Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Joachim Ringelnatz Silvester bei den Kannibalen Am Silvesterabend setzen Sich die nackten Menschenfresser Um ein Feuer, und sie wetzen Zähneklappernd lange Messer. Trinken dabei – das schmeckt sehr gut – Bambus-Soda mit Menschenblut. Dann werden aus einem tiefen Schacht Die eingefangenen Kinder gebracht Und… Continue Reading „17. Kannibalen“
Angelika Janz Ungestützte Behauptungen (Über die Angstfreundschaft) Sind Romanciers in der Recherche, die Essayisten auf Retorte, sind Prosaisten trüber Witze (ohne Worte), die Dichteschreiber: sonders blaß, wenn Krieg ist? Je mehr die Panikhitze die Gerüchtetreiber stimmt, sind rühriger die Lüricker. Politikker, die sind nun… Continue Reading „88. Ungestützte Behauptungen“
Ein Gedicht des Nobelpreisträgers – nein, nicht Grass – Winston Churchill sorgt für Medienaufmerksamkeit. Wie in jenem Fall ist es eher ein Medien- als ein Literaturereignis. (Wie schön wäre es, wenn Gedichte als Gedichte Schlagzeilen machten – ach, die DDR wollen wir nicht zurückwünschen,… Continue Reading „67. Bleifuß“
Anna Achmatowa Mein Gott, wie’s hier von Versen wimmelt, Von Reimen ist die Welt verstellt. Die Stille komme über uns – als Himmel, Und jeder nehme sich ein Lied als Zelt. Das Schweigen gelte als Erkennungszeichen, Das insgeheim uns eint als Gleiche Unter Gleichen… Continue Reading „40. Zuviel Reime“
Die Ahnung von „Weltende“ (so der Titel des berühmten Gedichts von Jakob van Hoddis), von Weltzerschleuderung, mit sprachlicher Zerschleuderung im Gefolge, muss damals die Köpfe dieser Dichter besetzt und für Hochdruck gesorgt haben. Doch wer verdüstert uns den Himmelsklumpen so dramatisch wie Lichtenstein? Wer… Continue Reading „33. Umstürzende Omnibusse“
Gottfried Benn hat unrecht mit seiner Frage, wem mehr als 5 oder 6 gute Gedichte gelingen. Und mit ihm alle, die aus welchen Gründen immer auf die Exclusivität der Spitzenleistung pochen. In Wirklichkeit ist es wie mit Blüten. Eine einzelne Blume hat manchmal mehrere,… Continue Reading „21. Blütengrund“
Wondratschek hat die Hölderlin-Aufnahme zusammen mit Manfred Eicher produziert (ECM), den er vor nicht langer Zeit kennenlernte und den er für solche Kunst der poetischen Verdichtung ohne Überredungsmühe gewinnen konnte. Mit Radikalität meint Wondratschek wohl die Konzentration nur auf das Dichterwort, das Zeile für… Continue Reading „113. Überzeugung“
Der hier ursprünglich befindliche Text ist mitsamt Kommentaren in der Müllhalde gelandet: Und jetzt: Poesie. Nikolaus Lenau: Die Albigenser Schlußgesang [887] Wofür sie mutig alle Waffen schwangen Und singend in die Todesfeuer sprangen, Was war es? trotzte hier ein klarer Blick Ins Herz der… Continue Reading „82. Und jetzt: Poesie“
Gedicht zum Gedicht Mehr als ein Gedicht ist beispielsweise: Kein Gedicht, denn das Nichtgedicht lebt als sanfte Lauheit der Inspiration: Umweltgefühl des Tropfens im Wasser. Der Leib fühlt sich geborgen. Das Herz fühlt nichts. Die Waage ist ausgeglichen. Das Lot hängt still. Gedicht ist… Continue Reading „41. Nichtgedicht“
Alle Antworten finden sich hier. Wie viele Knochen im menschlichen Körper? Genug einen Archäologen glücklich zu machen. Sandra Trojan: Ohne Titel. In: S.T.: Um uns arm zu machen. Gedichte. Leipzig: Poetenladen 2009, S. 18. Ich lese gern alte Texte aus den Frühzeiten der Völker.… Continue Reading „33. Merkvers“
Aus: Geschichten und Lieder der Afrikaner. Ausgewählt und verdeutscht von A. Seidel, Sekretär der Deutschen Kolonialgesellschaft, Herausgeber der Zeitschrift für afrikanische und ozeanische Sprachen. Berlin: Verein der Bücherfreunde. Schall & Grund, (1896), S. 39-41. 7 von 32 numerierten Sprichwörtern (die in Klammern hinzugefügten Erläuterungen… Continue Reading „20. Sprichwörter der Kaïrenser“
To whom do I speak today? Brothers are evil, Friends of today are not of love. . . . To whom do I speak today? There are no righteous, The land is left to those who do iniquity. Zu wem soll ich heute sprechen? Die… Continue Reading „19. [Heutzutage]“
Es gibt auch verlorene Gedichte, schrieb ich vor 13 Jahren in der Beschreibung des Plans meiner Online-Anthologie. Eins verlor sich im Mai 2011. Michael Gawenda hatte auf Facebook ein Gedicht von August Wilhelm Schlegel gepostet und mit einer freundlichen Widmung versehen: allen nichtshörenden, staatsstolzen germanisten… Continue Reading „118. Verlorene Gedichte“
Am 27.12. 1925 nahm sich der russische Dichter Sergej Jessenin das Leben. Im Hotel „Angleterre“ im damaligen Leningrad schnitt er sich eine Vene auf und erhängte sich dann. Und hinterließ ein Abschiedsgedicht – kolportiert wird, er habe es in Ermangelung von Schreibmaterial mit seinem… Continue Reading „63. Verse vom Freitod?“
A Preliminary Sketch Concerning a Language By Afzal Ahmed Syed In your language every line begins from an opposite end. The pronunciation of its words changes from day to night and their orthography changes with the change of seasons. A new word enters it… Continue Reading „57. In your language“
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