Zwei Bücher machen jetzt dankenswerterweise auf Leben und Werk Hilde Domins aufmerksam. Das eine trägt den Titel „Liebe im Exil. Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931 – 1959“. Sowohl das Glück dieser außergewöhnlichen Liebe als auch die karibische Einsamkeit, die darauf folgende Ehekrise und der Aufbruch ins eigene Schreiben sind hier dokumentiert.
Oft war Domin allein und somit auf sich selbst auf der Insel Santo Domingo zurückgeworfen. Ihr Mann durfte über Jahre hinweg den lateinamerikanischen Kontinent in seiner beruflichen Funktion nicht bereisen.
Die Sprache der Liebe umfasst in diesen Briefen nicht nur direkte Herzenserklärungen; Beschreibungen von Landschaften, inneren Bewusstseinsvorgängen, persönliche Sorgen und Sehnsüchte sind hier genauso enthalten wie etwa eine Bitte an ihren Mann, ihr mehr Raum zu lassen. Da heißt es an einer Stelle über ihre Mitarbeit an einem Buchprojekt:
Mein Herz, lass mir ein wenig mehr Freiheit: so dass Platz bleibt für die – und sei es nur eine Fiktion – freiwillige Mitarbeit. Der totale Druck, die totale Pflicht, das macht nur widerwillig. Man bekommt eine Lust zum davonlaufen – gar nicht zu beschreiben. Dabei lieb ich Dich doch.
Und dann, ein paar Zeilen weiter, heißt es noch versöhnlicher:
Lass uns… lass uns doch wieder Wolkenhirten sein, wenn die Bäume grün werden…
(…)
Hilde Domin trug bei ihren Lesungen ihre Gedichte immer zweimal vor. Sie las in Gefängnissen, Schulen und Kirchen. In einem Interview im Jahre 1986 wurde ihr die Frage gestellt, wie viel Mut ein Schriftsteller für das Schreiben eigentlich benötige. „Ein Schriftsteller“, sagte sie bei dieser Gelegenheit, „braucht drei Arten von Mut: den, er selber zu sein, den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der Anderen zu glauben.“
/ Marica Bodrozic, Hör-Tipp, Oe1 Ex libris, Sonntag, 12. Juli 2009, 18:15 Uhr
http://oe1.orf.at/highlights/140704.html
Hilde Domin, „Sämtliche Gedichte“, S. Fischer Verlag
Hilde Domin, „Die Liebe im Exil: Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931-1959“, S. Fischer Verlag
beim Schleswig-Holstein Musik Festival
Mit Michael Lentz, Axel Kühn, Klaus Sperber, Oliver Hahn und Andi Lind
Literaturhaus Hamburg e.V.
Schleswig-Holstein Musik Festival: Sprechakte X/treme
Mit Michael Lentz (Rezitation), Axel Kühn (Saxofon, Bassklarinette), Klaus Sperber (E-Bass), Oliver Hahn (Keybboard) und Andi Lind (Schlagzeug)
Ein poetisches Experiment. Ein Dialog von moderner Lyrik und progressiver Musik. Vier Musiker und ein Dichter gemeinsam auf der Bühne – die Worte werden durch die Sprechkunst von Michael Lentz zu Musik; seine Stimm-Musik und die Musik der vier Instrumentalisten verbinden sich. Klangschichten entstehen: sanfte Saxofonklänge, getragen melodisch, dann wieder jazzig-rhythmisch; klangglitzerndes Schlagwerk; technoartige Beats; Instrumente und Stimme manchmal elektronisch verzerrt. Faszinierend auch die Wandlungsfähigkeit der Textinhalte. Was im einen Moment tiefsinnig und lebensklug schien, explodiert plötzlich zu Textfragmenten, Worte werden endlos wiederholt, Satzteile vermischt und ausgelassen – kein Inhalt mehr, nur noch Klang.
Gefördert durch brand eins Wirtschaftsmagazin.
Restkarten in der Buchhandlung Samtleben im Literaturhaus (Telefon 040-220 51 45).
literaturhaus, montag, 13. juli, 20.00 uhr, euro 23,-
Literaturhaus Hamburg e.V.
Schwanenwik 38
22087 Hamburg
Text: klausensblog
klau|s|ens, was hast du gegen „lyrikmail“?man beantwortet meine mail(s) nicht.
