Schon als junger Mann, in den frühen 1960er Jahren ist Breyten Breytenbach, Sohn einer wohlhabenden Burenfamilie in der südafrikanischen Provinz, zum Kritiker seiner Herkunftswelt geworden. Als Lyriker blieb er der Sprache der Väter treu, schrieb und publizierte Gedichte auf Afrikaans („Die ysterkoei moet sweet“, 1964, dt. „Die Eisenkuh muss schwitzen“), war eine Dichterhoffnung der Buren. Aber mehr und mehr band er seine Gedichte wie seine Prosa, ob in afrikaans oder englisch, in die ästhetische wie politische Opposition gegen die Regierung in Pretoria und ihre Politik der Rassentrennung ein. / Lothar Müller, SZ 16.9.
Im L&Poe-Archiv:
2002 Mrz # Lyrik in ausgewählten Zeitschriften
2004 Apr #53. Bastard-Sprachen
2004 Dez #5. Fortschritt
2005 Apr #86. Zuletzt Poesie
2007 Jul #10. Dreimal Südafrika
Dienstag, 29. September, 20.30 Uhr
Monarch, Skalitzer Straße 134, B-Kreuzberg
Björn Kuhligk & Tom Schulz:
Best of Kneipenbücher!
Berlin trifft München, Hamburg und Köln.
In den letzten drei Jahren haben Björn Kuhligk und Tom Schulz ihre Idee zum literarischen Kneipenbuch in vier Städten verwirklicht und ausgelebt. Über hundert Autoren und Autorinnen schrieben über ihre Lieblingslokalitäten: die Berliner Eckkneipe, die bayerische Boazn und kölsche Kaschemmen kamen genauso vor wie Szenebars auf dem Kiez zwischen Schanze, Schwabinger Bohemé und Kreuzberger Versunkenheit
Entstanden sind vier kurzweilige und hochprozentige Geschichtensammlungen und Reflektionen über das Kneipenleben von Nord nach Süd, von Ost nach West. Die besten Texte, gelesen von den beiden Herausgebern, gibt es nur an diesem Abend zu hören, und wie heißt es als Motto zum ersten, dem Berliner Kneipenbuch: „Die Kellner kommen und gehen, wir bleiben.“ Salute, kommt alle unbewaffnet in die Verbrecherversammlung am Dienstag, den 29. September!
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Freitag, 2. Oktober, 20 Uhr
Brotfabrik, Caligariplatz, B-Weißensee
(Eintritt frei)
Tom Schulz liest aus:
Kanon vor dem Verschwinden
Gedichte. Berlin Verlag
„Die Kunst ist wie das Feuer. Sie lebt von dem,
was sie verbrennt.“ Jean-Luc Godard
Die Webseite lyrikline.org ist ein beispielloses internationales Internetprojekt, an dem Partnerinstitutionen in 40 Ländern gemeinsam arbeiten – seit 10 Jahren. Das Bestreben von lyrikline.org, Poesie jederzeit für jedermann weltweit zur Verfügung zu stellen, wird jetzt von Bundespräsident Horst Köhler gewürdigt. Gemeinsam mit den Autorinnen Monika Rinck (Berlin) und Lebogang Mashile (Südafrika) eröffnet er am 26.10. 2009 die Festwoche zum 10jährigen Jubiläum der Webseite für Poesie.
Mo 26.10. 19:30 Passwort: Poesie
Auftakt
Palais, Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter mail@literaturwerkstatt.org
bis 5.10.2009
Mit Lebogang Mashile (Südafrika), Monika Rinck (Deutschland) Musik: Aki Takase (Japan)
In Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler
Installation von Jorinde Gustavs, 9.8. – 30.9.
Nikolaikirche, Stralsund
Die Installation ist für das Stralsunder Glockenkonzert konzipiert und wird am Sonnabend, 26.9., 20:00 Uhr zur Liturgischen Nacht aktiv.
Das Geheimnis der Texte der 14 Kleidchen wird gelüftet.
