In La Rochelle gibt es nicht viele Armenier, aber die Gemeinschaft der Poeten ist gut vertreten, schreibt Rémy Prin bei Yevrobatsi („Armenier Europas, Bürger der Welt“). Vor allem gibt es «das Volk der Poeten. Für mich ist Grigor von Narek Franzose und Apollinaire Armenier », sagt Howhannes Grigorian, armenischer Lyriker, bei einer Veranstaltung zum „Frühling der Dichter“ in La Rochelle.
Die erste vollständige Übersetzung des peruanischen Dichters César Vallejo (1892-1938) erschien in einer zweisprachigen Ausgabe Spanisch-Englisch in der University of California Press. Vallejo wird manchmal der schwierigste moderne Dichter in spanischer Sprache genannt und fast immer einer der besten neben Lorca und Neruda. Es sei daher eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres. Mario Vargas Llosa schreibt in seinem Vorwort, Vallejos Werk habe „einen nicht auf reine Vernunft reduzierbaren Kern, ein geheimes Herz, das sich allen Anstrengungen entzieht, die das rationale Begreifen unternimmt, es richtig zu verstehen.“ Das erkläre, warum der Übersetzer Eshelman ein halbes Jahrhundert dafür brauchte. Sein Nachwort wird diejenigen schockieren, die glauben, Übersetzen sei eine kaltblütige akademische Übung. / Buffalo News 25.3.
“Complete Poetry of Cesar Vallejo” Bilingual edition edited and translated by Clayton Eshelman (University of California Press, 716 pages, $49.95).
Außerdem in der Sammelbesprechung: Carl Dennis / Conversation Pieces: Poems That Talk to Other Poems / Kenneth Koch
Auf Deutsch lieferbar:
César Vallejo
Werke I – IV
Gedichte (spanisch / deutsch)
(übersetzt von Curt Meyer-Clason,
hrsg., mit Anmerkungen und einem Nachwort von Alberto Perez-Amador)
zus. 4 Abb., zus. 1525 S., geb., m. Lesebändchen, 2000
ISBN 3-89086-809-6 ISBN 3890868096
80 EU
In L&Poe 2006 Nov #133. Gräber
44 französischsprachige Schriftsteller, darunter Tahar Ben Jelloun, Édouard Glissant, Jean-Marie Gustave Le Clézio, Erik Orsenna und Jean Rouaud, haben in der Literaturbeilage von Le Monde am 16.3. ein Manifest gegen die französische Lebenslüge der Frankophonie veröffentlicht. Sie wollen nicht länger als Exoten am Rande gesehen werden. Titel ihres Manifests: „Für eine „Weltliteratur“ auf Französisch“. Es beginnt so:
Später wird man vielleicht von einem historischen Augenblick sprechen: Der Prix Goncourt, der Grand Prix du roman (Große Romanpreis) der Académie française, der Renaudot, der Fémina und der Goncourt des lycéens (Goncourt-Preis der Gymnasiasten) gingen im letzten Herbst an Autoren, die nicht in Frankreich leben. Einfacher Zufall, der ausnahmsweise Talente aus der „Peripherie“ traf, bevor der Fluß in sein Bett zurückfließt? Wir denken im Gegenteil: kopernikanische Revolution.
Die Idee einer Weltliteratur auf Französisch liege in der Luft, schreibt Radio Canada. Im letzten November sprachen der Franzose Jean Rouaud und der Franko-Kongolese Alain Mabanckou bei einer Veranstaltung in Bamako, Mali über das Thema. Jean Rouaud schrieb: „Die französische Sprache hat die Insel der Stadt verlassen, um einen Archipel zu bilden.“
JOHANNES WILLMS berichtet in der SZ vom 17.3.