Wer mag, kann ja mehr nachlesen (vül isses aber nich – ich glaub, ich halt lieber zu koalls lyrikmail)http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/480639
„Wenn du ein echter Cowboy bist, hast du eine Menge Zeit. Das Cowboyleben kommt der Poesie entgegen.“ Das sagte Donna Vaughan, die Vorsitzende des Cowboy-Lyrik-Komitees, zur Eröffnung des 22. Cowboy-Lyrik-Jahrestreffens in Salinas, Kal. Warum die Tagung „Cowboys & Cabernet“ heißt, erklärt der Artikel in The Californian leider nicht. In den Filmen trinken die doch immer Whisky? Ulf, weißt du eine Antwort?
Die Leute sind manchmal trotzig. „Sie fangen an, Gedichte zu schreiben und ihr Heil in Gedichten zu finden“, befand Mirko Bonné, der zuletzt mit seinem Gedichtband „Republik der Silberfische“ aufhorchen ließ, beim Besuch in Innsbruck. Und meint: „Der Trend, das Gedicht zum Verstummen zu bringen, ruft die Gegenreaktion hervor.“ Jedes Gedicht, stellt der Romancier und Lyriker klar, „ist stärker als Prosa“. Gedichte sind also nach wie vor hochkarätige Begleiter. …
Der Verfasser des kollektiven Tagebuchs „Echolot“ hob in dem Lyrikband die Gedichte, die seine acht Jahre dauernde Haft im DDR-Gefängnis Bautzen widerspiegeln, auf.
Abrechnung findet keine statt. Die Gedichte berühren durch ihre Knappheit wie in „Stacheldraht“: „Ganz hübsch, diese Falter von Draht!“ Die Worte sind spröde, als könnten sie so der begrenzten Welt der Haft am ehesten entsprechen. Kempowski hat an Rilke gedacht und an Rapunzel, die ihr Haar von ihrem Gefängnisturm heruntergelassen hat.
Kehrtwende. Die Welt, wie sie stinkt und keucht und lebt, beschreibt Bettina Balàka in den Gedichten „Schaumschluchten“ (Droschl). Die produktive Österreicherin bewegt sich in ihren vielstrophigen, titellosen Gedichten mit Verve. Sie stürzt sich in Wortschluchten, sieht Kommunikationsdrang und den Wahnsinn der Äußerlichkeiten, ja, aber auch Landschaft und Kinder. „Mein Mädchen aber kletterte wie ein Äffchen an mir hoch und säße auf meiner verlogenen Nase.“ / anonym bei tt.com http://tt.com/tt/home/story.csp?cid=10757189&sid=57&fid=21 (Tirol! Daß es nicht aus D-Land kommen kann, ist wohl klar: die hätten sich mit Bonné, Enzensberger & Kempowski begnügt, was nichts gegen diese besagen soll, wohl aber gegen deutsche Beschränktheit. „Nieder mit Deutschland“, rufen das die Iraner deshalb? Ach, zum Teufel)
Kultursommer im Radio
12.07. bis 12.09.2009
täglich ab 20:05 Uhr bis kurz nach Mitternacht
Alle neun Radioprogramme der ARD-Kulturwellen senden im Sommer 2009 zum ersten Mal ein gemeinsames Kulturprogramm.
Zu hören gibt es dabei ausgewählte Konzert- und Opernabende mit weltberühmten Orchestern, Dirigenten und Solisten, ab 22:30 Uhr liest Gert Westphal an 61 Abenden aus Thomas Manns „Buddenbrooks“.
Ab 23:00 Uhr steht das ARD-Radiofestival ganz im Zeichen des Jazz und täglich ab 23:30 Uhr sind in „Echtzeit“ bewegende Momente deutsch-deutscher Geschichte in historischen Radioaufnahmen zu erleben.
Zum Abschluss eines jeden ARD- Radiofestivaltages heißt es kurz nach den 0:00 Uhr-Nachrichten „Lauter Lyrik“, die Elite deutscher Schauspieler und Sprecher liest Gedichte aus dem „Hör- Conrady“, dem größten Lyrik-Projekt Deutschlands.