Die Stralsunder Dichterin Silke Peters begleitet mit assoziativen Worten die Aktion.
Die beschrifteten Mädchenkleider sind an Gewölbebögen so hoch gehängt, daß die Texte schwer lesbar sind. Die Hängung erinnert an die Barockzeit, als singende Chorknaben so in die Höhe gezogen wurden. Um 20:45 Uhr werden die Kleidchen von ihrer Höhe heruntertgelassen, so daß die Besucher die Texte endlich ohne Mühe entziffern können. Es sind einige unsagbar private „gebetsähnliche“, schreibt die Künstlerin, Schicksale dabei, die unter den 6 Gewölbestationen im südlichen Seitenschiff in dieser Nacht gelesen werden.

Fast eine Debatte löste jüngst ein magerer „Zeit“-Artikel über Lyrik im Netz aus. Unvermerkt blieb dagegen ein ganz ähnlich angelegter knapper Artikel bei Textem zwei Wochen früher. Carsten Klook schrieb unter der Überschrift „Lyrik im Netz“ über drei Seiten, auf denen Gedichte in großer Zahl archiviert sind: lyrikline, Poetenladen und fixpoetry.com. Klook liefert solide Information statt mehr oder weniger verbrämter Meinung, und er hat Kontakt mit Verantwortlichen aller drei Seiten aufgenommen. Über fixpoetry heißt es:
„Wir möchten auf unserer Website den Hang zum Hermetischen überwinden, den Lyrik haben kann. Und eine Offenheit an den Tag legen“, sagt Frank Milautzcki, der im Feuilleton mit seinem großen Essay „Grundlegendes zur Lyrik der Gegenwart“ einen interessanten Überblick wagt.
„Interessanter Überblick“ ist natürlich tiefgestapelt. Klook zielt auf sachliche Information, und die ist gut recherchiert und zuverlässig. Und immerhin liefert er den Hinweis auf einen wichtigen und spannenden Text von Milautzcki, der seit über zwei Monaten (er ist datiert 23.05. – 18.06.2009) im Netz steht. Daß das sogenannte große Feuilleton seit langem den Anspruch aufgegeben hat, die Lyrikszene zu verfolgen, verwundert nicht. Aber die vielzüngige, agile Lyrikszene im Netz hätte ruhig hinhören können. Nur bei Matthias Kehle habe ich vor einigen Wochen einen Hinweis gefunden.
Ich spreche hier auch in eigener Sache. Seit gut zwei Monaten schiebe ich den Plan vor mir hier, den Text zu kommentieren. Ganze Essaykavalkaden im Kopf entwerfend. Das Tagesgeschäft, das digitale wie das realweltliche, haben den Plan immer wieder wegrutschen lassen. Dies sei eine Ankündigung: Kommentar folgt. Wer es noch nicht getan hat: Lesen!
Sekundärliteratur zu lyrischen Texten, die in Text und jeweiligem Titel selbst poetisch anspruchsvoll daherkommt. Ein kluges Buch; nicht altklug, nicht neunmalklug – einfach nur klug und fachkundig. Und ein schönes Buch; nicht übertrieben äußerlich schön, kein Blender. Pflichtlektüre für im Grunde alle, die Gedichte schreiben, vor allem aber für die, die Gedichte zukünftig gewinnbringender lesen und deuten wollen. / Stefan Heuer, fixpoetry.com
Michael Braun & Michael Buselmeier: Der gelbe Akrobat – 100 deutsche Gedichte der Gegenwart, kommentiert. Poetenladen, Leipzig 2009.
Der Filmemacher James Longley aus Seattle und die Lyrikerin Heather McHugh erhalten je $ 500.000 aus der John T. and Catherine T. MacArthur Foundation. Frau McHugh ist Milliman-Stipendiatin („Milliman distinguished writer in residence“ an der University of Washington. Die sogenannten „Genie-Stipendiaten“ (bisher 24) werden wegen ihrer Kreativität und Originalität ausgewählt. McHugh, 61, hat unter anderem acht Gedichtbände veröffentlicht. In der Erklärung der Stiftung heißt es, ihre Dichtung sei sowohl humoristisch als ernst. Sie benutze Wortspiel, Reim und syntaktische Verdrehungen, um Bedeutungsschichten sichtbar zu machen. Von 1999 bis 2006 war sie Kanzlerin der Academy of American Poets. / SCOTT SUNDE, SEATTLEPI.COM.
