Schlagwort: Gegenwartslyrik

Aber wollen wollte ich dich schon

Nie wollte ich mit dir
Umspannwerke fotografieren,
im „Salon des Amateurs“ feiern.
Auch wollte ich nicht
mein Collier
von Kiev Stingl
mit dir teilen

jemandes Krieg entrinnen, bis zum eigenen warten

noch nie traten wir so nah an den Rand der Welt,
uns traut bei den Händen haltend,
schauten so forschend über den Rand hinaus, so geschützt
wie tief ist es da? wie lange fliegt man denn?
lassen die ersten die nächsten weicher fallen?

Wer ist denn Theseus?

Was ist mit Theseus? frage ich
Wer ist denn Theseus? lächelt sie und bügelt sich aalglatt
und schließt die Tür
und schließt den Mund

Für Tadek Różewicz

115 Wörter, 1 Minute Lesezeit. LnPoe-Messelese #04 · Manfred Peter Hein Eine aktuelle Kolumne mit neuen Texten, Fundstücken und Wiederentdeckungen rund um die Leipziger Buchmesse. Am 10. Mai 2025 starb der Dichter Manfred Peter Hein in Espoo bei Helsinki. Sein Gedichtband „Spiegelungen Orte“ enthielt… Continue Reading „Für Tadek Różewicz“

niemand gewinnt die Wahl

»eines ist klar, der bundeskanzler wird gay«, schrieb die FAZ
»queer«, korrigierte die TAZ

Dichten über die Liebe

Unbeschwert reimt sich adrette Lyrik an kleinen Kuppen Adoleszenz, setzt sich mit Adonis in den Pathos, um als Phantasma leicht zu glühen, versteht die Benennung „Kipferl“ nicht, die Schwere der Erkenntnis

Sich einrichten in der Zeit

Dann wird es still. In der Sprache
Brennt noch Licht. Und ich höre dich atmen

In meinem Gedicht über das Unsichtbare
Und das Sichtbare darin.

Ungefärbte Betrachtung

113 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Pei Xu SichtweisenMit einer Sonnenbrille kommt er der Welt entgegenwährendich einen Sonnenhut trage um alles ungefärbt zu betrachten Aus: Himmelsauge. Gedichte. Nachw. von Wulf Noll. Düsseldorf 2008. – © 2008 Edition Virgines, Lingen. Auch in: Frauen | Lyrik. Gedichte… Continue Reading „Ungefärbte Betrachtung“

Am Ende

eine schwer zu durchschauende Angelegenheit
die man irgendwie
zu Ende bringt
die auch eine Gefühlskonfusion erzeuge

Erzählungen von der Geschichte

Immer scheint Winter zu sein. Mit meinen heißen
Tränen. Noch immer kein Boden zu sehen.
Und Kafkas Axt? Konnte ich die vergessen,
da ich zu Fuß unterwegs bin auf dem gefrorenen Meer.

Flog nach Haus

sagte mir im Bett in Gedanken so oft Mondnacht auf,
bis ich hinüberdämmerte, flog nach Haus.

Und niemand wird von niemandem verziehen.

Jedes Rühren, jedes Zucken, jedes Fliehen
verstärkt reihum den dumpfen Schmerz.
Von undurchschauten Kräften angetrieben,
sind’s Attacken auch, wenn sie sich lieben:
Jedes Nähern zielt geradewegs aufs andre Herz.
Und niemand wird von niemandem verziehen.

Was interessiert

was interessiert: traum. gestohlenes, witz. mustervermeidung, sex.
verletzung, druck, mechanismen. warum eins durchgeht, andres nicht.

Aus der Provinz

Das Stück mit dem Gurkenflieger und den Polen
Haben sie gar nicht verstanden
Aber gelobt haben sie den Nußbaumeder
Weil er ein bayerischer Dramatiker ist
Und Bayern so einen braucht

Aus gegebenem Anlass

44 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Arne Rautenberg Wider den Furor der TageWider den Furor der Tage das Gefühl absoluter Ohnmacht schalte ich morgens nach dem Aufwachen mit der Fernbedienung den Regen an Aus: Krachkultur 5 (1995). Literaturmagazin. Bunte Raben Verlag Lintig-Meckelstedt. Hrsg. Fabian Reimann &… Continue Reading „Aus gegebenem Anlass“