Der auf falsche Fährten und launige Literatur abonnierte Romancier Rayk Wieland, Jahrgang 1965, hat sich just bewusst dilettantische Reime auf ein vorgebliches Alter Ego gemacht: „Der Spurwechsel“ heißt eines Gedichte seines Helden Rayk W., den er für seinen Roman „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ erfunden hat. Einen Lyriker, der angeblich, jedenfalls nach Ansicht der ihn emsig bespitzelnden DDR-Behörden, sehr subversiv war. Das besagte Poem geht so: „Ich sitze im Wagen / Und wechsle / Zum Überholen die Spur. / Ich war gern dort, wo ich herkomme, / Ich bin gern da, wo ich hinfahre. / Auch unterwegs zu sein ist schön. / So könnte es immer weiter / – Gähn.“ / DIE WELT 11.7. http://www.welt.de/die-welt/article4100145/Und-ich-soll-Widerstaendler-sein.html
Eben erhielt sie für ihre Gedichte wieder einen Preis. Die Wiener Autorin Friederike Mayröcker schreibt seit über sechzig Jahren buchstäblich gegen den Tod an. Ein Gespräch über ihr Œuvre führte Christine Dobretsberger, Basler Zeitung (Der Bund) 09.07.:
Sie selbst bezeichnen die Erzählung «je ein umwölkter gipfel» von 1973 als Ihr Schlüsselwerk.
Es ist deshalb ein wichtiges Buch, weil ich mich mit diesem Werk vom puren experimentellen Arbeiten abgewandt habe. Ich dachte mir, ich muss jetzt etwas anderes machen. Vorab wusste ich nur den Titel des Buches, den ich übrigens aus der «Zeit» gestohlen habe. Damals war gerade der Amerika-Russland-Gipfel, und die «Zeit» titelte mit der Überschrift: «Ein umwölkter Gipfel». Ich fügte nur das «je» hinzu und entwarf zwei sprechende Personen. Später in «Heiligenanstalt» bin ich allerdings wieder zum Experimentellen zurückgekehrt. …
Im Anschluss an die Wiener Buchpräsentation Ihres neusten Lyrikbandes «Scardanelli» sprachen Sie über Ihre intensive Hinwendung zum Leben, und es fiel der Satz «Ich hasse den Tod».
Ja, den hasse ich. Ich sehe nicht ein, dass ich abtreten muss, weil ich noch einiges vorhabe. Elias Canetti war ja auch gegen den Tod.
Hat dieser Ausspruch speziell etwas mit «Scardanelli» bzw. mit der damit verbundenen intensiven Beschäftigung mit Hölderlin zu tun?
Nein, ich bin schon viele, viele Jahre gegen das Sterben. Ich empfinde es als Abschneiden eines Fadens, der am liebsten noch sehr lange weiterginge. Dieser Faden wird einfach abgeschnitten und man geht in ein unbekanntes Terrain. Das finde ich schlimm.
Der Afrika-Tag des von der Berliner Literaturwerkstatt ausgerichteten Poesiefestivals, der in diesem Jahr die englischsprachigen Länder im Süden des Kontinents vorstellte, erinnerte am Sonntag aber daran, dass das, was viele heute als hermetisch empfinden, eine ganz körperbezogene Kunst ist und ursprünglich den Riten und Rhythmen der Arbeit und des Krieges entsprang.
Von einer jungen Performer-Generation aufgenommen, ist das gestische Wort in die Popkultur eingewandert und hat einen lyrischen Strom freigesetzt, der, wie die für den Schwerpunkt Verantwortliche Afrika-Expertin Flora Veit-Wild bemerkte, gar nicht verstanden werden muss, um zu wirken. Kgafela oa Magogodi jedenfalls hätte mit seiner Rap-Lyrik, in der immer wieder das Wort „Holocaust“ aufschien, auch die sprachresistentesten Geister vom Stuhl reißen können. Zumindest das jüngere Publikum in der Akademie am Hanseatenweg lag ihm zu Füßen.