Vgl. hier 113. Rilkes Botschafter
William Logan reviews Thom Gunn’s Selected Poems.
By William Logan
Poetry Media Service
Selected Poems, by Thom Gunn, edited by August Kleinzahler. Farrar, Straus & Giroux, $14.00.
In the 1940s and 1950s, it was almost an act of rebellion to compose tidy stanzas and tidier rhymes, as if the modernists had never existed. The influence of Auden and Yeats (those most seditious of seditious poets) was so overpowering on both sides of the Atlantic that an ideological mustiness soon pervaded the poetry magazines, as young poets wrote endless allegorical stanzas on Orpheus, or Achilles, or just about any Greek god or hero you could name. A few of these poems were brilliant; many were good; but the mass proved just period sludge, the sort any age produces—most of it to be washed away on the next tide of fashion. Thom Gunn could write in this headmaster’s manner with the best of them.
The huge wound in my head began to heal
About the beginning of the seventh week.
Its valleys darkened, its villages became still:
For joy I did not move and dared not speak,
Not doctors would cure it, but time, its patient skill.
And constantly my mind returned to Troy.
Gunn’s early books, Fighting Terms (1954) and The Sense of Movement (1957), announced a talent for emotion controlled in muscular, labyrinthine forms. His elegance had a brutish edge, and his brutality concealed a few civilities (his cachet as a young poet came from writing formal poems on bikers and Elvis). It should have been no great surprise when shortly after his first book he moved to California and took up study with Yvor Winters.
Selected Poems reveals how long Gunn labored to overcome the limitations of his virtues. If his early poems seem fussy now, polished into artificial antiquity, the over-heated poems on surfers and LSD are simply embarrassing. (The whole of „Listening to Jefferson Airplane“ reads „The music comes and goes on the wind,/ Comes and goes on the brain.“) Gunn’s best work had to fend off Winters in his smugness and rectitude on one hand and San Francisco’s beatniks and hippies on the other, but he never stopped trying to treat the incompatible realms of his experience as if they formed a whole.
August Kleinzahler, who edited this volume, has made a judicious and surprisingly conservative selection of Gunn’s poems. Though he might have been more generous to the early books—only half a dozen poems survive—the most motheaten poems are gone, but so are later poems using the scatty lines of the Beats. I don’t miss the loose-limbed verse of Gunn’s middle period, or the poems that mentioned Ding Dongs or Charles Manson—or the one from the point of view of a dog. This selection stresses the reasoned continuity of Gunn’s work, evident in his formal poetry until the end. (Even late, he could make a lot of metaphysical hay out of a nasturtium found in a vacant lot.) What remain are, for the most part, the poems that take serious things seriously, culminating in the elegies he wrote during the AIDS outbreak of the 1980s. Gunn’s late poems were often bleak, haunted by losses to time and disease, by the slow recession of pleasure. After the completion of Boss Cupid (2000), he seems to have published nothing new before his death in 2004.
You’d hardly know from his poems that Gunn ever worked a day—he took as his gravitating theme a hedonism never wholly gratified. He loved the tightly knit stanzas and clockwork rhymes of the late Elizabethans. „I want to be an Elizabethan poet,“ he once said, but there’s a great difference between being and imitation. In some ways, he was the thinking man’s Stephen Spender, his rude couplet about Spender notwithstanding. Gunn was a poet for whom feeling blossomed through form (his motto might have been Eliot’s remark that a „thought to Donne was an experience“); but he needed the resistance of pattern, the refined difficulty in the made thing. If the cost was too many early poems that began with lines like „Do not enquire from the centurion nodding“ or „Lictor or heavy slave would wear it best,“ and too many gassy stretches of couplet writing, the benefit was the stately movement he could give the passing of passing fancies:
Why should that matter? Why pretend
Love must accompany erection?