Zum Vergleich verweisen sie auf die glücklichen „Kinder des einstigen britischen Imperiums“, die sich längst einen legitimen Platz in der englischsprachigen Literatur erobert hätten, eine Feststellung, die sich kaum bestreiten lässt. Fragt sich also durchaus zu recht, warum den auf Französisch schreibenden Autoren aus Afrika, aus Haiti oder von den Antillen bislang nicht das nämliche Glück beschieden ist wie jenen. Die naheliegende Antwort, die von den Autoren des Manifests gegeben wird, stellt das Konzept der „Francophonie“ in Frage. Niemand, so heißt es, spreche oder schreibe „francophon“, alle bedienten sich lediglich des Französischen als Sprache, um die Erfahrungen und Farben ihres je eigenen kulturellen Seins und Erlebens auszudrücken. Die „Francophonie“ aber sei der zähe Zuckerguss, der alle Unterschiede verkleistere und damit der restlichen Welt die Existenz der Kultur und Sprache eines bloß virtuellen Landes vorgaukele.
Deshalb gelte es, die Fesseln der „Francophonie“, dieses letzten kolonialen Betrugs aufzusprengen, damit endlich das Französische als eine Weltliteratursprache ins Leben treten, Künstler und Erzähler dem noch immer Unbekannten in der Welt eine Stimme und ein Gesicht geben können.
Frankophonie in L&Poe: 2005 Jun #44. Unsichtbare Literatur; Jun #101. Doppelsprache; Jul #17. Poésie congolaise; Aug #68. Über die frankophonen Literaturen; Nov #51. Kateb Yacine: ein Leben, eine Legende; 2006 Feb #82. Senghor-Jahr; Mrz #20. „Adelf“ und afrikanische Spiritualität; Mrz #97. Es gibt sie immer noch; Dez #47. Senghor 1
Noch einmal Rotbuch
Im Gespräch mit der FR (27.2.) sagte der ehemalige Rotbuch-Lektor F.C. Delius auch:
In kaum einem anderen Verlag wurden, im Verhältnis zur Titelzahl, so viele Autoren entdeckt und erfolgreich: Peter Schneider, Aras Ören, Heiner Müller, Thomas Brasch, Peter-Paul Zahl, Karl Mickel, Stefan Schütz, Bodo Morshäuser, dazu Autoren, die von anderen Verlagen kamen, wie Helga Novak, Christian Geißler, Jürgen Theobaldy. Und nach meiner Zeit Herta Müller, Libuse Monikova, Richard Wagner, Emine Özdamar, Birgit Vanderbeke, und das sind noch lange nicht alle. Die Autoren waren das Programm.
Ich überlege. „Entdeckt“ scheint sich da auf den (west-)deutschen Buchmarkt zu beziehen. Der ist natürlich wichtig, auch für die Autoren. Ich, zum Beispiel, habe von den genannten Autoren Peter Schneider und Peter-Paul Zahl in Rotbuch-Bändchen entdeckt. Die kursierten im Freundeskreis, und manche (Kurt Bartsch, Adolf Endler, Sascha Anderson fallen mir ein) las ich per Fernleihe im Lesesaal der Universitätsbibliothek Greifswald oder in den großen Bibliotheken in Leipzig und Berlin. Heiner Müller, Karl Mickel waren natürlich längst bekannt und über den Status von Geheimtips hinaus, bevor sie bei Rotbuch erschienen. Die entdeckte ich in Büchern (Mitteldeutscher Verlag, Reclam Leipzig, Henschel) und Zeitschriften (Sinn und Form, Theater der Zeit). F.C. Delius entdeckte ich in einem Band beim Aufbau Verlag. Erst in den 90er Jahren konnte ich seine Bücher von Rotbuch oder Rowohlt kaufen. Erstaunt las ich da ein Gedicht, das nicht nur im Titel (Hofgeschrei), sondern auch im Text nahezu wörtlich mit einem Gedicht von Karl Mickel übereinstimmte. Insider-Scherz, Gruß über die Mauer, Plagiat? Ich weiß es nicht.
Herta Müller oder Richard Wagner wiederum konnte man in einer wunderbaren und zugleich sonderbaren schmalen, auf schlechtem Papier gedruckten Zeitschrift entdecken. Sie hieß „Neue Literatur“ und wurde vom Schriftstellerverband der Sozialistischen Republik Rumänien herausgegeben. Man konnte sie in großen Zeitschriftenläden kaufen und auch abonnieren. Wie so manche Abonnements endete auch dieses im Jahre 1990 (ich weiß nicht mehr, ob durch meine Nachlässigkeit?) Damals jedenfalls begann jedes Heft mit unsäglichen Elogen auf den Conducator Ceausescu. Unmittelbar daneben konnte man dann Prosa von Herta Müller oder Gedichte von Wagner, Bossert, Seiler, Hodjak, Samson, Lippet, Söllner oder Schlesak lesen. Ein wunderbares diebisches Lesevergnügen. Die Hefte von den Endsechziger Jahren bis 1990 liegen heute im Falladahaus in Greifswald und können auf Anfrage benutzt werden.