Johannesburg gilt als Melting Pot der südafrikanischen Lyrikszene, dort verschmelzen kosmopolitische Einflüsse mit traditionellen Kulturbeständen. Virtuos führt Phillippa Yaa de Villiers vor, „wie man in der Stadt überwintert“. Während ihr 70-jähriger Dichterkollege Keorapetse Kgositsil („Willi“), ANC-Aktivist der ersten Stunde, noch ein Bindeglied zum alten Südafrika ist und seine Stimme der Erinnerung an den Kampf gegen das Apartheidregime und seine Opfer leiht, haben sich die jüngeren Stadtpoeten frei gemacht von der verpflichtenden Verbeugung vor der heroischen Vergangenheit. Frech lädt de Villiers etwa den ehemaligen Präsidenten zum Tee („Tea for Thabo“), um ihm seine kriminelle Aids- Politik vorzuhalten: „Du bist der Vater einer gesunden Bordellnation.“ / Ulrike Baureithel,Tagesspiegel 30.6.
„In English, please!“: Daniil Pashkoff Prize 2010
Der Daniil Pashkoff Prize startet zum neunten Mal. Wer Prosa und Lyrik in englischer Sprache schreibt und Englisch nicht als Muttersprache hat, kann sich bis zum 31. Januar 2010 mit eigenen Texten bewerben.
Der Daniil Pashkoff Prize for Creative Writing in English by a Non-Native Speaker wird in zwei Altersgruppen – unter 21 Jahren und über 21 Jahren – sowie in den Kategorien Prosa und Lyrik verliehen. Ob Rap, Gedicht oder Kurzgeschichte: Jede Literaturform ist willkommen. Die Gewinnertexte werden in einer Anthologie veröffentlicht. Als Hauptpartner unterstützen freundlicherweise die Stadt Braunschweig, der Diesterweg-Verlag, die Stiftung Familie Johanna und Johannes Papke, die Sprachenschule Berlitz, die Buchhandlung Graff, die Agentur Maassen Design und das IT-Unternehmen Gärtner Datensysteme den Daniil-Pashkoff-Preis. Informationen zum Wettbewerb gibt es unter
www.writers-ink.de.
Jemand Kluges hat einmal gesagt: «Russland ist ein Land mit einer unvorhersagbaren Vergangenheit.» Das betrifft auch die russische Literatur. Insbesondere die Poesie. Spätestens seit Gorbatschews Perestroika sind nicht mehr etwa Jewgeni Jewtuschenko oder Andrei Wosnessenski, die in den sechziger Jahren vom ganzen Volk vergöttert und auch im Westen als Repräsentanten der dürftigen Freiheit des Chruschtschewschen «Tauwetters» bewundert wurden, die Hauptfiguren der Literatur jener Zeit.
Das Bild der russischen Poesie ist heute beherrscht von der Überfigur Joseph Brodskys (1940–1996). Der Mythos Brodsky ist kanonisiert und weltberühmt: Er war der Liebling der alten Anna Achmatowa, die ihn als Nachfolger legitimierte. Allerdings nicht in den Augen der sowjetischen Obrigkeit: Joseph Brodsky wurde wegen «Nichtstuerei» verhaftet. Aus seiner unglücklichen Liebe kreierte er die berühmtesten Liebesgedichte der Epoche. Seine Nobelpreisrede 1987 ist für die ganze Welt zum Plädoyer für die Poesie geworden.
Alles schön und gut, daran ist auch nichts Falsches. Aber heute zeigt die Vergangenheit wieder einmal aufs Neue ihre proteischen Eigenschaften, und zwar in einem Mass, das man für den deutschen Sprachraum etwa so veranschaulichen könnte: Man stelle sich vor, Schiller sei ziemlich schnell vergessen worden und der Geheimrat Goethe ziere allein die deutschen Boulevards. Und dann würde jemand unerwartet sagen: «Es gab doch noch Schiller! Macht bitte die Hälfte des Sockels frei!»
Im Petersburger Ivan-Limbach-Verlag ist unlängst eine zweibändige Werkausgabe eines Altersgenossen, kurzzeitigen Freundes und auch (wie unter Dichtern üblich) Rivalen von Brodsky erschienen: Leonid Aronson. Dieser war weder Dissident noch anerkannter Staatsdichter. Jahrzehntelang war Aronson für Petersburger ein Kultlyriker und für alle, die sich für die freie russische Poesie interessierten, ein Geheimtipp. / Olga Martynova, NZZ 4.7.