This is a momentary affection,
A curiosity bound to end,
Which as good-humored muscle may
Against the muscle try its strength
—Exhausted into sleep at length—
And will not last long into day.
Shakespeare and Donne would have recognized that cool detachment, and Dante approved Gunn’s vision of the afterlife, where the dead watch the living on black-and-white TV.
William Logan’s most recent book of criticism is Our Savage Art: Poetry and the Civil Tongue. His new poetry collection, Strange Flesh, appeared last fall. This review first appeared in the New Criterion. Distributed by the Poetry Foundation at http://www.poetryfoundation.org.
© 2009 by William Logan. All rights reserved.
Gute Nachricht aus Thüringen bringt die Ostthüringer Zeitung:
Mit Dieter Wolf aus Neunhofen und Uwe Lammla aus Neustadt traten zwei gestandene Autoren der Thüringer Vereinigung des Freien Deutschen Autorenverbandes bei. Während Uwe Lammla „ein begnadeter Lyriker“ sei, schreibe Dieter Wolf „sehr variiert und humorvoll“ Erzählungen über das Leben früher und heute in seiner Heimatregion.
Der Bericht läßt offen, ob ein begnadeter Lyriker mehr oder eben der erste. Haben sie seine Gedichte gelesen? Blieb ihnen der Mund offen vor Staunen, wenn er welche vorlas? Blind hineingegriffen:
Von diesem Holze sind die Weiserstäbe
Zu Hoheit und Gericht in deutschen Hainen,
Daß wer sich Müh für echten Frieden gäbe,
Zeigt, daß er wußt, mit Hasel zu erscheinen.
Auch bannen sie die Hexen und die Schlangen,
Johannistriebe stecken ab die Kreise,
Wo Groll und Rachsucht fern sind und vergangen,
Weil hier das Urteil einzig fällt der Weise.
Aus »Trichterwinde«. Gedichte (in Arbeit), Vers 30347 bis 30410
Die Reime sind rein, das Metrum einwandfrei, der Wortschatz tümlich, die Grammatik verdreht und der Sinn … je nach Geschmack kann man sagen: kraus oder ff (feierlich-feucht). Wo immer man hingreift, es wird nicht anders:
Hinzelmann wird dir zum Bruder im Schloß Hudemühlen,
Er, der nur guttut, daß er der gemordete Knab,
Schamvoll verschweigt, muß die Häme der Schloßgäste fühlen,
Bis er den Drosten vertrimmt mit dem Haselnußstab.
Hat einer was verstanden? Wenn nicht, muß es Poesie sein: begnadete wohl. Wortschatz, Bilder und Grammatik scheinen gezielt eingesetzt, den Sinn zu verdunkeln. Weiß er ihn selber nicht? Oder will er ihn verdunkeln? Manchmal allerdings findet er klarere Töne:
Bist du von Rasse, so fragt dich der Kamerad Peter,
Den du verdächtigst, ein ahnloser Mischling zu sein,
Mag auch die Zeit schon die Frage verdammen, kein Meter
Soll dich vom Kern ihres wuchtigen Ernstes befrein.
Die Wörter Rasse, Kamerad, Mischling, drei Hammerwörter in zwei Zeilen, weisen nicht mehr nur konnotativ, sondern denotativ auf Inhalt. Bitterernst, wuchtigernst geht es weiter. – Die Grammatik verdunkelt auch hier, oder soll ich sagen: mildert? Wer verdächtigt wen? Gegenseitig anscheinend verdächtigen sie sich in der Rassenfrage: Kamerad Peter fragt das lyrische Du, ob es „von Rasse“ sei (als wären sie Pferde), und das Du seinerseits verdächtigt ihn des gleichen Befunds: „ein ahnloser Mischling zu sein“. Ahnloser ist echt gut: zahnlos, ahnenlos und ahnungslos in ein Wort gepreßt. Mit den Ahnen gehts weiter, „Rasse“ ist offenbar eine Art Mischling, nämlich von Biologie (vererbt, angeboren) und Glauben:
Rasse ist Glaube der Ahnen, vererbt, angeboren,
Den du als Kind, das das Giftkraut des Zweifels nicht kennt,
Spürst, wenn du erstmals vom Reich hörst, und sich in die Horen
Einschleicht ein Sonnensymbol, das die Mutter verbrennt.