Wie sagte Willi Brandt (oder war es Thierse? Oder Herodot? Die Zeit vergeht!): „Laßt uns einander unsere Entdeckungsgeschichten erzählen.“
Das poesiefestival berlin ist kein „regionales Ereignis“, sondern ein Festival mit internationaler Wirkung
Das poesiefestival berlin und das internationale literaturfestival berlin sind nicht miteinander vergleichbar
Eine Biennalisierung schadet beiden Festivals
Berlin glänzt durch seine Kreativität. Keine andere Stadt Deutschlands beherbergt so viele Künstler aller Sparten. Das Kulturleben Berlins erregt weltweit Aufmerksamkeit, die Marke „Made in Berlin“ steht international für experimentierfreudige Kultur. Ein Image, das sich auf Deutschland als Ganzes auswirkt.
Zu diesem Image tragen wesentlich zwei jährlich stattfindende Festivals bei: Das poesiefestival berlin und das internationale literaturfestival berlin. Der Bund hat – wie lange bekannt – die Biennalisierung der beiden Festivals vorgeschlagen. Das wäre für beide das Ende. Der Kontakt zu Publikum und Künstlern würde verloren gehen, die Festivals könnten nicht kontinuierlich arbeiten, Sponsoren würden abspringen etc. Andreas Kilb hat das in seinem Artikel in der FAZ vom 1.3.2007 richtig beschrieben. Die beiden Festivals jetzt gegeneinander auszuspielen, wie Kilb das tut, wird aber keinem der beiden gerecht und sägt auch für das internationale literaturfestival am Ast, auf dem es sitzt. Beide Festivals haben unterschiedliche Zielgruppen und Arbeitsweisen und vor allem: Ihre Inhalte sind nicht vergleichbar.
Während das internationale literaturfestival die verfügbaren großen Namen der Bestsellerlisten versammelt und dabei naturgemäß hauptsächlich auf Prosa setzt, bringt das poesiefestival berlin jedes Jahr eine Kunstform an ein großes Publikum, die sonst von der Öffentlichkeit wie vom Feuilleton wenig beachtet wird: Die Poesie. Eine Kunstform, die zwar nicht Massen anspricht wie Belletristik, aber zur wichtigen Hochkultur einer Nation gehört. Das poesiefestival berlin ist ein unverzichtbares Instrument innerhalb eines Gesamtkonzepts, das der Dichtung in unserem Land wieder zu mehr Geltung verhilft. Das poesiefestival berlin entwickelt dazu stetig aufs Neue innovative Formate und Präsentationsformen, die weltweit Nachahmer finden, wie z.B. den ZEBRA Poetry Film Award und das Präsentationsmedium des Festivals, lyrikline.org. Es lotet das Poetische als Sprachkunst aus und setzt es in Beziehung zu anderen Künsten. Das Festival ist multimedial und verknüpft Poesie und die anderen Künste: Tanz, Musik, Theater, Digitale Medien.. Damit ist es einzigartig in Deutschland und das größte in Europa. Es ist, im Gegensatz zum Prosafestival der Berliner Festspiele, kein „Abspiel“- sondern ein „arbeitendes“ Festival, ein Labor, in dem Sprachformen erforscht und weiter entwickelt werden: Über 60 Dichterinnen und Dichter aus Deutschland sind Dank des poesiefestival berlin erstmals im französisch-, spanisch-, keltischsprachigen Raum, in osteuropäischen Sprachen oder in Australien erschienen; und zwar in Buchform. Das gilt auch in der Umkehrung. Für hunderte Dichterinnen und Dichter ermöglichte das poesiefestival berlin erste Publikationen in deutscher Sprache. Produktionen des poesiefestival berlin aus dem Bereich Komposition, Text/Tanz, digitale Poesie treten nach dem Festival ihre Reisen zu Veranstaltern rings um den Globus an. Das poesiefestival berlin arbeitet mit den wichtigsten internationalen Dichtern zusammen, einige davon sind auf dem Festival zum ersten Mal in Deutschland aufgetreten. Mit dabei waren u.a. schon Büchner-Preisträger Elfriede [sic] Mayröcker, Volker Braun, Wolfgang Hilbig, und Durs Grünbein, Booker-Preisträger Ben Okri, Träger des Pasternak-Preises Gennadij Ajgi, die Songwriterin Laurie Anderson, Gewinner des Robert Kirsch-Preises Lawrence Ferlinghetti sowie Pulitzer-Preisträger Paul Muldoon.
