Marianne Moore

In einem Essay verortet Hesse dann «Die Ehe» innerhalb der amerikanischen Moderne und erläutert die allgemeinen Stilprinzipien von Moores Dichtung.

In formaler Hinsicht ist «Die Ehe» eine Reaktion auf T. S. Eliots «The Waste Land». (Das Thema verdankt sich einem ehelichen Arrangement von Freunden Moores, das sie empört und «schockiert» hatte.) Die Struktur des Gedichts wird vor allem durch die Einmontierung teilweise frei abgewandelter Zitate verschiedenster Provenienz getragen, die ohne Überleitung und ohne Rücksicht auf ihren Originalkontext antithetisch zueinander stehen: ein Verfahren, das für die meisten Texte Moores charakteristisch ist. Eine auktoriale Stimme, welche die Betrachtungen zusammenführen, ausdeuten oder bewerten würde, sucht man allerdings fast vergebens. Moores eigene ambivalente Haltung – moralischer Respekt vor der Institution und Skepsis gegenüber dem Zusammenleben von Mann und Frau – tritt völlig in den Hintergrund. Das Gedicht ist eine grosse ironische Abrechnung mit patriarchalischen Ansichten im Gewande einer kühnen Komposition des Sprachmaterials. / Jürgen Brôcan, NZZ 6.9.03

Eva Hesse: Marianne Moore. Dichterin der amerikanischen Moderne. «Die Ehe» als ihr «Wüstes Land». Rimbaud-Verlag, Aachen 2002. 132 S., Fr. 27.-.

Marianne Moore: Becoming Marianne Moore. The Early Poems, 1907-1924. Ed. by Robin G. Schulze. University of California Press, Berkeley 2002. 504 S., $ 50.-

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