Höre, das bringt uns unendliche Leiden und Tränen,
Spricht sie, der Lehrer zählt bald die Verbrechen dir auf,
Die unsere Großväter, folgsam den teerschwarzen Schwänen,
Übten an Nahen und Fremden zumeist und zuhauf.
Im Klartext: das Kind, das dumpf in sich „Glaube der Ahnen“ spürt, hört vom „Reich“ und sieht das Sonnensymbol Hakenkreuz, die Mutter verbrennts schnell (in Klammern: hier wieder die verschwurbelte Grammatik: „unendliche Leiden und Tränen“ bringt, nicht „brachte“, uns das Zeichen, sagt die Mutter; „uns“. So gehts, wenn sich „Sonnensymbole“ in die „Horen“ einschleichen!), die Mutter verbrennt das Kreuz, der Lehrer zählt die Verbrechen der Großväter auf, die SS tritt in Gestalt teerschwarzer Schwäne auf, denen folgsam die Großväter Verbrechen „übten“ (!) „an Nahem und Fremden“, aha, doch, denkt man, aber: „zumeist und zuhauf“: wo immer Klartexte aufzublitzen scheinen, tritt die begnadete Sprache dieser Art Poesie auf und verunklart wer, wem, was, worüber, weshalb und wodurch.
Etwas in der dumpf-erfüllten Kinderseele läßt sich nicht abschrecken:
Aber die Abschreckung kann dich nicht hindern zu forschen,
Ob nicht ein Gran dieses Lichtglanzes stark in dir west,
So wie wie Störche ihr Nest wiederfinden auf morschen
Türmen, so stehst du am Born deiner Herkunft und flehst:
Möge das Dunkel, die Schmach und die Scham von ihm weichen,
Gab es nicht Widerstand, Partisan, Deserteur?
Aber in all dieser Antiwelt wehrt sich ein Zeichen
Und es bleibt seltsam verstockt bei dem innren Verhör.
Am Ende kommt sie, kommt das lyrische Du doch zur Erkenntnis, ich sags erst in meinem profanen Klartext, bevor Sie die Poesie in sich sacken lassen können: irgendwann wurde ihm klar, daß die Leiden und Verbrechen, von denen Mutter und Lehrer sprechen, vom Feind erdachte Mären waren:
Irgendwann wird dir bewußt, daß der Feind jene Mären
Aussann, die hindern, du selbst und ein Enkel zu sein,
Ließest du ihn und die käuflichen Diener gewähren,
Wärst du von Rasse nicht, fällt dir zum Herkommen ein.
Rasse, lautet das Fazit, ist nicht Biologie, sondern innere Haltung. Wer für solch begnadete Poesie empfänglich ist, ist der auf dem richtigen Wege? Thüringen, ist da noch was?
Letzter Eintrag im Gästebuch seiner „Heimseite“:
D.K., Stuttgart, Offizier, schrieb am 07.09.2008:
Ich bin auf Ihre Werke leider erst jetzt aufmerksam geworden.
Ein Artikel in der Jungen Freiheit führte mich an Ihr Schaffen heran.
Ich möchte Ihnen Lob und Anerkennung ausprechen und verbleibe in der Hoffnung, dass Ihr Wort noch viele erreichen wird.
Die kulturelle, untere Mittelmäßigkeit der medial verdummten Republik braucht in diesen dunklen Zeiten solche Leuchtfeuer, wie Sie und Ihre Werke eines darstellen.