Leonid Aronson „Innenfläche der Hand“, Erata Literaturverlag, Leipzig 2009, 19,95 Euro
Sein lyrisches und dramatisches Oeuvre füllt Bände um Bände, er war ein Dichter, der durch die Form die Welt gleichsam neu schaffen wollte, dem das Schreiben leichtfiel und der daher oft mehr Kunststücke als Kunstwerke vollbrachte.
Das Hauptgeschäft dieses unermüdlich Schaffenden ist denn auch von heute gesehen eher ein philologisches gewesen. Der Mann, der unglaubliche 44 Sprachen beherrschte und durch den großen Orientalisten Hammer-Purgstall, dessen Hafis-Übersetzung auch Goethes Diwan inspirierte, in die Dichtung und Geisteswelt des Orients eingeführt wurde, übersetzte den Koran, sowie zahlreiche Großwerke der persischen, arabischen und indischen Literatur und führte das Ghasel in die deutsche Lyrik ein.
1923 stellte der Orientalist Hermann Kreyenburg folgende rhetorische Frage, die eben so gut heute gestellt werden könnte: „Wie viele Deutsche ahnen, dass eine erschöpfende Gesamtausgabe der Meisterübersetzungen Rückerts einen Thesaurus der Weltliteratur in deutscher Sprache darstellen würde, der die kühnsten Träume Goethes an Vielseitigkeit und Meisterschaft überstiege?“
Aber in allem, was er tat – übersetzen, edieren, lehren –, sah Rückert sich in erster Linie als Poeten und orientierte sich an Goethes Leben und Werk – nicht zu seinem Besten. Nur einmal ermöglichte es tiefster Schmerz, der den Menschen fast zerriss, dass eines seiner lyrischen Werke das entsprechende Goethes, nämlich die Marienbader Elegie übertraf – wohlgemerkt nicht, was die künstlerische Kraft angeht, vielleicht aber in Hinsicht auf die Gefühlsintensität, die sich auf den Leser überträgt. Ich spreche von den 1834 nach dem Verlust seiner Lieblingskinder Ernst und Luise entstandenen „Kindertotenliedern“. / Michael Kleeberg, Die Welt 4.7.
Die Schriftstellerin und Suhrkamp-Verlegerin Ulla Berkewicz hielt eine Rede aus Anlass der Verleihung des diesjährigen Hermann-Lenz-Preises an Friederike Mayröcker in Offenburg, die die Welt am 5.7. abdruckt:
Im Zentrum des Schreibens und Schreiens aber steht dir E. J.
Übersetzung der Bibel, und in der Luther-Übersetzung heißt es: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Ehjeh ist ein Gottesname. Ehjeh bedeutet von eh und je zugleich das Grenzenlose und das Nichts, das Nichts und die Unendlichkeit als eins von eh und je.Als du vor vier Jahren am Berliner Ensemble zum ersten Mal aus „Und ich schüttelte einen Liebling“ gelesen hast, hast du dort, wo die Initialen E. J. stehen, Ehjeh gelesen. Und als ich dich fragte, wusstest du wohl, dass du statt E. J. Ehjeh gelesen hattest, aber du wusstest nicht, was uns Ehjeh heißt, und was Ehjeh dir heißt, wer weiß das schon.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
When we’re young, it seems there are endless possibilities for lives we might lead, and then as we grow older and the opportunities get fewer we begin to realize that the life we’ve been given is the only one we’re likely to get. Here’s Jean Nordhaus, of the Washington, D.C. area, exploring this process.
I Was Always Leaving
I was always leaving, I was
about to get up and go, I was
on my way, not sure where.
Somewhere else. Not here.
Nothing here was good enough.
It would be better there, where I
was going. Not sure how or why.
The dome I cowered under
would be raised, and I would be released
into my true life. I would meet there
the ones I was destined to meet.
They would make an opening for me
among the flutes and boulders,
and I would be taken up. That this
might be a form of death
did not occur to me. I only know
that something held me back,
a doubt, a debt, a face I could not
leave behind. When the door
fell open, I did not go through.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2008 by Jean Nordhaus, whose most recent book of poems is „Innocence,“ Ohio State University Press, 2006. Poem reprinted from „The Gettysburg Review,“ Vol. 21, no. 4, Winter, 2008, by permission of Jean Nordhaus and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
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