lyrikline.org, Medium des Festivals, Grimme-Preis-prämiiert und mit UNO-Prädikat ausgezeichnet, zählt über 2 Millionen Besucher weltweit. Aktuell arbeiten Institutionen aus über 30 Ländern im Verbund der lyrikline.org aktiv mit.
Der ZEBRA Poetry Film Award, international außerordentlich erfolgreich, ist die weltgrößte Plattform und der wichtigste Wettbewerb für dieses neue Filmgenre und wird alle zwei Jahre im Rahmen des poesiefestival berlin vergeben.
In der Tat übernimmt das poesiefestival berlin gesamtstaatliche Aufgaben in der Vermittlung und Verbreitung von Poesie in zeitgenössischen künsteübergreifenden und medialen Formaten. Es ist erste Adresse bei Dichtern aus aller Welt. Das poesiefestival berlin ist zudem bestens vernetzt mit und in der „Staralliance“ der Poesie-Festivalmacher und erste Adresse bei Veranstaltern und Festivalmachern aus aller Welt, die regelmäßig an den vom poesiefetival berlin angebotenen Colloquien und Kursen zur Vermittlung zeitgenössischer Poesie teilnehmen. Das Festival hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, Dichtung in deutscher Sprache wieder international wahrnehmbar zu machen.
Hier regionalen Stellenwert zu entdecken, wie Herr Kilb das tut, ist nicht nur deplaziert, offenbar schlecht recherchiert und FAZ-unwürdig, es unterstellt auch den Jurys und Gremien der Kulturstiftung des Bundes und des Hauptstadtkulturfonds schlimmste Inkompetenz. Schließlich dürfen dort per Satzung nur Projekte mit gesamtstaatlichem Wirkungsrahmen gefördert werden.
Richtig ist, Bund und Land müssen endlich Entscheidungen treffen. Eine Biennalisierung beider Festivals wäre ein schlapper politischer Kompromiss, der entweder das Aus oder die tatsächliche Provinzialisierung beider Festivals zur Folge hätte.
Einer Bundeshauptstadt stehen beide Festivals gut an. Der Leiter der Literaturwerkstatt Berlin, Dr. Thomas Wohlfahrt, hat kürzlich dem Intendanten der Berliner Festspiele, Dr. Joachim Sartorius, vorgeschlagen, gegen den Gedanken der Biennalisierung der beiden Festivals gemeinsam aufzutreten. Die Antwort der Festspiele steht aus.
Boris Nitzsche
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstr. 97
10435 Berlin
Tel: [+49. 30] 48 52 45-24
Fax: [+49. 30] 48 52 45-30
e-mail: nitzsche@literaturwerkstatt.org
Eins der stärksten beschreibt die Höhenzüge der Lößnitz bei Radebeul: „Sanft gehen wie Tiere die Berge neben dem Fluss.“ Es wurde zu einem Leitmotiv der sächsischen Nachkriegspoesie, Karl Mickel, Volker Braun zitieren es wie ein Markenzeichen. Einer meinte gar, dieser Czechowski-Vers werde der Einzige sein, der die Zeiten überdauert. Das ist untertrieben. …
Seine Autobiographie spiegelt bis zur Schmerzgrenze sein Selbst und seine Beziehungen zu den Protagonisten der DDR-Lyrik. Die Reibereien mit der Zensur, die Stasi-Spitzeleien, aber auch die Misshelligkeiten untereinander werden bis ins Kleinste geschildert. Eitelkeiten, Wutausbrüche – am Ende ist Czechowski mit allen verstritten, am Zusammenbruch der DDR, den er herbeigesehnt hatte, zerbrochen, ein melancholischer Emerit [oder Eremit, MG?] im Geist der Haltlosigkeit und Entwurzelung. / JENS GRANDT, SZ 22.2.