Mit freundlichen Grüßen
ein neuer Anhänger
Die Schriftstellerin Kathrin Schmidt erhält in diesem Jahr den mit 10.000 Euro dotierten „Preis der SWR-Bestenliste“. Sie wird ausgezeichnet für ihren Roman „Du stirbst nicht“, der im Mai, Juli/August und September auf der SWR-Bestenliste stand. / Pressemitteilung
Walter Fabian Schmid sprach für den Poetenladen mit der Autorin über Prosa und Lyrik. Auszug:
W. F. Schmid: Braucht man diese Abstraktion, aber auch Reduktion und Sprachkompension der Lyrik als Ausgleich zur Prosa, wo man mehr vermittelnd arbeiten muss?
K. Schmidt: Für die Zeit vor dem Sprachverlust muss ich schon sagen, dass es so gewesen ist. In den letzten Jahren hat sich das aber nicht so gezeigt. Ich hatte zwar immer große Lust auf Gedichte, aber ich wusste, dass ich das nicht kann. Während ich vorher die Wörter vom Baum pflücken konnte, so muss ich sie jetzt suchen. Das ist ein anderes Schreiben, als es vorher war. Obwohl der Gedichtband, den ich vorletztes Jahr im Herbst begonnen habe, fertig ist und im nächsten Frühjahr erscheinen wird, weiß ich noch nicht so genau, wie das weiter geht und wie das ausgeht. Für mich ist eine völlig neue Schreibsituation entstanden. Das finde ich aber ganz spannend.
W. F. Schmid: Über die zukünftigen Gedichte weiß ich natürlich nichts. Aber wenn ich mir die bisherigen Gedichte anschaue, dann sind die ziemlich streng gebaut – sie arbeiten beispielsweise auch viel mit Daktylen. Würden Sie sagen, Sie brauchen diese Formstrenge? Gibt sie den Gedichten ein Rückgrat?
K. Schmidt: Es ist mit Sicherheit so. Ich nehme mir die Formstrenge aber nicht bewusst vor. Ich setze mich nicht hin und sage: „Ich will im Daktylus schreiben.“ Das ist eine Art, die aus dem Sprechen kommt. Ein Gedicht ist immer auch ein tönendes, ein rhythmisches Gebilde. Was mir bei dem einzelnen Gedicht dann erst auffällt, wenn ich es lese und wenn ich es klanglich im Ohr habe. Wenn ich das Gedicht fertig einschätze, dann ist es sicher so, dass die strenge Form ein starkes Rückgrat, ja, das Grundgerüst ist für ein Gedicht.
W. F. Schmid: Würden Sie sagen, dass es der derzeitigen Lyrik an diesem Rückgrat, an Formbewusstsein fehlt?
K. Schmidt: Ich fühle mich nicht kompetent genug, das zu bewerten, weil ich noch dabei bin, mir die Lyrik der letzten Jahre zurück zu erobern. Darauf wäre ich aber nicht gekommen, dass es der jungen Lyrik an Formstrenge fehlt. Es ist jedoch ganz sicher so, dass mir beispielsweise Gedichte von Anja Nioduschewski vom Textrhythmus her viel näher sind als Texte von Katrin Marie Merten, die ich keinesfalls für schlechter halte! Das hat auch mit dem Rhythmus und mit dem Metrum zu tun.
