­lution ausrief. Die Form der litera­rischen Dissi­denz, die Isou gemeinsam mit einigen Mit­strei­tern zelebrierte, führte im Frankreich der Nach­kriegs­zeit zu allerlei Skandalen: Der mit spekta­kulären Aktio­nen auf­trumpfende Isou wurde wahlweise als Porno­graph, politischer Nest­beschmutzer oder als Blas­phemiker geschmäht.

In Deutschland war der 2007 verstorbene Isou bislang nur durch die philo­logi­schen Arbeiten von Michael Lentz und durch einige Reminis­zenzen von Oskar Pastior präsent, eine umfassende, viel­stimmige Aus­einander­setzung mit seiner Poetik steht jedoch noch aus. Das könnte sich jetzt ändern, denn das auf solche Einzelgänger der litera­rischen Moderne spezia­lisierte „Schreibheft“ hat jetzt unter dem bezeich­nenden Titel „Die Zeichen des Messias“ ein aufregendes Dossier zum Phänomen Isidore Isou vorgelegt. / Michael Braun, Poetenladen

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