HEINZ CZECHOWSKI: Die Pole der Erinnerung. Autobiographie. Grupello Verlag, Düsseldorf 2006. 282 S., 22,90 Euro.
In L&Poe: 2001 Nov; 2002 Mrz (Franz Hodjak wird Dresdner Stadtschreiber); Apr (Heinz Czechowski); Aug (Ein Quadratmeter im Gefängnis); 2004 Jun #42. Darstellung von Einzelheiten; Dez #25. Poem ohne Held; 2005 Feb #30. Czechowski 70; Apr #74. Bei Endlers Begegnungen; 2006 Jan #43. Dichter über Dresden / #50
In dem dunklen Meisterstück „Summertime in England“ schmachtet Van Morrison: „Hast du je von Wordsworth und Coleridge gehört, Baby?“ Aber im Radio hört man heute von ihm nur „Brown Eyed Girl“, weshalb nur Kenner wissen, daß „Van the Man“ sich von den Schriften von John Donne, William Blake, James Joyce, William Butler Yeats, T.S. Eliot, William Wordsworth oder Samuel Taylor Coleridge inspirieren läßt.
Der Biograph Adam Sisman scheint zu verstehen, daß es manche Persönlichkeiten der 60er Jahre dem modernen Leser leichter machen würden, diese beiden entfernten Figuren zu verstehen. Zu Beginn seines Buches betont er, daß Wordsworth und Coleridge „als Paar legendär wurden, wie Boswell und Johnson oder Lennon und McCartney“, und ihre Zeit beschreibt er als „kulturelle Revolution“.
Sisman geht das Wagnis ein, sich auf die kurze Zeit zu konzentrieren, als Wordsworth und Coleridge, damals in ihren Zwanzigerjahren, nahe Nachbarn bei Bristol waren und manchmal am selben Tisch saßen und schrieben und einander ihre Zeilen vorlasen. Zeilen, die der eine erdacht hatte, tauchten in Gedichten auf, die dem anderen zugeschrieben wurden. Das Schreiben ging ihnen so flüssig von der Hand, daß sie sich scherzhaft „der Konzern“ nannten, eine „kommerzielle Manufaktur“ zur Produktion von Versen. / Jonathan Kirsch, Los Angeles Times 11.2.2007
The Friendship: Wordsworth & Coleridge
Adam Sisman
Viking: 512 pp., $27.95
Er wehrt sich gegen die Überinterpretation von Gedichten. In „Einführung in die Poesie“ heißt es etwa über das Genre im Allgemeinen: „Aber alles, was sie tun wollen, /ist, das Gedicht an einen Stuhl zu fesseln/und ihm ein Bekenntnis abzupressen. // Sie beginnen damit, es mit einem Schlauch zu schlagen,/um herauszufinden, was es wirklich meint.“ Stattdessen empfiehlt Collins den Lesern: „[…] betretet den Innenraum des Gedichts/und tastet die Wände nach einem Lichtschalter ab.“ Dieses Betreten und Abtasten ist in Collins Gedichten ein großer Genuss, denn trotz ihrer Klarheit und ihrer zum Teil angenehm unverschlüsselten Sprache eröffnen sie große Gedankenräume und geben die Möglichkeiten zum Sich-Verlieren und Weiterdenken.