Im L&Poe-Archiv
2001 Mrz # Leider nicht mehr lieferbar? Freund aller Autoren:
2001 Apr # Basel
2001 Apr # Kurz gemeldet
2001 Mai # Kritikerpreis 2001
2001 Okt # Kathrin Schmidt über Lavinia Greenlaw
2002 Jul # Desinteressierte Kritik, starke Lyrik
2004 Mrz #88. neuedichte
2004 Mai #37. Volker Braun 65
2005 Mai #2. In memoriam Thomas Kling
2006 Mrz #23. Der Renegat der Avantgarde
2007 Mrz #85. BELLA triste mit Lyrik-Sonderheft in Leipzig
2007 Apr #32. Beißhemmung
2007 Okt #87. Lyrik für Greifswald
2007 Nov #92. Lyriktreffen – Ein Tunnel über der Spree
2007 Dez #113. Blick zurück nach vorn
2008 Feb #83. Lyrikpreis Meran: Finalisten stehen fest
2008 Jun #53. Der Dichter aus der Nachbarschaft: Poets’ Corner [Forts.]
2008 Jul #57. Inger Christensen und Kathrin Schmidt in Ahrenshoop
2009 Mrz #34. dtv hat reagiert
2009 Aug #132. Für den deutschen
Edward Snow hat einen guten Teil seines Lebens damit verbracht, mehr Rilke als jeder andere in flüssiges, lyrisches Englisch zu übersetzen. Er ist Rilkes derzeit bester Botschafter in der englischsprachigen Welt. … Snows Übersetzungen der vollständigen Originalausgaben, darunter beider Bände der „Neuen Gedichte“, „Das Buch der Bilder“, Duineser Elegien und der erstaunlichen „Ungesammelten Gedichte“, stehen für sich als schöne Texte und bringen Rilkes Intensität und Blickschärfe ins Englische. Mit Sicherheit der definitive Rilke für einige Zeit. / Publishers Weekly 21.9.
Außerdem in der Sammelrezension Gedichte von H.L. Hix, Mary Jo Bang, Heather McHugh, Marie Ponsot, David Baker, Philip Levine, Gabrielle Calvocoressi, Nin Andrews, Louise Glück, Franz Wright sowie der Anthologie The Best American Poetry 2009 Edited by David Wagoner and David Lehman. Scribner, $35 (240p) ISBN 978-0-7432-9976-3; $16 paper ISBN 978-0-7432-9977-0
Nur deshalb, weil es im Kreis um George eben doch Brücken zu einer methodisch reflektierten Geschichtsschreibung gab, nicht nur die Schwabinger Dante- und Dionysos-Kostümfeste, war die Anknüpfung für Raulff, den Leiter des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, möglich. Der Stoff ist aber auch danach. Kein leises Verdämmern einer Tradition sehen wir, die nach dem Tod des Meisters zu vergilben beginnt, sondern eine Geschichte der Deutungskämpfe, die bis in die höchste Politik reichen. Naturgemäß muss hier der Name Stauffenberg fallen. Der Hitler-Attentäter stand mit seinen Brüdern Bertold und Alexander an Georges Totenbett. Und als der Major Remer am Nachmittag des 20. Juli 1944 mit Goebbels Kontakt aufnahm, war der Vermittler ein Mann aus dem Propagandaministerium, ein großer Verehrer Rilkes – was Carl Schmitt zu dem bösen Wort brachte: „Der 20. Juli, das ist der Sieg Rilkes über George“. / Lorenz Jäger, FAZ 18.9.
Siehe auch: F.A.Z.-Leseprobe: Ulrich Raulffs George-Buch
Ulrich Raulff: „Kreis ohne Meister“. Stefan Georges Nachleben. Eine abgründige Geschichte. C.H. Beck Verlag, München 2009. 544 S., Abb., geb., 29,90 €.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I tell my writing students that their most important task is to pay attention to what’s going on around them. God is in the details, as we say. Here David Bottoms, the Poet Laureate of Georgia, tells us a great deal about his father by showing us just one of his hands.
My Father’s Left Hand
Sometimes my old man’s hand flutters over his knee, flaps
in crazy circles, and falls back to his leg.
Sometimes it leans for an hour on that bony ledge.
And sometimes when my old man tries to speak, his hand waggles
in the air, chasing a word, then perches again
on the bar of his walker or the arm of a chair.
Sometimes when evening closes down his window and rain
blackens into ice on the sill, it trembles like a sparrow in a storm.
Then full dark falls, and it trembles less, and less, until it’s still.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2008 by David Bottoms, whose most recent book of poems is Waltzing Through the Endtime, Copper Canyon Press, 2004. Poem reprinted from Alaska Quarterly Review Vol. 25, No. 3 & 4, Fall & Winter 2008, by permission of David Bottoms and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
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