Das Leben in Collins Gedichten ist „ein geladenes Gewehr,/welches dich anschaut mit einem gelben Auge.“ In ihrer Treffsicherheit und ihrem Gespür für den richtigen Moment kann man sogar die Gedichte selbst als ein solches Gewehr bezeichnen. / Katharina Bendixen, Kunststoff, Leipzig
Billy Collins: Schnee schaufeln mit Buddha. Ausgewählte Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Ron Winkler. Edition Erata, Leipzig 2006. 12,95 Euro. 3-934015-82-4
In L&Poe: 2001 Jul # poet laureate named; 2001 Sep # Poet Laureate Billy Collins’s new greatest hits collection, “Sailing Alone Around the Room“; Okt # Popular Poetry?; 2002 Jan (A poem a day); Okt (The real thing in poetry); Nov (Poetry Hits the Jackpot); Dez (Über eine amerikanische dichtergestützte Werbekampagne); 2003 Jan (Die taz und Süddeutsche begutachten); Feb (US-Lyriker gegen Krieg); Jul (Kurznachrichten); 2004 Mai #12. Good Poems – Buch und Radioshow / #14. Drei preisgekrönte Dichter; Aug #24. Elitär und dunkel (und das ist gut so); Sep #16. Winterurlaub in Palm Beach; 2005 Okt #33. Bei den fabelhaften; Nov #3. Imaginativer Realist; 2006 Jan #28. Der Ärger mit Gedichten; Apr #1. PoetryFoundation.org / #4. Verrat an Elizabeth Bishop?; Apr #60. Neuer amerikanischer Kanon?; Mai #118. Ästhetik des Verlusts; Jul #8. Schlicht und geheimnisvoll; Jul #114. Edition Erata
Mauricio Kagel hat ein experimentelles Sonett des Barockdichters Quirinus Kuhlmann vertont. „RJB“ schreibt über die bei Winter & Winter erschienene CD in der SZ vom 5.1.:
Die Einsilbigkeit des Textes und die knappen Formulierungen der Musik gehen eine in ihren Bann ziehende, aber immer streng spröde Synthese ein und bauen in zunehmender Verdichtung der Musik eine Erwartungshaltung auf, die der Klangexperimentator Kagel und sein Dirigent Reinbert de Leeuw dann tatsächlich im letzten Drittel dieses in den Jahren 2000 und 2001 entstandenen 25-Minüters „Quirinus‘ Liebeskuss“ sinnlich zu befriedigen wissen. Wie? Das sei hier nicht verraten. Es genügt zu wissen, dass der Text von dem Visionär, Antiprotestanten und Religionsgründer Quirinus Kuhlmann (1651-1689) stammt, der die „Kühlmonarchie“ als Lehre entwickelte und in Moskau als Ketzer verbrannt wurde.
In L&Poe: 2001 Feb (Donnergrollen der Seel); 2002 Feb (Radio- und Fernsehtips)
Den ersten Literaturförderpreis des sächsischen Kunstministeriums erhält der Leipziger Autor Thomas Böhme, der nach Auffassung der Jury zu den herausragenden Dichtern der jüngeren** deutschsprachigen Lyrik gehört. Die Auszeichnung ist mit 5500 Euro verbunden. / FAZ 2.11.
** L&Poe gratuliert herzlich. Die folgende Anmerkung gilt nicht dem Autor, sondern dem Jurorenkreis. Wie viele Jahre der – zusammen oder im Schnitt – zählt, wird nicht mitgeteilt. Jünger als die Jury (oder zB als die vereehrte Ilse Aichinger) ist Thomas Böhme allemal. Insofern – aber auch nur insofern – stimmt das Attribut. Thomas Böhme gehört zu den herausragenden Autoren seiner Generation, der über Fünfzigjährigen, zu denen er seit 2005 gehört! (Aber man sage es nicht dem Ministerium, sonst streichen sie ihn noch von ihren Förderlisten!)
Acht junge Kunstschaffende der Sparte Lyrik werden dieses Jahr von der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) mit einer Gabe von je 10’000 Franken gefördert.
Die Verleihung findet am 23. November im Regierungsgebäude in Herisau statt.
In diesem Jahr werden folgende Kunstschaffende geehrt: Sabine Wen-Ching Wang aus Appenzell Ausserrhoden; Anna Maria Keller aus Appenzell Innerrhoden; Ralf Schlatter aus Schaffhausen; Evtichios Vamvas aus St. Gallen, Karin Fellener** und Andrea Heuser aus Bayern sowie Christine Langer und Nico Bleutge aus Baden-Württemberg. / Schweizer Fernsehen 24.10.
**) Ich vermute mal: Fellner
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